1899. Dienstag den 14. Februar ß&mhöcf-T v.Ci am 'M iiüiiSL ^^Aeder Tag, ist er vergebens, Ist im Buche deines Lebens 13? Nichts, ein unbeschriebenes Blatt. Wohl, wenn morgen, so wie heute, Steht darin aus jeder Seite Von dir eine gute That. C. F. Weiße. ^Nachdruck verboten.! Auf Freiersfüßen. Von P. Ditfurth. I. Herr Gotthold Keller ging in seinem Wohnzimmer auf und ab. Es war ein einfaches Gemach mit altmodischer Einrichtung, Hellen, prosaischen Birkmöbeln, die die Politur schon teilweis eingebüßt hatten, steifgestärkten Filetgardinen und gehäkelten Decken in allen Größen. Herr Gotthold Keller bekundete damit viel Pietät, daß er alles so gelassen, wie es zu seiner Eltern Zeiten gewesen war. Neben diesem Privatgemach lag ein finsteres Kontor, das wieder an den geräumigen!,Laden stieß,- denn Herr Keller war Kaufmann, Besitzer eines flotten Materialwarengeschäfts. Er hatte sich mit der Zeit das laute Denken angewöhnt mit Frage und Antwort, und schon oft waren diese Selbstgespräche zu Verrätern an seinem innersten Meinen geworden. Darum war es gut, daß Herr Gotthold heute das Wohnzimmer zu seinem Herzenserguß gewählt hatte, so hörten die naseweisen Ladenjünglinge nur ein undeutliches Gemurmel, denn der Chef war erregt wie nie/ stand er doch vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens: „er wollte heiraten." — Eben zog er wieder ein stark duftendes Brieflein von zartgrüner Farbe aus der Brusttasche und beäugelte es mit still verklärtem Ausdruck. Er wendete es hin und her, bis sein Blick mit befriedigtem Lächeln auf der schön und korrekt geschriebenen Adresse haften blieb: „®. K. 150 Lendheim postlagernd," begann er sein Selbstgespräch wieder, „welch schöne Handschrift, sie verrät einen edeln, harmonischen Charakter. Und wie verheißungsvoll sieht dieses grüne Papier mich an! alle die rosenroten Briefchen verblassen dagegen ganz und gar." — Er lächelte: „Ja, sie wird es ihnen allen, die mich verschmäht, zeigen, '.was sie zurückgewiesen haben, ja, sie soll ein glänzendes Los an meiner Seite haben. Und werde nicht auch ich ihr gefallen?" — Er trat vor den Spiegel, der zwischen den Fenstern hing und musterte sich mit Gründlichkeit. Wohlgefällig wiegte er den kugelrunden Kopf auf den unverhältnismäßig breiten Schultern hin und her und zwinkerte mit den Augen. Sie waren braun, aber schon stark verblaßt, und die kleine Pupille sah aus, wie auf den geblich weißen Augapfel aufgeklebt. Zudem standen sie merkwürdig weit von einander ab, so daß die überaus kleine Nase mit ihrer kartoffelartigen Endung ziemlich heimatlos und einsam in diesem umfangreichen Antlitz stand. Auch der Mund konnte für klein gelten, sah aber immer aus, als ob Herr Keller pfeifen wolle. Er strich befriedigt über sein glattrasiertes Gesicht und zupfte an der glänzend braunen Perrücke, sie sah doch recht natürlich aus und stand ihm ausgezeichnet. Männlich reckte er Brust und Schultern, die zu kurz geratenen, sanft gebogenen Beine sah er nicht: „Ich sollte meinen, ich könnte mich sehen lassen," sprach er nach dieser günstig ausgefallenen Prüfung, „dazu in den besten Jahren, und mein gutes Gemüt, ja, ich muß beglücken! — Aber sie, wie mag sie aussehen? sie schreibt, ein Bild besitzt sie leider nicht, und doch wüßt' ich gern, ob sie auch ein bischen hübsch ist." — Er versank in Sinnen. Durch ein Klopfen an der Thüre wurde er aufgeschreckt, auf sein „Herein" erschien ein Mensch mit einem pfiffigen Gesicht in Hausdienerkleidung, er zog vorsichtig die Thür ins Schloß und kam ziemlich nahe an Herrn Keller heran. „Es ist gut, daß Du endlich kommst, Anton," sagte der Chef, „morgen trittst Du Deine Wanderung durch die Dörfer an und nimmst Bestellungen auf Bier entgegen. Du we.ßt, unsere Flascheubierniederlage ist rentabel, das vorige Mal hatten wir auch viel Aufträge." Anton nickte. „Du fährst bis Langendorf, und von da gehst Du die umliegenden Ortschaften durch." Herr Keller räusperte sich jetzt, und Anton blinzelte verschmitzt. „Hier ist ein Brief," er zog einen solchen von gleicher Farbe, wie der empfangene war, hervor, „den besorgst Du heute noch auf die Post, ich habe berechnet, daß er morgen früh um neun in Langendorf eintrifft, um dieselbe Zeit wie Du. Halte Dich auf der Post auf und beobachte den Schalter/ Du stehst, der Brief ist als postlagernd bezeichnet. Nun paßt Du genau auf, wer ihn abholt, eine Dame ist es jedenfalls, Du betrachtest sie Dir genau, und beschreibst sie mir, ihr Aussehen und Wesen, kannst auch unauffällig nachgehen, wohin sie sich wendet, vielleicht findest Du Gelegenheit, etwas über ihre Verhältniffe zu erfahren usw., verstehst Du?" „Sehr wohl, Herr Kellerist die Dame jung?" „Hm, ich denke, ja natürlich, gewiß," erwiderte der Chef schnell. „So, nun kannst Du gehen, aber schweigen, Anton." — „Wie das Grab," brummte dieser in allertiesstem Basse, „Sie sollen mit mir zufrieden sein." Herr Keller winkte wohlwollend, worauf der Diener geräuschlos verschwand. „Er wird seine Sache gut machen," sagte händereibend Herr Gotthold Keller, „ich kann mich auf ihn verlassen." — Es klopfte abermals, und ein stattlicher, junger Mann trat rasch und vertraulich herein. Der andere batte gerade noch Zeit, sein zartgrünes Billet auf dem Herzen zu bergen. „Guten Abend, Gotthold" — „Guten Abend, Georg," begrüßten sich die beiden. „Nun, was führt Dich denn zu mir?" fragte Gotthold Keller etwas zerstreut. „Ich will Abschied nehmen," erwiderte der Gast, sich ungeniert niedersetzend, „morgen reise ich ab." „So, wohin denn? Das ist ja ein schneller Entschluß." „Ich bin des Wartens müde, ein Freund machte mich auf eine Offerte in der Zeitung aufmerksam, die wohl meinen Wünschen entsprechen könnte, ich habe kurz entschlossen hingeschrieben, daß ich mich übermorgen vorstellen werde. Ob es etwas für mich Passendes ist, muß sich erst ausweisen. Morgen will ich meinen Freund besuchen, der mich schon lange erwartet, ich kann es gut mit dieser Reise verbinden." „Wo liegt denn das Gut und wie heißt es?" fragte Herr Gotthold. „Es muß in der Nähe von Langendorf liegen. Anfragen werden postlagernd dort erbeten, wo auch das Nähere zu erfahren ist." Unwillkürlich zuckte Herr Gotthold ein wenig zusammen, aber er sagte mit freundlicher Heiterkeit: „Da wünsche ich Dir von Herzen Glück, bester Georg, Du schreibst mir, falls Du gleich dort bleibst, wohl, wie DuZalles gefunden, und ob Du zufrieden bist." „Gewiß, lieber Gotthold," erwiderte Georg aufspringend, „ich weiß, wie Du jeder Zeit an meinem Ergehen mit warmem Herzen teilnimmst. Verzeih', wenn ich schon gehe, aber besagter Anmeldebrief muß noch auf die Post, außerdem gilt es noch ein paar Besuche zu machen und etwas zu packen. Leb wohl, alter Bruder," er schüttelte Herrn Gotthold herzlich die Hand. Ein Schatten flog bei den letzten Worten über dessen rundes Gesicht, aber freilich — sein Stiefbruder war zwanzig Jahre jünger. Gedankenvoll sah er vom Fenster aus dem Davoneilenden nach, wie er so stattlich und jugendlich dahinschritt, und unwillkürlich entfloh ein Seufzer seinen Lippen. Außerdem war es oder konnte es doch fatal werden, wenn die Ortschaften um Langendorf etwa dicht bei einander lagen. „Anton wird ja Nachricht bringen," murmelte er, griff aber doch nach einem Zeitungsblatt, das aus einer Mappe hervorschaute und faltete es auseinander. Seine Augen überflogen die langen Spalten der Inserate, bis er leise mit dem Kopfe nickend sagte: „Das wird's sein." Alsdann verweilten seine Blicke mit verständnisinnigem Leuchten auf einer rot unterstrichenen Annonce mit der Ueberschrift — „Heiratsgesuch", — dem Anfangssatze — „Eine gebildete Dame" — und der Adressenangabe — „A. S. 150 Langendorf postlagernd —." Er lächelte und schritt beruhigt durch das Kontor in den Laden. II. Hell und brennend lagerte der Juntsonnenschein auf dem Rittergute Kirchfeld und seiner Umgebung. Es war totenstill um das große Gehöft, alles schien im Heu zu sein, und was daheim geblieben, suchte den Schatten. In einem Zimmer zu ebener Erde saß eine anmutige, junge Frau, emsig nähend neben einem Kinderwagen. Die Fenster des Gemaches gingen nach dem Garten und wurden 90 - von schönen, alten Bäumen beschattet- sie standen offen, Und ein würziger Duft von blühenden Gesträuchern zog herein. Draußen knirschte leise der Kies, und alsbald schwang sich ein helles Etwas auf das niedere Fensterbrett und von da in die Stube, wo es vor der jäh emporfahrenden jungen Frau stehen blieb und sich vor Lachen ausschütten wollte. „Aber Fränzchen, wie erschreckst Du mich, Du Wildfang/ schalt sie, mußte aber mit lachen. Der kecke Eindringling war niemand anders als Franziska Ellner, das einzige Töchterchen des Rittergutsbesitzers, ein ganz reizendes, übermütiges Mädchen von achtzehn Jahren. „Pst, pst," Du weckst ja meinen Jungen," wehrte die jugendliche Mama besorgt, als Fränzchen sich unbekümmert in den nächsten Sessel warf und sich fortgesetzt vor Lachen schüttelte: „Ach, Toni, ich ersticke, ich ersticke!" stieß sie dazwischen hervor. Frau Toni faßte energisch das übermütige Ding am Arm und lotste es in das Nebenzimmer: „So, Du Lachtaube, nun erzähle mir, was Dich so plagt, Du kriegst sonst noch Krämpfe." „Ja, beinahe ist's so," sagte Fränzchen endlich zu Worte kommend, „aber es ist auch zu toll, höre nur: Ich war in Langendorf doch auf der Pfarre und trug hernach das Paket von Dir an Deinen Mann zur Post, da" — sie lachte von neuem — „da zieht der Beamte ein zartes, grünes Briefchen hervor und sagt, es sei zwar postlagernd adressiert, aber bei der Hitze geschähe vielleicht dem Fräulein, das schon einen oder zwei unter dieser Chiffre eingelaufene Briefe abgeholt, ein Gefallen, wenn ich ihn mit nähme, gestern habe sie vergebens danach gefragt. Nun, Du kannst Dir denken, wie gefunden mir das kam, ich bin trotz der Hitze hergeflogen, und hier, hier ist er!" schrie sie in hellem Uebermut, den zartgrünen Brief emporhaltend. Toni nahm den Brief in die Hand: „A. S. 150 Langendorf postlagernd," las sie halblaut, „wahrhaftig, Fränzchen, es ist die Chiffre, unter der wir neulich auf dem Bahnhof in der Zeitung das Hetratsgesuch einer Dame lasen! Du hast recht, sie hat wirklich .diesen nicht mehr ungewöhnlichen Weg betreten, nun, Glück zu!" Die junge Frau stimmte in Fränzchens lustiges Gelächter ein. Letztere betrachtete den hoffnungsvollen Brief: „Du, Toni, ich gäbe 'was drum, wenn ich den Inhalt wüßte." „Halt, Du neugierige Nachtigall, so weit darf die Spionage nicht gehen," sagte Toni, das Billet an sich nehmend. „Wir müssen sehen, wie wir ihn dem Fräulein geschickt in die Hände spielen, so daß sie nicht ahnt, wie eingeweiht wir sind, sonst würde sich die ganze folgende Entwickelung dieses Schauspiels unseren Blicken entziehen, und das würdest Du, Kobold, kaum verwinden. Es ist bald Frühstückszeit, da wird Fräulein Agnes gleich erscheinen." „Nun heißt's sich zusammen nehmen," lachte Fränzchen, „ich bitte Dich, sieh mich nicht an," damit lief sie dem Stubenmädchen entgegen, das eben die Postsachen ins Zimmer brachte. Inzwischen stand draußen in der Küche Fräulein Agnes Selterlein und gab noch einige Anweisungen zu dem warmen Frühstück für den Hausherrn, der in einer halben Stunde eine kurze Reise antreten wollte. Fräulein Agnes war eine mittelgroße, starkknochige Erscheinung, mit beinahe männlich derben Zügen. Ein ansehnliches Bärtchen zierte die Oberlippe und hoch geschweifte, buschige, schwarze Brauen gaben den kleinen Augen wie dem ganzen Gesicht einen ebenso auffallenden als sonderbaren Ausdruck. Seit beinahe einem Jahre stand Fräulein Selterlein dem Haushalte des Herrn Ellner vor und fungierte als Ehrendame der mutterlosen Franziska. Sie war wirtschaftlich und brauchbar, besaß aber leider nicht die geringste Macht über das verhätschelte Töchterchen des Hauses, das in wenig Tagen alle Schwächen des Fräuleins ausgespürt hatte und - 91 - stch weidlich darüber lustig machte. Namentlich war es die Sehnsucht nach einem Lebensgefährten, die sie nicht zu verbergen vermochte und welche der naseweise Kobold zur Zielscheibe seines Mutwillens machte,- hatte Fräulein Selterlein sich doch leider bei ihren verschiedentlichen Bemühungen in dieser Hinsicht schon manche Blößen gegeben. So männlich und energisch ihr Aeußeres, so empfindsam und zärtlich war ihr Inneres. Jetzt nun hatte Fränzchen ihr keckes Näschen in eine ganz ernstliche Herzensangelegenheit der armen, ahnungslosen Dame gesteckt und fand dabei in ihrer Cousine, Frau Toni Walter, die nur wenige Jahre mehr zählte, eine Bundesgenossin, welche zwar hie und da ihre Frauen- und Mutterwürde hervorkehrte, aber im ganzen doch viel Verständnis für Backfischstreiche besaß. Instinktmäßig fühlte Fräulein Selterlein das wohl; denn seit die junge Frau zum Besuche da war, zog sie sich mehr und mehr zurück, selbst von Herrn Ellners Gesellschaft. Ihre zarten Aufmerksamkeiten, die sie, von stiller Hoffnung beseelt, ihm gewidmet, hatten leider keine Beachtung gefunden, und es war nur ihrer Gutmütigkeit zu verdanken, daß sie trotzdem ihre Pflichten pünklich erfüllte. Eilig ging sie die Treppe hinauf in ihr Zimmer, band die Küchenschürze ab, bürstete die Simpelfranzen, die ihr Gesicht eher entstellten als verschönten, und überhauchte die harte Röte desselben zart mit Puder, dann eilte sie wieder hinunter ins Eßzimmer. (Fortsetzung folgt.) Verkehr und Sport im Winter früher und jetzt. Bis vor zehn Jahren war der Schlittschuh der alleinige Herrscher im Reiche des winterlichen Sports, während der Hörnerschlitten im Riesengebirge und der Pickschlitten in einzelnen Seengebieten und an der Ostsee im wesentlichen Transport- und Verkehrszwecken dienten. Erst mit der Einführung des Schneeschuhlaufens, das anfangs auch nur aus Verkehrsinteresien erfolgte, entwickelte sich in Deutschland wie mit einem Schlage der Wintersport und Winter-Tourismus mit allen seinen charakteristischen Erscheinungen. Wenn man im Winter früher unlustig hinter dem Ofen hockte und nur im äußersten Falle tief eingemummt sich hinauswagte, oder wohl gar durch die Schrecken des Winters tagelang vom Verkehr abgeschnitten war, beleben jetzt im Gebirge, wie im Flachlande tausende von Schneelern die blendende Schneefläche und die glatten Chausseen. Die Schrecken des Winters, die in Gestalt von Schneeverwehungen für ganze Ortschaften oft in peinlicher Weise sich fühlbar machten, sind durch die Benutzung des Schneeschuhes gebannt, und die fußhohe Schneefläche, die früher manchem Wanderer zum Grabe geworden war, gestaltet sich durch den Schneeschuh zu einer gern betretenen Bahn des Verkehrs. Der ungeahnte Erfolg, welcher die Einführung des Schneeschuhes in Mitteleuropa hatte, veranlaßte den „Wintersportverlag--' in Berlin, dem die wintersportliche Bewegung in Deutschland zu danken ist, speziell durch sein energisches Eintreten für die Benutzung eines wirklich richtig konstruierten Schneeschuhes, das deutsche Publikum mit der Benutzung weiterer Wintersport- und Verkehrsgeräte bekannt zu machen. Ein Hindernis für den Verkehr können Schnee und Eis jetzt den mit geeigneten Geräten ausgerüsteten Menschen nicht mehr bieten, auch ist die Ausübung des Wintersports bei allen Eis- und Schneeverhältnissen, sowie für jedes Terrain ermöglicht. Von diesen Geräten ist zunächst der Rennwolf insofern das am allgemeinsten verwendbare Wintersportgerät, als derselbe auf der Schnee- und Eisfläche gleichmäßig seine Bahn findet, und weil er an die Gunst der Witterung die geringsten Anforderungen stellt. Die Erfahrung lehrt, daß er selbst im mildesten Winter ohne Ausnahme einige Wochen hindurch benutzt werden kann. Während jedoch das Schneeschuhlaufen auf unbefahrenen Wegen sich am flottesten gestaltet, ist für die Benutzung des Rennwolfs Vorbedingung, daß der Fuß einen gewissen Widerstand findet, Chausseen, befahrene Straßen, Schlittenwege, die Eisbahn sind das eigentliche Gebiet des Rennwolfs, der somit überall dort zu verwenden ist, wo man Schlitten fahren kann. Einer besonderen Anleitung zur Benutzung des Rennwolfes bedarf es nicht. Der Schlitten kann sofort ohne jede Vorkenntnisse von Personen jeden Alters, jeder Körperkonstitution und jeden Körpergewichts, von Herren, Damen und Kindern benutzt werden. Die Fortbewegung geschieht in der Weise, daß der Fahrer mit einem Fuß auf einem der hinteren Kufenenden steht, sich mit der Hand an der Querstange festhält, und mit dem andern Fuß zwischen den Kufen nach rückwärts abstößt. Man wechselt dabet nach Belieben das Standbein. Dem Schlittschuh ist der Rennwolf dadurch überlegen, daß die Eisbahn, wenn sie mit einer Schneedecke überzogen, für den Schlittschuhläufer unfahrbar geworden ist, dem Rennwolf noch immer eine vorzügliche Bahn darbietet,- ferner auch dadurch, daß wegen der 2—2,5 Meter langen Kufen ein Einbrechen selbst auf schadhaftem oder schwächerem Eise ausgeschlossen ist. Der Rennwolf ist deshalb behördlicherseits eingeführt, um im Eise etngebrochene Personen zu retten, und dürfte in seiner Eigenschaft als Rettungsapparat auf Eisbahnen ausgedehnte Verwendung finden. In Berlin find z. B. am 30. Dezember 1895 von dem Schweden Stevenson hochinteressante Versuche nach dieser Richtung hin angestellt, die ergaben, daß ein erwachsener Mann mit dem Rennwolf selbst über Stellen ungefährdet hinweggleitet, wo ein Kind eingebrochen wäre. Die Schnelligkeit, welche mit dem Gefährt zu erreichen ist, ist eine außerordentliche, in einer Stunde laffen sich ohne sonderliche Anstrengung bis zu 20 Kilometer zurücklegen. Der Rennwolf qualifiziert sich somit als ein ganz hervorragendes Verkehrsmittel, dessen Zukunft für den Winterverkehr der des Fahrrades für den Sommerverkehr gleichkommt. Besonders ist darauf aufmerksam zu machen, daß die Benutzung desselben eine der gesündesten Bewegungen darstellt, deren große hygienische Vorteile auf den ersten Blick einleuchten, und endlich ist das Rennwolffahren der geeignetste winterliche Damensport, der sich als solcher bereits der größten Beliebtheit erfreut, da er die Reize einer Schlittenfahrt mit erfrischender körperlicher Bewegung verbindet. In Deutschland stellen die märkischen, mecklenburgischen, masurischen, holsteinischen rc. Seengebiete, der Spreewald, sowie die Meeresküsten das Eldorado der Rennwolftouristen dar. In Schweden, neuerdings auch in Oesterreich-Ungarn und in Deutschland hat man begonnen, den Rennwolf militärischen Zwecken dienstbar zu machen. Für Jäger und Forstbeamte empfiehlt sich das Gerät besonders dadurch, daß es sich zum Transport von Wild, Futter rc. trefflich eignet, ebenso zum Fischen auf dem Eise ist derselbe ungemein gut verwendbar. Eine zweite Person kann vorn aufsitzcn, wobei natürlich die erzielte Geschwindigkeit eine etwas geringere ist/ dem Einzelfahrer bietet er Gelegenheit zur Mitnahme von Rucksack, Photographischem Apparat, Proviant rc. Er ersetzt im Winter das Fuhrwerk und ist namentlich für einsam gelegene Gehöfte zu empfehlen, denen die Verbindung mittelst Geschirr nicht nur wegen zu starker Schneemassen, sondern namentlich auch wegen überglatter Chausseen abgeschnitten ist, wie denn auch bei Glatteis der Rennwolf vortreffliche Dienste leistet. Aus allen dielen Gründen ist der Schlitten auch besonders dazu angethan, dem Landpostboten seinen beschwerlichen Dienst zu erleichtern. Jngenteuse Rennwolffahrer bedienen sich bei seiner Benutzung zuweilen bergauf eines Hundes und vermögen so mühelos und angenehm weite Strecken zu durcheilen. Unter dem Namen „Schneeschneider" ist ein Gerät zur Einführung gelangt, welches ein Mittelding zwischen Rennwolf und Schneeschuh bildet und da Verwendung findet, 92 wo der Rennwolf durch den Schneeschuh wie umgekehrt Ersatz finden könnte. ?er Schneeschneider stellt in seiner Gestalt einen einkufigen Rennwolf dar, dessen eigenartig geformte Kufe etwa 10 Centimerer breit und 2^ Meter lang ist. Derselbe wird wie dieser mittelst Schlittensporen fortbewegt und ist sowohl auf Chausseen, schneefreien und schneebedeckten Eisflächen re. wo der Rennwolf benutzt wird, aber seiner breiten Unterlage wegen auch in höheren Schneelagen und auf unwegsameren Pfaden, wo man Schneeschuhe nicht verwenden möchte, bei tief ausgeprägten und ungleichen Geleisen, wie man sie z. B. in Rußland vielfach findet, am Platze. Derselbe ist zusammenklappbar, nur aus einem Teile bestehend, etwa 6 Kilo schwer und daher leichter zu transportieren wie jedes andere Wintersportgerät. Fahren mit dem Schneeschneider erfordert weniger Gewandtheit wie das Schneeschuhlaufen, aber etwas mehr als das Rennwolffahren, doch geht der Schneeschneider bei geeigneten Schneelagen leichter wie der Rennwolf, und ist namentlich das Kurvenfahren bei einiger Gewandtheit bequem auszuführen. Die Geschwindigkeit wechselt je nach der Fahrbahn zwischen 10 bis 20 Kilometer in der Stunde. Speziell für das „camping out“ dürfte derselbe vielfach Verwendung finden, da es sich hier weniger um das unter allen Umständen schnelle, als vielmehr um das sichere Fortkommen handelt, ebenso beim Zurücklegen weiter Strecken, auf denen Eis und Schnee abwechseln, ist der Schneeschneider besonders geeignet, der überdies so leicht ist, daß er über unfahrbares Terrain selbst längere Zeit ohne Beschwerde getragen oder geschoben werden kann. Auch für den kanadischen Schneeschuh, welchen die Indianer Nordamerikas im Winter zu ihren Streifzügen benutzen, tritt der „Wintersportverlag" in Berlin SW. 46, der im Interesse der Sache übrigens eine illustrierte Broschüre über alle Wintersports auf Wunsch gratis versendet, ein, derselbe besteht aus einem eigenartig geformten nach vorn aufgebogenen Holzrahmen, der durch zwei Querleisten versteift und mit einem aus — besonders präparierten — Tierhäuten kunstvoll hcrgestellten Geflecht versehen ist- derselbe findet auch vielfach als Zimmerschmuck Verwendung. Die Fortbewegung beaniorucht keine besondere Hebung und besteht in einem halb Lausen — halb Schleifen, was man wohl mit dem Ausdruck trollen bezeichnen möchte, nur muß man eie Beine etwas gespreizt halten, um nicht mit dem einen Swneeschuh auf den anderen zu treten. Seme Verwendung ist da am Platz, wo man etwas besseres zum schnelleren Fortkommen wünscht, als die bisher benutzten Schneereifen und Trugger boten, speziell im Hochgebirge, wenn viele abschüssige Wände vorhanden sind, oder in dichten Waldbeständen, wo man mit dem Schneeschuh seiner Länge wegen schlecht durchkommen kann. Da das Gewicht von einem Paar kanadischen Schneeschuhen nur etwas mehr als 1 Kilo und die Länge circa 1 Meter beträgt, so lassen sich dieselben äußerst leicht und bequem transportieren und bet größeren Schneeschuhtouren vorzüglich als Rejerveschuhe verwenden. Auf die weiteren Geräte wie Sportschlitten rc. einzugehen, mag einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben. Gemeinnütziges. Pariser Putz- und Polierpulver fite Metalle. ' an mrscht in pulverförmigem Zustande 50 Teile Magnesia, 43 Teile kohlensaure Magnesia und 7 Teile rotes Eisenoxyd. Leim, flüssiger. Man löst 2i/4 Pfund guten Fischleim in einem glasierten, irdenen Topfe im Wasserbade auf, indem man von Zeit zu Zeit umrührt. Nachdem aller Leim zergangen ist, gießt man portionsweise nach und nach 195 Gramm Salpetersäure hinein. Dieser Zusatz bewirkt ein Ausbrausen, weil sich Unterfalpetersäure bildet. Nachdem alle Säure eingegossen ist, nimmt man das Gefäß aus dem Wasserbade und läßt es langsam erkalten. Derartig bereiteter Leim bleibt flüssig und über zwei Jahre haltbar. Wotthandschuhe zu wasche«. Die jetzt sehr in Aufnahme gekommenen weißen und Hellen Wollhandschuhe wäscht man am besten selbst und zwar mit Gallseife in lauem Wasser, auf keinen Fall darf kochendes Wasser verwendet werden, da dieses die Wolle verfilzt. Fettflecke aus verschiedensten Stoffen zu entfernen, wäscht man letztere mit folgender Auflösung, welche sich in einer Flache mit Leichtigkeit hält: 30 Gramm Pulverisierter Borax und 15 Gramm Kampher in 250 Gramm kochendem Wasser. Die Flecken werden mit dieser Flüssigkeit benetzt, leicht gerieben und in lauern Wasser vollends gereinigt. Gute schwarze Tiute selbst zu bereite«. 40 Gramm grob gestoßene Galläpfel, 30 Gramm Eisenvitriol, 20 Gramm Gummiarabikum schüttet man in eine Rotweinflasche und füllt diese mit Wasser. Die Mischung läßt man unter öfterem Umschütteln etwa acht Tage stehen und zieht sie sodann sorgfältig ab. Ei« wirksames Mittel gege« Wanze« in Bettstellen ist die Essigsäure, welche man mit einer Glasspütze in die Fugen und Ecken einspritzt. Weitere Vorbeugungsmittel find: Petroleum, echtes Insektenpulver, Karbolsäure. Am sichersten erreicht man den Zweck durch Absuchen der verdächtigen Stellen hinter den Tapeten, in Schränken und Bettzeug, durch häufiges Auslüften und Ausklopfen des letzteren- wie überhaupt Licht und Luft die schlimmsten Feinde jedweden Ungeziefers sind. Neid und Harten. Für Bobe«verbefferu«g gilt von alters her der Grundsatz, schweren Boden durch Sand, leichten durch Lehm und dergleichen zu verbessern. Dies gilt für Land- wie für Gartenbau. Hierzu ist noch jetzt bet gefrorenem Boden gute Zeit. Sandboden wird durch Untermischung von Lehm, Mergel und Kuhdung bald zu sehr ertragfähigem Lande, während Pferdedung wieder in schwereren Bodenarten durch Erwärmung und Lockerung Nutzen bringt. Bei schwerem Boden empfiehlt es sich beim Hauen der Halmfrüchte die Stoppel recht lang stehen zu laffen und nicht zu kurz über der Erde abzumähen. Lange Stoppel lockern den Boden ungemein. Wlumenpflege. Knochenstücke als Unterlage für Töpfe statt der Scherbe«, um einen gehörigen Wafferabzug zu sichern, haben stey ausgezeichnet bewährt. Die Wurzeln der Pflanzen eignen sich Nährstoffe derselben an, wie man beim Umsetzen der Pflanzen leicht wahrnehmen kann, und die Entwicklung solcher Gewächse ist rascher und kräftiger als bei anderen, die nicht so behandelt sind. Da in jeder Haushaltung Knochen abfallen, die man, etwas klein geschlagen, verwenden kann, so ist dies Mittel kostenlos. Humoristisches. Kindliche Logik. Papa, wo bleiben denn all' die Zigarrenspitzen?" — „Die werden gesammelt und arme Waisenkinder davon gekleidet." — „Ach, deshalb riecht Max auch immer nach Tabak." * * * Modern. Herr (zum Leihbibliotheksbefitzer): „Ich dachte stets, Ihr Geschäft sei gut, und Sie wollen es auf- geben ?" — „Ach, hören S' mir auf, wenn heutzutage ein Kunde zwei bis drei Bände gelesen, ' fängt er schon an, selbst zu schreiben. Redaktion: 6. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.