1899. MWWsD^LiWW '< 5SS*5*s*9 Äi • an spricht von einem Spiegel, der duldet keinen Rost, . Und eine Blume gießt es, die knickt ein einz'ger Frost. Ein Kleinod, das nur einmal die Kunst des Meisters schuf, Sieh Spiegel, Blume, Kleinod, das ist — der gute Ruf. Bechstein. fNachdruck verboten.f Die Sünden der Bäter. Roman von Osterloh. (Fortsetzung.) Ihre Begleiterin, ein spitznastgeS Fräulein im schwarzen Seidenkleide, zuckte vielsagend mit den Achseln. „Der ganze Hergang erscheint mir etwas dunkel. Nun, ich hoffe und wünsche im Interesse der Angehörigen, daß es sich wirklich nur um ein Versehen handelt." Die Dicke stutzte: „Sie glauben doch nicht etwa gar?—" „Ich glaube gar nichts, Frau Regierungsrätin," antwortete die andere, „und ich will auch gar nichts gesagt haben." Die Regierungsrätin war ganz betreten über die nicht mißzuverstehenden Andeutungen des Fräuleins. „Nein, nein, nicht möglich!" wiederholte sie ein paarmal. »Was sollte er denn für einen Grund gehabt haben? Glücklich in der Familie, in den besten pekuniären Verhältnissen Das Fräulein zog abermals die spitzen Schultern in die Höhe. „Das wird sich ja zeigen. Ah — da sind wir endlich !" Noch einmal stimmten die Sänger einen kurzen Psalm an. Der Sarg ward in die Erde herabgesenkt. Frau Dorothea warf ihm mit zitternden Händen ein paar Blumen aus dem dargehaltenen Körbchen nach. Sie wankte so heftig, daß sie umgefallen wäre, wenn nicht Ziel, schnell hinzuspringend, sie gehalten hätte. Er führte sie den Grabhügel hinunter, und noch einmal bewegte sich langsam der Zug der Schwarzgekleideten an ihr vorüber, ihr die Hand drückend, ihr undeutliche Worte zuflüsternd. Neben ihr waren die Kinder, ebenfalls grüßend und dankend. Jetzt stand Olaf Nansen vor Martha. Er hielt ihre Hand lange in der seinen. Mit seinen lieben, blauen Augen sah er sie so milde und ernst an. Sie hatte ihn noch nie ernst gesehen. Immer hatte ein Scherz um seinen Mund gespielt, oder er hatte versteckt und heimlich, nur ihr verständlich, von süßer Liebe geflüstert. Auch heute war es ein warmer Strom von Zuneigung und Sympathie, der sich zu ihr herüber ergoß, „Liebes Fräulein, ich brauche Ihnen eigentlich nicht zu sagen, wie sehr ich an Ihrem Schmerz tcilnehme. Habe ich doch selbst so unendlich viel verloren,- meinen besten, meinen väterlichen Freund, meinen zweiten Vater!" Sie nickte stumm. Sie sah ihm noch immer nach, während sich schon eine andere Hand in die ihre legte. Und sie ahnte nicht, auf wie lange sie jetzt von ihm Abschied genommen hatte. IV. „Es ist Ihnen wohl lieber, ich lasse Sie heute abend allein?" fragte Ziel, während er Frau Andree in den Wagen half. Sie nickte. „Ja, ich sehne mich nach Ruhe und Einsamkeit." Es war in den letzten Tagen soviel auf sie eingestürmt: alles, was mit der Ueberführung und Bestattung der Leiche zusammenhing, Briefe und Anzeigen, und wenn ihr auch Ziel in Ausführung und Anordnung manches abnahm, so mußte doch alles besprochen, alles überlegt, alles entschieden werden. Sie hatte noch kaum Zeit gefunden, sich ihres Verlustes recht bewußt zu werden. Nun war das Nächstliegende erledigt, die dringendsten Pflichten waren erfüllt. Sie konnte sich ganz ihrem Schmerze überlassen. Sie trat ins Wohnzimmer. Fenster und Läden waren geschlossen der Sonne wegen. In dem halbdunklen Raume hing noch der Dust der Blumen, die in so reicher Anzahl gesandt worden waren, und auf dem Teppich lagen ein paar abgefallene Rosen. Mit dem ihr eigenen Ordnungssinn hob sie mechanisch die zertretenen Blumen auf amb warf sie in den Papierkorb. Dann öffnete sie das Fenster. Das Helle Licht that ihren thränengeröteten Augen wehe, aber in der dufterfüllten Atmosphäre hätte sie nicht zu atmen vermocht. Sie bedeckte die Augen mit den Händen und warf sich in die Sofaecke. Im Geiste durchlebte sie noch einmal die letzten Tage. Die Reise nach Karlsbad, wo sie nichtsahnend die Andeutungen, mit denen Ziel sie auf das Kommende vorzubereiten bemüht war, nicht. verstand, nicht verstehen wollte. Sie sträubte sich noch, das Schreckliche zu glauben, als sie an sein Bett trat und ihn vor sich sah, den geliebten Mann, tot, kalt,- der lächelnde Mund geschlossen für immer. Ziel hatte ihre Hand ergriffen; auch in seinem Auge glänzte eine Thräne. „Ist es denn möglich?" murmelte sie. „Stirbt man so rasch?" Er war frisch und munter gewesen, 378 als er von ihr Abschied nahm, so wohl nach einem schlecht durchlebten Winter, daß eine Kur fast unnötig erschien und mehr unternommen wurde, um künftigen Leiden vorzubeugen, als um vorhandene zu heilen. Und nun dieses schnelle Ende! — Durch eine Unvorsichtigkeit, ein Versehen! So sagte Ziel. Dann war der Arzt gekommen. Er sagte dasselbe- aber es klang anders, und Dorothea konnte den Verdacht nicht loswerden, daß er nicht glaube, was er sage. Einmal ließ er eine unbedachte Aeußerung fallen, die sie stutzig machte, und endlich hörte sie, wie die beiden Männer, sich unbelauscht wähnend, über den Todesfall sprachen. „Für mich ist kein Zweifel, daß ein Selbstmord vorliegt," erklärte der Arzt. „Ich kann es nicht beweisen — natürlich. Aber wie sollte er sonst darauf gekommen sein, sich auf so ausgesucht listige Weise in Besitz so großer Quantitäten Morphium zu setzen? Sie haben keine Vermutungen über die Beweggründe, die ihn in den Tod getrieben haben?" — „Keine/' hatte Ziel geantwortet. Und soviel Dorothea grübelte, sie vermochte keine aufzufinden. War ihr Mann nicht glücklich gewesen, glücklich im Berufe, glücklich in der Familie? Ihr ganzes vergangenes Leben ließ sie an sich vorüberziehen, von dem Tage an, da sie den Dr. Andree zum erstenmale gesehen hatte, im Glanze seiner jugendlich schönen Erscheinung, seiner geselligen Talente, seiner natürlichen Vornehmheit, gewohnt zu siegen, wo er sich zeigte. Kein Wunder, daß sie Gefallen an ihm fand. Eher war es verwunderlich, daß er sie beachtete. Wohl war sie ein schönes Mädchen gewesen in der Art ihrer Tochter Martha, aber milder und weicher in Formen und Ausdruck- die Haare um ein paar Töne heller, und heller auch die großen Madonnenaugen mit ihrem sanften Aufschläge. Nichts Auffallendes in ihrer ganzen Art, zurückhaltend und schüchtern, etwas unbeholfen sogar, ohne Lebhaftigkeit der Bewegungen und des Geistes, voll weiblicher, häuslicher Tugenden, die man erst bei näherer Bekanntschaft entdeckt- nicht einmal reich war sie. Ihre Gefährtinnen beneideten sie nicht wenig um die Eroberung, die sie an dem gesuchten jungen Rechtsanwälte gemacht hatte - und als Leonhard Andree schließlich um Dorotheas Hand anhielt und mit Freuden angenommen wurde, da war des Staunens kein Ende. Ach, sie hegte ja selbst Zweifel, ob sie ihm genügen werde- — und nun waren sie doch sehr glücklich geworden. Sie hatte nie aufgehört, ihn anzubeten - und er war anerkanntermaßen der aufmerksamste und galanteste Gatte, den es geben konnte. In der Gesellschaft sah man sie zunächst selten zusammen. In schneller Folge wurden ihnen acht Kinder geboren. Dazu kränkelte Dorothea häufig- nach der Geburt Leonhards war sie fast ein halbes Jahr bettlägerig. Dann kamen die Krankheiten der Kinder. Und so gab es für Dorothea in ihren vier Pfählen soviel zu thun, daß sie an Vergnügungen nicht denken konnte. Natürlich war das kein Grund, daß sich auch ihr Mann davon zurückhalten sollte. Nach seiner anstrengenden Thätigkeit bedurfte er der Zerstreuung, er sehnte sich danach, und sie bestärkte ihn nur darin. Ihr fiel es nicht schwer, zurückzubleiben. Sie fühlte sich am wohlsten daheim. In den letzten Jahren erst, seitdem die Kinder herangewachsen waren, hatte sie ihn häufig begleitet. Ihr Mann war sehr froh darüber. Er erzählte aller Welt, wie glücklich er sei, daß sein Frauchen ihn begleite - er rühmte laut ihre Tugenden, nannte sie die beste Frau, die es gäbe- allein so sehr er auch bemüht war, sie in den Vordergrund zu stellen, sie wurde nicht einheimisch in der Gesellschaft. Meist kam sie schon müde hin. Dann saß sie in ihrem schweren, steifen Seidenkleide auf dem Sofa, und soviel sie sich bemühte, sie vermochte den Gesprächen ihrer Nachbarn und Nachbarinnen kein Interesse abzugewinnen. Um die lieben Nächsten bekümmerte sie sich nicht, die Mode war ihr gleichgültig, und von Theater und Kunst verstand sie nichts. Als junges Mädchen war sie, in strengen Grundsätzen erzogen, derartigen Vergnügungen möglichst feroge- halten worden- später hätte sie manchmal ihrem Mann und mehr noch ihren Kindern zuliebe gern das Versäumte nachgeholt- aber die Zeit fehlte dazu. Ihr Tag war durch die Kinder und die Wirtschaft vollständig ausgefüllt- denn Leonhard, ihr Gatte, war, was die häusliche Bequemlichkeit anbelangte, sehr anspruchsvoll. Sogar in den Zeiten, wo sie selbst leidend gewesen war, hatte er keine Vernachlässigung geduldet. Er konnte bet den geringsten Unregelmäßigkeiten sehr heftig werden, und sie hatte sich stets alle erdenkliche Mühe gegeben, ihn zufrieden zu stellen. Im vergangenen Winter war das ganz besonders schwer gewesen. Er war heftig, launenhaft, schweigsam und zerstreut. Er nahm weder an der Unterhaltung der beiden ältesten Kinder, wie er es sonst gethan, teil, noch vermochten ihn die burschikosen Einfälle und das heitere Geplauder Elschens zu belustigen. Das lag an seinem Magenleiden. Der Arzt sagte es, und sie alle waren davon überzeugt. Sobald sich das gebessert hatte, war auch die Nervenüberreizung geschwunden, und gleichsam, als wolle er seiner Frau für die Geduld, mit der sie seine Laune ertragen hatte, danken, war er doppelt liebenswürdig und aufmerksam zu ihr. Wie schwer war es ihm gefallen, sich von ihr zu trennen, als er nach Karlsbad reiste- und nun gar sein letzter Brief. Wie rührend, daß er ihr die Freude eines kurzen Aufenthalts an seiner Seite hatte gönnen wollen. Oder war das nicht der Grund für seine Aufforderung gewesen? Sie las die Zeilen noch einmal durch - und heute schien es ihr, als läge darin eine Sehnsucht, ein dringendes Bitten, das sie vorher nicht herausgelesen hatte. „Bitte, komm sobald als möglich. Ich möchte Dich sehen, Dich sprechen. Thu' es mir zuliebe." Das war wärmer und herzlicher, als er sonst zu schreiben pflegte. Sprach nicht etwa gar eine geheime Angst, Angst vor sich selbst, vor quälenden Gedanken, die er ihr gern mitgeteilt hätte, daraus? Nein, nein! Sie fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Wie konnte sie auf so thörichte Vermutungen kommen? Sie erhob sich. An der gegenüberliegenden Wand über ihrem Schreibtische hing das Bild ihres Mannes. Die Abendsonne traf es mit ihren letzten Strahlen und malte rosige Lichter auf das scharfgeschnittene Antlitz. Wie ähnlich das Bild war! So hatte er ausgesehen in seinen besten Tagen! Dorothea warf sich vor dem Bilde nieder. „Nicht wahr, Du bist nicht freiwillig von uns gegangen, Du hast uns nicht freiwillig verlassen? Wir waren ja so glücklich, so glücklich —" Und heiße Thränen rannen über ihre Wangen. Da nahten sich vorsichtige Schritte der Thür. Sie ward behutsam geöffnet. „Mama!" Dorothea wandte sich um. Martha und Leonhard kamen, frische Blumen in den Händen. „Für Papas Bild, Mama. Dürfen wir? Es soll immer geschmückt sein zum Zeichen, daß wir immer seiner gedenken," flüsterte Martha. „Gutes Kind!" Dorothea wußte es ja. Die beiden ältesten hatten den Vater abgöttisch geliebt, so sehr, daß sie selbst fast ein wenig zu kurz gekommen war dabei. „Mama!" raunte ihr Leonhard ins Ohr, und unwillkürlich ballte sich seine Hand zur Faust. „Weißt Du, was die Leute sagen?" Mit einem Blick gebot ihm Martha Schweigen. „Laß nur!" fuhr er fort, mühsam seine Erregung bemeisternd. „Es ist gut, wenn Mama das auch weiß. Diese erbärmlichen Verleumder! Sie sagen, das mit dem Morphium sei kein Versehen gewesen, Papa habe —" „Sprich es nicht aus!" unterbrach ihn Dorothea geängstigt. „Und glaube es nicht — glaub' es nicht!" „Nein, Mama!" rief Leonhard mit warmer Ueberzeugung. „Glauben werde ich es nimmermehr. Ich könnte es auch nicht ertragen. Er hätte doch keinen Grund gehabt dafür." „Und wenn er einen gehabt hätte, sagte Martha herb- „so wäre es erst recht feig gewesen, Dich und uns allein zurückzu- 379 lassen- und feige war Papa nicht. Hab'keine Sorge, Mama, wir lassen uns das Bild unseres Vaters nicht beflecken". (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Die kleine Lulu. Seeroman von Clark Russell. (Fortsetzung.) Zweiundvierzigstes Kapitel. Schluß. Die Insel lag nur noch als ein schwacher Schatten hinter uns am Horizont, die untergehende Sonne dicht darüber. Im Osten, wohin unser Bugspriet zeigte, war der Himmel dunkel-violett, und rings umher erstreckte sich die unbegrenzte Wasserfläche des Stillen Ozeans. Wir segelten schnell unter der warmen, beständigen Brise, obgleich das Hauptsegel noch gerefft war und auch die Reuls und der Außenklüver noch nicht standen. Die „kleine Lulu" würde bei diesem Winde ein Dampfschiff überholt haben- welche Aussicht blieb da dem breitbugigen Langboot, falls es seinen Insassen einfallen sollte, uns zu verfolgen? Banhard, der Koch und Savings unterhielten sich in der Nähe des Hauptmastes. Alle drei rauchten ihre Pfeifen und sahen ganz zufrieden aus. Ich rief sie heran. „Na, Savings", sagte ich, „was denkst du nun von der Sache? Bist du nicht froh, aus der Meuterei heraus zu sein?" „Nu jo, Mister, dortau will ik nich ne seggen", erwiderte er, während er seine Pfeife aus dem Munde nahm. „Blot äwer Deacons Garn, doräwer känn'n Banhard un ik nich einig warden- denn Banhard, de seggt: 't is gor kein Insel da, un ik segg: bat is sei ja", und dabei deutete er nach hinten auf die Insel. Aus dieser einfachen Bemerkung war zu erkennen, daß der Mann glaubte, wir überließen das ganze Geld den glücklichen Spitzbuben im Langboot und brächten ihn auf diese Weise um den ihm, nach seiner Meinung, von Rechts wegen zustehenden Anteil. Es war leicht möglich, daß auch der Koch diese Ansicht hegte, und deshalb war es nötig, daß ich mir die Mühe nahm, ihre Köpfe von dem Unsinn zu befreien. Ich schickte daher Banhard nach der Karte der Südsee, worauf der Kurs der Brigg angegeben war. Nachdem ich sie aufgefordert, hatte, die mit Bleistift gezeichnete Linie zu betrachten, erklärte ich ihnen, daß neunundneunzig Chancen gegen eine beständen, daß, wenn Deacons Insel überhaupt existierte, sie auf der Karte verzeichnet sein würde. „Aber angenommen auch", fuhr ich in meiner Belehrung fort, „sie wäre von den unzähligen Schiffen, die diese Breiten durchfurcht haben, wirklich übersehen worden, so hätten wir sie unter allen Umständen bemerken müssen- denn wir haben unfern Kurs genau nach Deacons Angaben genommen". Dies zeigte ich ihnen auf der Karte. „Aber", sprach ich weiter, „selbst vom höchsten Ausguckspunkt der Brigg aus ist auf der Stelle, wo sie hätte sein müssen, nur Himmel und Wasser zu sehen gewesen. Welcher vernünftige Mensch kann da noch anders glauben, als daß Deacons ganze Geschichte einfach die Ausgeburt des kranken Gehirns eines Wahnsinnigen war?" Auf diesen, zuletzt doch ganz ausgesprochenen Wahnsinn, legte ich besonderen Nachdruck, und suchte den Leuten durch Beispiele (von denen eins wahr, die andern erfunden waren) verständlich zu machen, daß Deacon wirklich ein total Verrückter war und das Gold und die Insel seine fixe Idee bildeten. „Aus dieser hat er sich allmählich seine Geschichte zusammengesetzt", sagte ich, „und zwar mit der Schlauheit eines Wahnsinnigen, so folgerecht, daß man sie wohl für möglich halten konnte, er selbst aber unzweifelhaft an das Gespinst seiner Einbildung glaubte und dadurch auch leicht bei anderen Glauben dafür erweckte". Der Koch schien ganz überzeugt von meiner Auseinandersetzung und meinte, daß er für sein Teil, nie recht gewußt hätte, ob er Deacons Garn für wahr oder falsch halten sollte. „Mit mt was 't ümmcr ein Dag so, den annern so. Wenn de Lüd dorvon redten, wat sei an Land all'ns mit dat vele Geld maken würd', dünn packt' mi jo ok de Düwel un ik glöwt' an de Sak, wenn ik äwer wedder allein in mien Bedd lüg, dünn glöwt' ik nich mihr doran. Ik hew von Deacon nich bet Hollen- hei hadd wat Falsch's in sien Ogen 's wieren mihr Hunns- als Minschenogen. Ik bün taufreden, mit de ganze Sak ntks mihr tau dauhn tau hewwen, un all'ns, wat ik seggen kann, is, bat ik hoffe, bat wi ne gaube Fohrt maken warben". Savings sagte nur: „Sei mügen all recht hewwen, Mister- denn wenn kein Insel dor is, denn kann dor ok kein Gold sien". Ganz überzeugt schien er aber, trotz dieses Ausspruchs, nicht zu sein. Indessen seine Ansicht war jetzt von keiner Bedeutung mehr, da der Koch zu uns stand und wir dadurch vier Mann gegen einen waren. Außerdem, welchen Nutzen hätte er davon haben können, uns vielleicht zu ermorden, wenn er auch wirklich einmal Gelegenheit dazu fand. Er würde dann allein auf der Brigg zurückgeblieben und selbst verloren gewesen sein. Ich teilte darauf den Leuten mit, daß es meine Absicht sei, nach Valparai o zu steuern- dies war uns der nächste Hafen. Hierbei erwähnte ich gleichzeitig, daß, wenn Savings es wünsche, er dort das Schiff verlassen könne, ohne daß ihm irgend etwas geschehen solle. Dies war ein Versprechen, welches ihn sehr vergnügt machte- er grinste, schüttelte aber mit dem Kopf und sagte: „Ik ward für Sei arbeiten. Wenn ik will, schaff ik so bet as twei annere. Sei süll'n seih'n, wo flink ik sien kann". Es blieb nichts weiter zu sagen, daher gab ich dem Koch den Auftrag, das Küchenfeuer anzuzünden und den Thee zu bereiten- und Sabings befahl ich, um bier Glasen Hardy am Rade abzulösen. „Ich werde euch nicht alle Arbeit allein aufladen, Maats", sagte ich- „ich werde mein Teil auch redlich thun. Wir sind fünf, wenn jeder zwei Stunden am Rade steht, werden wir Schlaf genug haben, falls nur das Wetter aushält - und das wollen wir hoffen, denn wir sind in den richtigen Breiten für schönes Wetter". Sowie die Leute gegangen waren, sprang meine kleine Lulu bon ihrem Platz auf, nahm meinen Arm und bat mich, mit ihr auf dem Deck spazieren zu gehen. Zum erstenmal seit bielen langen Tagen glänzte etwas wie Glück in ihren Augen. Sie sah mich mit einem wunderlieblichen, triumphierenden Blick an, und, wenn sie nicht stolz auf ihren Bräuttgc m, den Seemann, war, dann muß sie eine geschickte Schauspielerin gewesen sein. Ja, die geteilte Gefahr hatte uns einander sehr teuer gemacht. Wären wir nicht ein Liebespaar geworden, so hätten wir wenigstens Freunde für das ganze Leben werden müssen. Wir waren uns gleichmäßig zu Dank berpflichtet: sie hatte mir das Leben gerettet und ich hatte sie weiß Gott welchem Schicksal entrissen. Wir zogen auf dem Deck umher wie ein paar fröhliche Kinder. Ich mußte mit ihr das Wasser ansehen, welches kräuselnd borüber glitt, dann den Kompaß, wo Hardy, der Bengel, seinen Kopf abwandte, um sein berschmitztes Lachen zu herbergen, und die ganze Zeit über schwatzte sie den entzückendsten Unsinn. Kurz und gut, sie war eigentlich der richtige Kobold - eine schreckliche kleine Memme in der Gefahr, keck und übermütig, wenn nichts zu fürchten war, mit einem Temperament wie Quecksilber im Thermometer: sehr tief, wenn der Wind kalt blies, sehr hoch, wenn die Sonne warm schien. Und war solcher Geliebten zu trauen ? fragst du. „Ja, Maat". 880 — Än diesem Abend erglühte dec westliche Horizont in einem herrlichen Sonnenuntergang. Die rosafarbenen Wolken standen am Himmel wie die Berggipfel eines Zauberreiches, und zwischen diesen hervor schoß die Sonne Strahlen, welche das Wasser in eine Flut von Gold verwandelten. (Schluß folgt.) Vom Monat Zuli. Juli 1899. Im Juli macht sich die große Auswanderung während der Ferienzeit auch in dem Verkehr auf den Marktplätzen geltend, dessen Lebhaftigkeit selbst an den Haupttagen erheblich nachgelassen hat, im entgegengesetzten Verhältnis zu dem Angebot, das jetzt auf voller sommerlicher Höhe steht. In der Zeit der beginnenden Ferien und mit diesen meist verbundenen Landaufenthalt ist es wohl recht darauf hinzuweisen, wie gering sich auf dem Lande die Auswahl für den Speisezettel stellt. Nach den ersten Tagen des Genusses der ländlichen Freuden, stellt sich bei den meisten nicht za ideal angelegten Naturen der Sehnsucht nach den abwechselnden Fleischtöpfen der Großstadt ein. Durch die große Auswahl von Konserven ist diese Sehnsucht leicht zu stillen, und hat die sorgsame Hausfrau nicht versäumt, zu ihren Vorräten von Wurst und anderem Dauerfleisch eine Büchse Liebig's Fleisch- Extrakt beizupacken, so wird sie mancher Verlegenheit entgehen. Kocht sie z. B. Ochsenfleisch, das sie auf dem Lande nicht immer von Mastvieh erwarten darf und auch nicht vom gewohnten Stück, wie es ihr der großstädtische Fleischmarkt bietet, so kann sie doch immerhin ein schmackhaftes Kochfleisch zu Tische bringen, wenn sie das geklopfte Rind- oder Hammelfleisch in kochendem Wasser mit Suppenwurzel schnell ankocht, dann einige Gramm Fleischextrakr hinzufügt und gar kochen läßt, so hat sie ein gutes Stück Fleisch für Gemüse und Saucen und eine vortreffliche Brühe für die Suppen. Von einer erfahrenen Hausfrau wird nachstehendes Rezept zu einer Tasse wohlschmeckender Bouillon empfohlen: Vs Liter Wasser, 5 Gramm Liebig's Fleischextrakt, ein Thcelöffet ganz klein gehacktes Suppengemüse, 3 Gramm Salz, 2 Gramm frische Butter, l/2 Prise Muskatnuß, werden in einem Topfe fünf Minuten langsam unter stetem Rühren gekocht, alsdann 1 Gramm in einem Eßlöffel Wasser aufgelöstes Kartoffelmehl hinzugethan, nochmals aufgekocht, durch ein Sieb gegossen und serviert. Zur Zeit der beginnenden Ernte pflegen Käse und Butter meist teurer zu werden, und auch die frischen Eier haben höhere Preise. Dagegen sind alle Sorten junges Geflügel billiger, und die reiche Zufuhr desselben drückt den Preis des Hamburger Mastgeflügels herab. Gänse sind fast durchweg nur Grasgänse ohne Fettansatz mit weichlichem Fleisch, das seinen wahren Geschmack erst durch reichlich festes Futter erhält. Recht zu beachten ist das Klein von jungen Enten und Gänsen. Der dazu gehörende Majoran ist frisch vorhanden, und der bittere Beifuß, der der fetten Gans oder Ente mit Recht beigegeben wird, ist jetzt in der Blüte in seiner besten Zett. Ebenfalls frisch zu haben ist der Salbei, der sür die feine Fischküche wertvoller ist als der Lorbeer, dessen vordringlicher Geschmack grade bei den feinsten Fischen nicht immer angenehm wirkt. Die norddeutsche Küche zieht den Salbei durchaus vor, und der Wohlgeschmack des Aal in Bier und Wein und ähnliche Triumphleistungen der Fischküche beruhen zum großen Teil auf der vorsichtigen Verwendung des Salbei. Am geeignetsten sind Aale im Gewicht von 1 bis l V, Kilo, die man gut säubert, sie mit Salz ab- rcibt und in etwa drei Finger breite Stücke schneidet. Dann bedeckt man den Boden einer großen Kasserolle mit einigen scheibig geschnittenen Zwiebeln, ganze Pfefferkörner, Salz und etwas Salbei hinzufügend. Die nebeneinander darauf gelegten Aalstücke werden mit Berliner Weißbier übergossen, das sie bedecken muß, auch giebt man 200 Gramm Butter und, nachdem das Bier ins Kochen gekommen und geschäumt worden ist, 15 Gramm Liebig's Fleischextrakt hinzu. Sobald der Fisch weich geworden ist, wird er aus dem Sud genommen, dieser durch ein Sieb gegossen, in die Kasserolle zurückgegeben, mit einem großen Glase Rheinwein und Zitronensaft geschärft und mit einem gehäuften Theelöffel, in Waffer zerquirltem Kartoffelmehl, nebst 2 bis 3 Eidottern abgezogen. — Man serviert den Fisch, der ein wenig in der fertigen Sauce gezogen hat, mit dieser übergossen und reicht dazu neue, in Butter und gewiegter Petersilie geschwenkte Kartoffeln. In Ermangelung von Berliner Weißbier kann ein etwas süßes, leichtes Bier verwendet werden. Von lebenden Fischen steht obenan die Forelle, dann Schleien, Aale, kleine Welse, Zander, und Backfische in reicher Auswahl. Die Großhandlungen bieten eine Fülle guter Seefische, die durch sorgsame Eisverpackung auch in den heißesten Tagen ebenso frisch und gut hier eintreffen wie im Winter. Die Zufuhr von großen Tafel- und Edelkrebsen bleibt im Juli so bedeutend, daß sie ohne Preiserhöhung zu haben sind, jedoch leiden dieselben an heißen Gewittertagen nicht unerheblich auf dem Transport. Eine gute Zuthat zu einfach gekochten Krebsen ist Gurkendill, der jetzt viel angeboten wird. Für Gemüse und Obst ist jetzt die beste Zeit angebrochen, man kann sagen, der Markt bietet alles, was man an Auswahl und Güte verlangen kann, zur rechten Freude sür des Vegetarianers Herz. Gut und billig sind im Laufe der Wochen die Schnittbohnen geworden, nur der Blumenkohl bleibt teuer. Da neue Kartoffeln und grüne Petersilie denkbar billig sind, so haben die reichlich erscheinenden Pilze doppelten Wert, weil ihr Nährstoffgehalt das Fleisch zu den Kartoffeln gut ersetzt. Die Beherrscher des Pilzmarktes für den Juli sind fast ausschließlich die für Suppen und Saucen Geschmack verleihenden Blut- und Milchreisker, die wenig ansehnlichen, aber um so wohlschmeckenderen Rotkappen, der Garten- champtgnon, der Steinpilz und vor allen Dingen, der so beliebte Eierpilz, Pfifferling, Hähnel, Galuschel oder auch Kochmandel genannt. Dieser stets zuverlässige und wohlschmeckende Pilz eignet sich namentlich zu Gemüsen. 2 Liter geputzte und gut gewaschene Pilze kocht man zehn Minuten in leichtem Salzwasser, läßt sie auf einem Sieb abtropfen, und wiegt sie nicht allzu fein. Alsdann dünstet man sie in reichlich heißer Butter mit Salz, Pfeffer und einer ganzen Zwiebel weich, stäubt Mehl daran, übergießt sie mit einer Brühe aus 6 bis 8 Gramm Liebig's Fleischcxtrakt, läßt sie kurz einschmoren und giebt zuletzt reichlich gehackte grüne Petersilie. daran. Nach Geschmack kann man kurz vor dem Anrichten zwei bis drei Eßlöffel saure Sahne an das Gemüse geben. Auch für Suppen ist der Eierpilz rc. eine angenehme Würze. In Thüringen und im Oberharz werden die Eierpilze viel gesammelt, an der Luft getrocknet und für den Winter aufbewahrt. Die getrockneten Pilze werden vor dem Gebrauch in Wasser aufgeweicht/ in Salzwasser abgekocht und dann weiter verwendet wie die frische Ware. Für die Hausfrau beginnt im Juli die mühevolle Zeit des Einkochens. Kirschen, Erdbeeren, Blaubeeren, Johannisbeeren, halbreife Stachelbeeren, Pflaumen, Aprikosen, alles ist zum Kompott, Rohessen als auch zum Einkochen vorhanden. Im Monat Juli beginnt auch die Jagdzeit wieder. Zu dem allein dominierenden Reh tritt jetzt der Hirsch und das zarte Damwild. Wildenten, Bekaflnen und die farbenreichen Stockenten vertreten das Federwild. Redaktion: S. Burkhardt. — Bruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.