MVR hTEM UM« 7MWWM n b'kOÖ W«®ö • W i ehren und Gasten 4 Leert Keller und Kasten. Gasten und Zehren Will öfter beschweren. Alter Spruch. Nachdruck verboten. Schuldig. Erzählung von F. Arnefeldt. (Fortsetzung.) „ Nicht so laut, Balthasar", bat sie angstvoll. „Ich denke, Du hast alle Lauscher entfernt". „Ich kann die Dienstboten nicht fortschicken. Wenn sie Dich hörten!" „Nun, wie Du befiehlst, sprechen wir leise", sagte er, seine Stimme dämpfend, mit hämischem Lächeln. „Warum will fie nicht? Hast Du mich ihr nicht als sehr reichen Mann, als eine höchst begehrenswerte Partie geschildert?" „Das habe ich", antwortete die Kommerzienrätin und senkte unwillkürlich die vor Scham errötende Stirn. „Nun, und ich dächte, ich wäre doch auch noch ein ganz ansehnlicher Mann!" fuhr er fort, während er vor den Spiegel trat und fich mit wohlgefälligen Blicken musterte. „Das giebt sie alles zu, aber sie sagt, sie könne Dich nicht lieben, — ihr Herz sei nicht mehr frei!" Wieder stieß er einen häßlichen Fluch aus. „Wer ist der Glückliche?" „Das weiß ich nicht!" rief die Kommerzienrätin, und ihr Gesicht verzog sich zum Weinen, „ich habe ihr ja das Geständnis nur mit Mühe und Not abgepreßt. „Aber ich ahne — ich weiß es". „Wer denn?" fragte Dr. Corbus gespannt. „Mein Gatte — mein Konstantin. Ihr Dichten und Trachten ist darauf gerichtet, sich an meine Stelle zu setzen!" Sie brach in ein heftiges Schluchzen aus. Dr. Corbus betrachtete sie voll Staunen und hielt nur mit Mühe einen Ausbruch der Lachlust zurück. Sich näher an ihr Ohr beugend, flüsterte er dann: .Fürchtest Du, fie halte für Dich ein Pülverchen bereit? Man hat Beispiele —" „Schweig!" rief sie aufschnellend und ergriff seinen Arm. Innerlich von der Albernheit ihres Verdachtes fest überzeugt, hielt er es doch für seinen Zwecken förderlich, sich anzustellen, als ob er ihn nicht für ganz unbegründet hielte und sagte deshalb: „Da bewundere ich nur, daß Du das Mädchen im Hause behältst". „Ach, ich habe schon zehnmal auf dem Punkte gestanden, fie zu entlassen", bekannte fie, „ich habe es mir aber immer überlegt, daß sie mir hier, wo ich sie unter Augen habe, noch weniger gefährlich ist, als wenn ich fie gar nicht mehr beobachten kann". „Keine üble Taktik!" nickte Dr. Corbus. „Eine bessere wäre freilich noch, Du verheiratetest sie an einen Mann, der mit ihr in die Ferne ginge". „O, wie gern!" rief sie, die Hände faltend. „An mich zum Beispiel. Du schlügest da zwei Fliegen mit einer Klappe und würdest gleichzeitig auch mich los". Er hatte schon wieder seinen überlegenen, spottenden Ton angenommen. „Wenn sie doch aber nicht will!" „Sie dahin zu bringen, ist Deine Sache, und ich erwarte das ganz bestimmt von Dir, meine liebe Eugenie', sagte er; Miene und Stimme hatten jetzt etwas Drohendes. „Eine kluge Frau wird doch Mittel und Wege finden, solch junges Mädchen zu zwingen!" Hätte Felicitas den Blick, der diese Worte begleitete, sehen können, fie würde gewaltig aus ihrer ruhigen Sicherheit aufgescheucht worden sein. Die Kommerzienrätin verstand ihn und neigte bejahend das Haupt. Es entstand ein Stillschweigen von einigen Minuten; die Dame hielt nachfinnend den Kopf in die Hand gestützt und starrte mit den dunklen Augen auf den Teppich, als wolle fie dessen Muster auswendig lernen. Corbus ging im Zimmer auf und ab. Endlich begann sie wieder: „Ich möchte wissen, was sie Dir so begehrenswert macht". „Ihre Schönheit trägt die Schuld daran!" antwortete Corbus in Ton und Haltung einen berühmten Schauspieler in der Rolle des Richard III. kopierend. „Sie gefällt mir. Bin ich etwa zu alt für den Johannistrieb?" „Nein, nein", entgegnete schnell und bereitwillig die Kommerzienrätin, fügte jedoch zögernd hinzu: „Dennoch begreife ich Dich nicht. Was willst Du mit dem ganz armen Mädchen?" „Das laß' meine Sorge sein". „Ich verstünde es, wenn sie Dir ein großes Vermögen zubringen könnte, aber —" - 510 „Das wird sie!" unterbrach er sie. Als ihn die Cousine ganz verwirrt anschaute, ließ er sich neben ihr wieder auf den Sessel nieder, ergriff ihre Hand und fuhr im vertraulichen Tone fort: „Ich bin nach Berlin gekommen, weil man überall Wunderdinge erzählt hat von dem Aufschwung, den die Stadt genommen, seit sie die Hauptstadt des deutschen Reiches geworden ist. Aber ich fühle mich gewaltig enttäuscht,- es ist noch das kleinstädtische Nest, daß es vor dreißig Jahren war, nur mit etwas besserem Ausputz; für einen Mann von meinen Fähigkeiten ist nicht der geeignete Boden hier,- ich sehne mich, je eher je lieber, den märkischen Sand von meinen Stiefeln zu schütteln". Die Kommerzienrätin konnte hier eine freudige Bewegung nicht ganz unterdrücken, und dies bemerkend fuhr Corbus fort: „Frohlocke nicht zu früh, meine liebe Eugenie, ganz so schnell, wie Du hoffst, wirst Du mich nicht los, oder besser, es hängt ganz von Dir ab, wie bald ich Dich von meiner Gegenwart befreien soll". „Wie das?" „Sobald ich Felicitas mit mir nehmen kann, gehe ich. In Petersburg, in Moskau, in Warschau und sogar in Bukarest und Belgrad ist ein geeigneteres Feld für mich als hier in Berlin. Vielleicht gehe ich auch nach Amerika, aber, um wirklich etwas machen zu können, bedarf ich an meiner Seite einer klugen, schönen Frau von aristokratischem Aeußern und eben solchen Manieren, die zu repräsentieren versteht und mir die Gimpel ins Garn lockt". „Und eine solche glaubst Du in Fräulein von Kressen zu finden?" „Ja, das glaube ich", antwortete er mit großer Bestimmtheit, „laß sie nur erst unter meiner Leitung sein, so sollst Du Dein Wunder erleben, wie sie sich entfalten wird. Deine Aufgabe ist es, mir je eher, je lieber mein süßes Bräutchen in die Arme zu führen. Du siehst, meine liebe Eugenie, unser Vorteil geht wieder einmal Hand in Hand". „Ich will thun, was in meinen Kräften steht", versprach sie, er entgegnete aber kopfschüttelnd: „Das ist eine bedingte Zusage, teure Eugenie, damit kann ich mich nicht zufriedengestellt erklären. Sage, daß Du es unter allen Umständen thun willst. Du weißt ja, man erreicht alles, was man sich vorgesetzt hat, sofern man nur nicht wählerisch in den Mitteln ist". Sie machte angstvolle, abwehrende Bewegungen mit den Händen, die er ebenfalls nur durch stumme Gebärden erwiderte. Endlich sagte sie leise: „Es bleibt mir ja keine Wahl. Ich werde Deinen Wünschen gemäß handeln,- Du sollst mit mir zufrieden sein". „Bravo, das ist vernünftig, daran erkenn' ich meine Jugendfreundin wieder!" lachte er beifällig und wollte ihre Hand ergreifen. Sie entzog sie ihm und bat mit weinerlicher Stimme: „Verlaß mich jetzt, Balthasar, ich kann nicht mehr! Ich bin auf das äußerste erschöpft". Ihr Aussehen bewies, daß sie die Wahrheit sprach. Das Gesicht hatte eine Farbe als sei es mit Asche bestreut, die Augen lagen wie erloschen in ihren Höhlen, die Lippen bebten, alle Glieder schienen schlaff und kraftlos geworden zu sein. Dr. Corbus stand schweigend, mit untergeschlagenenen Armen der halb ohnmächtig in ihrem Lehnstuhl liegenden Frau gegenüber, rührte sich jedoch nicht von der Stelle. Nach einer langen Pause sagte er mit verstelltem Mitleid: „Wie unendlich bedauere ich, Deinen Wunsch nicht sofort erfüllen zu können, meine teure Eugenie, ich bin jedoch mit den kleinen Anliegen, die ich an Dich habe, noch nicht zu Ende". Sie stöhnte und wand sich wie unter körperlichen Schmerzen. „Was willst Du noch?" „Das ist in drei Worten gesagt: ich brauche Geld!" „Balthasar!" Sie fuhr wie von einem Schlage getroffen empor, um sogleich wieder in sich zusammenzusinken. „Was erschreckt Dich denn so sehr an dieser einfachen Thatsache?" fragte er mit einer Gelassenheit, welche darauf berechnet schien, die Qualen der unglücklichen Frau noch zu erhöhen. „Ich habe Dir unlängst eine bedeutende Summe gegeben". „Bedeutend!" Er zuckte die Achseln. „Das kommt auf die Auffassung an, meine Beste. Mir erschien sie recht bescheiden, sowohl sür meine Bedürfnisse wie für die Mittel, über welche die Frau Kommerzienrätin Helldorf zu gebieten hat". „Sie sind beschränkt, erschöpft!" sagte sie händeringend. „Mein Gott, was hast Du in der kurzen Zeit mit dem (Selbe angefangen, das ich Dir gegeben habe?" „Ich habe eine Reise gemacht, und das kostet Geld". „Unmöglich so viel, wie ich Dir gegeben habe". „Du mußt mir schon erlauben, das selbst zu beurteilen", lächelte er mit spöttischer Milde. „Und Du sagtest, es sei das letzte Mal, daß Du meine Kasse in Anspruch nähmest. Die Reise würde Dich in den Stand setzen —" „Was sagt man nicht alles, wenn man einen etwas ungefügigen Partner willfährig machen will", unterbrach er fte; „übrigens sprach ich damals wirklich im guten Glauben. Ich hoffte, eine große Einnahme zu haben, das Unternehmen ist aber fehlgeschlagen oder hat vielmehr widriger Umstände halber vertagt werden müssen. Statt Summen zu bekommen, mußte ich solche aufwenden, und Du siehst den vermeintlichen Gold- und Diamantenfürsten vom Kap einmal wieder vis-a-vis de rien!" Wieder trat er vor den zwischen den beiden Fenstern befindlichen mit blauem Sammet drapierten Spiegel und beschaute sich, als ob er selbst einmal sehen wolle, wie er sich in diesem Gegensätze ausnehme, bann kehrte er zurück, warf sich ihr gegenüber in den Sessel und blickte sie gespannt an. „Das bin ich ebenfalls!" hauchte sie. „Was bist Du?" „Vis-ä-vis de rien!" Er lachte laut auf. „Es ist mein voller Ernst. Mein Abalbert —" „Komme mir boch nicht mit bem Burschen!" fiel er ihr in die Rebe,- er war jetzt nicht mehr ber vornehme Schurke, der bei aller Gemeinheit ber Gesinnung boch noch die Form zu wahren versteht, sondern es kam die Brutalität zum Vorschein. „Der kann mit seinen Forderungen zu seinem Vater gehen". „Er hatte wieder einmal den Wechsel, den Helldorf ihm bewilligt hat, weit überschritten, was wollte ich machen? Ich konnte den armen Jungen doch nicht in der Patsche sitzen lassen?" stöhnte sie. „Warum nicht? Mag er auseffen, was er sich eingebrockt hat!" entgegnete Corbus roh. „Daß Du es ein für allemal weißt, ich bin nicht gesonnen, auf den Buben Rücksicht zu nehmen und mir um seinetwillen Beschränkungen aufzuerlegen". „Balthasar, sei barmherzig!" flehte sie, die gefalteten Hände zu ihm aufhebend. Er lachte hart auf. „Barmherzig! Seltsames Ansinnen an einen Menschen, für den niemand je Mitleid oder Barmherzigkeit gehabt hat, der, nachdem er mehr als zwanzig Jahre in der Welt umhergehetzt worden ist, als ein Schiffbrüchiger zu seinen Penaten zurückkehrt. Für ihn gilt der Spruch: Äug' um Auge, Zahn um Zahn!" Aufspringend und mit verschränkten Armen vor ihr stehend, fuhr er fort: „Hast Du vergessen, was Du mir damals gelobtest?" „Nein, nein", wimmerte sie. „Ich habe lange Zeit verstreichen lassen, bevor ich ge- — 511 kommen bin, meinen Schein einzulösen. Du glaubtest schon .Dich jeder Verpfltchlung ledig, hieltest mich für gestorben und verdorben, wiegtest Dich in Sicherheit!" „Ach nein, ich hatte keine ruhige Stunde", seufzte ste. „Du siehst ja, welche Ruine ich geworden bin". „Alles aus Sorge für mich, Du zärtlichste der Basen?" versetzte er grausam. „Es giebt nun einmal zwischen Himmel und Erde Dinge, die nicht verjähren!" „Ich weiß es", lispelte sie und wischte sich mit dem Taschentuche die kalten Schweißtropfen von der Stirn. „Ich bin in Deiner Gewalt, Du solltest sie nicht so mißbrauchen". „Aber wer thut denn das?" entgegnete er wie verwundert und ergriff ihre eiskalte Hand, die.er streichelte. „Was will ich denn weiter von Dir als einen kleinen Anteil an dem Reichtum, den Du ohne mich —" Mit einer Kraft, die er der hinfälligen Frau nicht zugetraut hätte, entriß sie ihm ihre Hand und schrie, alle Vorsicht vergessend, ganz laut: „Schweig still!" (Fortsetzung folgt.) Schwämme. Ein Männlein steht im Walde Auf einem Bein Und hat auf seinem Haupte Rot Kapplein klein. Sobald der Spätsommer da ist, und die oft in wunderschöner Farbe glänzenden Pilze ihre Köpfchen aus dem Moosboden herausstrecken, da beginnt auch schon die Chronik der Unglücksfälle. In Galizien in der Nähe von Lemberg sind vierzehn Arbeiter durch ein Gericht Schwämme vergiftet worden, neun von ihnen sind tot! Wie die Irrlichter der Sümpfe, so locken die Schwämme Kinder und Erwachsene, welche, unerfahren, nicht selten durch Not getrieben, diese gefährlichen Kinder der feuchten Erde einsammeln und essen, ins Verderben. Viele Pilze sind freilich — das wissen ja doch alle aus Erfahrung — nicht nur unschädlich, sondern gehören zu den beliebtesten Gerichten unserer Küche. Die Gefahr liegt in der Schwierigkeit der Unterscheidung. Es ist eine eigentümliche Sache, daß just die Giftschwämme und Giftschlangen von ihren harmlosen Verwandten, wenigstens auf den ersten Blick hin, so wenig Abweichendes in der Gestalt, in der Farbe und in der Zeichnung aufweisen, daß schon die erfahrensten Kenner durch die Aehnlichkeit getäuscht wurden. Und beinahe muß man sagen, daß die Gefährlichkeit des Schwammgiftes der des Schlangengiftes nicht nach- giebt. Ja, wahrscheinlich ist die Zahl der von Kreuzottern Gebissenen, welche mit dem Leben davonkommen, größer, als die Zahl derjenigen, welche eine Fliegenschwamm-Vergiftung vhne Schädigung überstehen. Nicht alle Giftschwämme wirken in der gleichen Weise. Die einen treffen das Herz und das Nervensystem- andere rufen die schwersten Störungen im Magen und Darm hervor- ja, es giebt solche, deren Gift direkt die roten Körperchen des Blutes aussaugt, und infolgedessen Gelbsucht, Krämpfe, Delirien und so weiter erzeugt. Dies ist bei der nicht genügend heiß behandelten und mangelhaft getrockneten „Lorchel" (Morchel) der Fall. Um diesen tiefkastanienbraunen Schwamm zu genießen, muß man ihn in heißem Wasser, in welchem die giftige Säure löslich ist, brühen, dann trocknen lassen nnd dann das Brühwasser vor der Zubereitung für den Tisch gründlich entfernen. Wie schützt man sich nun vor dem Genuffe giftiger Schwämme? Das ist die wichtige Frage. Es handelt sich aber nicht nur um den Schutz, sondern auch um die genaue Kenntnis aller guten Pilze, da erwiesenermaßen unsere Städte und Dörfer jährlich Millionen der wohlschmeckendsten und nahrhaftesten Schwämme in ihrer unmittelbaren Nähe, oft neben den täglich betretenen Wegen, in den Waldungen, auf Triften, Heiden und Wiesen verderben lassen. Und vielleicht geschieht dies weniger aus Furcht vor möglicher Verwechslung mit giftigen, als aus vollständiger Unkenntnis. Das beste vermag in solchen Dingen natürlich nur der Unterricht der Jugend zu leisten. Der Junge oder das Mädchen, welches die Elementarschule verläßt, sollte ebenso gut die giftigen und die eßbaren Schwämme kennen, als es die Birnen, Aepfel und Zwetschen unterscheidet. Die Schwierigkeit in dem Falle ist ja eine geringe, weil die Zahl der Schwämme, welche hier in Frage kommen, ja nicht groß ist und weil der Lehrer in den meisten Gegenden immer genügendes Material zur Belehrung findet. Diese durch gute Abbildungen zu unterstützende anschauliche Unterweisung müßte aber nichts Halbes, sondern etwas Ganzes sein. Was das Kind über diese Sache zu Hause lernt, hat fast gar keinen Wert- denn es handelt sich dabei zumeist um alberne Volksmittel, welche man sogar schwarz auf weiß in den beliebtesten Kochbüchern lesen kann. In alten Zeiten waren alle Schwämme verdächtig, welche neben verrosteten Nadeln oder Eisen oder neben faulem Tuch oder neben Schlangenhöhlen und Löchern oder insonderheit unter Bäumen, die schädliche Frucht tragen, wachsen." Man denkt heute nicht viel vernünftiger, und es läßt sich mit Bestimmtheit aussprechen, daß das starke Vertrauen auf solche volkstümliche Prüfungsmittel eine große Zahl der Vergiftungssälle auf dem Gewissen hat. Ueberall ist beispielsweise bei den Hausfrauen, Köchen und Köchinnen die irrige Ansicht verbreitet, es seien alle giftigen Pilze daran zu erkennen, daß ein silberner Löffel oder eine weiße Zwiebel oder Eiweiß braun, schwarz oder bleifarben anlaufen, sobald ste beim Kochen der Schwämme in Berührung mit dem in denselben vorhandenen Gifte kommen. Das ist grundfalsch. Nicht das Schwammgift war in solchen Fällen die Veranlassung zu Bräunung oder Schwärzung, sondern der Umstand, daß sämtliche, auch die eßbaren Schwämme, sobald sie ausgewachsen sind, derartige Verfärbungen Hervorrufen. Alle zu alten Pilze entwickeln nämlich, gleich anderen eiweißhaltigen Stoffen, bei der entsprechenden Wärme Schwefelwasserstoff, der eben jene schmutzigen Farben hervorzurufen vermag. Es giebt also junge Giftschwämme, bei welchen eine Verfärbung nicht eintritt, und alte eßbare Schwämme, bei welchen sie eintritt. Der silberne Löffel und derlei Erkennungsmittel sind also ein total unzuverlässiger Schutz. Andere wiederum schwören Stein und Bein, daß das Gelbwerden des auf Schwämme gestreuten Salzes unbedingt die giftige Natur verrate oder daß die lebhafte Farbe und die klebrige Oberfläche sichere Kennzeichen seien. Auch dies find wertlose Glaubensartikel unserer Küchen. Fast alle diese Regeln, welche sich auf die leichte Unterscheidbarkeit der unschädlichen Schwämme beziehen, haben so viele Ausnahmen, daß just in ihrer Anwendung die größte Gefahr liegt. Da giebt es eben nur einen Weg einzuschlagen und das ist die durch Schwammsammlungen und Bücher erworbene genaue Kenntnis der eßbaren und der schädlichen Pilze. Als ein ganz vortreffliches, klar und übersichtlich verfaßtes Büchlein möchten wir das von Professor v. Ahl es bei I. F. Schreiber in Eßlingen a. N. unter dem Titel „Allgemein verbreitete eßbare und schädliche Pilze" erst kürzlich in zweiter Auflage erschienene Werkchen empfehlen. Die guten farbigen Tafeln, die zahlreichen praktischen Winke des Autors nebst der nach allen Richtungen hin schönen Ausstattung werden es vielen, die sich für den Gegenstand interessieren, zu einem angenehmen, nützlichen Besitze machen. Anders als auf dem Wege des Studiums läßt sich in unserer Frage ein nennenswertes Ziel nicht erreichen. Es herrscht wohl auch die Ansicht, daß allzuweiche oder zähe, sich in schwarzen Brei auflösende, mit scharfem oder widrigem Geruch und Geschmack begabte Schwämme zu verwerfen seien. Viele eßbaren Schwämme sind indes, wie der Verfasser des eben erwähnten Buches bemerkt, sehr weich, andere nähern sich dem lederartigen Zustande. Solch lederartige Pilze, welche gegessen werden, finden sich zum Beispiel in Kärnten. Die schlanken Glocken der Mistpilze zerfließen zwölf Stunden nach ihrem Hervortreten auf unseren Wiesen zu einem schwarzen, tinten- 512 ähnlichen Brei- dennoch sollen sie in jungem Zustande eine angenehme Speise liefern. Verdächtig oder ungenießbar sind im allgemeinen Schwämme von ekelhaftem, fauligem Gerüche und scharfem, zusammenziehenden Geschmack. Obgleich auch hier die Subjektivität der Empfindung eine Rolle spielt. Das Merkwürdigste in dieser Hinsicht bieten uns die Bewohner von Kamtschatka, welche den bei uns als eines der stärksten Gifte geltenden Fliegenpilz ohne Schaden in rohem Zustande essen und aus ihm ein berauschendes Getränk bereuen. Anderseits gelten die in unserer Küche mit Recht so vielfach verwendeten Champignons in Italien als verdächtig. Das holzige, schon in Fäulnis übergehende oder von Insekten zerfreflene Schwämme gemieden werden sollen, braucht nicht erst gesagt zu werden. »In nur irgend zweifelhaften Fällen unterlasse man lieber den Genuß und beruhige sich nicht mit dem von manchen Seiten empfohlenen, vorhergängigen Einweichen oder Abbrühen in Wasser und nachherigen Weggießen der Flüssigkeit, wodurch überdies auch noch Teile der aromatischen und nahrhaften Stoffe verloren gehen." Gewisse Völker, besonders die Russen, essen die Schwämme, nachdem sie dieselben in mit Essig vermischtem Wasser (zwei Löffel Essig und etwas Salz auf einen Liter Wasser) haben kochen lassen, eine Vorsichtsmaßregel, welche hinreicht, ihre giftigen Stoffe wenigstens zum größten Teil fortzuschaffen. Das Essigwasser wird nach zwei Stunden abgeschüttet, die Schwämme in reinem Wasser gekocht, dann in beliebiger Weise zubereitet. Auch die Farbe der Schwämme ist trügerisch. Es gibt giftige und nichtgiftige in allen Farben. Eines kann sich der Pilzsucher allerdings mit Vorteil merken: Schwämme, die beim Zerbrechen ihre weiße Farbe in Blau verwandeln, verdienen weggeworfen zu werden; aber wieder nicht alle. Daß die eßbaren vorzugsweise an freier gelegenen Stellen, die schädlichen mehr an dunklen Orten, im feuchten, dichten Gebüsch auftreten, kann ebenfalls nicht als für jeden Fall gütig angesehen werden. Kurzum, was wir früher sagten, daß alle sogenannten populären Unterscheidungszeichen keine absolute Sicherheit bieten, bestätigt sich auf allen Linien. Eindringlich sollte es darum überall bekannt gemacht werden, daß die Leute nichts ihnen unbekanntes von Schwämmen zu Markte bringen dürfen, und daß die Käufer selbst weniger vertrauensselig sein mögen, als dies häufig der Fall ist. Der erste Verdacht, daß man giftige Schwämme gegessen habe, wird durch ein brennendes und kratzendes Gefühl im Halse erweckt. Die nächsten Erscheinungen sind dann Uebelkeit, Angstgefühl, Schwindel und kalter Schweiß. In stärkeren Fällen treten dazu heftiger Magenschmerz, Anwandlung von Ohnmacht, stierer Blick und Verfärbung des Gesichtes. Wem ein solches Malheur passiert, der thut gut, noch vor Ankunst des Arztes sofort irgend welches Mittel zu nehmen, welches geeignet ist, den Magen zu entleeren, da in demselben das Gift sogar noch nach zwei Tagen vorhanden sein kann. Zwischenhinein soll starker schwarzer Kaffee, der ja am ehesten zur Hand ist, und Eisschlucken von günstigem Erfolge gekrönt sein. Manchmal entstehen Magenbeschwerden gar nicht durch giftige Schwämme, sondern auch durch eßbare, welche man einfach zu lange liegen und dadurch verderben ließ. Auch schmecken sie, selbst wenn sie noch nicht zersetzt sind, doch schon am Tage nach dem Sammeln nicht mehr so fein, als ganz frisch gesuchte. Schon beim Sammeln soll übrigens beachtet werden, daß man dies nicht bei nassem Wetter unternimmt, da dann die Schwämme rasch schlecht werden. Auch soll darauf gesehen werden, möglichst junge Pilze zu suchen, die festes Fleisch haben Ferner muß man in Betracht ziehen, daß die Schwämme, wenn man sie aus dem Boden reißt, ausgerottet werden, woraus folgt, daß sie der Sammler am besten einige Zentimeter über dem Boden abschneidet. Dies gilt natürlich nicht von der Trüffel, welche unterirdisch, manchmal bis zu einem Drittelmeter tief unter der Erde wächst, und in den meisten Trüffelgegenden mittels abgerichtcter Hunde aufgesucht wird. Nur in Südfrankreich werden für diesen Zweck Schweine dressiert, um das Nachgraben zu ersparen. Da diese aber selbst sehr warme Verehrer der Trüffel sind, so muß die Beute, sobald sie zum Vorschein kommt, sofort weggenommen und den Schweinen an deren Stelle etwas anderes, zum Beispiel Eicheln, als Lohn und Ansporn gegeben werden. Der Hund läßt den Fund ganz unberührt. Die Gelehrten haben schon recht eifrig debattiert über den Nährwert der Pilze. Einige behaupten geradezu, daß der starke Eiweißgehalt die Schwämme zu einem Ersatzmittel des Fleisches mache; andere rühmen sie wegen des hohen Gehaltes an Nährsalzen, namentlich an Kali- und Phosphorsäure. Wie dem a6er auch sei — tatsächlich ist das Wesentliche an den eßbaren Schwämmen der feine Geschmack, welcher sie einen so hervorragenden Platz auf den Tischen aller Stände einnehmen läßt. Nur bedürfen alle einer sorgfältigen Reinigung. Blätter, Röhren oder Stacheln müssen natürlich entfernt, bei älteren Pilzen auch die Oberhaut abgeschält werden. Nach dem Reinigen sollen sie mit lauwarmem, ja nicht mit kaltem Wasser, wie dies so oft geschieht, übergossen werden. Läßt man sie dann abtropfen, so verschwindet der dumpfe Geschmack vollständig. Morcheln und Hahnenkämmchen (die rötliche Bärentatze) erfordern speziell ein Abbrühen mit heißem Wasser, sonst bringt man den ihnen eigentümlichen bitteren Geschmack nicht fort. Ist man mit diesen Manipulationen zu Ende, so werden die Schwämme leicht mit Salz bestreut, sofort einige Minuten aufgekocht und dann entweder mit Butter oder Oel als Gemüse geschmort oder gebraten oder gebacken. Von der Kochbrühe gewinnt man dabei, da sie wertvolle Salze enthält, durch Zusatz einer Messerspitze voll Fleischextrakt eine bedeutende Sauce, welche, falls die Schwämme gebraten werden, sich ganz vortrefflich zum Nachgießen an geschmortes Rindfleisch und Hammelfleisch eignet. Sie verleiht diesen Speisen ein höchst duftiges, feines Aroma. R. F. Literarisches. Die Damenkleivirng wird immer invidueller. Unter diesen Umständen ist ein guter Zuschnitt, der sich auf fachwissenschaftlicher Grundlage aufbaut, unentbehrlich für alle diejenigen sowohl, welche die Schneiderei berufsmäßig betreiben, als auch für diejenigen, welche nur für eigenen Bedarf schneidern. Eine sehr leichte Belehrung über einen in der Praxis erprobten, in jeder Hinsicht vorzüglichen Zuschnitt gewährt nun das soeben neu im Verlag der europäischen Modenzeitung erschienene Zuschneidewerk „Facil", welches eine praktische Konstruktion nach direkten persönlichen Maßen für Taille, Aermel und Kleiderrock enthält; Preis geheftet nur 3 Mk., gebunden 3,50 Mk. Das Werk ist zum Selbstunterricht abgefaßt und enthält in einfacher, leicht faßlicher Ausdrucksweife einen durch zahlreiche Zeichnungen erläuterten Lehrgang, der selbst bei Neulingen nichts unverständlich lassen wird. Die langjährigen Erfahrungen der Praxis sind in dem Werke durch eine erste Fachautorin zu einem vorzüglichen System verarbeitet, welches überall, wo es zur Anwendung kam, den größten Beifall fand. Ergänzungseätsel. (Nachdruck verboten.) S. .a.g. w.. v..t.a.e. A . . it . ,’r . n . i . n . n . u ., . n . . o . f . . b v . . w . r . s s. . a . e ., S . .a.g .s. a.l.. g . .! (Auflösung folgt in nächster Nummer.) Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Gurkensalat — Orden — Ebro — Tannenbaum — Hedwig — Eiderente. Goeth e — „Egmont." 1 s t S s c i n d i a 2 <8 B 0 h ÄeMtiou: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'scheu UmverfitätS-Buch» und Steiudruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.