m WM f er Sätet mit dem Sohn ist über Feld gegangen, Sie können nachtveritrt die Heimat nicht erlangen. Nach jedem Felsen blickt der Sohn nach jedem Banin, Wegweiser ihm zu sein im weglos dunklen Raum. Der Vater blickt indessen nach den Sternen! Als ob der Erde Weg er woll' am Himmel lernen. Die Felsen blieben stumm, die Bäume sagten nichts, Die Sterne deuteten mit einem Streifen Lichts. Zur Heimat deuten sie; wohl dem, der traut den Sternen! Den Weg der Erde kann man nur am Himmel lernen. Rückert. Nachdruck verboten. Pygmalion. Novelle von Anton Frhr. von Perfall. (Fortsetzung.) lieber einen Punkt, der ihm früher große Sorge machte, konnte er wenigstens völlig beruhigt sein. Als Vater war Fichtner für ihn nicht zu fürchten. Marie äußerte wiederholt ihren Abscheu vor dem zudringlichen Menschen, der sie auf Schritt und Tritt umlauere und ein so eigentümliches Wesen ihr gegenüber zur Schau trage. So kam der gefürchtete Tag. Herrmann drängte. Die für das Standesamt bestimmten Papiere mußten herbeigeschafft werden. Das war der äußerste Termin für Holaus. — Also morgen I Den heutigen Abend wollte er noch im Gartenhause zubringen, den letzten Abend als Vater. Morgen mußte die Hülle fallen, die ihn 18 Jahre so beglückt. Er hatte sich vorgenommen, vorher noch mit Fichtner zu unterhandeln, auf seine endgültige Entfernung zu dringen. Der Mensch wurde ihm von Tag zu Tag verhaßter. Er verschob jedoch immer wieder die Ausführung seines Planes. Holaus saß in seinem Arbeitszimmer und wartete auf die Dämmerung. Um 7 Uhr hatte er sich zum Thee angesagt bei Marie. Er wollte nicht zu früh kommen, seine Ungeduld verraten. Ueber den Gobelin des Pygmalion liefen die letzten goldigen Lichter. Das Bild verdroß ihn schon längst. Ein sentimentaler, alter Quark, dem er viel zu viel Wert beigemeffen. Er wußte längst, woher diese Geschmacksverwirrung stammte. Die Kunst hatte damit nichts zu thun. Sein eigenes Empfinden drängte sich dem Stoffe auf und gab ihm das verführerische Leben. — Er erinnerte sich sehr wohl noch des Tages, an dem er zum erstenmale gewisse Beziehungen herausfand zu seinem eigenen Schicksale, so fraglich sie auch in Wirklichkeit waren. — Aber morgen soll es endgtltig entfernt werden, in irgend eine Ecke gestellt, verkauft, — nur aus den Augen. — Mit einer energischen Bewegung richtete er sich auf und trat an das Fenster. Es war Zeit zum Gehen. Da stutzte er. Im Hofe stand Opel im eifrigen Gespräche mit einem Polizisten, ein zweiter stand vor dem Eingänge des ParkthoreS. Holaus drückte sich hinter den Vorhang, öffnete leise den Fensterflügel und lauschte. Der Polizist zeigte Opel ein Schreiben. „Stimmt genau, er ist es schon." Holaus vernahm deutlich die Worte des Hausmeisters. Dann griff dieser plötzlich, das Schreiben lesend, mit einer Bewegung höchsten Erstaunens, sich an die Stirn. Auf feinen Lippen formte sich, tote Holaus sicher zu sehen glaubte, das Wort — — Fichtner." Sein Blick flog herauf, dann zog er den Polizisten in den Schatten der Kastanien. Beide Gestalten verschwanden. Holaus schlug das Herz. Fichtner galt's, die Polizei war auf seiner Spur, kam ihn zu verhaften. Opel hatte sie ihm auf die Fersen gehetzt, der schon lange einen unbestimmten Verdacht gegen diesen Menschen hegte. In seiner treuen Ergebenheit dachte er wohl, seinem Herrn einen Dienst zu erweisen. Jetzt hatte ihn der Name „Fichtner" aufgeschreckt, den er in dem Schreiben laS, und er versuchte wohl, seine Voreiligkeit wieder gut zu machen, die Polizei von der Fährte abzulenken. Was wird geschehen, wenn er verhaftet wird? Wird er sprechen oder schweigen? Er wird sprechen, darin vielleicht seine Rettung sehen, auf Vertuschung rechnen, auf einflußreiche Fürbitte. In welchem Lichte stand er selbst dann? Im Lichte eines Hehlers, eines Betrügers. Und Marie? Die Heirat? Ein Schwindel stieg ihm zu Haupte, ein Gefühl, da- er vergebens zu unterdrücken suchte. Aber er war ja machtlos gegen das Verhängnis. 710 — Er hatte ja alles gethan, um das Geheimnis zu wahren, I Martens Glück nicht zu trüben. Wenn der Himmel selbst nicht wollte — Da ging die Thüre hinter ihm — Holaus hatte nur einen Gedanken, man kam ihn zu I befragen, und er zögerte einen Augenblick, sich zu wenden, I nach Fassung ringend, nach einer Ausrede — I Da flüsterte eS mit ersticktem Atem — „Herr Holaus!" i Jäh wandte er sich. — Fichtner stand vor ihm, zitternd I an allen Glieder«. I „Retten Sie mich! — Sie wollen mich holen! — Alle I Ausgänge sind besetzt. — Ich schwöre Ihnen, daß ich nichts I verrate, so wahr mir Gott helfe, nur retten Sie mich! Ich I habe mehr auf dem Kerbholz, als ich Ihnen gestand. Wenn I Sie mich fangen lasten, sage ich alles." HolauS flößte dieser feige, zitternde Mensch unwider- I stehltchen Ekel ein. „Wie kann ich Sie retten? Ich will Sie auch gar | nicht retten." „Den Vater Mariens wollen Sie nicht retten? Dem I Gerichte ausliefern? — Das sagen Sie nur so. — Das I können Sie nicht — das dürfen Sie nicht —" Er hob flehend die zitternden Hände. „Man wird mich hier nicht suchen, man wird Ihnen I alles glauben, was Sie sagen. — Verstecken Sie mich in irgend einem Winkel — auf dem Boden — Sie haben den Schlüssel —" Die Angst verzerrte seine Züge, und während er hastig, atemlos sprach, horchte er in die Ferne, ob seine Verfolger noch nicht nahten. „Zögern Sie nicht! Sie werden es bereuen! Um Mariens willen. — Ich fliehe dann sofort, wenn die Gefahr vorüber, Sie sollen mich nie mehr sehen —" Holaus zögerte unentschlossen. „Um Mariens willen," sagte er, das war eine gewaltige Berufung. „Man kommt! — Ich höre sie — wenn man mich bet ! Ihnen trifft. — Bedenken Sie, man wird mich bet Ihnen treffen. — Geben Sie den Schlüssel." Dieser letzte Grund wirkte auf Holaus. — Hastig eilte er zum Schreibtische, wühlte unter einem Bunde Schlüssel und reichte einen davon Fichtner. „Da, nehmen Sie — Ich will auch daS noch — daun fliehen Sie — aber für immer — sonst — zum zweiten- male —" Fichtner ergriff mit dem Schlüssel Holaus' Hand und küßte sie. „Dank! Tausend Dank! Ich werde Ihnen das nie vergessen, ewig schweigen." Da stieß Holaus zornig den Fuß auf. „Ah was! Sie hätten auch so geschwiegen. Sie find ja zu allem zu feige. — Fort! — Fort!" Doch Fichtner ging nicht. Weit vorgebeugt stand er da, mit offenem Munde, als ob er den verhallenden Worten deS Mannes vor ihm nachhorchen wollte. „Wie? Zu feige? Zum Reden? Hätte ich reden sollen? Zu ihr?" Sein Blick ruhte jetzt fragend auf Holaus. Dieser ballte drohend die Fäuste. „Fort sag' ich, oder soll ich —" Er machte Miene, gegen das Fenster zu eilen. „Ich gehe schon." Der Ausdruck der Angst in dem Antlitz Fichtners war jetzt wieder dem verschlagenen gewichen, der ihm sonst eigen war. „Warum sprechen Sie denn nicht deutlicher — nur einen Wink —" Holaus machte Miene, auf ihn einzudringen, thn zu fassen. Da glitt er gewandt wie eine Schlange zur Thür. „Alles in Ordnung, Herr Holaus, wir verstehen uns." Fort war er. Holaus stand mit geballter Faust vor der Thür, btt*« riß er fie rasch auf und blickte auf den Gang. Niemand war mehr zu sehen. — Was war das? War in seinem Gesichte eine Aufforderung zu lesen, in seinen Augen? Er drohte ihm, er hätte ihn geschlagen in seinem gerechten Zorne, wenn er noch einen Augenblick gezögert hätte. Aber er wird ja nicht. Wo denn? Wann denn? Lächerlich! Er wird seinem Gott danken, glücklich durchgekommen zu sein. Wenn er nur schon so weit wäre! Er horchte. — Schritte auf der Treppe. Eine Uniform blitzte im Dämmerlichte. Er trat schleichend in daS Zimmer zurück. DaS soll die letzte Lüge sein. — Er setzte sich an den Schreibtisch und ergriff ein Buch. Es klopfte. Nachlässig sagte er Herein. „Ein Polizist wünscht Herrn HolauS dringend zü sprechen." Die derbe Stimme des Wachtmeisters klang ganz dünn. Holaus wandte sich nicht. „Nun, so lassen Sie ihn eintreten." Gleich darauf stieß ein Säbel auf den Boden. „Was wünschen Sie von mir?" „Herr Holaus werden entschuldigen. Ich habe hier einen Haftbefehl, auf einen gewissen Fichtner lautexd, welcher sich in Ihrem Hause befindet." „Fichtner?" fragte Holaus scheinbar erstaunt. „Er hat sich bei Ihnen unter dem Namen Merkel gemeldet." „Ah der! Der Merkel! Nun, was kann ich da mache«? Dann verhaften Sie ihn eben." Holaus hatte noch immer nicht aus dem Buche aufge- j sehen, er fürchtete den Blick Opels, den er auf sich ruhen fühlte. | „Das will ich eben, Herr Holaus," entgegnete der Polizist. „Aber der Mensch ist nirgends mehr zu finden, obwohl er vor einer Viertelstunde gesehen wurde- da habe ich mir erlaubt, Herrn Holaus selbst um Auskunft za bitten." „Mich? Was soll ich denn wissen? Glauben Sie vielleicht, ich hab den Burschen in meiner Rocktasche? Suchen Sie ihn gefälligst, wo Sie wollen, aber mich lassen Sie in Ruhe. Ja? Bitte." „Er könnte ja vielleicht ohne Ihr Wissen — in das Haus geflüchtet — „In dieses Haus während der letzten Viertelstunde? Unmöglich! Uebrigens wenn Sie wollen —" „Bitte, Herr Holaus, wenn Sie selbst verfichern — „Entschuldigen Sie nur, Herr Holaus." Der Säbel stieß wieder auf den Boden. Der Polizist verließ das Zimmer. Holaus wandte fich jäh um, da stand Opel vor ihm, kerzengerade in militärischer Haltung und sah ihm fest in das Gesicht. Holaus erschrak, als ob er der verfolgte Verbrecher wäre. Er hatte den Alten vergessen. „Was wollen Sie denn hier?" herrschte er ihn an. Opel verzog keine Miene. „Ich meinte nur für den Fall, daß der Kerl noch im Hause wäre, Herr Holaus." „Wie kommen Sie denn darauf?" fragte Holaus mit geheucheltem Erstaunen. . Opels Blick vergrößerte fich, seine Wachtmeister - Erfahrungen schienen ihn völlig im Stiche zu lassen. „Der Mensch heißt nämlich nicht Merkel, wie er angegeben, sondern Fichtner, Herr —" „Nun? Und waS ist dann?" „Andreas Fichtner, Herr." „Zum Teufel mit Ihrem Fichtner! Für mich heißt er 711 Zur Geschichte der Weihnachten Merkel - nttb für Sie auch, wenn Sie in meinem Dienst I Damaliger Sitte gemäß fierte man unter der unmitt l- ffierftanben?" baren Einwirkung christlicher Glaubensbogmen zunächst nur Lleibe« wollen. Verstauben? Tobestermine überzeugungstreuer Märtyrer und bekämpfte L-L.°LSÄä SÄ — ^Er'macht-'Im- bi- Op-l --H-» G-bächwi-M, btt ©oltoltbung bt8 MM durch bl- W «i- sich bt- TP- hi-t-r b--,-ft-° --Ich.°^°, M«- ln«"™W'b™ a* 3°»««’ ««U, 1 Z-NE»-7°ch°" Ä Pchst-3»., d-s L-ht-m,-- Lh-ift. -b-u ft- «tchU-t- Hw, «18 bm Hsb^&».ra,M--.-b-° »Tntmnrf I lösungswerkeS als „Fest bet Erscheinung bes Herrn" besonders SÄNL Tff«t, ßt -ft-... Mt w. b-. 4 U. "5 X S *6,8 MM ÄTftWÄ Ä^arsS S5Ä2 SLMR Unb letzt zu ^°r neue6 G-burtSfest hatte aber nur bann Aussicht, das alte (Fortsetzung sorgt) verdrängen, wenn es vor diesem und mit höherem Glanze begangen wurde. Mit dem 6. Januar hatte bisher die Laufbahn des neuen Gottes begonnen, am Karfreitag hatte sie , geendet. ES lag auf der Hand, daß auch deswegen schon A-» S^»u>Wlinl , ?„ G.-U-.«!-!-- ... b,m 6. 3°-"°- °»«M> «*«•“ ielt,/=b:SÄSÄäs» WZZ-DEWMZUW ZZMMWWMZM-W MZMM-SS "-S S5WWLS m-ltd-,ft«-a°ta Er-ignisses! Dt- «->.»<»-» ä'«"“.6" >.»««0. b« Suä““w”«1’ä«11’s’'«1«** äsä*s»^*2 d-Ä ,7 »7--Ü bi- M-ftuu--m-.chi-b-.h-i--» -°t- wu.b- b.« S-ft rui» --ft-- M°i .»». SM ft fern ZLZMWWMWWMN ieetnflutzt. 712 brachten Dienstes des altperfischen Sonnenpatrons Miihras, dessen Welterblickung dort im Orient auch bereits an diesem Tage gefeiert wurde. Genau um jene Zeit, wo Kaiser Konstantin der Große die Axt an die morschen Wurzeln des Heidentums legte, da begann die christliche Kierftet den Geburtstag des heidnischen Sonnengottes durch den des göttlichen Welterlösers zu verdrängen. Die neue Feier verschaffte sich nun von Rom aus allmählichen Eingang in umliegende Länder christlicher Bevölkerung- selbst im fernen Osten kamen diese kirchlichen Bräuche zu geräuschloser Annahme. So wurde in Konstantinopel das erste Weihnachtsfest im Jahre 379, zu Nyssa, in Koppa- dozien 382 und in Antiochien 388 gefeiert. Wäre das neue Christfest schon vor dieser Zeit im Orient gefeiert worden, so hätte es am allerwenigsten der Stadt Antiochia, welche sich so inniger Beziehung zu dem apostolischen Werke rühmte, fremd sein können. Daß hin und wieder die festliche Begehung des 25. Dezember unter den Christen schon vordem stattfand, wenn auch nicht unter staatlicher Genehmigung, geht aus einer an diesem Tage anno 386 gehaltenen Homilie des heiligen Chrysostomus hervor, in der es heißt: „Es sind noch nicht ganz zehn Jahre, daß uns dieser Tag erst völlig bekannt ist,- ihr feiert ihn aber mit einem solchen Eifer, als wenn er uns schon von undenklichen Zeiten her bekannt wäre." Die staatliche Anerkennung des von kirchlicher Sitte und Hoheitswürde getragenen Festes ließ denn auch nicht lange auf sich warten. Während das Gesetz des Kaisers Valcntinianus über die gerichtsfreien Tage vom Jahre 389 einen Geburtstag Jesu als öffentlichen Feiertag noch nicht kennt, nennen dagegen bereits die Erläuterungen zu dem Gesetzbuche Alarichs sowohl den 25. Dezember als auch den 6. Januar mit unter den gerichtsfreien Tagen. Immerhin war dem Weihnachtsfeste der eigentlich sakramentale Charakter, den es heute trägt, damals noch nicht e gen. „Du mußt zunächst wiffen, daß der Geburtstag des Herrn nicht im Sakrament gefeiert werde, sondern daß man sich nur ins Gedächtnis zurückrufe, daß der Herr geboren sei", sagt Augustinus in einer seiner Episteln. Der häusliche, -idyllische Anstrich, der das liebe Weihnachtsfest heute so anhetmelnd macht, trat anfangs noch nicht so scharf hervor. Agthe betonte im Jahre 506, daß es nur für Städte und größere Pfarrkirchen best mmt sei. Wo es aber einer besonderen Feier gewidmet wurde, da konnte es allerdings sehr leicht mit der verdrängten Frier des unbesiegten Sonnengottes und den voraufgegangenen Saturnalien innig verwachsen. War doch der eigentliche Hauptzweck der Bekehrer erreicht, nämlich die heidnische Vorstellung von der stets wiederkehrenden und sich verjüngenden Sonne in Gestalt einer besonderen Gottheit auf Christus, die „Sonne der Gerechtigkeit," das „Licht der Welt," den Sieger über Leben und Tod zu übertragen und in schonungsvoller Weise eine befriedigende Vermittelung zwischen dem Heiden- und Christentum herbeizusühren. Der weitere Versuch dieser Art, nämlich auch den römischen Kalenden des Januarmonds den alten, hergebrachten Glanz zu entziehen, indem man den geräuschvollen Jahresanfang im ersten Viertel des neunten Jahrhunderts auch auf den Geburtstag J-su verlegte, hatte nur teilweisen Erfolg- denn die eigentlichen heidnischen Lustbarkeiten des l. Januar konnten nicht beseitigt werden, trotz Konzilien, Kirchenbeschlüffen, Festtagen usw., und das bisherige „Jahr des Herrn" ließ Jnnocenz XII. gegen Ende des 17. Jahrhunderts der geschäftlichen Unregelmäßigkeiten wegen auch wieder mit dem heutigen „Neujahr" beginnen. Trotzdem nun die festliche Begehung des 25. Dezember zuerst im Abendlande stattgefunden — anno 35t in Rom — so verbreitete sich hier doch das Jeiusgeburtsfest sehr langsam, denn die Gallier und Deutschen kannten es im 9. Jahrhundert noch keineswegs. Erst die Synode von Mainz, 813, ordnete die Weihnachtsfeier in unserem damals katholischen Vaterlande an und zwar in einer Ausdehnung von vier Tagen- später hatte Weihnachten sogar einen Umfang von acht Tagen, wenn auch nicht lange. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Feier auf dem Kostnitzer Konzil auf drei Tage beschränkt, doch dehnte man sie im allgemeinen 24 Stunden länger aus, wie denn noch 1370 in Frankfurt die Rede ist von „den vier winachten heiligen Tagen". „Weihnachten" selbst kommt überhaupt erst im mittelhochdeutschen Sprachschatze vor, und zwar nach dem Jahre lOOO. Es setzt sich das Wort zusammen aus wich (— heilig) und naht (— Nacht). Hielt man doch schon die altchristlichen Btgllienseiern dieses Festes bei nächtlichen Zusammenkünften ab, weil nach biblischer Mitteilung der Erlöser in der Nacht geboren war. — Es hat mithin unser wichtiges Fest der christlichen Kirche eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. Literarisches. Von Heinrich Seidels erzählenden Schriften, wohlfeile Ausgabe vollständig in 53 Lieferungen zu 40 Pfennigen ---Mk. 21,20 — Verlag der I. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger, G. ni. b. H., Stuttgart — sind die Lieferungen 7/15 erschienen. Damit liegt der zweite Band vollständig vor; derselbe enthält: Daniel Siebenstern. Das Atelier. Der Rosenkönig. Die Schleppe. Hedwig. Roikehlchen. Penelope. Das alte Haus. Der Lindenbaum, welche Erzählungen vereint den 1. Band der Vorstadtgeschichten bilden. Die gemütvolle, schlichte Seidel'sche Muse spricht aus jeder Zeile herzgewinnend,, es wäre unnütz, ihr sekundieren zu wollen; aber das steht sest, daß es kaum ein sinnigeres Weinachtsgeschenk geben kann, als die lebenswahren tiefempfundenen Seidelschen Erzählungen. In Die Hexe nnd Arme Anna Feodorowna (Preis 1 Mk., Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart) vertiefte sich Herbert Forbach in die Gefühle armer Mädchen, welche leidenschaftlich und ohne irgend welche Aussicht auf eine glückliche Zukunft für höher stehende Männer entbrennen und schließlich ihre Liebe mit dem eigenen Untergang büßen müssen. Die erste in Litauen spielende Dorfgeschichte entrollt gleichzeitig ein düsteres Bild verstockten Aberglaubens der Gesamtheit und rohester Gesinnung eines jungen begüterten Bauern. Auch die Heldin der zweiten Geschichte liebt ihren Stand; sie weiht sich in ihrer fast kindlichen Einfalt dadurch dem Verderben. Der Gegensatz zwischen der jungen Bäuerin und dem reichen, vornehmen Manne, einem russischen Gutsbesitzer, gestaltet den seelischen Konflikt rasch zu einem außerordentlich tragischen. Beide Erzählungen sind von E. Klein sehr hübsch illustriert.. Arthur Achleitner entnahm dem Schwarzwälder Bauernleben seine beiden prächtigen Volksgeschichten Vronele und TannenreiS. (Illustriert von F. Reiß. Geh. 1 Mk. Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart.) Vronele ist eine stolze, ihrer Liebe sich anfangs nicht bewußte, dann sie ans Trotz gewaltsam niedcrkämpfende Natur, die durch ihren Ucbermut fast an den Rand des Unglücks geführt wird. In zwölfter Stunde ringt sich ihr edleres Selbst durch, und ein gütiges Geschick vergönnt ihr die Ercttung ihres Geliebten aus Todesgefahr. Die Erzählung ist meisterhaft im Ausbau und gipfelt in einer wirklich tragischen Katastrophe, um dann um so lieblicher und versöhnlicher zu schließen. Auch „Tannenreis", eine kurze Geschichte, in welcher der rohe Uebermut, das Protzentum eines alten reichen Bauern die eigene Tochter in eine unhaltbare Stellung bringt, darf als eine neue Talentprobe des schon längst beliebten Erzählers betrachtet werden. Fritz Reiß hat das Buch mit lebensfrischen künstlerischen Zeichnungen auf das reichste geziert. Anagramm. Nachdruck verboten. Ich laste auf deinem Herzen schwer, Erzeuge oft trübe Gedanken. Zwei Zeichen verstelle, und nimmermehr Dich Trübsinn vermag zu umranken. Auflösung in nächster Nummer. Auffösung des Gitterrätsels in voriger Nummer: R A B Rheinwein e t t i i t Antilopen w o r m ? p s B i t t e r s e e n n e flfhattion: