(Nachdruck verboten-! Gesühnte Schuld. Roman von Alexander Römer. (Fortsetzung.) Es war spät geworden, die Uhr im Gastzimmer nebenan schlug Mitternacht, die Biüder saßen sich eine Weile schweigend gegenüber. Dann erhob Albert sein Glas und stieß mit dem Bruder an. „Und Dein Leben hat gezeigt, daß Du ein echter Trott warst," sagte er leise, halb fragend, mit einem weichen, teilnehmenden Ton. Der Bruder that ihm nur mechanisch Bescheid, er war in tiefe Grübelei verloren. „Ein echter Trott," wiederholte er, und es klang spöttisch; „ich weiß nicht, ob es Euch beliebt hätte, mich allezeit zu Euch zu zählen. Meine Fahrten waren bunt genug, Bruder, zuerst glaube ich, ward ich Hausknecht in einem Hotel, es behagte mir nicht lange,- wie die Reihenfolge gewesen, erinnere ich mich nicht mehr, Straßenkehrer, Kellner, Stallknecht, da geriet ich in mein Fahrwasser. Pferde waren von jeher meine Leidenschaft, und im Pferdehandel habe ich das meiste Glück gehabt." Albert sah entsetzt aus und starrte ihn mit offenem Munde an. „Ja, ja, mein Junge, denkst Du, daß ich in den Salons mit parfümierten Handschuhen meine Schule drüben durchgemacht habe- Hunger regiert die Bestie Mensch. Aber ich erlebte Abenteuer aller Art, hielt mich oft monatelang bei den Indianern auf, imponierte ihnen als Schütze und Jäger — sie waren gar nicht übel, diese Rothäute — den Spaniern in Mexiko war ich ein lustiger Gesellschafter, ein Wagehals, der nicht mit sich spaßen ließ. Und die Heimat, die Sehnsucht, die Reue, der Zorn — alles verblaßte, versank in den Fluten eines aufregenden, wechselreichen Lebens. Doch nun genug von mir, und zu Dir. Ich sagte Dir schon, ich habe 1899. frho^o^r .'äufK.» G l&Ssjz I »WUMM VW anftmut stillt den Zorn. Was sich nicht abbürsten läßt, das muß man abstreicheln. Sanftmut hat große Gewalt. Sprichwörter. Dich beobachtet, ist es Dir ernst mit Deiner Liebschaft zu dem schönen Mädchen, das Dir nicht ebenbürtig ist?" Albert fuhr zusammen. „Was weißt Du von Mathilde? Kennst Du sie?" »Nein, ich versuchte, sie kennen zu lernen," lachte der Bruder. „Ich weiß nicht recht, was Du denkst, was daraus werden soll, denn seil die Luft der Heimat mir wieder um die Nase weht, spüre ich es schon, wie Eure hohe Kultur Euch in den menschlichsten Empfindungen hemmt und einschnürt." Albert seufzte schwer. Ihm war sehr beklommen zu Mut. Er hatte sich bisher noch nicht viel darum gekümmert, was schließlich werden solle, seine Wünsche waren heiß, seine Hoffnungen groß, aber das Ende — wer konnte so weit vorausdenken! Der unzivilisierte Bruder hatte so etwas unbequem Präzises, beleuchtete alle Dinge so rücksichtslos. Wollte er sich nun gar in seine Liebesangelegenheiten mischen, und was mochte der Onkel sagen, wenn er die Rückkehr des Verbannten erfuhr. Ob der gar die Absicht hegte, Rechte geltend zu machen? In jedermanns Augen galt er, Albert, jetzt für den künftigen Majoratsherrn, des Verschollenen war nie mehr gedacht worden. Nur hin und wieder war er bei den Wucherern auf die ärgerliche Rede gestoßen: „Euer Gnaden haben noch einen älteren Bruder, bringen Euer Gnaden den Totenschein des Verschollenen, und wir reden beffer über die Sache." Er hatte das stets als einen gemeinen Kunstgriff der Halsabschneider geachtet, die ihm höhere Prozente aufzwingen wollten. Jetzt stand der Totgeglaubte greifbar lebendig da — sein Gehirn war heute Nacht zu wenig klar, um weiter zu folgern. Aber er ging doch auf des Bruders letzte Andeutungen ein. Und wie nach all den wirren Eindrücken sich während des Redens seine Aufregung steigerte, so schilderte er auch seine Liebe mit glühenden Farben. Er mußte sich das Mädchen um jeden Preis erringen, und wenn der Oheim sie nur anerkennen wollte, aber der Oheim war auch gegen ihn ein Filz, ein steinharter, unerbittlicher Verwandter, der keiner Jugendempfindung Rechnung trug. Ein sonderbares Licht glänzte in den harten Zügen des Amerikaners auf. Er brannte die ausgegangene Pfeife wieder an, schellte dem schlaftrunkenen Kellner und ließ neue Zufuhr von Rum bringen. Dann, als dieser sich wieder entfernt hatte, schlug er dröhnend mit der Faust auf den Tisch. „Und, Gott verdamm mich, ein feigherziger Philister wärst Du, wenn Du das Staatsmädel aufgäbst und Dich 14 unter deö Alten Knute beugtest!" tief er. „Vorwärts, Junge, und darauf! Und wenn Du Mut hast, helfe ich Dir!" „Was meinst Du, Hans?" fragte Albert, der jetzt nüchterner wurde. „Für den Augenblick ist ja gar nichts zu machen, aber der Alte kann nicht ewig leben." „Und da meinst Du, es sei bequem, auf seinen Tod zu warten — wie aber, mein Bester, wenn ich da aufträte? Ich habe, wie Du weißt, etliche acht Jahre vor Dir voraus." „Hans — Du würdest — freilich — bisher — weißt Du —" Albert stotterte in jämmerlicher Verlegenheit. Mr. White schlug ein dröhnendes Gelächter auf. „Ja, es ist verteufelt unbequem, wenn so ein Totgeglaubter, den man so gern tot sein läßt, unversehens wieder auftaucht, aber ändern läßt sich das Ding nicht. Mußt mit den wilden Bestien drüben, denen ich oft genug meine Haut zu Markte trug, rechten, oder mit den Apachen, den wilden Kerls, die meinen Skalp schonten, aber, God dam! ein Spaß soll es mir sein, des Hagern auf Trautdorf Gesicht zu sehen, wenn der Tramp da vor ihm steht. Hm — hier ist Dein Erbe, Dein rechtmäßiger. Die alte Geschichte ist lang verjährt, hast sie ja selbst begraben und zu Protokoll gegeben, daß die Sache auf einem Irrtum beruhe. Also der Hans von Trott blieb ehrlich, und ist es seinem inneren Sinn nach gerade so, wie mancher hier zu Lande, vor dem ihr tief den Hut zieht, und am Leben blieb er auch, tote Du siehst, er haust also hier dereinst auf Schloß Trautdorf auf seine Manier, wenn nicht — Hier hielt der übermütige Redner inne, der inzwischen aufgestanden war und gestikulierend das Zimmer durchmessen hatte. Alberts Herz drohte stillzustehen vor innerer Bewegung. „Hahaha! Ein famoses Bild, nicht wahr? Ja, Du siehst ziemlich verblüfft, um nicht zu sagen stupide, aus, das geht Dir arg an die Gräten. Na, beruhige Dich einstweilen — es wäre noch möglich, daß der Geächtete, der jetzt ein allzu freier Mann geworden ist, Euch Repräsentanten einer hochzivilisierten Nation den erbärmlichen Lumpenkram vor die Füße würfe. Vielleicht thut er es auch zu Gunsten eines schönen Mädchens, das zufällig seinem Bruder den Kopf verdrehte — hm, was meinst Du dazu?" Der baumstarke Mann sah gutmütig lächelnd auf den bleichen, zitternde» herab. Albert sprang auf und umarmte jetzt zuerst den Bruder stürmisch. „Hans! Du wolltest — das könntest Du thun?" „Gemach! So weiß ich doch wenigstens, wie man am besten die brüderliche Liebe weckt. Ja, Deine Mathilde, die Tochter des Geigers, einst Herrin auf Trautdorf,- vielleicht käme es den Onkel ebenso hart an, als wenn er den Tramp als seinen Erben erkennen sollte — aber doch — ich glaube, er würde, zwischen die Wahl gestellt, sich zu Deinen Gunsten entscheiden. Du aber — hältst Du den Pakt?" „Den Pakt? Wieso?" Albert von Trott, dessen Geist in dieser Stunde sehr umnebelt war, verwirrte sich über diesen Problemen. „Hast Du nie daran gedacht, Dein schönes Mädchen dem Onkel unter die Augen zu bringen?" fragte Hans dagegen. „Ja — sonderbar — gerade heute, als ich sie traf, blitzte solch ein Gedanke durch meinen Kopf — aber es ist unmöglich." „Unmöglich? Seit ich drüben und allein in der Welt war, hat das Wort für mich nicht mehr existiert. Hier in dem Kodex von Euch schneidigen Leuten existiert es also noch. Ueberrumple doch den Alten, führe ihm das Mädchen zu, ich möchte wohl wissen, ob er auch für Wetber- schönheit ganz unempfänglich ist. Er soll ja einmal Havarie erlitten haben in der Liebe und seitdem ein Weiberhasier sein — darum überrumple ihn — wenn ihr beide Mut habt, so winkt Euch der Sieg, nur dem Mutigen gehört die Welt. Und solltet Ihr das Spiel dennoch verlieren, nun, so stehe ich hinter Euch." Offenbar gefiel der Gedanke dieses Stückleins Hans von Trott immer mehr. Er blies mächtige Dampfwolken in die Luft, balanzierte in den wagehalsigsten Stellungen und machte soviel Lärm dabei in der nächtlichen Stille, daß der verschlafene Kellner unwirsch hineinlugte und einen brummenden Warnruf ertönen ließ. Mr. White warf ihm mit Jongleurgeschicklichkeit ein Goldstück genau an die Nasenspitze. Der Verblüffte fuhr zurück, grinste aber dann dankend, trotz des ungewöhnlichen Weges, auf dem er die Gabe empfing, und erschien nicht wieder. Albert erhob sich taumelnd. Das Zimmer wirbelte mittlerweile mit ihm im Kreise, er vermochte kaum noch auf feinen Beinen zu stehen. „Schwächling!" brummte der Aeltere. „Mußt wohl ins Bett und Deinen Rausch ausschlafen. Wollen sehen, wie Dir morgen bei klarem Kopf zu Mut ist." „Hans, Du bist — ein Prächtiger, ganz famoser Kerl — forsch — bei Gott, pyramidal forsch, und der Onkel und die Tilde — gottvoller Spaß — hast recht — ein gottvoller Spaß." Er lallte jetzt bedenklich. Hans griff ihn energisch am Arm und leitete ihn in sein Zimmer hinauf, wo er ihm sein Bett überließ. Bald verkündeten laute Schnarchtöne den festen Schlaf desselben. Hans von Trott aber schien keines Schlafes zu bedürfen und sein eiserner Körper ganz seinem Willen zu gehorchen. Er stand mit verschränkten Armen am Fenster und schaute auf die verschneite Straße hinab. Seine Stirn lag jetzt in tiefen Falten, und ein harter, finsterer Zug entstellte sein Gesicht. „Der Letzte von den Meinen," murmelte er, „aber kenne ich ihn denn? Ist er nicht vielleicht ein schwächlicher, charakterloser Knabe, der zu der Rolle nicht taugt und dem ich den Platz nicht räumen, sollte? Gut — mag er es zeigen — leicht ist ja seine nächste Aufgabe nicht — führt er sie brav durch, w hl an —mir ist Wohler da drüben in der Freiheit — zeigt er sich feig — für einen Feigling rührt Hans von Trott keinen Finger." Drittes Kapitel. Albert von Trott erwachte am nächsten Morgen mit schwerem Kopf. Er konnte sich anfangs nicht besinnen, wie er hierher gekommen war, allmählich erst entwirrten sich die bunten Bilder des vergangenen Abends in feinem Geist. Das Zimmer, in dem er sich befand, war leer, sein Bruder jedenfalls schon ausgegangen. Während er sich hastig an- kleidete, fiel ihm ein Zettel in die Augen, der auf dem Tische lag. „Handle wie wir verabredeten," stand darauf, „aber so rasch als möglich, ich bleibe ein paar Tage fort, kehre wieder, um alles in Ordnung zu bringen." Albert faßte an seinen wüsten Kopf. Der abenteuerliche Plan seines Bruders kam ihm wieder ins Gedächtnis. „Abenteuerlich — ja, schrecklich abenteuerlich," murmelte er, und doch — seine Liebe zu Mathilde war heiß genug, er dachte zuerst ernster darüber nach, daß etwas geschehen müsse — sie war ein so ungewöhnliches Geschöpf, daß sie ihre Rolle überall mit Glanz spielen würde. Wenn sie nur einer in den Sattel hob — aber der Onkel — den mußte man kennen, um zu wissen, was es bedeutete, ihm mit einem solchen Ansinnen zu kommen. Eine Bürgerliche, eine ganz Unebenbürtige sollte er ihm unvorbereitet zuführen, er, der junge Habenichts, den seine Schulden drückten, eine solche Braut. Und Mathilde war ehrgeizig, fühlte sich totunglücklich in ihrer engen Sphäre und drängte ihn, der Heimlichkeit ein Ende zu machen. Jetzt bot sich ein Helfer — der Heim- gekehrte, ja, der mochte dem Onkel einen Schrecken einjagen, wenn er ihm da eine Wahl stellte — du lieber Gott, welch 15 . . ------------ zu tragen, da man sich für gewöhnlich ja doch in geheizten Räumen aufhält, deren Temperatur der sommerlichen nahe kommt, sondern der Schutz gegen die Winterkälte muß in den Kleidungsstücken liegen, welche wir anlegcn, sobald wir uns zu einem Gange ins Freie rüsten. Die gar zu schwere Unterkleidung wird im Gegenteil sogar zur Gefahr, insofern sie bei lebhafterer Bewegung zum Schwitzen bringt, welchem im Winter ganz besonders häufig die Erkältung auf dem Fuße nachfolgt. Die häufigste Veranlaffung zu winterlichen Erkältungen ist aber in nassen Füßen zu suchen- man wird daher dem Schuhwerk seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden haben, und bet dem Umstande, daß es absolut wasserdichte Leberschuhe nun doch einmal nicht gießt, auf fleißigen Wechsel von Schuhen und Strümpfen Bedacht haben müssen, um zu verhüten, daß die eingedrungene Feuchtigkeit an unseren Füßen verdunstet. ° Ein dritter wichtiger Punkt ist die Angewöhnung, durch die Nase zu atmen. Leicht geöffnete rosige Lippen, zwischen denen eine Perlenschnur weißer Zähne hervorschimmert, mögen einem in der Jugendblüte prangenden Mädchen ausgezeichnet stehen und Dichter und Verliebte zu dem poetischen Vergleiche mit einer halb geöffneten Rosenknospe begeistern- aber vom hygienischen Gesichtspunkte aus ist die Gewohnheit, durch den Mund zu atmen, ein Mißbrauch, den man schon den Kindern nicht zeitig genug untersagen kann. Denn die Nase versieht, abgesehen davon, daß sie der Träger der Geruchsnerven ist, die mindestens ebenso wichtige doppelte Aufgabe, in ihren mit Schleimhäuten überkleideten engen Gängen die Atmungs- d!!? blieb ihm noch immer eine Möglichkeit offen, I Infektionskrankheiten, gegen welche man nach einmaligem fr ie ben Ueberstehen meistens auf Lebenszeit gefeit ist, wächst ^bei Haarstraubenden Gedanken haben können! Albert nagte an I katarrhalischen Leiden die Neigung zur Neuerkrankuna - eine bat!^ itavte äUm ?efr fruS' Draußen leichte Reizbarkeit bleibt zurück- kleine Unvorsichtigkeiten, hatte sich der Schnee rn Regen aufgelost, der Himmel war welche ehedem ohne Schaden ertragen wurden, führen neue bie ®*ra6e schmutzig, ihn fröstelte, und ihm war sehr I Katarrhe herbei, die immer hartnäckiger und langwieriger heimzukch^n Menü ° in feitt öuartier werden, während sich die gesunden Zwischenzeiten v?rkürz?n- yetmzukehren, der Dienst rief. I übermäßiges Rauchen oder selbst nur der stundenlange aufent» und ?i?Säbes^ «fr» k kreppe des Hotels hinunterstieg halt in schlecht ventilierten, mit Tabakrauch angefüllten dnrck> den AFhur $ raffelte, flog ihm der Gedanke Restaurationsräumlichkeiten usw. thun das übrige dazu, und AL T aufgetauchte Bruder ihm doch schließlich ist der gefürchtete chronische Bronchialkatarrh da, f°nne; • ®^on etn Frücht von welcher nur durch mühsame, lang andauernde Behandlung Ln« cm ^nen ganzen Kredit, und entfernt werden kann, oft genug aber zu den qualvollen Zu- 5V iaTlIL» r ArautborL nun ber rührte beim ständen führt, welche als Asthma und Emphysem oder Lungen- Anblick des Totgeglaubten - dann war der dem Recht nach blähung genugsam bekannt sind. 8 K ~ “nb ~ fo“te ««Mensch wie dieser da im Es ist nun ein landläufiger Irrtum, daß Katarrh und Ernst zurücktreten, solch einen Besitz ausschlagen — das war I Erkältung mit einander gleichbedeutend sind. Fast jeder starke ^"kb«^ Was er gestern gesprochen, war vielleicht I Raucher, fast jeder, welcher eisgekühltes Bier oder starke es Wirklichkeit^und ErnstAL? “ frte' 3tI£^oIe regelmäßig zu trinken gewohnt ist, dann sehr korpu- es Wirklichkeit und Ernst wurde, das war eine andere Sache. I lente Leute züchten sich, wenn sie sich im übrigen auch noch ®m;a8Un8Cn bcr i«n9e Offizier I so vorsichtig verhalten, einen Katarrh an, welcher, je länger durch den regnerischen Wintermorgen und fuhr zu Hause er andauert, nm so tiefer vom Rachen Legen die Lunge zu H«rn schon lange harrte, nnwirsch I hinabsteigt, und Stubenhocker, welche fortwährend den Staub blankÄ ® C toare« nicht I der Zimmerluft einatmen, erkranken in gleicher Weise katarrh. undherl bECfA Stäubchen, alisch- dagegen äußerlich manche Erkältung in Fieber, Schüttel- den Abe^d vorb!L 8ie“te"««t wüsse frästen, Schwindelanfällen und anderen unangenehmen Zu- oriLE b b geladen haben, der Kater sei I standen, ohne daß auch nur ein leiser Katarrh damit ver- grunoucy. Kunden zu sein braucht. Diese im Winter so häufigen Er- (Fortsetzung folgt.) I krankungen wurzeln eben in dem zu dieser Jahreszeit von ------------ I selbst sich ergebeudenZusammentreffen einer Reihe von Schädlich- Mi» mi. _ ketten, deren Erkenntnis gleichzeitig den besten Weg weist, öiewt man tm Winter gesund? wie man im Winter gesund bleibt. Bon Dr. med. Kurt Rudolf Kreusner. I Leider ist ja eine nicht ganz geringe Anzahl von ------ (Nachdruck verboten.) I Individuen in ihren Atmungsorganen von Geburt aus so Daß unser nordiscker t«, sf„ , I schwach veranlagt, daß sie in unserem rauhen und unbe- 's" ätes anschauliche Vorstellung von der um diese Jahreszeit herrschen- ~ ~ den Katarrh- und Hustenepidemie zu machen. Die Frage, warum gerade die Erkrankungen der Atmungsorgane im Winter in den Vordergrund treten, findet ihre Beantwortung in den Berhältniffen, unter welchen wir im Winter zu leben gezwungen sind. Statt der milden, angenehm erwärmten Sommerluft, welche man vordem bei langem Aufenthalt int freien oder durch ausgiebiges Offenhalten der Zimmerfenster genoffen hat, atmen wir nun in unseren sorgfältig geschlossenen Wohnräumen eine mit Millionen von Staubteilchen und zahllosen Bakterien überladene und meistens auch noch durch Beimengung der Verbrennungsgase unserer Oefen verdorbene Luft. Dann treten wir aus den vielfach geradezu überheizten Zimmern fast unvermittelt hinaus auf die Straße, in eine oft um zwanzig und mehr Grade kältere Atmosphäre, und wer nun zufällig gezwungen ist, eine lebhaftere Unterhaltung zu führen oder die Gewohnheit hat, nicht durch die Nase zu atmen, hat oft genug schon wenige Stunden darauf die Gewißheit, daß er sich wieder einmal erkältet hat, und daß ein heftiger Katarrh im Anzuge begriffen ist. Von der Erfahrung ausgehend, daß die meisten Erkältungen und Katarrhe binnen wenigen Tagen ohne weiteres Zuthun von selbst wieder gut werden, vernachlässtgt die Mehrzahl, wenn sie von diesen Winterplagen befallen wird, die Pflicht, etwas Besonderes zur eigenen Pflege zu thun — und zwar leider sehr mit Unrecht und zum eignen Schaden, denn je öfter jemand Schnupfen und Katarrhe durchgemacht hat, um so anfälliger wird er- ganz im Gegensatz zu den schweren i 16 — lüft gewissermaßen durch Filtration von einem großen Teil des ihr anhaftenden Staubes zu befreien und annähernd auf die im Körperinnern herrschende Temperatur vorzuwärmen. Beider Vorteile gehen wir aber verlustig, wenn wir dem Luftstrom durch Mundatmung den direkten Weg zu den zarteren Organen des Kehlkopfes und zur Lunge freigeben. Zur Bekämpfung der katarrhalischen Disposition steht seit uralten Zeiten die Abhärtung in hohem Ansehen. Selten aber ist wohl mit einem Schlagworte ein ärgerer Mißbrauch getrieben worden als gerade mit der Abhärtung. Denn eine darauf gerichtete Kur kann nicht im Winter begonnen werden, sondern muß in der warmen Jahreszeit unternommen werden und zwar nur an Personen, welche sich einer direkt verweichlichenden Lebensweise hingeben, dabei aber Kraftreserven genug besitzen, um den vorübergehenden Gesundheitsstörungen, welche mit Abhärtungskuren häufig verbunden sind, erfolgreich zu widerstehen. Als einziges auch im Winter zulässiges Abhärtungsmittel kann denjenigen, welche keinen Herzfehler besitzen, allenfalls der vorstchtige Gebrauch von Dampfbädern angeraten werden, welche durch die allmähliche Steigerung der Kontraste zwischen heißem Wasserdampf und kühlen Douchen den Körper besser als jedes andere Mittel an den schnellen Wechsel erheblicher Temperaturunterschiede gewöhnen. Dem einmal ausgebrochenen Katarrh gegenüber ist die altherkömmliche Behandlungsmethode mit Verabreichung heißer Getränke und Anwendung von Wärme zur Beförderung eines reichlichen Schweißausbruches immer noch wirksamer als die vielfachen narkotischen Mittel, wie Opium, Morfin und Kokain, welche zwar einen qäulenden Husten momentan stillen, eine wirkliche Heilung aber nicht herbeisühren. Namentlich Kindern gegenüber, welche in Schnee und Eis herumgetollt sind und die Zeichen einer zum Ausbruch kommenden Erkältung zeigen, ist es jedenfalls das kürzeste Verfahren, dieselben ins warme Bett zu stecken und mindestens zwei Stunden gehörig schwitzen zu lasten. Der Erwachsene aber, der eine Abneigung gegen das Schwitzen im Bett hat, findet heute im Handel zahlreiche Schwitzapparate, welche billig und geeignet sind, die Schwitzprozedur mit aller Bequemlichkeit bei sich zu Hause vorzu- «ehmen. Außerordentlich wirksam erweisen sich für die Bekämpfung aller Erkältungskatarrhe zwei Mittel, welche seit einigen Jahren auch für die Behandlung der Tuberkulose und Skrophulose großes Ansehen erlangt haben, nämlich das Guajakolcarbonat und das Kreosotal. Beide Stoffe, welche aus dem Rohkreosot des Holztheers gewonnen werden, unterscheiden sich vom Kreosot und Guajakol durch das vollständige Fehlen der ätzenden Wirkungen, welche die Anwendung der letzteren Medikamente für den Patienten ebenso widerwärtig wie gefährlich gestalten. Während sie nun bei den vorgenannten Krankheiten in großen Mengen verabreicht werden, kommen sie bei Bronchialkatarrhen am zweckmäßigsten in Gaben von 1/a bis 1 Gramm mehrmals täglich zur Verwendung, welche am besten in heißer Milch, Thee oder sonst einem warmen Getränke genommen werden und in der Regel zu einer überraschend schnellen Lösung des Hustens und Wiederherstellung des guten Allgemeinbefindens führen. Ein gar nicht hoch genug zu schätzender Vorteil dieser beiden Arzneistoffe ist es, daß sie gleichzeitig dem Entstehen der Lungentuberkulose vorbeugen, welche bekanntermaßen mit unscheinbaren Katarrhen in den Lungenspitzen beginnt. Es ist vollends eine Sünde gegen die eigne Person, bei hartnäckigeren Katarrhen auf die linden Frühjahrslüfte zu warten und sich auf die Heilwirkung derselben oder einer um diese Jahreszeit vorzunehmenden Kur zu verlaffen; denn bis dahin kann unsägliches Unheil namentlich bei Personen von schwächlicher Konstitution geschehen sein. Es ist überhaupt ein unbegründetes Vorurteil, daß man methodische Kuren nur in der warmen Jahreszeit mit Erfolg unternehmen kann. Natürlich ist es angenehmer, zur schönen Maienzeit am Karlsbader Sprudel oder in der Lichtenthaler Allee seine Brunnenpromenade zu machen,- aber wenn sich die drohende Gefahr eines beginnenden organischen Leidens, einer Nieren- oder Leberentartung erhebt, ist es unsinnig, kostbare Zeit zu verlieren, umsomehr als ja Trinkkuren mit Nutzen auch im Rahmen der gewohnten Häuslichkeit unternommen werden können, wofern man nur Entschlußfähigkeit genug besitzt, sich gleichzeitig den anderen mit solchen Kuren unvermeidlich verbundenen diätetischen Vorschriften zu unterwerfen. In den klimatisch so überaus begünstigten Bädern am Rhein und im Taunus wächst die Zahl der Wintergäste mit Recht von Jahr zu Jahr. Aber auch in den höher gelegenen Kurorten ist es im Winter nicht so Übel. Denn wenn trübes Gewölk und Nebel die Tiefebene bedecken, herrscht dort oben meist strahlender Sonnenschein. Während die kalte Luft zu Boden sinkt und dank des Wolkenschleiers sich der Erwärmung entzieht, herrscht oft wenige hundert Meter höher eine Frühlingstemperatur, eine Thatsache die unter dem Namen des Gesetzes der „Temperatureninversion" erst seit wenigen Jahren allgemeiner bekannt zu werden beginnt. In vielen Fällen braucht man nicht erst nach Meran, nach Pegli, Nizza, Cap Martin usw.zu gehen, wo man manchmal bei schlechten Kaminen mehr unter der Kälte leidet als in der nordischen Heimat. Wer das Bedürfnis nach Licht und Sonnenwärme in sich fühlt, der wage dreist einmal auch im Winter eine Exkursion in die höher gelegenen Thäler auf der Südseite der deutschen Mittelgebirge und der Alpen. Nicht nur der jugendkräftige Tourist, der eine Winterwanderung durch den Schnee nicht scheut, kommt dabei auf seine Rechnung, sondern auch der Leidende. Denn der Letztere findet die klimatischen Bedingungen, welche allwinterlich eine große Anzahl von Kurgästen nach dem vielgerühmten Davos locken, auch in zahlreichen wmdgeschützten Gebtrgsorten Deutschlands und Oesterreichs, und es bewahrheitet sich auch hier wieder einmal das Dichterwort: Warum in die Ferne schweifen? Sieh! das Gute liegt so nah. Gsrneinnütziges. Kaffee Skoiwmifch zu brennen. Vielen Hausfrauen ist der Kaffee, das Lieblingsgetränk in allen Haushaltungen, zu teuer, weshalb es ihnen willkommen sein wird, ein Mittel zu erfahren, das eine bessere Oekonomie gestattet, als die sonst gebräuchlichen Surrogate. Beim Brennen des Kaffees nimmt man, wie der „Practische Wegweiser", Würzburg, schreibt, 3/< Pfund davon und mischt */4 Pfund grobes Brot, das in Würfel geschnitten und auf dem Ofen getrocknet worden ist, hinzu und verfährt wie gewöhnlich hierbei. Das Brod zieht dann tote ein Schwamm die öligen Teile des Kaffees in sich, sodaß sie nicht, wie sonst, verdunsten und gewinnt dadurch nicht allein ganz den gewöhnlichen Kaffeegeschmack, sondern giebt auch, wenn es mit dem übrigen Kaffee gemahlen und gekocht wird, die aufgenommenen Bestandteile des Kaffees wieder von sich und gewährt dadurch eine wahre Vermehrung der Kaffeemaffe. Hrrinovistisches. Gute Kombination. Förster: „Na, studieren Sie wieder Naturgeschichte?" — Schäfer: „Ja, Herr Förster, ich dachte eben, meine botanischen Kenntniffe und Ihr Latein gäb' eine schöne Apotheke. * * Beruhigend. Fräulein (daS sich bei einem Landbader einen Zahn ziehen lassen will, ängstlich): „Eben schrie ja Einer so furchtbar!" — Bader: „Beruhigen Sie sich, Fräulein, der wurde nur — rasiert!" Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.