1899. ffll Tpii ;?3iv WL Bi HM^lage nicht, daß dir im Leben Ward vereitelt manches Hoffen; 'ST® Hat, was du gefürchtet eben, Doch auch meist dich nicht betroffen. Zu guter Nachbarschaft Gehört nicht das allein, Nicht weh zu thun, auch dem. Der weh that, zu verzeih'«. Rückert. Rückert. (Nachdruck verboten.) Die kleine Lulu. Seeroman von Clark Russell. (Fortsetzung.) „Aber Mensch," fuhr ich nun heraus, „komm jetzt endlich zu deiner Geschichte; es werden heilig noch acht Glasen, ehe du mich aus diesem Sturm herausbrtngst," „Na, jede Geschichte hat doch ihre Einleitnng, und so auch die meinige. Was ich bisher erzählte, gehört zu ihrem Verständnis,- wenn ich kleine Einzelheiten überspränge, würdest du sagen, ich hätte das ganze Abenteuer erfunden. Du sollst schon bald staunen. Also, als wir dachten, der Sturm wäre vorüber, und Gott für unsere Erhaltung dankten, erhob er sich aufs neue, und zwar diesmal aus Westen. Neun Tage und neun Nächte tobte und wütete er, als wollte er uns von der See wegblasen. Wahrhaftig, die «Königs - Eiche" war ein gutes Schiff, aber selbst, wenn sie eine Insel gewesen wäre, hätte ihr bei solchem Wetter etwas passieren müssen. ,,Am siebenten Tage des zweiten Sturmes meldete der Zimmermann fünf Zoll Wasser im Kielraum. Wir pumpten, aber bis zum nächsten Tage gelang es uns nur, das Wasser auf gleicher Höhe zu erhalten, und den darauffolgenden Tag stieg es alle zwei Stunden einen Zoll. Jetzt verminderte sich zwar der Sturm, aber alle Arbeit während desselben, und das Pumpen hatte uns vollständig erschöpft. Wir weigerten uns, weiter zu pumpen, wir sagten, da wir das Schiff doch nicht erhalten können, wollten wir die Boote rüsten. Der Kapitän verlor den Kopf und rannte umher wie ein Wahnsinniger. Infolgedessen entstand eine Panik, die meisten von uns stürzten sich auf die Boote, wir kämpften um dieselben wie die wilden Tiere um eine Beute. Hierbei schlug mich einer, mit Gott weiß was, über den Kopf, sodaß ich bewußtlos zusammenbrach." «Als ich wieder zur Besinnung kam, war es dunkel. Ich konnte mich zuerst nicht besinnen, wo ich mich befand, wurde aber sehr bald völlig ernüchtert, denn das Wasser stürzte über mich, als wenn ich unter einer Traufe läge; ich sprang auf und blickte umher. Es regnete stark genug, um einen Walfisch zu ersäufen, auch ein starker Wind wehte, ich kann aber nicht sagen, von welcher Seite. Das Schiff trieb vor Tob und Takel mit dem Stern voran. So schwach ich war, überwältigte mich doch die Angst, allein auf dem sinkenden Schiff zu sein. Die Furcht gab meiner Kehle die nötige Kraft und ich schrie: «Halloh, ist niemand hier?" »Ja," antwortete eine Stimme, und als ich nach der Richtung hinsah, bemerkte ich eine Gestalt in der Bcsanwant. .Wer bist du?" fragte ich. «Tommy Leech," erwiderte er, worauf ich mich zu ihm hinschleppte, denn ich fühlte mich wunderbar getröstet. «Der Gedanke, allein auf dem Schiffe zu sein, würde mich wahnsinnig gemacht haben, jetzt aber, wo ich fand, daß ich Gesellschaft haben würde, wenn es zum Ersaufen käme, erschien mir meine Lage weniger verzweifelt." Deacon machte hier eine Pause und versank in Nachdenken. Ich rüttelte ihn aber wieder auf und sagte: „Na, immer vorwärts, bring deine Geschichte endlich zu Ende." Den Kopf erhebend fuhr er hierauf fort: ,Tommy erzählte mir, daß das Schiff verlaffen sei. Offiziere, Mannschaft und Passagiere hätten sich in die Pinasse und Boote geworfen und wären fortgetrieben. Das Boot, in welches er und mehrere Frauen gestiegen, sei durch das Aushaken des einen Läufers beim Herunterlassen kopfüber gegangen, ihm allein wäre es gelungen, sich zu retten. Durch eine Woge an die Püttingen geschleudert, hätte er vermocht, diese zu ergreifen und dadurch wieder an Bord zu kommen. „Wir überlegten nun, was wir thun sollten. Das Schiff schlingerte durch das Waffer im Kielraum fürchterlich. Das einzige zurückgebliebene Boot war das Langboot, welches durch die darauf verstauten Spieren von uns allein aber kaum flott zu machen war. Sollten wir uns ans Werk machen, ein Floß zu bauen? Wir waren beide zu schwach dazu. Um uns zu stärken, holten wir uns etwas zu effen und zu trinken und das belebte uns. Darauf beschlossen wir, 266 zu versuchen, ob das Schiff noch Segeldruck vertrüge,- wir brachten deshalb die Brassen in Ordnung, kreuzten die Raaen und setzten einige Segel. Der Erfolg zeigte sich sehr bald, denn es gelang uns, vor den Wind zu kommen. Das Ruder mittschiffs gestellt, fuhren wir nun auf gut Glück los. Wir hofften, vielleicht irgend eine Insel zu erreichen. Wo wir eigentlich waren, davon hatten wir natürlich keine Ahnung, aber wir dachten, es würde besser sein, nach Norden als nach Süden zu steuern, und daher ließen wir das Schiff diese Richtung nehmen." «.Nachdem wir dies alles mit äußerster Aufbietung unserer Kräfte bewirkt hatten, waren diese völlig zu Ende- ich fiel nieder und schlief wie ein Säugling. Als ich erwachte, war es Heller Tag- ich hatte die ganze Nacht hindurch geschlafen. Ein frischer Wind blies und die See ging schwer. Das Schiff stand wieder ganz verkehrt, aber nicht tiefer im Waffer als zur Zeit, wo wir es flott gemacht hatten. Diese Entdeckung machte mich fast unsinnig vor Freude. Ich rief nach Tommy, erhielt aber keine Antwort. Auf Deck war er nicht zu finden, als ich aber, ihn weiter suchend, nach der Kajüte kam, fand ich ihn, umgeben von einer ganzen Menge Flaschen, liegend. Er war sinnlos betrunken, all mein Schütteln und Zerren erweckte ihn nicht, er war wie tot. Ich ging also wieder auf Deck, setzte das Steuer hart über, das Schiff gehorchte, drehte sich, das große Topsegel fing den Wind, und die „Königs-Eiche" jagte förmlich durch die tosenden Wogen. Hörst du auch zu?" »Ja, ja, fahr nur fort."" „Was den Leck gestopf hatte, ich weiß es nicht, schließlich aber bin ich auf den Gedanken gekommen, daß das Gewicht des Waffers das Loch mit durchweichter Wolle verstopft haben mag. So wird es wohl auch gewesen sein. Zwei Tage trieben wir so vor dem Wind. Wir bekamen weder Schiffe in Sicht, noch erblickten wir Land. Aber Hoffnung beseelte uns beide, denn das Schiff hielt sich wacker, und jede Stunde konnte uns Erlösung bringen. Wir hielten abwechselnd Wache. Tommy betrank sich nicht wieder. Er sagte, er hätte geglaubt, das Schiff würde in jener Nacht sinken, und da hätte er getrunken, um sich zu betäuben. Das war seine Entschuldigung und man kann ihn nicht gerade tadeln. Am Lande gebrauchen die Menschen Chloroform als Betäubungsmittel für Schmerzen, und so denke ich, hat der Seemann das Recht, seine Empfindung zu töten, ehe er ertrinkt, wenn er Zeit dazu hat. Es ist doch ein häßlicher, grauenvoller Tod, das Ertrinken, und Gebete sprechen kann man nicht, wenn das Salzwasser im Halse brennt." Er hielt an, um zu hören, ob ich etwas sagen würde, ich sagte aber nichts, denn ich war ungeduldig, sein Geheimnis endlich zu erfahren- ein Wortstreit hätte die Sache nur verzögert. So fuhr er also fort: „Am Abend des vierten Tages legte sich der Wind und es blies nur noch eine schwache Brise. Das Schiff schien kaum von ihr bewegt zu werden. Der Horizont hatte sich wett zurückgezogen und lag ganz klar. Ich sagte zu Tommy: „Ist das ein Nebelstreif auf unserem Backbordbug?" Er meinte, es wäre eine Wolke. Aber in der Hoffnung, es möchte etwas anderes sein, nahm ich das Teleskop, stieg ins Takelwerk und sah richtig Land. Es lag ganz deutlich da. Ich stieß einen Freudenschrei aus, stieg Hals über Kopf wieder herunter, eilte ans Ruder, nahm die Richtung auf, ehe es ganz dunkel wurde, Md steuerte darauf zu. Drei Stunden blieb ich am Rade, dann löste Tommy mich ab- zu schlafen vermochte ich aber nicht, obgleich ich mich auf das Gitter am Stern niedergelegt hatte- ich war in steter Angst, Tommy könnte am Lande vorbeisegeln." „Als der Morgen anbrach, lag dasselbe dicht vor uns, kaum zwei Meilen fern. Ich beratschlagte nun mit meinem Maat, wie wir handeln wollten. Der Bug-Anker war vertäut und zu schwer für uns- daß der kleine Strom-Anker das Schiff halten würde, konnten wir nicht hoffen, wenn überhaupt es uns gelang, ihn aus den Fockrüsten herauszuholen. Nach vielem Hin- und Her-Ueberlegen beschlossen wir also endlich, das Schiff an dem Gestade vor uns auflaufen zu lassen. „Das Glück begünstigte uns, denn die von hinten kommende Brise frischte mit der höher steigenden Sonne auf, und um uns noch mehr Anlauf zu geben, setzten wir das Focksegel. Darauf trat Tommy an die Spitze des Schiffes und blickte in das klare Wasser, um mir als Lotse zu dienen und uns vor dem Auffahren auf Felsen zu wahren. So liefen wir nach einer Weile mit gutem Anlauf, unterstützt von den langen Wogen mit aller Kraft das Brustholz tief in den Sand eingrabend, in dem schönen Ankergrund auf. Wir lagen fest und waren gerettet". „Wer tum Hageldunnerwedder knurrt denn hier immer- tau as en Hund? wat soll denn bot verdammte grugliche Gemürmel? wer is denn dat olle Gespenst, wat »ich Rauh hollen kann? Büst du ’t etwa, Snigger's?" „Schon gut, schon gut"' antwortete Deacon. Er rückte mir noch etwas näher und seine Stimme noch mehr dämpfend, fuhr er fort: „Wir hatten den ganzen Tag vor uns, zu überlegen, was wir nun zunächst thun sollten. Bor allen Dingen nahmen wir ein gutes Frühstück ein und dann suchten wir nach Waffen. In der Kajüte des Kapitäns fanden wir ein paar Revolver. Darauf stieg ich auf die große Oberbram- Raa und rittlings darauf sitzend, mit dem Rücken an den Mast gelehnt, blickte ich lange durch das Glas. Am Hinteren Ende der Insel erhob sich ein mäßig hoher, bewaldeter Hügel, von uns bis zu ihm hin war das Land aber flach. Eine reiche Vegetation bot ' sich dem Auge und durch das Grün schimmerte stahlblau ein kleiner Fluß oder vielmehr eine Buchtung der See, die wie ein Fluß gestaltet war. Die ganze Insel mochte nach meiner Schätzung ungefähr eine Meile breit und drei Meilen lang sein. Von der Mastspitze aus konnte ich den sie umgebenden Ozean ringsum erkennen. „Wieder auf Deck zurückgekehrt, erzählte ich Tommy, daß der Ort eine Einöde zu sein schiene, und daß kein anderes Land weit und breit zu sehen wäre. Von der Oberbram-Raa aus hätte ich solches auf dreißig Meilen erkennen müssen. „Wir kamen dann überein, soviel Lebensmittel und Wasser an Land zu bringen, als wir konnten, für den Fall, daß das Schiff in Stücke gehen sollte, ebenso beschlossen wir, das Langboot auszuräumen und mit allem, was dazu gehörte, flott zu machen. Tommy sprach zu mir von dem Golde. Ich hatte ja selbst schon an dasselbe recht viel gedacht, dennoch aber riet ich ihm, keine Unklugheit zu begehen, denn wir wären doch reine Narren gewesen, wenn wir kostbare Zeit damit verloren hätten, etwas zu landen, was nicht Körper und Geist zusammenhielt, falls das Schiff zertrümmerte. Zuerst, sagte ich, laß uns zusammen häufen, was zur Erhaltung unseres Lebens unentbehrlich ist, und dann das Langboot zu Wasser bringen. Wie wollen wir sonst daran denken, noch einmal von hier fortzukommen, um entweder bewohntes Land, oder irgend ein Schiff zu finden, welches uns aufnimmt? — Nein, nicht eher, als bis das alles geschehen ist, dürfen wir das Gold bergen. „Wir brachten also den ganzen Tag damit zu, Vorräte zu landen. Am nächsten Tage räumten wir das Boot aus, ließen es zu Waffer und takelten es auf. Dann steuerten wir es herum nach der Buchtung, die ich entdeckt hatte, und ankerten es dort fest. Darauf gingen wir zum Schiff zurück und fuhren fort, alles an Land zu schaffen, von dem wir glaubten, daß es uns von Nutzen sein könnte. Dies kostete uns eine ganze Woche schwerer Arbeit. Wir begannen stets mit Tagesanbruch und hörten nicht auf, bis es dunkel war. Aber das Klima war herrlich. Ich konnte dort fünfmal soviel Arbeit verrichten, als irgend wo anders, und dazu kam, daß wir für unser Leben arbeiteten. Die ganze Zeit 267 über war das Wetter schön, bei schwachem oder gar keinem Winde. „Wir fanden das Gold in Kisten, welche mit eisernen Platten und ebensolchen Bändern versehen waren. Es waren Zwei davon vorhanden. Aus der ersten Kiste, deren Oeffnen einen ganzen Vormittag in Anspruch nahm, hoben wir die Sovereigns in Leinwandbeuteln, jeder derselben enthielt tausend Stück. Es war daher ein leichtes, sie auf's Vorderdeck und von dort ans Ufer zu schaffen. Zwanzig Beutel trugen wir hinüber. In der andern Kiste befanden sich Goldbarren, einer über den andern gepackt, wie Seifenstangen. Sie sahen aus wie Kupfer, waren schmutzig und ohne Glanz, ihr Gewicht aber verriet ihren Wert. Wir trugen einen nach dem andern ans Land, bis sie alle in einem Haufen auf dem Sande lagen. (Fortsetzung folgt.) Vom Monat Mai. Im Monat Mai bietet der Markt mit seinem Blüten- flor und durch das reichliche Erscheinen der jungen Gemüse einen sehr angenehm veränderten herzerfreuenden Anblick. Obgleich die frischen Gemüse besonders zu Anfang des Monats noch nicht billig genannt werden können, ist es für die Hausfrau, deren Etat nichts gegen eine größere Ausgabe einzuweuden hat, eine Freude, ihre Einkäufe auf dem Markte selbst zu besorgen. Von Woche zu Woche bietet der Mai größere Mannigfaltigkeit der Frühlingsprodukte. Unter allen das Wichtigste und Geschätzteste ist der Spargel, der zwar anfangs noch teuer ist, aber bei für sein Wachstum günstigen Witterungsverhältnissen im Laufe des Monats reichlicher kommt, dann billiger, und somit auch für den einfach bürgerlichen Tisch erreichbar wird. Spargelesser, die nicht zu großes Gewicht auf elegantes Aussehen legen, kaufen immer den kurz gestochenen Spargel, da ja die unteren Enden fast immer hart sind. In den eigentlichen Spargelländern fügt man dem Wasser zum Kochen des Spargels eine kleine Dosis Zucker bei, um den Wohlgeschmack zu erhöhen. Dem Spargel schließen sich junge Kohlrabi und junge Karotten an. Aus dem schönen Süden sind bereits die ersten Schoten eingetroffen, welche wir über Triest von Mittelitalien durch so vorteilhafte Transportverbindungen erhalten, daß dieselben noch vollkommen frisch hier eintreffen. Da auch schon in der zweiten Hälfte des Mai hiesiger Blumenkohl (Erfurter Treibcarviol) auf dem Markte erscheint, Morcheln auch noch vorhanden und Karotten billiger sind, so ist ein buntes Gemüse aus nur frischen Beigaben eine jetzt sehr zu beachtende Speise. Man verwendet dazu junge Kohlrabi, einen mittelgroßen Kopf Blumenkohl, junge Karotten, Schotenkörner, Spargel und Morcheln. Die Gemüse werden geputzt, der Spargel in Stücke geschnitten, der Blumenkohl zerteilt, die kleinen Karotten jedoch ganz gelassen und die Kohlrabi in Scheiben geschnitten. Alle Gemüse, die Blätter des Kohlrabi mit eingeschlosfen, werden jedes für sich in leichtem Salzwaffer halb gar gekocht. Die gut gesäuberten Morcheln werden gebrüht, mit kaltem Wasser aufgesetzt, gut abgekocht und das Wasser abgegossen. Es wird reichlich Butter erhitzt, ein Eßlöffel gehackte grüne Petersilie, die Gemüse, die Kohlrabiblätter fein gewiegt, so wie auch die Morcheln hineingethan. Man fügt etwas Muskatnuß, nach Geschmack, ein wenig Zucker und Salz bei, stäubt es mit Mehl an und löst 7 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt in kochendem Wasser auf, schüttet dieses über das Gemüse, das man so leicht sämig kochen läßt. Der immer hochgeschätzte Spinat, dieses früheste und gesündeste frische Gemüse, ist noch in Menge vorhanden. Aus den Treibhäusern kommen die ersten grünen Schnitt- und Prinzeßbohnen, die noch sehr teuer und fast ausschließlich nur in den Delikateßläden zu haben sind. Für den bürgerlichen Haushalt gewährt dieses Gemüse wohl erst den rechten Genuß, wenn es auf eine Hand voll mehr nicht ankommt. Von fremdländischer Einfuhr sind noch französische Artischocken mit sehr fleischigen Böden zu erwähnen. Ebenso liegen schon Tomaten, meist französische und italienische Ware, in voller Reife aus, welche eine vorzügliche und beliebte Würze für Fleisch, Saucen, Suppen und Gemüse sind. An Kartoffeln sind die guten Malta- und französischen Nierenkartoffeln in bester Ware vorhanden. — Dill-, Körbel-, oder Kerbelkraut und grüne Petersilie werden aus den bäuerlichen Gemüsegärten in Menge angeboten. Petersilie ist für jetzt noch Schnittware von überwinterten Wurzeln, so daß noch keine Sorge um Verwechselung mit der jetzt schon recht hohen Hundspetersilie ist. Sehr aromatisch ist jetzt Kerbelkraut als Zuthat zu Saucen und zu der so beliebten Kerbelsuppe mit Spargel. Man kocht eine Hand voll klein gebrochenen Suppenspargel in 2 Liter Wasser weich, thut 2 Eßlöffel in Butter gelb geröstetes Mehl und 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt hinzu und läßt die Suppe seimig kochen. Dann thut man nach Geschmack fein gehacktes Kerbelkrant hinzu und zieht die Suppe mit zwei Eidottern, die man mit zwei Eßlöffeln Sahne verquirlt hat, ab. Frische einheimische Treibhaus- und Frühbeetgurken sind schon recht billig geworden, und der Kopfsalat, der seit Wochen dieselbe Preishöhe gehalten, ist bedeutend herabgegangen. — Der Kompottmarkt bietet neben reichlicher Zufuhr von Rhabarberstielen die ersten Stachelbeeren, sowie italienischen Kirschen in nicht zu hoher Preislage. Noch dürfen die bereits erwähnten Morcheln bis Ende Mai vorhalten, und wer Morcheln trocknen will, nütze den billigen Preis. Champignons kommen reichlich und in Prachtware und geben Liebhabern dieses Edelpilzes Gelegenheit, ihn auch als Gemüse zu genießen. Da an jungen Hühnern, Backhähnchen und jungen Tauben kein Mangel ist, so ist das-für den Feinschmecker beliebte Gericht: Junges Huhn mit Champignon gut herzustellen. Zwei bis drei gereinigte junge Hühner werden mit Wurzeln, Schalotten, Speckstreifen, etwas Salz und einigen Pfefferkörnern in eigner Brühe kurz eingedämpft. Inzwischen dünstet man einige Dutzend gut geputzter Champignons in frischer Butter, bestäubt sie mit Mehl, übergießt sie mit Brühe aus 5 Gramm Liebigs Fleisch-Ertrakt, V2 Glas Weißwein, dem Saft einer halben Zitrone und verkocht dies zu einer Sauce, die man über die Hühner anrichtet. An Mastgeflügel sind junge Hamburger Enten und junge Gänse voll ausgereift und fleischig am Platz. Der Fischmarkt beginnt für frische Fische langsam in die Sommerpreise einzutreten. Die Auswahl an Fischen ist fast noch unbeschränkt, sowohl in See- als auch in Flußfischen. Hervorragend fein ist holländischer Steinbutt, Seezunge und Aal. In kräftiger, lebender Ware sind Hummern zu mäßigen Preisen vorhanden. Das Fleisch derselben ist, von Ostern bis Johanni am wohlschmeckendsten. Zu den bisher nur aus G alizien eingetroffenen Krebsen treten jetzt auch unsere viel dunkler gefärbten Bach- und Flußkrebse hinzu, welche in allen Größen und durchaus preiswert zu haben sind. Das Wildgeflügel ist fast auf Null zusammengeschrumpft, nur hin und wieder sieht man eine Schnepfe, ein Birkhuhn oder eine Wildente. Von anfang Mai an dürfen Rehböcke geschossen werden und da die Zeit der Diners vorüber ist, lassen die Wiltprethändler gern für Rücken und Keule gleiche Preise gelten. 268 Gein-rirnütziges. Jett und Karten. Um die unangenehmen, unästhetischen und gleichzeitig räuberischen Kellerasseln im Keller von den eingeschlagenen Gemüsen, in den Frühbeeten von den jungen Pflanzen, in den Champignonkulturen rc. fernzuhalten, wendet man an besten durchschnittene und ausgehöhlte Kartoffeln an, die man mit der Höhlung nach unten legt. Die Tiere kriechen, angelockt von der frisch angeschnittenen Kartoffel, hinein und bleiben, da sie das Dunkle lieben, darin lange fitzen. Wenn man die Kartoffeln 2 mal des Tages ausschüttelt und die Tiere vernichtet, so ist man die Plage bald los. Aus den Fugen in den Frühbeeten vertilgt man sie auch, wenn man in dieselben in Wasser aufgelösten, gelöschten Kalk gießt. Von schädlichen Insekten erwirbt sich im Mai vor allen der Apfelblütenstecher eine traurige Berühmtheit. Man geht ihm am besten zu Leibe, wenn man mit einer oben beschwerten Stange an die Aeste schlägt. Der kleine gefräßige Kerl ist schlecht auf den Beinen. Bei einem kräftigen, kurzen Ruck fällt er herunter und auf das untergelegte Tuch. Ein Bad in Seifenwasfer bereitet ihm einen schnellen, schmerzlosen Tod. Im übrigen sind unsere besten Mitkämpfer im Streite gegen die Jnsektenwelt alle eingezogen. Schutz den Vögeln vor Menschen und Katzen! Alle sind da, Nachtigall und Grasmücke, Lerche und Amsel, Fink und Pirol, Drossel, Hänfling, Zeisig, mit ihrem herzerfreuenden Singsang, der in immer wieder neuen Tönen verkündet: „Der Mai ist gekommen!" Die Erdbeeren werden bei trockenem Wetter gut bewässert. Das heißt aber nicht ein bischen plätschern, sondern volle Kannen geben! Bei hochstämmigen Stachel- und Johannisbeeren entferne man alle sich bildenden Wurzelschosse, ebenso bei Rosen. Den Spargel, dies köstlichste aller Gemüse, wolle man recht vorsichtig stechen, die Erde rund um die Stangs mit dem Finger stets vorher entfernen, das Loch aber wieder glatt streichen. Es sind mancherlei Apparate und Messerformen zum Stechen erfunden, sie laufen jedoch mehr oder minder auf Spielerei hinaus. Man wähle das einfache, lange, schmale Spargelmesser, jedoch mit einem platten Knopf an der Spitze, der an den unterirdischen, nicht sichtbaren anderen Trieben abgleitet. Iür die Küche. Sauerbraten. Im ländlichen Haushalt hat man seltener Rindfleisch, aber wenn geschlachtet wird, hat man die Menge und möchte gerne soweit als möglich damit reichen, das heißt, man möchte die Zeit verlängern, in der es frisches Fleisch giebt. Das kann man, indem man recht viel Sauerbraten macht. Man nimmt dazu schöne Fleischstücke mit wenig oder gar keinen Knochen, gießt ein Quart Essig in einen großen Steintopf und legt die paffend geschnittenen Stücke dicht aneinander hinein. Steht der Essig nicht über dem Fleisch, so gießt man welchen zu. Nachdem alle Fleischstücke eingelegt sind, muß noch soviel Essig zugegossen werden, daß er einen Zoll hoch über dem Fleische steht. Zur Abhaltung der Luft bedeckt man den Topf mit einem Teller oder Brettdeckel und bringt ihn in den Keller. Nach drei Tagen kann man schon einen Braten herausnehmen- bei kühler Witterung und im kühlen Keller bleibt das in Essig gelegte Fleisch fünf bis sechs Wochen wohlschmeckend- dabei wird selbst das zäheste Fleisch in Essig mürbe. Schweiusfütze itt Essig. Nachdem die Schweinsfüße entsprechend weich gekocht sind, mit Gewürzen, Essig und Salz, Zitronenscheibchen und dergleichen, nimmt man sie aus der Kochbrühe und übergießt sie in einem Durchschlag mehrmals mit kaltem Waffer. Wenn sie völlig erkaltet sind, wird Essig wie zu marinierten Häringen gekocht und erkaltet, darüber gegoffen oder einfach, nachdem die Schweinsfüße erkaltet und in Steintöpfe verpackt sind, legt man schichtweise die beliebten Gewürze mit ein und gießt kalten, scharfen Essig darüber. Zum Schwalbeurnord in Italien! Vom Lech, 30. April 1899. Die Hiobsposten, welche schon jetzt über die Ankunft oder besser gesagt, über das Ausbleiben der Schwalben aus den verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes einlausen, beweisen, wie ruchlos und wahnsinnig die Italiener nun auch wieder im Kriegsjahr 1898/99 gegen unsere Zugvögel gewütet haben. Schon im Frühjahr vor. I. berichtete ein italienisches Blatt, die römische „Tribuna" vom dortigen Kriegsschauplatz folgendes: „Von der Spitze des Gargano-Vorgebirges bis zum Monteconero und nach Ankona hin hat jetzt wieder der große Verrrichtungs- kampf gegen die Vögel aller Art, besonders aber gegen die zierlichen Schwalben begonnen. Am frühen Morgen ziehen die sogenannten „cacoiaroli“ hinaus und spannen auf dem Strandsande ihre Netze aus, die zwischen zwei Stöcken ruhen. Zu Tausenden kommen die Schwalben und fliegen zwitschernd und in engem, geschlossenen Zuge, kaum einen Meter vom Boden entfernt, auf und ab; sie sind müde, weil sie einen weiten Weg gemacht haben, und doch sind sie voll Freude, denn das Ziel ist nahe. Die rohen Jäger nehmen diese günstige Gelegenheit wahr und ziehen das Netz an, welches sich halbkreisförmig zusammenziehend in einem Nu 300 bis 500 Schwalben fängt. Die Vögel, die dem ersten Netze entgehen, finden in einer Entfernung von 100 Metern andere Jäger und andere Netze u. s. w. So groß ist der Vogelmord, daß gegenwärtig in den Landbezirken und besonders in den Villen der vornehmen Leut« die kleinen Vögel tagaus, tagein auf den Tisch kommen." Es ist also blutiger Ernst. An der Schwelle des 20. Jahrhunderts gehen unsere herrlichen Zugvögel, in erster Linie die uns allen so lieben Schwalben, zu Grunde durch die wahnsinnige VersolgungS- wut der Italiener! — Unser teures Vaterland ohne Schwalben allen Qualen und Gefahren des Ungeziefers schutzlos, auf unabsehbare Zeiten ausgeliesert I Der deutsche Himmel, seit Jahrtausenden durch die Schwalben belebt, öd und ausgestorben, wie eine Wüste: Das deutsche Volk zum Spielball italienischer Roheit schmählich erniedrigt l Wer kann dies fassen, ohne in der tiefsten Seele er t- rüstet zu werden!? Edles deutsches Volk! Erhebe dich endlich einmal wie ei« Man» zur Rettung deiner dem Untergang geweihten Vögel! Laß deine Vertreter in Berlin nicht auseinanderg ehen ohne energische Kundgebung zum Schutz deiuer unveräußerlichen Rechte! — Unsere Zugvögel müssen gereitet und erhalten werden um jeden Preis! Andernfalls verpachtet die italienische Regierung trotz der entsetzlichen Vo-elnot schon im August dS. Js. die Bogeljagd aufs neue; — am 10. September beginnt der entsetzliche Massenmord unserer schrecklich verminderten Zugvögel mit den fahrenden Netzen, den geblendeten, grausam verstümmelten Lockvögeln usw. und allen seinen Gräuel wieder, und wütet fort bis Ende April 1900, um mit der Ausrottung unserer Zugvögel, vor allem der Schwalben, ihren schauerlichen Abschluß zu finden. Darum auf zu« Weh« für Gott und Vaterland! Eine Anzahl von bayerischen Gemeinden hat sich jüngst in dieser Sache mit einer Petition an den Reichstag gewandt. Je mehr solche Petitionen einlaufen, um so eher ist Aussicht vorhanden, daß der Notschrei des deutschen Volkes und der deutschen Landwirtschaft über die Ausrottung dieser ebenso zierlichen als nützlichen Tiers bei den maßgebenden Stellen Gehör und Berücksichtigung findet. Darum ihr deutschen Gemeinden von Stadt und Land, helfet mit zur Rettung der Vögel, indem Ihr Euch unserer Petition ohne Säumen anschließt und eine Petition folgenden oder ähnlichen Inhalts nach Berlin sendet: An den hohen deutschen Reichstag! Vogelschutz betr. Unterfertigte Gemeinde-Verwaltung schließt sich der Petition der Gemeinden Adelzhofen, Egenhofen und Genossen vom 8. Januar ds. Js., betreffend Vogelschutz, in vollem Umfang an. (Ort und Datum.) Mit aller Hochachtung (Gemeindestegel und Unterschrift.) Auf zur Wehr! Gott, dem Schöpfer der Vogelwelt, zur Ehre, dem gesamten deutschen Vaterland zum Nutzen! Redaküon: S. Burkhardt. — Druck und Berlag der Brühl'schen Universitäls-Buch- und Strindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.