mh f er Schmelz der Blume ist wohl bald dahin, Ihr süßer Duft wohl bald im Wind verweht, Und doch — es lebt in ihrem Kelch ein Geist, Der nicht vergeht. Des Meeres Welle ist wohl bald versprüht, Im Dünensand verdunstet bald ihr Schaum, Und doch — ihr Rauschen lallt uns leise noch In Schlaf und Traum. Des Lebens schönste Tage zieh'n dahin, Wie dieser kleine, schüchterne Gesang, Und doch — es klingt durch ihre Flucht ein Ton Von ew'gem Klang. Otto Frommel. Nachdruck verboten. Die Armenhausprinzesstn. Roman von O. Elster. (Fortsetzung.) Elsie trat an den Flügel zurück, der Kapellmeister intonierte die Begleitung, und weich und sehnsüchtig perlten die Worte von den Lippen Elsies: „Komm' aus der engen Stadt, damit die Felder blühen, Blick auf den Dornenstrauch, damit die Rosen glühen, Tritt in den weißen Schnee, damit die Knospen springen, Schau' diese Bäume an, damit die Vögel singen. Blick auf das starre Eis, daß Leben werd' im Bache, Falte die Hände fromm, daß die Natur erwache. Oh hauche sanft sie an, daß blüht und grünt die Erde — Breit' Deine Arme aus, damit es Frühling werde!"-- Eine tiefe, atemlose Stille folgte dem Liede. Der Herzog hatte sich erhoben. Seine Hand hatte mit fast krampfhaftem Griff die Lehne seines Sessels umfaßt,- sein Antlitz war bleich geworden, seine Lippen schienen zu beben, sein loderndes Auge hing in schwärmerischem Blick an der Gestalt Elsies, die, das von den goldenen Locken umwallte Haupt tiefgebeugt, mit gesenktem Auge und heißen Wangen dastand, während die stürmischen Gefühle ihr Herz, ihre Brust zu zersprengen drohten. Aufatmend trat der Herzog zu Elsie. „Sie sind eine gottbegnadete Künstlerin, Fräulein Elsie," sprach er mit tiefer Stimme, „und ich schätze mich glücklich, Ihnen die Wege des Ruhmes ebnen zu dürfen. Noch niemals hat mich dieses Lied so ergriffen, wie heute Abend — breit' Deine Arme aus, damit es Frühling werde — — ich danke Ihnen von ganzem Herzen." Er ergriff ihre Hand und drückte sie an die Lippen. Ihre Blickte begegneten sich, eine Weile ruhten sie ineinander, als wollten sie jedes in der Seele des anderen lesen — dann flog ein Erschauern durch die Gestalt Elsies, sie senkte die Augen — und der Herzog trat tief aufatmend zu Herrn und Frau von Hannecken zurück. „Ich beglückwünsche Sie, Excellenz," sagte er, „daß Sie diese Perle gefunden haben. Sie wird unserem Hoftheater neuen Glanz nnd neuen Ruhm verleihen. Ihr Schützling soll sich doch der Bühne widmen — ich hoffe, sie sehr bald auf meiner Bühne begrüßen zu dürfen." „Elsie ist noch sehr jung, Hoheit —" „Aber bereits eine vollendete Künstlerin. Wie ist eS, Herr Kapellmeister, finden Sie nicht auch, daß das Fräulein bereits fertig für die Bühne ist?" Der Kapellmeister trat mit tiefer Verbeugung näher. „Ich habe mit dem gnädigen Fräulein bereits die Partie der Leonore in Fidelio einstudiert und ich hoffe, Ew. Hoheit werden die junge Künstlerin bereits in einigen Wochen auf der Bühne sehen können." „Das freut mich. — Sehen Sie, Excellenz, ich hatte recht. Fräulein Elsie muß ^hinaus in das Leben, in die Kunst — wir werden die Welt mit einem neuen Stern überraschen. — Excellenz," wandte er sich lachend an die Oberhofmeisterin Gräfin Bittenfeld, „Sie werden Ihrer Hoheit, meiner Mutter einen glänzenden Bericht erstatten können." Die Oberhofmeisterin verneigte fich tief. „Ich werde nicht verfehlen, Hoheit!" „Gestatten Sie, daß ich Ihnen meine Bewunderung zu Füßen lege, Armenhaus - Prinzessin," flüsterte Rittmeister von Hannecken Elsie zu. Erschreckt sah sie zu ihm empor. „Armenhaus-Prinzessin 1" Wie ein häßlicher Ton aus längst entschwundener Zeit klang das spöttische Wort ihr ins Ohr und zerriß mit einem« male den goldig schimmernden Schleier, der ihr Leben, ihre Vergangenheit und Zukunft zu umweben schien. Armenhaus- Prinzessin! Dieses eine Wort schleuderte sie in die Tiefen des Lebens zurück, denen sie bereits entronnen zu sein glaubte, Armenhaus-Prinzessin! Dieses eine Wort zerstörte mit einemmale den goldenen Traum von Glück und Glanz und zeigte ihr die Welt und das Leben wiederum in dem fahlen Lichte der Wirklichkeit. 188 Sie atmete tief auf. I seinem Auge klar und fest begegnen konnte. Stoch einmal „Ich danke Ihnen, Herr Rittmeister," entgegnete sie I richtete er dankende, freundliche Worte an sie — dann der- mit trübem Lächeln, „daß Sie in dieser Stunde, in der I abschiedete er sich, schritt leicht grüßend durch die sich tief thörichte Hoffnungen mir den klaren Blick zu trüben drohten, I verneigende Menge und verließ den Salon. mich der Wirklichkeit zurückgegeben haben. Ich werde jenes I Die hellen Flammen der Gaskronen schienen erloschen. Wortes stets gedenken - seien Sie unbesorgt." Eine trübe Dämmerung schien sich auf die glanzende Gesell- Ste schritt rasch davon. schäft zu legen, und Elsie bat die Generalin um die Er- Ueberrascht schaute ihr der Rittmeister nach. Dann laubnis, sich auf ihr Zimmer zurückziehen zu dürfen. murmelte er lächelnd: „Amerikanisches Blut'." und mischte Zärtlich strich die Generalin über die glühenden Wangen sich wieder unter die Gesellschaft. Elsies. „Gehen Sie nur, mein Kind," sprach sie mit welcher Die Gesellschaft hatte sich bis zu diesem Abend wenig Stimme. „Sie haben heute abend einen großen Sieg er- um Elsie gekümmert/ man war mit einer gewissen spöttischen I kämpft, Sie haben eine Stunde erlebt, welche über Ihr Erwartung zu der musikalischen Soiree der Baronin ge- j ganzes Leben entscheidet denken sie ernst über alles, kommen und machte sich im geheimen lustig über den guten I was Sie erlebt haben nach — morgen werden wir darüber General, der plötzlich nicht genug von dem durch ihn ent- sprechen. Adieu, mein Kind. deckten musikalischen Wunderkiade erzählen konnte. Mit I Unbemerkt von der Gesellschaft, die sich bereits wieder einem Schlage änderte sich die Stimmung. Seine Hoheit in lebhafter Unterhaltung befand, schlüpfte Elsie davon, der Herzog hatten seinen Beifall zu deutlich kund gegeben, als Auf ihrem Zimmer warf sie , sich in elnen Sessel und daß man nicht in diesen hätte einstimmen müssen. Man be- I barg ihr heißes Antlitz in die Hande. So blieb sie eine stürmte den General mit Fragen, man umringte die „geniale I lange Zeit sitzen — regungslos lautlos die stunde ihres Künstlerin", man drückte ihr die Hände, einzelne alte Damen I Sieges, ihres Triumphes, ihres Glückes mit träumendem küßten sie auf die „kunstgeweihte Stirn*, und einige ältere Herzen noch einmal genießend. , würdige Herren erlaubten sich in gönnerhafter Weise die I Die Vergangenheit — die Armenhaus - Prinzessin, die Hand der „jungen, hochtalentvollen Sängerin", der „zweiten I trüben Stunden der Kindheit waren vergessen / aber auch die Lucca" an die Lippen zu führen. Erinnerung an das stille, trauliche Glück der Hetmatz, der Elsie ward in einer Weise gefeiert, welche ihrem Jugend entschwand, wie eine freundliche Landschaft im Nebel- Charakter hätte gefährlich werden können. Aber die schmeich- dunst untertaucht. Vor ihren geistigen Augen wogte und lerischen Worte glitten machtlos an ihrem Herzen ab. Sie I wallte das Meer der Zukunft, das rauschende, brausende brauchte nur einen Blick in das leicht spöttisch lächelnde Meer, das in schäumender Brandung an die felsigen Ufer Gesicht des Rittmeisters zu werfen, der öfter, wenn ihre donnerte, das mit sprühenden Wogen, auf denen das glänzende Augen sich begegneten, mit dem Finger an die Stirn tippte, Licht der hellen, klaren Sonne leuchtete, sich daher walzte, um die Ueberschwänglichkeit der Schmeicheleien zu charakteri- | drohend, majestätisch, vernichtend und doch erhebend, das fterett — und Elsie glaubte wieder das häßliche Wort Meer, das rauschende, brausende Meer, das in vollen „Armenhaus-Prinzessin" zu hören, dessen harter Klang sie Sturmes - Akkorden das ewige Lied von dem Streben, von vor Hochmut, vor thörichtem Stolz bewahrte. dem Kämpfen, dem Sieg und dem Untergang der Mensch- Sie hatte auch während ihres Aufenthaltes in dem I heit sang! Hause des Generals ihre Beobachtungen angestellt und sehr | Elsie sprang empor! Ihre Augen leuchteten. Ihre wohl die Maske erkannt, welche die Gesellschaft vorzunehmen schlanke, kräftige Gestalt straffte sich empor! Jenseits bei liebte. Vor dem kleinen Landmädchen brauchte man sich ja wogenden, brausenden, rauschenden Meeres lag im Sonnen- nicht zu genieren, man plauderte offen heraus, was man schein des aussteigenden Sieges das Land des Glückes, die dachte, ohne auf Elsie zu achten, welche meist still und in sich Insel der Seligkeit - jenseits des Meeres tauchte leuchtend gekehrt in einem Winkel saß oder den Damen, welche zum die Sonne des Glückes empor. Besuch bei der Generalin weilten, eine Tasse Kaffee oder Elsie streckte in wilder, heißer Sehnsucht dre Arme aus Thee reichen mußte. Die plötzliche Umwandlung der Gesinnung — auf ihren halbgeöffneten Lippen schien ein stummer Jubel- dieser Damen und Herren, welche sie früher nur mit spöttisch schrei zu schweben — in ihrem Herzen quoll es empor, herß, erstaunten Blicken begrüßt hatten, entging ihrem Scharfblick I sehnsuchtsvoll, stürmisch fordernd und bittend. Und im Geiste ebenso wenig, wie der Beweggrund dieser Umwandlung selbst, stürzte sie sich hinein in das Meer, das rauschende, brausende und ein Gefühl der Menschenverachtung schlich sich zum I Meer, und die schäumenden Wogen schlugen über ihr zu- erstenmale erkältend in ihr Herz. sammen, und sie meinte zu versinken in die grünschimmernde Sie fühlte ihren Wert, sie wußte, daß ihr Können weit Tiefe. „u. f über demjenigen der meisten dieser Damen und Herren stand, Da fiel ihr hilfesuchendes Auge in den großen Spiegel sie war stolz auf dieses Können, sie war stolz auf das Lob I ihr gegenüber. Ihre schlanke Gestalt, ihr goldenes Haar, aus dem Munde des Höchsten unter ihnen, sie fühlte sich ihre großen, tiefblauen Augen, ihre frischen Lippen und ihre durch die Huldigung des Fürsten hoch emporgehoben über zartduftigen Wangen leuchteten ihr entgegen in ihrer ganzen alle, welche jetzt schmeichelnd sie umringten und deren Lobes- prangenden Schönheit und Jugend. r , erhebungen ihr nicht so viel galten, wie ein einziger Blick I Siegesgewiß reckte sie sich empor — Schönheit und aus den dunklen Augen des Fürsten. I Kunst im Bunde, wie sollte der Sieg ihr nicht werden? Ihm dünkte sie sich gleich, trotz ihrer niederen Geburt. I Ihm gegenüber war sie nicht die Armenhaus - Prinzessin, I ' sondern die Fürstin im Reich der Töne; weil er so hoch, so Nach einigen Tagen ward Elsie zu der Herzogin-Witwe weit über ihr stand, daß ihre irdischen Gedanken nicht an ihn I befohlen. heranretchten, schwand auch ihm gegenüber alles Irdische, I Ihre Hoheit wünschten einige Lieder von Elsie zu Horen, alles Gemeine, alles Wirkliche, sie stand ihm rein geistig da aber die hohe Frau leidend war und ihre Zimmer nicht gegenüber und durfte und konnte sich ihm im Geiste gleich verlaffen konnte, vermochte ffe außerhalb des Schlosses Musikfühlen. Die anderen verachtete sie, wie sie von ihnen im Aufführungen oder Theater-Vorstellungen nicht beizuwohnen. Grunde ihrer Herzen verachtet wurde. Sie lachte über den Schon seit Jahren fesselte eine nervöse Krankheit die Herzogin Hochmut der anderen, die sich doch vor einem Wort des an das Zimmer, ja, Wochen und Monate lang an den Fürsten beugten und sie mit Lobsprüchen umschmeichelten, I Krankenstuhl. Nur mit Hilfe zweier, sie unterstützender die sie sonst mit Spott und Geringschätzung behandelt hatten. Damen vermochte sie einige Schritte zu gehen,- wollte sie in Noch einmal nahte sich der Fürst Elsie/ noch einmal dem großen Park, der sich an das Schloß anschloß, frische ergriff er ihre Hand und blickte ihr in das Auge, das jetzt I Luft schöpfen, mußte sie sich durch einen Rollstuhl oder in 189 -r SUWÄ' ' tr* Nicht weniger planvoll vorbereitet und weise berechnet (Fortsetzung folgt.) als Ge- vorzüglichsten Eigenschaften des ThongeschirrS gesehen wurde. Die Glasur breitete sich als strahlendes Festkleid über den bescheidenen Kern, und wo die Masse selbst oder die unenb wickelte Technik dies nicht zuließ, da mußten andere Mittel herhalten, um den Emporkömmling hoffähig zu machen. Dieses Streben verrät stch in der Anwendung von Politur für die unglasterte braunrote Porzellanmaffe bei der frühesten Böttger-Ware. Dieses Verfahren war aber nicht in der ein Fahencegefäß von Guerin, daS auf stumpf gelbgrauem Grunde in Metalllüstre Muscheln und Seesterne erkennen läßt. sind gewisse Dekorationsweisen, bei denen dem blinden Ungefähr ein großer Spielraum gelassen scheint. Der Zufall als Dekorateur! Da erkennen wir in der schon erstarrten - l mattem Steingut Ornamente in schimmernder Glasur. Zu Der Springbrunnen I stumpfem Grün und Rosa gesellt sich z. B. ein munteres Farbenspiel, das an gleißende Perlmutter erinnert. Das Gewerbemuseum in Berlin bewahrt in seinen Sammlungen Maffe noch die Wirkung des bewegenden FeuerS, das die Glasuren schmelzend verschiebt, die Konturen verschwimmen läßt. Die Farben fließen tropfend an der Fläche herab, vermischen sich, gestalten sich neu, und was des Pinsels trockener Korrektheit unerreichbar blieb, das bewirkt der natürliche Vorgang des Brandes: ein phantastisches Spiel unregelmäßiger Farbenflecken, welches manchmal noch das schwache Abbild eines Naturmotivs erkennen läßt. Die Bezeichnung „überlaufende Glasuren" ist dem Fachmann ei» geläufiger Begriff. Oder die einfarbige Fläche wird durch absichtlich in der Glasur hervorgerufene Sprünge belebt. Anfänge dieses Verfahrens finden sich schon bei chinesischen Porzellanen des vorigen Jahrhunderts. Das wird jetzt weiter entwickelt. Da erkennt man die launenhaft-regelvolleu Bildungen, zu denen die sich selbst überlaffenen Stoffe sich nach geheimem Gesetz ordnen. Bald erinnert es an die Blumen, die der Frost an unsere Scheiben malt, bald an die Krystalle, in denen das Gestein sich schichtet. Wird die Oberfläche körnig uneben gestaltet, so ergiebt sich eine neue Quelle überraschender Wechselfälle. Von den Erhöhungen zieht der in der Hitze flüsstge Ueberzug sich zurück, in de» Vertiefungen sammelt er sich an, und wirkte hier die Farbe veS Grundes mit, so geht sie dort in der Stärke des schmückenden Elements verloren. Sogar das Porzellan, welches sonst desto sparsamer mit Wie entthronte Fürsten hatten seit vielen Jahrzehnten die ehemals so hochgeschätzten älteren Zweige der gebrannten Irdenware in einer Art von Verbannung gelebt. Die Majolika, die Erzeugnisse von Delft ebenso wie englisches Steingut hatten vor den im Gebrauch überlegenen Eigenschaften des Porzellans weichen müssen. Freilich, solange dies nur als hochbezahlte Kostbarkeit aus China eingeführt wurde, war eS nur den Reichsten zugänglich gewesen. Aber seit eS Böttger am Anfang des vorigen Jahrhunderts gelang, das langgesuchte Geheimnis zu ergründen, und die bald hoch gesteigerte Produktion die Preise sinken ließ, gab man diesem Material für das Eß- und Trinkgeschirr endgiltig den Vorzug. Kein Wunder, da die Glasur das Porzellan gründlicher vor dem Eindringen fremder Stoffe in das poröse Innere schützt, und es zugleich leichter und haltbarer ist, als die Vorläufer, die es in Europa fand. Heute aber kommen die Verschmähten zu neuen Ehren. Wenn auch wegen der Ueberlegenheit des Porzellans als Ge- brauchsgeschtrr das Fayence, das heute vielfach beliebt ist, nur als vorübergehende Modeerscheinung anzusehen sein dürfte, eine« niedrigen, durch ein Pony gezogene« Wagen in den I so hält dafür der gebrannte Thon in allen seinen Forme» schattigen Alleen oder auf den sonnigen Plätzen des Parkes siegreichen Wtedereinzug in daS Gebiet des Zier- und PrunS- umherfahren lasten. geschirrS. Wir begegnen ihm, der durch die formende Künstler- Die hohe Frau trug ihr Leiden mit engelhafter, gott- Hand aus wertlosem Stoff in rin hochgeschätztes Schmuckstück ergebener Geduld. Sie lehnte sich nicht auf gegen daS grau- I umgeschaffen ist, auf dem Kamin oder dem Kredenztisch de» same Schicksal, welches ihr auf der Höhe des Lebens die Sammlers, und wir ordnen unsere Lieblinge unter de» furchtbare Krankheit gesandt, und sie, die Fürstin, die Herzogin, Blumen ebenso gern in einem Krug von einfachem Material, ärmer als die gesunde, blühende Bettlerin auf der Straße wie ehemals in der kostbarsten Sövre-Vase. gemacht hatte. Ihren Trost, ihre Hoffnung fand die Dulderin I Diese Vorliebe für das schlichte Material gesellt stch in der Religion, ihre Lebensfreude im unermüdlichen Gutes- passend der Neigung zu der einfachen Form und der Abthun und in der Kunst, der Musik, der sie selbst in ihrer I lehnung alles prahlenden Glanzes, in dem ehemals eine der Krankheit eine begeisterte Förderin blieb. In ihren Gemächern versammelte sie ost auserlesene Künstler und Künstlerinnen- sie scheute keine Kosten, um wenigstens einigemale im Winter berühmte Klavierspieler, Geigenvirtuosen, Sänger und Sängerinnen bei sich zu sehen. Und die Künstler kamen stets gern wieder, nicht sowohl wegen des hohen Honorars, als um der Herzogin selbst willen, deren vornehme Herzensgüte jeden gefangen nahm, deren „ geduldig ertragene Leiden jeden rührten, der jeder willig I Technik begründet, die dem Material zukam, so wurde el und freudig ihre Einsamkeit auf Stunden zu erheitern, ihre I denn später wieder fallen gelassen. Leiden vergessen zu machen suchte. I Heute geht zu einem wichtigen Teil das neue Bestrebe« Die Generalin von Hannecken begleitete Elsie zur Her- I dahin, das flimmernde Gleißen zu umgehen, die Oberfläche zogin. Als Elsie durch das dunkle, mittelalterliche Thor des I stumpf und matt zu gestalten. Bon japanischen Vorbilder« Schlosses fuhr und sich von den altertümlichen Fayaden des I ausgehend sind es besonders die Franzosen, welche die dis« in einem großen Viereck errichteten Schloffes umfangen sah, I trete Wirkung vorziehen. Die Fläche saugt das Licht auf, war es ihr, als beträte sie ein gewaltiges Gefängnis, aus statt es spiegelnd zu zerstreuen. Die Steingutgefäße von dem kein Entrinnen mehr möglich war. I Bigot bieten dafür ebenso treffende Beispiele, wie eine Vase Im Sommer mochte der Anblick des Schlosses wohl I von Lachenal, die mit ihrer matten Oberfläche und der ge- freundlicher sein, jetzt aber, mitte» im Winter, streckten die I dämpften graugrünen Farbe fast den Schein erweckt, als hundertjährigen Linden an der großen Freitreppe des Haupt- habe es sich um eine Nachahmung patinierter Bronze ge- portals ihre kahlen Aeste gleich hageren Armen zum wölken- handelt. Oft wird auch noch durch besondere Mittel cu8« verhangenen Himmel empor, gleich wirren Haarsträhnen drücklich auf die Absicht hingewiesen, welche auf die Glasur hingen die Ranken des wilden Weins, welcher den einen I verzichten hieß. Das bescheiden Zurückhaltende wird doppelt Flügel des Schloffes fast ganz überwuchert hatte, von den 1 zur Geltung kommen, wo es dem selbstgefällig Prunkenden grauen Mauern herab, und das dunkle, fast schwarze Grün I gegenübersteht. So sieht man wohl auf solcher Vase aus des Epheus vermochte das Aussehen der Türnw und Mauern 1 —«------- auch nicht freundlicher zu gestalten, r ' _r auf der Mitte des Schloßplatzes war durch Bretter eingedeckt. Wunderlich nahm sich in der winterlich öden Umgebung die große griechische Sandsteingruppe inmitten des Springbrunnens aus. Auf den steinernen Körpern der Figuren ruhte der Schnee und eine dicke Eisschicht lagerte sich um die Füße der Gestalten aus dem sonnigen Hellas. Fayence und Steingut. Von Alp. (Nachdruck verboten.) - 146 oer Farbe umging, jemehr es sich auf die schimmernde Weiße seiner Glasur zugute thun konnte, bequemt sich der allgemeinen Bewegung an. Schon in der Mitte der achtziger Jahre trat die Berliner Porzellanmanufaktur mit Schaugefäßen hervor, welche über die ganze Fläche mit einer vom Blauen ins Rote spielenden Tönung bedeckt waren. Das war Unterglasur-Farbe, wie sie in den besten Zeiten in China gepflegt wurde. All diese verschiedenen Nüancen des Blau und Rot verdankt man dem Kupferoxyd, welches je nach der reichlicheren oder geringeren Sauerstoffzufuhr beim Brande in den verschiedensten Farben aus dem Ofen hervorgeht. Ueberraschende, oft zufällig entstandene Wirkungen geschickt zu benutzen und auSprobierte Zusammenstellungen und Mischungen der Metallfarben immer weiter zu vermehren, mußte das Ziel dieses Strebens sein. Es sind seitdem verschiedene andere, besonders blaugrüne Farbenstimmungen erzielt worden. Für die Entwickelung der Thonwaren ist im letzten Jahrzehnt die Rookwood-Pottery bei Cincinati wichtig geworden. Eine Frau war es, Mrs. Longworth-Stover, welche, unterstützt von einem großen Vermögen, ihren ganzen Eifer und ihre Arbeitskraft dafür einsetzte, die Unterglasur-Malerei auf Thon zu vervollkommnen. Ihren jahrelangen, unermüdlichen Versuchen und der Unterstützung eifriger Mitarbeiter gelang es, immer mehr Farben zu erhalten. Die Schwierigkeit bestand nämlich darin, daß die Mehrzahl der bekannten färbenden Metalloxyde in der ungeheuren Hitze, der sie im Brande ausgesetzt werden müssen, nicht stand hielten. Die Farben, die auf der Glasur bei nur mäßigen Hitzegraden einbrennen und unversehrt den Ofen verlassen, können auf dem rohen Material nicht benutzt werden. Daraus erklären sich die wenigen Farbentöne, die auf dem alten chinesischen Porzellan zu finden sind, ebenso wie das berühmte Blau, auf das man sich in Delft beschränkte. Zeigt also die Malerei auf der Glasur eine reichere Palette, so rechtfertigt andererseits der weichere Schmelz des Farbenauftrags, der durch das Unterglasur-Verfahren erzielt wird, auf's entschiedenste die darauf verwandten Bemühungen. Auch bei Frau Long- worth-Stover's Arbeiten erwies sich der Zufall als Mitarbeiter bei den verschiedenen Entdeckungen, die einer Vermehrung der bekannten Farben galten, und oft genug mag die Erfinderin mit angstvoller Spannung daS Versuchsstück aus dem Ofen haben hervorgehen sehen. Manche freudige Ueberraschung wurde ihr Lohn. Durch die Art der Glasur unterscheidet die Rookwood- Ware sich sehr wesentlich von jener vorhin besprochenen Richtung, welche die stumpfwirkende Oberfläche anstrebt. Die amerikanischen Erzeugnisse sind die hervorragendsten Vertreter des entgegengesetzten Prinzips. Die Glasur ist strahlend blank und bildet im Verein mit der lebhaften Farbengebung eine starksprechende dekorative Wirkung. Dieselbe Absicht Macht sich in der englischen Töpferware geltend, während die belgische Vertreter beider Richtungen aufweist. Noch eine besondere Art der Glasur findet sich bei den sogenannten Lüstre-Fayencen. Die Technik solchen Mctallglanzes hatten schon die Perser hoch entwickelt. Neuerdings wendet man diesen Schmuck mit Vorliebe wieder an. Zu besonderer Vollkommenheit hat der Franzose Element Massier diese Technik gebracht, und auch der Berliner Maler Friedrich Stahl stellte schon vor einigen Jahren sehr reizvolle Fayencen mit Metall- lüstre aus, die er selbst angefertigt hatte. Was nun die eigentliche Ornamentierung der neuen Irdenware betrifft, so sind auch darin zwei verschiedene Grundsätze zu unterscheiden. Von der freien Methode, die auf die Farbe das entscheidende Gewicht legt und diese in willkürlicher, wenn auch berechneter Weise verteilt, habe ich schon gesprochen. Andererseits verzichtet man aber auch nicht auf bildartigen Schmuck, hält sich an Naturvorbilder, die man in der Form bald mit voller Genauigkeit nachbildet, bald vereinfachend umgestaltet, und läßt in der Farbe ein stilisierendes Element zu, in dem auch die launenhaften Zü fälltgkeiten des Brandes zu ihrem Recht kommen mögen. Auch hier sind es in erster Reihe wieder die Erzeugnisse der Rookwood-Manufaktur, welche sich in Erinnerung bringen. Die Maler dieser Anstalt verwenden besonders Pflanzenmotive, und in der Feinheit der Naturbeobachtung, sowie in der anmutigen Schmuckverteilung verrät sich wieder Japans wohlverstandenes Beispiel. Ist doch neben den amerikanischen Künstlern ein japanischer Maler in hervorragender Weise dort thätig. In ganz anderem Stil verwendet die Kopenhagener königliche Porzellan-Manufaktur Naturvorbilder. Besonders sind es Tierdarstellungen, die in feinen grauen und blauen Tönen zum Schmuck verwendet werden. Diese vielen und sehr farbigen Nüancen des Grau sind es, um die Dänemark von den anderen Ländern beneidet wird. Dabei muß darauf hingewiesen werden, daß sich dieses Geschirr durch große Sparsamkeit in der Anwendung des Schmuckes auszeichnet, und daß dem schönen weißen Grundton oft eine beträchtliche Fläche Vorbehalten bleibt. Endlich komme ich zu den Gefäßformen. Sie sind sehr mannigfaltig. Im allgemeinen macht sich daS Bestreben geltend, den seither gepflegten Stilen, vor allem den griechischen Basenformen aus dem Wege zu gehen. Chinesisch- japanische Vorbilder sind eher zu spüren. Wir finden Versuche, die Form von Früchten im Gefäße nachzubilden oder seinen Körper aus naturalistisch gebildeten Pflanzen zusammenzufügen. Eine schöne Vase von Lachenal scheint aus den aufstrebenden Blättern und Stilen von Narzissen zu bestehen; die Blüten bilden den Abschluß nach oben, und die Wurzel- knollen umsäumen den Fuß. Oder die Dekorationsmotive werden nur bestimmend für den oberen Rand, welcher z. B. bei einer schönen Schale der schwedischen Porzellanfabrik von aneinander gereihten Seekrebsen umgeben ist. Aber nicht immer hat man es mit so klar bestimmten Formen zu thun. Besonders die französische Keramik gefällt sich in einer Phantastik, die ein Spiel mit hervortretenden Eindrücken treibt. Sie operiert mit organischen Formen, die sich nur halb aus der Masse herausheben und die auf den ersten Blick fast wie zufällige Produkte eines bloßen Spiels mit dem Material erscheinen. Man fragt sich, ob der Henkel der Vase nur etwas unregelmäßig verschoben sei, oder ob dies eine menschliche Figur vorstellt. Aber in diesen Versuchen steckt oft so viel künstlerisches Empfinden und so viel graziöses Gleichgewicht der Linien, daß solche Stücke uns vielleicht ein leises Kopfschütteln abnötigen, uns aber nichtsdestoweniger eigentümlich anziehen. Und dicht neben solchen raffinierten Sonderbarkeiten begegnen wir oft in Ausstellungen dem direkten Gegensatz: dem Schlicht-Gesunden in Person. Man ahmt alte Bauerntöpferei in Form und Verzierungsweise nach und veredelt beide nur so wett, um auch einen verwöhnten Sinn zu befriedigen. In Deutschland wird diese Richtung besonders durch Professor Säuger in Karlsruhe vertreten, dessen höchst ansprechende Ziergefäße durch ihre Einfachheit sehr geeignet sind, auch der gewerbsmäßigen Töpferei heilsame Anregungen zu bieten. Humoristisches. Ein gefühlvoller Zahnarzt. Dame: „Ziehen Sie auch unentgeltlich Zähne?" — Zahnarzt: „Jawohl . . . aber ich würde Ihnen nicht dazu raten!" Börsianer A.: Charpardin sagt scheint's über mich die tollsten Dinge. Seinem Gerede nach wär' ich ja ein Bankerotteur, Urkundenfälscher, Zuchthäusler und Gauner schlimmster Sorte! — Börsianer B.: Mein Gott! — Sie wissen ja: Chapardin hat von jeher gern ein wenig übertrieben. iJitsaftion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Gteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.