(Nachdruck verboten.) Die Armenhausprinzessin. Roman von O. Elster. (Fortsetzung.) VIII. Das „fabelhafte Glück" der „Armenhaus-Prinzessin" erregte in allen Schichten der kleinen Residenz das lebhafteste Aufsehen. Wie der Name aus der armseligen Jugend Elsies bekannt geworden war, vermochte eigentlich niemand zu sagen. Zuerst flüsterte man ihn spöttisch in den Kreisen des Osfizierkorps - von diesem ging er in die Künstlerwelt des Städtchens über und verbreitete sich dann mit,Blitzesschnelle durch die ganze Stadt. Fräulein von Prangen und Fräulein von Hamberg, die beiden Gesellschaftsdamen der Herzogin, nannten Elfte mit keinem anderen Namen mehr in ihren vertraulichen Gesprächen untereinander und mit den übrigen Damen des Hofes und der Gesellschaft. Die Oberhofmeisterin Gräfin Bittenfeld rügte allerdings anfangs diese spöttische Bezeichnung der „Vorleserin Ihrer Hoheit der Frau Herzogin-Witwe", unter welchem Namen Elsie in dem Etat des Hofstaates geführt wurde, aber bald gewöhnte auch sie sich an die Benennung, die sie dem alten Oberhofmeister Seiner Hoheit, dem Baron von Trautenstein gegenüber, lächelnd als durchaus zutreffend bezeichnete. „Sie glauben nicht, Excellenz," flüsterte sie dem Baron während eines intimen Abendcercle der Herzogin zu, „welch' ein Hochmut in diesem Mädchen steckt. Rittmeister v. Hannecken hat recht, wenn er in diesem wilden Reis seines Stammes das amerikanische Blut entdeckt zu haben meint, Ihrer Hoheit der Frau Herzogin beugt sie sich — aber sonst niemandem — selbst mir nicht. Neulich versuchte ich ihr einige Vorschriften in Bezug auf Haltung, Kleidung und dergleichen 1899. Sä jklNsWji.1 fie gesunde Kraft der deutschen Volksseele giebt uns die Zuversicht, daß sie dem Ansturm des auf fremden Boden erwachsenen, ihrem innersten Wesen feindlichen Naturalismus, der die Wurzeln deutschen Denkens, deutscher Litteratur und deutscher Kunst zu untergraben sucht, siegreich begegnen wird, ohne an dem besten Teile des deutschen Geistes, dem Idealismus, Schaden zu erleiden. Adolf Rosenberg. zu geben, da blickte sie mich mit einem Lächeln an — einem Lächeln, Excellenz, das fast impertinent zu nennen war." Excellenz lachte sehr belustigt auf. „Meine teuerste, gnädige Gräfin," meinte er flüsternd, indem er sich zu der alten Dame niederbeugte, „wenn man solchen Schutz genießt, wie unser Armenhaus - Prinzeßchen, darf man schon ein wenig impertinent sein." Dabet blinzelten Excellenz pfiffig mit den kleinen Aeug- lein nach Sr. Hoheit dem Herzog hinüber, der sich eben wieder angelegentlich mit Elsie unterhielt, nachdem diese soeben ein Lied beendet und sich von dem Flügel erhoben hatte. Die Gräfin warf das Haupt mit dem wohlfrisierten, schneeweißen Haupthaar in den Nacken. „Excellenz wollen doch nicht sagen, daß Hoheit ein tieferes Interesse für dieses Mädchen empfindet?" Excellenz kicherten in sich hinein, klemmten das Monocle in das rechte Auge und blickten die Oberhofmeisterin mit spöttischem Lächeln an. „Aber, gnädigste Frau Gräfin, davon habe ich kein Wörtchen gesagt! Steht unser Armenhaus-Prinzeßchen nicht unter dem Schutz der Frau Herzogin? Wie sollte ich mich erkühnen, von einem anderen Schutz zu sprechen?" Wieder kicherte die lustige, alte Excellenz gar spöttisch und boshaft. Die Gräiin wurde purpurrot vor Zorn über sich selbst, daß sie ihre Gedanken so unvorsichtig verraten und wandte sich ab, ohne die pfiffige Excellenz einer Entgegnung zu würdigen. Elsie selbst vernahm von dem Flüstern des Spottes, des Neides, der Bosheit und auch des Mitleids rings um sie nichts. Wohl begegnete sie hin und wieder einem kalt forschenden, beobachtenden Blick, einem leichten malitiösen Lächeln, einer kühlen Zurückhaltung in Miene und Haltung, aber ihr Glück, ihre innere Befriedigung waren zu groß, als daß sie auf diese Aeußerungen einer geheimen Gegnergeachtet oder Wert gelegt hätte. Mit inniger Verehrung und kindlichem Vertrauen legte sie sich an die rührende Gestalt der fürstlichen )erin an, welche ihr wiederum mit mütterlicher Liebe Zärtlichkeit entgegenkam. Kein Tag verging, daß Elsie Stunden lang der kranken Fürstin vorlesen, Vorspielen Vorsingen mußte. Ost auch spät in der Nacht, wenn .ichkeiten aller Art den Hof und die Gesellschaft in den erfüllten Sälen des Schlosses oder in den Salons des s der Stadt versammelt hielt, weilte Elsie bei der 146 Stimme. sinnige Liebe aus dem Herzen reißen konnte! Dann fühlte sie, daß sie ihm gehörte, für alle Zeit und Ewigkeit! Dann fühlte sie, daß auch er, der so weit, weit über ihr stand, sie liebte! Sie las es in seinem Auge, sie vernahm es in den Worten seiner leicht vibrierenden Stimme, sie empfand es an dem warmen, wenn auch flüchtigen Druck seiner Hand — sie fühlte es und sie jauchzte in der Tiefe des Herzens beseligt auf, um in den einsamen Stunden der Nacht wieder Thränen der bangen Sorge, der Verzweiflung zu weinen. Elsie kämpfte einen schweren Kampf. Niemand durfte ahnen, was in ihrem Herzen vorging. nierte. Ich bitte Sie deshalb um Verzeihung, ich habe jetzt Ihren wahren Wert erkannt, ich liebe Sie, Elsie, wahr und treu und hier bitte ich Sie, werden Sie mein Weib!" Hoch aufatmend, mit glänzenden Augen und zuckenden Lippen stand der junge Offizier vor Elsie, der armen, ver- Elsie, ich habe niemals geleugnet, daß ich Sie hochschätze, daß ich Sie verehre, daß ich Sie — liebe!" Sie senkte den Blick. Da war das Wort, das sie gefürchtet, von dem ihr gebangt hatte! „Haben Sie keine Antwort auf mein Geständnis?" fragte er eindringlich, indem er sich zu ihr niederbeugte und versuchte, einen Blick ihrer Augen zu erhaschen. Da sah sie groß und ernst zu ihm auf. „Sie vergessen die „Armenhaus - Prinzessin," entgegnete sie mit fester „Ach, lassen Sie doch das thörichte Wortl" rief er ärgerlich. „Elsie, ich war ein Thor, daß ich nicht sofort Ihren Wert erkannte, wie ich von der ersten Stunde an, in der ich Sie sah, von Ihrer Schönheit entzückt war. Ich glaubte, Sie wollten sich der Bühne widmen, ich sah sie schon von all dem eitlen, bunten Flttterkram des Theaters umgeben und ich meinte, daß Sie nicht anders seien, als alle die anderen Damen vom Theater und ich — restg- Mrstin und verscheuchte die Traurigkeit von der Stirn, aus . Niemandem konnte sie sich anvertrauen, wollte sie nicht das der Seele ihrer Herrin durch ihre Lieder. I einzige Gluck verlieren, in seiner Nahe wellen zu dürfen. Die Herzogin sandte dann selbst die den Dienst thuenden Sie bangte vor der Entdeckung ihres Geheimnisses und schrak Hofdamen fort - nur eine alte Kammerfrau wachte im Vor- I zusammen, wenn die klaren, grauen Augen des Rittmeisters Ammer, während Elsie bei der gütigen, kranken Fürstin I von Hannecken forschend, leicht spöttisch und doch mit einer Lttt, ' y gewissen Teilnahme auf ihr ruhten. Wird es Ihnen auch nicht zu einsam, zu still bei mir I Der Rittmeister suchte sich Elsie in der lebten Zeit einsamen, kranken, alten Frau, mein liebes Kind?" fragte mehr und mehr zu nähern. Hatte er sie früher tm Hause dann wohl die Herzogin, zärtlich die blonden Locken Elsies I seiner Eltern mit spöttischer, neckischer Galanterie behandelt, streichelnd. „Sie sind jung, schön und reich begabt- Ihr so zeigte er jetzt eine gewisse ehrerbietige Haltung, welche Herz sehnt sich gewiß hinaus in den Glanz des Lebens, und Elsie anfangs belustigte, nach und nach aber mit geheimer ich halte mein kleines, armes Singvögelchen fest in der I Sorg- erfüllte. Der Rittmeister verfolgte augenscheinlich dumvsen Krankenstube." I einen Plan: er umlauerte Elsie mit forschenden Blicken, er Dann kniete Elsie vor der Fürstin nieder und küßte 1 suchte die Gelegenheit, mit ihr allein zu sein, sie in ein in- die armen, schwachen, hageren, blaffen Hände, und Worte I timeres Gespräch zu verwickeln und zeigte einen unverholenen des Dankes, der Liebe, des Vertrauens quollen über ihre I Mißmut, wenn Elsie ihm auswich. q.” " ' j Auf die Dauer vermochte Elsie auch ihre Taktik des Nein, es wurde ihr nicht zu einsam in dem großen, I AuSweichens nicht aufrecht zu erhalten. Das Leben an dem weiten Schloff-, den hallenden Korridoren, den glänzenden I kleinen Hofe und dem Schlosse führte den Adjutanten des Sälen, dem lauschigen Turmzimmer, das man ihr als Herzogs und die Vorleserin der Herzogin fast täglich zu- Wohnzimmer etngeräumt, und den verschneiten, vielver- I sammen, und so war es denn Elfte auch ganz willkommen, schlungenen Wegen des großen Parkes, der sich in den Hoch- als sie an einem der ersten schönen Früh ingstage auf einem wald verlor, welcher sich hinter dem Schlosse emportürmte. I Spaziergang im Schloßpark dem Rittmeister begegnete und Es wurde ihr nicht einsam in der glänzenden Gesellschaft I an dem Aufleuchten seiner Augen bemerkte, daß er entschlossen des Hofes, inmitten der reichen und vornehmen Damen, die I war, diese Gelegenheit zu benutzen, um eine Aussprache mit kühlem Stolz auf den armen, niedrigen Eindringling herbeizuführen. , r herabsahen, inmitten der ordengeschmückten, glänzenden Herren- | „Darf ich Ste imf Ihrem Spaziergang beglei en, weit, die sie mit süßlicher, halb spöttischer Galanterie um- Cousine?" fragte er, höflich grüßend. schmeichelte, inmitten der glanzvollen Hoffeste, inmitten der I „Mein Spaziergang tst bald beendigt, entgegnete sie. einsamen, stillen Stunden und am Tage am Krankenbett „Indessen, ich sehe, «ie haben mir etwas z» sagen, ich will ihrer hohen Gönnerin. Ihnen Rede und Antwort stehen. Also sprechen Sie!" Es wurde ihr nicht einsam - sie fühlte sich nicht allein, Sie sah ihm fest in die Augen, aber in ihren Wangen denn immer und überall fühlte sie ein dunkles Auge, leuch- stieg eine feine Röte, empor und ihre Stimme zitterte leicht, tend auf sich ruhen, immer und überall sah sie eine hohe I Er atmete tief auf. männliche Gestalt, immer und überall — selbst in den stillen I „Ich sehe," fuhr er fort, „daß Sie mich endlich anhören Stunden der Nacht und dem lauten Lärm der Feste ver- I wollen, Cousine, und ich bin Ihnen dankbar dafür. nahm sie den warmen, innigen Tonfall der leise aufjubelnden „Sie nennen mich jetzt immer Cousine - früher war Stimme: „Auf Wiedersehen — auf baldiges Wiedersehen!" I ich Ihnen nur Klein-Elsie. Hat meine Stellung bei Ihrer Außer der Herzogin besaß Elsie keine Freundin- außer I Hoheit Sie vermocht, unsere Verwandtschaft anzuerkennen? dem alten General von Hannecken keinen Freund. Aber auch | „Sie thun mir unrecht, Elsie. Ich habe diese Verwandt- mit diesen Freunden konnte sie nicht darüber sprechen, was 1 schäft niemals verleugnet. Ich bin stolz darauf, aus dem ihr Herz so stürmisch bewegte, was den Inhalt ihres ganzen 1 Stande der freien Bauern dieses Landes entsprossen zu sein, Lebms ausmachte. ich bin stolz darauf, daß meine Vater die Anerkennung ihrer Sie empfand aber auch nicht das Bedürfnis der Aus- Verdienste, ihrer Tapferkeit gefunden haben, welche rn dem spräche. Sie bebte vor der Berührung ihres Geheimnisses I adligen Namen, den ich führe, zum Ausdruck kommt. Der zurück, das sie selbst sich ihrem Herzen nicht zu offenbaren I Mut, die Tapferkeit, die freie, adlige Gesinnung haben auch I Sie geerbt, obgleich Sie noch den einfachen Namen unseres B Sie wußte anfangs selbst nicht, daß es die Liebe, die | gemeinsamen Ahnen^ tragen. Doch das nur^ nebenbei. — erste, aufflammende, heiße Liebe des zum Leben erwachten Weibes war, was sie auf den Gipfel des Glückes erhob, was sie oft in den Abgrund banger Zweifel stürzte. Sie durfte sich ja dieser Liebe nicht hingeben- diese Liebe war Wahnsinn, war Sünde! Aber sie besaß die Kraft nicht, diese Liebe aus ihrem Herzen zu reißen, so oft sie es auch versuchte. Wenn er, dessen männliche Schönheit, dessen bezaubernde Güte, dessen edle Gesinnung ihr Herz bezwungen, wieder vor ihr stand, wenn sein dunkles Auge flammend tu stummer Bitte, sehnend in stillem Kummer, auf ihr ruhte, dann fühlte ste, daß keine Macht der Welt ihr diese wahn- 147 — (Nachdruck verboten.) Die Kochfrau Von Lina Fabian. barung . . . Ich bestellte also für Donnerstag eine Kochfrau: nicht zu alt, adrett, bescheiden, perfekte Köchin. Vier Mark für den Abend, freie Beköstigung, und das übliche „mit nach Hause nehmen". Ich erhielt umgehend die Versicherung, daß meinen Wünschen in jeder Hinsicht entsprochen werden würde, nachmittags werde die Kochfrau zur Stelle sein. — — — Als am Donnerstag früh mein Mann nach dem Bureau ging, gab er mir noch die ihm nötig dünkenden Verhaltungsmaßregeln bezüglich der Kochfrau. „Sei ohne Sorge", beruhigte ich ihn, „ich verstehe mit derartigen Leuten umzugehen. Außerdem kommt die Frau erst nachmittags, bis dahin habe ich Deine guten Ratschläge schon längst wieder vergessen". „Das glaube ich gern", brummte er, „in der Vergeßlichkeit hast Du eine ungeahnte Größe erreicht", — damit ging er und überhob mich so einer Antwort, die sicher Hand und Fuß gehabt haben würde. Kaum hatte er die Korridorthür geschlossen, als heftig geschellt wurde. Minna hatte ich zum Schlächter geschickt, sodaß mir nichts übrig blieb, als selbst zu öffnen. Der Briefträger wahrscheinlich . . . Ich hakte die Kette los und öffnete ahnungslos. Schon wollte ich die Hand nach dem Briefe ausstrecken, als die Thür durch einen scharfen Druck achteten Tochter des Armenhausbewohners, des elenden, halb verkommenen Invaliden aus dem amerikanischen Kriege. Er legte ihr seinen Namen, seine Zukunft, sein ganzes Leben zu Füßen, und ein Gefühl des Stolzes ließ Elsies HerMhöher schlagen. Sie wußte, daß der Rittmeister es ernst meinte. Sie kannte ihn zu gut, als daß sie an Heuchelei seinerseits denken konnte- sie wußte aber auch, welcher Umstand seine Sinnesänderung hervorgebracht hatte, sie kannte seinen Ehrgeiz und durchschaute ihn, daß er hoffte, sich durch eine Verbindung mit ihr der Gunst des Herzogs und der Herzogin . noch mehr, als es jetzt schon der Fall, zu versichern. (Fortsetzung folgt.) müssen". Da ich nicht Lust hatte, dieses Thema weiter zu erörtern, meinte ich: „Nun, es giebt also garnierte Brödchen, Suppe, Zander mit Butter, Hasenbraten und Nachtisch. Vorbereitet habe ich alles, Minna holt die letzten Zuthaten, so daß Sie sich langsam an die Arbeit machen können. Es wird Ihnen doch alles gelingen?" „Du meine Jüte", antwortete sie fast mitleidig, „ich bin in der Küche aufgewachsen, gelernt habe ich in die besten Hotels und jetzt koche ich bei die feinsten Herrschaften. Mißraten is mir in meinem Leben noch nie nichts und wenn's mal vorgekommen ist, so war's ganz selten. Also dadrüber brauchen Sie sich keine Kopfschmerzen zu machen, meine Standesehre geht mich über alles". Da jetzt das Mädchen zurückkam, hielt ich es für daS Geratenste, das Feld zu räumen, denn der Eindruck, den die Kochfrau auf mich gemacht hatte, war nicht übermäßig günstig--- Was ist denn das für 'ne alte Schachtel, die draußen in der Küche herumlungert?" fragte mein Mann, als er mittags nach Haus kam. „Das ist die Kochfrau", erklärte ich etwas gedrückt. „Die Einladungen kannst Du nun also ausschreiben", erklärte ich meinem Mann, „so daß wir nur noch die Frage sie sich Plötzlich, indem sie sich umblickte, Dienstmädchen?" „Die ist einholen gegangen", erklärte ich. „Na, das is man gut", atmete sie erleichtert auf, „bei langweilige Kochen muß man jemand haben, mit dem sich was erzählen kann". „Dazu dürfte wohl keine Zett sein", entgegnete ich etwas scharf. „Ja, und warum haben Sie denn dieses . . Ich hatte mir, offen gestanden, eine Kochfrau anders des Kochens zu erledigen hätten". I vorgeftellt, schmuck r, sauberer, jünger. Aber auf das AuS- „Wir" ist nicht übel, lachte er, „das Kochen ist doch I fe^en. fQm e§ ja am Ende nicht an, die Leistungen gaben den ausschließlich Deine Sache, ich habe in der Küche bekannter- I Ausschlag. „Warum kommen Sie denn schon so früh, ich maßen nichts zu suchen. Mitessen will ich ja ganz gerne, I ^atte Sie doch erst für den Nachmittag bestellt? fragte ich aber kochen, — brrr!" mißtrauisch. „Kein Mensch verlangt von Dir, daß Du kochen sollst, I „^otte doch", antwortete sie harmlos, „ich bin das von Du bist ja nicht einmal imstande, Dir Deinen Thee aufzu- I mejncr Kundschaft so gewöhnt, und trinke bet die Herschaftens brühen", antwortete ich spöttisch, „aber ein Abendessen für immer 0(e^ früh Kaffee mit. Thee oder Kakao schaffens ein Dutzend Personen vermag ich mit Minna allein nicht I aHerbtng§ auch, aber bet Thee muß ich schon um die Rumherzustellen, ich muß unter allen Umständen für diesen Tag ^sche bitten. Aber sagen Sie mal, Madamchen", unterbrach eine Kochfrau bestellen". I rte sich plötzlich, indem sie sich umblickte, „haben Sie denn „Na, weißt Du", meinte er und zog die Stirn in Falten, I £e(n „mit 'ner Kochfrau soll das so 'ne Sache sein. Von den I Kochfrauen habe ich schon ganz schaudervolle Geschichten I von außen vollends aufgestoßen wurde und sich eine kleine kugelrunde Person, mit einem Handkorbe bewaffnet, der ungeheuerliche Dimensionen aufwies, in den Korridor schob. Sie drängte mich nicht gerade sehr höflich zur Seite und nahm ohne weiteres ihren Weg nach der Küche, wo sie pustend, stöhnend und nach Atem ringend auf einen Stuhl sank. „Alle Wetter", schallte es in mein Ohr, „wenn ich gewußt hätte, daß das drei Treppen hoch wäre, hätte ich mir die Sache noch überlegt, — das geht mir zu sehr über die Puste". Nachdem ich mich von meinem nicht geringen Erstaunen etwas erholt hatte, fragte ich: „Ja, wer sind Sie denn eigentlich, was wollen Sie denn hier?" Ein wieherndes Gelächter dröhnte mir entgegen. „Wer ich bin, hahahaha, was ich hier will, hahahaha", — sie konnte sich erst nach geraumer Zeit von dem Lachkrampf erholen. „Sie haben mir doch bestellt, ich bin ja die Kochfrau, die Müllern", dabei schob sie den Riesen-Handkorb mit einem derben Fußtritt unter den Küchentisch. gehört ..." I das „Ach was, Stammtisch-Räubergeschichten", fertigte ich I man ihn kurz ab, „da haltet Ihr Euch immer über unser Kaffee- I ckränzchen auf, aber was an Eurem Stammtisch zusammen- I cin)a0 „cu, u»u ......... — geklatscht und getratscht wird, das ist wahrhaftig schon nicht I Korb-Ungeheuer mit hierher geschleppt?" mehr schön. Das verfängt aber bei mir nicht, ich brauche I „Das brauche ich, denn her zu hab' ich meine Sachen auf das Kneipengeschwätz nicht zu hären, ich weiß, was ich I na$ Haus zu pack ich das Essen rein. Ich bin zu thun und zu lassen habe: ich bestelle mir eine Kochfrau I engagiert mit der Bedingung, daß ich mir die Reste mit und dabei blelbt's". I nach Hause nehmen darf". „Meinetwegen nimm Dir gleich ein Dutzend Kochfrauen , I „9Zun, so viel wird bei uns wohl nicht übrig bleiben, knurrte er, offenbar ärgerlich über die wohlverdiente Ab- I Sie den ganzen Korb füllen können". Weisung, die ich ihm hatte zuteil werden lassen. Denn was I „Ach", lachte sie, „das kann man nicht wissen. Ich bin am Stammttsche erzählt wurde, war ihm die reine Offen- | ^0R be{ Herrschaften gewesen, wo der Korb nicht einmal ausgereicht hat, da hab' ich noch ein Packet extra machen 148 — //Da hast Du Dir ja ein liebliches Exemplar ausgesucht, die sieht eher aus wie eine Scheuer- als eine Kochfrau". „Das Aeußere ist auch nicht maßgebend", erwiderte ich verdrießlich, „wenn Du Dir des Abends die Erzeugnisse ihrer Kunst wirst gut schmecken lasten, wirst Du schon anders urteilen". „Hoffen wir das beste", seufzte er. „Ich wünschte, es wäre erst alles vorüber". Als ich gegen Abend hin und wieder, wie es einer Hausfrau zukommt, in der Küche nach dem Rechten sehen wollte, komplimentierte mich die Kochsrau jedesmal mit sanfter Gewalt wieder heraus. „Liebe Frau, Sie brauchen sich im geringsten gar nich zu bemühen", meinte sie, „sehen Sie, ich bin schon mitten drin in's Vergnüjen. Der Hase wird gleich in den Bratofen geschoben, länger wie 'ne Stunde braucht er ja nicht, " dabei hantierte sie in fast beängstigender Weise zwischen den Tellern, Schüsseln und Kasserollen umher. Eben balancierte sie einen bis an den Rand gefüllten Topf Milch auf mich zu, da — eine Berührung mit meinem Ellenbogen, ein Stoß, ein Klatsch und die Milch spritzte mir in's Gesicht, feuchtete meinen Hals und zog lange, weiße Sturzbäche auf mein Hauskleid. „Sehen Eie", schrie mich die Kochfrau an, „das kommt davon, wenn Sie sich unausgesetzt in der Küche aufhalten! Wenn Sie fortwährend hier herumstehen, brauchen Sie sich gar nicht zu wundern, wenn Ihnen mal eine Soßiähre über das Kleid gegossen wird!" Minna stand mit offenem Munde da und horchte, — eine heimliche Schadenfreude leuchtete aus ihren Augen: sie freute sich offenbar darüber, wie mich die Kochfrau behandelte. „Ju der Ordnung wäre es wohl, daß Sie sich wegen Ihrer tölpelhaften Ungeschicklichkeit entschuldigten", meinte ich ärgerlich, „es schickt sich nicht für Sie ..." „Tölpelhafte Ungeschicklichkeit, — na nu wird's Tag", stöhnte die Kochfrau, und ihr feistes Gesicht särbte sich Puterrot. „Det laß ich mir nich zweimal sagen, denn pack ich sofort meine sieben Sachen und Sie können ihr bisken Essen alleene zusammen brodeln, — ich halte noch was auf Standesehre". „So brauchen Sie das nicht aufzufassen", lenkte ich behutsam^ em, hielt es aber doch für das Gescheiteste, die Kuchenthür von außen zuzumachen, der Klügere gießt in solchem Falle immer nach. Bis in das Wohnzimmer hinein aber hörte ich noch, wie diese unverschämte Person mit dem Mädchen sich unterhielt, und ich hörte auch, wie diese in das dröhnende Lachen lustig einstimmte. Das war eine Küchen- Revolution in bester Form. Mittlerweile war ich mit dem Decken der Tafel zu Ende gekommen. Ich ordnete das Arrangement an. Den Tafel- ich selbst in die Mitte, — es war ein schweres Stück Arbeit, aber ich hatte Angst, daß damit etwas Passieren wnnte. Minna sollte die drei Vasen hereinholen, die ich mit Blumen hatte füllen lassen. „Bringen Sie mir aber eine nach der anderen , befahl ich, „Sie können den kurzen Weg dreimal machen, so viel Zeit haben Sie schon". Trotzdem, brachte das Mädchen die drei Vasen zusammen angeschleppt, in jeder Hand eine, die dritte schief unter den rechten Arm geklemmt, sodaß das Master bei jedem Schritt auf das Parkett lief. "Sie sollten doch immer nur eine Vase bringen", rief ich empört, „Sie sehen doch, daß Sie mit dem Wafleraus- gleßen den ganzen Fußboden ruinieren. Kommen Sie doch wenigstens schnell . . ." und ich wollte sie beim rechten Arm ergreifen. Unwillkürlich wollte sie denselben heben, die Vase schwankte ein, zweimal bedenklich vornüber, aber ehe ich zuspringen konnte, — — Kladderadatsch, riß sie das mit Macht ausströmende Wasser zu Boden, auf dem sie krachend zerschellte. _ //Ungeschickte Person", schalt ich, „das konnte ich mir wohl denken. Diesmal mache ich es aber wahr, was Vase und Blumen gekostet-haben, wird unweigerlich vom Lohneabgezogen". „Nein, so was!" mischte sich da die Kochfrau, die schleunigst herbeigekommen war, ein, „je feiner die Herrschaften sind, desto mehr wird kaput geschlagen. So'n armes- Dienstmädchen hat's ooch nich so übrig . . ." „Ich habe Sie um Ihre Ansicht gar nicht gefragt", rief ich außer mir, „halten Sie also Ihren Mund und gehen Sie in die Küche!" „Det stimmt", entgegnete sie nach einer Weile, „gefragt haben Sie mir noch nich Aber das kann ja auf Gegenseitigkeit beruhen: ich werde Ihnen auch nich erst fragen . . ." Ich empfand es als eine wahre Erlösung, als mein Mann wiederkam. Er war von dem Arrangement der Tafel durchaus befriedigt. „Wie steht's denn sonst?" fragte er. „Ist alles soweit parat? In einer halben Stunde werden die ersten Gäste sicher hier sein". „Oh", erwiderte ich, indem ich mich räusperte, „ich meine wohl . . . „ich denke sicher .... Ich werde mal Minna fragen". Ich klingelte,- nach einer längeren Pause erschien das Mädchen. „Ist die Kochfrau mit allem fertig?" fragte ich möglichst harmlos. Minna schien sich eine ganze Weile zu besinnen. „Die Kochfrau is schon seit ’n er halben Stunde nach Haus gegangen", antwortete sie dann mit malitiösem Lächeln. „Nach Hause gegangen?" dehnte ich. „Ja mott'" bestätigte Minna. Schreckensbleich stürzte ich nach der Küche: die Kochfrau war verschwunden, ihr Riesenkorb auch. Von den garnierten Brödchen waren die mit Kaviar und Lachs belegten ziemlich alle geworden, vom Zander und Hasen fehlten die besteck Stücke, Apfelsinen, Knackmandeln und Rosinen waren stark mitgenommen. „Wo ist denn das alles geblieben?" fragte ich mit tonloser Stimme. „Det hat die Kochfrau in ihren großen Korb gepackt", meinte Minna mit der gutherzigsten Miene der Welt. „Damit is sie denn los gegangen — sie meinte, sie wäre mit'S „nach Hause nehmen" angaschiert — und da sie keinen Lohn gekriegt hat . . ." „Ihr habt zusammen unter einer Decke gesteckt" kreischte ich, „Sie freche Person packen morgen Ihre Sachen und scheeren sich aus meinem Hause ..." — einer Ohnmacht nahe sank ich auf einen Stuhl. „Det paßt sich scheen", hörte ich das Mädchen noch sagen, „ick hält' ja so wie so jekündigt, die Kochfrau hat mich nämlich heut als Wollongtärin angaschiert. . . ." Das neue Frühjahrs - Kostüm ist augenblicklich die große Parole unserer Damen. Die Schneiderin ist schon seit Wochen bestellt, und die neueste Nummer der „Modenwelt" (nicht zu verwechseln mit „Kleine Modenwe t" und „Große Modenwelt") kommt gerade recht um die alle Wünsche und Bedüfnisse befriedigende Auswahl an Vorlagen zu vervollständigen. Was die Mode in reger Emsigkeit für die kommende Saison vorbereitet, hier tritt es uns entgegen in reizvollen Gestalten — darunter eine liebliche Braut, — künstlerisch vollendete Gruppenbilder, die das Auge erfreuen, die ihren unschätzbaren praktischen Wert aber erst durch die genauen Beschreibungen und mustergiltigen Schnitte erhalten Und wer die Mühe scheut, diese von der Schnittmuster-Beilage abzunehmen, der enthält auf Bestellung den Naturgrößen Schnitt nach persönlichem Maß lediglich gegen Erstattung der Spesen (30 Pfg.) gebrauchsfähig übersandt. Das ist gerade augenblicklich, wo die Mode so überraschend neue Formen vor allem für Röcke, Aermel und Umhänge bringt, eine nicht hoch genug anzuschlagende Erleichterung. Der Garderobe für Damen reihen sich in gleicher Vortrefflichkeit die besonderen Blätter für Kmdermoden, Handarbeiten^ Unterhaltung und Belehrung auf sämtlichen Gebieten des häuslichen Lebens an. Das Beste von allem ist der „ModenweltE gerade gut genug für ihre Leserinnen, — kein Wunder daß dieselben es ihr durch treue Anhänglichkeit lohnen! Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.