Dienstag den 12. Dezember. Tmi W,4 M er Vater straft sein Kind und fühltet selbst den Streich; Die Härt' ist ein Verdienst, wo dir das Herz ist weich. Rückert. Nachdruck verboten. Pygmalion. Novelle von Anton Frhr. von Perfall. (Fortsetzung.) Auf der kleinen, von wildem Wein umwachsenen Veranda vor dem Hause brannte die Flamme unter dem Theekessel und beleuchtete das Antlitz Mariens, welche wiederholt von ihrer Arbeit aufsah, wohl um nach ihm auszublicken. Lange betrachtete er sie, hinter einem Baum verborgen. Wenn sie ahnte, welches Gewitter eben über ihrem unschuldigen Haupte gestanden — Nein! Lieber auf alles verzichten, als diese Ruhe auf immer stören. Oft spähte sie eifrig in die Nacht hinaus, dann schüttelte sie wieder das Haupt und versank in tiefes Nachdenken. Sie spähte nach ihm — sie dachte an ihn! Oh, mit seinem Glücke war es noch lange nicht zu Ende, und es gab noch ein anderes, reineres, als er sich ausgemalt. Dann kam Frau Opel — wie es schien, mit einer Nachricht, welche Marie auf das höchste beunruhigte. Er zweifelte keinen Augenblick, welche Nachricht es war. Kaum hatte sie sich wieder entfernt, trat er vor. Der Sand knirschte unter seinen Füßen. Marie fuhr mit einem Schrei auf und floh gegen die Thür. „Marie, ich bin eö, Dein Vater!" rief Holaus. Da blieb sie stehen, die Hand auf das Herz gepreßt, sich an den Thürpfosten haltend. „Ich dachte, es wäre der schreckliche Mensch. Frau Opel erzählte mir eben davon. Haben sie ihn auch wirklich verhaftet?" „Bis jetzt noch nicht." „Nicht? Oh, wie froh wäre ich gewesen." „So hart kannst Du sein, Du, meine herzensgute Marie?" „Ja, diesem Menschen gegenüber könnte ich es sein, das fühle ich. Ich fürchte und hasse ihn. Er muß ein schweres Verbrechen begangen haben. Ich fühlte e- ordentlich, wenn er mir in den Weg trat." „Ich glaube, Du gehst in Deiner Aengstlichkeit zu wei t er ist wohl harmloser, (als er ausfieht. Indes kannst Du Dich beruhigen, er wird sich nicht mehr blicken lassen bei uns." „Ich weiß nicht- aber ich werde die Angst nicht mehr los. Jetzt erst recht nicht. Warum hast Du auch diesen Menschen ausgenommen. Franz erzählte mir, Du kenntest ihn von früher. Ist es so?" Wieder ruhte der forschende Blick auf ihm. ,,^a, allerdings. Was heißt „kennen?" Ich erinnere mich, ihm einmal irgendwo begegnet zu sein, wo, weiß ich selbst nicht mehr. Indes, was kümmert Dich der Mann?" Er sprach es verweisend. „Ich denke, wir hätten heute abend Wichtigeres zu besprechen, Marie, morgen gehe ich auf das Standesamt, dann giebt's kein Ueberlegen mehr, dann bist Du so gut wie unter der Haube. Ja wohl!" Er lachte gezwungen. „Hast Du denn gar nicht ein wenig Angst, Du Furchtsame?" „Offen gesagt, ich bin herzlich froh, wenn alles vorüber. Dieser Zustand wäre mir länger unerträglich." „Dieser Zustand? Das ist mir neu. Was ist denn das für ein Zustand? Ein sehr erfreulicher doch?" „Ja, gewiß — aber doch — ich kann das nicht so sagen. — Es liegt mir wie Blei auf der Brust, ich werde nicht froh. Sag', was Du willst, der Mensch hat es mir angethan mit seinem bösen Blick. Ich kann es mir nicht anders erklären." „Lächerlich, was hat der Mensch mit Deiner Heirat zu thun, ein armer, gehetzter Teufel, wie es Tausende giebt- nicht schlechter, nicht besser. Weiß Gott, was Dir die Opel alles eingeschwätzt. Auch ich habe ihn beobachtet, ist aber altes Wcibergeschwätz, weiter nichts. Setzen wir uns, wir kommen nie mehr so zusammen. Morgen bist Du schon mehr Frau, als Tochter —" „Das werde ich nie sein, Papa, nie —" Sie schenkte den Thee ein. „So? Damit wird aber Franz nicht einverstanden sein. Der Mann will Dich ganz besitzen oder gar nicht. Geht auch nicht anders. Das ist das Gesetz der Natur, dem wir uns alle fügen müssen." „Oh, das wäre ein ungerechtes Gesetz. Wie kann ich mir eine Liebe aus dem Herzen reißeu, dir doch die ältere ist, die mit mir aufgewachsen, nur, weil eine neue mir das thörichter Weise gebieten will, die mein Wesen lange nicht so durchdringt." „Thut sie das nicht?" fragte HolauS hastig. „Ja, 714 - dann — daun ist sie eben nicht die rechte. Marie, warum sagst Du mir das erst jetzt?" „Aber, Papa, mißverstehe mich nicht. Ich bin Franz von Herzen gut, ich glaube, daß er mich wirklich liebt, Du willst die Heirat, wie ich ja sehr wohl begreife, wir brauchen uns nicht zu trennen. — Weißt Du, ich habe schon oft darüber uachgedacht, mir Sorgen gemacht, aber — ich weiß nicht — so lieben, wie man in den Büchern liest — ich glaube, das kann ich gar nicht." Holaus drückte sich tief in den Sessel, daß der grüne Schirm der Lampe ihn beschattete. „Du irrst Dich, Marie, jedes Weib kann so lieben, wenn der Rechte kommt." „Ja dann, dann ist er allerdings nicht gekommen, wird aber auch nicht kommen — kann nicht kommen." Marie legte zärtlich den Arm um des Vaters Nacken, strich ihm die braunen, vollen Locken aus der Stirn und sah ihn mit einem sonderbaren Lächeln an. Holaus sah ihr regungslos in die Augen. „Woher weißt Du das?" Da drückte Marie einen Kuß auf seinen Mund. „Das sage ich Dir nicht." Holaus ergriff hastig ihre Hand. Sein ganzes Innere erbebte vor dem Unglaublichen, das er nahen fühlte. „Du mußt es mir aber sagen, und ich verlange es von Dir in dieser Stunde." Marie lächelte ahnungslos über die Erregung des Vaters. „Muß ich wirklich? Nun, so sage ich eS. Wie Du erregt bist und wirst mich dann recht auslachen. Nun —" Sie beugte sich dicht über ihn. „Werl der einzige Rechte, wie Du ihn nennst, gerade so aussehen, so denken, so fühlen müßte wie Du, Papa, — und den giebt es nicht. So muß ich mich schon bescheiden. Bist Du jetzt zufrieden? Ja? Oder ist da wieder ein Gesetz der Natur, das ich verletze? Sprich doch! Sieh mich nicht so böse an. Kann ich denn was dafür, daß ich Dich so lieb habe, lieber als alle Menschen? Das kommt daher, weil mir die arme Mutter so früh starb- da hat sich alle Liebe in Dir vereinigt. Ist denn das nicht recht, Papa?" Sie rüttelte ihn kosend an beiden Schultern. Da griff er mit beiden Händen ihr Haupt und drückte einen langen Kuß zwischen ihre Stirnlocken. „Nicht weinen, Papa, hörst Du? Da ist ja gar nicht zum Weinen." In diesem Augenblicke fuhr sie jäh auf. Eilige Schritte näherten sich. Sie drängte sich ängstlich an den Vater, der verwirrt, wie aus einem Traums erwacht, die Nacht nach dem Nahenden durchforschte. Herrmann war es. Er kam eilig, sichtlich erregt. „Na, das bist Du ja," rief er, Holaus erblickend. „Eine nette Geschichte das! Der Kerl ist wirklich durch! Keine Spur mehr davon. Habe ich es Dir nicht gleich gesagt? Du hast Dich arg prellen laffen. Er heißt gar nicht Merkel, Fichtner ist sein rechter Name. Na, wenn er mir in die Finger gekommen wäre. Habe mich schon vorgesehen bei der Suche." Er zog einen kleinen Revolver hervor. „Bei Gott, ich hätte ihn niedergeknallt wie einen tollen Hund, so verhaßt war mir stets der Bursche. Na, er wird sich schwerlich mehr blicken laffen. Darüber kannst Du ruhig sein, Marie. Also morgen geht's los, Hans," wandte er sich dann in gewohnter, lärmender Weise an Holaus. „Ich glaube gar, Du hast geweint? Na, so schlimm wird ^eS nicht werden. Ich lasse sie Dir schon zur rechten Er warf sich in einen Gartenstuhl neben Marte und ergriff sie scherzend beim Kinne. Marie entzog sich ihm, tief errötend, mit einem der- legenen Blick auf den Vater. „Was ist denn los? Ihr seid ja ganz entsetzlich herabgestimmt, — und Thee trinkt Ihr? Na, laßt Euch nicht stören, — Ihr seid einmal zwei so romantische Seelen. Wollte Dir nur das Resultat unserer Suche nach dem Spitzbuben erzählen." Er sprang auf und küßte Marien die Hand. „Von morgen an bitte ich mir aber Bowle aus, am Abend fängt mein Regiment an." „Ich gehe mit," erklärte Holaus, sich rasch erhebend. „Gute Nacht, Marte." Sein Kuß berührte diesmal kaum ihre Stirn, aber ihre Hand hielt er lange fest. „Ich danke Dir." „Ich habe Dich doch nicht vertrieben?" meinte Franz. „Im Gegenteil, Franz. Es ist mir sehr angenehm, mit Dir noch einiges besprechen zu können. Komm'!" Er ergriff den Arm des Freundes. „Geh' in das Haus, Marie, es wird kühl." Er winkte ihr noch einmal und verschwand mit Herrmann hinter den Büschen. Marie lehnte an der Säule der Terraffe. Das flimmernde Licht der Sterne zog ihren Blick an. Sie waren von Kindheit auf ihre Lieblinge, übten stets einen beruhigenden Einfluß auf sie aus. Jetzt füllten sie ihre Augen mit Thränen, ihr Herz mit unendlicher Wehmut. „Armer Vater!" Frau Opel räumte den Tisch ab. »Was guckst Du denn die Sterne an? Da droben steht's auch nicht geschrieben, ob man glücklich wird. Hör' mir auf, es hat jeder seine Mucken. Ich kann ein Lied singen davon. Man muß's gar nicht so schwer nehmen. Da giebt's noch ganz andere Sachen. Oh, mein Gott." Als sich Marie nach ihr umwandte, war sie bereits im Hause verschwunden. Eilig wollte sie ihr folgen, von dem alten Angstgefühl gepackt, da hörte sie ihren Namen flüstern, ganz deutlich, aus nächster Nähe. Die Füße versagten ihr den Dienst, sie mußte sich a« einer Stuhllehne festhalten. „Marie!" Der Sand knirschte, ein dunkles Etwas huschte an der Maner entlang. „Kommen Sie! — Ich muß Sie sprechen! Bei Ihrem Seelenheil, bei allem was Ihnen wert und heilig, kommen Sie! Fürchten Sie nichts, — kommen (Sie!" Von Schauer geschüttelt und doch seltsam ungezogen, blickte sie hinaus in den Garten. Eine dunkle Gestalt stand unter den Ulmen, dicht neben der Veranda und winkte. Das bleiche Licht des Mondes ließ nur die Konturen erkennen, und doch erkannte sie die Gestalt. Er war eö! der Entsetzliche! der Verfolgte! — „Sie werden es ewig bereuen, wenn Sie mich nicht anhören, — nur eine Minute —" Etwas Dringendes, Unabweisbares lag in der Flüster- stimme. Es zog sie gewaltsam die Stufen hinab, dem Flüsternde» zu. Tiefer Schatten nahm sie auf, da blieb sie stehen. „Was wollen Sie von mir?" Näher schlich er, ganz nah'. Das Blut erstarrte ihr. „Kennen Sie mich?" Marie nickte nur automatisch mit dem Kopfe, die Arme wie zur Abwehr von sich streckend. „Was fürchten Sie mich denn? Ich komme ja als Freund, mit guten Nachrichten. Horchen Sie wohl auf. Jedes Wort, das ich spreche, ist wahr, so wahr mir Gott helfe. Herr Holaus ist nicht Ihr Vater." Marie wich einen Schritt zurück. Der Wahnsinn blickte aus den stieren, auf sie gerichteten vf H n »Ml „Nein, er ist es nicht! Als Kind hat er sie aus dem e — N5 — Stufe gerettet, in Len Ihre Mutter mit Ihne« gesprungen, aus Verzweiflung über den Lumpen von einem Vater, der sie in der höchsten Not verlassen, dem Hunger preisgegeben, Weib und Kmd. Fichtner hieß der Schuft, Andreas Fichtner." Marie fiel dieser Name wie ein Geier an, der seine Krallen in ihr Herz schlug. Sie hatte ihn schon einmal e gehört, eben noch, vor wenigen Minuten. Ein wirres, hastiges Suchen — da war es schon! Ihr Bräutigam sprach ihn aus. „Er heißt ja nicht Merkel, Fichtner ist sein Name." Und Blitz auf Blitz zuckte durch das Pochende Hirn. Jetzt beugte sie sich vor und starrte in das bleiche, abgehetzte Antlitz vor ihr. „Kennen Sie ihn am Ende schon? Hat er es nicht erwarten können, der verliebte Narr. — Nun denn — ich bin Dein Vater, Marie, Dein verhaßter, verachteter Vater —" Ein gurgelnder, von dem Taschentuch schlecht nnterdrückter Schrei entrang sich Mariens Kehle. Sie schwankte, drohte zu sinken. Die Arme Fichtners fingen fie auf. „Nimm Dich zusammen! Ich habe Eile. Kannst Du mir verzeihen, was ich an Dir, an Deiner Mutter verbrochen? Hassest Du mich noch, jetzt, nachdem Du alles weißt? — Sprich, mein Kind!" Er näherte sein Antlitz dem ihren. Da rang sie sich los, aus ihrer Betäubung erwachend, von den Worten „mein Kmd" aus diesem Munde auf- gepeitscht. „Lasten Sie mich, Lügner!" Em Stoß traf das Gesicht Fichtners. Da erfaßte ihn wohl der Wahnsinn der Verzweiflung. Marie fühlte sich von zwei sehnigen Armen um den Leib gepackt, emporgehoben, in das Dickicht gezerrt. Einen lauten Schrei konnte sie noch auöstoßen, dann drückte sich eine schwere Faust auf ihren Mund. Fichtner brach ziellos in dumpfem Wahnsinn, tote ein Raubtier mit seiner Beute durch das Dickicht. Plötzlich sah er sich auf einer weiten Lichtung mitten im Mondlichte. „Halt!" rief eine Stimme. Zwei Gestalten tauchten auf. Da kam er zum Bewußtsein seines wahnsinnigen Thuns, mit einem lauten Fluche ließ er das Mädchen zu Boden fallen und floh in weiten Sätzen über den Plan. „Schieß nicht!" eine Stimme, — feuriges Aufblitzen, — noch eins — Fichtner stolperte vornüber, raffte sich noch einmal auf und fiel dann zu Boden. Herrmann hatte geschossen. Der Schrei, der ihn mit Holaus dem Flüchtlinge entgegenführte, dann der Anblick seiner Braut in den Armen des Elenden, hatten ihn alle Bedenken vergessen lassen. Und jetzt auch sprang er tollwütig, während Holaus auf Marie zueilte, zu dem Gestürzten. Der erhob sich mühsam, mit den Händen in den Rasen sich krallend. Ein Blutstrom zog sich durch das wachsbleiche Antlitz, das den Nahenden höhnisch angrinste. „Ich bin's schon — der Fichtner! Narr! Den Brautvater erschießen! Dort! Dort!" Schwankend totes er auf Holaus, auf deffen Arm gestützt, Marie sich erhob. „Stehst ihn, ihren Schatz? Marie! Marie! Es geht ans Sterben. Ich klag' Dich an." Der Verwundete sank zurück auf den Rasen. Herrmann hielt seine Worte für den Fiebertraum eines Sterbenden. Da kam Marie heran, von HolauS geführt. Schaudernd vor dem Anblick, barg sie ihr Haupt an seiner Brust. „Ist er es denn wirklich? Mein Vater?" Holaus nickte mit dem Haupte. „Ja, er ist es." Ihre Stimme rief die letzten Lebensgeister wach in de« Unglücklichen. „Marie!" ES war nur noch ein Röcheln. Seine Hand streckte sich verlangend auS. „Du darfst sie ihm nicht versagen," sagte Holaus. Und Marie fiel auf die Knie vor dem Sterbenden und ergriff seine Hand. Ein leiser Druck, und sie entglitt ihr. — Ein letzter Krampf — der Körper Fichtners tag regungslos. Das war zu viel für Marie, die Besinnung schwand ihr. (Schluß folgt.) Warnung vor Hunden?) ------ Nachdruck verboten. Mancher nennt den Hund seinen treuesten Freund, mit dem er sogar Tisch und Bett teilt, während ein anderer von seinem Hunde allen möglichen Nutzen zu ziehen sucht. So ist man gewohnt, den Hund als einen unentbehrlichen und gemütlichen Hausgenossen anzusehen, man bedenkt aber dabei nicht, daß derselbe in gewisser Hinsicht ein recht zweideutiger Gesellschafter, ja sogar ein gefährlicher Feind deS Menschen sein und werden kann. Der Hund ist nämlich eine Herberge von allerhand gefährlichen Schmarotzern, welche denselben gelegentlich verlassen und auf Menschen übersiedeln. „Flöhe hat der Hund tote Sand am Meeresrand!" sagt Hans Hubert und har recht damit. Wenn dieselben auch nicht zu den gefährlichen Feinden deS Menschen gehören, so gehen sie doch leicht auf ihn über und belästigen ihn. Schlimmer wie diese sind die Krätzmilben des Hundes, welche gern auf die Haut von Frauen und Kindern übergehen und dort Krätzausschlag verursachen. In den Talgdrüsen des Hundes lebt ferner die Balgmilbe. Sie verursacht am Hunde kleine Geschwüre, welche einen widerlich süßen Geruch verbreiten. Diese Milbe geht auch gern auf Menschen über und verursacht dicke, rote Nasen. Mancher Hundeliebhaber ist wegen seiner roten Nase wohl als Schnapssäufer angesehen worden, während derselbe in Wahrheit diese Auszeichnung des Gesichts seinem Hunde verdankt. Auf dem Hunde wuchert ferner ein kleiner Pilz, der FavuS, welcher bei den Kindern Kopfgrind verursacht. Wie viele Kinder bekommen diese abscheuliche Krankheit dadurch, daß sie mit dem Hunde spielen! Auch die Borkenflechte entsteht durch einen Pilz, dessen Keimkörner von den Haaren des Hundes sich auf dm Menschen übertragen. Wenn die genannten Parasiten für den Besitzer oft unangenehm werden, so ist der Leib des HundeS, tote Professor Dr. LandriS in Münster sagt, für den Menschen geradezu eine Mörderhöhle ersten Ranges. Im Selbe des Hundes lebt nämlich der Hülsenwurm, dessen reife Glieder sich nach und nach ablöien und nicht selten durch irgend einen Zufall in den Magen des Menschen gelangen. Geistesstörung und Tod sind alsdann die unmittelbaren Fo gen. Und rote leicht wird nicht die Uebertragung, wenn man dem Hunde gestattet, die Teller abzulecken ober wenn man sich Wgar selbst von ihm lecken läßt! Auch der Bandwurm wird vom Hunde auf den Menschen übertragen. Enenso hat die Drehkrankheit der Schafe, über die so manche Lchas- besitzer klagen, ihre Ursache in einer Finne, die ähnlich der ist, welche in der Nase des Hundes haust und dem Menschen den entsetzlichen Tod durch Hydrophobie (Wasserscheu, Tollwut) bringt. Nach Landris sind in den Jahren 1890 bis 1894 in Europa allein 4666 Menschen an dieser entsetzlichen Krankheit gestorben. Verfasser hat schon wiederholt durch öfstniliche Warnungen die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken gesucht und *) Aus dem sehr empfehlenswerten Buche: „Michaelis, Grundzüge einer allgemeinen Hygiene," Preis Mk. 2,—, Verlag von Hugo B er- mthler, Berlin. 716 - bringt noch zur Ergänzung des Borausgeschickten ein solche aus dem Jahre 1896 wörtlich zum Abdruck. Selbige lautet: „Nicht eindringlich genug kann vor einem allzu intimen Umgänge mit Hunden gewarnt werden, welche Unsitte namentlich in Oamenkreisen überaus verbreitet ist. Ais Beleg für die hierin liegende Gefahr ein neues Beispiel: An einer eigentümlichen Krankheit starb vor einiger Zeit in Halle ein im besten Mannesalter stehender Kaufmann. Sein Inneres war von Hundewürmern zerstört und bei einer Operation wurden aus der Milz über 100 Stück, bei einer späteren notwendigen zweiten Operation aus der Leber abermals 100 Stück dieser Schmarotzer entfernt. Zwischen Lunge und Leber hatte sich aber bereits ein Geschwür gebildet, das den Tod dieses Mannes veranlaßte. Leicht sind diese winzigen Würmer (durch Belecken oder sich küssen lassen) auf den Menschen zu übertragen und richten dann, einmal in den Körper eingedrungen, bei ihrer starken Vermehrung große Verwüstungen an. So mancher geht an diesen unheilvollen Folgen zu Grunde, ohne eine Ahnung von der wahren Ursache seines Leidens zu haben, nicht selten unter den schrecklichsten Qualen. So sind Fälle bekannt geworden, wo diese Parasiten den Weg zum Gehirn gefunden halten und unter den fürchterlichsten Schmerzen zum Tode führten, und wenn die rätselhafte Krankheit nicht noch die Sektion zum Nachspiele gehabt hätte, würbe sie wohl für immer verschleiert geblieben sein. Die oft öffentlich erhobenen Warnungen haben bis jetzt leider nur wenig Erfolg gehabt. Namentlich liegt für Kinder bei ihrer Neigung, mit Tieren zu spielen, eine stete Gefahr vor, und nur eine sorgfältige Beaufsichtigung kann hier schützen. Es giebt aber auch viele Frauen und alte Jungfern, die ohne ihr Schoßhündchen, ohne ihren Mops, Affenpintscher oder Dachsel nicht leben zu können glauben und sich von ihnen selbst die widerlichsten Liebkosungen gefallen lassen. Solange dies innerhalb ihrer vier Wände geschieht, mag daS ihre Sache sein,' wenn sie es aber öffentlich thun, in Gasthäusern, in der Bahn uiw., wie es so oft geschieht, wird das zur großen Ungeschicklichkeit und Rücksichtslosigkeit gegen andere, die eben nicht solche Hundeliebhaber, besser gesagt Hundenarren sind. Ja, man ist noch verurteilt, mancherlei widerliche und tierische Angewohnheiten dieser Vierfüßler mit anzusehen I Ich sür meine Person suche gewöhnlich, wenn ich in eine derartige Nachbarschaft geraten bin, einen anderen Tisch auf oder, falls es nicht angängig ist, verlasse ich bald das Lokal, nehme aber auch stets eine gewisse Verachtung gegen betreffende Personen mit fort." Unterhaltungsspiele. Kein Weihnachten vergeht, ohne daß nicht neue Unterhaltungsspiele dem Publikum geboten würden: da giebt es ein „Welt-Reisespiel", ein „Pariser Weltausstellungs-Spiel", ein „Buren- und Engländer-Spiel" usw. usw., aber alle find sie im großen und ganzen nach einer Schablone gearbeitet und bringen eigentlich nur altes in veränderter Form. Jüngst ist aber nun ein Spiel aufgetaucht, wie es nicht alle Tage erfunden wird, ja das mit seiner geistreichen Anlage und seiner großen Bielseitigkeit bald dem ehrwürdigen Schach ein schlimmer Konkurent werden dürste: da? „Salta-Spiel", das jetzt im Begriffe steht, von Hamburg aus, wo sich sogar schon ein „Salta Klub" gebildet hat, seinen Siegeslauf über die Welt anzutreten! Und auch die Wissenschaft hat sich schon mit dem Neuling befaßt: soeben ist bei Göschen in Leipzig eine kleine Broschüre des bekannten Mathematikers, Prof. Dr. Hermann Schubert in Hamburg, des Verfassers der vielzitierten „Zwölf Geduldspiele" und der „Mathemalischen Mußestunden", erschienen, die sich in eingehendster und jedermann leicht verständlicher Weise mit den Spielregeln, die übrigens höchst einfach und schnell zu erlernen sind, und den außerordentlich zahlreichen Spielarten beschäftigt. Das hübsch ausge- statlete und wohlfeile Merkchen (Preis 60 Pfennig) bringt außerdem zum besseren Verständnis eine wirklich gespielte Salra-Partie mit kritischen Bemerkungen, sowie eine Besprechung der wichtigsten Kampsarten. Auf beides, Spiel und Broschüre, seien unsere Leser besonders aufmerksam gemacht. Neue Berlagswerke von Theodor Stroefer, Kunstverlag, Nürnberg: Fkühlingsblüten. Eine Gabe für die junge Mädchenwelt. Herausgegeben von Bertha Clöment. Preis komplett in Leinwand gebunden Mark 7.50. Halbband in Leinwand gebunden a Mark 4.—. Gewiß ist, daß unsere „junge Mädchenwelt" nicht bloß mit Geschichten, wie sic den Markt überschwemmen, sondern mit kräftigerer und gediegenerer Speise geistig und gemütlich genährt werden soll. Dies ist die Tendenz obigen wunderschönen Buches, das wir der umsichtigen Leitung der erprobten Mädchenschriftstcllerin Bertha Clement verdanken, welche selbst an den trefflichen größeren Erzählungen „Mauerblümchen" und „Die schönste Hand" — nämlich die, welche Wohlthun übt — bcigesteuert und sich als Mitarbeiterinnen H. v. Krause, Anna Klie, Elise Maul, Therese Schefer, Bernhardine Schulze-Smidt und andere gesellt hat. Die erstgenannte greift in die Kulturgeschichte und schildert in sehr lebendiger Ausführung in „Aus der guten alten Zeit" das Leben und Treiben des Hauses um 1580; dieser Stoff ist ein sehr glücklicher Griff und ebenso die fesselnde Art der Darstellung in Form einer Erzählung, ebenso aus der Zeit der Schmach, um 1807, „Hannchens Abenteuer". Ein warmer religiöser Sinn und Geist weht durch diese Stücke, denen sich natürlich auch Gedichte, dramatische Scherze, Anweisung zu Kunstübungen, Stickerei, Brandmalerei und dergleichen unerläßliche Zuthaten anschließen. Aber das ist nicht alles. Als ein besonderes Verdienst zählen wir die Aufnahmen von Reisen (nach Italien), Länderschilderungen (Hawaii), Künstlerbiographie (Defregger). Auch zur Illustration haben sich erste Kräfte, u.' a. Paul Thumann, vereinigt. Nicht nur die prachtvollen Vollbilder (Gestalten, Landschaften, u. a. das Meisterblatt „Weihnacht", ein Kirchlein im Schnee; Defreggers Mädchenköpfe, „Letztes Aufgebot"), sondern auch die Textillustralionen, z. B. gerade aus der Großväterzeit von 1807 usw. sind zu rühmen, und das Ganze ist in Druck und Einband in der Gesamtwirkung von gewählter Gediegenheit. Plattderstündchen. Eine Festgabe zur Unterhaltung und Belehrung. Herausgegeben von Helene Binder. Preis des kompleten Bandes Mark 6.—, in Leinwand gebunden Mark 6.50. Preis des Halbbandes Mark 3.50, in Leinwand gebunden Mark 3.75. Die „Plauderstündchen", deren 5. Band ebenfalls in zwei, einzeln und zusammen erhältlichen Teilen heuer an's Licht tritt, sind eine längst schon so beliebte Spezialität des Th. Stroefer'schen Berlages, daß wir kaum noch etwas zur Empfehlung zu sagen brauchen. Ist es ja auch dieselbe kundige Hand, welche, wie bisher, die Leitung des aus einer reichen, mannigfaltigen Fülle von Beiträgen zusammengestellten Buches führt, nämlich Helene Binder mit einem ganzen Generalstab von schriftstellernden Kindersreunden, wie z. B. Bertha Clöment, Helene Krüger, Frida Schanz, Ottilie Schwahn, L. Witte und anderen. Was aus der Zusammenarbeit solcher Kräfte entstehen kann, eine unabsehbare, abwechselungsreiche Folge der köstlichsten Geschichten, Märchen, Fabeln, Natur- und Reiscbilder, Verse, Schwänke usw., das zeigt dies Buch, das an Mannigfaltigkeit des Inhaltes nicht seinesgleichen hat. Daher auch die einzigartige Eigentümlichkeit, daß es sür alle Stufen der Kinderjahre, Knaben und Mädchen, vor und in der Schulzeit, Kleine und Kleinste Entsprechendes bietet und somit das eine Buch dasselbe leistet was anderer mehrere. Dazu kommt noch der erstaunlich reiche und geradezu künstlerisch bedeu- tendc Bilderschmuck, Hunderte von Bildern zu den Hunderten von Textnummern, u. a. die lustigen Skizzen des Quartaners (im Stil von Wilh. Busch), begleitet von des Zeichners kostbaren Zuschriften an den Verleger. Königspromenade. Nachdruck verboten. Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise mit einander verbinden, daß man — wie der König auf dem Schachbrett — stets von einem Felde aus auf ein benachbartes übergeht. Auflösung in nächster Nummer. bei zichte ganz du bist sei in sein nem ver so frei frei und wird friede herzen der von -zcr wendig was cs dann th selbst brich schwer greife noth nei ran schnöde sucht be! zen Auflösung des (Anagramms in voriger Nummer Leid, Lied. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.