Nachdruck verboten. Pygmalion. Novelle von Anton Frhr. von Perfall. (Fortsetzung.) Holaus, welcher einen heftigen Widerwillen empfand, mit diesem Menschen gewissermaßen sich in Heimlichkeiten einzulassen, zögerte bis zum letzten Augenblicke, dann erst wies er ihn hinein und schloß die Thür. Da trat schon Herrmann ein. Eine gewisse Entfremdung war zwischen beiden Männern eingetreten. Seit Wochen hatte Herrmann den Zeichensaal nicht betreten. Beunruhigend für Holaus war eine gewisse verlegene Herzlichkeit der Begrüßung, ein mißlungener Versuch, ein geschäftliches Gespräch anzuknüpfen) als aber Franz plötzlich die Reitgerte auf den Tisch warf, beide Hände ihm entgegenstreckend auf ihn zutrat, da erfaßte ihn eine förmliche Furcht. Jetzt nahte der gefürchtete Augenblick, er nahte trotz allem Hoffen, trotz allem felsenfesten Glauben. Und nebenan Er, der Gefürchtete, der jedes Wort hören mußte. — Schon jetzt rächte sich die Lüge, und er stand erst im Anfänge. Er versuchte noch einmal, ein Gespräch anzufangen. — Vergebens! „Hans," begann Herrmann, in einem Tone, der ihm keinen Zweifel mehr ließ. „Ich weiß nicht recht, waS sich da zwischen uns gedrängt, nur daß es nicht mehr so ist wie früher. — Aber es ist ja alles Unsinn! CS soll ja nun ein neues, unzerreißbares Band uns aneinanderfesieln, — gerade heraus, — ich bitte Dich um die Hand Deines Kindes, Deiner Marie. — Halt, laß mich auSreden! Ich war ein leichter Finke, ein Mädchenjäger, ich nahm es nicht so genau mit der Moral in einem gewissen Punkte, alle- zugegeben/ aber jetzt ist alles anders. Marie hat mich völlig bekehrt. Keine Spur mehr des alten Franz ist da. Ich werde alles thun, sie glücklich zu machen, ihre Neigung mir zu gewinnen." Holaus, der bisher mit halbgeschlossenen Augen, die Lippen fest geschloffen, diesen Wortschwall über sich ergehen Mß. 0 , halte dir ein Kämmerchen im Herzen rein, Es wird in schwerem Leid dir eine Zuflucht sein. Drin weile, bis der Sturm an dir vorübergeht, Und hoch am Himmel hell die Sonne wieder steht. O. v. Leixner. . ließ, nur mit dem Gedanken an den Mann im Nebenzimmer beschäftigt, durchzuckte es bei dieser letzten Wendung. „Die hast Du doch schon gewonnen, ihre Neigung, sonst wärst Du wohl nicht hier," sagte er vorsichtig, kaum wagend, Franz anzusehen. „Allerdings, selbstverständlich. Aber Du weißt ja, wie ' Mädchen find in diesen Jahren, gleich eingeschüchtert, unsicher, etwas ehescheu —" „Du hast also mit Marie ernstlich darüber gesprochen? Eben wohl?" fragte Holaus. „Ja, das habe ich auch. — Ich wollte es ja schon längst, es gab sich gerade Gelegenheit — so machte ich ihr einen förmlichen Antrag." „Den fie annahm?" „Ja, und nein. Zuerst lachte fie dazu, dann weinte sie. — Nie und nimmer könne fie fich entschließen, sich von Dir zu trennen." „Das sei gar nicht notwendig, gerade bei mir nicht, da wir ja geschäftlich aneinander gebunden seien. — Ja, das sei doch nicht das, was fie meinte, sie wisse es selbst nicht, aber der Papa sei ihr alles — alles bis auf den Geliebten, den Gatten, erklärte ich ihr. " Das verstehe fie nicht, nur so viel fühlte fie, daß ihr kein Mann je näher stehen könne, und damit würde ich mich gewiß nicht zufrieden geben. — Ich lachte erst darüber, dann verdroß mich, offen gesagt, der Eigensinn. Der Papa werde gewiß selbst nicht einverstanden sein mit dieser Auffassung. Sein höchster Wunsch sei gewiß eine gute Heirat. Ja, ich hätte ein gewisses Recht auf fie. Das habe ich auch, Hans, denke zurück, wie ich zu Dir kam auf Deine Bude und Dir die Nachricht brachte, daß ich meinen Vater völlig für Dich gewonnen, ich war damals selbst noch ein Junge von sechszehn Jahren, Marte spielte am Boden neben der Staffelei, da fielst Du mir um den HalS: das Mariele soll es Dir einmal danken, wenn ich's nicht vermag. So sagtest Du damals." „Nun und das Ende?" drängte HolauS, nervös mit den Fingern auf den Tisch tippend, ohne auf die Mahnung Herrmanns einzugehen. „Das Ende Eurer Unterredung?" „Oh, sehr zufriedenstellend für den schlechten Anfang. Sie sei mir ja gewiß gut gesinnt von jeher, wiffe auch sehr wohl, daß sie mir von früher zu Dank verpflichtet sei, — indes die Entscheidung liege einzig und allein bei Papa, ohne dessen Rat und Einwilligung sie nie einen entscheidenden Schritt in dieser Angelegenheit wagen würde. — Und da bin ich nun, um Deine Einwilligung zu holen. Ich dächte doch, er fehle nicht an Momenten, dle zum mindesten — - M - „Lassen wir alle diese Momente, die Du etwas zu stark betonst, Franz," erwiderte der Holaus. „Verpflichtungen, die ich gegen Dich und Dein Haus habe, können doch unmöglich für Marte maßgebend sein. Ich werde mit Marie selbst sprechen, ohne sie in irgend einer Weise zu beeinflussen. Sie ist völlig freie Herrin ihrer Hand, und ich räume niemand, mir selbst nicht, das Recht ein, irgend einen Zwang auf sie auszuüben," Er sprach diese Worte mit erhobener Stimme. „Dann wirst Du Dich für den Augenblick wohl zufrieden geben müssen." „Thue ich auch, Hans, gerne. Wirst schon sehen, sie hat es sich längst überlegt. — Soll denn dieser köstliche Schatz aus dem Hause kommen! Das kannst Du Doch selbst nicht wollen. Das sage ich Dir offen, Hans, wenn es einer wagen sollte, er hätte es scharf mit mir zu thun, wer es auch sei, gutwillig weiche ich nicht." Es sprach eine stärkere Leidenschaft aus seinen Worten, als Holaus ihm zugetraut, und es schien ihm in Anbetracht der peinlichen Nachbarschaft, — der Gedanke trieb ihm den Schweiß auf die Stirn, — geraten, Herrmann nicht weiter zu reizen. In seiner Bedrängnis erfaßte ihn das Bedürfnis, diesen entsetzlichen Menschen, der jedes Wort gehört haben mußte, versöhnlich zu stimmen, demselben wenigstens seinen guten Willen zu zeigen. Vielleicht leitete ihn dabei unbewußt die dunkle Vorstellung, derselbe könne ihm einmal einen Gegendienst erweisen. „Lassen wir diese Angelegenheit vorderhand," begann er. „Ich hätte noch eine Bitte an Dich." „Im voraus gewährt. Du hättest keinen günstigeren Augenblick dazu wählen können," erklärte Franz. „Oh, es betrifft auch nur eine Kleinigkeit. Ein armer Mensch, ehemaliger Stuckateur, ersuchte mich schon wiederholt um eine Stellung bei uns. Er soll fein übler Zeichner sein. Hast Du etwas dagegen, wenn ich ihn annehme?" „Gewiß nicht," entgegnete Herrmann. „Wie kannst Du denn da lange, — — Halt, einen Augenblick. Am Ende ein Mann in einem blauen Anzuge, graue Mütze, verkommenes Aussehen.--Gestern sprach mich nämlich so ein Kerl an, gerade unter der Thür. — Ob ich Herr Holaus wäre, er wolle Arbeit, und das sagte er in einem Tone, als wenn es so sein müsse. Na, Du keimst ja meine Ansicht in dieser Beziehung. Das Blut stieg mir gleich zu Kopf. Ich gab ihm ein Paar tüchtige Hiebe mit meiner Reitgerte über den Buckel. — Wenn das Dein Mann ist--Aber wie ist mir denn? Sah ich ihn denn nicht eben, als ich abstieg, hier am Fenster? War denn der Kerl am Ende eben hier? Aber dann hätte ich ihm ja begegnen müssen —" Herrmann blickte um sich, dann gegen die Thür in das Nebenzimmer. ,.Hans, Du verheimlichst mir etwas. — Was will, — was ist der Mensch? Wo —" Holaus trat bleich, die Stirn gefaltet, vor Herrmann, welcher einige Schritte gegen die Thür machte. „Also wirklich da drinnen dieser Vagabund? Und Du versteckst ihn vor mir? Ja, was hat er Dir denn alles vorgelogen? Am Ende, daß ich ihn zum Krüppel geschlagen? Na, das kann noch kommen." Er wippte drohend mit der Reitpeitsche und versuchte vorzudringen. Doch Holaus wich nicht. „Hier hat niemand zu befehlen und zu verbieten, als ich, und wenn ich selbst einem Bettler Zuflucht gewähre, so ist das meine Sache." „Der Bursche ist aber viel schlimmer als ein Bettler, merkst Du denn das nicht?" erwiderte Franz. „Ein ausgemachter Halunke, der Dich irgend wie pressen will. — Willst Du herauskommen, Schuft? Oder soll ich Dich holen?" rief der junge Mann in höchster Wut. Ta ging die Thür auf. Fichtner stand vor beiden, in herausfordernder Haltung. „Da bin ich! Jetzt schlagen Sie mich zum Krüppel, wenn Sie es wagen," wandte er sich zu Herrmann. Holaus hielt mit zitternder Hand Herrmann zurück, welcher die Peitsche zum Schlage erhob. „Was habe ich gethan, daß Sie mich einen Schuft nennen?" „Das bist Du auch, noch dazu der frechste, der mir je vorgekommen ist," erwiderte wütend Herrmann. „Du? Wir sind nicht per Du. Wir haben überhaupt miteinander nicht das geringste zu schaffen," erklärte Fichtner. „Ich habe Herrn Holaus um Arbeit gebeten. Herr Holaus hat dasselbe Recht wie Sie im Geschäft und hat mir Arbeit zugesagt. Was wollen Sie also von mir?" „Dich durchprügeln will ich, wenn Du nicht sofort —" Von neuem drang Herrmann auf ihn ein. Doch Fichtner sah ihn mit so herausforderndem, drohendem Blick an, daß er unwillkürlich zurückwich. „Das werden Sie sich überlegen, mein Herr. So ganz zufällig komme ich nicht hierher —" Er blickte auf Holaus und las wohl eine Bitte in seinen Augen. „Herr Holaus," fuhr er gemäßigter fort, „kennt mich von früher als tüchtigen Arbeiter, der auch schon bessere Zeiten erlebt, den man nicht so ohne weiteres hinausjagt, wie einen tollen Hund. Verstehen Sie mich jetzt?" Herrmann sah sich entwaffnet. Er ahnte irgend eine Peinliche Verbindung zwischen Holaus und diesem Menschen, und jetzt war am wenigsten der Augenblick, so entrüstet er über seine Niederlage war, eine Erklärung zu fordern. „Warum haft Du mir das nicht gleich gesagt," wandte er sich mit einer verdrossenen Bewegung an Holaus, „wenn Du nun einmal in Deiner schlecht angebrachten Gutmütigkeit den Protektor dieses Menschen spielen willst." Holaus kämpfte mit sich. Er brachte eine lückenhafte, unsichere Erklärung des Sachverhaltes hervor, welche Herrmann in seinem Verdachte nur bestärkte. Doch für jetzt war es am besten, nachzu- gebeu. „Mach', was Tu willst- aber ich warne Dich vor dem Menschen. Nehmen Sie sich vor mir in acht," wandt er sich bann, ehe er das Zimmer verließ, an Fichtner. „Ich kenne Sie nicht von früher." Als sich die Thür hinter ihm geschloffen, trat Fichtner auf Holaus zu und reichte ihm die Hand. „Na, ich denke, wir sind quitt. Sie haben Ihr Versprechen, und ich mein Maul gehalten. Na, schlagen Sie nur ein. Nicht? Nun dann nicht. Sagen Sie einmal —" Er blinzelte listig mit den Augen und trat dicht vor Holaus. „Warum geben Sie eigentlich das Mädel nicht Ihrem Kompagnon? Sie könnten sich doch nichts Besseres wünschen. Stimmt doch alles! Ich meine nur. — Habe Ihnen ja schon erklärt, daß ich es nicht leiden würde und jetzt erst recht nicht — aber von Ihrem Standpunkte aus —" „Was kümmert Sie das," fuhr Holaus erregt auf, „ich habe Ihnen schon erklärt, daß Sie kein Recht haben, sich in meine Angelegenheiten zu mischen —" „Na, über das Recht und ob das allein Ihre Angelegenheit, ließe sich ja noch streiten," erwiderte Fichtner, „aber wir sind ja einig in der Sache und wollen es auch bleiben. Ich habe mir nun einmal, während der Unterredung der beiden Herren, da drinnen meine Gedanken gemacht. Wäre es nicht möglich, daß Sie selbst meine Tochter liebten?" Das Ringen Holaus' nach Fassung war vergebens, obwohl er den Blick des Entsetzlichen in fein Innerstes bringen fühlte, bie Entwickelung langsam aber sicher herankommen sah. In diesem Mund fein sorgfältig gehütetes — 699 — Geheimnis entweiht zu sehen, war zu grausam. Der Zorn übermannte ihn. „Sie sind ein Unverschämter, Herr Herrmann hat ganz recht. Die Thür hätte ich Ihnen weisen sollen." „Na, na, nur nicht wieder so hitzig," erwiderte Fichtner in widerlichem Hohne. „Was wäre denn Schlimmes dabei! Warum sollen Sie mein Mädel nicht lieben! Wenn man so ein schönes Geschöpf — denn verdammt schön ist sie, das hatte ich auf de» ersten Blick weg — aufwachsen sieht Tag für Tag. Wenn man sich als Vater allerhand erlauben darf — einmal ein Küßchen — einmal einen Händedruck — und doch nicht der Vater ist —" Holaus raubte die Entrüstung die Sprache, und dabei schoß ihm das Blut in das Antlitz, wie einem ertappten Schuljungen. „Schweigen Sie! Sie sind so schlecht, daß Sie gar nicht mehr wissen, wessen Sie mich beschuldigen." „Beschuldigen? Ich Sie? Ich denke ja gar nicht daran, im Gegenteil. Sie sollen Sie ja haben, erst recht, und ich wette meinen Kopf, das Mädel liebt Sie auch. Ja, der Teufel hole sie, wenn sie es nicht thut. Aber natürlich muß sie erst wissen, woran sie ist, daß Sie nicht Ihr Vater. Dann wird ihr schon ein Licht aufgehen. Wenn Sie wollen, ich selbst zünd' es ihr an." (Fortsetzung folgt.) Bar Geld lacht! Nachdruck erbeten. Das ist ein ebenso kurzes als wahres Wort und wird doch so leicht vergessen. Woher kommt die stehende Klage über die Säumigkeit unserer kleinen Handwerker? Vom lässigen Bezahlen ihrer werten Kunden. Bedient möchte jeder sofort sein,- aber mit dem Bezahlen hat es oft gute Weile. Daß der Handwerker Geld braucht, um vorteilhaft eiukaufen und seine Lebensbedürfnisse bestreiten zu können, bedenkt so mancher sonst recht anspruchsvolle Kunde nicht. Noch weniger fällt ihm bei, daß sein leichtfertiges Borgen dem minder begüterten Handwerker gar bittere Sorgen macht. Wie ost wäre ihm mit den paar Groschen gedient, die dieser oder jener vornehme Kunde ihm unbedacht vorenthält,- aber zu bitten oder gar zu mahnen wagt er den guten Kunden nicht,- er könnte ihn ja darüber verlieren. Wenn er dann nach geraumer Zeit glücklich sein sauer verdientes Geld erhält, ist er in falscher Scham wohl gar noch so thöricht, zu sagen: aber Herr soundso oder gnädige Frau, das hatte ja gar keine Eile, oder was dergleichen verbindliche Redensarten mehr sind. Worte, die der bedrängten Lage des braven Meisters oft geradezu Hohn sprechen. Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert. So gut der Beamte pünktlich seinen Gehalt erhebt und der Rentner seine Zinsen einstreicht, will auch der Handwerker rechtzeitig bezahlt sein, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Nicht wenig soziales Elend liegt in unbezahlten Rechnungen. Wer Schulden macht, ohne sie bezahlen zu können oder gar zu wollen, der thut der Volkswohlfahrt Eintrag und leistet dem geflügelten Worte Eigentum ist Diebstahl Vorschub. Weihnachten steht vor der Thür, das Fest, an dem man nach geheiligtem Brauch einander Freude zu bereiten sucht. Wie wäre es, wenn wir unseren unentbehrlichen Handwerkern zu einer fröhlichen Weihnacht verhülfen dadurch, daß wir sie nicht länger auf Wartegeld setzen? Freundliche Gesichter und guter Wille sind keineswegs zu unterschätzen. dt. Weihnachisarbeiten. Rauchnecessaire. Leicht könnt ihr fleißigen Knaben eine kleine Arbeit ein Rauchnecessaire, Herstellen, mit der ihr den lieben Vater zu Weihnachten sicher erfreuen würdet. Ihr sägt ein ovales Brett von dem Deckel einer Zigarrenkiste 22 Zentimeter lang und 16 Zentimeter breit. Den äußeren Rand beklebt ihr mit Zacken aus buntem Glanzpapier, welche nach der Innenseite des Brettes gerichtet sind. Eine gezackte Goldborte klebt ihr nun an den Rand des Papiers. Von der Schale eines geöffneten und ausgelaufenen Gänseeies schneidet ihr die Hälfte fort und beklebt den äußeren Rand derselben ebenfalls mit Papierzacken und Goldborte. Eine breite, auch zwei aufeinander geklebte Goldborten bilden de» Fuß. Papierzacken werden wieder an die eine der Goldborten geklebt und die Eierschale in die nach oben stehenden Zacken gesetzt. Ebensolche Papierzacken an der anderen Goldborte befestigen die Schale an dem Hinteren Ende des Brettes. Ebenso bearbeitet ihr die Schale eines Hühnereies und befestigt sie links, eine andere rechts in derselben Entfernung vom Gänseei/ ein vorsichtig durch die Schalen gestecktes Drahtendchen dient zum Abstreichen der Zigarrenasche. Vorn an die Kante des Brettes klebt ihr nun ein Stück Zündmasse und füllt nun das Gänseei mit 5 bis 6 Zigarren, die Hühnereier aber mit schwedischen Zündhölzern. Wie stolz könnt ihr sein, wenn nun euer lieber Vater sich eures Kunstwerkes beim Rauchen bedient. Schirm halt er. Diese höchst praktische Arbeit, zum Aufhängen an der Thüre des Kleiderschrankes eingerichtet, verhindert das lästige Umfallen der Schirme in den Ecken und schont dieselben. Man fertigt den Schirmhalter aus starkem grauem Leinen an, wie solches zu Handarbeiten verwandt wird, schneidet die Rückenwand 93 Zentimeter laug und 36 Zentimeter breit, schrägt sie an beiden Seiten ein wenig ab, so daß sie unten eine Breite von 30 Zentimeter hat. Der obere Teil muß 74 Zentimeter lang und 38 breit geschnitten werden, und man stickt auf diesen 3 Zentimeter vom Rande entfernt eine 5 bis 6 Zentimeter breite hübsche Kreuzstichborde, zu welchem Zwecke man, wie bekannt. Kanevas aufheftet. Ist dieses geschehen, so legt man den Stoff in drei 9 Zentimeter breite Falten, die natürlich nach unten etwas tiefer gelegt werden müssen, als oben,- doch muß vorher der Stoff oberhalb der gestickten Borde mit Litze paffend zu der Stickereifarbe eingefaßt werden. Sehr hübsch wirkt terrakotta, sowie braunes Garn. 17 Zentimeter vom Rande des unteren Teiles entfernt, heftet man den oberen auf, doch verziere mau auch ersteren mit Kreuzstichen, und zwar schlage man die Ecken 12 Zentimeter breit und ebenso hoch um und besticke diese. 2 Zentimeter vom Faltenansatz sticke man eine 2 Zentimeter hohe Borde mit 9 bis 10 Zentimeter hoher Mittelfigur, die dann zwischen den Ecken sich sehr hübsch macht. Hat man die beiden Teile auf einander geheftet, so setze man rechts und links neben der Mittelfalte eine Litze auf, so daß jede Falte ganz von der anderen getrennt ist, und fasse die Arbeit ringsherum mit Litze ein, verziere die Ecken mit kleinen Schleifen und nähe an dieselben als Oesen, um diesen ebenso hübschen wie praktischen Schirmhalter aufzuhängen zwei Gardiuenringe, die man mit Baumwolle überhäkelt hat. Küchenwandschoner. Ein praktisches Geschenk für eine Hausfrau ist ein über dem Küchentisch anzubringender abwaschbarer Schoner für die Küchenwand, der trotz seiner Zweckmäßigkeit sehr selten in einer Küche zu finden ist. Das empfehlenswerteste Material dazu ist hellfarbiges Wachs- oder Ledertuch,- sehr hübsch und freundlich wirkt steingrün, Hellmode oder ein lichtes Grau. Die Größe des Schoners ist etwa 100 Zentimeter Länge zu 68 Zentimeter Höhe zu be- mcffen. Die Randseiten werden mit gleichfarbiger wollener Litze eingefaßt, -und an den vier Ecken kle ne Metallringe zur Befestigung des Schoners an der Küchenwand, angenäht. Die Verzierung desselben übernehmen Pinsel und Oclfarben, welche ein geeignetes flottes Motiv auf den Wachstuch- oder Ledergrund zaubern. Ungeübten Händen bieten sich hierzu auch die keinerlei Mal-Vorkenntniffe beanspruchenden abwaschbaren Emaillefarben, mittels derer man eine Füllmuster-Borte - ?Ö0 um den Rand des Schoners malt, die einen in Zierbuchstaben ausgeführten Spruch umrahmt/ wie etwa: „Des Kochens Quintessenz ist Maß und Ziel/ von keinem zu wenig, von keinem zu viel," oder: „Pünktlichkeit bannt Sorg und Leid." In diesem Falle macht es sich gut, wenn man oberhalb des Spruchs eine Uhr malt, welche auf die im Hause übliche Mittagsstunde zeigt. Die Uhr wird mit weißer Emaillefarbe Rand, Ziffern und Zeiger mit Goldbronze gemalt. Planwagen. Man kaufe auf dem Weihnachtsmarkt einen gewöhnlichen kleinen Wagen für 2—2,50 Mark. Zur Anbringung der Plane wird der Wagen mit Rückreisen überspannt, und zwar genügen hierfür vier Reifen, von denen zwei je 67, die beiden anderen 65 Zentimeter lang sind. Man nagelt sie mit kleinen Stiftnägeln an den oberen Rand der beiden Langseiten des Wagens an. Inwendig überzieht man die Reifen mit einem 50 Zentimeter langen und 65 Zentimeter breiten Stück grauer Leinwand, deren vorderen Rand man deS hübschen Aussehens wegen mit einem breiten Streifen roten Purpurkattuns besetzt, während am hinteren Rande ein Zugsaum angebracht wird. Man beläd den Wagen mit kleinen Holzkästen, die man für ein Billiges in einer Holzzeugbude ersteht. Will man das nicht, so näht man mehrere Bandrollen als Kolli zusammen, auch große aneinander gereihte Garnrollen ergeben ein Paket. Ebenso kann man auch aus grauer Leinwand kleine 10 Zentimeter lange Säcke nähen, dieselben mit Seegras füllen, und im Stilstich mit roter Wolle die Inhaltsangaben, wie Kaffee, Thee, Zucker, Mehl ufw. darauf sticken. Die vier Zipfel der Säcke bindet man regelmäßig ab. Auf dem vordersten Sack thront ein Kutscher, ein Puppenjüngling mit Blusenkittel, dunklen Hosen und Zipfelmützchen. Ebenso nett ist ein Topfwagen. Man kauft einen kleinen Holzwagen, wie sie zur Weihnachtszeit für 10 Pfennig zu haben sind, und bindet an die Latten desselben Töpfe, Krüge und Tiegel zierlich mit schmalem Bande fest. Den Wagen füllt man mit Stroh, welches durch gelbes in Streifen zerschnittenes Seidenpapier ersetzt wird, und legt das obere Geschirr darauf. Eiszapfen. Man schneidet aus weichem Holz etwa 6 Zentimeter lange Stückchen, in der Gestalt von Eiszapfen, umwickelt diese gleichmäßig von unten nach oben mit 1 Zentimeter breiten, weichen, alten Streifen von weißem Baumwollzeug und näht diese oben und unten zu, damit sie nicht abrutschen, auch kann man statt der Streifen alte, etwas starke Baumwolle benutzen, z. B. von weißen aufgetrennten Strümpfen. Ein Aufhänger von Silberfaden wird ebenfalls gleich befestigt. Dann macht man von Alaun in Wasser eine starke Lösung und legt die Holzzapfen hinein, wo sie so lange bleiben, bis sich der Alaun krhstallartig angesctzt hat. Solche Eiszapfen sehen am Weihnachtsbaum sehr gut aus. Bet Aufbewahrung müssen sie vor Feuchtigkeit geschützt werden. Eine halbe vergoldete Nußschale wird oben und unten je zwei Mal dicht nebeneinander durchbohrt. Durch diese Löcher zieht man die langen Enden zweier blauen Schleifchen, sodaß letztere außen die Löcher decken, erstere gleich als Aufhänger dienen. Das ganze giebt ein Bettchen, das man mit Moos oder blauen Seidenstückchen füllt. Zwei Wickelpüppchen (Erbsen mit gemalten Gesichtchen und Spitzenhäubchen an Holzstäbchen gespießt, letztere mit Watte und blauem Seidenfaden umwickelt), kommen in jedes kleine schwebende Bett. Schneebällchen. Dieselben werden aus Watte geformt mit feinem Draht zusammengehalten und durchzogen/ aus Silberdraht wird ein Henkel gebildet. Nun bestreicht man zunächst die Bällchen mit dünnem Leim und umkleidet sie hierauf mit offener weißer Baumwolle. Zum Trocknen aufgehängt, werden sie alödantt nochmals ganz leicht Mit flüssigem Leim betupft und darauf mit Brillantine bestreut. Zu bemerken ist, daß man weißen Leim für diesen Zweck verwenden muß. Die kleinen Schneebällchen schimmern und glitzern in den tiefgrünen Zweigen des Baumes, daß es eine Pracht ist. ______________ Litterarisches. Das „Illustrierte Konversations-Lexikon der Frau" (Verlag von Martin Oldenbourg in Berlin) ist in seinen soeben erschienenen Lieferungen 15 bis 21 bis zum Schluffe des 1. Bandes vorgeschritten und läßt auch in diesen Lieferungen die Reichhaltigkeit und Gediegenheit sowohl seines textlichen Inhaltes als auch seiner künstlerischen Ausstattung erkennen. Bon den in den genannten Lieferungen enthaltenen medizinischen Artikeln find diejenigen, die sich auf die so wichtigen Gebiete der Kinderkrankheiten und der Erkrankungen der Knochen und Knochenbrüche beziehen, mit besonderer Ausführlichkeit behandelt; den sozialen Fragen der Zeit ist in den Artikeln Konfektionsarbeiterinnen, Krankenpflegerinnen und Künstlerinnen, sowie in dem mit außerordentlicher Sachkenntnis und Gründlichkeit behandelten Artikel über die Stellung der Frau in der Kirche Rechnung getragen. Besonders reichhaltig und interessant gestalten sich die der Kochkunst gewidmeten, mit zahlreichen Text-Illustrationen versehenen Artikel, die nicht nur interessante Einzelheiten aus der Geschichte der Kochkunst bringen, sondern auch die moderne Technik der Kücheneinrichtung in umfassender Weise darstellen und veranschaulichen und die Eigentümlichkeiten der Kochkunst in verschiedenen Ländern behandeln. Ueber Entwickelung und gegenwärtigen Stand der erst im vorletzten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts aufgekommenen systematischen Unterweisung und Ausbildung von Schülerinnen in den Kochschulen unterrichtet die Leserin ein besonderer, ausführlicher Artikel. Auch das Gebiet der Toilette ist in mehreren in diesen Lieferungen enthaltenen Artikeln gebührend berücksichtigt, unter denen vor allem die umfangreichen, reich illustrierten Artikel „Kleid" und „Korsett" Beachtung verdienen, die einen vollständigen geschichtlichen Ucberblick über die Entwickelung dieser Bekleidungsgegenstände bieten. Von den den genannten Lieferungen beigegebenen Bildertaseln zeichnen sich die Fluß- und Seefische darstellenden durch ihre vortreffliche Ausführung in Dreifarbendruck besonders aus. Betrachten wir den nunmehr fertig vorliegenden 1. Band, so stellt sich derselbe mit seinen 52 Druckbogen Text und 26 zum größeren Teile farbigen Bildertafeln als ein ebenso inhaltreiches als gediegen ausgestattetes Ganzes dar, das aber durch den 2. Band, der noch vor Weihnachten erscheinen wird, jedenfalls noch bei weitem Überboten werden wird, da mehr als zwei Drittel der laut Prospekt in Aussicht genommenen Bildertafeln erst in diesen ausgenommen werden. Unsere Leserinnen dürfen somit mit vollem Rechte auf das Erscheinen dieses zweiten Bandes gespannt sein, da mit diesem ein Werk zum Abschlüsse kommen wird, aus das die deutsche Frauenwelt stolz sein kann, und das auf dem Weihnachtsbüchermarkte dieses Jahres eine ganz hervorragende Rolle zu spielen berufen sein dürfte. Humoristisches. Naluvwiffeuschastttches. Lehrer (zum kleinen Jakob): „Kannst du mir etwas über das Wasser sagen?" — Jakob: „Wasser is e' Flüssigkeit, wo, wenn ma' de Händ' hereingiebt, werd's schmutzig!" Skatausgabe. Nachdruck verboten. (Bei französischen Karten gilt Treff gleich Eichel, Pique gleich Grün, Coeur gleich Rot, Carreau gleich Schellen.) Es wird Bierskat gespielt. Da Mittelhand und Hinterhand paffen, meldet Vorhand, welche 34 Augen mehr als Mittelhand hat, Ramsch an. Hinterhand fängt im Besitz folgender Karte: ❖ ❖ .<> O O ❖. + + <2 O Q Q Q den Ramsch, während Vorhand keinen einzigen Htich erhält. Wie «ar die Kartenverteilung und der Spielgang? — Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Puppe, Suppe. Redaktion: E, Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.