Nachdruck verboten. Der Gylsenhof. Eine Erzählung von P. Ditfurth. (Fortsetzung.) Nur kurze Zeit konnte die freundliche Dame verweilen, da ihr alter Vater krank und dabei mit den Personen sehr eigen sei, die ihn umgäben. Dieser Besuch war ein Lichtblick, und Renata freute sich wirklich auf die Stunden in dem alten Hause; aber doch hielt fie noch eine gewisse Scheu davon zurück, der Einladung bald Folge zu leisten. Nicht lange, nachdem Frau Falkner gegangen, kündete ein leises Klopfen Frau Nolte an und zugleich schlüpfte die zierliche Dame mit einem „Jsts erlaubt?" ins Zimmer. Renata begrüßte diesen neuen Besuch mit Resignation und bot dem Gast, innerlich seufzend, Platz an. Meine Lina wird auch gleich kommen, Fräulein Renatchen- ich meinte, Sie säßen doch zu sehr für sich, und wir haben auch gerade nichts weiter vor." Dabei zog sie ihr Strickzeug hervor und setzte sich ganz behaglich zurecht. Renata griff stumm gleichfalls nach einer Handarbeit. Ihre Mienen mußten wohl ein wenig verräterisch zucken, denn die kleine Frau sah etwas bedenklich über ihre Brille, Sonntag den 8. Oktober. Stea. Herbst. chon in's Land der Pyramiden Floh'n die Störche über's Meer; Schwalbenflng ist längst geschieden, Auch die Lerche singt nicht mehr. Seufzend in geheimer Klage Streift der Wind das letzte Grün; Und die süßen Sommertage Ach, sie sind dahin, dahin. Und noch einmal bricht die Sonne Unaufhaltsam durch den Dust, Und ein Strahl der alten Wonne Rieselt über Thal und Kluft. Und cs leuchtet Wald und Heide, Daß man sicher glauben mag: Hinter allem Winterleide Liegt ein ferner Frühlingstag. Storm. die nie ganz gerade saß, in das blasse Mädchengesicht gegenüber. Renata besann sich- sie sah ein, daß sie kein Recht habe, der guten Frau unartig zu begegnen, und so bezwang fie fich und schaute freundlich auf, als Frau Nolte ein Gespräch begann. „Hm,- sagte sie, den weißen Baumwollenfaden wohl zehn Mal um den Finger wickelnd und wieder abdrehend, „Sie hatten ja Besuch, Renatchen?" ,/Ja, Frau Falkner war bei mir," lautete die etwas lakonische Antwort. „Hm," fuhr Frau Nolte fort, „Sie sind wohl schon ganz bekannt bet Falkners- neulich war doch die Tochter auch schon da?" „Sehr bekannt noch nicht," erwiderte Renata, „aber die Dame ist sehr freundlich gegen mich, und Sie wissen, daß ich ihr zu großem Danke verpflichtet bin." „Ja, ja," nickte die kleine Dame eifrig, „es find auch zu nette Leute- ich habe die Frau Falkner öfter im Frauenverein, zu dessen Vorstandsmitgliedern sie gehört, getroffen - eine sehr wohlthätige Dame und recht liebenswürdig, trotz ihres Reichtums/ „So, sind Falkners so reich?" fragte Renata, eigentlich nur, um etwas zu sagen. Frau Nolte hob lebhaft die Hand. „Ach, wie reich, sag ich Ihnen, und es sind nicht viel dazu, bloß die zwei Kinder." „Aber es ist doch noch ein Bruder von Frau Falkner, der Professor Wolfram da," warf Renata ein, „hat der keine Familie?" „Bewahre, Renatchen," lachte Frau Nolte, „das ist ja ein angehender Hagestolz, der schwerlich noch heiratet." „Nun, so alt kam er mir nicht vor," sagte daS junge Mädchen- „ich sah ihn allerdings nur im Dämmerschein, da kann man nicht genau urteilen." „Freilich, freilich, Sie können recht haben, Kindchen, er ist jünger, muß jünger sein, als seine Schwester- na, meine Lina muß das wissen, da kommt sie ja." Ja, da kam ,,meine Lina," nach einem zarten Anklopfen, das man ihrer kräftigen Hand kaum zugetraut, und ließ sich nach kurzem Gruße an ihrem gewöhnlichen Platze nieder. „Nicht wahr, Lina," begann alsbald die kleine Frau, „der Professor Wolfram ist jünger, als seine Schwester?" „Gewiß," bekräftigte die Gefragte bedächtig nach einem prüfenden Blick auf die menschenleere Straße. „Sie haben viel Not mit dem alten Konsul," fuhr die 574 — Mutier fort, „er ist, glaube ich, hier nicht richtig," — fie deutete nach der Stirn, — „und soll manchmal die Hausgenossen schrecklich plagen." „Nun, Mutter," warf die vorsichtige Lina ein, „so schlimm ists am Ende nicht, mir hat nur öfter die Frida in der Handarbeitsstunde vorgeklagt, wie der Großvater sie angeschrieen". „Ja, aber," wagte schüchtern die Mutter zu entgegnen, „man spricht doch allgemein in der Stadt davon, daß er sich den Tod eines FamtliengliedeS in den Kopf gesetzt hat." „Mag sein," gab Lina zu, „Fräulein Renata wird ja bet ihren häufigen Besuchen dort den Herrn auch kennen lernen." „Häufigen Besuchen, Fräulein Nolte?" wiederholte Renata erstaunt aufblickend; „ich war erst zwei Mal da." „Nun, ja," sagte das Fräulein, „ich meine die späteren Besuche, die doch häufiger sein werden, da Frau Falkner Ihnen so freundlich entgegenkommt, und die Dame soll ja unwiderstehlich sein." Sie bog eifrig den Kopf über ihre Arbeit und zählte halblaut die Maschen, um jeden Einwurf abzuschneiden. ES war eine eifersüchtige Regung, der fie diese Worte geliehen hatte, sie konnte es nicht so leicht verwinden, daß diese Bekanntschaft ohne ihre Vermittelung zu stände gekommen war. ,/Jst Frau Falkner schon lange Witwe?" fragte Renata nach einer Pause. Frau Nolte blickte erst ihre Lina an, und als diese beharrlich schwieg, antwortete sie: „Vier bis fünf Jahre mögen es her sein, daß der Herr Falkner starb/ wir find in derselben Zett hergezogen, ich glaube er war Jurist, Rechtsanwalt dächte ich, nicht, Lina?" Diese nickte stumm. „Der selige Falkner hat wohl seiner Frau das Leben auch ein bischen sauer gemacht, er soll sehr kränklich gewesen sein und die Kinder schrecklich verzogen haben, besonders die Frida. Die Mama hat ihre liebe Not mit dem Mädchen, und der „Sohn ist auch so obenhin." Die gute, redselige Dame bemerkte in ihrem Eifer die warnenden Blicke der Tochter gar nicht, sondern fuhr in ihrem Redestrom fort: „Und zanken sollen sich die Geschwister, daß es ein Graus ist. Hübsch ist das Mädchen, aber sie weiß es, nur zu sehr, und über alles hat sie ihren Mund." Es wäre wohl noch länger so fortgegangen, hätte nicht Lina auf energische Weise die Mama aufmerksam gemacht, daß es besser und vorsichtiger sei, dieses Thema fallen zu lassen. Die kleine Dame fuhr erschrocken zusammen und sah unter den Tisch/ fie bemerkte aber statt eines vermeintlichen bissigen Ungetüms nur einen ansehnlichen, sich zurückziehenden Fuß. Still und gedrückt sank sie nach dieser Wahrnehmung ins Sofa zurück, während Lina gleichmütig zum Fenster hinaussah. Dieser Unterhaltungsfaden war von Lina unbarmherzig zerschnitten, und es hatte keiner Lust, ihn wieder aufzunehmen. Frau Nolte beschäftigte sich mit ihrer herabgeglittenen Brille, die absolut auf ihrer Nase nicht fitzen wollte, und Renata strengte ihre Gedanken an, einen neuen Gesprächsstoff ausfindig zu machen. Eigentlich war eS ihr lieb, nicht mehr in dieser Weise von der sie so interessierenden Familie zu hören. Es war aber doch eine recht unbehagliche Pause, die endlich die Urheberin selbst unterbrach, indem sie eine riesige silberne Uhr mit großen, deutschen Ziffern vom Gürtel losnestelte, die stets, ein Zeugnis mangelnder Eitelkeit, einen kleinen Auswuchs bildete. „Es ist bald fünf Uhr, Mutter, wir wollen in den Vortrag, wie Du weißt. Fräulein Wendelin bleibt doch wohl zu Hause/ wir müssen uns dann verabschieden." Damit erhob sich Lina und verdunkelte stattlich das Fenster. Eiligst raffte die Mama ihr Strickzeug zusammen, und mit Renatas Hilfe, die ihr die fünfte Stricknadel unter dem Tisch hervorsuchte, fand sie alles zusammen und konnte ihrer Tochter folgen. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Schuldig. Erzählung von F. Arnefeldt. (Fortsetzung.) Er wandte sich Felicitas zu und sagte: „Ich habe Ihnen viel abzubitten, an Ihnen viel gut zu machen, Fräulein von Kreffen, doch davon später. Zuerst muß ich mit der Frau da zu Ende kommen, und wieder an seine Gattin herantretend gebot er: „Sage mir, was Dich zu Deiner ehrlosen Handlungsweise verleitet hat, sage mir, wozu Du die Summen, die Du an Dich nahmst, gebraucht hast". „Ich kann es Dir nicht sagen/ Konstantin habe Erbarmen, erlaß mir das l" winselte sie^ „Nein!" entgegnete er hart, „ich will es wissen". Eine leichte Hand berührte die Schulter des zürnenden Mannes. „Nicht in Gegenwart des Kindes!" flüsterte ihm Felicitas ins Ohr. „Sie haben recht!" sagte er mit tiefem Mitleid auf Hermine blickend, die sich angstvoll in einen Winkel gekauert hatte, „ich habe die arme Kleine ganz vergessen. Bringen Sie fie fort, und bleiben Sie bei ihr. Was wir mit jener Frau da zu besprechen haben, wird am besten von mir und meinem Sohn allein besorgt". Felicitas nahm die vor Frost und Aufregung an allen Gliedern zitternde Hermine bei der Hand und führte sie die Treppe hinauf nach ihrem Schlafzimmer zurück. Gleichzeitig sprang aber auch die Kommerzienrätin empor. „Du willst mich vernehmen wie der Richter die Angeklagte!" rief sie. „Mit Nichten. Ich will Dir Rede stehen, aber nicht so! Nicht so!" Mit einer Kraft, die niemand der schwachen hinfälligen Frau zugetraut hätte, schob sie Hans, der sich ihr in den Weg stellen wollte, bei Seite, gewann die Thür und flog quer ourch das Treppenhaus nach ihren auf der entgegengesetzten Seite gelegenen Zimmern. Als der Kommerzienrat und sein Sohn vor der dahin führenden Thür anlangten, hörten sie bereits den Schlüssel umdrehen und den Riegel vorschteben. XV. Alles Bitten, Rufen, Schreien, Pochen, Drohen hatte nichts gefruchtet, die Thür zu den Zimmern der Kommerzienrätin war verschlossen geblieben/ vergeblich hatte Hans Helldorf seine Kraft daran versucht, obwohl sein Vater ihm sogleich gesagt hatte: „Gieb Dir keine Mühe. Die Thüren sind von starkem Eichenholz und die Schlösser von vorzüglicher Konstruktion. Wir werden sie nicht so leicht sprengen können"- „So müssen wir nach einem Schlosser schicken", entgegnete der Sohn. „Jetzt, mitten in der Nacht?" Ich möchte nicht gern Aufsehen erregen". „Aber Vater, ich fürchte, es ist Gefahr im Verzüge". „Du meinst, sie könnte eine That der Verzweiflung begehen?" fragte der Kommerzienrat kopfschüttelnd. „Was bleibt ihr übrig? denn ich fürchte, wir stehen noch nicht am Ende der Enthüllungen", sagte Hans, dem Vater voll tiefen Mitgefühls die Hand drückend. „Ich werde den Diener rufen". Er wurde dieser Mühe überhoben, denn schon erschien >er durch den Lärm geweckte Diener, und bald waren auch >ie weiblichen Dienstboten zur Stelle. Hans schickte den ersteren zu dem zunächst wohnenden Schloffer und speiste die letzteren 575 mit einer Erklärung ab, von der er selbst wußte, daß niemand sie glauben würde. Es war schon genug, wenn nur der notdürftigste Schein gewahrt ward, und wie lange würde selbst der sich aufrecht halten lassen?" Obwohl der Schlosser in Anbetracht der nächtlichen Stunde, zu der man ihn herbeigerufen, recht schnell erschienen war, verstrich doch eine längere Zeit, bevor sein Werk gethan sein konnte, denn die Schlösser und Riegel erwiesen sich, wie der Kommerzienrat vorhergesagt, von einer außergewöhnlich, n Festigkeit. Das erste Zimmer, in das man gelangte, diente als eine Art von Vorzimmer und die zwischen diesem und dem Wohnzimmer der Hausfrau befindliche Thür war eben- falls verschlossen. Nochmals versuchte der Kommerzienrat seine Ueberredungskraft, um seine Gattin zu vermögen, daß sie öffne. Es blieb alles still, und von bangen Ahnungen erfüllt, feuerte er den Schlosser an, sich zu beeilen. Das erste fahle Licht des Morgens fiel bereits durch die Scheiben und kämpfte mit dem gelblichen Schein der auf dem Schreibtisch der Kommerzienrätin brennenden Lampe, als Schlösser und Riegel endlich wichen. Kommerzienrat Helldorf warf einen bangen, scheuen Blick durch das Gemach und atmete auf. Sie lebte, obwohl ihr Aussehen etwas Unirdisches hatte. Ihr Gesicht war totenbleich, unheimlich glühten die dunklen Augen, das schwarze Haar hatte sich gelöst und hing ihr über Nacken und Schultern herab, ein weißes Nachtgewand umhüllte ihre hohe Gestalt. „Warum gebt Ihr Euch so viel Mühe, zu mir zu dringen? ' sagte sie mit einer eigentümlich hohl und schrill klingenden Stimme- „hättet Ihr noch eine Stunde gewartet, würde ich Euch die Thür von selbst geöffnet haben. Nun muß ich gehen, ohne mein Werk beendet zu haben" Sie wies mit der Hand auf einige Bogen, die auf ihrem Schreibtisch lagen, und die sie soeben beschrieben haben mußte. „Eugenie! Was hast Du gethan?" schrie der Kommerzienrat von Entsetzen ersaßt. „Was ich mußte", antwortete sie leise. „Nein, schicke nach keinem Arzt, er nützt mir nicht mehr und soll mir nicht nützen", fügte sie hinzu, eine Bewegung, die er machte, richtig deutend. „Laß die Leute sich entfernen, ich habe nur mit Dir und Hans zu reden". Es geschah nach ihrem Willen. Der Kommerzienrat gebot durch einen Wink den Leuten, sich zu entfernen, trat mit Hans in das Zimmer und schloß hinter sich die Thür. Seine Frau deutete mit der Hand auf Sessel, sank selbst auf einen solchen nnd begann ohne alle Vorbereitung: „Du willst wissen, was mich veranlaßt hat, Deinen Schrank zu plündern — Corbus, der Unersättliche! Er gebrauchte Geld, fortdauernd Geld, ich wußte nicht, woher ich cs nehmen sollte, und ich mußte ihn befriedigen — ich war in seiner Gewalt!" „Wodurch? Was gab ihm eine so furchtbare Macht über Dich?" fragte der Kommerzienrat. „Unterbrich mich nicht!" bat sie. „Ich habe nicht viel Zeit mehr — Du wirst das Nähere in diesen Blättern finden. Nur das eine will ich Euch gestehen — das soll meine Buße sein! Ich — ich — habe Luise vergiftet — Corbus — hat mir das Gift verschafft und um die That gewußt!" Helldorf und sein Sohn sprangen auf. „Sie spricht im Wahnsinn ! Sie weiß nicht, was sie redet!" schrie der erstere; aber Hans sagte schaudernd: „Nein, Vater, es ist Wahrheit. Lange habe ich geahnt, daß ein dunkles Geheimnis im Leben dieser Frau liegt!" „Hans — Hans, verzeih!" winselte die Kommerzienrätin, sich zu den Füßen des jungen Mannes schleppend. „O, wenn Ihr wüßtet, was ich gelitten habe!" Hans Helldorf wandte sich ab. „Es war meine Mutter!" stöhnte er. „Meine Mutter, die in der Blüte ihrer Jahre htngemordet, um deren Liebe ich betrogen ward!" Die Mienen der Sünderin verzerrten sich, man sah, daß zu den Seelenkämpfen sich jetzt noch körperliche Leiden gesellten. „Konstantin, sei barmherzig," flehte sie. „WaS ich gethan — es geschah — aus Liebe zu Dir!" (Forsetzung folgt.) Genr-innÄtzig-s. Tintenflecke« entfernt man folgendermaßen aus Wollstoffen: Auf den Flecken wird ein Tropfen von einem brennenden Talglicht fallen gelassen und beides mit konzen- trrerter phosphorsaurer Natronlösung ausgewaschen. Je älter der Flecken, umso gründlicher muß gewaschen werden. Bei echtfarbigen Stoffen kann man Weinsäure oder Chlorkalk anwenden. Zleld und Garten. Gelbe und Helle Blätter mengt der Oktober in das dunkle Grün des Laubwerks, wie erste Silberfäden erscheinend im Gelock einer schönen Frau. Der Oktober hat vrele Reize, wenn nicht kalter Regen herniedergeht oder der Sturm die Baumkronen schüttelt. Wo im Frühling wunderbare Blüten durch Bau, Färbung und Dust erfreuten, da prangen jetzt hier und da leuchtende Beeren. Mancher Beerenstrauch, den bisher die unscheinbare Färbung und das volle Laub den Blicken entzogen, tritt jetzt auffallend aus dem kahlen Gezweig hervor. Hier sind es die weißeu Schneebeeren, die roten des Schneeballs, da die metallisch glänzenden der Mahonie, dort die leuchtend roten der Eberesche und der Wildrose. Alle diese Beeren sind letzte Zeugen des segensreichen Herbstes; sie erfreuen nicht nur das Auge, die Natur hat in ihnen auch den wenigen, bei uns zurückbleibenden Sängern, für welche bald harte Tage hereinbrechen, zum letztenmal reichlich den Tisch gedeckt. — Die Grasplätze werden ein letztes Mal geschnitten, die abgeblühten Gewächse werden von den Blumenbeeten entfernt, diese gegraben und mit Zwiebelgewächsen oder Frühlingsblühern bepflanzt. Der Oktober ist der Hauptmonat für die Pflanzung von Obstbäumen, Beerensträuchern, Rosen, Zierbäumen und sonstigen Gehölzen. Alle diese Gehölze bilden vor Eintritt des Winters noch junge Wurzelspitzen und wachsen weit sicherer als diejenigen der Frühjahrspflanzung an. Im Gemüsegarten beginnt mit Eintritt strenger Kälte die Haupternte der Wintergemüse und das Einlagern in Kellern oder Gruben. Leere Beete werden gereinigt, gedüngt, gegraben, aber nicht geebnet. Erdbeerbeete und Spargelpflanzungen überzieht man mit kurzem Dung, Petersilie und Schnittlauch pflanzt man für den Winterbedarf in Schalen oder Holzkistchen, und bei günstiger Witterung können in den ersten Tagen des Monats auch noch Spinat, Feldsalat und Kerbelrüben gesät werden. Im Zimmergarten sind die Gewächse sorgfältig gegen Zugluft zu schützen, vorsichtig zu bewässern und vor Ungeziefer zu bewahren. Zum Anstrich für Gewächshaus- und Mistveet- scheihen, um den Einfluß der Sonnenstrahlen abzuschwächen, bedient man sich einer Auflösung von Dextrin in schwefelsaurem Zink oder schwefelsaurer Magnesia, welche durch Löschpapier filtriert wird. Die mittelst feinen Pinsels gleichmäßig bestrichenen Glasscheiben müssen bei mittlerer Temperatur wagrecht eine Viertelstunde trocknen. Wlumenpflege. Für das Aufsetzen der Hyazinthen anf Gläser wird es nunmehr die höchste Zeit. Man gebe dem Wasser etwas Salizyl oder Holzkohle bei, um es vor Fäulnis zu schützen. Will man für den Vorgarten im Frühjahr ein Parade- veet haben, so lege man jetzt oder im November, je nachdem Platz frei wird, die wenig bekannte, aber großartige Tulpenkönigin, Tulipa Greygi, eine vornehme Erscheinung, in leuchtendstem Feurigscharlach prangend. 576 KesundyeiLspflege. Die Heilung des Schnupfens ohne alle Kosten. Personen, welche mit derjenigen Form des Schnupfens behaftet sind, die man die Grippe zu nennen Pflegt, werden eine wunderbare Wirkung in dem einfachen Mittel wahrnehmen, sich aller flüssigen Nahrungsmittel zu enthalten, bis die Symptome der fieberhaften Aufregung, das Thränen der Augen und die öftere Nötigung, sich zu schneuzen, nachlassen. Das Mittel wurde von einem berühmten Arzte empfohlen, schon vielfach versucht und in den meisten Fällen für gut befunden. Heißes Waffe» als Heilmittel. Es dürfte wohl vielen unserer Leser nicht bekannt sein, daß heißes Wasser auf mannigfache Art und Weise als vortreffliches Heilmittel gegen allerlei äußerliche und innerliche Leiden in Anwendung gebracht werden kann. Gegen Magenkrampf und Kolik hilft in der Regel nichts besser und schneller, als ein Hand- oder Waschtuch, das in heißes Wasser getaucht, schnell etwas ausgerungen und dann sofort auf die Magengegend gelegt wird. Nicht allzu heftige Kopfschmerzen lassen bald nach, wenn der Nacken und gleichzeitig auch die Füße mit heißem Wasser benetzt werden. Von ebenso überraschend guter Wirkung sind Heißwasserumschläge bei Lungen- und Halskrankheiten, sowie namentlich bei örtlichem Rheumatismus. Verspürt man z. B. rheumatische Schmerzen in einem Arm oder Bein, so dürfen nur je alle zwei Stunden Heißwafferumschläge, so heiß man sie vertragen kann, drei- bis viermal oder auch nur jeweils nachts vor dem Zubettgehen auf die schmerzhaften Stellen gelegt resp. gebunden werden, und die Schmerzen werden bald nachlasfen. Auch Zahnschmerzen werden in der Regel durch solche Umschläge gehoben. Ein mit heißem Wasser getränktes Stück Flanell mehrfach um den Hals eines vom Stickhusten befallenen Kindes gelegt, bringt schon nach wenigen Minuten beim Kinde eine auffallende Beruhigung hervor. (Prakt. Wegw.) Jür die Küche. Gegen das Schimmeln der Fruchtfäfte. Nichts ist besser und schützt mehr vor dem Schimmeln der Fruchtsäfte, als eine dünne Decke von Paraffin. Man läßt letzteres auf dem Feuer zergehen und gießt vorsichtig soviel über den erkalteten Saft, daß eine dünne Decke darauf entsteht. Diese wird sofort erhärten, und die Gläser bedürfen dann nur noch des Ueberbindens mit Pergamentpapier. Auch Gelees und Obstmarmeladen lassen sich auf diese Weise vor Schimmel bewahren. Den Paraffindeckel hebt man vom Gelee, sobald man letzteres gebrauchen will; hat man mehrere Deckel wieder zusammen, so schmilzt man sie zu einer Masse ein, die dann immer wieder auf's neue gebraucht werden kann. Rahm-Sauce zu Wildbraten rc. erhält einen ganz besonders pikanten, kräftigen Geschmack durch eine kleine Zuthat von Liebigs Fleisch-Extrakt, das ja heutzutage zum eisernen Bestand jeder praktischen Küche gehört. Beispielsweise eine Hirschkeule von 3 Kilogr. Gewicht, mit Salz eingerieben und zierlich gespickt in den entsprechend geheizten Bratofen gelegt, wird unter fleißigem Begießen mit 380 Gr. bräunlicher Butter gebraten. Alle kleinen Abfälle werden gut ausgekocht, und diese Brühe verwendet man in der letzten Stunde des Bratens zum Nachgießen. Die Sauce, unter Hinzufügung von 5 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt mit etwas in dicker saurer Sahne verquirltem Kartoffelmehl verdickt, schmeckt köstlich. Farcierte junge Birkhühner. 10 Personen. Bereitungszeit 2 Stunden. Zuthaten: 3 junge Birkhühner, die in den Federn 3 bis 4 Tage in kühler Luft hingen, 375 Gramm Speck, 6 Stück Sardellen, 3 Chalotten, ein wenig feingewiegte Zitronenschale, eine kleine Prise gemischtes Gewürz, Salz nach Geschmack, 200 Gramm Butter, Vs Liter sehr kräftige Jus aus Liebigs Fleisch-Extrakt, Vs Liter Rotwein. — Nachdem die Hühner sorgfältig gerupft, gesengt und mit einem sauberen Tuch abgerieben worden sind, macht man mit einem scharfen Messer längs des Rückgrates einen Einschnitt, löst die ganze Haut, in der die Keulen und Flügel sitzen bleiben müssen, von den Gerippen, schneidet das Brustfleisch los, kocht die Knochen mit dem Rotwein ganz kurz ein, bis sich eine Glaco bildet, und hackt das Fleisch mit dem Speck, von dem 125 Gramm zurückbleiben, und den übrigen Bestandteilen, als: Gewürz, Sardellen, Chalotten und Zitronenschale, fein. Ist dies geschehen, so füllt man die Farce wieder in die Haut und näht diese zu, sodaß sie wieder die ursprüngliche Form des Huhnes annimmt. Mit Speckscheiben umwickelt, werden die Hühner nun in der Butter gar gebraten, wobei man allmählich die Jus aus Liebigs Fleisch-Extrakt und den Rotweinfond, der durch ein feines Sieb geseiht wurde, hinzufügt. Auf diese Weise zubereitet, schmeckt das sonst leicht trockene oder härtliche Geflügel vortrefflich. Vermischtes. Das Häuschen Ariosts. Pobooico Ariosto, der gefeierte Dichter des weltberühmten romantischen Epos Orlando furioso (Der rasende Roland), (f 1533 in Ferrara), hatte sich ein kleines Häuschen bauen lassen, in dem er seine letzten Lebensjahre in Frieden zu verbringen gedachte. Ein Freund von ihm, der es sah, fragte ihn, wie es komme, daß er, der in seinem Orlando so viele großartige, prachtvolle Paläste beschrieben habe, sich mit einem so unscheinbaren, niedrigen Häuschen begnügen könne. Da antwortete der bescheidene Dichter: „Die Worte kosten weniger als die Steine!" Litterarifches. Unsere wichtigsten Kulturpflanzen. Von Privatdozent Dr Giesenhagen in München. Mit zahlreichen Abbildungen im Text. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlichgemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 12 monatliche Bändchen zu je 90 Pfg., geschmackvoll gebunden zu je Mk. 1.15, oder 54 wöchentliche Lieferungen zu je 20 Pfg.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. — Mit Recht widmet die Sammlung „Aus Natur und Geistesleben" ihr neuestes Bändchen den für den Menschen wichtigsten Kulturpflanzen, den Getreidepflanzen, welche uns das Brot und das Bier und unseren wichtigsten Haustieren die Nahrung liefern. Dem Grundsatz der Sammlung getreu, beschränkt sich die frische Darstellung des rühmlichst bekannten Verfassers nicht etwa auf die Schilderung der Getreidepflanzen, sondern die Darstellung des Körperbaues und der Entwicklung und Verrichtung der Organe der Getreidegräser vermittelt zugleich dem Leser in anschaulichster Form allgemeine botanische Kenntnisse. Sodann aber giebt der Verfasser noch einen äußerst intereffanten geschichtlichen Ueberblick über den Getreidebau bei den Chinesen und bei den alten Aegyptern, wie in Europa, insbesondere aber über die Entwicklung des deutschen Getreidebaues bis zur neueren Zeit; er gewährt einen Ausblick auf die kulturgeschichtliche Entwicklung des Menschengeschlechtes überhaupt und besonders unserer germanischen Vorfahren. Den Schluß bildet eine Darstellung der Krankheiten der Getreidegräser. — So kann das reich illustrierte Bändchen bei dem billigen Preis ebenso dem warm empfohlen werden, der, inmitten« des Landbaues stehend, sich für das Leben seiner Pfleglinge und seine Geschichte interessiert, wie dem, der ihm in der Großstadt entrückt, sich mit diesem Urberuf der Menschheit vertrant machen möchte. (Auflösung folgt in nächster Nummer.) Bilderrätsel (Nachbildung verboten.) Auflösung des Logogriph in voriger Nummer: Barbe, Garbe, Narbe, Farbe. RtWtiin: 6. Burkhardt. — Bruck und Verlag der Brühl 'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gieße«.