MS. Donnerstag den 9. November. 8 Kiros wSJlszHI - IM-UIM7SWWW «MW M rLSSS WM enken, was wahr, und fühlen, was schön, und wollen, was gut ist, Daran erkennet der Geist das Ziel des vernünftigen Lebens. Plato. Nachdruck verboten. Der Gylfenhof. Eine Erzählung von P. Ditfurth. (Fortsetzung.) XIX. Die ging auch vorüber, diese schlaflose Nacht, und der andere Morgen sah Renaten im Wohnzimmer des Gylfenhofes Charlotte Falkner gegenüber, die ebenso verwacht aussah wie jene. In der Hand hielt sie den kurzen Brief des Pastors Nolte, den Renata ihr gegeben. Charlotte hatte gelesen und ließ das Blatt zu Boden fallen, und im nächsten Augenblicke umschlossen ihre Arme das junge Mädchen: „Ich weiß es, Renate!" rief sie aufschluchzend, „schon die ganze Nacht, Du bist das Kind meiner armen Helene! O warum sah ich das nicht gleich? Jetzt muß noch alles gut werden." Gottfried trat ein; er sah blaß aber ruhig aus. Stumm legte er ein Bild vor Renata auf den Tisch. Charlotte bog sich zurück und ließ diese frei: „Deine Mutter," sagte sie leise und legte die Hand über die Augen. Langsam, als erwachte sie, richtete Renata den Blick auf das Bild. Es war ein reizendes Mädchengesicht, was ihr da entgegenlächelte, große strahlende, braune Augen, voll Schelmerei und Jugendlust. Es durchbebte sie dabei der Gedanke: „Das war ja Walters Antlitz." „Das soll meine Mutter sein?" murmelte sie dann schmerzlich den Kopf schüttelnd, „hat sie je so ausgesehen, so glückselig gelächelt?" Sie sah zu Charlotte auf und streckte flehend ihre Hand hin: „Was hat sie unglücklich gemacht? Sie wissen es, o sagen Sie mir alles, ich ertrage es nicht länger." Charlotte legte den Kopf des armen Kindes an ihre Brust. „Du sollst alles erfahren, meine liebe Renata. Deine Mutter verließ vor mehr als zwanzig Jahren dieses Haus, ihre Heimat, ich muß es sagen, heimlich, um Deinem Vater als Gattin zu folgen. Keinem von uns hatte sie Vertrauen gezeigt, und sie war doch wie unsere Schwester, wie meiner Eltern Kind mit uns aufgewachsen. Sie that einen unheilvollen Schritt, mein Kind, Du willst und mußt es ja wissen, und damit bereitete sie sich zum größten Teile selbst dieses traurige Geschick. O Kind, Du ahntest nicht, daß Du die Vergebung meines alten Vaters für die Mutter selbst erbatest." Charlottens Stimme brach in tiefer Bewegung. Renatas Augen blickten mit wirrem Ausdruck, als sähen sie wie durch einen zerrissenen Nebelschleier die Klarheit, nach der sie selbst sich gesehnt, hervorleuchten, und nun war sie doch so furchtbar. „Mein Gott!" stöhnte sie auf und legte die Hände vor das Gesicht. Leise weinend liebkoste sie Charlotte, in ihr kämpften die wunderbarsten Gefühle, aber die Freude war größer als alle anderen. „Ersparen Sie mir nichts, sagen Sie, was meine Mutter that," rang es sich jetzt von Renatens Lippen. In diesem Augenblicke öffnete sich die Thüre, und Marianne winkte ihrer Herrin. „Mein Vater," murmelte Charlotte. „Gehen Sie zu ihm," bat Renata. „Gottfried," sagte die Schwester, „ich muß zum Vater und bleibe vielleicht länger, als ich denke. Sage Du es Renaten, sie wird volles Vertrauen zu Dir haben." Sie nickte dem verstörten Mädchen noch einmal unaussprechlich liebevoll zu und verschwand. Der Professor, der sich in den Hintergrund des Zimmers zurückgezogen hatte, trat hervor. Ach, die beiden Frauen ahnten nicht, wie schwer es gerade ihm wurde, dem Kinde von der Schuld der Eltern zu sagen. Sein Mund sollte väterlich ruhig sprechen, und sein Herz that es doch nicht. Ein Blick aus Renatens Augen traf ihn wie eine stumme Bitte. Er lehnte sich an die Wand neben dem Sessel, in dem sie saß, so stille und resigniert, und blickte auf ihren dunklen Scheitel nieder. „Renata, Sie wissen eß nun selbst, daß der wahre Name Ihres Vaters nicht Wendelin, sondern Gylfen lautete. Warum er ihn abgelegt, weiß ich nicht. „Sie fragten mich einmal, weshalb die Blätter in der alten Chronik herausgerissen seien, und ich gab Ihnen eine ausweichende Antwort. Auf diesen Blättern stand der Mädchenname Ihrer Mutter: Rinnewart. In einer unglücklichen Stunde kam das Buch meinem armen Vater vor Augen, und feine Hände wollten es in wahnsinniger Aufregung vernichten, ich rettete es noch, aber jene Blätter gingen verloren. Die letzte Ghlfen reichte einem Rinnewart die Hand, und die — 142 — letzte dieses Namens wieder einem Gylfen, einem Nachkommen I jenes verschollenen Eckhard Gylfen. Helene Rinnewart war früh verwaist, mein Vater wurde ihr Vormund und nahm sie in seine Familie auf als sein eigen Kind. „Helenens Vater war des meinigen bester Freund gewesen und wußte das verlassene Kind in unserem Hause gut aufgehoben. Der alte Rinnewart, schon lange kränklich, hatte den Gylfenhof noch bei Lebzeiten an meinen Vater verkauft, er selbst besaß noch eine kleine Villa vor der Stadt, wo er auch gestorben ist. Helene kehrte nach seinem Tode hi die ehemalige Heimat zurück. Wir alle liebten Helene, und zwischen ihr und Charlotte bildete sich ein Verhältnis, wie es unter Schwestern nicht,inniger sein kann. „Ich war noch ein Knabe, als ich Helene Rinnewart das letzte Mal gesehen, aber nie werde ich ihre reizende, anmutige Erscheinung, ihre herzige Fröhlichkeit vergessen. Mir hat sie viel schwesterliche Liebe bewiesen, sie hatte stets Verständnis für meine Träumereien, während meine Geschwister mich oft nicht verstanden und namentlich mein Vater mich vielfach falsch beurteilte. So war sie meine Vertraute, und meine Freude war doppelt groß, als sie nun wirklich meine Schwester werden wollte. „Mein Bruder Werner, zehn Jahre älter als ich, war der vergötterte Liebling meines Vaters. Und auch wir Geschwister bewunderten den reich begabten, mit einem glänzenden Aeußern ausgestatteten Mann. Mein Vater vergaß uns vollständig, wenn Werner da war,- er baute für ihn die großartigsten Luftschlösser. „Werner glich meinem Vater sehr, innerlich wie äußerlich, auch das leidenschaftliche, jähzornige Temperament hatte er von ihm geerbt. Sein Herz aber war warm und edel. „Und daß ich es kurz sage: Helene wurde seine über alles geliebte Braut und damit erfüllte sich ein Herzenswunsch meines Vaters, der nur in Helene eine würdige Gefährtin für seinen Liebling sah." Gottfried schwieg Plötzlich, und Renata sah zu ihm auf. Ihr war so sonderbar, als müsse der ernste Mann neben ihr ein Buch in der Hand haben und ihr diese Geschichte vorlesen. Seine traurigen Augen begneten den ihren: „Ach, Renata, es wird mir ja so schwer, Ihnen das alles zu sagen/ sprach er leise. «Ich glaube es," erwiderte sie, „aber denken sie nicht so viel an mich,- daß Sie es sind, der mir die Geschichte meiner Eltern erzählt, macht es mir leichter." Ein leichter Schein flog über seine Züge, und er fuhr fort: »Diese Verlobung sollte vorläufig geheim bleiben, was auch dem jungen Paare recht war." „Helene besaß keine Verwandten mehr, und wie ich Ihnen schon früher sagte, waren die Ghlfens ausgestorben. Da tauchte bei Gelegenheit eines großen Manövers unter den fremdherrschaftlichen Offizieren, die ihm beiwohnten, ein Gylfen auf. Er lag bei einer uns befreundeten Familie in Quartier. Man machte ihn auf den Gylfenhof aufmerksam, und er interessierte sich sehr für dessen Vergangenheit, so daß er gern einer Einladung meines Vaters folgte. Uns allen fiel die Aehnlichkeit des jungen Mannes mit dem Bilde im Archiv auf, es stellte sich dann auch heraus, daß er von dem während des dreißigjährigen Krieges verschollenen Eckhard Gylfen abstammte. Dieser war in Oesterreich seßhaft geworden, und seine Nachkommen hatten den Adel verliehen bekommen. Erich von Gylfen war ebenfalls verwaist, ein Bruder seiner Mutter stand ihm aber sehr nahe und lebte, wie es schien, nur für den Neffen. Er war Besitzer eines Gutes in Oesterreich, und Erich Gylfen sein Erbe. Dieser selbst war ein liebenswürdiger Mensch, und ich kann nicht leugnen, daß er auf mein Knabenherz einen sehr gewinnenden Eindruck machte. „Er mußte bald wieder fort und hatte wohl seinem Onkel von dem sonderbaren Zusammentreffen mit dieser Stammesverwandten, Helene Rinnewart, berichtet,- denn es dauerte nicht lange, so schrieb dieser Onkel Vollradt Wendelin Helene einen liebenswürdigen Brief nach dem andern. Diese war erst betroffen, aber dann machte es ihr Spaß, zu antworten, und so entspann sich eine wunderliche Korrespondenz zwischen d-iesen beiden sich ganz fremden Menschen, die auch nicht den geringsten Anspruch auf Verwandtschaft machen konnten. Schließlich schrieb dieser Onkel Wendelin, dessen ganze Art und Weise uns überspannt und phantastisch vorkam, eine dringende Einladung an Helene, ihn und seine Schwägerin, die ihm die Wirtschaft führte, zu besuchen. Helene hatte gleich sehr große Lust dazu und bat meine Eltern um Erlaubnis. Mein Vater und auch meine sanfte Mutter wollten es nicht zugeben; aber sie schmeichelte ihnen so lange, bis sie ihren Widerstand aufgaben und es Werner überließen, ob er cs leiden wollte. Dieser war zwar nicht einverstanden, doch auch ihn überwand die reizende Helene; nur ihre Bitte, Charlotte mitnehmen zu dürfen, wurde rundweg abgeschlagen. So reiste sie denn fort, fröhlich und glücklich wie ein Kind, das seinen Willen durchgesetzt; und es war doch ihr und Werners Verhängnis, diese unglückselige Reise. „Nach mehreren Wochen kehrte sie zurück, aber ver- äitdert, so daß die Meinen verwundert den Kopf schüttelten. Werner war fern, und sie war, ganz ihrer sonstigen Natur entgegen, verschlossen und in sich gekehrt. „Als Werners Besuch in naher Aussicht stand, wurde sie unruhig, und ich merkte, daß sie oft stundenlang allein spazieren ging. Zwei Tage vor Werners Eintreffen war sie verschwunden. Einen Brief an Werner fand man in ihrem Zimmer, worin sie ihm erklärte, ihre Liebe zu ihm sei erloschen, und ohne diese könne sie unmöglich seine Frau werden. Ich will Ihnen und mir die nachfolgenden schrecklichen Szenen ersparen, Renata; in mein Gedächtnis sind sie unauslöschlich eingegraben. Werner und auch meine Eltern ahnten, daß dies das Werk des Onkels sei, Erich Gylfen war mit Helene auf dem Gute zusammengetroffen, und er mußte Helenen das Herz gewendet haben. „Werner raste beinahe, ich habe nie, nie wieder einen Mann so unglücklich gesehen, und meine Eltern boten alles auf, Helene zu erreichen, und zu sprechen, aber umsonst. „In seiner Verzweiflung reifte Werner nach B-, wo Gylfen in Garnison stand, und zwischen ihm und Werner kam es zu einem Duell, und mein Bruder blieb dabei; wir habe ihn nie wieder gesehen und nur durch andere erfahren, wo sein Grab ist." Gottfrieds Stimme sank zum Flüstern herab, und als er geschlossen hatte, holte er tief Atem. „Und Ihre Eltern?" fragte Renata kaum hörbar. „Meine Mutter war schon leidend, sie überlebte den Jammer nicht lange und ging bald zur ewigen Ruhe. Und mein Vater — Sie wissen es ja — ach, ich kann Sie nicht weiter quälen, Renata!" sagte er leidenschaftlich bewegt. Es war totenstill in dem großen Zimmer, das junge Mädchen hatte das Gesicht in beide Hände vergraben und regte sich nicht, nur ihr schwerer Atem verriet, daß Leben in ihr sei. So saß sie lange, lange; endlich beugte sich Wolfram zu ihr nieder: „Renata," sagte er leise, „es war zu viel, o warum wurde mir das harte Muß, Ihnen das zu erzählen." Er faßte ihre kalten Hände, die sie langsam vom Gesichte sinken ließ. „Ach, es thut so weh," flüsterte sie mit schmerzvoll zuckendem Munde, und wie ein hilfloses Kind legte sie ihren Kopf an seinen Arm. Wie gern, wie gern hätte er sie an fein Herz genommen — und er durfte es doch nicht. So blickte er nur wieder auf sie mit unsäglicher, stiller Liebe, sie sah es ja nicht. Unten ging die schwere Hausthüre, und Stimmen wurden auf der Treppe laut. „Da kommen Frida und Max/ murmelte der Professor. Renata richtete sich auf. -- 648 — „Ich kann jetzt niemand sehen," sagte sie, bringen Sie mich fort." Er führte sie bereitwillig in das Nebenzimmer und ließ sie in einen Seffel gleiten. Sie streckte ihm beide Hände hin: „Ich danke Ihnen, Ihre Güte thut mir so wohl." „Wer sollte mit Ihnen nicht gut sein, armes Kind," erwiderte er leise und drückte ihre Hände, „ich will Sie allein lassen, es wird Ihnen nötig fein." Sie schwieg und er ging hinaus. Warum ging er hinaus? fragte sie sich, warum ließ er sie allein mit den qualvollen Gedanken und dem bitteren Weh, das ihr das Herz zerriß- daß sie sich wieder hätte an ihn lehren können?" Sie fühlte sich grenzenlos verlassen. (Fortsetzung folgt.) Allgemeine Regeln der Gesundheitspflege.*) Dr. med. Jordy giebt folgende zehn Grundregeln der Gesundheitspflege, welche die Hauptpunkte der Hygiene zusammenfaflen und der Beachtung wert sind. Sie lauten: 1. Reine Luft bei Tag und Nacht ist Grundbedingung zum Gesundsein und bester Schutz gegen Lungenkrankheiten. 2. Bewegung ist Leben. Tägliche Körperübungen im Freien, sei es Arbeit, Spaziergang oder Turnspiel, gleicht den Einfluß eines gesundheitsschädlichen Berufes mit sitzender Lebensweise in schlechter Luft am ehesten wieder aus. 3. Mäßigkeit und Einfachheit im Essen und Trinken ist die Garantie für ein gesundes und langes Leben. Wer statt des gesundheitsschädlichen Alkohols Wasser, Milch und Früchte zu Ehren zieht, handelt im Interesse seiner Gesundheit, Arbeitskraft und Wohlfahrt. 4. Gewiffenhafte Hautpflege und vernünftige Abhärtung, z. B. kalte Körperwaschung, täglich und warmes Vollbad wöchentlich, Winter wie Sommer, fördern die Gesundheit wesentlich und schützen am sichersten vor den sogenannten Erkältungskrankheiten. 5. Eine richtige Kleidung darf nicht verweichlichend warm sein und nicht beengend- sie sei einfach, diene zum Schutz, nicht zum Putz, der Gesundheit und dem Wohlbefinden, nicht der Mode. 6. Eine gesunde Wohnung muß sonnig, trocken, geräumig, hell, behaglich und anheimelnd sein. Statt dem Wirtshause widme Zeit und Geld deinem eigenen Hause- ein glücklich Heim wird es tausendfach lohnen. 7. Peinliche Reinlichkeit in allen Dingen, wie Luft, Nahrung, Wasser, Haut, Wäsche, Kleidung, Wohnung, Abort, Grund und Boden, sowie Sitte und Moral, ist im Verein mit Mäßigkeit das beste und bewährteste Schutzmittel gegen die Cholera, Typhus, Blattern, Diphtheritis, Syphilis, kurz gegen die sämtlichen ansteckenden Krankheiten. 8. Geregelte, tüchtige erfolgreiche Arbeit ist eine Heilkraft für Leib und Seele, Zuflucht und Trost im größten Leide, unseres Lebens reichstes Glück. 9. Zweckmäßige Ruhe und Erholung findet sich nicht in lärmender und betäubender Genußsucht. Die Nacht ist dem Schlafe, die Mußestunden und der Sonntag der Familie, der Pflege des Gemütes, der Bildung des Geistes zu widmen. 10. Ein nützliches, an Arbeit, Thaten und reinen Freuden reiches Leben sei Endzweck aller Gesundheitspflege. Das redliche Bestreben, der Familie ein guter Vater, im Berufe ein Meister, dem engeren und weiteren Vaterlande ein pflichtgetreuer Bürger zu fein, das sichert gesundem Leben einen würdigen Inhalt. Zur Ergänzung fügen wir noch hinzu: 11. Man halte den Kopf kühl, die Füße jedoch warm- im Frühjahr lege man nicht zu zeitig die Winterkleidung ab, *) Aus dem sehr empfehlenswerten Buche: „Michaelis, Grundzüge einer allgemeinen Hygiene," Preis Mk. 2,—, Verlag von Hugo Ser« mühler, Berlin. im Herbste nicht zu früh die Winterkleidung an, trage vielmehr in diesen Uebergangsjahreszeiten, wenn es die Verhältnisse einigermaßen gestatten, entsprechend mittelwarme Kleider. 12. Regelmäßige und tägliche Bewegung ist ein wesentlicher Faktor der Gesundheit- man suche auch bei schlechter und rauher Witterung sich täglich der freien Luft auszusetzen, um sich nicht derselben zu entwöhnen und sich dadurch zu verweichlichen. 13. Man setze sich nicht bei schwitzendem Körper der Zugluft aus: Rheumatismus, Zahnweh, Kongestion (Blutandrang) nach einzelnen Körperteilen sind gewöhnlich unausbleibliche Folgen hiervon. Man vermeide schroffen Temperatur- Wechsel und schnelle Abkühlungen des Körpers. Schon Hufe land sagt (Makrobiotik, pag. 251) hierüber: „Es ist äußerst schädlich, schnell aus der Hitze in die Kälte überzugehen ober umgekehrt- Lungenentzündungen, Schlagflüsse, Blutstürze, Rheumatismen können die Folgen fein." 14. Bei stark erhitztem Körper vermeide man den kalten Trunk: heftiger akuter Magenkatarrh, Schlagfluß oder spätere Lungenschwindsucht können darauf eintreteu. — Man trinke ferner nicht unmittelbar auf Aerger und heftige Gemütsbewegungen. 15. Man bezähme nach Möglichkeit seine Leidenschaften und begehe keine Handlung in der augenblicklichen Zornes- aufregung: die Folgen sind oft verhängnisvoll — und die Reue vergeblich. Vom Monat November. November 18 99. —---- Nachdruck verboten. Der November ist der Wind- und Nebelmonat des JahreS, der häufig schon recht winterlich wird. Feld- und Gartensrüchte sind geerntet und vor Frost in sicherem Schutz geborgen. Nur hin und wieder erinnern einige trockene Blätter, ein unerreichbarer Apfel oder eine vergessene Traube an die entschwundene Pracht des Sommers und den Segen des Herbstes. Der Obstmarkt ist knapper als im vorigen Monat. In den Delikatcßläden prangen tiroler Birnen, italienische Trauben, tiroler und amerikanische Aepfcl zu niedrigen Preisen. Unter den tiroler Aepfeln find besonders fein die zartschaligen duftigen Rosmarinäpfel und die prachtvoll gefärbten Maschanzger Edelborsdorfer. Wenn man unsere einheimischen kleinen trübfarbigen Borsdorfer neben diesem großen lachenden Kinde des Südens sieht, erscheint es kaum glaublich, daß so verschieden aussehende Früchte dieselbe Sorte sind, nur vom Klima in ihrer Ausbildung beeinflußt. Die im Obsthandel aufgetauchten Mispeln sind jetzt allenthalben zu haben. Die Mispel ist die Frucht eines in Süddeutschland und der Schweiz wildwachsenden strauchartigen Baumes. Die teigig gewordenen Früchte werden roh gegessen, oder mit Butter, Zucker und Rotwein zn einem schmackhaften Kompott gesotten. Die Mispel gilt als sehr gesund und war ein altes Volksmittel. Früchte und Kern wurden früher selbst in der Arzneikunde verwendet. Pilze werden selten und sind es die getrockneten, die jetzt Ersatz für frische gehen müssen. Seit Oktober ist die Trüffel in den Delikateßläden zu haben. Dieser, von den Feinschmeckern hochgeschätzte Pilz, der Diamant der feinen Küche, gehört zur Gattung der Kugelpilze, und ist am häufigsten im Südosten von Frankreich, einigen Landstrichen Deutschlands, Ilirols, Oesterreichs, Rußlands und Italiens. Wer rundweg Trüffel sagt, meint immer die schwarze, leicht in's rötliche spielende Edel- oder Perigord - Trüffel, deren Rnf die Gänseleberpastete von Straßburg, die Entcnleberpastete von Toulouse und die Rebhuhnpastete von Angoulöme und Psrigeux begründet haben. Die jetzt angebotene Trüffel ist die hannöversche, die billiger ist als die Perigord - Trüffel, und da zu einer einfachen Trüffclsauce nur ein geringes Quantum Trüffeln nötig ist, so kann man auch am bürgerlichen Sonntagstisch einmal den Versuch mit dem berühmten Aroma machen. Aus dem Kochbuch von Fräulein Elise Hannemann entnehmen wir folgendes einfache Rezept: 30 Gramm gut gebürstete und gereinigte Trüffeln werden in einer braunen Grundsauce, welcher 10 Gramm Licbig's Fleisch - Extrakt beigegcben sind, gut durchgekocht, die Trüffeln heraus- genommcn, in Scheiben geschnitten, mit Vie Liter Weißwein und 20 Gramm Butter zehn Minuten lang gedünstet und die Grundsauce dazu gegeben. Diese Sauce ist vorzüglich zu Huhn, Kalbfleisch, Zunge rc. Für den Vegetarianer bietet der November noch eine Fülle frischer Gemüse. Neben den großen Krautsorten finden wir ausgezeichneten Rosenkohl in festgeschlossenen Kugeln. Wirfing und Rotkohl werden teurer. Sehr reichlich wird Weißkohl zum Einlegen angeboten, der, wie auch die saure Gurke manches Kompott wird ersetzen müssen, da durch die knappe Obsternte sogar die Preißelbeere, das allgemein bürgerliche Kompott, hohe Preise hält. Blmnenkohl ist in weißer italienischer Ware vorhanden und sieht durch den raschen Transport fast so gut wie unsey 644 einheimischer aus, steht aber hinter dem in unseren Gärten gut ausgebildeten im Geschmack weit zurück. Das am häufigsten gekaufte Gemüse ist augenblicklich der Spinat, und die bereits eingetretenen Fröste werden schnell zugunsten des Braun- oder Grünkohls entscheiden, um den in den nächsten Wochen doch schon spärlicher werdenden Spinat zu verdrängen. Als gute Beigabe zu Grün- oder Braunkohl dienen die in diesem Jahr vorzüglich geratenen Maronen oder Edelkastanien. An Rübenvorräten sind jetzt besonders gut: Teltower Rübchen, Karotten, Kohlrüben in femgelber Färbung, Steckrübchen und rote Rüben oder Beete. Schwarzwurzeln bleiben leider in mäßigem Angebot und werden von Kennern dieses feinen Gemüses immer rasch vom Markt genommen. Für Salat und Zuspeisen ist die Wahl zwischen Rapunze, Kopfsalat und Endivie, die sich vollauf eingebürgert hat und in recht guter Bleichware zu haben ist. Aus der Provence kommen gegenwärtig auch die Artischoken in besserer breitschuppiger Ware. Ueber die Ergiebigkeit der Kartoffelernte sind die Urteile recht geteilt. Im allgemeinen ist eine gesunde, stärkcreiche Kartoffel geerntet. Es besteht leider die Befürchtung, daß diese unentbehrliche Frucht teurer wird als in früheren Jahren. Für den Fleischmarkt ist eine üppige Zeit angebrochen, er liefert aus allen Klassen des Tierreiches Feinheiten für die Tafel. Hausgeflügel ist in tadelloser Ware auch zu annehmbaren Preisen zu haben. Die Delikateßläden, bereit besuchteste Zeit mit dem Eintritt in die Saison der Soupers und Diners beginnt, bieten im seltenen Hausgeflügel: Deutsche, belgische und französische Poulets, Poularden und Kapaunen, sowie Perlhühner, Puten, Mast - Gänse und Enten. Der Martinstag (11. November) bringt es naturgemäß mit sich, daß der Geflügelmarkt vollständig unter dem Zeichen des Martinsvogels steht, und für lange Zeit von demselben beherrscht bleibt. Es ist nicht bloßer Zufall, daß die Gans um Martini am begehrtesten ist, sie ist um diese Zeit am wohlschmeckendsten. Die junge, zarte, nicht gemästete, aber gut genährte Gans liefert den feinsten Braten. Zur Füllung der Martinsgaus gehört nach germanisch - christlichen Traditionen, ein Sträußchen Beifuß und Majoran, als aromatisches Hebungsmittel des Fettgeschmackes, die seinsteFüllungundBeigabeaber istdieMarone. Ein gut gereinigte, vonHals, Flügeln und Füßen befreite Gans, wird mit einer Mischung von 500 Gramm Aepfeln und 500 Gramm gekochten, abgeschälten Maronen gefüllt, einige Stengelchen Beifuß oder Majoran hineingesteckt und zugenäht. Man legt sie mit der Brustseite nach unten in die Pfanne, gießt V» Liter kochendes Wasser daran, legt eine Zwiebel bei und setzt sie in den Bratofen, der anfangs nicht zu heiß sein darf. Man läßt sie so */» Stunde kochen, dreht sie um und läßt sie unter öfterem Begießen weiter braten, indem man immer wieder etwas Wasser zugießt, wenn es verdampft ist. Unter den Flügeln und um die Keulen herum muß sie öfters mit einer Gabel gestochen werden, damit das Fett gut ausfließt. Die Gans braucht 2 bis 21 2 Stunden zum Garwerden. Zuletzt begießt man sie mit einigen Löffeln kalten Wassers, und läßt sie noch ein bischen braten bis sie recht knusperig wird. Die Sauce wird entfettet, 10 Gramm Liebig's Fleisch- Extrakt daran gethan, wenn nötig noch etwas Wasser angegossen und mit Kartoffelmehl verdickt. An Wildpret Bietet der Handel in erster Linie Hasen, billig und gut, auch Rehwild, Hirsch und Wildschwein. Hirschfleisch hat fast gleichen Preis mit Rindfleisch und läßt sich gleich diesem in verschiedenster Weise zubereiten, z. B. sind Rouladen von Hirschfleisch besonders wohlschmeckend. l*/i Kilo Hirschfleisch wird in handgroße Stücke geschnitten, geklopft, mit Salz, Pfeffer und Brot bestreut, mit feingewiegter Zwiebel und 125 Gramm ebenfalls gewiegtem Speck bestrichen, zufammengerollt und in 100 Gramm Butter braun gebraten. Alsdann giebt man 20 Gramm aufgelöstes Liebig's Fleisch-Extrakt hinzu und läßt das Fleisch weich schmoren. Die Sauce verdickt man mit saurer Sahne, die mit Mehl abgequirlt ist. Das Wildgeflügel ist durch Rebhühner, Krarnmetsvögel, Schnepfen, Hasel- und Birkhühner vertreten. Fische sind im offenen Markthandel nur in mäßiger Auswahl vorhanden, während sie in den Handlungen in reichster Sortenfülle vertreten sind. Austern und Kaviar sind jetzt hochfein. Kaviar kommt in fast salzfreier Ware in den Handel, leider nur zu teuer. Ein guter Fastengenuß sind frische Pfahlmnscheln, die nur einige Minuten in Salzwaffer, dem etwas Kümmel und Petersilie beigefügt wird, zu kochen brauchen, und dann delikat schmecken, am meisten zarten Krebsen im Geschmack ähneln. Litterarisches. Die „Deutsche Romanbiblioihek" (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt) hat ihren neuen, 28. Jahrgang mit drei besonders fesselnden Werken eröffnet. In seinem Roman „Svante Ohlsen" giebt Franz Rosen lebendige Schilderungen aus den norwegischen Hochlanden, die mit prächtiger Lokalfarbe eine reich bewegte Handlung verbinden; den Kaukasus hat Stanislaus Lucas zmn Schauplatz feiner romantischen Erzählung „Die beiden Kosaken" erwählt, und in der Weltstadt Paris spielt sich der spannende Künstlerroman „Die Eidechse" ab, worin Agnes Gräfin Klinckowström neben der pikanten Schilderung des Milieus zugleich geistvoll die Frage des Frauenstudiums behandelt. Eine große Zahl von Romanen und Novellen der ersten Autoren werden sich, wie aus dem Prospekt zu ersehen, den genannten, spannend geschriebenen Werken anreiheu. Der modernen Lyrik ist auch im neuen Jahrgange wieder ein Breiterer Raum gewährt, und in der Abteilung „Mosaik" finden wir eine heitere Plauderei über den angeblich im November bevorstehenden Weltuntergang. Angesichts dessen, was die „Deutsche Romanbibliothek" für ihren Abonnementspreis (vierteljährlich [13 Nummerns 2 Mk., jedes 14tägige Heft 35 Pfg.) bietet, kann sie ohne Ueber- treibung die billigste deutsche Romanzeitung genannt werden. Das erste Heft sendet jede Sortiments- ober Kolportage-Buchhanblung auf Verlangen ins Haus. Der neue Rockschnitt ist die Losung des Tages! Man schreibt und spricht davon, findet ihn bald so, bald anders, immer aber ziemlich unklar beschrieben; denn gesehen hat jhn noch keiner! D. h. bis zum Erscheinen der neuesten Nummer der im Verlage von Franz Lipperheide, Berlin, erscheinenden Modentvelt (nicht zu verwechseln mit „Große Modenwelt" und „Kleine Modenwelt"), die nicht die altberühmte, klassische Modenzeitung wäre, wenn sie nicht dem bevorstehenden Mode- Umschwung, so unerwartet er kommt, bereits Rechnung trüge! „Der" neue Rockschnitt existiert übrigens gar nicht, sondern es handelt sich vorläufig um verschiedene Experimente senfationslnstiger Pariser Schneiderkünstler, aus denen sich eine populäre Form erst entwickeln muß. Die meiste Aussicht auf Erfolg dürfte zunächst der Faltenrock haben — vor allem für die leichten Ball- und Gefellfchaftsstoffe —, und so bringt die Modenwelt ein reizendes jugendliches Ballkleid in dieser Form. Der übrige Inhalt an einfach praktischer, wie eleganter Garderobe für Erwachsene und Kinder, an Schnittmustern, Handarbeiten, Unterhaltung und Belehrung entspricht dem Ruse dieses Weltblattes, dem es trotz der vielfachen Konkurrenz gelingt, feinen Abounentenkreis von Tag zu Tag sich erweitern zu sehen. Einen besonderen Reiz übten sicher auch die verschiedenen interessanten Preisausschreiben aus. Kollektion Hartleber». Eine Auswahl der hervorragendsten Romane aller Nationen. Achter Jahrgang. Vierzehntägig erscheint ein Band, eleg. geb. 75 Pfg. Jährlich 26 Bände: bisher Band 1 bis 4 vom VIII. Jahrgang ausgegeben (A. Hartteben's Verlag in Wien.) Der achte Jahrgang der „Kollektion Hartleben" hat kürzlich zu erscheinen begonnen und liegen bisher vier Bände vor. Das Programm desselben umfaßt, soweit bisher festgestellt, folgende hervorragende und interessante Romane: Bd. I.—III. Pont Aest, Rens de. Eine vornehme Ehe. — IV. Orzeszko, Elise. Der Australier. — V.—VI. Savage, Henry. Die gefangene Prinzessin. — VII. Bülow, Baronin Paula. Ohne Herz. — VIII.—IX. Rovetta, Girolamo. Das Idol. — X. Benedek, Ellek. Anna Huszar. — XI.—XII. Fleming, M. A. Vom Sturm getragen. — XIII.—XIV. Mairet, Jeanna. Die Studentin. — Zu unserer lebhaften Befriedigung können wir bestätigen, daß die Beliebtheit der Kollektion Hartleben in der Zunahme begriffen ist. Sowohl das Publikum als auch die Presse heben bei jeder Gelegenheit die Vorzüge der hübschen, handlichen Ausstattung und die abwechslungsreiche Wahl der verschiedenen Stoffe hervor, bei welcher jeder Geschmacksrichtung Rechnung getragen wird. Humoristisches. Kindlich. „Sage, liebe Mama, ist der Herr, der Dich vorhin begrüßte, wirklich ein Schwede gewesen?" — „Ja gewiß, Kind; aber warum zweifelst Du daran?" — „Weil er so jung aussah, es gibt doch nur alte Schweden!" DiumautrSisei. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben b b b, e e e, h h h h, 1, m, n n, o, r r r r, g, t, u u u, y derart einzutragen, daß die einzelnen Wörter der Reihe nach folgendes ergeben: i. Einen Buchstaben. 2. Türkischen Titel. 3. Werkzeug. 4. Scheuen Vogel. 5. Gefährliche Naturerscheinung. 6. Ein Kunstwerk. 7. Einen Buchstaben. Die wagerechte und senkrechte Mittelreihe haben die gleiche Bedeutung. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, e, d werden die vier Farben bezeichnet; also a = Eichel Treff; b — Grün, Pique; c — Rot, Coeur; d = Schellen, Carrean-' X — Aß; v — Unter, Bube, Wenzel; D = Dame, Ober.) Im Skat lagen aA unb c A. Vorhanb hatte b 8, b 7, c Z, c 8 c 7, d K, d D, d 9, d8, d 7; Mittelhand den Rest. Verlauf des Svieles- 1. V. dK. M. bA. fi. dZ = — 25. 2. M. o v. H. cK. V. oZ — — 17 3. B. dl). M. bZ. H. d A = — 24. Sa. = — 66. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.