Donnerstag den 14. September .»I-W ®E i™! er wird die Klugheit tadeln? Jeder Schritt Des Lebens zeigt, wie sehr sie nötig fei; Doch schöner ist's, wenn uns Die Seele sagt, Wo wir der feinen Vorsicht nicht bedürfen. Goethe. (Nachdruck verboten.) Schuldig. Erzählung von F. Arnefeldt. (Fortsetzung.) Der kleine Mann machte ein etwas einfältiges Gesicht und fragte: „Wie so?" „Weil Sie sich hätten sagen können, daß mein Sohn das Geld einzig und allein von mir bekommen haben kann", entgegnete der Kommerzienrat. „Ich hab' es ihm gegeben und ihm befohlen, schleunigst die fatale Angelegenheit aus der Welt zu schaffen". „Da ist es aber sonderbar, daß der junge Herr mich so sehr gebeten hat, dem Vater nichts von der Geschichte zu sagen; wie ich ihm in einem Briefe, den ich ihm vorgestern geschrieben, angedroht hatte," sagte Wetterau noch immer devot, aber doch hämisch. „Und gleichzeitig schrieben Sie an mich!" sagte Helldorf verächtich. Wetterau zuckte die Achseln: „Was will man machen! Ich bin sogleich gekommen, um Ihnen zu sagen, daß ich bezahlt bin und Sie zu bitten, eS nun gut sein zu lassen." „Sie haben sich dazu etwas lange Zeit genommen, und ich konnte mir das Vergnügen nicht versagen, Sie einige Zeit in dem Glauben zu lassen, Sie bereiteten mir eine Ueberraschung mit der Nachricht, daß die Schuld bezahlt sei und Ihnen dabei meine Meinung zu sagen. Merken Sie sich meine Worte und richten Sie sich danach. Adieu, Herr Wetterau." Ohne den kleinen Mann noch eines Blickes zu würdigen, wandte er ihm den Rücken und setzte sich an seinen Schreibtisch- „Führen Sie den Herrn hinaus!" gebot er dem Diener, der auf den Ton einer von ihm in Bewegung gesetzten elektrischen Glocke sofort ins Zimmer getreten war. Wetterau hatte, als er seinen Weg durch die Kontorzimmer zurücklegte, eine gewisse Aehnlichkeit mit einem begossenen Pudel, gleich einem solchen schüttelte er aber auch die empfangene Dusche schnell ab, und auf die Straße gelangt, murmelte er: „Hoho, Herr Kommerzienrat, wer den alten Wetterau dumm machen will, oer muß früher aufstehen. Mit all' ihrer Hochnäsigkeit führen Sie mich nicht hinters Licht. Es ist schon so, wie ich mir's dachte; der junge Mensch ist nicht auf geradem Wege in den Besitz des Geldes gekommen, das hab' ich gestern ihm und heute dem Vater angesehen. „Die Schauspielerei nützt gar nichts," fuhr er triumphierend fort. „Hätten beide gescheiter gethan, mich ins Vertrauen zu ziehen. Muß jetzt nur noch ein wenig tiefer graben, ist für unsereins immer ein großer Vorteil, Leute wie die Helldorfs im Sacke zu haben. Und der Herr Studiosus kommt wieder, der kommt wieder, das wird gar nicht lange währen. Zufrieden mit seinem Vormittagsgeschäft, sprang Wetterau auf einen Pferdebahnwagen und fuhr seiner im Osten der Stadt belegenen Wohnung zu. — Der Kommerzienrat saß, nachdem er sich allein sah, ein paar Augenblicke regungslos und stützte das schwere, schmerzende Haupt in beide Hände. Thränen, glühend wie geschmolzenes Blei, tropften aus seinen Augen, die seit vielen Jahren nicht mehr geweint hatten. „Das — das ist des Rätsels Lösung!" stöhnte er. „Mein Sohn — mein Sohn, ein Dieb!" Er schaute sich erschrocken um, als fürchte er, daß das schreckliche Wort von jemand vernommen sein könne, und fuhr dann fort: „Sein Leichtsinn, in dem seine verblendete Mutter ihn bestärkt, hat ihn auf die abschüssige Bahn gebracht, und jener Elende ihn durch sein Drohung völlig in den Abgrund gestoßen! Hätte er sich doch lieber mir entdeckt! Bin ich zu schroff, zu streng gegen ihn gewesen? Trage ich selbst einen Teil der Schuld? Mein Sohn! Mein Sohn!" schrie er auf und schlug beide Hände vor das Gesicht. „Bist Du mir wirklich verloren ? Bist Du unrettbar dem Laster verfallen?" „Es ist ein Jugendstreich," tröstete er sich wieder. „An mir ist es, dafür zu sorgen, daß er nicht von nachhaltigen Folgen ist! „Wie gut, daß ich noch zu niemand von dem fehlenden Gelde gesprochen habe, es darf nun auch niemand etwas davon erfahren. Ich werde mit ihm reden, ernst und mild, väterlich und eindringlich- er kann noch kein Verlorener sein." 522 Mit diesen Worten stand Kommerzienrat Helldorf auf und rief durch ein Glockenzeichen seinen Sohn Hans und die Prokuristen zu der üblichen Konferenz zu sich. Ruhig und überlegt traf er seine Bestimmungen, niemand sollre ihm anmerken, daß sein Herz von bangen Besorgnissen erfüllt war, daß in seinem Kopfe sich Gedanken wälzten, die mit dem Geschäfte nichts zu thun hatten. Wenn es ihm gelang, die andern zu täuschen, so ließ die Liebe seinen ältesten Sohn Heller sehen. Hans legte sich die Frage vor, was den Vater so bewege, ohne doch eine Antwort darauf finden zu können. IX. Die Familie Helldorf saß wie gewöhnlich in dem schön ausgestatteten Speisezimmer beim Mittagsessen. Geräuschlos reichte der Diener die Speisen umher, aber der Kommerzienrat, der sonst ein tüchtiger Esser war, nahm nur wenig von den dargebotenen Schüsseln und ließ manche ganz unberührt an sich vorübergehen. Dagegen trank er schnell hintereinander ein paar Gläser recht starken Rotwein, der eigens auf seinen Befehl vom Diener aus dem Keller geholt war. Er sprach auch wenig und hörte sichtlich zerstreut seiner Frau zu, die der kleinen Tafelrunde auseinandersetzte, daß und weshalb sie die für diesen Sommer in Aussicht genommene Reise aufgegeben habe. „Alle Reisen die ich bisher unternommen habe, haben mir nicht den geringsten Nutzen gebracht und mir nur allerlei Anstrengungen und Entbehrungen auferlegt/da möchte ich es wirklich einmal versuchen, ob es mir nicht besser thut, wenn ich in meinem gewöhnlichen Geleise bleibe," sagte sie in dem ihr eignen klagenden Tone. „Meinst Du nicht auch, Konstantin?" • Der neben ihr sitzende Gatte fuhr aus tiefem Sinnen auf und entgegnete: „Gewiß, ganz wie Du willst, liebe Eugenie. Was sagtest Du doch soeben" „O, Du hast mir gar nicht zugehört!" rief sie auf das tiefste verletzt. „Du solltest wirklich Deine Geschäfte hinter Vir lasten, wenn Du auf wenige Stunden zu Deiner Familie kommst. Oder sind es andere Dinge, die Dich so lebhaft in Anspruch nehmen, daß Du darüber vergißt, wo Du Dich befindest?" Sie schaute mit einem giftigen Blick im Kreise umher, der dann an Felicitas hängen blieb. Helldorf stieß einen Seufzer aus und sagte bittend: „Verzeihe, liebe Eugenie, ich gestehe mein Unrecht ein,- ich dachte in der Thal an etwas anders. Aber so ganz unaufmerksam bin ich doch nicht gewesen/ Du sprachst von einer Reise." „Die Mama nicht machen will," fiel Hans lächelnd ein. Er hatte den Vater fortdauernd im Auge behalten und seine schon in der Burgstraße gemachte Warnehmung, daß diesen etwas ungewöhnlich bewegen müsse, immer mehr bestätigt gefunden/ deshalb glaubte er ihm zur Hilfe kommen zu müssen. „Das ist ja außerordentlich liebenswürdig von Dir, Hans!" fiel die Kommerzienrätin mit einem Lächeln ein, das es sehr zweifelhaft ließ, ob dieses Lob im Ernst oder im Spott erteilt war. „Vielleicht bist Du nun auch so gütig und übernimmst die Mitteilung dessen, was ich noch weiter gesagt habe. „Nicht nötig, Eugenie, ich weiß es, Du willst den Sommer über in Berlin bleiben, das überrascht mich", sagte der Kommerzienrat schnell. „Hast Du denn schon mit dem Sanitätsrat darüber gesprochen?" Sie steckte ihre Duldermiene auf. „Als ob mir ein Arzt noch etwas raten oder helfen könnte! Ich muß selbst am besten wissen, was mir gut thut — und das heißt in diesem Falle: zu Hause bleiben". „Nun, mir kann es nur sehr recht sein", sagte ihr Gatte liebenswürdig. „Ich bin wegen der neuen russischen Anleihe an Berlin gefesselt und könnte Euch nicht begleiten, da ist es mir sehr erfreulich, Dich hier zu haben. Aber sollen wir unsere Kleine und Fräulein von Kressen nicht irgendwo an die See oder ins Gebirge schicken? Mich will bedünken, sie könnten es beide gebrauchen". Er wandte den Kopf nach der Seite, wo Felicitas und Hermine saßen, und die letztere rief sogleich sehr lebhaft: „Ach ja, Papa, laß mich mit Felicitas verreisen, das wird herrlich. Wir könnten ja auch Adalbert und August von Kressen mitnehmen!" „Sehr gütig von Dir!" lachte der jüngere Bruder, der bisher schweigend am Tische gesessen hatte. Da er kein ganz reines Gewissen besaß, war auch ihm das veränderte Benehmen des Vaters ausgefallen und hatte ihn beunruhigt. Jetzt gewann aber doch seine angeborene Heiterkeit die Oberhand, und er malte aus, wie er und August für die kleine Schwester die Kavaliere spielen würden. Mit geteilten Empfindungen hörte die Kommerzienrätin zu. Es machte ihr Vergnügen, ihren Sohn so sprudelnd lustig zu sehen, und gleichzeitig verdroß es sie doch, daß man sich ausmalte, wie die Erzieherin Genüsse hätte, die sich in diesem Sommer aus Gründen, die nur ihr selbst bekannt waren, versagen mußte. Das letztere Gefühl gewann die Oberhand, und sie sagte: „Genug der Posten, Adalbert. Es ist selbstverständlich, daß meine Tochter bleibt, wo ich bin/ ich bin nicht so pflichtvergessen, sie sür Wochen oder Monate fremden Händen zu überlassen". > Ein böser Blick traf die Erzieherin, die sich, wie immer, wenn es in ihrer Gegenwart zu Erörterungen unter den Familienmitgliedern kam, schweigsam verhalten hatte. Sobald die Kommerzienrätin die Tafel aufgehoben und Hermine den Eltern eine gesegnete Mahlzeit gewünscht hatte, nahm sie das kleine Mädchen bei der Hand und verließ mit ihr das Zimmer. Auch Frau Helldorf zog sich zurück, um ihre Mittagsruhe zu halten, und in demselben Augenblicke trat der Kommerzienrat dicht an seinen jüngsten Sohn heran und raunte ihn zu: „Komm sofort in mein Zimmer, Adalbert, ich habe mit Dir zu reden". — Wenige Minuten trat Adalbert Helldorf in das mit einer braunen Ledertapete bekleidete, mit schönen alten Kupferstichen geschmückte Zimmer, dessen einfache, aber gediegene Einrichtung von dem soliden Geschmack seines Bewohners Zeugnis ablegte. Nicht wie sonst hatte Kommerzienrat Helldorf, wenn er nach Tische dieses Gemach aufsuchte, sich eine Zigarre angezündet. Den Kopf in die Hand gestützt, saß er auf einem Sessel am Fenster. „Setze Dich mir hier gegenüber", befahl er mit finsterer Miene und in strengem Ton. Als der Sohn zögernd gehorchte, fügte er hinzu: „Kannst Du Deinem Vater noch in die Augen schauen?" Das bräunliche Gesicht des hübschen, schlankgewachsenen, dunkelhaarigen jungen Menschen ward wie mit Blut übergossen. Die dunklen Augen, die so lustig blicken konnten, suchten verlegen den Boden, gleich einem ertappten Sünder saß er vor dem Vater, und doch war in seiner ganzen Haltung etwas, das diesen zur Milde stimmte. Weicher als bisher fuhr er deshalb fort: „Adalbert, hast Du mir nichts anzuvertrauen? Du stehst nicht vor Deinem Richter, sondern vor Deinem Vater." Der junge Mann schwieg noch immer/ das verdroß den Kommerzienrat, und wieder viel strenger fuhr er fort: „Ich brauche Dein Geständnis nicht, ich weiß alles!" „Vater! Vater!" schrie Adalbert jetzt auf, nun aber unterbrach ihn dieser und rief immer zorniger werdend: „Du hast Schulden gemacht, trotzdem Du reichlichere Mittel bekommst als die meisten Deiner Kommilitonen, trotzdem Deine verblendete Mutter Dir außer dem, was ich Dir gebe, noch sehr viel zusteckt. Du hast Dich mit dem alten Wucherer, dem Wetterau, eingelassen, ohne zu bedenken, daß Du Dich damit diesem Menschen aus Gnade und Ungnade 523 — in die Hände giebst, ohne Rücksicht auf das, was Du dem Namen schuldig bist, den Du trägst!" Ganz zerknirscht hatte sich Adalbert erhoben/ wie ein Angeklagter vor dem Richter, so stand er vor Helldorf, und mit leiser Stimme sagte er: „Vergieb, Vater, vergteb mir nur dieses eine Mal, es soll gewiß nicht wieder geschehen". Er wollte die Hand des Kommerzienrates ergreifen, Lieser entzog sie ihm aber und sagte finster: „Was dachtest Du Dir, als Du das Geld liehest? Wovon wolltest Du es bezahlen?" Als Adalbert darauf nicht antwortete, fügte er mit bitterem Lächeln hinzu: „Doch was frage ich? Du dachtest gar nichts. Hättest Du nachgedacht, so würdest Du nicht zu Wetterau gegangen sein". „Ich bin nicht zu ihm gegangen, er hat mich ausgesucht, hat mir den Kredit beinahe aufgedrungen", bekannte Adalbert. „Das will ich Dir glauben!" nickte der Kommerzienrat. „Aber der Fuchs hatte die richtige Witterung, es war ihm bekannt, daß er bei Dir eine erwünschte Aufnahme seines Anerbietens finden würde. Wie konntest Du Dich von dem Menschen fangen lasten?" Adalbert wollte etwas erwidern, der Kommerzienrat ließ ihn jetzt aber nicht zu Worte kommen. „Wetterau hat vor ein paar Tagen an mich geschrieben — " „Der Schuft!" murmelte Adalbert zwischen den Zähnen. „An Dich auch, ich weiß, er hat Dir gedroht, sich an mich zu wenden! Ich habe ihm nicht geantwortet, er konnte warten und inzwischen —" „Vater, lieber Vater!" „Adalbert! Adalbert, wie konntest Du mir das thun?' rief der Kommerzienrat, von der Strenge zum tiefsten Schmerz übergehend. „Wärest Du zu mir gekommen und hättest mir reuevoll Deinen leichtsinnigen Streich bekannt, ich würde Dir verziehen und Dich aus des Wucherers Händen befreit haben. Die Art, wie Du dies selbst gethan, kann ich Dir niemals verzeihen!" „Du weißt auch das!" stammelte der Sohn ganz zerknirscht. „Ich sagte Dir schon, ich wisse alles. Wetterau war heute bei mir, er wollte den Ehrenmann spielen und mir anzeigen, daß Du ihn bezahlt habest, Gott weiß, welche Absichten der Schurke dabei hatte. Ich that, als ob ich Dir das Geld gegeben habe, aber er hat zu tief in die Karten geblickt, um mir das zu glauben- er weiß genau, auf welche unredliche, unverzeihliche Weise Du in den Besitz des Geldes gelangt bist". „Unredlich!" begann Adalbert mit zitternder Stimme, aber nun sprang der Kommerzienrat auf, packte ihn am Arm und donnerte ihm zu: „Das ist wahrlich noch die gelindeste Bezeichnung für das, was Du gethan. Ganz andere Namen verdient ein Mensch, der sich in das Zimmer seines Vaters schleicht, dessen Geheimfach öffnet und ihm Geld entwendet!" (Fortsetzung folgt.) Salat. Es kann nicht genug empfohlen werden, zur Sommerzeit genügend Grünstoffe als Speise zu verbrauchen. Leider wird das junge frische Grün meistens nur nebenbei mitgenossen, anstatt die Hauptmahlzeit zu bilden. Unter den Grünstosfen aber nimmt der Salat ohne Zweifel einen wichtigen Platz ein. Es ist hier nicht nötig, viel über die Arten zu sagen, doch gilt der römische Kopfsalat als der reichhaltigste. Der besondere Wert des Salates als Gemüse liegt in seinem hohen Gehalt an organischen sauren Salzen, wie man aus folgender chemischen Analyse ersehen kann: 94,33 Wasser, 1,41 Eiweiß, 0,31 Fett, 2,19 Kohlenwasserstoff, 1,03 Nährsalze. Nach Prozenten verteilen sich die Nährsalze wie folgt: 37,63 Kali, 7,54 Natron, 14,68 Kalk, 6,19 Bittererde, 5,21 Eisenoxyd, 9,19 Phosphorsäure, 2,76 Schwefelsäure, 8,14 Kieselsäure, 4-65 Chlor. Bricht man eine Staude Salat entzwei, so dringt ein weißer, milchartiger, bitterer Saft heraus, weshalb die alten Römer den Salat lactuca nannten (von lac, Milch). Der eigentliche Name aber war olus acetarium (Sauergemüse), wegen des scharfen, säuerlichen Geschmackes. Das Schlimmste beim Salatgenuß ist, daß er zumeist verdorben wird beim Zubereiten oder daß er wegen zu vieler Fett- und Reizstoffe, die mit ihm verzehrt werden, gar nicht ausgenutzt werden kann. Sagt doch ein uns vorliegendes Blatt wörtlich: „Von großer Wichtigkeit für die Verdaulichkeit der Salate sind die beigegebenen Würzen. Heißt doch Salat — italienisch salato, das „Gewürzte"." Das heißt den eigentlichen Wert des Salatgenusses gänzlich verkennen. Er ist selbst „Gewürz" genug, wie die chemischen Bestandteile zeigen. Man braucht nichts dazu zu fügen, als guten Appetit. Salat soll roh und ungewürzt gegessen werden, wie es die gesunden Hellenen thaten, die den Salat darum geradezu „das roh Eßbare" (ta troxima) nannten. Selbst die alte Kochregel für Salatbereitung ist überflüssig, welche vorschreibt: „Nimm Salz wie ein Weiser, Essig wie ein Geizhals, Oel wie ein Verschwender und mische wie ein Narr." Der Salat ist ganz vorschriftsmäßig zubereitet in der Erde und wird durch nichts in der Küche verbessert oder an Verdaulichkeit gehoben. Man wolle doch nicht alles noch einmal „verbessern", was wir der Natur entnehmen zum Genuß. Das frische Grün liefert durch seine mineralischen Bestandteile und Nährsalze eine dauerhafte Grundlage für solide Blutbildüng. Diese rohen Grundstoffe sind durch den Pflanzenleib hinvurch organisiert und durch den Verbrauch unseres Körpers köstlich vor- und zubereitet. Darum sollte man zur Sommerszeit fleißig sein. Lebensmaterial zu sammeln durch fleißigen, ergiebigen Genuß von Grünstoffen Diese sind die besten Medizinen für ein ausgelaugtes Blut- und Nervenleben. („Amerik. Naturarzt.") GeinernnÄtziges, Radfahrsport. Die größten Unglücke, die oft den Tod von Radfahrern verursachen, haben sich meist nur dann ereignet, wenn Leute, die ihr Rad noch nicht vollständig beherrschten, steile Berge hinuntergefahren sind. Plötzlich haben sie die Gewalt über ihre Maschinen verloren, in einem mörderischen Tempo sind sie bei irgend einer Biegung vom Rade geschleudert worden und mehr oder minder schwer verletzt liegen geblieben. Darum gibt es nur eine Grundregel für das Bergabfahren: Nie die Kontrolle über das Rad verlieren, nie dasselbe einfach weglaufen lassen, es sei denn am Ende eines Gefälles, wo man einen gruben, ebenen oder wieder entgegengesetzt aufsteigenden Auslauf vor sich hat. Ist der Berg sehr steil, so muß man ihn im Schritt unter starkem Kontratreten und mit angezogener Bremse hinunterfahren. Hierbei ist zu bemerken, daß die Bremse womöglich nicht in einem fort gleichmäßig festzuhalten ist, sie soll angezogen und dann wieder nachgelassen werden. Nur bei ausnehmend kurzen, steilen Bergen kann man sie beständig anziehen. Sind lange Berge so steil, daß sie ein fortwährendes Anziehen der Bremse erfordern, so ist es besser, hinunterzuschieben, weil man sowieso nicht schneller fahren darf, als man geht, und dabei die Pneumatiks nicht ruiniert. Ganz besondere Vorsicht ist bei Serpentinen zu beobachten. Diese müssen immer in sehr mäßigem Tempo genommen werden. Gar mancher lebensgefährliche Sturz ist durch Außerachtlassung dieser Regel schon vorgekommen. 524 — Wenn das Tempo in der Wendung der Serpentine zu scharf ist, so trägt es den Führer hinaus, und er wird entweder hinaus oder an etwa vorhandene Barrieren oder Schutzmauern, oder über dieselben hinaus geschleudert. (Aus dem „Praktischen Wegweiser", Würzburg.) Ueld und Karten. Auf allen Beete« finden wir Gewächse, die nur des Einerntens harren, und die den Tisch mit wechselreicher vegetabilischer Kost versorgen. Aber man erntet jetzt nur für den augenblicklichen Gebrauch. Was am Mittag gekocht werden soll, wird am Morgen geschnitten oder ausgezogen, und was für den Winterbedarf bestimmt ist, bleibt noch lange auf den Beeten, denn gerade unter der Einwirkung der jetzt eintretenden reichlicheren Niederschläge und tauspendenden Nächte beginnen manche Gemüscarten säst zusehends zu wachsen, sodaß man sie ost kaum wiedererkennt, wenn man nach drei- oder viertägiger Abwesenheit den Garten betritt. Die jetzt überall herrschende Ertragfähigkeit steigert die Freude am Garten, und so ist denn der Gartenfreund gern geneigt, das eintreffende Herbstverzeichnis einer genauen Durchsicht zu unterziehen und seine Bestellungen an jungen Obstbäumen, Rosen und Blumenzwiebeln aufzugeben, damit im nächsten Neonat rechtzeitig mit den notwendigen Herbstpflanzungen begonnen werden kann. Mr die Küche. Obstgelee. Aepfel sowohl wie Birnen werden, nachdem sie gereinigt, Stiel und Kelch entfernt sind, in vier Teile geschnitten und in ein wenig Wasser gekocht. Birnen erfordern mehr Wasser als Aepfel, dagegen können Pflaumen, welche zuvor entsteint werden müssen, saft ohne Wasser gekocht werden. Der Säst wird nicht ausgepreßt, sondern in der Weise gewonnen, daß man die Masse in einen Gazebeutel gießt und nur durchlaufen läßt. Nach Erkalten wird der Saft gewogen, auf 3 Kilogr. 2 Kilogr. Zucker hinzugefügt und fo lange gekocht, bis der Saft mit dem Erkalten dick wird, was man zunächst mit einigen Tropfen probieren kann. Der Geschmack wird durch Hinzufügen von feingeschnittener Zitronenschale wesentlich verbessert. Auch Himbeer- und Heidelbeersaft geben angenehmen Geschmack und schöne Färbung, und es genügt ein geringes Quantum, um den Zweck zu erreichen. Birnen und Pflaumen geben von selbst ein dunkles Gelee. Parforce-Kohl. Zehn Personen. Bereitungszeit 2V2 Stunden. Zuthaten: Zwei mittelgroße Weißkohlköpfe, 25t) Gramm Speck, J/8 Liter kochender Weinessig, */8 Liter Kraftbrühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt, 125 Gramm geschälte und geschnittene Aepfel, Salz nach Geschmack, ein Prise Pfeffer, ein Löffel Mehl, nach Belieben etwas Zucker und feingestoßener Kümmel. Der von den schlechten Blättern befreite, recht feste Kohl wird ganz fein gehobelt, in dem ausgebratenen Speckfett und der Kraftbrühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt gut zugedeckt eine Stunde gedämpft- dann giebt man den Essig, die Aepfel, Salz und Pfeffer hinzu und läßt ihn hiermit vollkommen weich schmoren, die Sauce zuletzt mit dem überstäubten Mehl semig machend und je nach Geschmack ein wenig Zucker und Kümmel beifügend. Unseres Kaisers Lieblingssuppe läßt sich, wie der wohlunterrichtete Berliner „Lokal-Anz." schreibt, leicht in jeder gut bürgerlichen Küche Herstellen- Kochdauer zwei Stunden, berechnet für sechs Personen. Eine halbe Zwiebel, ein halber, kleiner Selleriekopf, ein kleiner Stengel Lauch, eine Karotte, etwas Petersilie und Kerbel werden fein gewiegt, in 90 Gramm Butter gedämpft, mit zwei bis drei Eßlöffel Mehl gebunden und mit l*/2 Liter Wasser angefüllt. Sechs bis acht große, in Würfel geschnittene Kartoffel giebt man dazu, läßt alles eine gute Stunde kochen und treibt es durch ein Sieb. Mit Salz, Muskatnuß und einem Eßlöffel Maggi anx^fines herbes schmeckt man ab und giebt in die Suppe etwas grüne Erbsen und Blumenkohlröschen. Dieses echt deutsche Gericht wurde Herrn Adolf Krauth in Pforzheim prämiiert. VernMeht-s. Des Sommers letzte Rose. Vor drei Jahren starb in Mount Vernon in Amerika eine deutsche Frau, Mrs. Amalie Köhler, der Tomas Moore sein wohlbekanntes Gedicht. „Die letzte Rose" gewidmet hat. Es giebt kaum einen Menschen, der nicht die süße Melodie des Liedes gehört hatte, das gleichsam Volksweise geworden ist und das stets den Glanzpunkt in Flotows allgemein beliebter Oper „Martha" bildet. — Frau Köhler hieß ursprünglich Amalie Offergeld und wurde vor 95 Jahren in Aachen geboren, ihr Vater war preußischer Offizier, ihre Mutter stammte von Engländern ab. Gar oft erzählte Frau Köhler von den Besuchen, die gelegentlich des Aachener Kongresses der „alte Blücher" ihrem Vater in seiner Villa abstattete, er ließ sie dann fast immer auf seinen Knieen reiten und brachte ihr Süßigkeiten mit. Auch Napoleons I. erinnerte sie sich und der Herbheit, mit der ihr Vater und seine Freunde von ihm sprachen. Als sie dreizehn Jahre alt war, wurde sie nach London in eine Schule geschickt, die die Schwester des Dichters Thomas Moore leitete. Dieser selbst kam öfters dorthin und wurde bald mit den Schülerinnen bekannt. Eines Tages saßen alle zusammen im Garten, da erhob sich Amalie, pflückte eine Rose und steckte sie dem Poeten mit den Worten: „Jetzt gebe ich Ihnen des Sommers letzte Rose" in das Knopfloch seines Rockes. Es war in der That so, „ihre freundlichen Schwestern waren schon längst dahin." „Mein Kind, wie schön hast Du eben gesprochen", erwiderte Moore- „wenn ich ein Gedicht darüber schreibe, werde ich es Dir widmen". Er schrieb es in der That, es hat seinen Weg über Länder und Meere gefunden, und allüberall, wo frische Kehlen singen, kann man die schöne, weiche Weise von der einsamen Rose, die so allein blüht, hören. — Amalie Offergeld verheiratete sich mit fünfzehn Jahren mit Charles Köhler in London und nach seinem Tode lebte sie mit ihren Töchtern in Amerika. Humoristisches. Ein junger Mann engagiert bei einem Waldfeft eine sehr dicke Matrone zum Walzer. Sie: „Darf ich fragen, warum Sie mich den vielen jungen Damen vorgezogen haben?" — Er: „Mein Arzt hat mir Schwitzen verordnet." Altägyptische Hieroglyphen. Nachbildung verboten. Jedes Bild bezeichnet den AnfangsbuchstabenMeines Namens, z. B. Leiter — I, Sonne — s rc. Die.Vokale müssen ergänzt werden. Auflösung in nächster Nunfmer. Auflösung des Scherz-Logogriphs in voriger Nummer: G emüse — Gemse. Redaktion: $. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Uni»crfität»-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Lrben) in Gießen.