Nachdruck verboten. Die Armenhausprinzessin. Roman von O. Elster. (Fortsetzung.) Die Oberhofmeisterin Gräfin Bittenfeld empfing die Generalin und Elsie. „Sie werden in Ihrer Hoheit eine edle, hochherzige Frau kennen lernen, mein liebes Kind," sprach die Gräfin ermunternd zu Elsie. „Sie werden Ihre Hoheit erfreuen, wenn Sie ohne Scheu und Furcht vor Ihre Hoheit treten." Elsie verbarg ein leichtes Lächeln. Sie fühlte keine Scheu und Furcht mehr, seitdem sie die dunklen Augen des Fürsten in flammender Begeisterung auf sich ruhen gefühlt, seit sie sein Lob vernommen und seinen warmen, innigen Händedruck empfunden. Sie befand sich in einer geistig gehobenen Stimmung- sie war entschlossen, das Höchste zu erreichen und sie traute sich die Kraft zu dem Kampfe, zu dem Siege zu. Auch die mahnenden Worte der Generalin, deren klugen Augen die Gefahr nicht verborgen blieb, welche Elsie bedrohte, vermochten ihren Mut, ihr Selbstvertrauen, ihren festen Entschluß nicht wankend zu machen. Stolz erhobenen Hauptes trat sie an der Seite der Oberhofmeisterin in das Gemach der Herzogin. Eine grünliche Dämmerung umfing sie. Die hohen Fenster des nach dem Parke hinausgehenden Gemaches waren durch Palmen und breitblätterige Pflanzen halb verhüllt, so daß das Tageslicht nur gedämpft fin das Zimmer fallen konnte. Im ersten Augenblick unterschied Elsie keine Einzelheit. Sie verbeugte sich tief vor einer in einem Sessel ruhenden, schwarzgekleideten Frauengestalt und vernahm wie aus weiter Ferne die Worte der Gräfin Bittenfeld: „Ich habe die Ehre, Eurer Hoheit, Fräulein Elsie Hannecken vorzustellen, über deren musikalische Begabung ich Euer Hoheit berichten durfte." Eine weiche, mild-ernste Stimme von wunderbarem »88 i * M ÄL W fs> ist mit Meinungen, die man wagt, wie mit Steinen, die man voran im Brett bewegt: sie können geschlagen werden, aber sie haben ein Spiel eingeleitet, das gewonnen wird. Göthe. Wohlklang entgegnete: „Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, mein Kind. Treten Sie näher!" Eine schmale, blasse Krankenhand streckte sich Elste entgegen, die sie ergriff und sich tief verbeugend küßte. Erst jetzt hatten sich ihre Augen an die grünliche Dämmerung gewöhnt, und sie sah in das gütige, blasse Antlitz der Fürstin, zugleich aber auch in das dunkle Auge des Herzogs, der neben dem Sessel seiner Mutter stand und Elsie ermutigend zulächelte. „Mein Sohn hat mich auf Ihren Gesang neugierig gemacht, mein Kind," fuhr die Herzogin freundlich fort. „Sie sind noch sehr jung — achtzehn Jahr, wie man mir sagte — in diesem Alter eine fertige Künstlerin zu sein, ist sehr selten. Nur dem Genie gelingt es, sich so frühzeitig zur Höhe der Kunst emporzuschwingen. Ihre Jugend ist traurig gewesen, hat man mir erzählt, aber das Leben ist lang, und besser trübe Erfahrungen in der Jugend, als ein freudloses Alter. — Darf ich Sie bitten, mein Kind, mir einige Lieder zu fingen?" „Welche Lieder befehlen Eure Hoheit?" „Einfache Lieder von Schumann und Schubert sind mir die liebsten." Tie Oberhosmeisterin führte Elsie zu dem Flügel, neben dem ein Professor der Herzoglichen Musik - Akademie stand. Zwei Damen der Herzogin, Fräulein von Prangen und Fräulein von Homberg, blätterten leise in den auf dem Flügel liegenden Noten. Elste war durch die leidensvolle Gestalt der fürstlichen Dulderin tief ergriffen. Blitzartig schoß ihr der Gedanke durch die Seele, wie wertlos doch alle, selbst die glänzendsten Aeußerlichkeiten dieser Welt seien — doch im nächsten Augenblick begegnete sie dem aufleuchtenden Blick des Herzogs und aller Kleinmut, alle Aengstlichkeit waren aus ihrer Seele, ihrem Herzen verschwunden. Lautlose Stille herrschte in dem halbdunkleu Gemach. Nur durch das Fenster zur Seite des Flügels ergoß sich ein breiter Lichtstrom, umflutete die schlanke Gestalt der Sängerin und ruhte mit verklärendem Schein auf ihren goldenen Locken. Glockenrein klang Elsies Stimme durch die Stille; der Professor, welcher sie begleitete, nickte oft zustimmend mit dem Haupte und blickte begeistert zu seiner Schülerin empor. So herrlich, so innig, so schmelzend und rein hatte Elste noch niemals gesungen. Als sie geendet, blieb sie mit gesenktem Haupt am Flügel stehen. 142 Eine Weile der andachtsvollen Stille folgte, dann sprach , die Kniee, ihre Hände küssend und Worte des Dankes die leise »itternde Stimme der Herzogin: „Kommen Sie zu I stammelnd. mir, mein Kind, daß ich einen Kuß auf Ihre Stirn drücke. Die Herzogin streichelte die Locken der vor ihr Knieenden Sie haben mich tief ergriffen, Sie haben mir eine wahre I mit zärtlicher Hand. ftenensfreube bereitet." Der Herzog aber rief: „Das ist ein vortrefflicher Ge- «'S - iSSÄSÄ »Das Winterlied, gnädiges Fraulein, bat der Herzog, Der Herzog wandte sich in leicht nervöser Ungeduld ab, Während Elsie sang, bückte sie in den Park hinauv. I e{n ^fühl der Schuld. Doch mit magnetischer Gewalt wurde ihr Blick von den auf I Das wäre also abgemacht," fuhr er lebhaft fort, ihr ruhenden Augen des Herzogs angezogen- sie vermochte I tlj) bedauere, Fräulein Elfte auf meiner Bühne den Blick nicht mehr abzuwenden und so ruhten ihre Augen „ ' ' ejni entbehren zu müssen, so ist mir doch ineinander, die feinigen in flammender Leidenschaft aufleuch- 1 2gunt* teuerste Mama, Befehl. Du mußt mir nur tend, die ihrigen sieghaft glänzend und dann sanft hingebend, 1 er(aubei botl Qett zu Zeit mich an dem Gesang Fräulein als die letzten Töne des sehnsuchtsvollen Liedes verhallten. * erfreuen zu dürfen." Die Herzogin, die schmalen, blassen Hände auf die Lehne I Die Erlaubnis gewähre ich gern," erwiderte die Herdes Sessels gelegt, blickte in trübem Sinnen verloren starr I Jog{n täd)eInb. „Liebe Gräfin," wandte sie sich dann an vor sich nieder. Ein tiefer Seufzer hob ihre Brust und I bie Oberhofmeisterin, „tragen Sie dafür Sorge, daß einige leise flüsterte sie: „Breit'Deine Arme aus, damit es Frühling | ßimmer jör Fräulein Elsie in Bereitschaft gesetzt werden, werde ..." I Wann wollen Sie in das Schloß übersiedeln, mein Kind?" Niemanv wagte die weihevolle Stille zu unterbrechen. 1 „Wann Euer Hoheit befehlen . . ." Wie ein Geisterhauch erklang die flüsternde Stimme der I „Nun bann, so denke ich, bereits übermorgen. Sind kranken Fürstin durch das Gemach und hallte erschauernd I Sie einverstanden, Excellenz?" wieder in dem Herzen Elftes. i Frau von Hannecken verbeugte sich zustimmend. „Sie müssen mich oft, sehr oft durch Ihren Gesang et- I „Auf Wiedersehen denn und nochmals meinen Dank." freuen und erquicken, mein Kind," nahm die Herzogin nach | Die Herzogin reichte Elfte die Hand, welche diese tief- einer Weile das Wort. „Es ist so einsam um mich geworden, I bewegt küßte. bie Musik allein ist mir eine treue Gefährtin geblieben. I Frau von Hannecken verneigte sich tief, der Herzog ge- Aber Sie wollen sich der Bühne widmen, Ruhm und Lorbeeren I leitete die Damen bis zur Thür. „Auf Wiedersehen, auf erwarten Sie, da werden Sie kaum Zeit und Lust haben, I baldiges Wiedersehen," flüsterte er Elsie zu- dann verbeugte einer einsamen, alten Frau die trüben Stunden zu verkürzen." I er sich artig und trat zurück. „Hoheit haben über mich zu befehlen!" Die Thür schloß sich und hochaufatmend stand Elfte „Oh, nicht so, mein Kind, nicht so. Wo die Kunst Sie I wieder in dem Hellen, in kaltem Glanz prangenden Vorruft, gilt mein Wort nichts. Aber der Weg zu den Höhen I zimmer. der Kunst ist steil und dornenvoll. Wie viele erreichen den j Frau von Hannecken zeigte ein sehr ernstes Gesicht. Gipfel? Wie viele sinken auf dem Fluge der Sonne ent- I Erst als man im Wagen saß, begann sie zu sprechen. gegen mit versengten Schwingen in die Tiefe der Nacht I „Sie haben Glück, mein Kind," sagte sie in ernstem zurück. Möge der Himmel Ihnen beistehen auf dem gefähr- I Ton. „Im Schutz der gütigen Herzogin werden Sie Ihr lichen Wege. Sie sind noch jung, Sie haben noch einen I Ziel bald erreichen. Aber ich möchte Sie warnen, auf Ihren weiten Weg, ein langes Leben vor sich, könnten Sie sich ent- I Erfolg, auf Ihr Glück nicht stolz zu werden. Der Boden schließen, ein Jahr, ein kurzes Jahr Ihres Lebens zu opfern, I eines Fürstenhofes ist ein gefahrvolles Terrain, besonders für um mich in meiner Einsamkeit zu erquicken?" I ein so lebhaft empfindendes und schönes Mädchen, wie Sie. „Wie soll ich Euer Hoheit verstehen? " — fragte Elsie I Denken Sie stets an Ihre Zukunft. Denken Sie stets daran, in atemloser Spannung, denn sie glaubte die Absicht der I daß Sie aus niederem Stande entsprossen sind, daß nur die Fürstin zu erraten und jubelte im Innern ihres Herzens auf. I Gnade einer edlen Fürstin Sie auf diesen erhöhten Platz „Ich möchte Sie vorläufig auf ein Jahr an mich gestellt hat, von dem ein einziger Fehltritt Sie wieder entfesseln," fuhr die Herzogin lächelnd fort. „Sie sollen hier fernen kann auf ewige Zeit. Halten Sie fich fern von Stolz bei mir bleiben, Sie sollen mir vorlesen, spielen und singen | und ehrgeizigen Plänen. Bleiben Sre, was Sie bisher — ich möchte mich an Ihrer taufrischen Jugend, an Ihrer waren: ein einfaches, bescheidenes Mädchen, das nichts besitzt Sanqeskunft erfreuen, aufrichten, erquicken. Während der I als seine Schönheit, seine Kunst und seine Ehre. Zeit könnten Sie Ihre Studien vollenden, könnten sich | Noch mehr sprach die Generalin in strengem, ernsten Ton. weiter ausbilben — ich werde dafür schon Sorge tragen — I Aber Elsie hörte kaum auf ihre Worte, die wie ferne und später, wenn Sie es in der dumpfen Enge meines I Windeswehen an ihrem Ohr vorüberrauschten. In ihrem Krankenzimmers nicht mehr auszuhalten vermögen, wenn es I Herzen tönte nur das letzte, leidenschaftliche Wort des Sie drängt, die Schwingen zu freierem Fluge zu entfalten, I Herzogs nach: „Auf Wiedersehen — auf baldiges Wieder- dann werbe ich bas Singvögelchen nicht länger zurückhalten, I sehen ..." t ... , , dann mögen Sie hinausfliegen in bie Welt, in bas Leben I Schweigenb ward der letzte Teil der Fahrt zurückgelegt. — ich gebe Sie frei, und meine Segenswünsche werden Sie I Als, zu Hause angelangt, Elsie der Generalin beim begleiten ..." I Ablegen des Mantels behilflich sem wollte, wehrte diese dem Tief erschüttert sank Elsie vor der gütigen Fürstin auf | jungen Mädchen und meinte mit etwas bitterem Lächeln. 143 „Eine junge Dame Ihrer Hoheit der Herzogin braucht solche Dienste nicht mehr zu leisten." Elsie neigte schweigend das Haupt. Die halb scherzenden Worte verletzten sie und erweckten in ihrem Herzen ein trotziges Gefühl. Sie ahnte, daß die Gnade der Herzogin ihr manche Kämpfe, Neid und Haß eintragen würde, aber sie fühlte auch Kraft und Mut, alle diese Feindseligkeiten der Welt, die ihr, der niedrig geborenen Armenhaus-Prinzessin, die Bevorzugung mißgönnte, zu überwinden. „Ein junger Herr, ein Bekannter des gnädigen Fräuleins, wünscht das gnädige Fräulein zu sprechen," meldete der Diener, welcher Elsie den Mantel abnahm. „Ein Herr?" „Hier ist seine Karte. Der Herr wartet im Salon .. " Elsie erschrak freudig. „Paul Ahrens?!" rief sie Halblaut. „Der Sohn des Rektors?" fragte Frau von Hannecken. „Ja — gnädige Frau erlauben?" „Gewiß. Gehen Sie nur." Elsie eilte in den Salon. Beide Hände streckte sie mit herzlicher Geberde dem schlanken, jungen Manne entgegen, der freudig erregt auf sie zutrat und ihre beiden Hände ergriff. Wie seine Augen leuchteten! Wie erstaunt, erschreckt und doch bewundernd sein Blick auf der herrlich erblühten Gestalt der Jugendfreundin ruhte. „Elfte!" rief er halblaut. „Endlich seh ich Dich wieder, Paul!" stieß Elfte, mit den Thränen der Rührung kämpfend, hervor. „Oh, wenn Du wüßtest, wie oft ich an Dich gedacht habe!" „Wirklich? In dieser Umgebung, in diesem Leben voll Glanz und Glück hast Du an den armen Studenten gedacht ?" Sie drückte seine Hände. „Setze Dich zu mir, Paul. Ich habe Dir viel, unendlich viel zu erzählen." Hand in Hand saßen sie unter den brettblätterigen Palmen, die sich über dem kleinen Eckdivan wölbten, Hand in Hand und Auge in Auge, wie sie früher unter dem großen Apfelbaum im Rektorsgarten, unter der breitästtgen Buche am Saume des heimatlichen Waldes geseffen hatten. Und Elsie erzählte von ihrem Leben und Streben. Bon ihrer Kunst und ihren Triumphen. Von dem Herzog und der gütigen Herzogin, die sie jetzt zu sich auf das Schloß nehmen wollte, die für sie sorgen wollte, daß sie eine große, berühmte Künstlerin werden konnte. Ihre Lippen floffen über von Begeisterung für ihre Kunst, für das herrliche Leben in der großen Welt, für den Herzog, für die Herzogin, die gütige, milde, großherzige Fürstin. Elsie bemerkte bei ihren begeisterten Worten nicht, daß Paul ihre Hände freigelassen, daß er den Kopf sinken ließ, und daß sein Antlitz einen ernsten, trüben Zug angenommen. Als Elsie geendet und den Freund erstaunt ansah, seufzte dieser auf und sprach leise: „Du gehst einem herrlichen Leben entgegen, Elsie — da ist das beste, ich reise, so rasch ich vermag, weiter." „Aber Paul!" „Du wirst mich vergessen!" „Niemals!" „Du mußt mich vergessen, Elsie. Du kannst, Du darfst den Traum unserer Jugend nicht weiter träumen, willst Du Dein Ziel erreichen. Ich würde Dich hemmen, ich würde Dir eine Fessel sein auf dem Fluge der Sonne zu. — Lebewohl, Elfte . . ." „Paul, ich bitte Dich . . ." Der junge Student erhob sich. „Lebewohl, Elsie, fuhr er fort. „Ich bin auf der Fahrt nach der Heimat begriffen, das Weihnachtssest will ich bei meinen Eltern feiern, — ich hoffte, Du würdest mich begleiten. — Das ist nun vorüber, — lebewohl. . ." »Du zürnst mir, Paul? Ich habe doch kein Unrecht begangen?" „Gewiß nicht, Elsie! — Noch nicht — wer weiß, wie alles kommt im Leben, — ich wünsche Dir, daß Du Dein Ziel erreichen mögest, — unsere Wege trennen fich hier, — lebewohl." Er drückte ihr noch einmal die Hand, dann entfernte er sich rasch. Elsie wollte ihm nacheilen, ihn zurückrufen, doch dann tampfte sie leicht mit dem Fuße auf, warf mit trotziger Geberde das Haupt zurück und wandte sich ab. Mochte er gehen, er verstand sie nicht mehr! (Fortsetzung folgt.) Bemerkenswerte Winke für Kakao-Liebhaber. Obwohl der Kakao als Nahrungsmittel sich einer immer besseren Würdigung erfreut und immer allgemeiner in Gebrauch kommt, herrscht über sein wahres Wesen, seinen normalen Geschmack und seine zweckmäßige Behandlung doch noch große Unklarheit. Diese zu beseitigen liegt im öffentlichen Interesse. Was zunächst die Bestandteile des Kakao betrifft, so ilnden sich in ihm in wechselnden Mengen: Stärkemehl, Eiweißkörper, Fett, Cellulose, Rohr- und Traubenzucker, Kakaorot, Theobromin (Sinne gab dem Kakaobaum den Namen Theo- brama, d. h. Götterspeise), Wasser und mineralische Stoffe. Dem Gehalt an Eiweißkörpern (>4 bis 21 Prozent) verdankt der Kakao seinen Nährwert, dem Kakaorot verdankt er die rötliche Farbe und seinen eigentümlichen Geschmack und dem Theobromin, einem dem Kaffem ähnlichen Alkaloid, seine nervenbelebende Wirkung. Das Fett, das bis zu 50 Prozent in den Kernen enthalten ist, kommt als Kakaobutter in den Handel. Die Verdaulichkeit des Kakao hängt von dem Grade seiner Entfettung oder Entölung ab, die durch heißes Auspressen bewirkt wird. Gänzlich entfetten aber läßt fich der Kakao nur durch chemische Mittel. Als vor vielen Jahrzehnten die Holländer anfingen, einen sogenannten entölten Kakao herzustellen, konnte man den Bohnen doch nur einen verhältnismäßig geringen Teil ihres natürlichen Fettgehaltes entziehen und nach wie vor bildete sich beim Aufbrühen des Kakaopulvers in der Taffe eine dicke Fettschicht. Da man nun den Widerspruch zwischen der Bezeichnung „Entölter Kakao" und dem immerhin noch hohen Oelgehalt des Pulvers verdecken wollte, viele Leute auch die Fettaugen auf dem Getränk unangenehm empfinden, so kam man auf den Gedanken, das Fett durch Zusatz von Pottasche, Salmiak rc. eine Verbindung mit dem Wafler eingehen zu laffen. Die auf diese Weise entstehende Lauge bildet begreiflicherweise nicht gerade ein begehrenswertes Genußmittel. Wenn nun auch diese Lauge verdampft wurde, so blieben doch genug Rückstände in dem Kakaopulver, um einen laugigen Geruch beim Aufbrühen zu verursachen. Um diesem Uebelstand entgegen zu wirken und das durch das Auslaugen vernichtete natürliche Aroma des Kakaopulvers zu ersetzen, fügte man diesem stark riechende Gewürze, wie Cardamom, Macisnüsse u. dgl. bei. So kam es, daß außer de« Fabrikanten nur selten jemand einen Begriff von dem rein natürlichen Geschmack des Kakao hatte. Was man als Geschmack und Aroma deS Kakao angesehen hat, war nichts als fremdartige Würze, zu der die Kakaobohne nur die Unterlage oder den Träger lieferte. In neuerer Zeit hat man gefunden, daß sich die vollkommene Löslichkeit der Kakaopulver auch durch ein anderes Verfahren erzielen läßt, das auch noch den Vorteil mit fich bringt, daß die Bildung brenzlicher Stoffe, die das Aroma verderben, sowie das Unverdaulichwerden der Eiweißbestandteile dadurch verhütet wird. Hiernach wäre es heutzutage wohl möglich, die Anwendung von starker Lauge zu unterlaffen, ebenso wie den — 144 Zusatz von Gewürzen. Das Publikum ist aber derartig an den Geschmack des gelaugten und parfümierten Kakaos gewöhnt daß es die Fabrikanten im Geschäftsinteresse nicht für thunlich erachten, ihren Kunden den unaufgeschlossenen entölten Kakao, welcher den intensiven Geschmack der reinen Kakaobohne hat, anzubieten und es vorziehen, an dem alten Fehler festzuhalten. Es wäre hohe Zeit, in dieser Hinsicht Wandel zu schaffen und gegen jenen Uebelstand anzukämpfen, d. h. den Versuch zu machen, eine Umbildung der in Deutschland herschenden Geschmacksrichtung herbeizuführen. Bemerkt sei dabei noch, daß man in England und Amerika, wo weit mehr Kakao getrunken wird als in Deutschland, schon längst nur ungelaugten oder „unpräparierten" Kakao kennt. Kost und Logis. Die Grundbedingung für das körperliche und geistige Wohlbefinden des Menschen ist die geregelte Lebensweise. Die Wahrheit dieses Satzes, so schreibt die „Bäcker- und Konditor Ztg.", wird uns auf Schritt und Tritt klar beim Anblick der verschiedensten Passanten der Straße. Das Fabrik- mädchen z. B., welches infolge seiner „Freiheit" mehr Verkehr" übt und dazu den „nötigen" Putz sür ihren Arbeitslohn kauft, hat selten zu warmer Kost Geld übrig, es fristet sein Dasein mit Kaffee, Brot oder gelegentlichen Mahlzeiten, während das Dienstmädchen in erster Reihe gehörige Nahrung erhält in regelmäßigen Pausen und in richtiger Menge. Deshalb wacht sie einen frischen, gesunden Eindruck, während das Fabrikmädchen oft hohlwangig und bleich aussieht und viel weniger Kräfte besitzt. Einsichtsvolle Eltern, welche ihre Söhne zur Schule oder in solche Lehren schicken, wo Kost nicht geboten wird, geben mit Vorliebe die Söhne in volle Pension. Das heißt, sie mieten sie in Familien ein, wo sie neben der Wohnung alle Mahlzeiten erhalten. Dadurch werden die jungen Leute, welche oft schon „bärtig" sind, bewahrt vor — Nahrungssorgeu. Mag der Herr Sohn ruhig ohne Geld sein, warum verstand er die Einteilung nicht besser, mag er also warten bis wieder Zahltag ist: gegen den Hunger ist er ja geschützt, das nötigste hat er, nämlich Kost und Logis. Den vollen Wert dieser ordnungsmäßigen Lebensweise erfaßt man, wenn man liest, wie der Kreisphyflkus Dr. Schilling in der Zeitschrift sür Medizinalbeamte sich darüber ausläßt. Es ist da die Rede von den sogenannten Sachsengängern, welche infolge ungenügender Nahrung schwach und siech find. Dr. Schilling beklagt es, daß die Leute vom Arbeitgeber nicht die warme Kost erhalten. Das ist die Folge davon, daß die Leute vollen Lohn verlangen und erhalten. Ferner heißt es da, „manches Unglück, herbeigeführt durch die Maschinen (landwirtschaftliche) usw., würde verhütet, wenn die Leute nicht so ermüdet wären". — Sie sind eben aus Mangel an richtiger Kost zur Arbeit zu schwach. Die gleiche Bemerkung kann man im Leben oft wachen. Nehmen wir die Bäckerlehrlinge her, welche bei ihrem Meister in Kost und Logis sind, so haben wir dem Alter nach im Durchschnitt kernige Burschen vor uns, obwohl viele von ihnen schlecht genährt in die Lehre traten. Gleichalterige Lehrlinge, z. B. Schreiber, welche „sich selbst beköstigen", sehen dagegen wie Spinnen aus. Das ganze menschliche Leben läuft ja auf die Ernährungsfrage hinaus. Wenn wir auch nicht leben, um zu essen, so essen wir doch, um zu leben. Also wer leben will, muß richtig essen. Wer das nicht in seiner Familie haben kann, thut gut, das regelmäßige Kostwesen zu nehmen, wo er es findet. GsineinniWges. Maschinenteile vor Rost zu schützen. Will man blanke Maschinenteile vor Rost schützen, so bestreiche man diese mit einer Lösung von Wachs in warmem Terpentinöl. Die angewendete Menge Wachs muß so groß sein, um mit dem Terpentinöl eine ziemlich steife Masse zu bilden. Der Ueberzug ist kaum sichtbar und muß von Zeit zu Zeit erneuert werden. Auffrischung alter in Golvrahmen eingesatzter Oelgemälde. Man reinige mit frischem Wosser und weiche« Lappen das ganze Bild, bestreiche mit weichem Pinsel das Gemälde mit Dammarlack, welcher mit etwas Terpentinöl verdünnt wird. Nachdem dieses getrocknet, nimmt man sogenannte Wasservergoldung, befeuchtet diese mit Wasser und streicht die Rahmen an. — Beide Artikel sind in jeder besseren Drogerie zu haben/ letzteres wird auch oft auf Mssen und Märkten ausgeboten. Für 20 Pfennig Dammarlack und für 30 Pfennig Wasservergoldung lassen sich fünf bis sechs große Bilder erneuern. Kesundheitspffege. Schnupfen, Husten re. würde weniger vorkommen, selbst die böse Grippe würde die Menschheit weniger quälen, wenn man nach dem Aufenthalt im Freien zur rauhen Jahreszeit eine Tasse Bouillon von Liebigs Fleisch-Extrakt zu sich nimmt, eine Stärkung, die nur nützen kann, nie schadet! Gegen Jnflnenza. Ein gutes Hausmittel gegen Influenza soll das Psifferminzöl sein, welches namentlich durch seinen Gehalt an Kampher die Herzthätigkeit fördern soll. Ein rechtzeitiges Klystier mit Wasser, welches Zimmertemperatur hat, soll die Influenza ungemein abkürzen. Daneben ist der Genuß von Obst, namentlich Bratäpfeln, sehr zu empfehlen. Bratäpfel sind überhaupt ein ausgezeichnetes Schutzmittel gegen viele Krankheiten, welche der Winter mit sich bringt. Wie behauvelt mau Frostbeulen uuv Frost- wuuden? Man bepinselt sie mit einer Mischung von 20 Gramm Kollodium, 5 Gramm Jodtinktur und zwei Tropfen 01. Ricini. i ie entzündeten Glieder sind in gleichmäßiger Wärme zu halten. Offene oder eiternde Frostwunden wischt man ein- bis zweimal täglich mit sommerwarmem Wasser. Nach vorsichtigem Trocknen wird die Wunde jedesmal nut feinge- pulverter Borsäure bestreut und gegen Zutritt von Staub verbunden. Wenn sich sogenanntes wildes Fleisch zeigen sollte, so kann anstatt Borsäure ein- bis zweimal Jodoform für P/s bis 2 Stunden aufgcstreut werden. Gegen eine rote, erfrorene Nase. Ein vorzügliches Mittel gegen eine rote, erfrorene Nase ist eine Salbe, die man sich aus geschabter, trockener Kreide und Leinöl selbst bereiten kann. Man streicht dieselbe auf ein Leinwandläppchen und legt sie tagsüber öfter frisch auf. Ein allabendliches Einreiben der Nase mit Karbolsalbe ist auch von vorzüglicher Wirkung/ mehrere Monate fortgesetzt, beseitigt dieselbe den Frost und die damit verbundene Röte vollständig. Kür die Küche. Steinpilze auf russische Art. Bereitungszeit eine Stunde. — Die erforderliche Menge der Steinpilze wird geputzt, in Stücke geschnitten, gewaschen und mit 70 Gramm Butter, 15 Gramm Liebigs Fleisch Extrakt, in einer Kasserolle 15 Minuten geschmort. — Mit einem Löffel Mehl bestäubt, überfüllt man sie mit einem viertel Liter saurem Rahm, würzt sie mit Salz und Pfi ffer und läßt sie nach und nach vollends weicbdämpfen, falls die Sauce zu dick werden sollte, noch einen Löffel Rahm zugcbend. — Man liebt es, dies vorzügliche Gemüse in kleiner, silberner Kasserolle, oder in einem Silberrand anzurichten. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.