'lOHD ’om Unglück zum Glücke Führt Steg nicht, noch Brücke. Mußt wagen und springen, Dann wird'S dir gelingen. Schiller. Nachdruck verboten. Der Gylfenhof. Eine Erzählung von P. Ditfurth. (Fortsetzung.) Mechanisch erwiderte die Bleibende den Gruß, sie wußte sich nicht zu helfen und ließ schließlich die Fremde gehen, mitten im Zimmer stehen bleibend. Renata ging durch das Vorzimmer/ auf dem Vorsaale war niemand, und sie holte tief, tief Atem, es klang wie unterdrücktes Schluchzen. Sie wußte kaum, wie sie zur Hausthür hinaus und auf die Straße gekommen. Nun stand sie dicht vor dem alten Hause, das sie einmal so sehr beschäftigt, aber sie dachte nicht daran, es anzusehen in diesem Augenblick. Sie bemerkte auch eine daherkommende Dame nicht, die das in schmerzliches Sinnen versunkene Mädchen teilnehmend betrachtete und dann in dem Hause verschwand. Sie eilte mit traurigem Herzen heim zu ihrem kranken Liebling. Währenddessen stand die einigermaßen verblüffte Blondine noch eine ganze Weile mitten im Zimmer und wand ihre Uhrkette um die feinen Finger, die hellen, großen Augen starr auf die Portiöre geheftet, hinter welcher die Fremde verschwunden war. Ihre Empfindungen waren sehr gemischt, aber keineswegs angenehm. Sie konnte die stillen, traurigen Augen, die zuletzt voller Thränen standen, nicht aus den Gedanken verlieren. — Sie wurde in ihrem unerquicklichen Nachsinnen durch das rasche Eintreten eben derselben Dame gestört, welche Renaten soeben begegnet war. Diese sah dem leicht zusammenfahrenden Mädchen erstaunt ins Gesicht und fragte: „Nun, Frida, hattest Du Besuch? Eine fremde Dame verließ das Haus/ ich habe sie noch nie gesehen." „Ich auch nicht," erwiderte Frida, „sie war auch ein sehr sonderbarer Besuch, und ihr Anliegen war es ebenfalls." „Was wollte sie denn? Sie sah eigentlich vornehm aus, aber sehr betrübt." Frida erzählte stockend den Hergang. Aber unter dem ernsten, forschenden Blick ihrer Mutter wurde ihr beklommen zu Sinn, und ihre Handlungsweise kam ihr jetzt selbst recht kühl und hart vor. Die Dame schüttelte unmutig den Kopf: „Womit rechtfertigst Du Dein Benehmen gegen das arme Mädchen?" „Ja ich wußte doch nicht, ob das alles wahr ist, und die Taube gehört ja auch nicht mir," gab sie halb trotzig zur Antwort. „So," sagte die Mutter streng, „seit wann bist Du denn so vorsichtig/ und gab Dir dieses thörichte Mißtrauen das Recht, die Fremde so abzufertigen? Konntest Du sie nicht freundlich bescheiden und bitten, zu warten?" — Frida schlug die Augen nieder und kämpfte mit dem Weinen. — „Du mußt das gut machen, mein Kind, ich werde wegen der Taube mit Onkel Gottfried sprechen — und Du wirst mich dann begleiten." Es fiel jetzt erst der Dame ein, daß sie ja die Wohnung der Fremden nicht wiffe. In der großen Stadt fand man schwerlich so bald eine jedenfalls erst kürzlich zugezogene Renata Wendelin. Nachdenklich ging sie auf und nieder, während Frida schmollend im Fenster saß. Plötzlich blieb die Mutter stehen: „Mein Gott," sagte sie halblaut- „sollte das das junge Mädchen sein, welches bei Frau Prediger Nolte wohnt, und dessen kleiner Bruder überfahren wurde?" „Ach," rief Frida, ihre Stimmung vergessend, „wovon uns Onkel Gottfried erzählte? Er hat das Kind aufgehoben und nach Hause getragen." Die Mutter verschwand in der Thür, und die Tochter folgte eiligst. * • * Es war Abend. Draußen lagerte dichtes, nebliges Dunkel, und der Wind zog klagend durch die Straßen. Renata saß am Bett des Bruders, die kleine heiße Hand fest in der ihren, und hörte bald auf die traurigen Melodien draußen, bald auf die Atemzüge des Kranken. Dazwischen zog immer wieder die Szene in dem alten Hause durch ihre Seele, ttnb ein bitteres Gefühl wallte trotz alles Ankämpfens in ihr auf. Obgleich von der herzlichen Teilnahme ihrer beiden Wirtinnen umgeben, fühlte sie sich doch grenzenlos verlassen und elend, mehr noch wie nach dem Tode der Mutter. Damals sah sie auf ihren kleinen Bruder, für den sie leben und wirken mußte, und seine rührende Liebe richtete sie auf. Nun aber mußte sie auch ihn lassen, wie lange dauerte es, dann war die kleine Hand, die jetzt noch nach ihr sich streckte, , — 566 erkaüet, und das kleine treue Herz, das einzige, das cur GMs Erde ihrer bedurfte, stand still, und dann —! Sie stöhnte gequält auf und preßte die Hand auf die Mgen. O, dieser Gedankenkreis! Er zog sich wie eine Schlange um ihr Herz, immer enger, immer drückender. „Und die letzten Wünsche konnte ich ihm nicht einmal erfüllen," flüsterte sie schmerzlich vor sich hin. Da wurde draußen die Klingel gezogen, und Fräulein Lina öffnete,- sie hatte es Renaten freundlich abgenommen, den Arzt einzulaffen. Er war es aber dieses Mal nicht, sondern zwei Frauengestalten, deren eine nach Fräulein Wendelin fragte. Renata hörte draußen das Sprechen mehrerer Stimmen, aber es war ihr gleichgiltig. Da trat Fräulein Nolte vorsichtig zur Thür herein und flüsterte ihr leise zu, ein paar Damen wünschten sie dringend zu sprechen. Renata begriff gar nicht, wer wohl nach ihr verlangen könnte, aber sie stand auf und trat mit einem Licht in ihr Wohnzimmer. Sie hob den Leuchter etwas, und der flackernde Lichtschein fiel unficher auf die fremden Erscheinungen. Die eine, anscheinend eine ältere Dame, schlug ihren Schleier zurück und trat auf das blasse junge Mädchen zu. „Verzeihen Sie," sagte sie nach herzlichem Gruße, „daß wir so spät stören, liebes Fräulein. Ich weiß nicht, ob Sie unseren Namen kennen, Sie waren heute in unserem Hause und wurden von meiner unerfahrenen Tochter wenig freundlich abgefertigt, sie will es aber gut machen." Bei diesen Worten schob sie Frida vor, die scheu das müde, abgehärmte Antlitz da vor sich ansah und nun Renata einen zierlichen Käfig hinhielt. Aus diesem girrte es leise, und durch die Stäbe schimmerte es weiß. Ueber Renatas Gesicht flog ein wehmütiges Lächeln- das Licht schwankte in ihrer Hand, sie setzte es auf den Tisch und streckte ihre Hände den beiden hin. Sagen konnte sie nichts, sie brach in bitteres Weinen aus. Da legte sich ein Arm um ihre Schultern, und eine weiche, melodische Frauenstimme sprach liebevoll zu ihr, wie so lange, lange niemand. Sie blickte auch in ein liebes, mütterliches Gesicht, in dessen Augen es auch wie Thränen schimmerte, und das that ihr so wohl. „O wie soll ich danken?" fragte sie leise. . „Bitte darüber kern Wort," erwiderte die Dame sanft, „ich bin so froh, daß ich Sie gefunden habe und nicht zu spät. Ich hatte Ihr Schicksal erfahren und habe es mitgetragen, ohne Ihren Namen zu kennen- nun weiß ich ihn, und er bleibt mir unvergessen. Mein Name ist Falkner," fuhr sie fort, eine stumme Frage in Renatens Augen beantwortend, „unsere Wohnung kennen Sie, und ich sage: auf Wiedersehen, nicht wahr?" „Renata," klang es matt aus dem Nebenzimmer. „Gehen Sie, gehen Sie zu Ihrem armen Brüderchen," drängte die freundliche Dame, „wir sehen uns wieder- Gott befohlen!" Damit verließ sie schnell mit ihrer Tochter das Gemach. * * * Da lag der Knabe am anderen Tage mit leuchtenden Augen im Bettchen und betrachtete das reizende Tierchen, das zutraulich vor ihm saß und sich streicheln ließ. Mit verhaltenen Thränen sah die Schwester zu. „O Renata", flüsterte er, „siehst Du, das schickt mir der liebe Gott durch die gute Frau. Ich will auch nie mehr weinen, wenn es so weh thut, und sag der lieben Dame, daß ich immer für sie beten will." Er lehnte sich erschöpft tiefer in die Kiffen, aber seine Augen sahen die Schwester mit überirdischem Glanze an. „Das liebe Täubchen! — Morgen liest Du mir die Geschichte von Noahs Taube, ja?" Sie nickte stumm. Die Sonne hatte sich durchgekämpft und das schwere Wintergewölk überwunden, und ein Strahl spielte in den braunen Locken des Knaben, seinen Kopf wie mit einem Glorienschein umgebend. Er war stille geworden, aber sein schwaches Händchen tastete immer nach dem weichen, weißen Gefieder. „Gute Nacht, meine Renata, es wird so dunkel — gieb dem Täubchen das Oelblatt! — Ich will nun schlafen," sagte er leise nach einer kurzen Pause und begann sein Abendgebet: „Breit aus die Flügel beide, O Jesu — Jesu--" Sein Stimmchen erstarb, und sein Köpfchen sank in den Arm der Schwester. „Amen, Herr, nimm Dein Küchlein ein!" betete sie mit heißen Thränen. Die Sonne war untergegangen, dunkle Schatten flogen durch das Zimmer, nur das weiße Gefieder der Taube leuchtete durch die Nacht. Still und dunkel war es geworden, und die erlöste Kindesseele kehrte zurück in die Arme des ewigen Vaters. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Schuldig. Erzählung von F. Arnefeldt. (Fortsetzung.) „Sie thun es auf Ihre Gefahr!" sagte die Kommer- zienrätin hochfahrend, vertrat aber doch Felilitas, die einen Schritt nach der Thür zu machte, den Weg. Schnell bückte sich diese, hob den am Boden liegenden Beutel auf, und hielt ihn der anderen dicht vor die Augen. „Wollen sie mich angesichts dieses Beutels noch beschuldigen ? Angesichts dieses Beutels, der Ihre Initialen trägt, und unter meiner Leitung für Sie von Hermine angefertigt worden ist?" Jetzt verließ die Kommerzienrätin die Haltung, die sie, mühsam genug, noch behauptet hatte- sie sah ein, daß sie wehrlos in der Gewalt der Erzieherin war, und eine grenzenlose Verzweiflung bemächtigte sich ihrer. Sie sank Felicitas zu Füßen, umklammerte deren Kntee und flehte unter Schluchzen: „Haben Sie Erbarmen. Verraten Sie mich nicht! Kehren Sie in Ihr Zimmer zurück!" „Haben Sie sich klar gemacht, was Sie von mir verlangen?^ fragte die Erzieherin, bemüht, sich von den sie umschlingenden Armen zu lösen. Die Kommerzienrätin blieb ihr auf diese Frage die Antwort schuldig, und wiederholte: „Verraten Sie mich nicht! Richten Sie mich nicht zu Grunde! Ach, Sie können ja nicht wissen, was für mich auf dem Spiele steht!" „Nicht mehr als für mich, da ich so schmählich von Ihnen verleumdet wurde! Ehre, guter Name, die ganze Existenz!" rief Felilitas, deren mit großer Mühe bewahrte Gelassenheit nun doch der gerechten Empörung wich. „Sie wollen sich rächen!" wimmerte die unglückliche Frau. „Thun Sie es nicht! Ich will es eingestehen ich habe mich schwer gegen Sie versündigt, aber ich will gut machen. Fordern Sie von mir, was Sie wollen —" Ich verlange nichts als meine Ehre, meinen guten Namen, und das ist nur möglich, wenn klar und unwiderleglich dargethan wird, wer den Schrank geplündert hat," fiel Felicitas mit großer Bestimmtheit ein. „Das wird sich auf andere Weise erklären lassen, ich chwöre Ihnen, daß ich es bewirken will! Lassen Sie uns etzt das Geld wieder in den Schrank schließen und in unsere Zimmer zurückkehren, bevor noch jemand dazu kommt. O, Gott, Gott, es ist mir schon, als hätte ich eine Thür qehen hören!" ' 7 Während sie diese Worte angstvoll hervorstieß, hatte ich die Kommerzienrätten erhoben und wollte das immer noch am Boden liegende Geld aufraffen und in den Schrank zurücktragen. Vor der ihr augenblicklich durch Fräulein von 567 Gemeinnütziges. Um saurem Wein seinen früheren Geschmack zurück- I ^u9e^n' uran per Hektoliter desselben ein gutes Glas I et^n na(§ er Art von Kaffee, thut es in einLeinwand- I sackchen tn Form einer Wurst, damit es sich leicht durch I ^,^u? och emführt, und läßt es an einer Schnur durch I gleiten. Die Tonne wird nun während I einiger Minuten geschüttelt. Nach zwei Stunden zieht man I Säckchen wieder heraus und wird finden, daß der Wein den sauren Geschmack vollständig verloren hat. Wenn man I Wem sofort abzieht, läßt dieses Mittel auch den Schimmel und den zu trockenen Geschmack verschwinden. Jeld und Karten. Um Maulwurfsgrille« (Werren) zu vertreiben, sucht man am einfachsten deren Nester auf. Dieselben lieqen 10 bis 12 Ctm. unter der Erdoberfläche und sind daran kenntlich, daß über denselben die Pflanzen verwelkt, selbst verdorrt sind, weil die Weibchen alle Pflanzenwurzeln über dem Neste abbeißen. Hat man eine solche Stelle gefunden, so bohrt man mit einem etwas spitzen Stock ein Loch bis zur Tiefe des Nestes und schüttet dann am besten durch euren Trichter einen Kübel kochendes Wasser in das Nest wodurch Männchen und Weibchen der Grillen nebst 200 bis 300 Eiern zugleich vertilgt werden. Kesundheitspflege. _ Pegen Nervosität, wie sie gutes Leben oder zu viel Schrelbtlscharbert, besonders aber beides zusanunen, im Ge- Me hat, grebt es ein gutes, vergnügliches und dabei nützliches Mittel, das nur wenigen bekannt ist: die Anlage und Pflege ernes Formobstgartens. Die Formobstzucht ist eure Liebhaberei, die in Deutschland noch lange nicht genügend i gewürdigt wird. In der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau plaudert der Bankier Pekrun-Dresden, der glückliche Besitzer eines der größten und vornehmsten Formobstgärten in Deutschland, von seinen Erfahrungen mit der Obstbaumzucht, und seine Belehrungen verbunden mit interessanten Abbildungen, dürften gewiß manchen zur Nachfolge reizen. Herr Pekrun pflegt feinen musterhaft gehaltenen Formobstgarten, den er sich oberhalb des Weißen Hirsches bei Dresden in einer Größe von 4000 Quadratmetern angelegt hat, ganz allein. „Es ist eine Liebhaberei," sagt er, „deren Reize darin bestehen, selbst an der Behandlung teilnehmen zu können, die gesundheitfördernde, nervenstärkende Bewegung in freier Luft, und der Stolz und die Freude, so hervorragend schöne, große Früchte wre ste nur am Formobst wachsen, selbst erbaut zu haben!" — So manche Karlsbader, Marienbader oder Kissinger- Kur könnte unterbleiben, wenn die gequälten „Vollblütigen" als Gegenleistung gegen ein zu einseitiges Leben ihrem Körper und ihrem Kopfe die mäßige, stete Anstrengung zumuteten, wie sie die Formobstzucht mit sich bringt. Zsür die Küche. Kücheirkalerider. Oktober. Erlaubt: Wild: Schwarzwild, älteres männliches und weibliches Rot- und Damwild; Rehgais und Kitzbock (vom 15. ab); Hase, Auer- und Birkhahn, Fasanenhahn und -Henne, Feld- und Haselhuhn, Wachtel, Wildente, Wildtaube, Schnepfe und Bekassine. Fische: Aal, Aesche, Alet (Schuppfisch), Barbe, Barsch' Brachsen, Felchen jeder Art, Forellenbarsch, Hecht, Huchen (Rotfisch), Karausche (Bauernkarpf), Karpfen, Krebs, Lachs (Salm), Maräne, Nase, Orfe (Nerfling), Regenbogenforelle, Rotauge, Schleie, Seefaibling (Ritter oder Nöteli), Treische Weller, Zander; Bach- und Kreuzungs-Saibling, Fluß- und Bachforelle (bis incl. 9.). — Verboten: Wild: Wildkalb Damkitz, weibliches Rehwild und Rehkitzbock (bis incl. 14.)' Auer-, und Birkhenne. Fische: Bach- und Kreuzungs- Saibling, Fluß- und Bachforelle (vom 10. ab); Seeforelle (Lachsforelle). Kressen erwachsenen Gefahr war oer Gedanke an die ihr durch Corbus drohende in den Hintergrund getreten. Die Erzieherin ergriff sie beim Arm und verhinderte sie daran. „Nicht von der Stelle, bis —" „Ha, Sie bestehen also darauf, Ihre Rache völlig auszukosten !" Felicitas maß sie mit einem langen Blick. „Sie irren sich. Wenn es nur darauf ankäme, meiner Rachsucht zu stöhnen, so könnte ich gern darauf verzichten, denn bei aller Empörung, die gegen Sie in meinem Herzen lebt, dauern Sie mich doch, Frau Kommerzienrätin. Finstere Mächte müssen Gewalt über Sie haben, um Sie zu Thaten zu zwingen, die so völlig im Widerspruch stehen mit der Stellung, die Sie in der Welt einnehmen." «Ja, ja, so ist es!" gestand sie ein. „Ich handelte nicht aus freiem Willen." „Und ebenso wenig ist mein Wille frei," entgegnete Felicitas,- „Sie selbst sind es, die mich gezwungen hat. Bedenken Sie doch, was Sie von mir fordern. Ich soll mich opfern, um Sie zu retten. Können Sie wirklich etwas so Uebermenschlisches von mir erwarten?" „Ich habe Ihnen ja schon gesagt, ich will alles erklären, will Ihnen die glänzendste Genugthuung geben — schweigen Sie, schweigen Sie!" „Es giebt nur eine Erklärung, nur eine Genugthuung I für mich — die Entlarvung des wahren Schuldigen!" I antwortete die Erzieherin, „und ich bin nicht mir allein schuldig sie zu erlangen; ich bedarf ihrer für meinen Bruder, den Sie und Dr. Corbus in den Ruf gebracht haben, ein Spieler und Verschwender zu sein, ich bedarf ihrer, weil ich dem Manne, den ich liebe und mit dem ich verlobt bin, einen reinen, unbefleckten Namen mitbingen muß." War die Kommerzienrätin bei der Erwähnung des Dr. Eorbus, als habe sie einen schmerzhaften Stich erhalten, zu« sammengezuckt, so traf sie das Geständnis der Erzieherin, I daß sie verlobt sei, in einer noch weit empfindlicheren Weise. | Der ganze Wahnsinn der von ihr gehegten Eifersucht stellte sich ihr dar, und damit überkam ste eine bittere Reue. Aber- I ruals zu Boden sinkend, flehte ste mit aufgehobenen Händen: | „Vergebung, Vergebung, Erbarmen!" I Eine tiefe Rührung bemächtigte fich des jungen Mäd- I chens. Sie beugte sich nieder zu der schuldigen Frau, ohne I doch recht zu wissen, was sie ihr sagen könne, da ertönte I von der Thür her halblaut eine von Thränen erfüllte Kinderstimme: „Mama — Felicitas! Warum läßt Du mich in der I Nacht allein? Was macht Ihr hier?" Mit lautem Gekreisch sprang die Kommerzienrätin auf die Füße, erschrocken wandte Felicitas fich um. Im weißen Nachtkeide, mit bloßen Füßen, das braune Haar aufgelöst über die Schultern Herabfallmd, sowie sie aus dem I Bette gekommen war, stand Hermine in der Thür, beleuchtet von einem Strahl des Mondes, der jetzt wieder seinen Weg durch das nur halb verhüllte Fenster gefunden hatte. „Warum bist Du fortgegangen, Felicitas?" plauderte I sie weiter. „Ach, wie habe ich mich gefürchtet, als ich aufwachte und sah, daß Dein Bett leer war. Dann war's mir, I alä hörte ich unten sprechen, da kletterte ich aus dem Bett, die Thür war offen — ich bin die Treppe heruntergekommen —** I Beide Frauen waren über das Erscheinen des Kindes so erschrocken gewesen, daß sie dessen Worten ruhig zugehört hatten, nun aber schrie die Kommerzienrätin alles vergessend: „Mein Kind, mein unschuldiges Kind, das ist zu viel! Das überleb' ich nicht!" Schon war Hermine an ihrer Seite und wollte den I Arm um ihren Nacken schlingen, aber sie stieß ste zurück I und schrie: „Rühre mich nicht an — ich — ich bin es nicht wert!" (Forsetzung folgt.) — 568 — Einen wohlschmeckenden Thee mit Vanillegeschmack kann MN sich aus Hagebuttenkernen bereiten. Die Hagebutte ytrb ausgeschnitten, die Kerne werden herausgenommen und getrocknet. Man läßt eine Handvoll Kerne 3 bis 4 Stunden langsam kochen. Sodann wird der Thee mit besonderem Wasser aufgefüllt und gesiebt. Eine Handvoll Kerne genügt für 3 bis 4 Personen. Verwendung der Kohlrabi. Wer einen eigenen Garten besitzt, weiß recht gut, daß manchmal zugleich zu viele Gemüse reif werden und, wenn man sie nicht bald verbraucht, aufschießen, abstehen und verderben. Das ist nun insbesondere mit dem Salat, Kohlrabi'und Blumenkohl der Fall. Den Salat kann man als Gemüse verwenden. Die Kohlrabi geben ein treffliches Kraut; sie werden, nachdem die Blätter entfernt sind, gewaschen und abgeschält. Nun läßt man sie zweimal fein einhobeln; das erste Mal werden Scheibchen dünn geschnitten, das andere Mal die Nüdelchen. Man mischt sie mit Salz und läßt sie einige Stunden stehen. Das Krautfäßchen oder der steinerne Topf, welcher schon vorher rein ausgebrüht sein muß, wird mit Weintraubenblättern bedeckt, auf den Boden des Fäßchens etwas Salz gestreut und das Kohlrabikraut fest in das Faß eingedrückt. Obendarauf kommen wieder Weintraubenblätter, dann ein reines, in Essig getauchtes Tuch, und zuletzt Brettchen und Stein. Sollte anderen Tages die Brühe nicht darüber stehen, so wird gekochtes und wieder erkaltetes Salzwasser darüber gegossen. Die übrige Behandlung ist wie beim Sauerkraut. (Pr. Wegw.) Kürbiskugeln. Kürbisse werden geschält und, falls dieselben in größerer Menge vorhanden sind, mit dem Kartoffelbohrer schöne Kugeln ausgestochen. Auf 1 Pfund derselben rechnet man s/4 Pfund Zucker, 1 Liter Essig und 30 bis 40 Gramm Ingwer. Essig, Zucker nebst Ingwer läßt man miteinander kochen, nimmt den Schaum ab und gibt, wenn der Essig ganz klar ist, die Kürbiskugeln in kleineren Portionen hinein, sodaß dieselben gut schwimmen; man läßt sie so lange kochen, bis sie durchsichtig werden. Es ist darauf zu sehen, daß sie nicht zu lange kochen, was ein Zerfallen der Früchte zur Folge hätte. — Anstatt der Kugeln kann man die Kürbisse auch in längliche Stückchen schneiden. Rebhühner-Brötchen. 10 Personen. Bereitungszeit 2 Stunden. Zuthaten: 2 bis 3 Rebhühner, frisch gebraten, oder Rest-Verwendung, Vt Liter Kraftbrühe aus Liebigs Fleisch-Extrakt, 1/i Liter braune Coulis, ein Weinglas kräftiges Fleisch-Gelee, weitere 100 Gramm zur Garnierung, drei Eßlöffel Provencer-Oel, zwei Eßlöffel Estragon-Essig, geriebener Pfeffer und Salz nach Geschmack, Petersilie. — Man löst das Fleisch von den Knochen los, schneidet es fein, stößt es im Mörser, kocht die klein zerhackten Gerippe mit der Kraftbrühe aus Liebigs Fleisch-Extrakt eine halbe Stunde langsam aus, seiht die Brühe durch ein Sieb, entfettet sie, mischt sie mit der Coulis und läßt beides auf dem Feuer zur Hälfte eindämpfen. Ist dies geschehen, gibt man das Ganze in einen Napf, vermischt es mit dem Rebhühnerfleisch, dem Fleisch-Gelee, Oel, Essig, Salz und Pfeffer. Inzwischen streicht man kleine Becherformen von Blech mit Provencer-Oel aus, füllt diese mit der Masse, die so lange gerührt wird, bis sie dicklich zu werden beginnt, gibt die Formen in klein geschlagenes Eis und läßt die Brötchen erstarren. Beim Anrichten auf eine flache Schüssel gestürzt, werden sie mit gehacktem Aspik und krauser Petersilie garniert. Literarisches. Kollektion Hartlebe«. Eine Auswahl der hervorragendsten Romane aller Nationen. Achter Jahrgang. Vierzehntägig erscheint ein Band, eleg. geb. & 75 Psg. Jährlich 26 Bände; soeben Band 1 vom VIII. Jahrgang ausgegeben (A. Hartleben's Verlag in Wien). Der siebente Jahrgang der „Kollektion Hartleben" ist nunmehr, mit immer sich erhöhendem Beifalle der Lesewelt, abgeschlossen, und der achte Jahrgang hat soeben zu erscheinen begonnen. Das Programm desselben umfaßt, soweit bisher festgestellt, folgende hervorragende und interessante Romane: Bd. I.—III. Pont-Uest, Rens de. Eine vornehme Ehe. — IV. Orzeszko, Elise. Der Australier. — V. bis VI. Savage, Henry. Die gefangene Prinzessin. — VII. Bülow, Baronin Paula. Ohne Herz. — VIII.—IX. Rovetta, Girolamo. Das Idol. — X. Benedek, Ellek. Anna Huszar. — XL—XII. Fleming, M. A. Vom Sturm getragen. — XIII.—XIV. Mairet, Jeanne. Die Studentin. — lieber die „Kollektion Hartleben" läßt sich nur gutes sagen; die Sammlung bietet bekanntlich nur vorzügliche Romane und liefert dieselben in schöner Ausstattung, gebunden, zu äußerst wohlfeilem Preise. Kunst und Mode zeigt wiederum die neueste Nummer der im Verlage von Franz Lipperheide in Berlin erscheinenden „Mo den weit" (nicht zu verwechseln mit große Modenwelt und kleine Modenwelt), die am 1. Oktober ihren 35. Jahrgang beginnt. Es ist eine wahre Freude, die stetigen Fortschritte in den Illustrationen dieses berechtigten Lieblingsblattes unserer Frauen zu beobachten; wie die graziösen Gestalten der mit den neuesten begehrenswerten Toiletten bekleideten Modefiguren der Natur abgelauscht sind, und wie dabei doch die für das Nacharbeiten der Modelle nötige Genauigkeit keine Einbuße leidet. In erster Reihe berücksichtigt die vorliegende Nummer das Hauskleid, die einfache Gebrauchs-Toilette, deren man bei Beginn der Saison-Schneiderei zunächst zu gedenken hat, zeigt aber auch in einem anmutigen Bilde die ersten Gesellschafts-Toiletten, ohne daß die Promenaden-Toilette für Damen dabei in den Hintergrund tritt. Man kann sich hieraus einen Begriff von der Reichhaltigkeit eines einzigen Heftes machen, dem noch je ein Blatt für „Kindermoden" und „Handarbeiten", ein extragroßer Schnittbogen und ein Unterhaltungsblatt mit anregendem Inhalte beiliegen. Unter der Rubrik „Aus dem Leserkreise" finden wir ein Preis- Ausschreiben auf ein gesticktes Theegedeck, dessen Bedingungen gewiß viele zum Wettkampf ermuntern werden. Humoristisches. Grethchsn am Fahrrad. (Zeitgemäße Variante.) „Meine Ruh ist hin, Mein Herz ist schwer: Ich lerne es nimmer Und nimmermehr! . . ." Dee Erfinder der Mnfik. Der Steuermann auf einem Hamburger Dampfer hatte sich verheiratet. Als er kurz darauf wieder an Bord kommt, entwickelt sich zwischen ihm und dem Kapitän folgendes Gespräch: Kapitän: „Na, Stüermann, — de hebbt sick ja ok woll so'n Klimperkasten anschafft?" — Steuermann: „Ja, so'n Ding hört ja nu mal dortau, kost man verdammt veel Geld." — K.: „Kann Ehr Fru denn ok speelen?" — St.: „Jawoll! „Lott iS dod" und „Komm, Karline, komm" speelt se man so slank nünner." — K.: „Sicht de Kasten denn ok en beeten smuck ut?" — St.: „Jawoll fein, sihr fein! He is von smart poliert Holt mit schön afdreihte Foit, un wenn man den Deckel opsleiht, do sind dor erst de swarteu un mitten Dinger, wo np speelt ward, und doräwer is denn so'n schoin vergold' Bild vun — vun — na, wo heet de Kirl noch? I — vun den, de eegentli de ganze Mnsil erfnnnen hett." — K.: „Na, ick toeet all Bescheid — Beethoven." — St.: „Ja, dat stimmt! So heet de Kirl ok." Die Gouvernante aß mit ihrer vierjährigen Schutzbefohlenen zu Mittag, und als jede einen gehäuften Teller mit Pudding zum Nachtisch hatte, schien ihr dies der richtige Moment für eine kleine moralische Belehrnng. „Marie," sagte sie, „wenn jetzt eine arme, halb verhungerte Frau an die Thüre käme, was würdest Du thim?" — „Ich?" erwiderte Marie, und ihr Gesichtchen strahlte vor Seelengüte, „ich würde ihr Deinen Teller mit Pudding geben." („Münchener Jugend.") Diamanträtsel. (Nachdruck verboten.) In die Felder nebenstehender Fignr sind die Buchstaben a a a a, c c o e, d, e e e, f, h h, i i, m, n, o o, r r, s, t derart einzutragen, daß die einzelnen Wörter der Reihe nach Folgendes ergeben: 1. Einen Buchstaben. 2. Prächtiges Bauwerk. 3. Ein Musikinstrument. 4. Insel im Mittelmeer. 5. Bayerischen Dichter. 6. Teil eines Dramas. 7. Einen Buchstaben. Die wagerechte und senkrechte Mittelreihe haben die gleiche Sehen« tung. (Auflösung folgt in nächster Nummer.) Auflösung des Arithmogriph in voriger Nummer: Hirse — Erde — Reiher — Biene — Seine — Tinte — Westen — Ibsen — Ried — Drei. Herbstwind. Rrtatfio: E. Burkhardt. - »ruck und Verlag der Brühl'scheu Universttätr-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Meße«.