'ifambäckT -Cj Tänw U 4 jJsXaä Wort, wir sind zufrieden, $MiT Macht unsre Weisheit aus; 'M« Wir seufzen doch hienieden Vom Glück nicht viel heraus Hölty. (Nachdruck verboten.) Die kleine Sulu. Seeroman von Clark Russell. (Fortsetzung.) Nach einer Weile kam der alte Windwärts an uns heran und schrie in gewöhnlicher Weise: „Was hockt ihr hier alle auf einem Fleck? schert euch nach vorn, wo ihr hingehört!" „Wi verlangen uns' Frühstück," lautete die Antwort. „Erst sagt, wer sich die Frechheit mit dem Zimmermann erlaubt hat." „Dat weiten tot «ich, un wenn toi ’t ok wüßten, würd toi ’t nid) seggen," entgegnete Welchy, den Maat blutdürstig anblickend. „Mit dir rede ich nich," brüllte dieser wieder zornglühend los, abschreckender und scheußlicher tote je aussehend, mit seinem funkelnden Schielauge, seinem blutbefleckten Hemd und vom Kampf zerrissenen Hosen. „Augenblicklich nach vorn mit euch! nicht einen Schluck, nicht einen Bissen bekommt ihr, bis sich die Buben gestellt haben." Damit ging er weg, wir aber liefen hinter ihm her. Er riß ein Splißeisen heraus und drehte sich nach uns um. Alles schrie nun durcheinander, jeder so laut er konnte. — Er drohte mit dem Eisen und rief: „Ruhe! — Wollt ihr eure Mäuler halten. — Entweder ihr bekennt, oder es giebt kein Frühstück, kein Mittag, — nichts mehr; ja, selbst riechen sollt ihr kein Essen mehr, ihr niederträchtigen, meuterischen Hallunken, und wenn ihr ein Jahr wartet." „Wenn Sei dat iernstlich meinen, wat Sei da seggt hewwen," donnerte jetzt Blunt, vortretend, „dünn ward ik Sei nau mal uns' Meinung seggen: entweder, wi bekamen, wat uns taukümmt, oder wi warben de Brigg namen, un seih nah London t'rügg bringen." „Ha, also das ist es, was ihr vorhabt?" rief der Maat aus und schimpfte uns Piratenbande, Raubgesindel u. dergl., bis der Kapitän ihn abrief. — Uns befahl derselbe gleichzeitig, nach vorn zu gehen, indem er hinzufügte, er würde uns seine Entscheidung zugehen lassen. Wir gehorchten; während wir aber Nach der Luke gingen, hörte ich einige Leute schwören, daß, wenn sie binnen einer Viertelstunde nicht ihren Zwieback und Thee hätten, sie sich der Brigg bemächtigen und sich selbst mit dem versorgen wollten, was sie in ihr finden würden. Ich zweifelte nicht im geringsten, daß sie ihre Drohung ausführen würden und war daher von Herzen froh, als wenige Minuten später Banhard hinkend zu uns kam und sagte, wir möchten zum Frühstück gehen. So endete schließlich noch in Frieden ein Tumult, welcher nahe daran gewesen war, zur vollständigen Meuterei zu werden, und zwar, aller Wahrscheinlichkeit nach, zu einer blutigen. Die entfesselten Leidenschaften der Leute hätten jedenfalls der Tyrannei des Kapitäns und des Maats ein erschreckendes Ende bereitet. Achtzehntes Kapitel. Deacons Garn. Gleich nach dem Frühstück erhob sich eine leichte Brise aus Nordost, und die Brigg begann sich zu bewegen. Alle Segel wurden gespannt, die Leesegel auf beiden Seiten beigesetzt; das alles war sachgemäß, denn natürlich mußte der günstige Luftzug soviel als möglich ausgenützt werden. Die Leute hatten sich wieder beruhigt und zeigten keine Neigung, mürrisch zu sein. Der Kapitän war in seinen Anforderungen mäßiger als sonst. Nur der alte Windwärts erinnerte noch an den stattgehabten Streit; er trug auch noch längere Zeit das Andenken an denselben in Gestalt eines blauen geschlagenen Auges mit sich herum, was uns mit großer Genugthuung erfüllte und Blunts kräftiger Faust viel Lob eintrug. Miß Franklin zeigte sich nur kurze Zeit auf Deck. Vermutlich hatte ihr Bruder sie durch die Mitteilung des Geschehenen erschreckt. Um acht Glasen bekamen wir die Segel eines Schisses auf unserer Steuerbordseite in Sicht. Wir hißten unsere Flagge und es zeigte auch die seinige, welche, tote ich hörte, die dänische war. Um es anzurufen, war es zu fern; aber der Wind war so schwach, daß wir seine Topsegel den ganzen Nachmittag sahen. Erst am Ende der zweiten Hundewache verschwanden seine Reuls am Horizont. Die Sonne brannte sengend heiß, und die Decks waren so glühend, daß man kaum mit bloßen Füßen darauf gehen konnte. Das Pech in den Ritzen war so weich wie Wachs, 258 — und wenn man eine Wante oder Pardune angesaßt hatte, waren die Hände schwarz von Teer. In diesen Breiten empfindet man den Mangel des Dampfes. Man kann sich nichts Ermüdenderes vorstellen als die weite Fläche der See, auf welcher der blendende Sonnenschein liegt und die schwachen Wogen träge unter der Wölbung des kupferfarbenen Himmels dahinschleichen. Ohne jede Unterbrechung sieht das Auge auf den unendlich weiten, öden Horizont, nur hin und wieder erscheint der Schatten einer Brise, welche aber schon während des Versuches, das Schiff zu erreichen, wieder erstirbt. Die Kajüte wurde durch ein Windsegel und das Begießen des Decks mit Wasser kühl erhalten, tut Vorderkastell aber herrschte eine Glut, wie sie selbst ein Hindu nicht ertragen hätte. Infolgedessen lebten wir beinahe ganz und gar auf Deck. Wir lagen im Schatten des Focksegels oder des Langbootes oder dicht an der Schanzkleidung, und verzehrten auch unsere Mahlzeiten an diesen Stellen. Es war mir in den letzten Tagen ausgefallen, daß Deacon noch mehr wie sonst in seine ewige Zeichnung vertieft war. Mehrmals hatte ich bemerkt, daß er mich mit nachdenklichem Ausdruck ansah, sein Auge aber sogleich abwandte, wenn ich ihn anblickte. Ich hatte bisher einer Sache nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt, die mir wie eine Art krankhafter Einbildung erschien,- als ich ihn aber fortgesetzt so unaufhörlich seine Zeichnung entwerfen und darüber grübeln sah, begann ich mich zu fragen, ob am Ende wirklich etwas daran sein könnte, rief mir die Umrisse in die Erinnerung zurück und dachte über ihre Bedeutung nach. Mitunter war ich geneigt, zu glauben, um mit Liverpool- Sam zu sprechen, daß es ein Stück Geographie sei) ob es aber eine fremde Küftenlinte darstellte, ein bisher noch unentdecktes Land oder eine im Entstehen begriffene Korallen- Jnsel, darüber konnte ich nicht mit mir einig werden. Meine Neugier wurde jedoch in Schranken gehalten durch seine augenscheinliche Abneigung, mich oder sonst einen von uns ins Vertrauen zu ziehen. Ich betrachtete ihn daher im allgemeinen wie die anderen es thaten, als einen wunderlichen Heiligen,- manchmal indessen dachte ich auch wieder, daß seinem Grübeln, Flüstern und Lesen doch etwas zu Grunde liegen müsse, was, wenn ich es herausbekommen hätte, mir eine andere Meinung über ihn geben würde. Es war am Abend nach jenem Streich, welcher Banyard gespielt worden war/ ich lag auf Deck, eine Taurolle unter meinem Kopf, und blickte auf die weißen Segel, welche sich im Winde blähten, und auf die Reuls, die bei dem prächtigen Glanz der wunderbar leuchtenden tropischen Sterne wie kleine Wolken aussahen. Die Stille der Segel wirkte wohlthuend, nachdem die Leinwand den ganzen Tag über an die Masten geschlappt hatte und wir der Windstille auf dieser Seite des Aequators schon herzlich überdrüssig geworden waren. Ein köstlicher Luftzug traf mich vom Fuß des Vordersegels aus, ich lag behaglich wie ein König und blies weiße Rauchwölkchen vor mich hin. Meine Gedanken waren — ich konnte es nicht ändern — bei Luise Franklin. Wenn der Schiffer die Leute fortwährend so schlecht behandelte, schimpfte und quälte, dachte er nie daran, daß er seine Schwester an Bord hatte? Diesen Morgen war es beinahe zu Verbrechen und Blutvergießen gekommen, und wenn die gereizte Mannschaft wirklich einmal dem Kapitän und seinen beiden Maats in vollem Ernst gegenüber trat, wie würde es dann dem Mädchen ergehen? Vieser Gedanke plagte mich. Das entblößte Messer in Welchhs Hand und das meuterische Feuer in den Augen der anderen standen mit erschreckender Deutlichkeit vor meiner Seele. Ein Mann kam aus der Vorderluke, blieb stehen und sah sich um. Leute aus beiden Wachen lagen ebenso wie ich da und dort, einige standen auch an der Thür des Deckhauses und sprachen leise mit dem Koch. Das Oberlicht hinten war wett offen und ein Windsegel hing darüber. Es war gerade genug Seegang, daß man den Mann am Steuer, bald um seine eigene Länge gehoben, bald ebenso tief verschwinden sehen konnte. Ein Stern hielt sich aber treu auf seiner linken Seite, ein Zeichen, daß die Brigg gut steuerte und einen ruhigen Kurs segelte. Der Mann aus dem Vorderkastell trat zu mir. „Eingeschlafen, Maat?" „Nein, ich studiere Astronomie in der Stellung, wie sie die Holländer empfehlen." „Na, dann störe ich ja wohl nicht," sagte Deacon, denn er war es, und setzte sich neben meinen Kopf mit untergezogenen Beinen hin, wie ein Schneider. „In der Luke ist es rein zum Ersticken," fuhr er fort, indem er seine Pfeife anzündete. „Unter der Ladung sollen sich ja auch Patronen befinden/ ich würde mich meiner Seele nicht wundern, wenn die bei der Gluthitze einmal losknallten wie Champagner- Pfropfen. Uebrigens, da wir gerade von Patronen sprechen, weißt du, ich will verdammt sein, wenn es zu keiner Meuteret kommt, falls der Schiffer und der Maat uns nicht bald bessrr behandeln. Der Schöne ließ da diesen Nachmittag einige Redensarten fallen, die ganz eigentümliche Blicke bet Welchy, Suds, Sam und den anderen hervorriefen, vielleicht auch bei mir, was weiß ich, so daß ich mich an des Kapitäns Stelle, weiß Gott, nicht behaglich fühlen würde. Wer kann aber auch diesen Seehund, diesen Maat, ertragen? Hat der Allmächtige uns zu seinem Ebenbild geschaffen, um uns von so einem mißgestalteten Scheusal fortwährend verfluchen und niederträchtig behandeln zu lassen? Sollen wir demütig gebeugten Hauptes vor diesem schielenden Ungeheuer stehen, als wollten wir sagen: schlagt nur zu, gnädiger Herr, tretet, stoßt, schimpft, ich bin ja nicht wert, euer schönes Angesicht zu schauen? Ich sage dir, Jack, das nimmt kein gut Ende." „Du hast nicht unrecht/ die Art dieses erbärmlichen Burschen kann zu allem treiben/ aber ich hoffe doch, so lange ich an Bord bin, soll es zu keiner Meuteret kommen. Niemals kommt beim meutern etwas Gutes heraus. Der Seemann, der sich seinem Kommandeur widersetzt, handelt gegen das Gesetz, verfällt demselben, und hat nur die Wahl, entweder Seeräuber zu werden, oder sich als Gefangener dem Spruch des Richters zu unterwerfen. Wenn unsere Rechte uns versagt werden, wollen wir kräftig, mit allen gesetzlichen Mitteln darauf bestehen, dazu bin ich ganz der Mann, aber bei einer Meuterei, mit geschwungenen Messern, Mord und Totschlag wirst du mich nicht finden. Ihr könnt Männern wie dem Kapitän und dem Maat keinen größeren Gefallen thun, als daß ihr euch ins Unrecht setzt." „Du hast ganz recht/ ich sage auch; kein Blutvergießen/ aber ich frage, wo nimmt ein Mensch das Recht her, die Geduld eines anderen Menschen bis zur Unerträglichkeit auf die Probe zu stellen? Das ist immer gewagt, besonders aber bei rohen Elementen, also bei solchen, aus welchen zumeist die Mannschaft eines Kauffahrers besteht. Fast immer sind dies unwissende, undisziplinierte Leute, Leute, die keine heimatlichen Beziehungen haben, welche ihnen einen Halt geben könnten, Burschen, die gleichgültig und sorglos in die Zukunft sehen, nur von einem Tag zum anderen leben, solche Menschen wollen mit fester Hand, gleichzeitig aber auch mit Gerechtigkeit und Wohlwollen regiert sein. Eine solche Behandlung werden sie stets mit Treue und einer Anhänglichkeit danken, gleich der eines Hundes, der auch nach erfolgter Züchtigung seinem Herrn die Stiefeln leckt. Unbekümmert um den folgenden Tag sind sie, und das ist die Eigenschaft, welche der Schiffer an ihnen fürchten sollte, sie handeln ohne Ueberlegung, ändern sich im Handumdrehen, und denken erst nach, wenn die That geschehen ist und sie erschreckt sich untereinander fragen: was nun, Maats." „Hol mich der Teufel, wenn ich jetzt nicht glaube, daß du ein verkappter Schulmeister bist. Wo hast du so gut sprechen gelernt, Kerl?" „Pah, was du sagst! Kann ein gescheuter Kopf nicht 259 auch mit rauhen, schmutzbedeckten Händen und teerbefleckten Hosen in der Welt herumlausen? Du, mein Gott, ich habe schon klügere Männer, als ich einer bin, vor dem Mast getroffen, Kerle mit reicher poetischer Empfindung, die es prächtig verstanden, ihre Gedanken wohlgeformt zum Ausdruck zu bringen und genug Gelehrsamkeit besaßen, einen Lehrstuhl der Ethik auf einer Universität einnehmen zu können." Nach diesen Worten versank er in ein stilles, finsteres Brüten. „Kannst du ein Geheimnis hüten?" fragte er plötzlich. „Nanu?" „Ich spreche im Ernst." „Großer Gott, da kann einem ja ganz gruselig werden, deine Stimme klingt ja wie die eines malayischen Papageis. Was hast du denn nur wieder? Na, schieß doch los." Es vergingen einige Augenblicke, ehe er begann- dann aber flüsterte er mit ungewöhnlichem Ernst: „Wenn ich dir das Geheimnis meines Lebens verrate, schwöre mir auf dein Wort als Tischmaat, daß du unverbrüchliches Schweigen darüber bewahren willst." (Fortsetzung folgt.) Strohindustrie. Von Fred Hood. ------- (Nachdruck verboten.) Die Kunst des Flechtens von Nutz- und Ziergegenständen auS natürlichen Faserstoffen, insbesondere aber aus den mannigfachen von den Pflanzen dargebotenen Ruten, Rohren, Wurzeln und Halmen ist eigentlich keinem Naturvolke fremd; ja einige völlig kulturlose Völker haben es sogar zu einer bewunderungswürdigen Fertigkeit in dieser Kunst gebracht. So findet man z. B. die Hütten der Kaffernhäuptlinge mit recht kunstreich geflochtenen Matten ausgelegt, und ihre aus Binsen gefertigten Wassereimer sind so dicht geflochten, daß kaum ein Tropfen hindurchzudringen vermag. Andere Naturvölker, insbesondere deren Frauen, verstehen es auch, kunstvolle Kameel- und Renntierdecken, sowie alle möglichen Gefäß- formen aus Flechtwerk zu fertigen. Das Hauptmaterial unserer heimischen Flechtindustrie bilden die Weidenruten und das spanische Rohr, aber zu den schönsten Flechtarbeiten, die zum Teil recht hoch im Preise stehen, findet gerade ein Material Verwendung, das sich sonst keiner besonderen Wertschätzung erfreut. (Pflegt man doch unter einem Strohkopf nichts besseres als einen Hohlkopf zu verstehen). Indessen ist das Stroh gar ein gefügiges, bildsames Material, das in der Technik eine weit umfangreichere Verwendung findet, als viele glauben mögen. Die Kunst des Strohflechtens ist heute noch eine unbestrittene Domäne der Frauenwelt, denn noch hat keine Maschine versucht, mit den flinken, fleißigen und kunstfertigen Fingern der Flechterinnen zu konkurrieren. In der Kunst des Klöppelns, Stickens, Webens mußten die Frauen im Wettstreit mit den Maschinen, die von Jahr zu Jahr immer mehr vervollkommnet wurden, unterliegen, während die Strohflechterinnen von diesen bösen Konkurrenten verschont blieben. So ist es erklärlich, daß in vielen Fabrikationsgegenden die arbeitenden Frauen zur Flechterei übergingen und hier ein besseres Brot fanden als zuvor. Für Gewebe und Flechtarbeiten findet ausschließlich Weizen- und Roggenstroh Verwendung- die Halme werden vor der Reife abgeschnitten, an der Sonne bezw. durch Schwefel oder Chlor gebleicht und je nach ihrer Stärke für die Verarbeitung sortiert. Das beste, vollkommenste Strohgeflecht liefert Italien, deffen Boden besonders geschmeidige Halme erzeugt. Man baut hier für diese Zwecke eine besondere Abart des Sommerweizens, die ein sehr feines, elastisches Stroh, „Marzolano" genannt, liefert. Das kleine Toscana, das auch jetzt noch auf größeren Ausstellungen mit seinen geflochtenen Hüten, Körben- und Arbeitstaschen glänzt, bildete den Stammsitz dieser Industrie, welche sich von hier aus über alle industriellen Länder verbreitete. Man legt in Italien die Weizenfelder, welche der Industrie das Rohmaterial liefern, am liebsten auf Berg- und Hügelland an und meidet den schweren Boden. Man verfährt hier mit einigem Raffinement und säet sehr eng, um viele und recht schlanke Halme zu erhalten. Im Juni werden diese mit der Wurzel einzeln aus dem Boden geriffen, drei bis vier Tage sich selbst überwssen, um eine größere Zähigkeit zu erhalten, und nach Entfernung der fleckigen Halme in dünnen Bündeln von etwa 60 Gramm Gewicht zusammengebunden. Um sie bis zu einem Grade zu bleichen, werden diese Bündel etwa drei Wochen lang der Sonne und dem Tau ausgesetzt, aber sorgfältig vor Regen bewahrt. Ist dann die Zeit der Ernte herangekommen, so finden sich die Fabrikanten und Händler ein, um das Material zu mustern, zu prüfen und einzukaufen, was ihnen gut und wohlfeil erscheint. Der Preis von 100 Büscheln (Menata) schwankt zwischen 5 und 9 Frank. In anderen Strohindustrie treibenden Ländern wählte man sich das italienische Verfahren des Strohanbaues und der Verarbeitung zum Vorbild, ohne jedoch gleiche Erfolge zu erringen. Es fehlte die italienische Sonne, um ein gleich feines Material zu gewinnen, und an die Stelle der wirkungsvollen Naturbleiche muß in der Regel die künstliche Bleiche treten. Das Sortieren der Halme geschieht in neuerer Zeit häufig durch Maschinen. Die Halme werden in größeren Bündeln vertikal in Chlinder eingestellt, deren bewegliche Bodenplatten, den verschiedenen Halmenstärken entsprechend, perforiert sind. Durch einen geeigneten Mechanismus wird dann das ganze Plattenshstem in eine schüttelnde Bewegung versetzt, so daß die Halme, deren Stärke der Perforierung entspricht, hindurchfallen. Hierauf erfolgt noch eine weitere Sortierung der Halme nach deren Länge. Das Fußstück der Halme, welches auf dem Felde der unmittelbaren Einwirkung der Sonne entzogen ist, findet für Flechtarbeiten keine Verwendung und wird von dem oberen Teil getrennt. Der Halm nimmt nach der Aehre hin an Festigkeit und Elastizität zu, und das feinste Geflecht liefert die Spitze. Man pflegt daher die besseren künstlerischen Arbeiten auch als „Punta- geflecht" zu bezeichnen. Zu manchen Flechtwerken können die Halme ungeteilt verarbeitet werden- die Streifen werden also flach gepreßt und geglättet. Andere Geflechte bedingen die Zerlegung der Halme in vier, sechs und mehr Streifen, je nach der Feinheit der Arbeit. Aber weit mehr noch als durch diese Unterschiede in den Feinheitsgraden wird durch die Art der Verflechtung eins große Mannigfaltigkeit der Erzeugnisse erzielt, und es sind vorzüglich die toscanischen Mädchen, denen die Industrie die mannigfachsten reizvollen Muster verdankt. Das Zusammennähen der einzelnen Strohbänder zu Hüten erfolgt derart, daß die Fäden abwechselnd unter den Halmen des einen Bandes, dann wieder unter denen des anstoßenden zweiten Bandes hindurchgezogen werden, so daß der Faden nie sichtbar wird. Die Arbeit erfordert die besondere Aufmerksamkeit und die Sorgfalt der weiblichen Hand. Aber schließlich verlangt doch das Pressen und Bügeln männliche Kraft. Das für diese Arbeiten gebräuchliche Bügeleisen ist groß und schwer. Es hängt vor dem Arbeitstisch an einer beweglichen Stange, die an der Werkstattdecke befestigt ist. Und während die eine Hand des Arbeiters das Bügeleisen bewegt, muß die andere den über die hölzerne Form gespannten Hut drehen und wenden, wie es die Bewegung des Bügeleisens verlangt. Wohlfeilen Hüten giebt man durch dieses Verfahren in der Regel schon die endgültige Form, während andere, insbesondere die sehr vielgestaltigen Frauenhüte, noch „dressiert" werden müssen. Diesem Zwecke dient die sogenannte Dressiermaschine, deren Aufgabe es ist, den 260 Hut mit einer gewissen Kraft in ein entsprechendes Modell hineinzupresien. Diese Maschinen können natürlich sehr mannigfach konstruiert werden; aber ich will mich darauf beschränken, eine besonders sinnreiche zu beschreiben, welche von den Franzosen Mathias und Legat erfunden wurde. Die in einem vertikalen Zylinder, mit der Kopföffnung nach oben, ruhende Hutform besteht aus einem starken Metallblech und kann durch Dampfzusührung stark erhitzt werden. In diese Hohlform kommt der Hut und auf diesen ein schwerer, in Scharnieren beweglicher Metalldeckel. Die innere Seite des Deckels bildet eine Kautschukform, Mche in die Höhlung des Hutes hineivpaßt und durch heißes Wasser unter hohem Druck in diesen hineingepreßt wird. Das Wasser wird durch eine hinter dem Formzylinder befindliche hydraulische Presse in den Formdeckel hineingedrückt. Man wird sich vorstellen können, daß sich der Kautschuk bei dieser Operation fest an die Innenfläche des Hutes anlegt und diesen an die heißen Wände der Matrize Preßt. Aber dieser Vorgang erfordert weit geringere Zeit, als die Schilderung desselben in Anspruch nimmt, denn ein Arbeiter vermag auf dieser Maschine täglich 400 Hüte zu dressieren, während er früher durch Handarbeit bei kompliziertem Modell nur etwa 10 Hüten die gewünschte Form zu geben vermochte. In Italien beschränkt sich die Strohindustrie fast ausschließlich aus das toscanische Gebiet. Im übrigen ist die Industrie in Europa vorzüglich in Frankreich, der Schweiz, Belgien und Deutschland vertreten. In England wird fast ausschließlich ausländisches, besonders japanisches Stroh verarbeitet. Allerdingshat der Mittelpunkt der englischen Strohindustrie, die Stadt Luton im südlichen Bedfordshire, eine gewisse nationale Bedeutung erreicht. In den Webedistrikten des schlesischen Gebirgslandes bildet heute das Strohflechten, das erst vor einigen Jahren in Aufnahme kam, einen lohnenden Erwerbszweig für alle diejenigen Arbeiter, denen die mehr und mehr in Verfall geratende Weberei nicht mehr hinreichend Brot zu gewähren vermag. Namentlich wird das vorzügliche Material, welches der Boden liefert, sehr gerühmt- es ist so vorzüglich, daß die Halme zum Teil, selbst zu feineren Geflechten, ungefpaltet Verwendung finden können. Sonderbarer Weise hat man aber in vielen anderen Gegenden diesem für Frauen und Mädchen — welche ja eine bessere Verwertung ihrer Arbeitskraft unaufhörlich anstreben — lohnenden und lebensfähigen Erwerbszweig immer noch nicht die verdiente Aufmerksamkeit geschenkt. Die Strohindustrie gestattet nach der kunstgewerblichen Richtung eine gar weite Ausgestaltung, und es fehlt nur an hinreichend erfahrenen und einflußreichen Leuten, welche sich mit Interesse und mit einer gewissen Vorliebe für den Gegenstand der Aufgabe widmen. Ich möchte auch diese Aufgabe noch genauer präzisieren und die Anregung geben, in den'Kunstgewerbe- schulen ebenso gut wie die Kunstweberei auch nun die Kunstflechterei zu üben und so in Deutschland vorbildlich zu wirken. Zwar besitzen wir in Boden und Sachsen, wo die Strohindustrie sich am lebhaftesten entwickelt hat, sehr leistungsfähige Strohflechtschulen, aber das Interesse sür eine mehr künstlerische Betätigung auf diesem Gebiete wird doch nur von den Kunstgewerbeschulen und den Kunstgewerbevereinen ausgehen können. Vielleicht würde eine Ausstellung der schönsten Strohflechtarbeiten alter und neuer Zeit die wirksamste Anregung geben. Widerruf. In der letzten Nummer der Münchener „Jugend" veröffentlicht Chamisso folgenden Widerruf: „Meine Worte in den Ges. W. II. 22: „So denke ich, wird der ehrliche Kautz . . viele erfreuen", nehme ich hiermit eierlich zurück. Chamisso". * * Schnorrer: „Den seligen Herrn Großvater hab' ich gekannt, sogar an den Herrn Urgroßvater kann ich mich er- nnernund —" — Kommerzienrat: „Genug! Klettern Sie mir nicht fortwährend auf meinem Stammbaum rum!" * ♦ * Ein guter Kerl. Angefallener (zum Räuber): „Es thut mir sehr leid, daß ich kein Geld bei mir hab', aber ich werd' allen meinen wohlhabenden Freunden und Bekannten diesen Weg zum Spazierengehen empfehlen!" * * * Furchtbare Drohung. A. (der sich mit einem Sonntagsjäger gezankt): „Warten Sie nur, wenn Sie wieder auf die Jagd gehen, komm' ich auch hinaus und — schau' Ihnen zu!" * , Drohende Gefahr. „Wohin so eilig bet dem furchtbaren Gewitter, Frau Steuer - Inspektor ?" — „Um Gottes- Willen, halten Sie mich nicht auf — mein guter Name, mein Ruf steht auf dem Spiel!" — „Ja, aber wo müffen Sie denn so pünktlich sein?" — „Bet Amtsrichters — wir haben heut' Kaffeekränzchen!" LittevaVisehss. Die Wahl der Unterhaltungs-Lektüre bereitet den meisten Menschen nicht geringe Sorge. Es ist äußerst schwer, aus den jährlich neu erscheinenden Büchern das geeignete auszuwählen; Mißgriffe bleiben nicht aus, und je knapper einem die Zeit sür die Erholung bei einem guten Buche zugemessen ist, um so mehr verstimmen solche Mißgriffe. Wir möchten daher unsere Leser aus eine Reihe von Aufsätzen über Unter- Haltungs-Litteratur Hinweisen, die in der „Illustrierten Frauen» Zeitung" (Verlag von Franz Lipperheide in Berlin) veröffentlicht sind und sehr beachtenswerte Fingerzeige für die richtige Wahl der Lektüre enthalten. Der Verfasser ist der bekannte Litteratur-Kenner Adolf Bartels; er läßt alle hervorragenden Erscheinungen der Neuzeit Revue passieren und charakterisiert die einzelnen Werke in kurzer, treffender Weise. Wer sich dem bewährten Führer anvertraut, wird vor schlechten Erfahrungen bewahrt bleiben. — Das uns vorliegende achte Heft der „Illustrierten Frauen-Zeitung" enthält ferner eine Novelle „Aus den Papieren einer Einsamen" von Luise Westkirch und eine schlesische Dorfgeschichte „Hochwasser" von Bianca Bobertag, die als Kabinettstücke deutscher Erzählerkunst bezeichnet werden dürfen; außerdem eine interessante Skizze „Ein Korb voll Veilchen" von Frida Schanz und eine lustige Geschichte „In eisernen Fesseln" von Ant. Andrea. Dem achtzigjährigen Klaus Groth ist ein fesselnder Aufsatz von Adolf Bartels gewidmet. Die illustrative Ausstattung des Heftes ist wie immer mustergültig. Die soeben erschienene Nummer des bekannten illustrierten Wochenblattes für den gesamten Gartenbau „Die Gartenwelt" (Verlag von Gustav Schmidt, in Berlin SW.) bringt den Abonnenten eine prächtig ausgeführte Darstellung des neuen Veilchens „Kaiser Wilhelm II.", einer Neu-Züchtung des Herrn G. Marquardt in Zossen. Dieses Veilchen zeichnet sich durch ungemeine Reichblütigkeit aus, ferner durch die Größe der Blüten, welche diejenige eines Drei-Markstückes übertrifft, durch die herrliche Farbe und endlich durch einen ungemein köstlichen Duft. Für den Handelsgärtner ist das Veilchen nicht nur durch diese Vorzüge sehr willkommen, sondern es läßt sich schon früh im Winter im Warmhause treiben, sodaß es befähigt ist, den Import der Riviera-Veilchen wesentlich zurückzndrängen und dem deutschen Gärtner den Verdienst zuzusühren. Das Veilchen hat die Anerkennung unsers Kaisers in so hohem Maße gefunden, daß Se. Majestät dem Züchter gestattete, das Veilchen mit seinem Namen zu benennen. Marlin Frits. Getränkbuch. Zubereitung und Verwendung aller Arten flüssiger Nahrungs-, Genuß- und Heilmittel. Eine Ergänzung zu jedem Kochbuch. Franksurt a. M. Jaeger'sche Verlagsbuchhandlung. (Preis geb. Mk. 1,40). Der Verfasser steht auf entschieden anti-alkoholigem Standpunkte und giebt der Hausfrau Rezepte und Ratschläge in Masse zu gesunden und gesundheitsördernden Getränken. Er macht hier auf die Kennzeichen verdorbener und schlechter Getränke aufmerksam, so daß das vorliegende Buch thatsächlich jedem Hauswesen eine gute Stütze sein wird, umsomehr als dergleichen nicht in Kochbüchern gefunden wird. Das Buch ist hübsch ausgestattet und der Preis, im Verhältnis zu seiner Stärke, ein sehr mäßiger. Redaktion: 6. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'scheu UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.