iTJIjMßa^gÄU iggSEaH MM MNm Mss em Gott hartes Brot gibt, dem gibt er scharfe Zähne. Sprichwort. Nachdruck verboten. Die Sünden der Väter. Roman von Osterloh. (Fortsetzung.) VI. Dorothea war im Zimmer ihres Gatten geblieben, vor ihr der geöffnete Schreibtisch, die Fächer herausgezogen, der Inhalt durcheinander geworfen im vergeblichen Bemühen, Geld oder Geldeswert zu entdecken. Die Päckchen mit Briefen hatte Ziel zartfühlend beiseite geschoben, und doch kam es Dorothea vor, als seien sie dadurch entweiht worden. Mit welch' ängstlicher Sorgfalt hatte ihr Mann über seine Briefschaften gewacht! Ihrem Hausfrauentriebe folgend, holte sie zunächst ein Wischtuch und begann den Staub von den Blättern zu entfernen. Im mittelsten Fache obenauf lag Leonhards Schreibmappe, dabei der Federhalter, mit dem er zuletzt geschrieben. Sie brückte ihn verstohlen an ihre Lippen. Dann öffnete sie die Mappe. Sonderbar! Da lag ein angefangener Brief an sie selbst gerichtet. „Meine liebe, teure Dorothea! Ehe ich zum Hier brach es ab. Sie war doch gar nicht verreist gewesen, seit Jahren nicht. Und die Tinte glänzte noch ganz frisch! Daneben ein Brief, den er dem Datum nach am Tage seiner Abreise erhalten haben mußte. Er war von Olaf Nansen. „Hochgeehrter Herr Rechtsanwalt! Lieber väterlicher Freund! Bitte, vergessen Sie mich ja nicht vor Ihrer Abreise. Ich komme sonst in große Verlegenheit —" Dann eine Anfrage wegen eines von Leonhard verwalteten Hauses und zuletzt ein Zettel ohne Aufschrift in einer ungeschickten, verschnörkelten Frauenhandschrift, unorthographisch und liederlich. „Warum habe ich das Geld noch nicht bekommen? Ich muß es haben- (das „muß" war dreimal unterstrichen) sonst schlägt mich dieser Mensch tot. C." War das vielleicht ein Gläubiger, der Mann, der totschlagen wollte." Die geschäftlichen Briefe fanden sich nicht hier. Die waren in der Expedition, nach den Anfangsbuchstaben geordnet, in Fascikel geheftet. Hier gab es nur Privatmitteilungen, Karten von seinen Freunden, ihre eigenen Briefe. Einer davon vor Jahren, da sie einmal im Bade gewesen war, noch uneröffnet! Und hier wieder die schnörkelige, ungleichmäßige Hand» schrift mit dem langgezogenen C als einzige Unterschrift — noch ein solcher Brief — noch einer — ein ganzer Stoß — Zettel und Briefe! Mit zuckendem Munde und weitgeöffneten Augen las sie zwei, drei, ein halb Dutzend der Blätter. Was war denn das? Träumte sie? Sie griff sich nach dem Kopfe, um sich zu überzeugen, daß sie wache. Es war ja nicht möglich, was sie da schwarz auf weiß vor sich sah. — „Liebes Leochen! — mein Schnuckelchen" und wie die kosenden Anreden alle hießen, und darunter: Es küßt Dich, oder es umarmt Dich C. oder auch einmal der Name ausgeschrieben Clariffe, dazwischen bisweilen ein anderer Name in einer anderen Schrift, eine Marie, eine Rosa- aber das C. kehrte am häufigsten wieder. Da war eine Verabredung zu einem gemeinsamen Theaterbesuche, Dank für das süße oder das großartige Geschenk. Ein paarmal tauchte der Name von Ziel auf- „Als wir uns gestern bet Ziel trafen“ oder aber: „Du kannst versichert sein, daß ich Konradchen nichts verrate. Der gute Junge braucht nicht zu wissen—" Sie suchte nach dem Datum, aber es fehlte. Nicht eines der Blätter zeigte die Jahreszahl, höchstens einmal den Wochentag. Dem Papier und der verblichenen Schrift nach mochten die Briefe vor sehr langer Zeit geschrieben seineinige davon zerfielen fast bei der Berührung. Gewiß Erinnerungen aus der Junggesellenzeit. Es würde ihr lieber gewesen sein, er hätte sie nicht so sorgfältig aufbewahrt, aber der Gedanke beruhigte sie doch. — Trügerischer Trost! „Also Deine Frau ist noch krank- Du hast noch Ferien- um so besser." „Ihr Name in diesen Briefen erwähnt! pfui! — Sie stößt die zartfarbigen Blätter von sich, als ob sie fürchte, sich durch diese Berührung mit ihnen zu besudeln. Sie mag nichts mehr lesen- sie weiß genug, mehr als genug! Dann reckt sie den Kopf in die Höhe, nach Atem ringend, der aufquellende Ekel droht, sie zu ersticken. Plötzlich schreckt sie auf. Leonhard ist eingetreten. Er hat sie nicht hier zu finden erwartet, weil kein Licht im Zimmer ist. Soll ich eine 386 Lampe bringen?" Sie will antworten, aber sie kann es nicht. Es ist alles verquollen im Halse. Sie kann kaum Luft bekommen, aber endlich bringt sie ein paar Worte hervor: „Ja, bitte." Er holt selbst die Lampe und setzt sie auf den Schreibtisch mitten unter die verstreuten Zettel und Briefe. Eine furchtbare Angst packt sie. Er wird doch nicht sehen, lesen,- erraten! — „Geh, geh!" stößt sie hastig heraus. „Was ist Dir?" fragt Leonhard teilnahmsvoll. „Ich — ich habe Papas Schreibtisch geordnet, und das hat mich sehr aufgeregt." Er beugt sich zu ihr herab, um ihre Stirn zu küsfen. »Arme, arme Mama! All' die lieben Erinnerungen! Wie weh muß das thun." „Die lieben Erinnerungen!" tönt es höhnisch in ihrem Herzen nach. „Ja, mein Junge, weh, sehr weh!" murmelte sie. „Laß mich noch ein Stündchen allein. Dann komme ich zum Abendbrote." Sobald die Thür sich hinter ihm geschlossen hat, rafft sie eilig die Briefe zusammen, die gelesenen und die ungelesenen, und steckt sie in den Ofen. Dann zündet sie ein helles Feuer an und wacht darüber, daß auch nicht ein Blättchen unverbrannt bleibe. Und wie die Flamme schnell und knisternd die Blätter verzehrt und in Asche verwandelt, so zerfällt in ihrem Herzen das ganze Glück der Vergangenheit in Schutt und Asche. Befleckt und zerstört ihre schönsten Erinnerungen, von denen sie hatte zehren wollen bis an das Ende ihrer Tage. Leerer und leerer wird es in ihrem Herzen, das von Liebe und Schmerz angefüllt war, zum zerspringen. Ihre Thränen trocknen. Das Weh, das jetzt in ihre Seele eingezogen, ist ein wildes, brennendes. Es verzehrt die Thränenströme und glüht wie Feuer in den brennenden Augenhöhlen. Nun ist alles verbrannt und vertilgt. Sie wird keinen Mitwisser haben für ihr trauriges Geheimnis. Ihren Kindern wird das Bild des Vaters erhalten bleiben, so wie er ihnen im Leben erschienen ist, schön, gut, edel, leuchtend. „Dazu hilf mir, Du lieber Gott im Himmel!" fleht sie in brünstigem Gebet. „Hilf mir! hilf mir!" Von dieser Stunde ist Dorothea eine andere geworden. Ihre Gedanken haften nicht mehr an der Vergangenheit. Was das große Unglück nicht vermocht hat, die herbe Erkenntnis hat es zustande gebracht: sie hat sie aufgerüttelt aus ihrem Phlegma und die schlummernde Energie in ihr geweckt. Dorothea übersieht ihre Lage jetzt vollständig- sie weiß, was auf ihren Schultern ruht, und sie beginnt Pläne zu machen für die Zukunft,- die Zukunft, die so düster und trostlos vor ihr liegt, vor der sie tausendmal entmutigt den Blick abwendet und der sie doch tausendmal von neuem wieder gerade ins Gesicht blickt. Und dabei kommt ihr ihre unzerstörbare Gemütsruhe zustatten und auch ein wenig ihre kindliche Unerfahrenheit. Verzweiflung kennt sie nicht. Ziel ist ganz erstaunt, wie sich Frau Dorothea in dew Zeiträume von drei Tagen verändert hat. Keine Thräne mehr, kaum eine Spur von Trauer in dem sanften Gesicht,- um die Lippen ein Zug von Entschlossenheit, der ihm fremd an ihr ist. Und einen fertigen Plan legt sie ihm vor. Sie will eine Wohnung in der Stadt mieten und Pensionäre nehmen. Das Nächstliegende, das, wonach Frauen in ihrer Lage immer zuerst greifen- — und doch hätte er ihr den selbständigen Entschluß, die Umsicht, mit der sie alles bedacht hat, nicht zugetraut. „Alle Achtung! Sie sind ja eine ganz famose Disponentin!" ruft er bewundernd. „Wer das in Ihnen gesucht hätte!" Sie lächelt — ein trübes Lächeln. „Ich selbst wohl am wenigsten. Es ist die harte Notwendigkeit, Herr Rechtsanwalt. Bin ich nicht gezwungen zu handeln, für meine Kinder zu leben und zu arbeiten? Gott wird mir die Kraft dazu geben." „Und auf mich dürfen Sie jederzeit rechnen!" Dabei ergreift er ihre Hände und schüttelt sie kräftig. „Ich war der Freund Ihres Mannes und werde schon darum stets der Ihre sein." „Ich danke," erwiderte sie. Es klingt etwas kühl für soviel Herzlichkeit, und sie entzieht ihm schneller als nötig ihre Hände. Warum hat er sie auch daran gemahnt, daß er der Freund ihres Mannes gewesen ist, sein bester Freund, vielleicht sein Vertrauter. So oft sie Ziel ansteht, fallen ihr die Briefe ein —" „als wir uns gestern bei Ziel trafen — —" Gewiß war das eines von jenen Soupers gewesen, über die ihre Bekannten zuweilen hinter der vorgehaltenen Hand mit einander getuschelt hatten! Ihr Mann sprach über solche Dinge nie mit ihr. Er war bemüht, alles Unschöne von ihr fernzuhalten, wie er sich ausdrückte. Auch als sie ihn direkt befragt, hatte er ausweichend geantwortet- die kleinen Feste seien ganz harmloser Natur- das gute Essen sei das beste daran. Und sie hatte ihm geglaubt, blindlings vertraut! — Ziel war, mehr den Aufforderungen der Kinder als ihren eigenen folgend, zum Abendbrote dageblieben. Nach Tisch kam das Gespräch auf das Kreuz, das man für das Grab bestellt hatte. Ueber die Inschrift, die man darauf anbringen wollte, war man noch nicht einig. Jeder brachte einen eigenen Vorschlag und verwarf den des anderen. Elschen hatte einen schönen Spruch vorgeschlagen. „Befiehl dem Herren Deine Wege" oder „Ich bin die Auferstehung und das Leben". Martha protestierte energisch. „Habt ihr je aus Papas Munde einen Bibelspruch gehört? Hat er je mit einem von uns über Religion gesprochen? Nein. Gewiß war er fromm wie irgend jemand," lenkte sie ein, um etwaige Widerreden im voraus zu entkräften. „Aber er zeigte es nicht- und darum würde es mich ganz fremd anmuten, wenn ich auf dem Kreuze einen Spruch lesen müßte!" Leonhard stimmte ihr bei, und Frau Dorothea meinte, ob man nicht ganz einfach: „Ruhe sanft!" wählen wolle. Abermals war es Martha, oie widersprach. Das sei farblos und nichtssagend- es passe für einen alten Mann, dem der Tod als Erlöser gekommen sei, nicht für einen, den er mitten aus dem schaffensfrohen Leben abberufen habe, wie ihren Vater. „Hab' ich recht, Herr Rechtsanwalt?" wandte sie sich jetzt direkt an Ziel. „In gewissem Sinne wohl," antwortete Ziel. „Haben Sie selbst keinen Vorschlag zu machen, Fräulein Martha?" „O doch! und die Geschwister waren alle damit einverstanden. Aber Mama mag nichts davon wissen. Sie sagt, man dürfe seine Gefühle nicht öffentlich zur Schau stellen." „Das hat auch viel für sich," erwiderte Ziel. „Ich für meine Person kann alle Arten poetischer Ueberschwänglich- keit schlecht verdauen, und nun gar in Stein gegraben." „Meine Inschrift ist weder poetisch noch überschwänglich," gab Martha zurück. „Ganz kurz. „Dem besten Vater, dem treuesten Gatten". Darunter der Name, Geburts- und Todestag. Wie finden Sie das?" „Kurz und treffend," stimmte Ziel bei. Dorothea sah ihn unter den halbgesenklen Lidern prüfend an. Dann fragte sie halblaut, jedes einzelne Wort betonend: „Sie halten die Inschrift für treffend?" „Gewiß — natürlich," antwortete Ziel etwas unbehaglich. Er wußte nicht, worauf sie hinauswollte, aber Ton und Blick gefielen ihm nicht. „Dem besten Vater, dem treuesten Gatten — das ist doch sehr schön gesagt — einfach und — wahr — und — und — nun ja — sehr schön." „Du willst also wirklich nicht, Mama?" fragte Leonhard, 387 und: „Warum willst Du nicht?" drängte Martha. Sie ließ sich nicht mit halben Gründen abftnden. Dorothea erwiderte nichts. Eine Weile blickte sie stumm vor sich hin,- dann, ohne die Kinder anzusehen, das forschende Auge auf Ziel gerichtet, sagte sie langsam und leise wie vorhin: „Nun wohl. Wenn Euch soviel daran liegt, und wenn der Herr Rechtsanwalt die Inschrift schön und wahr findet — so sagten Sie doch?" (Fortsetzung folgt.) Die Diät bei fieberhaften Krankheiten. Den hervorragenden Aerzten des Altertums und des Mittelalters konnte es ebensowenig entgehen, wie den modernen Aerzten, daß schwere und langdauernde Fieber die Kranken oft bis zu wahrer Erschöpfung herunter bringen, ja durch Abmagerung zum Tode führen,- aber man wagte bis in unser Jahrhundert nicht, Fiebernden etwas anderes als Mehlsuppen oder gar bloßes Wasser zu reichen, weil man durch die Heizkraft der Nahrung das Fieber zu erhöhen fürchtete. Erst in den letzten Jahrzehnten ist ein Umschwung eingetreten, und die Wahrheit hat sich Bahn gebrochen, daß reichliche Ernährung in geeigneter Form den Gewichtsverlust des Fiebernden vermindert, und, ohne zu schaden, die Aussichten der Genesung bessert. Die Besonderheiten des fieberhaften Prozesses, auf welche die Ernährung Rücksicht zu nehmen hat, sind folgende: Die Körpertemperatur ist erhöht, der Appetit fehlt bei starkem Durste, der Mund ist trocken, der Magensaft im Versiegen, die Thätigkeit des Magens herabgesetzt, das Herz ist geschwächt, die Nervenfunktion leidet, die Stickstoffausscheidung ist außerordentlich erhöht, die Kohlsensäureabsonderung wenig verändert. Alle diese Fiebererscheinungen werden durch die im Blut kreisenden Bakterien hervorgerufen. Wie nun Professor Lehden, der berühmte Berliner Kliniker, der sich seit dreißig Jahren mit der Ernährung im Fieber beschäftigt hat, in der „Therapie der Gegenwart" auseinandersetzt, soll die Ernährung so eingerichtet werden, daß keines der Fieber- shmptome dadurch gesteigert wird- im Gegenteil soll dahin gestrebt werden, dieselben durch das Fieber möglichst günstig zu beeinflussen. Es erfordert also der Zustand des Mundes und des Magens, daß die Nahrung der Fiebernden flüssig sei, daß sie stets vor dem Genüsse aufgekocht und daß sie immer nur in kleinen Einzelgaben dargereicht werde. Mit Rücksicht auf die erhöhte Körpertemperatur sei sie stets abgekühlt. Die Flüssigkeitszufuhr soll reichlich sein, um die Thätigkeit der Nieren anzuregen, zugleich aber auch, um die Infektiösen Gifte in möglichster Verdünnung zur Ausscheidung zu bringen, den Körper gleichsam auszuwaschen. Die Herz- thätigkeit soll durch die Darreichung alkoholischer Getränke angeregt werden. Die wichtigste Aufgabe ist aber, dem gesteigerten Gewebezerfall, welcher bei länger anhaltendem Gewebezerfall geradezu das Leben gefährdet, entgegenzuwirken. Von den Nahrungsmitteln, welche geeignet sind, den Fiebernden gereicht zu werden, kommt in erster Linie die Milch in Betracht. Da sie dünnflüssig, leicht sterilisierbar und durch mannigfache Zusätze noch nahrhafter gemacht werden kann, so ist sie als ideales Fiebernährmittel zu bezeichnen. Wenn ein Fiebernder reichlich Milch verträgt, so ist auf Grund dieser Thatsache die Aussicht auf Genesung besser, als wenn er sie nicht verträgt. Bei der Darreichung der Milch kommt aber alles darauf an, langsam vorzugehen, mit kleinen Mengen zu beginnen, allmählich dieselben zu steigern und erst, wenn größere Mengen gut vertragen werden, den Versuch des Zusatzes von anderen Substanzen zu wagen. Im Beginn des Fiebers ist die Einzelmenge der Milch 100 Gramm, welche vier- bis fünfmal am Tage dargereicht wird. Abwechselnd hiermit werden Wasser, Limonaden, Suppen, ab und zu auch Bouillon, als Frühgetränk Kaffee oder Thee, ab und zu kleine Mengen Wein gegeben. Die Gesamtflüssigkeitszufuhr soll von Anfang an nicht unter 3 Liter betragen. Die meisten Fieberkranken sind leicht auf einen Tageskonsum von 2 Liter Milch zu bringen, manche nehmen mit Lust 3 bis 4 Liter. Ist die Milch gut vertragen worden, so kann man sie im weiteren Verlauf des Fiebers nahrhafter machen, indem man Sahne oder Michzucker, oder beides zugleich zur Milch hinzumischt. Man beginnt im Verhältnis 900 Milch und 100 Sahne; vom Milchzucker werden eventuell 50 Gramm auf 1 Liter Milch verwendet. Es kommt nun manchmal gar nicht selten vor, daß die Milch, wie von manchen Gesunden, auch von Fieberkranken nicht vertragen wird. Dann versuche man verschiedene Kunstgriffe, um die Milch dennoch verträglich zu machen. Man gebe eine Mischung von Milch mit Thee, Kaffee oder Chokolade, man reiche Milchmehlsuppen (mit Hafermehl, Reismehl oder Legumtnose oder Mondamin bereitet), man mische Milch mit Baldrianthee oder Pfefferminzthee, oder Kümmelabkochung, oder man setze Cognac zur Milch hinzu. Wenn über den schlechten Geschmack der gekochten Milch geklagt wird, bediene man sich des Härtelschen Verfahrens, die Milch in langhalsigen Flaschen unter Paraffinverschluß zu kochen, um so den Luftzutritt zu verhüten; auch saure Milch kann versucht werden. Man verwende auf die Bemühungen, mit der Milch zum Ziele zu gelangen, die größte Geduld, denn das Schicksal der Fieberkranken kann von dem Resultat abhängen. Verursacht die Milch trotz alledem immer wieder Magen- und Darmstörungen und ist man gezwungen, auf sie zu verzichten, so muß man Mehlsuppen als Hauptbestandteil der Fieberdtät darreichen. Selbstverständlich ist hierdurch auf keine Weise der Nutzeffekt der Milchnahrung zu erzielen. Die Suppen macht man nahrhafter durch kleine Zusätze der eiweißhaltigen Nährpräparate (Peptone, Somatose, Nutrose, Tropon); man kann ihnen auch Gelbei zusetzen, abwechselnd mit den Suppen reicht man Bouillon, Kaffee, Thee und Fruchtsäfte. Feste Nahrung wird Fiebernden gewöhnlich nicht dargereicht. Doch wird man hier und da gezwungen, davon Gebrauch zu machen, wenn Milch nicht vertragen wird und Erschöpfung bevorsteht. Dann ist die Nahrung so fein wie möglich zu zerkleinern und versuchsweise in kleinsten Einzelporttonen zu reichen. Geschabtes Fleisch, Kartoffelpüree, weiche, leichte Gemüse kommen in Frage. Die für das Fieber gewählte Diät ist in den ersten Tagen der Entfieberung noch unverändert beizubehalten. Erst drei bis vier Tage danach beginnt man die Ernährung reichlicher zu gestalten, je nach dem Zustande des Verdauungsapparates geht man früher oder später zu festen Speisen über, indem man die zarten Fleischsorten bevorzugt; je kräftiger sich der Patient fühlt, desto mehr geht die Diät zu den normalen Verhältniffen über. Besondere Beachtung verdient die Art der Nahrungszufuhr, selbst bei schweren Fiebern ist der Comfort der Ernährung, die Sauberkeit der Darreichung und die Sauberkeit der Gefäße nicht zu vernachlässigen. VermMchtes. Wie man vorwärts komme« kann. Die nachfolgenden Ausführungen stammen von einem Manne, der mit klarem Blick und Hellem Verständnis in die Dinge dieser Welt hineingeschaut hat. Es ist der am 31. Januar 1892 verstorbene, berühmte englische Prediger Spurgeon (geb. 19. 6. 1834). In seinen „Reden hinter dem Pflug", die er als „Pflüger Hans" geschrieben hat, findet sich ein Schatz von guten, praktischen Ratschlägen, wie wir leben und handeln sollen. Er schreibt: Das große Geheimnis des guten Fortkommens heißt: Tüchtig arbeiten. Trägheit bringt nichts als Lumpen und 388 Armut zuwege. Der Schweiß des Angesichts ist der einzige Stoff, aus dem man Gold machen kann. Wer nicht schwitzen will, wird auch nicht besitzen. Wer Vogeleier haben will, muß auf den Baum Heitern. Von aufgestreiften Hemdärmeln kommt man zu einem feinen Tuchrock, und wer sich nicht schämt, die Schürze zu tragen, wird bald ohne sie einhergehen können. Glaubt mir, vorwärts kommt man nur Schritt für Schritt; hofft nicht, mit einem Sprung reich zu werden. Man mag noch so gierig sein nach reichem Gewinn, der Geldhansen wird darum nicht größer. Langsam und sicher ist besser als schnell und wankend. Der tägliche Gewinn beharrlicher Arbeit macht einen Menschen viel reicher, als dann und wann eine glückliche Spekulation. Kleine Fische schmecken süß. Eine Kleinigkeit mehr, ist doch etwas mehr — wie das Schwein sagte, als es nach einer Mücke schnappte. Jeden Tag einen Faden, macht im Jahre einen Strang. Ein Stein auf den andern gelegt macht 'ein Haus. Erst soll man kriechen, ehe man geht, und gehen, ehe man läuft, und laufen, ehe man führt. Je mehr man eilt, reich zu werden, desto langsamer kommt man dazu. Eile fällt über ihre eigenen Füße. Schnelle Kletterer fallen plötzlich auf die Erde. Ein Geschäft anfangen ohne Kapital, ist nicht gut. Mit leeren Taschen handeln, ist schwer. Man muß ein Nest- Ei haben, denn Hennen legen ihre Eier dahin, wo schon welche sind. Freilich muß man backen mit dem Mehl, was man hat; wenn aber der Sack leer ist, so thut man wohl daran, sich nicht für einen Bäcker auszugeben. Ziegelstreichen ohne Stroh ist leicht im Vergleich mit Geld verdienen, wenn man kein Geld zum anfangen hat. Bleibe noch ein wenig länger Geselle, mein junger Freund, bis Du Dir erst einige Thaler gespart hast, stiege, wenn Du Federn bekommen hast; versuchst Du es aber zu früh, so wirst Du dem jungen Raben gleichen, der sich den Hals brach, weil er fliegen wollte, ehe er flügge geworden war. Handeln ohne Geld, heißt Häuser bauen ohne Stein, Feuer anmachen ohne Späne, Kerzen brennen ohne Docht; man versncht's dann bald mit diesem oder jenem Kniff und strandet dann schließlich an einem Riff. Weber Waschmittel?) Die Wäsche ist für die Hausfrau eine der wichtigsten Besorgungen, von deren genauer Kenntnis unendlich viel abhängt, sowohl in Bezug auf den Geldbeutel, als in Bezug auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der ganzen Familie. Umsomehr nimmt es daher auch Wunder, daß noch recht viele Hausfrauen sich um die Art des Waschens, die Beschaffenheit des verwendeten Reinigungsmaterials herzlich wenig kümmern, nur höchst erstaunt sind, wenn einerseits die Wäsche nicht rein genug ausfällt, andererseits sehr stark mitgenommen wird. Die Art des Waschens, die Art des zur Verwendung gelangenden Reinigungsmittels aber ist es ausschließlich, die ergiebt, wie rein von Flecken und gesundheitsschädlichen Stoffen die Wäsche ausfüllt, wie weiß sie wird und wie lange sie uns erhalten bleibt. Das Material, das der Reinigung der Wäsche dient, ist die Seife, aber da bekanntlich nicht alle Unreinheiten, nicht alle Flecke mittels der gewöhnlichen Seife zu entfernen sind, anderseits das Verlangen der Hausfrau nach einer absolut reinen weißen Wäsche ein nur zu wohlbegründetes ist, so müssen anderweitige Reinigungsmittel herhalten, um die Wirkung der Wäsche zu unterstützen. Sofern nun diese Miitel nicht aus stark ätzenden Substanzen wie dem von Waschfrauen mit Vorliebe benutzten Chlorkalk oder dem hinter dem Rücken der Hausfrau so gern verwendeten Eau de Javelle bestehen, ist die Anwendung eines Reinigungsmittels nicht nur nicht zu verwerfen, sondern direkt geboten. Es resultiert dies daraus, daß die Reinigung der Wäsche weit weniger, wie so manche Hausfrauen meinen, eine mechanische Arbeit ist, sondern zum weitaus größten Teile eine chemische, daß eg somit nicht so sehr darauf ankommt, wie stark die körperliche Kraft ist, die beim Waschen ausgeübt wird, sondern darauf vornehmlich, wie die Art der chemischen Einwirkung auf Unreinheiten und Flecke ist, wie ausgiebig und schnell diese gelockert und gelöst werden und wie groß * Separatabdruck aus Hamburgische Hausfrauen - Zeitung 1898. Nr. 279. die Bleichkrast ist. Mit der gewöhnlichen Waschseife allein können wir somit auch niemals eine von allem Schmutze, allen Unreinigkeiten völlig freie und weiße Wäsche erzielen, denn diese hat, abgesehen von ihren Verfälschungen, von ihrem oft allzureichen Wassergehalte, der bekanntlich in manchen Seifen Über die Hälfte ihres Gewichts beträgt, gar keine besonders hohe chemische Einwirkung auf den Schmutz der Wäsche und überläßt die Hauptarbeit der mechanischen Kraft des Durchwaschens und Ausreibens. Allein auch das kräftigste Durchwaschen ist in den meisten Fällen nicht imstande eine wirklich saubere und weiße Wäsche zu ergeben, ganz abgesehen davon, daß ein allzu kräftiges Ausreiben den Wäschestücken nicht zum besonderen Vorteile gereicht. Kein Wunder somit auch, daß bi» Hausfrau allen Waschmittelanpreisungen nur zu gern Glauben zu schenken geneigt ist. Von einer Freundin wird ihr Petroleum als das Vorzüglichste anempfohlen. Flugs wird dasselbe in Anwendung gebracht, aber auch nur zu bald eingesehen, daß die Wäsche, die der Freundin als schön weiß erscheint, ihrem Auge gelblich weiß dünkt, eine andere Freundin hingegen will soeben bei der ersten Anwendung eines mächtig angepriesenen Waschpulvers brillanten Erfolg erzielt haben und empfiehlt wieder nur dieses. Erste Wäsche in der That wirklich gut, aber leider stellt sich's gar bald heraus, daß die Wäsche infolge natürlich verschwiegener Bestandteile dieses Waschpulvers einen bräunliche Ton annimmt, daß auch die Kochzeit eine allzulange, was auf die Gewebefasern nicht allzu günstig einwirkt. Und so geht es mit unendlich vielen anderen Wasch- und Reinigungsmitteln, die Anpreisung stets großartig, das Resultat minder großartig oder gar nicht großartig. Die meisten dieser Reinigungsmittel zählen eben zu den Geheimmitteln und sind meistens viel zu teuer erkauft. Da ist z. B. die Bleichsoda, mit der, wenn sie nicht aus reellen Fabriken stammt die Hausfrau die erhoffte Wirkung vergeblich zu erreichen bestrebt ist. Was ist eigentlich Bleichsoda, was wird unter solcher verstanden? Nun, wie ein interessanter Prozeß ergeben hat, verstand ein Fabrikant unter diesem Namen eine einfache Soda. Da nun aber wie allgemein bekannt, die Soda nicht die geringste bleichende Kraft besitzt, ist auch die Bezeichnung einer einfachen Soda mit dem Namen Bleichsoda eine recht gewagte, kann ihr rechtlich gar nicht beigelegt werden. Ein Sodafabrikat kann einzig und allein nur dann die Bezeichnung Bleichsoda führen, wenn es auch mit einem anderen Stoffe, der bleichend auf die Wäsche einwirkt, in Verbindung gebracht ist. So enthält die rühmlichst bekannte Henkel'sche Bleichsoda außer Soda als Hauptbestandteil auch noch Wasserglas. Diese Verbindung der Soda mit Wasserglas berechtigt denn auch vornehmlich das Henkel'sche Fabrikat mit vollkommenstem Recht zur Führung der Bezeichnung Bleichsoda, denn das Wasserglas nimmt längst in der Industrie eine hervorragende Stelle als Bleichmittel ein und Übt, wie zahlreiche Versuche ergeben haben, namentlich auf die Leinenfasern eine stark bleichende, also sie schön weiß erscheinen lassende Wirkung aus. Mit der Henkel'schen Bleichsoda ist demgemäß auch der Hausfrau ein Reinigungsmittel geboten, das überaus geeignet zur Reinigung der Wäsche von Schmutz und Unreinheiten, zum schönen Weißwerden derselben erscheint, und das zudem auch den großen Vorzug der Billigkeit besitzt und der Hausfrau die Sicherheit bietet, daß sie sich mit demselben nicht verkauft, daß vielmehr die Anwendung dieses Reinigungs- und Bleichmittels ihr auch wirklich die erstrebte Wirkung zuteil werden läßt. Es liegt dies eben begründet in der sehr zweckentsprechenden Vereinigung und dem sehr zweckentsprechenden Mischungsverhältnisse, in welchem sich in der Henkel'schen Bleichsoda Wasserglas und Soda befinden. Ersteres ist, wie schon gesagt, ein gerade für Wäsche ganz indiziertes Bleichmittel, während die letztere schon seit altersher als Reinigungsmittel geschätzt ist. Wohl keine Hausfrau entbehrt der Soda, wenn es gilt, Flecke und Unreinigkeiten, welche die Seife nicht allein zu lösen vermag, zu entfernen. Die Soda wirkt eben in weit höherem Grade reinigend als die Seife, ohne dabei doch selbst auf feinere Wäsche, sofern nur die nötige Vorsicht nicht außer Acht gelassen wird, nicht unnatürlich starke Laugen zur Verwendung kommen, ein sorgfältiges Nachspülen erfolgt, irgend welche schädliche Wirkung auszuüben. Die Soda macht, wie allgemein bekannt, hartes Wasser weich und erhöht den Wirkungsgrad der Seife, da nun nicht mehr der Kalk des Wassers sich mit der Fettsäure der Seife unlöslicher und daher absolut wirkungsloser Kalkseife verbinden kann. Die Henkel'sche Bleichsoda ist somit auch ein Reinigungsmittel, das nur bestens empfohlen werden kann und das uns um so sympathischer ist, als man weiß, was dasselbe enthält, was bei gar vielen anderen Waschpräparaten eben nicht der Fall ist. Die Hausfrau kann mit Anwendung solcher recht häßlich reinfallen, und wenn dieselben zum Zwecke der angepriesenen überaus schnellen und völligen Reinigungskraft stark ätzende Substanzen in sich schließen, den größten Schaden vurch einen vorzeitigen Verfall der Wäsche erleiden, dazu kommt, daß gar viele einen unverhältnismäßig hohen Preis haben,. im Gegensatz zu der Henkel'schen Bleichsoda, die neben ihrer hohen Reinigungskraft, der völligen Reellität und vorzüglichen Beschaffenheit ihrer Rohmaterialien auch noch den großen Vorzug der Billigkeit aufweist. Also Vorsicht, große Vorsicht, und wenn man nicht erst durch Schaden klug werden will, dann beherzige man recht sehr, was ich eben im Interesse der lieben Hausfrauen ausführte. Dr. R. Song. Redaktion: 8. Burkhardt. — Druck uno Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.