Donnerstag den 9. Februar iW A p» 1 I. M. ». Sailer. sein. Ist das Gesicht der Seele Schatten nur und Schein: Kann das Portrait nichts als des Schattens Schatten (Nachdruck verboten) Gesühnte Schuld. Roman von Alexander Römer. (Fortsetzung.) Hertha fuhr zusammen und erbleichte. Ihre Bewegung und ihr Farbenwechsel waren so ersichtlich, daß sie ihrem Besucher, der jetzt aufblickte, nicht entgehen konnten. „Warum? Wie kommen Sie zu dem plötzlichen Entschluß? Ich dachte —" Hertha stotterte, und die Farbe kam und ging auf ihren Wangen. „Warum?" wiederholte er mit einem schmerzlichen Lächeln um seinen Mund. „Weil ich hier nichts mehr zu thun und zu hoffen habe. Der Heimatlose konnte auch nicht erwarten, hier eine Heimat zu finden." Sie trat hastig auf ihn zu und reichte ihm ihre beiden Hände, die er langsam mit einem tiefen Blick in ihre Augen ergriff. „Heimatlos? Nichts mehr zu hoffen?" „Wer sind Sie?" setzte sie leise hinzu. „Sie sind kein Amerikaner und tragen einen Namen, der nicht Ihr wahrer ist." „Und wenn dem so wäre — warum nehmen Sie überhaupt Anteil an mir?" Er stand hoch aufgerichtet, sein Atem ging schnell. „Ja, ich nehme Anteil an Ihnen, und kann man da fragen, warum? Weil" — sie hielt ihre Augen gesenkt — „weil — ja, können Sie denn die feinen magnetischen Fäden, welche den einen Menschen an den anderen binden, enträtseln?" Er ließ ihre Hände los und schüttelte den Kopf. „Komtesse,' lassen Sie ab," sagte er fast rauh, „treiben Sie nicht ihr Spiel mit mir. Sie wissen allerdings nicht, zu wem Sie sprechen. Ja — ich trug einst einen anderen Namen und befleckte ihn. Ich deckte leichtsinnig eingegangene Ehrenschulden mit fremdem Geld — man nennt das mit dem häßlichen Wort „Diebstahl" — ich that es für einen anderen, für einen Freund, den ich retten wollte, rechnete auf Verständnis und Milde bei Blutsverwandten — die Rechnung war falsch, ich richtete den Freund und mich zu Grunde. Da ging ich in ein fremdes Land unter falschem Nomen und lebte da, so gut es ging. Wo fände sich eine Brücke von Ihnen zu einem solchen Manne?" Hertha stand vor ihm mit wogender Brust und glänzenden Augen. Ihre Wangen glühten. „Ich danke Ihnen für das Vertrauen, welches Sie mir schenken," sagte sie mit fliegendem Atem. „Diese Beichte legen Sie doch wohl nur dem Mädchen ab, welches Sie —" „Lieben," ergänzte er. „Sie haben Recht, Komtesse, wenn Sie das Geständnis noch von meinen Lippen hören wollen." „Mr. White! Oh, mein Gott! Ist es wirklich so — Sie — Sie —" Er trat einen Schritt zurück. „Halt! Komtesse — überlegen Sie, bitte, vergegenwärtigen Sie fich den Effekt in Ihren Kreisen, das Gesicht Ihres Herrn Vormundes bei der Eröffnung, daß Sie sich mit einem Abenteurer — denn so nennt man solche Menschen, die eine Vergangenheit haben wie die meine — einem bürgerlichen Mr. White, der Ihnen nichts zu bieten hat, auch nicht einmal Reichtum, denn mein bescheidenes Vermögen ist durch ein kürzlich eingetretenes Ereignis zusammengeschmolzen — daß Sie sich mit einem solchen Menschen verbinden wollen." Hertha stand vor ihm und sah ihm in die Augen. Sie gewahrte hinter seinem bittern Sarkasmus das Auflodern einer starken Leidenschaft, sie sah den Kampf in dieser großen Seele, und der ganze Heroismus ihrer Natur erwachte. „Und soll ich Ihnen sagen, was ich all diesen Menschen antworten würde, wenn sie mir meine Liebe und meine Wahl anfechten wollten? Für mich gilt nur der Mensch allein, wer er ist, nicht was er ist. Ich kenne keine Vorurteile und will mich nicht durch sie in Feffeln schlagen lassen. Diese unversuchten Tugendhelden stelle ich kein Jota höher als den, der sich von seinem Fall aufrichtete und zu der Höhe emporkämpfte, auf der er jetzt steht. Und ich liebe nur einen, der ist größer, besser und stärker als ich, und ich kann zu ihm aufschauen, diesen —" Sie hielt inne und forschte in seinem Gesicht. Es schüttelte ihn, den Starken, wie Fieberfrost. „Diesen einen — wo finden Sie den Komtesse?" „Ich habe ihn gefunden," jubelte Hertha, „wenn er es nur leiden will, so bekenne ich mich zu ihm vor aller Welt und bin und bleibe sein Eigen für Zeit und Ewigkeit. 82 „Hertha!" Es kam wie ein Schrei aus Hans von Trotts Munde, er breitete die Arme aus, und riß sie an seine Brust. Sie lag da unter Lachen und Weinen. „O, Du undurchdringlicher, eiserner Mann, wie hast Du mich und mein eigensinniges, selbstherrliches Herz bezwungen, daß ich nun nichts mehr will, als für Dich leben und bei Dir sein." Durch seinen Körper ging noch ein Beben. „Ich kann es nicht glauben," sagte er dumpf. „Du wirft es glauben, aber — wenn ich nun meinem Vormund meine Verlobung melde und um seine vormundschaftliche Einwilligung bitte, da muß ich ihm doch den wahren Namen meines Liebsten nennen können — so gleichgültig es mir auch ist, ob er Mr. White oder anders heißt, aber Baron von Trott wird den Namen wissen wollen." Hans sah sie mit einem verklärten Blick an und lächelte. . „Sage ihm nur, Du habest Dich mit Mr. White verlobt, er kennt meinen wahren Namen. Ob Du ihm aber eine Freude machst mit der Nachricht —" Sie sah ihn starr an, als ob ihr allerlei neue Gedanken heraufdämmerten. Er aber schlang jetzt seinen Arm um sie und küßte sie heiß. „Ich verlange viel, ich verlange Unerhörtes von Dir, Hertha," rief er bewegt, „aber Du, die Du so viel gabst, habe jetzt noch ein kleines Weilchen Geduld, hören wir, was Baron Jobst antwortete Auch ich werde ihm schreiben." Sie sank in einen Stuhl und schlang die Hände in einander. „Wunderbar, wunderbar!" wiederholte sie, „nun, es sei! Ich verspreche Dir, auch zu warten. Sage mir nur das eine — müssen wir hiuübergehen in den fremden Weltteil?" „Du würdest mir also dahin folgen?" „Selbstverständlich — bis an das Ende der Welt!" „Hertha! warten wir — vielleicht brauche ich das Opfer nicht von Dir zu fordern." Er kniete zu ihren Füßen, die zurückgedämmte Bewegung übermannte ihn, er barg das Haupt an ihrer Brust. Wie der starke Mann zitterte, ihre weiche Hand strich liebkosend über seinen Scheitel. „Nun bist Du nicht mehr heimatlos," flüsterte sie, „an meinem Herzen ist fortan Deine Heimat." Am anderen Morgen erhielt sie ein Billet vom Baron Jobst, das ihr seine Ankunft in Berlin meldete, von seinem gewohnten Absteigequartier aus datiert. Er wollte zunächst Albert aufsuchen, und dann später, um mittag, zu ihr kommen. Wie wild ihr das Herz schlug. Was würde sie erfahren — ihr großes Rätsel löste sich langsam, und ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Aber das war jetzt nebensächlich, es handelte sich nur darum, ob ihr Vormund in ihre Verbindung mit dem Unebenbürtigen willigen werde — und ob Mr. White wirklich ein Unebenbürtiger war. Trotz allem fühlte sich Hertha, als wandle sie auf Wolken, gerade in den Himmel hinein. Der alte Herr fuhr zuerst zu dem Kranken. Er fand ihn besser, als er nach den letzten Nachrichten erwartet hatte. Schwach und mit recht spitz gewordenen Zügen, sonst aber heiter und klaren Geistes, lag der Kranke auf seinem Lager. Es freute ihn sehr, daß der Onkel kam, nach ihm zu sehen, es war wohl noch niemals eine solche Herzlichkeit im Ton zwischen Onkel und Neffen fühlbar gewesen wie heute. Alberts Herz war übervoll. Er sprach von seinem Bruder, von Hans, dessen noch nie zwischen ihnen erwähnt worden war. ES war Albert Bedürfnis, sich endlich all die schweren Dinge von der Seele zu reden, er wollte auch in den Augen des Onkels kein anderer mehr sein, als er war. Da erfuhr denn der alte Herr sonderbare, ihm ganz neue Dinge — auch die Veranlassung, welche den Bruder zuerst nach Trautdorf geführt, wie er zwei Liebende hatte glücklich machen wollen, und wer die große Künstlerin Billanh war. Baron Jobst saß schweigend mit seinem undurchdringlichen Gesicht, aus dem der Kranke nicht den Eindruck seiner hastig gegebenen Beichte herauszulesen vermochte. Der Onkel wehrte ihm nur mitunter, wenn seine Rede zu lebhaft wurde, und mahnte ihn, sich nicht aufzuregen. Auch seiner Schulden erwähnte Albert, und daß Hans sie getilgt habe. „Ich glaube, es wird ihm schwer augenblicklich," sagte er, »und seit ich hier krank und fiebernd lag, ist mir viel durch den Kopf gegangen, ich habe mir gesagt, was ich hätte thun sollen. Hans wollte Dich schonen, Du solltest nicht noch einmal Kummer erleben an Deinem zweiten Neffen, wie er sich ausdrückte — er gab mir einst das Versprechen, auf sein Erbe zu verzichten, wenn ich Mathilde heimführte. Jetzt, wo sie mir verziehen hat und wir versöhnt sind, glaubt er sich an sein Wort gebunden, und das darf nicht sein. Er ist Dein würdiger Nachfolger, auch wenn ich genesen sollte, ich taugte nie dazu. Und so, Onkel, ist meine erste Bitte an Dich, vergieb ihm, was er einst fehlte, und verschließe Dich nicht vor dem Eindruck deffen, was er jetzt ist. Was mich betrifft, ich erwarte Deinen Richterspruch und hoffe, daß er gnädig sein wird. Mir ist so Großes geworden, daß ich für alles Hoffnung habe — das Leben hat mich in die Schule genommen, Onkel, und wenn ich von diesem Krankenlager erstehe, so erstehe ich als ein anderer, als der ich war." Baron Jobst neigte langsam das Haupt. „Schone Dich einstweilen," sagte er ernst, denn die Fieberrosen fingen schon wieder an zu blühen auf den bleichen Wangen, „diese Beichte taugte heute nicht gerade. Es wäre besser gewesen, Du hättest sie früher abgelegt. Es findet sich alles später, ich gehe, und Du mußt ruhen. Ich habe mich für zwölf Uhr bet Hertha angemeldet." Als der alte Herr das Krankenzimmer verließ, traf er draußen mit dem Arzt zusammen, welcher schon von seiner Anwesenheit gehört hatte. Er hatte eine längere Unterredung mit demselben, tröstlichen Inhalts. Bet der Jugend und im übrigen gesunden Konstitution des Patienten hoffte der Arzt nach dieser neuesten Wendung das Beste. Er bekannte, daß er noch am gestrigen Abend eine so rasche Veränderung zum Guten nicht erwartet habe — indes es lägen so oft bet solchen Zuständen seelische Erregungen mit zu Grunde, und darüber vermöge der Arzt in den wenigsten Fällen zu urteilen. Es wirkten da zuweilen Eindrücke, welche sich seiner Beobachtung völlig entzögen. Jedenfalls habe er zu seiner eigenen Ueberraschung seinen Kranken heute morgen fieberfrei, erfrischt und weit regsamer und anteilsvoller gefunden und hoffe nun bestimmt, ihn durchzubringen. Baron Jobst sah sehr nachdenklich aus, als er in seinen Wagen stieg. Sein alter Kopf fand sich schwer in diese wunderbaren Neuigkeiten. Während er noch immer mit Albert, als seinem Erben und Nachfolger, gerechnet und eine Verbindung zwischen ihm und Hertha gewünscht hatte, war dieser mit dem ernstlichen Gedanken umgegangen, eine Unebenbürtige zu heiraten. Und jetzt — die schöne, junge Künstlerm, welche er als werten Gast in seinem Hause beherbergt, stieg vor seinem Geiste herauf — er lehnte sich in die Wagenecke zurück, und seine Stirn lag in Falten — die Künstlerin als Gast und die Künstlerin in der Familie, das waren zwei verschiedene Dinge. Er murmelte allerlei für sich — der Name »Hans" fiel von seinen Lippen, der Name, den er so lange nicht genannt und doch nie vergeffen hatte. Er fuhr jetzt zu Hertha, ahnungslos, welche Ueberraschung dort seiner wartete. Sie kam ihm entgegen mit einem glückverklärten Ausdruck in ihrem Gesicht, der zu der Veranlassung, die ihn nach Berlin geführt, wenig paßte. Und — was bedeutet denn das? Aus der Fensternische trat die breite Gestalt Mr. Whites — seines Neffen Hans von Trott. „Onkelchen! Du kommst von Albert, es geht ihm ja besser, hier Mr. White hat mir eben die beruhigenden Nachrichten über ihn gebracht" — sie stockte, sie war verlegen, sie, die gewandte Hertha, welche sich sonst leicht in alle Lagen 83 zu finden verstand. Ihre Worte waren hastig, überstürzt herausgekommen, als ob ihr Geist nicht teil an ihnen hätte, sondern durch anderes beschäftigt sei. Baron Jobst sah streng und verwundert drein. Die Eindrücke, welche er hier empfing, waren nicht nach seinem Sinn. Aber seine Verwunderung stieg noch um ein Bedeutendes, als dieser von ihm noch nicht offiziell anerkannte Neffe vorrrat und mit etwas verschleierter Stimme sagte: „Herr Baron von Trott, Ihr Mündel, Gräfin Hertha zur Lipp-, hat sich mir verlobt, und ich werbe hiermit in aller Form bei Ihnen um die Hand der jungen Dame." Der alte Herr stand da steif und starr, wie ein Bild von Stein. Hertha erlangte jetzt ihre Fassung wieder. „Vor allen Dingen setze Dich erst, Onkelchen," rief sie, „ich wußte es wohl, welch ein Schreck Dich packen würde —" sie schob dem alten Herrn einen Sessel hin, nahm ihm Hut und Stock ab, er ließ es schweigend geschehen. „Mr. White, sagt mir, daß Du ihn kennst," fuhr sie fort, „ich weiß nur, daß er nicht seinen wahren Namen trägt, den sollst Du mir erst nennen. Aber ich liebe Mr. White, so wie er ist, und sein Name ist mir gleichgültig, ob er nun in einer Arbeiterhütte oder einem Fürstenschloß geboren ist. Ich kenne seine Seele, jede Falte darin, und das ist die Hauptsache." „Du bist eine Enthusiastin, Hertha." Die Worte kamen sehr kalt von den Lippen des Alten und klangen nüchtern in die Hochflut, ihrer Gefühle hinein. „Wie kannst Du Dich einem Fremdling, dessen Geburt, dessen Vergangenheit Du nicht kennst, verbinden wollen?" Hertha war im Begriff, zu antworten, ihr Verlobter aber faßte fest ihre Hand und bedeutete ihr durch einen Druck, zu schweigen. „Herr Baron," sagte er in stolzem Ton, „ich würde nie die Liebe eines Weibes annehmen, das ich nicht über mein Vorleben genau unterrichtet hätte. Meine Geburt verschwieg ich ihr, weil — ich Ihnen überlassen wollte, sie. ihr aufzuklären. Wollen Sie das nicht, nun, so bleibe ich Mr. White, und Hertha begnügt sich mit dem Namen und folgt mir, wohin ich sie führe. Soweit meine Kraft reicht, gelobe ich, sie zu schützen, in Liebe und Treue zu ihr zu stehen und für ihr Wohl und Glück mein Leben einzusetzen." Hertha stand da in atemloser Spannung, ihren Arm fest in den ihres Verlobten geschlungen. Baron Jobst sah mit einem merkwürdigen Blick auf bie beiden. Dann erhob er sich und stand kerzengerade vor -em Paar. „Hans von Trott," sagte er feierlich, und seine Stimme zitterte merklich, „Du hast Dir Großes errungen. Ich hätte nicht geglaubt, daß ein Weib so lieben, so blind vertrauen könnte." „Hans! Hans von Trott!" schrie Hertha auf, und es klang heller Jubel aus ihrem Ton. (Schluß folgt.) Vom Monat Februar. Februar 1899. Das Wtldgeflügel des deutschen Waldes ist durch die Einbürgerung einer prächtigen chinesischen Fasanenart vermehrt worden. Die Einbürgerung ist zunächst versucht worden in den ausgedehnten Waldmassen, welche der Graf Bal le st rem, unser derzeitiger Reichstags-Präsident, im Kreise Tost-Gleiwitz in Oberschlesien besitzt. In Schlesien, wo der wunderschöne Vogel schon 1897 in einzelnen Exemplaren auf den Markt gebracht wurde, hat sich bereits der Name Ballestrem-Fas an für ihn eingebürgert. Diese .neue Fasanenart, die etwas größer als der bekannte Edelfasan ist, ähnelt diesem in Körperform und Gefiederschönheit, trägt sich aber stolzer und ist ausgezeichnet durch einen über anderthalb Meter langen, steifen Schweif braunschwarz und weiß gezeichneter Federn, deren Unterseite stellenweise ein eigenartiges Braunrot zeigt. Auch die Henne des Ballestrem- Fasans zeigt sehr kräftigen steiffedrigen Schweifbau in der erwähnten aparten Zeichnung. Brehm, der den nach dem Engländer Reeves wissenschaftlich Phasianus Reevesit getauften Fasan flüchtig skizziert, schlägt für ihn den Namen Königsfasan" vor,- es wäre aber jedenfalls richtiger, den Namen des ersten deutschen Züchters, des Grafen Ballestrem, mit dem ebenso schönen als nützlichen Vogel zu verbinden. Oer Abschuß von Edelfasanen in den schlesischen ifttb böhmischen Fasanerien, in denen der ursprünglich am astatischen Ufer des schwarzen Meeres heimische Edelfasan, der Name stammt von dem Flußnamen „Phasis" her, gezüchtet wird, ergiebt so bedeutende Mengen, daß die Fasanenpreise dauernd niedrig bleiben. Wie vor fünfzig Jahren zahlt man gegenwärtig für den Fasan etwa vier Mark, während der Preis der Hafen, der 1847 auf 12«/a Silbergroschen stand, fich in diesem halben Jahrhundert verdoppelt bis verdreifacht hat. Der Hasenabschuß im verflossenen milden Winter hat für ganz Preußen noch nicht zwei Millionen Stück betragen: 20 pCt. weniger als im Vorjahren. Für die kalten Büffets der Ball- und Gesellschaftsabende giebt das neue Kochbuch von Elise Hannemann eine vorzügliche Vorschrift zu „Gefülltem Fasan". Dem gut gereinigten Fasan macht man in den Rücken einen Längsschnitt, entknöchelt den Vogel vorsichtig und salzt ihn. 100 Gramm Gänseleber werden dann feingehackt, mit zwei Gelbei und 50 Gramm feingehackten Trüffeln gut gemengt und in den Fasan gefüllt, der dann gut vernäht wird. Der Vogel wird dann in Speckplatten gebunden und mit 50 Gramm Butter in */4 Liter Liebig's Fleischextrakrbrühe gar gebraten. Inzwischen werden vier Blatt weiße Gelatine in 7g Liter Liebig's Fleischextrakrbrühe gelöst und die Lösung in die Bratensauce gegossen. Diese wird, nachdem der Fasan herausgenommen, aufgekocht, mit Citronensaft und Madeira abgeschmeckt und nach dem Erkalten gut entfettet. Der Falan wird auf einer gerösteten Brotscheibe angerichtet und zierlich mit der zu Aspik erstarrten Sauce garniert. Der ungerupfte Kopf und der Schwanz des Fasans werden, von feinem Spitzenpapier umgeben, zum Ausputz verwandt. Kann man den Prachtschwanz eines Ballestrem Fasanen als Garnierung erlangen, so wirkt dieser Ausputz Aufsehen erregend. Uebrigens soll das Fleisch des Ballestrem-Fasanen zarter als das des Edelfasanen sein. Der Februar zählt zu den Monaten, in denen die Güte des Mastgeflügels am höchsten steht. Besonders gilt das von dem jungen Mastgeflügel der deutschen Zuchtanstalten. Die deutsch- Landwirtschaft zieht leider immer noch aus alter Bequemlichkeit die alten minderwertigen Sorten und überläßt dem Auslände die Zucht von Fleischgeflügel. England liefert riesige Puten, Südfrankreich kolossale Enten, Italien die hühnergroßen Strazza-Tauben usw., nur große Gänse beginnt man im Nordostcn Deutschlands für den Markt zu züchten. Kehrt der Februar zu der milden Weise des Januar zurück, fo wird er uns schon Suppengrün und die kräftigen salalkräuter der Brunnenkresse und der Bitterkrefle aus dem Freien bescheren. In den Frühbeeten der deutschen Gärtnerei wird der Salat schon feste Köpfe bilden, und die allerersten Frühgemüse werden unsere Tafel zieren- freilich nur wenig billiger als Pariser Treibware, aber durch die Frische weitaus wertvoller. An Fischen ist der Februar ein guter Monat. Die Bienengewässer liefern die köstliche Aalraupe, Aalmutter oder Quappe, die den unerfahrenen Köchen im Topfe zu Mus zerkocht, unter geschickter Zubereitung aber derFo-elle gleichwertig ist. Ein guter Februarfisch ist der Wels, besonders in Stücken von 4—10 Pfund, und sehr reichlich pflegen 84 Hecht und Zander auf den Markt zu kommen. Der Fang der Seefische hängt wesentlich von den Windverhältnissen des Monats ab, je ruhiger die See, je billiger die Fische. Gemeinnütziges. AeLd und Karten. Jetzt wird es Zeit, den kommenden Vögel« Hülle« zu da«e«. Sie bleiben uns den Mietzius nicht schuldig. Hilflos ständen wir den Milliarden kleiner Schädlinge unserer Pflanzen gegenüber, wenn uns nicht in den Vögeln im Kampfe gegen die Jnsektenwelt treue Bundesgenossen zur Sette ständen. Die Nistkästen hänge man derart auf, daß das Flugloch nach Osten gerichtet ist. Dieser Punkt wird, wie man täglich sehen kann, noch nicht genug beachtet, und er ist sehr wichtig. Der Staar ist ein geselliges Tier. Man kann für seine Sippe in einem Baum oder an einer Stange mehrere Kästen anbringen, ja sogar Häuser mit mehreren Stockwerken, ohne daß Rangstreitigkeiten zu befürchten wären, wer in der Bel-Etage oder wer unter dem Dache wohnen soll. — flür Weisen, Rotschwänzchen und Fliegenschnepper bringt man nur einen Kasten in einem Baume an. Tie Meise, eine ausge» zeichnete Jnsektenvertilgerin, will ihren Wohnort nicht zu hoch gelegen haben, 4 Meter von der Erde in etwas buschigen Bäumen ist ihr liebster Aufenthalt. Der Staar thront ] dagegen 3 und 4 Meter höher. Eine genaue Beschreibung über die verschiedenen Nistkästen mit Abbildung giebt die Liste für Geräte von I. C. Schmidt, Erfurt, die umsonst und postfrei versandt wird. Die einfach vlühenve« Veilchensorte« sind besser für Topfkultur geeignet, als die gefüllten. Das wilde Veilchen läßt sich viel schwerer im Zimmer ziehen, als die durch Kultur gewonnenen. Iür die Küche. Für Küche ««d Ha«shalt bringt der Februar: Gemüse: Artischocken (Jerusalemer), Blumenkohl, Bohnen (getrocknete grüne und weiße), Brocoli, Braunkohl, Cardy, Erbsen (getrocknete gelbe und grüne), Grünkohl, Kartoffeln, Kohlrabi, Linsen, Meerrettich, Möhren, Petersilienwurzel, Porree, Rosenkohl, Rote Rüben, Savoherkohl (Wirsing), Schwarzwurzeln, Sellerie, Teltower Rüben, Weißkohl (Sauerkraut), Zwiebeln. Früchte: Aepfel, Apfelsinen, Birnen: Citronen, Mandarinen, Nüsse. Fletsch: Ochsen-, Kalb, Hammel-und Schweinefleisch, Kaninchen. Geflügel: Huhn, Kapaun, Poularde, Truthahn. Wild: Damhirsch (Spießer), Becassinen, Birkhahn, Ente, Fasan, Schnepfe, Taube. Fische und Schaltiere: Aal, Austern, Barbe, Hecht, Häring (gesalzen), Kabeljau, Karpfen, Laberdan, Schellfische, Schleihe, Schnecken, Seezungen, Steinbutt, Stockfisch, Stör, Turbot. Beachtenswert veim Ei«ka«f vo« Kaffee. B an schreibt: Die Frage, ob man besser daran thut, gerösteten oder ungerösteten Kaffee im Laden zu kaufen, ist heute entschieden. Mehr als 9/10 des ganzen Kaffeekonsums wird von der Hausfrau in geröstetem Zustande gekauft. Nachdem nun in den letzten Monaten gerösteter Kaffee zu außergewöhnlich billigen Preisen angepriesen wird, hört man seitens der Hausfrauen vielfach die Frage: „Empfiehlt es fich, diese billigen Kaffees zu kaufen?" und weiter: „Habe ich bisher nicht zu hohe Preise bezahlt?" Diese Fragen sind, wie folgt, zu beantworten : Daß Kaffee heute bedeutend billiger käuflich ist, als vor zwei Jahren, kommt nicht von den sogenannten Spezial- und Bersandt-Geschästen, sondern daher, daß in Südamerika, woselbst meist geringere Kaffees produziert werden, in den letzten Jahren die Ernten außerordentlich groß waren, und infolgedessen die Preise speziell für Greift Redaktion: E. Burkharsdt. — Druck und Verlag der Brühisch- lianische Kaffees naturgemäß herabgedrückt wurden. Die Ernten der feineren Qualitäten in anderen Ländern waren dagegen nicht so groß- diese Sorten behielten daher auch ihren beträchtlich höheren Preis bis in die letzten Monate hinein. Nun aber sind auch die besseren Kaffees zurückgegangen, so daß schon feine Sorten verhältnismäßig billig verkauft werden können. Die sogenannten Spezial- und Ber- sandt-Geschäfte nützen nun besonders den Preisrückgang der geringeren Sorten aus und offerieren Kaffee zu anscheinend ipottbilligen Preisen, einzelne thatsächlich als Lockartikel teilweise unter Einkauf. Trotzdem aber ist den Hausfrauen nicht zu raten, derartiges billiges Zeug zu kaufen, denn, abgesehen von dem schlechten Geschmack, giebt dieser Kaffee nicht aus, man muß also mehr nehmen. Biel besser ist es, einen ordentlichen Qualitätskaffee, wie man ihn in unseren allbekannten, reellen Detailgeschäften schon zu etwa 1 Mk. 20 Pfg° bis 1 Mark 40 Pfennig geröstet bekommt, zu kaufen, und es ist auch zu hoffen, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um die geehrten Hausfrauen zu veranlassen, den ansässigen Geschäftsleuten, welche im allgemeinen dieselben Vorteile bieten können, wie auswärtige sogenannte Spezial- und Ver- sandt-Geschäfte, treu zu bleiben. Frikassee a«s übrig gebliebenen Stückchen von kaltem Rindfleisch. Man schneide das Fleisch in dünne Scheiben und befreie sie von Knorpel und Fett. Nun nehme man etwas Fleiichfond und verdicke denselben mit Butter, die man in Mehl umgewendet hat; zum Würzen wendet man Petersilie, junge Zwiebeln, Pseffer und Salz cm; man seiht die Sauce durch und wärmt das Fleisch in derselben, indem man sie neben das Feuer stellt. Sardefle«scheive«. Wan röstet Semmelschnitte nicht zu hart, rührt unter ein Stückchen frische Butter einige gewaschene und von den Gräten befreite, feingewiegte Sardellen und streicht diese auf die Semmel. Hierauf wird ein hartgekochtes, ebenfalls feingewiegtes Ei mit etwas feingewiegtem Schnittlauch oder in Ermangelung dessen einem feingewiegten Stücklein Schalotte oder Zwiebel vermischt und auf die mit der Sardellenbutter bestrichenen Semmeln gestreut. Literarisches. Abrüstung und Weltfrieden, 50 <)00 Mark stehen ittt Wette, datz beides kommen wird. Preis 15 Pf. unter diesem Titel erschien kürzlich im Verlag von F. E. Bilz, Leipzig, eine kleine Broschüre, die die jetzt allgemein erörterte Abrüstungsfrage von einer ganz neuen Seite beleuchtet. Der Versasser weist an der Hand der Weltgeschichte, vor allem aber der Kulturgeschichte nach, daß in einem gewissen Zeitraum die blutigen Kriege ganz von der Welt verschwinden werden, und damit zugleich eine bedeutende Abrüstung Hand m Hand geht. Er setzt 50 000 Mark zur Wette aus, daß dieses kommen wird. An Beispielen weist er nach, daß durch eine immer mehr vervollkommnete Allgemeinbildung die Menschheit gesitteter und edler geworden ist als in früheren Jahrhunderten, wo die unglaublichsten Grausamkeiten, bte sich die Feder sträubt niederzuschreiben, herrschten. Ferner giebt er statistisch die hohen Summen der Ausgaben für Kriege und Militär an und macht Vorschläge, in welch besserer und nutzbringender Weise ein großer Teil dieser Gelder zum besten der Völker verwandt werden könnte. Die kleine Schrift ist anregend und wohlmeinend geschrieben;, jeder Leser wird sie befriedigt aus der Hand legen. Prof. Dr. G. Jägers MonatSblatt (Verlag von Kohlhammer, Stuttgart, jährlich 3 Mk.) 1899 Nr. 2. In der Fortsetzung seines Rückblicks bespricht Jäger auch die tierischen Arzneistoffe und ihre heutige umfangreiche Verwendung in der Heilkunde der herrschenden Schule. Er weist nach, daß das Monatsblatt zu einer »eit auf jene Arzneistoffe wiederholt hingewiesen hat, da die Medizin auf die tierischen Spezifika mit verschwindenden Ausnahmen mit Geringschätzung blickte, und welche Veränderung sich da in verhältnismäßig kurzer Zeit vollzogen hat. In seiner vergleichenden Studie Düngung und Ernährung giebt Jäger nochmals nützliche Winke für beide Gebiete, i namentlich für die Ernährung der Kinder, die nach seinen Aussührungen I oft recht verkehrt angegriffen wird. Eine Plauderei über Herrscherbetten vergleicht die hygienische Weisheit an den weltlichen Herrscherhöfen und am päpstlichen Hofe, eine Vergleichung, die zugunsten des letzteren ausfällt. Die folgenden Artikel behandeln Wintersport und Winter- kuren Wolle und Tapserkeit, Schwarze Kleidung als ungesund, Papierene I Unterkleider, Die Riechstoffe des Weins, Amerikanische Schulen. Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.