1899. jkhij B® >'• M HW MH en klaren Geist, den offnen Sinn, Nicht ohne Kampf und Schmerz. itaf Ein rein empfänglich Herz, Die schönen Drei erringst du dir Je mehr dein tiefster, inn'rer Mensch Dich gläubig wissen lehrt, Je mehr ist dir vom ero’gen Licht Zu deinem Heil beschert. Dein Wissen läßt dich bettelarm. Dein Glück ist leer und blind, Wenn sie vom Gottesdrang in dir Nicht Blütenzeugen sind. Jul. Hammer. (Nachdruck verboten.) Die kleine Lulu. Seeroman von Clark Russell. (Fortsetzung.) Siebzehntes Kapitel. Ein derber Scherz. Nach vierzehn Tagen günstigen Windes gelangten wir in jene äquatorialen Breiten, wo unbeständige Luftströmungen herrschen und Gewitter und Windstillen die Qual des Seemanns bilden. Der Kapitän und der Maat gönnten uns gar keine Ruhe. Von morgens bis abends drehten wir an den Raaen, setzten Leesegel, nahmen sie wieder ab. und mühten uns am laufenden Tauwerk, bis unsere Hände voll Blasen waren. Sobald sich die glasige Oberfläche des Wassers nur im geringsten kräuselte, wurden wir an die Brassen geschickt, obgleich auch jeder Laie hätte sehen können, daß der Luftzug nichts weiter als ein vorübergehendes Fächeln war, welches wahrscheinlich im nächsten Augenblick gerade aus der entgegengesetzten Richtung den Wasserspiegel treffen würde. Die Leute murrten häufig und bitter, bis jetzt drang dies aber noch nicht bis nach hinten. Nur Banhard ließen wir unseren Unmut fühlen. Nach den gemessenen Instruktionen des Kapitäns durfte er um keinen Preis den geringsten Luftzug unbeachtet lassen- hierunter litt er jämmerlich - denn er fürchtete den Zorn des Kapitäns bei einer Versäumnis und wollte es auch mit uns nicht verderben, indem er uns zuviel Arbeit gab. So befand er sich immer zwischen Thür und Angel. Als er einmal die Mittel-Wache hatte, war eine Windstille, die Zeichen einer Unterbrechung zeigte. Die Raaen waren gebraßt, die Brigg lag fest wie eine Boje, ihre weißen Segel schimmerten in der Dunkelheit und die Oberfläche der See glitzerte vom Wiederschein der Sterne. Der Mann am Steuer schien eingenickt. Vorn lagen beide Wachen auf Deck, da es unter der Luke wie in einem Backofen war. Banhard saß auf dem Oberlicht mit abgenommener Mütze und beugte sein Ohr tief nieder, um zu horchen, ob der Kapitän sich etwa rühre. Das Resultat seines Lauschens schien befriedigend gewesen zu sein, denn er zog seine Pfeife heraus, stopfte sie und steckte sie am Kompaßlichte an. Hiermit fertig, nahm er seinen Sitz wieder ein und paffte behaglich und bedächtig. Aber es war eine Nacht voll magnetischer Einflüsse. Das schwache Spülen des Wassers unter der Gillung, welches das Ruder gerade nur stark genug traf, um ein leises Klirren seiner Ketten zu bewirken, war w>e das einschläfernde, sanfte Summen einer Mutter an der Wiege ihre Lieblings- das flimmernde Sternenlicht traf ermüdend die Augenlider, und das leise Rauschen der leichten Segel klang in der Dunkelheit wie ein Flüstern, welches die Ruhe eines Schlafsuchenden nicht stören will. Die Pfeife fiel Banhard aus dem Munde - er nahm sie nicht wieder auf - bald hörte man ihn friedlich schnarchen. Vom Rade aus ließ sich ein leises, vorsichtiges Pfeifen hören- offenbar war dies ein verabredetes Zeichen- denn sofort erhoben sich zwei von den auf Deck liegenden Leuten und schlichen behutsam auf den Fußspitzen nach hinten- einer trug, wie es mir schien, ein aufgerolltes Tau - er kletterte ins Takelwerk des Großmastes. Ich sah dem allem erstaunt zu und war gespannt, zu entdecken, was für ein Unheil die beiden da brauten. Der Mann, der ins Takelwerk gestiegen war, kam bald wiederherunter- er stellte sich an den Fuß des Hauptmastes. Inzwischen hatte der andere sich bei dem ahnungslosen Banhard zu schaffen gemacht - jetzt gesellte er sich zu seinem Gefährten. — Eine kurze Pause, — ein gellender Schrei, — Banhard schwebte in der Luft, — die beiden Leute stürzten nach vorn. „Was habt Ihr gethan?" schrie ich, indem ich aufsprang. Sie gaben keine Antwort- Hals über Kopf stürzten sie an mir vorüber nach der Luke, in welcher sie verschwanden. 254 — Durch meinen Ruf waren die anderen erwacht und fragten, I den annern so gerben, dat em dat Fell von Ltew geiht, , [og rxj. I un wenn ’t dörtig toteren, wullt ik sei wisen, wo ik so n „Kommt schnell," rief ich, „Banyarb ist gehängt toorven, Gezücht von ßackermentschen Seekrabben tausam slahn dauh. seine Leiche schaukelt an der Gaffel." Mit diesen Worten I Nau, seggt wer was ’t? — Du, Billy, oder du, Jim, oder eilte ich nach hinten, gefolgt von den anderen. I du oder du?" — So fragte er jeden einzelnen. Als wir an den Ort der That kamen, genügte ein Blick, I Wir leugneten alle, waren entrüstet, daß wir etwas um zu erkennen, daß der Hals hier mit dem Hängen nichts I davon wissen sollten, und drückten laut unser Mißfallen aus zu thun hatte. Der alte Pendel (rote ich ihn immer nannte) I über seine Unverschämtheit, uns so etwas zuzutrauen. Die baumelte an einem Block einige Fuß unter der Briggsegel- Beleidigtsten von allen waren natürlich die beiden Schuldigen. Raa. Die Schelme hatten, während er schlief, eine Leine I Der alte Sam indessen geriet in einen ehrlichen Zorn, als unter seinen Achselhöhlen durchgezogen, ihn aufgeholt und I er befragt wurde. „ festgemacht. Dies war einer von den gemütlichen, seemännischen I „Sei däd n beter, nich tau feg gen, ik hadd t bahn, Scherzen. Hätten sie ihn an den Fersen, mit dem Kopf I schrie er, mit wild funkelnden Augen, Bauyards Gestalt von nach unten, aufgehißt und ihn so schaukeln lassen, so I oben bis unten messend. würden die Leute den Witz noch viel köstlicher gefunden I „Na, wer beb ’t bann?" schnaubte Banyarb. habe«. | „Ja, wer beb ’t? — Firm'n Sei ’t ut. — Denken Lat mi bal, lat mi bal, — äwer sachten," schrie bas I Sei, ik ward tau bese Nachttieb in’t Takelwark herüm- arme Opfer. „Wer het mit bat bahn? bat müggt ich I krauchen? — Wenn Sei seggen, ik toter t wesen, so fünb weiten. — Wollt Ji mi glik rimner laten, Ji Lumpen- I Sei en verbammten Lügner." Gestnnel! — Wenn wat reißt, bün ik en hoben Mann, ik I „Wat, bu näumst mi en Lügner?' wiege breiteihn Stein." „Ja, ik näum Sei en Lügner; — worüm füll iE bat Es war gerabe genug Bewegung in ber See, baß ber I benn nich? — Wer förcht fik benn vör Sei? Ik künnt alte Kerl hin unb her schwang unb sich brehte, wie eine I en betern Kierl as Sei tau Frühstück freien unb wurb nich Hammelkeule am Bratenwenber; was bie Leute aber am I mal weiten, bat ik wat in ntien Mag häbb. meisten kitzelte, bas war bie lächerliche Angst, bie sich in „Na also, Bully, oller Pumpen-Unnersäuker," fuhr ein der Haltung bes Mannes ausdrückte- denn sein Gesicht war anderer fort, „Sei sechn, hier is nicks för Sei tau Halen, uatürlich nicht zu sehen. Er hielt sich vollständig steif, weil gähn Sei leiwer wedder nah hinn'n un denken S an Ehr er glaubte, dadurch leichter zu sein, und sah infolgedessen I Geschäften- — in be Kapteihns Kajüt is Storm, ba giww genau wie eine Vogelscheuche aus. ’t velliecht wat för Sei tau reperirn.- „Süug uns en Lieb, Maating, bu weitst all, wat toi I Diesem Einfall folgte unmittelbar eine Flut von girn hürn, Herr ttoeiter Offizier," höhnte einer ber Leute Hänseleien unb rohen Neckereien, benen gegenüber ber arme unb fing bas Lieb an; im selben Moment flüsterte aber ein I Pendel sich kurze Zeit mannhaft behauptete, zuletzt aber doch anderer: „Verflucht, be Schipper," — unb fort waren wir. bie Flagge streichen mußte. — Im Schatten bet Küche bückten wir uns nieber, um I Am nächsten Morgen bonnerte Banyarb mit einer zu sehen unb zu hören, was aus ber Geschichte werben | Wanbspeiche auf die Luke und rief: „Alle Mann nach hinnn würde. | tautn Kapteihn.' — Dieser Befehl bezog sich natürlich, wie Wir sahen den Kapitän nach dem Kompaß gehen, — I wir uns sagen konnten, auf den Schabernack, der dem dann blickte er umher. Den Offizier vom Dienst vermissend, Zimmermann gespielt worden war, und im Gefühl unserer lief er: „Mr. Banyarb!" I Unschuld marschierten wir trotzig nach dem Hinterdeck. „Hier! Kapteihn. — Ach Gott, ik bün jo hier haben, Der Kapitän, nahe am Oberlicht stehend, sah uns mit Sir, — die Düwel hebben mi uphißt- — ich bün all bösem Blick stirnrunzelnd an; er dachte wohl, uns damit halw dod!" I einzuschüchtern. — Dann, als wir alle vor ihm standen, Der Kapitän sah verwundert in die Höh, und offenbar | schrie er: „Wer von euch hat es gewagt, sich in letzter Nacht in dem Glauben, ber arme Mann erlaube sich einen un- I an Mr. Banyarb'zu vergreifen?" ziemlichen Scherz, befahl er ihm wütend, sogleich herab zu I Keine Antwort. kommen. I „Ich erwarte, daß diejenigen, welche es thaten, sich auf „Wenn de Wind kommt," hörten wir nun wieder den | der Stelle melden," fuhr er drohend fort. „Ich sage euch, armen Pendel durch die Finsternis wimmern, „toarben sei I ich will es erfahren, nehmt euch also in acht." mten Tau ganz feier ut Verseihn tottaten, ik kenn jo be Tiefes Schweigen, wie vorher, war bie Antwort, nieberträchtige Banbe, un bann is ’t ut mit mi. — So Er trat nun bicht an uns heran unb fragte jeben taten S' mi boch enblich bal, Kapteihn, is bat woll en I einzelnen: „Hast bu es gethan?" — Jeber einzelne ant- passende Sitwatschon för einen von Ehr Offiziers?" «ortete mit einem festen „Nein". — Dieses fortwährenbe Der Kapitän näherte sich nunmehr bem Großmast, Nein", in ben verschiedensten Tonarten unb mit einer abtastete nach bem Tau, machte es los unb ließ es nach, sichtlich zur Schau getragenen Gemütsruhe abgegeben, war Nicht zu unterbrückendes Gelächter begleitete Banyards über alle Begriffe komisch, besonders, wenn man babei tn Nieberfahrt, unb bieses bertoanbette sich in ein wahres bas vor Wut zuckenbe Gesicht bes Fragestellers sah. Gebrüll, als Mr. Franklin bas Tau löste, boshafter Weife, „Nun gut/' sagte ber Kapitän, blaß vor Zorn, nachschon losließ, wie Banyarb noch etwa vier ober fünf Fuß bem er bie Reihe herum war, „nicht eine Unze Lebensmittel über bem Deck schwebte. Hierburch schlug berfelbe mit 1 werbet ihr mehr erhalten, bis ich bie Schulbigen kenne." solcher Gewalt nieber, baß er sich nunmehr allerbings, Nach biesen Worten trat auf einmal, zu unserer aller bei seinem schweren Gewicht, ben Hals hätte brechen I Ueberraschung, Klein-Welchy vor. $gnnen- I „Weiten Sei, Kapteihn," rief er, „ik will manierlich Der Kapitän sagte jetzt weiter nichts, er schrie uns mit Sei reden; Ehre Schulb würb's sien, wenn ik ’t nich nur zu, ben Block herunter zu holen, unb bann ging er I hab. Da bün ik un noch anner unner uns, be von be Sak wieher in bie Kajüte. Das war für uns ein Zeichen, haß nicks weiten, un wenn Sei uns' Ration t’rügg behöll'n er in biefer Nacht keine weitere Notiz von ber Sache nehmen I routt’n, so fegg ik, bortau hebben Sei kein Recht." wollte. I „Halt's Maul, bu aufsässiger Hunb, unb pack’ bich Dafür stürzte nun aber Banyarb wutschnanbenb nach vorn, wenn bu nicht gleich wieher eine Tracht Prügel unter uns. I haben willst," brüllte her Kapitän. „Wo sünb be Hunbsfötter, be mi uphängt hebben?" Die Erinnerung an bas Vorkommnis, welches seiner schrie er, „un wenn ’t twtnzig mieten, — ik will einen nah « Zeit Welchys Gefühle so unsäglich verletzt hatte, brachte ihn 265 — in die äußerste Wut. Mit einem Ruck hatte er sein Matrosen - Messer gezogen, schwenkte es in der Luft und rief: „Bi Gott, ik mak hier en annern tum Kummandür von de Brigg, — wahrhaftig, bot dauh ik, — wenn Sei ml anfaten, Schipper. — Härm' weg! Wi sünd kein Kulies." Der Kapitän, wenn auch ein Grobian, war doch kein Feigling- mit einem Satze sprang er auf den Mann los- doch ehe er ihn erreichte, hatten einige von uns im Nu das erhobene Messer den Händen WelchyS entwunden und ihn vom Kapitän getrennt. Letzterer brüllte: „Legt den Kerl in Eisen!" — aber keiner von uns rührte sich. Er stürzte nach dem Oberlicht und rief nach dem alten Windwärts- dieser erschien auch sofort, nur mit Hemd und Hosen bekleidet. „Holen Sie die Eisen, damit wir diesen Schuft fesseln können," rief ihm der Kapitän, auf Welchy deutend, zu. Dieser Befehl gelangte nicht zur Ausführung. — Noch ehe man bis Zehn zählen konnte, war ein heftiges Handgemenge entstanden. Windwärts hatte einen Mann niedergeschlagen und lag jetzt selbst mit blutender Nase, zappelnd auf Deck. Als er wieder auf die Beine gekommen war, fuhr er unter uns wie ein wütender Stier. Aber was konnten zwei gegen eine ganze Mannschaft ausrichten? Der ungleiche Kampf dauerte nicht lange. Der Kapitän und der Maat ergriffen schließlich die Flucht. Das Blut der Leute war jetzt in Wallung. Die schlimmsten Leidenschaften arbeiteten in ihnen. Das machte mich bedenklich wegen Miß Franklin und ich sagte deshalb: „Nun ist es aber genug, der Maat hat seine Prügel weg und der Kapitän seinen Lohn empfangen. Laßt uns zeigen, daß wir Mäßigung kennen." „Ik rüg keine Hand mihr, ahn mien Frühstück," sagte Sam. Gerade in diesem Moment kam Banyard mit den Eisen. Das reizte die Leute von neuem. Mit wahrem Wutgeheul stürzten sie auf ihn, entriffen ihm die Feffeln und warfen sie über Bord. Der dicke Mann selbst wurde niedergeworfen und geknufft. Darauf traten wir alle in der Mitte zusammen. Der Kapitän und der Maat standen hinten und berieten mit einander. (Fortsetzung folgt.) Gekreppte Stoffe. Von Gustav Strahl. ------- (Nachdruck verboten.) Die nahende Sommersaison bringt für unsere Damenwelt hinsichtlich der Auswahl der Kleiderstoffe wieder einige kleine Sorgen mit sich. Es sind da so vielerlei Wünsche zu berücksichtigen, die sich manchmal mit den hygienischen und praktischen Grundsätzen nicht gut vereinbar erweisen. Leicht und luftig soll die Kleidung sein, das ist besonders für den Hochsommer die erste Bedingung, damit der Ausgleich zwischen Körpertemperatur und Außenhitze ungehemmt sich vollziehen kann. Anderseits soll aber die Eleganz nicht beeinträchtigt und der Mode Beachtung geschenkt werden. Neben dem ureigentlichsten Zweck, den Körper zu bedecken — teils um ihn gegen äußere Einflüsse zu schützen, teils um ihn dem Anblick zu entziehen, ihn zu verhüllen — soll das Kleid auch die Aufgabe erfüllen, den Körper zu schmücken. Deshalb gilt es als Haupterfordernis, die einzelnen Stücke so auszuwähleu oder anzuordnen, daß sie die Umrisse der Figur deutlich erkennen lassen, daß sie den Bewegungen der Glieder folgen und dieselben betonen. Einen wesentlichen Faktor der Sommertoiletten bilden gegenwärtig die gekreppten Stoffe, wahrhaft merkwürdige Erzeugnisse der Webetechnik, über deren Herstellung sich schon mancher den Kopf zerbrochen haben mag. Man unterscheidet bei diesen Geweben solche, welche mit der sogenannten Kreppbindung hergestellt sind, und solche, die ihr eigentümliches Aussehen besonders präparierten Materialien oder äußeren Einflüffen chemischer Natur verdankest. Unter Kreppbindung versteht man in der Weberei eine Fädenverkreuzung, welche nirgends auf der Oberfläche bes Stoffes eine gerade Linie erscheinen läßt, wie z. B. Leinwand- oder Köpergewebe- eö wechseln im Gegenteil ganz unregelmäßig kurze und lange Kett- und Schußfadenstücke ab, so daß das Gewebe häufig aussieht, als wäre es mit kleinen Körnern übersät. Diese Webweise ist meist in Cheviotstoffen zu finden, wenigstens so weit es sich um glatte Stoffe handelt; in Jacquardstoffen ist Krepp auch als Grundbindung ehr beliebt, da man durch diese Verkreuzungsweise der Fäden einen Effekt erzielt, der sich von glatten Figuren scharf ab- hebt, letztere als vorzüglich zum Ausdruck kommen läßt. Die durch Verwendung besonderer Materialien hergestellten Kreppstoffe zeigen unter sich wieder besondere Verschiedenheiten. Eine der bekanntesten Qualitäten ist Krepp- mousselin, das ist ein aus Kammgarn hergestelltes Taffetoder Letnwandgewebe, bei welchem zur Kette abwechselnd ein rechtsgedrehter und ein linksgedrehter Faden genommen wird. Eine ähnliche Ware aus hartgedrehter Seide heißt Crepe de Chine. Professor Rein, der im Auftrage der preußischen Regierung im Jahre 1874 Japan bereiste, weiß auch von dort über ein Kreppgewebe zu berichten, welches sich in seiner Herstellung dem vorher ausgeführten ziemlich deckt. beliebteste rauhe, glanzlose Seidenstoff", sagt der Forscher, „den sie sowohl einfach, als in verschiedener Weise gemustert darstellen, ist der Chirimen oder Krepp. Weicht auch, wie das Aussehen, so die Anfertigung der verschiedenen Sorten ansehnlich von einander ab, so findet sich doch bei allen ein gemeinsamer Zug, welcher darin besteht, daß man zur Kette wie zum Schuß ziemlich gleich starke Fäden nimmt, von denen aber die Etnschlagfäden auf der Zwirnmaschine noch besonders, teils rechts, teils links, gezwirnt wurden. Beim Einschlag dieser doppelt gedrehten Fäden wechselt man mit beiden Sorten ab. Ist das Stück fertig, so kommt es in ein Bad, erleidet dabei eine starke Kontraktion, namentlich in der Breite, wird darauf in Wasfer ausgesüßt und vor völligem Trocknen über eine hölzerne Walze gerollt und gestreckt, dann an der Sonne vollends getrocknet. Das Zusammenschrumpfen des Gewebes beträgt 20 bis 30 Prozent in der Breite, aber nur 10 Prozent in der Länge". Das hier erwähnte Zwirnen des Materials findet sich auch bei einer ganzen Reihe hierher gehöriger deutscher Stoffe wieder. Auf der Beobachtung, daß Fäden in der Nässe zusammen laufen, und um so mehr, je schärfer dieselben gedreht sind, beruht auch die Fabrikation unserer Wellenstoffe und Crepons. Wir unterscheiden unter diesen solche Stoffe, deren Falten der Längsrichtung des Gewebes nachlaufen, und solche, welche quer über die Ware gehen- auch beide Effekte findet man manchmal kombiniert in einem Stück vor. Ein Zug, der auf die Breite des Gewebes wirkt, also vom Schuß ausgeht, erzeugt senkrecht zu diesem Zuge stehende Falten also der Kettrichtung parallel gehende —, während ein Zug in Richtung der Kette querliegende Fältchen erzeugen wird. Davon ausgehend ist es nun gar nicht so schwer, das für den jeweiligen Zweck notwendige Material auszuwählen. Nehmen wir zuerst längsgekreppte Stoffe, so wird abwechselnd, je nach der Länge der gewünschten Falten, weicher, wenig gedrehter Schuß und hart gedrehter, überdrehter Schuß eingetragen- der hart gedrehte Schuß zieht sich beim Naßwerden in sich zusammen, Nachbarstreifen, mit nichtgedrehtem Schuß gewebt, können dieser Bewegung nur dadurch folgen, daß sie sich in kleine Falten zusammen schieben. Es entstehen sowohl Streifen, welche sich als glattes Gewebe erhalten konnten, als auch gekräuselte. Diese Stoffe werden also, genau wie der japanische Krepp, hauptsächlich in der Brette zusammenlaufen- auch der in Frage kommende Prozentsatz stimmt mit diesem ziemlich genau überein. Man nimmt gewöhnlich 25 Prozent an. 256 — Die zweite Spezies erhält man dadurch, daß man, analog dem vorigen, anstatt des verschiedenen Schusses verschiedenes Kettmaterial verarbeitet) Streifen aus weichem Kettgarn wechseln mit solchen aus hart gedrehten Fäden. Das fertige Rohgewebe läuft jetzt der Länge nach zusammen, und da die Falten stets quer zur Zugrichtung sich legen, entstehen Stoffe mit der Schußrichtung nachlaufenden Fältchen. Gewürfelte Effekte entstehen durch Verwendung der beiden verschiedenen Materialien sowohl in Kette als in Schuß. Vereinigt man mit diesen Methoden einen gewissen Farbwechsel der verschiedenen Streifen, oder legt man vielleicht „Drcherstreifen" ein, so ist die Möglichkeit der Mustererzeugung eine recht vielfältige. Hatten diese Stoffe immerhin noch eine gewisse Regelmäßigkeit, so lernte man auch bald unregelmäßige Effekte auf demselben Wege zu erzielen. Das Vorbild dazu gaben Muster, welche bei den Seidenkonfektionsstoffen schon längst gebräuchlich waren — die sogenannten Blaseneffekte. Diese entstehen dadurch, daß an einzelnen Stellen die das Doppelgewebe bildenden Teile, Ober- und Untergewebe, nicht miteinander verbunden wurden. Das nur aus feinen Seidenfäden und einem sehr dünnen Schuß gebildete Obergewebe hob sich infolge Zusammenziehung der Unterware über den Grund hervor und lag nun, auch noch durch die Schattierung abstehend, als Blase oben auf. In Kammgarn und Mohair hat man diese Effekte sehr bequem nachahmen können- diese sind jetzt ganz modern. War in den bisher besprochenen Stoffen das ausschlaggebende Moment lediglich in der Qualität der verwendeten Materialien zu suchen, so führen uns besonders die zuletzt angeführten, mit unregelmäßigen Kräuseleffekten versehenen Waren zu einer weiteren Gruppe, welche ihre Entstehung lediglich chemischen Prozessen verdankt, und auf die bei Herstellung von Rohware noch keine Rücksicht zu nehmen ist. Hier kommen in erster Linie Baumwollgewebe in Betracht. Die Baumwolle besitzt nämlich die Eigenschaft, bei Behandlung mit Aetzkalilösung oder Säure ganz bedeutend zusammenzuschrumpfen. Trotzdem man diese Eigenschaft schon über fünfzig Jahre kennt, blieb es doch der Neuzeit überlassen, diese Erscheinung technisch zu verwerten. Der Engländer John Mercer hatte gelegentlich bei chemischen Experimenten die Beobachtung gemacht, daß Baumwollzeuge, durch welche er Kalilauge filtriert hatte, stark zusammenliefen und dabei dem Pergament ähnliche Eigenschaften zeigten- es war keine Zersetzung der Faser eingetreten, sondern nur eine chemische Umwandlung- was der Faden an Länge verloren hatte, das hatte er an Stärke gewonnen. Die systematische Anwendung dieses Vorganges, nach seinem Erfinder „Mercerisation" genannt, spielt heute eine ganz gewaltige Rolle in der Veredelung baumwollener Stoffe. Wir wollen auf dieses Verfahren jedoch nur so weit eingehen, als dasselbe sür unser Thema in Betracht kommt. Das was durch Verweben verschieden zusammenziehbarer Materialien im Gewebe erreicht wurde, läßt sich durch Behandlung einzelner Parthien mit Aetzkalilauge ebenfalls erzielen, und hat man hier zwei Wege eingeschlagen- entweder man bedruckt das Rohgewebe mir Stoffen (Ketten, Kautschuklösungen rc.), die ein Eindringen der Kalilösung in das Gewebe verhindern, oder man imprägniert das ganze Gewebe mit Kalilauge und druckt auf bas noch naffe Zeug mit solchen Chemikalien, welche das Kali zerstören, also seine zusammenziehende Wirkung aufheben. In beiden Fällen erhält man also Stoffe, in denen zusammengezogene Stellen mit nicht zusammengezogenen abwechseln. Es entstehen dadurch Ungleichheiten in der Spannung der Fäden, welche sich nur durch Aufwerfen der länger gebliebenen ausgleichen lassen. Die geschrumpften Stellen müssen infolgedessen an den Rändern mit Kräuselungen sich umgeben, die entweder in einer Blase zusammenlaufen, oder, wenn die Zwischenräume nicht zu groß sind, als kleine Fältchen bis zur nächsten Schrumpfstelle sich forssetzen. Je nach der Konsistenz der Kalilauge läßt sich dieser Effekt verschieden variieren, so daß man durch geschickte Manipulation, etwa durch Drucken mit verschieden starker Lauge in ein und demselben Stück, die interessantesten Muster erzeugen kann. Hinzu kommt dann noch der Umstand, daß die mit Kalilauge behandelte Baumwolle gewisse Farbstoffe viel intensiver aufsaugt, als rohe Baumwolle, daß also neben den Kreppeffekten auch noch recht auffällige Farbcffekte auftreten. Wenn diese auch nicht als oirekte Farbveränderungen, sondern nur als Nüancierungen anzusprechen sind, so treten dieselben dennoch häufig so stark hervor, daß man gut von Zweifarbigkeit reden kann. Doch nicht nur Baumwollgewebe lassen sich chemisch derart behandeln- auch die Wolle reagiert auf gewisse Chemikalien in diesem Sinne. Einige Stoffe haben die Eigentümlichkeit, das Zusammenlaufen, Filzen der Wolle stark zu beschleunigen, andere wieder das Gegenteil, sie verlangsamen oder verhindern dasselbe ganz. Besonders beschleunigend wirkt salpetersaures Quecksilber, während Chromsäure und besonders Chlor das Filzen sehr energisch verhindern^ Durch Bedrucken mit diesen Chemikalien läßt sich also auch in Wollwaren, besonders in leichten Mousselinen, ein dauerhafter Krepp erzielen. Lsrrrnsristisches. Auf der Sekundärbahn. Reisender: „Donnerwetter, der Zug fährt ja heute ordentlich schnell, Schaffner!" — Schaffner (geheimnisvoll): „Ja wissen S', wir haben nämlich einen Eilbrief im Postsackl" * * * Vorbereitung. Wirt: „Ja, Seppel, was ist denn das, Du holst heut' schon die zehnte Maß, was ist denn los bei Euch daheim? — Seppel: „Ja, wissen S', der Vater hat morgen einen Trinkspruch auszubringen und da probiert er heut' das Austrinken auf einen Zug." (Negg. Bl.) Lttterarifches. 8. von Pröpper's, Spczialkochbücherr 1. Kartoffelküche. (230 Rezeptes 2. Fischküche. (212 Rezepte). 3. Wildküche. (212 Rezepte). 4. Mehlspeisen. (295 Rezepte). Frankfurt a. M. Jaeger'sche Verlagsbuchhandlung. 1899. (Preis geb ä Mk 1.—). Bier reizende Bücher auf einmal, alles selbsterprobte Rezepte, bringen die auf diesem Gebiete weitberühmte Autorin und der ebenso bekannte Fachverlag Jaeger in Frankfurt a. M. Es sind wirklich kaum jemals ähnlich hübsche und praktische Bücher erschienen für die Küche. Und dazu soll, wie die Verlagsbuchhandlung uns mitteilt, diese Sammlung noch fortgesetzt werden. — Es ist eine Freude, dergleichen zu begegnen. Für den Inhalt garantiert uns Frau v. Pröpper, doch ersehen wir schon heute, daß sie die alten Schätze von Schloß- und Klosterküchen geplündert hat, um uns diese Rezepte zu übermitteln. In der „Fischküche" und in der „Wildküche" (Wild und Wildgeflügel) sind viele davon, ebenso in den „Mehlspeisen". Dabei sind alle 4 Bücher für Arm und Reich bestimmt. Jede Hausfrau findet darin was sie sucht, und was sie braucht, um ihrer Küche Abwechslung zu geben. — Man lasse sich die Bücher in den Buchhandlungen zeigen, sie werden sich gewiß rasch überall einbürgern, und wir wünschen der rührigen Verlagsbuchhandlung recht viel Glück mit den schönen Büchern, an denen nichts gespart ist, um sie für die intime Bibliothek der Hausfrau auch äußerlich recht hübsch zu gestalten. 8. v. Pröpper. Einfaches vegetarisches Kochbuch. 660 erpropte Rezepte. Frankfurt a. M. Jaeger'sche Verlagsbuchhandlung. (Preis geb. Mk. 1,60 . Die Zahl der wirklich brauchbaren vegetarischen Kochbücher ist eine geringe, trotzdem, daß die vegetarische Kost heutzutage — auch oft unbewußt, oft aus praktischer Sparsamkeit — immer mehr Anhänger findet. Frau v. Pröpper's Name bürgt für eine gediegene Arbeit, und die Rezepte Iaffen uns diese Annahme bestätigen. Auch für katholische Gegenden dürfte das Buch in der Fastenzeit von hohem Wert sein. Ist auch in den meisten Haushaltungen ein gutes Stück Fleisch immer noch der willkommenste Bissen, so schadet selbst in der opulentesten Küche ein fleischloser Tag in der Woche gar nichts, im Gegenteil! Und auch hier wird Frau v. Pröpper wie immer eine gute Ratgeberin sein. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.