1899. sWW inFröv H femt sie dich schmähten nnd wenn sie dich schalten. Widersprich nicht mit hitzigem Blut; Schweig und schaffe, was schön und gut, So wirst du zuletzt doch Recht behalten. Geibel. Nachdruck verboten. Schuldig. Erzählung von F. Arnefeldt. (Fortsetzung.) Der Kommerzienrat hatte ihr erwidert, er sähe dazu durchaus keine Veranlassung. Für den Glückswechsel sei nicht einmal Sommer, geschweige denn seine Tochter verantwortlich zu machen, und es wäre grausam, sie das entgelten zu lassen. Zudem sei HanS reich genug, um eine mittellose Frau heiraten und dies sogar ohne seine Zustimmung und Beihilfe thun zu können. „Und sie soll ihn doch nicht haben!" hatte sie gemurmelt, und zunächst ihrem Haß gegen Aurelie durch kleine Chikanen Genüge gethan. Sie wußte, wie sehr die Freundinnen aneinander hingen und welche Freude ihnen ein Beisammensein gewährte. Da Aurelie an das Haus gefesselt war, verbrachte Felicitas jetzt ihre Freistunden bei ihr, und nun wußte sie mit einer Erfindungsgabe die einer besseren Sache würdig gewesen wäre, ihr diese zu verkümmern und zu verkürzen. An einem Sonntag Nachmittage hatten aber alle Künste der ränkevollen Frau nicht verhindern können, daß Felicitas sich für ein paar Nachmittagsstunden frei gemacht hatte und zu der Freundin gegangen war. Ueber dem alten Hause in der Friedrichstraße lag tiefe Sonntagsftille, die um so wohlthuender wirkte, als es während der Wochentage noch immer erfüllt ward vom Lärm der nebenan vor sich gehenden Bauarbeiten. Es war ein köstlicher, milder Maitag. In den Gärten blühten die Obst- und Kastanienbäume und der Flieder - würziger Duft drang durch die geöffneten Fenster des nach der Rückseite des Hauses gelegenen kleinen, traulichen Zimmers, das Aurelie seit sie erwachsen, zu ihrem eigenen Gebrauch eingeräumt worden war. Sie hatte den kranken Vater, der sich heute sehr ruhig verhielt, unter der Obhut der alten Sophie zurücklassen können und gab sich, mit Felicitas auf dem Sofa sitzend, dem für sie jetzt seltenen Genüsse hin, sich alles/ was sie bedrückte, einmal frei, bom Herzen reden zu können. Es hatte sich für das Haus ein Käufer gefunden, und die Möglichkeit war nahe gerückt, daß seine gegenwärtigen Bewohner es nach wenigen Monaten zu räumen haben würden. Helle Thränen rollten Aureliens Wangen hinab, als sie Felicitas dies erzählte, und beide Mädchen vertieften sich in schmerzlich süße Erinnerungen, denn Haus und Garten waren ja der Schauplatz ihrer Kinderspiele gewesen- hier hatte sich auch die Neigung zwischen Felicitas und Ernst Sommer angesponnen. „Wo werden künftig alle diese Sachen stehen, die für mich gar nicht wie leblose Dinge sind, sondern eine nur mir verständliche Sprache reden", sagte Aurelie, indem sie in dem einfach, aber mit vielem Geschmack eingerichteten Zimmer umherschaute. „Ach, es kommt mir vor, als gehöre jedes Stück genau an den Platz, wo es steht und könne gar keinen anderen vertragen. Wie graut mir vor dem Suchen nach einer neuen Wohnung und vor dem Einzug in beschränkte Räume!" Ein feines Lächeln umspielte Fräulein v. Kressens Lippen, und den Arm um Aureliens Schulter legend, erwiderte sie: „Aber es hängt ja nur von Dir ab, allen diesen Sorgen und Unannehmlichkeiten enthoben zu sein. Hans Helldorf—" „Nicht weiter!" unterbrach Aurelie sie lebhaft. „Du solltest mich doch besser verstehen, Felicitas, und wissen, daß ich es meinem Vater, mir selbst und nicht zum wenigsten Hans schuldig bin, auf sein großmütiges Anerbieten nicht einzugehen". „Ts ist nicht Großmut, es ist Liebe, was ihn dazu bestimmt, und in der Liebe wägt und rechnet man nicht- „hier ist Gewinn, was fonff Verlust", wie es bei Geibel heißt!" erwiderte Felicitas. „Doch Du magst im Rechte sein, ich will nicht in Dich dringen!" fügte sie hinzu. Aurelie glaubte einen leisen Vorwurf aus ihren Worten zu hören- enger sich an sie schmiegend, fragte sie leise: „Wenn Du an meiner Stelle wärest, wenn Ernst Dir zu geben vermöchte, was Hans mir bieten kann, würdest Du es annehmen?" „Unbedenklich!" ries Felicitas. Ihr klares Auge leuchtete auf, ein warmer Hauch verbreitete sich über ihr Gesicht. „Unbedenklich", wiederholte sie, „denn ich wäre mir bewußt, ihm doch so viel zu geben, wie ich empfange. „Du Glückliche!" seufzte Aurelie. „Wer doch auch so — 502 fest in sich beruhen und dabei so bescheiden bleiben könnte wie Du!" „Das lernt sich, wenn man wie ich von früher Jugend an auf eigenen Füßen stehen und sogar noch für andere sorgen muß", lächelte Felicitas; „trotzdem Du früh die Mutter verloren, hat das Leben Dich bisher recht sanft angefaßt —" „Um so rauher verfährt es nun mit mir", unterbrach sie fAurelie aufschluchzend, fügte dann aber hinzu: „Vergieb, ich muß Dir kindisch und selbstsüchtig erscheinen. Immer rede ich nur von unseren Angelegenheiten, ohne nach den Deinigen zu fragen". „Sind denn Eure Angelegenheiten nicht die meinen?" entgegnete mit einem wunderschönen Lächeln Felicitas. „Gehöre ich nicht zu Euch? Wenn Ernst heute zu mir sagte: Ich bedarf Deiner, werde mein Weib, arbeite mit mir und für mich, ich würde mich keinen Augenblick bedenken und thun, was er wollte". „Er kann das nicht sagen!" seufzte Aurelie, „und —" „Deshalb bleibt uns nichts übrig, als zu warten!" fiel Felicitas ein, und ich schicke mich auch „darein". „Und erträgst inzwischen Unsägliches im Helldorf'schen Hause!" Ein Schatten flog über die klare Stirn des jungen Mädchens, aber mutig kämpfte sie die aufsteigende Traurigkeit nieder und sagte leichthin: „Nun, wenn Frau Kommerzienrätin Helldorf es mir zu arg macht, so kann ich jederzeit gehen und mir eine andere Stellung suchen". „Ich an Deiner Stelle hätte das längst gethan!" rief Aurelie. „Ost habe ich schon beklagt, daß der Vater Dich in das Haus gebracht hat". „Das solltest Du doch nicht thun, entgegnete Felicitas in der ihr eigenen verständigen Weise. „Die Stellung bietet doch viel Annehmlichkeiten. Hermine liebt mich, der Kommerzienrat behandelt mich mit Achtung und Wohlwollen, Hans ist mir wie ein Bruder, und sogar Adalbert begegnet mir stets freundlich und höflich!" „Du zählst alle Vorteile auf, aber —" „Wo viel Licht, ist auch viel Schatten", fiel Felicitas ein, „und ich habe noch nicht einmal alles erwähnt, was schwer in die Wagschale fällt. Das Studium meines Bruders kostet viel Geld". „Das ist des Pudels Kern!" rief Aurelie. „Deshalb läßt Du alles über Dich ergehen! Ernst hat wohl recht, wenn er sagt, daß cs mit sein schwerster Kummer sei, Dich auf unabsehbare Zeit in dieser Dienstbarkeit laffen zu müflen, daß er es eigentlich für ein Gebot der Ehre halte, Dich Deines Wortes zu entbinden". „Aurelie, das — kannst Du mir sagen, nach allem was wir soeben mit einander gesprochen haben!" Sie war aufgesprungen und stand mit hocherhobenem Kopfe und blitzenden Augen vor der Freundin. „O, das solltest Du mir nicht anthun!" Aurelie legte schmeichelnd den Arm um sie, zog sie wieder neben sich nieder und flüsterte ihr ins Ohr: „Felicitas, es heißt, r« könntest, wenn Du wolltest, der Abhängigkeit, in der Du lebst, mit einem Schlage ein Ende machen, ein sehr reicher Mann bewürbe sich um Dich". Wie von einer Natter gestochen fuhr Felicitas auf. „Ist das Gerücht auch schon zu Euch gedrungen? Weiß Ernst darum?" Aurelie neigte bejahend den Kopf. Felicitas schlang die Hände ineinander und sagte mit einer durch Thränen leicht verschleierten Stimme: „Ich wollte es Euch ja so gern verschweigen!" „Es ist al o wahr- Dr. Corbus bewirbt sich um Dich?" „Er verfolgt mich mit seinen Anträgen!" schluchzte Felicitas auf, „und die Kommerzienrätin unterstützt ihn dabei". „Ei, sieh, das hätte ich ihr nicht zugetraut!" rief Aurelie überrascht. „Sie will Dir also doch zu einer guten Partie verhelfen, denn Dr. Corbus soll sehr reich sein". „Besäße er alle Schätze Indiens und hätte ich Ernst nie mit meinen Augen erschaut, so möchte ich doch nicht die Gattin dieses Mannes werden- mir graut vor ihm!" rief Felicitas, und ein leichter Schauer schüttelte dabei ihre Glieder. „Aber ich begreife Dich nicht!" rief Aurelie. „Dr. Corbus scheint mir ein interessanter, angenehmer Mann und hat sich gegen uns sehr großmütig bewiesen. Ich war gar nicht einverstanden mit Ernst, daß er sein Anerbieten so entschieden abgewiesen hat. Sollte da nicht etwas Eifersucht im Spiele gewesen sein?" „Aus welchem Grunde es auch geschehen sein mag, er hat recht daran gethan. Obwohl niemand darüber spricht, so ist es mir doch, als teilten der Kommerzienrat und seine Söhne meine Empfindung. Hermine giebt sie ohne Rückhalt kund, denn sie flieht, wenn der „Onkel" mit ihr scherzen und schön thun will". „Und die Kommerzienrätin?" „Ach, aus der ist ja niemals klug zu werden!" seufzte Felicitas, „aber" — sie dämpfte ihre Stimme — „mich will es doch bedünken, als ob der Doktor einen geheimnisvollen Einfluß auf sie ausübe." „Wieso?" „Das läßt sich nicht so schildern. Aurelie, es ist mir schon öfter der Gedanke aufgestiegen, die Vergangenheit dieser Frau müsse irgend ein dunkles Geheimnis bergen. Ihr Benehmen ist doch gar zu unerklärlich und widerspruchsvoll. Corbus ist ihr Vetter und Jugendgenosse. Wie, wenn er darum wüßte?" „Du machst mich ja ganz gruselig!-" sagte Aurelie sich schüttelnd. „Und Du meinst, deshalb sei sie seine Fürsprecherin bei Dir?" „Es will mir so scheinen- dann wiederum habe ich Grund zu glauben, daß sie mich aus anderen Ursachen gern aus dem Hause entfernen möchte." „Ich dächte, sie könnte froh sein, daß sie Dich darin hat!" warf Aurelie dazwischen. „Solche Stunden kommen auch," entgegnete Felicitas mit einem Anfluge von Humor, „aber sie sind nur sporadisch." „Nun, so mag sie Dir kündigen!" „Dazu kann sie fick auch nicht entschließen. Ach, Du hast ja keine Ahnung, wovon diese Frau geplagt wird, und womit sie mich plagt. Ich schäme mich, es Dir einzugestehen" Eine brennende Röte bedeckte das Gesicht des jungen Mädchens und war noch im Nacken bis zum reizvollen Ansatz der blonden Löckchen sichtbar, als sie den Kopf an die Schulter der Freundin lehnend flüsterte: „Sie ist eifersüchtig." „Eifersüchtig?" wiederholte Aurelie. „Auf die Liebe ihrer Tochter zu Dir?" „Auf diese, auf den Sohn, auf den Stiefsohn — vor allem aber auf den Mann!" „Felicitas!" „Sie verfolgt mich mit dem Argwohn, ich stünde mit ihrem Gatten im geheimen Einverständnis, mein Sinnen und Trachten gehe dahin, sie zu beseitigen und mich an ihre Stelle zu setzen. Meine Weigerung, den Antrag des Dr. Corbus anzunehmen, galt ihr als eine Bestätigung und hat sie ganz außer sich gebracht." „Aber das ist ja heller Wahnsinn!" „Man sollte es dafür halten - er ist periodisch. Sobald sie sich ausgetobt, bereut sie, was sie gethan und bittet um Verzeihung. So wie jetzt hat sie es aber noch nie getrieben." „Arme, arme Felicitas," sagte Aurelie vom tiefsten Mitleid erfüllt. „Wie bin ich beschämt, daß ich Dir klage, wo Du selbst so schwer zu leiden hast. Wenn Du ihr nun sagtest —!" „Daß mein Herz nicht mehr frei ist," unterbrach sie Felicitas, indem sie sich aufrichtete, „das habe ich gethan, — 503 — und damit ihrem Verdacht nur neue Nahrung gegeben, dann natürlich konnte der, welchen ich meine, niemand anders sein als ihr Gatte." „Unglaublich! Warum nanntest Du ihr nicht den Namen Deines heimlich Verlobten?" „Eben weil es mein heimlich Verlobter ist. Ich durfte dieser Frau gerade unter den jetzigen Verhältnissen dieses Geständnis nicht machen — und wer weiß, ob sie mir geglaubt haben würde." „Eigentlich müßte sie es wisien," bemerkte Aurelie. „Wann hätte ein in Wahngebilden lebender Mensch Augen für das, was um ihn vorgeht?" entgegnete Felicitas, „er sieht Dinge, die nicht vorhanden sind und ist blind für solche, die wirklich geschehen. Doch ich beschwöre Dich, kein Wort von alledem gegen Ernst- er hat ohnehin schwer genug zu tragen!" fügte sie schnell und aufhorchend hinzu. (Fortsetzung folgt.) Ein neues Luftschiff. Das Problem des lenkbaren Luftschiffs harrt noch immer seiner Lösung, und alle Versuche, Thatsächliches zu leisten, sind bisher vergeblich gewesen. Ein Techniker in Charkow namens Dr. Danilewsky hat jüngst einen Ballon konstruiert, mit welchem er sich beliebig heben und senken zu können vorgiebt. Der mit Wasserstoffgas gefüllte Ballon ist sehr klein und vermag nur einen Teil des Körpergewichts eines Menschen zu tragen, deshalb sind große Flügel angebracht, die nach Belieben zum Auf- oder Abstieg benutzt werden können. Ein Gehilfe des Erfinders will mehrfach, man spricht von 40mal, sich bis 90 m Höhe erhoben, sich in dieser Höhe längere Zeit gehalten und Kreise beschrieben haben. Ob sich die Erfindung wirklich bewährt, ist «ine offene Frage. Vom Monat September. September 1899. Die ungemütliche Hitze, die im August herrschte, beginnt allmählich einer gemütlicheren Temperatur zu weichen. Der Sonnenglut des Sommers, die kaum einmal von kurzen Gewittergüssen unterbrochen wurde, ist eine merkliche Abkühlung gefolgt, deren kühlere Windströme uns fast fröstelnd anhauchen. Jeder Monat hat ja seine Reize, seine guten und schlechten Seiten. Der September ist der Monat stolzer, aber duftloser Blumen. Georginen, Astern und Herbstanemonen beherrschen den Blumengarten. Unter dem Einfluß des herniedergegangenen Regens beginnen sich im Gemüsegarten die Kohlköpfe zu festigen und zu runden. Von Gemüsen besonders erwähnenswert ist der Blumenkohl, der nun endlich aus hiesigen Gärten kommt. Der gute Blumenkohl in schönen, festen, weißen Rosen geht fast durchweg in die Delikateß- läden. Auch alle anderen Gemüse sind in reichster und bester Auswahl vorhanden, am besten sind jetzt Schwert- und Wachsbohnen. Schoten sind hoch im Preise. Für Salat sind Gurken, Lattich und schön gebleichter Endivien am Platz. Endivien ist fast ausschließlich ein Herbst- und Wintersalat, er schmeckt kräftiger und pikanter wie Lattich, und ist namentlich zu fettem Braten zu empfehlen, es darf aber nicht allzu reichlich Essig dazu verwendet werden. Die verlesenen Endivien werden nudelig geschnitten, mit Oel, Essig, Zucker, Salz, Pfeffer und einer kleinen Tasse kräftiger Bouillon aus 3 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt vermischt. Man läßt diesen Salat eine halbe Stunde stehen, ehe man ihn zur Tafel gibt. Ausgezeichnet sind schwarze Winterrettiche und große weiße Herbstrettiche, ein ebenso gesundes wie gern begehrtes Frühstücksessen. Außer der Erdrübe, die sich noch schüchtern unter dem hoch aufgetürmten Grün- und Wurzelkram als Neuheit auf dem Markte zeigt, bieten die Delikateßläden Artischoken und Teltower Rübchen, auch märkische Rübe genannt, eine Delikatesse, die schon bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht, und die den großen Dichter Goethe in Unruhe versetzt haben soll, wenn sie nämlich — nicht pünktlich von Berlin in Weimar eintraf. In Paris kam sie erst nach dem Kriege 1806 in Aufnahme. Die zarten Rübchen müsien sehr sorgsam, geschabt und heiß gewaschen werden, — sie sollten immer erst kurz vor der Zubereitung geputzt werden, da sie durch längeres Stehen eine schwärzliche Färbung annehmen. Nachdem sie mit kochendem Wasser gebrüht sind, werden sie einige Minuten in Salzwasser gekocht und auf ein Sieb zum Abtropfen geschüttet. Für etwa 1 Kilo Rüben läßt man 80 bis 100 Gramm Butter mit etwas gestoßenem Zucker unter stetem Rühren braun werden, thut 15 Gramm Mehl hinzu, rührt es glatt und gießt nach und nach Bouillon aus 15 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt hinzu, läßt die Sauce durchkochen, gibt die Rübchen hinein, würzt sie mit Pfeffer und Muskatnuß, und läßt sie bei gelindem Feuer weich dünsten. Die Preise unserer Obstsorten sind der wundeste Punkt des Marktes und wenig verheißend auf die Aussicht für Herbstobst. Wer, ohne zu rechnen, seine Ausgaben machen kann, der halte sich an die feinen Bozener Birnen, Tiroler Aepfel, französischen und italienischen Weintrauben. Pilze sind knapp und nur zu den bisherigen, sehr gewählten Preisen da; als Neuheit kommen für September schon die ersten hannöverschen Trüffeln. Im Laufe des Monats erreicht die Wildpretsaison die volle Höhe. Die Jagd auf Hasen, Auer-, Birk- und Haselwild, sowie Fasanenhennen und Wachteln beginnt. Vom Nußhäher bis zur Schnepfe, vom wilden Kaninchen bis zum edlen Hirsch ist alles Wildpret auf dem Markt vertreten. Hirsche werden vom Mai bis September geschossen, Tiere (weiblicher Hirsch), Schmaltiere und Kälber bis Weihnachten. Das Fleisch der Schmaltiere und Kälber ist vorzüglich zart und saftig, wie überhaupt das Hirschwildpret sehr gut und schmackhaft ist, nur das Fleisch der alten Hirsche ist zähe und während der Brunstzeit ganz unschmackhaft. Der Ziemer oder Rücken, die Keulen und Schulterblätter geben den Braten. Ein gut abgelegener Rücken, Ziemer oder Keule wird gewaschen, gut geklopft, abgehäutet und reichlich gespickt, mit Salz und Wachholderbeeren abgerieben und in eine Pfanne gelegt, in der man Butter und würfelig ge- 504 schnittenen Speck zerlassen hat. Während des Bratens wird das Fleisch öfter mit Butter übergossen, von Zeit zu Zeit schüttet man Brühe aus 15 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt in die Pfanne und läßt es unter fleißigem Begießen 2 bis 3 Stunden braten. Sobald die Brühe verbraucht ist, gießt man die mit Mehl verquirlte saure Sahne hinzu. Hausgeflügel, das im September von bestem Geschmack ist, ist ausreichend am Platze. In den Delikateßlüden paradieren die ersten Produkte einheimischer und französischer Mastanstalten. Auch für diese gute Ware sind die Preise sehr gedrückt, da das warme Wetter noch zu raschem Absatz zwingt. Junge Poularden, Truthühner oder Puten, deren geeignetste Zeit von September bis Mürz ist, sind vorhanden. Die Zufuhr von Fischen fängt nun auch an, wieder größeren Umfang anzunehmen. Zunächst sind es die Teichkarpfen, die in die Fischbehälter wieder Leben bringen. Sehr gut sind gegenwärtig Hecht, Zander, Seezunge, Steinbutt und von billigeren Sorten Kabliau und Schellfisch. Krebse sind nach wie vor recht gut, und Hummern treffen dauernd in guten Exemplaren ein. Als Neuheit für September gilt die Zufuhr Astrachaner Kaviars. Im Handel streiten Konserven mit frischem Kaviar, Feinschmecker ziehen jedoch fast durchweg Eis-Kaviar der frischen Ware vor. Geineßumütziges. Ileld und Karten. Die ungemütliche Hitze beginnt jetzt allmählich einer erträglicheren Temperatur zu weichen; auch die Dürre ist nicht mehr so schlimm, denn ab und zu geht ein warmer Landregen hernieder, der Kräuter und Bäume von Staub und Schmutz reinigt,. und das lechzende Erdreich durchfeuchtet. Unter dem Einfluß dieser warmen Regengüsse beginnen sich nun im Gemüsegarten tzie Kohlköpfe zu runden. Im Obstgarten schwillt das Kernobst mächtig und im Blumengarten erstehen stolze Herbstblüher. Jeder Monat hat seine Reize, seine guten und schlechten Seiten. Der September ist der Monat stolzer, aber duftloser Blüher. Georginen, Herbstanemonen und Astern herrschen überall im Blumengarten vor, und ihre leuchtenden Farben heben sich wirkungsvoll vom sattgrün gefärbten Baumlaub ab. Während im Ziergarten nicht mehr viel gesät und gepflanzt wird, sondern sich das Hauptaugenmerk aus die Erhaltung des Vorhandenen beschränkt, nimmt uns im Obst- und Gemüsegarten die Ernte fast ganz in Anspruch. Es reift das Sommerobst, welches man nicht von den Bäumen schütteln, sondern Frucht für Frucht sorgfältig pflücken soll, um es vor allen Beschädigungen zu bewahren, denn die beschädigte Frucht wird schlecht und fleckig, während sich die unbeschädigte lange frisch und gesund erhalten läßt. Im Gemüsegarten sind die verschiedenartigsten Gemüsearten ertragfähig geworden. Der „praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau" macht in seiner neuesten Nummer rechtzeitig vor der Herbstpflanzzeit darauf aufmerksam, daß es sich in sandigem, trockenen, ärmeren Boden empfiehlt, statt der unter ungünstigen Verhältnissen oft recht undankbaren gewöhnlichen Hauspflaume die frühreifende sogenannte Frühzwetsche (Spilling) anzupflanzen, die bei weitem anspruchsloser ist, regelmäßig trägt, und deren Früchte als „frühe Pflaumen" bester bezahlt werden, als die gewöhnlichen Hauspflaumen. Sorgt für schnelles Absammeln alles Fallobstes unter den Obstbäumen! Hierin liegt ein Hauptmittel gegen die Beschädigungen und großen Verluste, welche der Apfelwickler und der Pflaumenwickler durch das Madigwerden und frühe Abfallen der Aepfel, Birnen und Pflaumen veranlassen. Das Absammeln des Fallobstes sollte, wie der „Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, womöglich täglich erfolgen. Bei Unterlassen dieser Maßregel gehen die Larven alsbald aus den befallenen Früchten zur Ueber- winterung in den Erdboden, wo man ihrer nicht mehr habhaft werden kann und von wo aus sie im nächsten Jahre hervorkommen und ihr Zerstörungswerk wieder beginnen. Verwertung des gesammelten Fallobstes, besonders der Aepfel, zum Mosten, oder, in Stücke geschnitten und an der Luft getrocknet, zur Geleebereitung, der Pflaumen und Zwetschgen zum Branntweinbrennen in Fässer gestoßen. Raupen zn vertilgen. Man läßt ungelöschten Kalk in der Luft zerfallen und bestreut mit diesem Kalkstaub den Kohl recht tüchtig. Natürlich muß derselbe trocken sein und das Bestauben öfters geschehen, dann thut es dem Kraut durchaus keinen Schaden. Aür die Küche. Ei« treffliches Apfelmus, welches sich 5 Jahre hält und in gesegneten Obstjahren bereitet werden kann, wird nach dem „Praktischen Wegweiser", Würzburg, folgendermaßen zubereitet: Man nehme ein weites Gefäß und mache es nicht ganz voll mit Wasser; man schneide die Aepfel, ohne sie zu schälen, in Viertel; nehme die Kernhäuser heraus, sammle aber die Kerne, zerquetsche sie und gebe sie mit den Aepfeln in das Gefäß; letzteres binde man mit Papier zu und stelle es in einen mäßig heißen Ofen; wenn die Aepfel ganz weich und kalt sind, streiche man das Fleisch derselben mit einem hölzernen Löffel durch ein Sieb. Auf jedes Pfund nehme man nach dem Zerquetschen 3/4 Pfund gestoßenen Zucker, koche gelinde, bis sich Gallerte bildet. Man gibt die Masse in Gefäße und verschließt dieselben mit tierischer Blase. Soll sich das Mus nur eine kurze Zeit halten, so braucht man weniger Zucker anzuwenden. Pfirsiche lauge aufzubewahren. Will man zu jeder Jahreszeit seinem Besuche diese erfrischende Frucht anbieten, so nehme man nicht zu reife Früchte und solche ohne Tadel. Mau hülle sie nun in ein Blatt Seidenpapier und tauche sie schnell in flüssigen Flaschensiegellack oder Paraffin. So von aller Außenwelt bewahrt, kann diese herrliche Frucht sich einige Monate erhallen. E. I. Diamaulrütsel. (Nachdruck verboten.) H In die Felder nebenste- ---------- hender Figur sind die Buch- ____staben a a a, b b, c c, e, g ®] g g, h h h h h, i i, 1, m, I "a~ M » o _ ~~~~i o, s, t 11, derart einzutragen, I* * 1 1 * * *1 daß die einzelnen Wörter der • | Reihe nach Folgendes ergeben: • I 1. Einen Buchstaben. — ---—— 2. Lustiges Gebilde. — 3. _ Hauswirtschaftliches Gerät. — 4. Einen Raubvogel. — 5. Schmerzhafte Krankheit. — 6. Flüssigkeitsmaß. — 7. Einen Buchstaben. Die wagrechte und senkrechte Mittelreihe ergeben das Gleiche. (Auflösung folgt in nächster Nummer.) Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: OSCAR SAAR CAP AR R Ketattion: «. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'sche» UmverfitätS-Bnch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.