Nachdruck verboten. Gesühnte Schuld. Roman von Alexander Römer. (Schluß.) Ihr Vormund legte jetzt seine Hand schwer auf ihre Schulter. „Da Du selbst so entschieden gewählt hast," sagte er, „so will ich Deiner Wahl meinen Segen nicht versagen, Hertha, und ich hoffe, daß Dein Vater, der das Schützeramt für Dich in meine Hände legte, mir darob nicht zürnen wird. Wenn Dir dieser Mann die Schuld seiner ersten Jugend gebeichtet hat, die ihm ein schweres Leben schuf, so bekenne ich hiermit in dieser Stunde, daß er nach meiner menschlichen Einsicht diese Schuld gebüßt und bezahlt und sich zu einem starken, tüchtigen Manne emporgearbeitet hat. Ich war hart gegen Dich, Hans," er wandte sich zu seinem Neffen und reichte ihm die Hand, die dieser bewegt ergriff, „ich konnte meiner Natur gemäß nicht anders sein, aber wie ich damals gerecht zu sein wünschte, will ich es auch heute sein. Mein Mund spricht Deine Ehre rein von jenem Fehl. Das Gesetz weist Dir,. sobald Du Dich als mein ältester Neffe auswetsest, den Besitz von Trautdorf nach meinem Tode zu, Du wirst meine Schöpfungen weiter führen, wie ich jetzt hoffe und glaube, in meinem Geist und Sinn. Ich lege getrost dereinst am Ende meiner Tage die Arbeit meines Lebens, und jetzt schon das Glück meines Mündels in Deine Hände." „Onkel! ich danke Dir — ich glaubte nie eine solche Stunde zu erleben." Hans von Trott griff nach der Hand seiner Braut, er war tief erschüttert. „Uebrigens —" seine Kehle war so gepreßt, daß er kaum weitere Reden vorzubringen vermochte, „Albert — er wird genesen — er wuchs in der festen Hoffnung auf, Dein Erbe zu sein — ich gab ihm vor Jahren mein Wort — ich hielt damals jede Möglichkeit für mich ausgeschlossen, daß Du mich je würdig erachten könntest —" Hertha sah ihm mit leuchtenden Augen in das bleich gewordene Gesicht. Sonntag den 12. Februar !> i!-- »N JagEt ns're Erde ist nur ein Stern unter den Sternen und wir, aus ihm, sollten nicht auch durch ihn uns vorbereiten zur An- schauung der Welt und ihres Schöpfers und Meisters? C. Ritter. „Ich weiß das," entgegenete Baron Jobst kurz, „Albert hat mir gebeichtet. Er giebt Dir selbstverständlich Dein übereilt gegebenes Wort zurück. Ihm fehlt das Erstgeburtsrecht des Blutes und des Geistes. Er will seiner Liebe folgen, eine Dame bürgerlichen Standes heimführen, der ich meine Achtung nicht versage, die aber nicht zur Herrin auf der Standesherrschaft taugt. Ich alter Mann beuge mich in Demut den Fügungen einer höher» Macht und danke dem Herrn, dessen Gnade groß war über uns allen." Aus Herthas Augen perlten zwei große Thränen, sie beugte sich über die Hand des Alten und küßte sie dankbar und ehrfurchtsvoll. Hans folgte ihrem Beispiel. Dann warf Hertha den Kopf zurück und atmete tief. „Oh! Ihr Verschwiegenen !" sagte sie. „Ich löste nicht aus eigener Macht das große Geheimnis, dem ich mit allen Listen nachspürte. Hans — Hans von Trott, ein älterer Bruder Alberts, von dem nie gesprochen war. Darauf konnte ich nicht verfallen. Aber nun — wie herrlich werden wir zusammen leben —" »Ja, zusammen, wenn es euch recht ist," fiel Baron Jobst lebhafter ein, seine Züge hatten sich aufgehellt, in seinen Augen lag ein jugendlicher Glanz- jetzt erst, nachdem er die Ueberraschung überwunden hatte, quoll ihm die Freude über diese Verbindung empor, und er fand, daß die beiden sehr gut zu einander paßten. „Nehmt Euren Heimatsitz auf Trautdorf, füllt mir das öde Haus mit frischen, fröhlichen Stimmen." „Mr. White! Haben Eure Gnaden nun eine Heimat gefunden? Haben Eure Gnaden noch Gelüste, nach Amerika zurückzugehen?" Hertha knixte vor dem Geliebten und sah ihm übermütig lachend in die ernsten Augen. „Nein, Zauberin! Deine Liebe hat mich rein gewaschen, Deine Liebe hat mir das verlorene Paradies wieder erschlossen." Er küßte sie. „Oh, Lu großer, starker Mann, Du badetest Dich selbst im Kampf des Lebens durch die eigene Kraft rein. Mir bist Du fortan Vorbild, Richter und Gewissen, und ich will sehr auf meiner Hut sein, damit um Dich in Zukunft nur Sonnenschein sei." Fünfzehntes Kapitel. Zwei Monate später, im Juli, im Rosenmond, prangte Schloß Trautdorf in ungewohntem Festesschmuck. Solch ein Leben und Treiben hatte man, seit die jetzige Generation denken konnte, dort nicht erlebt. Innen und außen war alles mit Rosen bekränzt, die Festons und Guirlanden schlangen stch auch in der Allee, durch welche die Gäste zum 86 Schloß hinauf fuhren, von Baum zu Baum, und zahlreiche Hände befestigten farbige Lampions. Vom Turm wehte die große Fahne, und wie in einem Bienenkorb wimmelte und summte es in den unteren Wirtschaftsräumen. Die Welt war durch interessante Nachrichten überrascht worden. Der ältere Neffe, der nächste Erbe am Majorat, dessen sich die benachbarten Familien sehr wohl erinnerten, den man aber lange tot geglaubt hatte, war wieder aufgetaucht und führte nun die liebenswürdige Komtesse zur Lippe heim. Die Ursachen, warum jener hübsche, flotte Offizier damals so Plötzlich seinen Abschied nahm und von der Bildfläche verschwand, waren nie aufgeklärt worden. Man munkelte allerlei, nahm ein schweres Zerwürfnis zwischen dem strengen Oheim und dem leichtlebigen jungen Herrn an, das ein paar Jahre der Entfernung ausgleichen sollte; in seinem Regiment war, wie man wußte, nichts vorgefallen, er war der beliebteste Kamerad gewesen, und als es hieß, er sei tot und kehre nie wieder, bedauerte man das in seinen Kreisen mit aufrichtiger Teilnahme. Baron Jobst war schon damals ein so unzugänglicher Herr, daß man sich nie an ihn mit einer direkten Frage wandte, und so blieb die Todesnachricht ein unbestätigtes Gerücht, das im Laufe der Jahre nirgend mehr angezweifelt wurde. Jetzt lebte dieser Hans von Trott, und der stattliche, gereifte Mann fand überall die wärmste Aufnahme. Morgen feierte er sein Hochzeitsfest, das der Onkel ihm und seinem Mündel mit allem Pomp und Zeremoniell, wie es seiner Stellung in der Gesellschaft zukam, ausrichtcte. Die ganze Aristokratie der Umgegend, alle entfernten Verwandten und Freunde der Häuser Trott und zur Lippe vereinigten sich heute in den großen, so lange verhangen gebliebenen Festsälen und bildeten eine glänzende Gesellschaft. Aber nicht nur sie, die Träger hoher Namen und Aemter beteiligten sich an der Feier, alles jubelte auf der Herrschaft. Vom ersten bis zum letzten Beamten und niedrigsten Arbeiter hinab kannten und liebten sie den Bräutigam, den künftigen Herrn, und die Stunde, als Baron Jobst den Wiedergekehrten seinen Untergebenen vorstellte, bildete eine denkwürdige, unvergeßliche Erinnerung in seinem Leben. Der brausende Jubel, das nicht enden wollende.Hurrah, das losbrach, bewies, daß diese Leute ihre Sympathien hatten und begeisterungsfähig waren. Und als Hans durch ihre Reihen schritt, einzelnen die Hände schüttelte, die meisten beim Namen kannte, und jedes Wort von ihm ein Aufleuchten, ein Freudenschein in den Mienen hervorrief, da schüttelte der alte Herr für sich den Kopf. Der würde anders regieren dereinst als er. Die Zeit war eine andere geworden inmittelst, er mit seinem harten Kops fand sich in die neue nicht mehr hinein. Sein Prinzip war gewesen, nie persönlich mit seinen Arbeitern zu verkehren. Sie wußten und erfuhren, daß er ihr Wohl und Wehe erwog, aber es war besser nach seiner Ansicht, wenn ihre Wünsche und Forderungen erst gesiebt und gesicht wurden in den verschiedenen Instanzen, ehe sie vor ihn gelangten. Dieser stellte sich fast als Bruder zu ihnen und getraute sich doch, sie mit fester Hand zu regieren. Mochte es ihm gelingen, er traute es ihm ja selber zu. Baron Jobst und sein Neffe Hans hatten manche Unterredung gepflogen über den Punkt, und dieser Jubel, diese jauchzende Volksstimme, die ihm da entgegenbrauste, gab Hans einstweilen recht. Gräfin Hertha war die glückseligste Braut, die man lange gesehen, sie war schön geworden unter dem Verklärungsschimmer, den die Liebe über sie breitete. Am auffallendsten war die Veränderung, welche mit dem alten Herrn, dem Einsiedler auf Trautdorf, vorgegangen war. Seine gefurchten Züge hatten sich geglättet, sein Auge blickte so freundlich, wie man es nie an ihm kannte,- ja, es fiel wohl gar hin und wieder ein Scherzwort von seinen Lippen, und der große Trubel schien ihm nicht zu viel zu werden. Unter den Gästen erörterte man in kleinen Gruppen die jüngsten großen Famtlienereignisse dieses Hauses. Diese Partie seines ältesten Neffen mit seinem Mündel war sehr nach des alten Herrn Wunsch, weniger die des zweiten Neffen, der so lange für seinen Erben gegolten hatte. Baron Albert war, von schwerer Krankheit genesen, zu seiner Erholung nach dem Süden gegangen, hatte, da seine Gesundheit geschwächt und großen Strapazen nicht mehr gewachsen war, nach ärztlichem Ausspruch seinen Abschied genommen und kehrte jetzt auch mit einer jungen Frau heim. In aller Stille hatte er sich mit der berühmten Geigenspielerin Fräulein Villanh trauen lassen, ob mit oder ohne des Onkels Zustimmung, das wußte man nicht. Jedenfalls aber mußte jetzt Baron Jobst sich in die Thatsache gefunden haben, denn das junge Paar wurde zu der Hochzeit erwartet. Als die Gäste in ihren Gemächern weilten, um sich zur Polterabendfeier zu schmücken, rollte der Wagen, der sie brachte, vor das Portal. Albert sah noch blaß und schmächtig aus, aber glücklich und zufrieden. Hans, der wenig Zeit zu seiner Toilette brauchte, empfing sie in der Halle und umarmte herzlich Bruder und Schwägerin. „Ihr habt Euch wohl mit Absicht diese Zeit ausgewählt," sagte er lachend, „um ohne Sang und Klang Euren Einzug zu halten. Der Alte erwartet Euch übrigens oben in seinem Zimmer, um Euch vor dem großem Tamtam zu begrüßen. Wie siehst Du denn aus, mein Junge?" er wendete Albert dem Licht zu, „nun, sie wird Dich schon wieder hoch bringen — ich fand es vernünftig, daß Ihr es machtet, wie Ihr gethan, Euch da in Mathildens Heimat still zusammengeben ließet, wo eine Mutter Euch noch den Segen sprechen konnte, und die Welt im übrigen ausschlosset. Uns wird es nicht so gut, aber Hertha schwimmt ja in dem Strom, wie der Fisch in seinem Element, und der Alte wollte es so. Ich mußte mich fügen und denke, es geht vorüber." „Ja, wie der Alte es will, dem müssen wir uns fügen," sagte Albert, „uns hat ja sein Segen zu unserer Verbindung nicht gefehlt. Aber ihm war es auch recht so, wie wir es gemacht, und als Mathilde einwilligte und mich Invaliden nicht allein ziehen lassen wollte" — er blickte ihr dankbar glücklich in die Augen, während sie alle drei die Treppe hinanstiegen. „Er brauchte mich," ergänzte Mathilde seine stockende Rede, „und Ihr hattet hier mit Euch selbst zu thun. Aber wie schön ist es geworden," sie hielt auf dem ersten Treppenabsatz inne und musterte die geschmackvoll dekorierte Halle. „Die Räume atmen einen ganz andern Geist." „Der ist auch eingezogen," rief Hans lebhaft. „Zwei Heimatlose haben fortan ihre Heimat gefunden, Hertha hatte sie trotz des Onkels gutem Willen bis heute hier auch nicht, sie war und blieb ein Gast. Nun sollen Leben und Freude hier einziehen, und ihr — auch Euch, denke ich, bleibt es ein Vaterhaus, in dem Ihr Euch zu jeder Zeit willkommen fühlt. Der Onkel spricht stets mit großer Wertschätzung von Dir, Mathilde, und Du, Albert — wird es Dir schwer, die alten Rechte aufzugeben?" „Rechte? Hatte ich je in Wirklichkeit welche?" entgegnete Albert. „Nein, beruhige Dich, ich bin vollauf zufrieden so. Wir wollen einstweilen noch draußen bleiben, ein Stück Welt sehen, früher war das mein heißer Wunsch, jetzt wird er erfüllt. Der Alte schrieb mir —" -Ja, ja, ich weiß, leer ausgehen sollst Du nicht — ihre seid reiche, unabhängige Menschen, und später suchst Du Dir irgend eine Thätigkeit- wird sich schon finden. Aber nun lasse ich Euch, damit Ihr Eure Audienz beim Alten beendet und nachher noch rasch Toilette machen könnt. Es wird hohe Zeit." Baron Jobst empfing die Jungvermählten, umarmte den Neffen und küßte die junge Frau auf die Stirn. Er hatte sie nicht wiedergesehen, seit sie von hier Abschied genommen und ihm für die auf Trautdorf genossene Gast- 87 freundschaft gedankt hatte. Das spätere, ihm so Unerwartete, war schriftlich zwischen ihnen verhandelt worden. Sie hatte ihm stolz betont, daß sie sich nicht in die Familie eindrängen wolle, daß aber Albert jetzt ein freier Mann sei, nicht an Standesrücksichten gebunden, und wenn er erkläre, daß sein Glück in ihrer Vereinigung beruhe, so könne sie keinen Grund finden, der sie, die Albert liebe, hindern könne, ihm anzugehören. Des alten Herrn Gerechtigkeitssinn gab ihr das zu. Nicht sie trug die Schuld, wenn seines zweiten Neffen Heirat nicht nach den Traditionen der Familie sich gestaltete, und er ließ es sie nicht entgelten. Er willigte darein, daß sie bei diesem großen Familienfest offiziell von ihm selbst den Standesgenossen vorgestellt und ihr damit ihr Platz gesichert werde. So verlief die glänzende Vermählungsfeier großartig und schön. Man bewunderte die strahlende Braut und ihre prächtige Toilette, die Juwelen, welche sie trug, und den kräftigen Mann an ihrer Seite, der nicht immer auf weichen Polstern geruht hatte, wie sie, und nun doch den Typus eines Standesherrn, wie er sein soll, repräsentierte. Aber die Herren waren fast einstimmig der Meinung, daß die junge Gemahlin Baron Alberts der geschmückten Braut den Schönheitsrang streitig mache. Mathilde von Trott sah blendend aus in ihrer blaßblauen, silberdurchwirkten Damastrobe und bezauberte und gewann alle Herzen durch ihre Anmut. Man wunderte sich nicht mehr über die Mesalliance. Als das brillante Feuerwerk losbrannte, und die sprühenden Feuergarben die dunklen Alleen des Parks erhellten, als alles in einem Lichtmeer erstrahlte, und eine leise Musik durch die von Rosenduft erfüllte Luft zu ihnen heraufschwebte, standen die beiden Paare auf dem Balkon. Eine tiefe Bewegung ergriff die Gemüter. Hertha umarmte Mathilde stürmisch. „Im Grunde danke ich Dir mein Glück," rief sie, „um Deinetwillen kam er, mein Geliebter, zuerst hierher, und Dein Anblick gab mir den Anstoß zu meinem neugierigen Forschen und war der Anfang meines Interesses." „Also aus Deiner Neugierde wuchs Deine Liebe heraus," rief ihr junger Gatte lachend, „o Evastochter, wie weißt Du Deine Fehler zu Tugenden umzugestalten!" GeineinniitzigeK. Zeichentinte für Pakete. Hierzu werden 65 Gramm Schellack, 65 Gramm Borax, 750 Gramm Wasser und 65 Gramm arabischer Gummi verwendet. Als Farbe dient venetianisch Rot oder Rußschwärze. Lack und Borax werden im Wasser bis zur vollständigen Auflösung gekocht. Dann fügt man den Gummi hinzu und entfernt den Kessel vom Feuer. Ist die Masse erkaltet, so fügt man den Rest Wasser (bis zu 750 Gramm) hinzu und soviel Farbe, bis die richtige Decke da ist. Zum Aufbewahren bedient man sich gut verschlossener Glasflaschen. KesundHeitspflege. Giev dir fleißige Körperbewegung im Tempel der Natur und atme langsam in tiefen Zügen ein und aus. Bewegung ist die beste Medizin für den Körper. Sie ist auch der billigste Magenbitter, denn sie macht Appetit. Jeden Tag, selbst bei wenig günstigem Wetter, mache einen Erholungs- und Gesundheitsspaziergang in frischer Luft durch Wald und Flur. Sich auf leichte Weife zu erwärmen, dafür giebt es ein einfaches, wenn auch wenig bekanntes Mittel, das wir für die kalte Jahreszeit unseren Lesern hiermit zur Beachtung empfehlen. Es besteht darin, daß man mit geschlossenem Munde einen langen, tiefen Atemzug thut und'dies wiederholt, bis die Wärme zurückkehrt, was durchaus nicht lange dauert. Tiefes Atmen befördert den Kreislauf des Blutes und führt ihm frischen Sauerstoff zu. Das Blut strömt frei bis in alle Ausläufe der Adern und erzeugt auf diese Art eine größere Wärme. Auch allerlei beginnende Nebel und Erkältungen werden durch regelmäßig wiederholtes, tiefes Atmen verhindert. Rheumatischen Gestchtsschmeez mit Zahnweh verbunden, vertreibt man, wenn man die Wange mit einem Gemisch von Wachholderöl und Tafelöl einreibt (3 Teile Wachholderöl, 1 Teil Tafelöl). Gegen übelriechenden Achselschweitz sind häufige Waschungen mit verdünnter Salicylsäurelösung anzuwenden. Nach jeder Waschung wasche man die gewaschene Stelle sorgfältig ab und pudere sie mit Salichlstreupulver ein. Mr die Küche. Billige nnd nahrhafte Pflanzenkost. Auf Grund neuester Untersuchungen verlangen wir heute von jedem guten Nahrungsmittel, daß dasselbe reich an Eiweiß sei und sowohl dieses, wie die Kohlehydrate, z. B. Stärke, Zucker rc. in leicht verdaulichster Form enthalte. Diesen Anforderungen vermochte bisher nur die Fleischkost gerecht zu werden, die leider wegen des immerhin noch teuren Preises nicht jedermann in ausreichender Menge zugängig ist. Die pflanzliche Nahrung besitzt zwar die zum Aufbau und zur Erhaltung des menschlichen Organismus nötigen Stoffe oft in noch reichlicherer Menge; aber in ihr finden sich die Nährsubstanzen, zumal das Eiweiß, in so dichter Umhüllung der löslichen Zellhaut, daß ste vom Körper gar nicht ausgenutzt werden können. Selbst wenn solche Gerichte vor der Aufnahme gekocht werden, vermag sie der Organismus nicht gehörig zu verwerten. Diesem Uebelstande ist in den letzten Jahren durch die Herstellung der „Quäker Oats' abgeholsen worden. Dieselben bestehen aus feinstem Weißhafer, der durch ein eigenartiges Quetschverfahren von der unverdaulichen, die Nährstoffe einschließenden Hülle vollkommen befreit ist und nunmehr einen angenehmen, bisquitartigen Geschmack besitzt. Die Quäker Oats haben denselben Nährwert, wie das Fleisch, sind aber nur den dritten Teil so teuer als letzteres, weshalb sie sich auch bereits allgemein eingebürgert haben. Sie sind frei von jedem Staub oder irgend welcher Verunreinigung, da sie nur in geschlossenen Paketen in den Handel kommen. Brei und Suppen von „Quäker Oats", zumal an Stelle des Morgenkaffees, sind wegen ihres hohen Nährwertes und angenehmen Geschmacks besonders für Magenleidende, Rekonvaleszenten und Kinder außerordentlich zu empfehlen. Hrrmsmstisches. Au f der Post. „Ich möchte mich beschweren! — Jetzt warte ich mit dem Telegramm schon 10 Minuten auf Beförderung." — Schalterbeamter: „Lieber Herr! Darauf warte ich schon seit 10 Jahren." * ♦ Beim Drogisten. „Für wieviel willst Du Insektenpulver, Kleiner?" „Für Vatern) Muttern und mich." * • Nicht s o schlimm. Ehemann (jungvermählt): „Nun, wie gefällt Dir mein Weibchen?" — Freund: „O, ich glaubte immer, Du hättest .viel mehr Schulden gehabt. __________ Literarisches. Die belgische Kunst der Gegenwart beansprucht neben der deutschen, niederländischen und skandinavischen zweifellos das höchste Interesse, da sie nicht nur durch den Reichtum an bahnbrechenden Talenten und den lebendigen Wettstreit zwischen der Malerei und der Bildhauerkunst 88 frappiert, sondern die Erfüllung aller Hoffnungen zu gewähren scheint, die sich an eine Wiedergeburt, an eine neue Renaissance der Kunst überhaupt knüpfen. So unternimmt es denn Alfred Ruhemann, uns in einem mit intimster Kennerschaft geschriebenen und in Heft Nr. 9 und 10 der illustrierten Familienzeitschrift ,,Vom Fels zum Meer" (Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart) veröffentlichten Aussatz „Die belgische Kunst der Gegenwart" deren Hauptvertreter an der Hand eines reichen und charakteristisch gewählten Bilderschmucks überzeugend vor Augen zu führen. Ein gleiches Interesse erregt ebendort auch die nun bereits bis Abteilung V gediehene Artikelserie „Unser Kunstgewerbe" von Arnold Fromann, welcher uns diesmal mit einer Reihe von Abbildungen moderner Gefäße und sonstiger Zieraten aus Terra- cotta, Fayence, glasiertem Thon oder Stein bekannt macht. Aus dem übrigen reichen und gediegen illustrierten Inhalt der beiden Hefte nennen wir noch die Artikel „Bei den siebenbürgischen Sachsen" von W. Friedrich; „Die Harzquer- und die Brockenbahn" von Hubert von Trützschler und „Bulgarien in Wort und Bild" von Joseph Beckmann. Im belletristischen Teil, der novellistische Arbeiten von Isolde Kurz, Emil Marriot rc. aufweist, behauptet Gabriel Reuters Roman „Frau Bürgelin und ihre Söhne", eine Erzählung von hohem künstlerischem Werte, durchaus die Führung, und es sei eindringlich auf dieses neue Werk der bekannten Verfasserin von „Aus guter Familie" hingewiesen. Minz Karneval und sein Kofgaat. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmannfaktur, Dresden-X. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch zum Preise von 50 Pfg. daselbst erhältlich. welche die unmöglichsten Pläne Champagner und Austern. denn nicht auch in dieser Jahreszeit einmal alle konventionellen Schranken fallen, einmal alle grauen Sorgen verbannt werden und dafür unter Nichtbeobachtung der sonstigen strengen Gesetze unter einer Maske die goldeneFreiheit in übersprudelnder Lebenslust genossen werden? Die Faschingszeit ist sicher für die lebensfrohen Optimisten eine erwünschte Abwechselung im grauen Einerlei des Alltagslebens, und in den Gegenden wo Prinz „Karneval" als ein solcher verehrt und angebetet wird, reden, denken und entrieren die Menschen nichts anderes als „Karneval", und kein Opfer erscheint ihnen groß genug, wenn es für diese Hoheit gilt. Pflicht und ernste Arbeit werden für diese Zeit verabschiedet, und Amüsement und Vergnügen aller Arten treten in den Vordergrund. Welches Bild ließe sich wohl an Farbenreichtum und Originalität dem eines Maskenballes gleich stellen; gleicht dieses Bild nicht einem hervorgezauberten internationalen Märchen? Dieser Wetteifer unter den stolzen Nationaltrachten — wieviel Anmutduft und Grazie bei den wandelnden Blumen — welche Genialität verraten die Gewänder Die Fastnachtsbälle sind es in erster Linie, denen vornehmlich die lebenslustige, sorgenlose, sprühende Jugend gern ihren Tribut zollt, für geschmiedet, die verwegensten Scherze ersonnen werden. Warum sollten Domino. der irgend ein Symbol versinnbildlichenden Gestalten. Was die Toi- lettensrage dieser Zeit betrifft, so kann eigentlich von Fragen und Be- denken im gewöhnlichen Sinne doch keine Rede sein, da hier die Fantasie ohne Grenzen walten kann. Wurde bei den konventionellen Balltoiletten der größte Wert auf kostbare Stoffe, zarte Farben derselben und gewählte Arrangements gelegt, so fallen hier diese Gesetze gänzlich fort, und nur Originalität, launische Einfälle, fröhliche Scherze suchen sich bei der Anordnung dieser Toiletten zu übertreffen, oft auch ohne Rücksicht auf Stoff, Farbe und Arrangement. Je origineller geschickte Hände eine solche Toilette verfertigen, um so besser gefällt sie; allerdings muß auch die eigentümlichste eine bestimmte Idee verwirklichen, um nicht statt originell, lächerlich zu erscheinen. Die Nationaltrachten der meisten Nationen erscheinen fast in jedem Jahre wieder aus der Bildfläche, ebenso die historischen Trachten, und die, welche ein Symbol verkörpern; desgleichen die schon erwähnten „wandelnden Blumen" aller Arten. Als in dieser Saison wahrscheinlich besonders gewählte Nationaltrachten werden wir sicher die durch die Staats- und Wissenschaftsereignisse in den Vordergrund getretenen der Chinesen, Eskimos, und Egypter zu Gesicht bekommen. Die Nationaltrachten der Chinesen lassen jedenfalls, was Blumenkörbchen, als ausgeschnittene Taille Mannigfaltigkeit der Farben, Zusammenstellung und Anordnung der Stoffe betrifft, nichts zu wünschen übrig und können hier, vereinigt mit künstlerischem Geschmack, wirklich pikante Kostüme geschaffen werden. Die verschiedenen Nationaltrachten überhaupt sind stets sehr beliebteKostüme und empfehlen wir daher die uns am hübschesten erscheinenden der Griechen, Schweden, Russen, Holländer; die anmutigen Trachten der Berg- und Alpenbewohnerinnen. Dann werden in den letzten Jahren noch bevorzugt die als ein- zelneBlüten erscheinenden duftigen Toiletten der beliebtesten Pflanzen. Solche von bestimmter, nicht zu winziger Form eignen sich für diese reizenden Toiletten sehr, und denke ich zuerst an die Rose, die allerdings jetzt, nach französischen Berichten ihre Herrschaft als „Königin der „Blumen", der geruchlosen Kamelie abgeben soll. Ferner lassen sich für diese Zwecke verkörpern die Schwertlilie, Lotosblume, Sonnenrose, Stiefmütterchen, Schneeglöckchen, Springauf, Marguerite und Mohnblume. Für eine besonders zierliche Figur empfehlen wir ein Toilette gedacht und zwar so, daß die natürlich Harlekinette. durch ein Bandgeflecht, das Körbchen darstellend und der fußfreie Rock mit Bouquetts aller Blumenarten und Bändern behängt wird. Diese letztgenannten Blumentoiletten eignen sich, ihrem Charakter entsprechend, vorwiegend für leichte graziöse Figuren, auch Kinder, die durch ihre Erscheinung den Reiz des Blumenhaften noch erhöhen. — Eine wichtige Rolle bei einem Maskenballe spielen natürlich auch diejenigen Toiletten, die in althergebrachter Weise bei jeder derartigen Belustigung vertreten sind. Wir rufen ins Gedächtnis zurück den stets so beliebten Dominoanzug, die reizenden Schmetterlingstoiletten, die verkörperten Reklame - Spieltoiletten. Die der vier Elemente, Wasser, Feuer, Erde, Lust lassen sich ebenfalls nach beliebiger Auffassung vortrefflich verkörpern, desgleichen die allegorische Gestalt der Nacht. Ferner eignen sich vorzüglich für Fastnacht auf das Postwesen sich beziehende Toiletten. — Und nun zuguterletzt die kühnsten Schöpfungen dieser Art, die unbedingt dem Charakter Marguerite der Faschingszeit entsprechen und somit dem Prinzen Karneval die Krone aufsetzen; es sind die der männlichen und weiblichen Gigerl, der Harlekinette; die an den Anzug eines Clowns erinnernden grell zweifarbigen Kostüme der Pierette, bei deren Anblick man das Schellengeläute des Karnevalstrubels zu vernehmen glaubt. Ein recht fescher Anzug für Kostümfeste läßt sich Herstellen, indem man als Motiv irgend welche pikante Genüsse wählt, und zu charakterisieren sucht, wie z. B. Champagner und Austern, womit man namentlich der Herrenwelt als sehr „geschmackvolle" Figur erscheinen wird. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen-