Nachdruck verboten. Die Armenhausprinzessin. Roman von O. Elster. (Fortsetzung.) Eine tiefe Glut flammte in Elsies Wangen empor. Hastig entzog sie ihm die Hand und wandte sich ab. Aber Hans Heinrich ließ sich nicht so leicht verblüffen. „Zürnen Sie mir, Elsie," flüsterte er leidenschaftlich, „daß ich von Ihrer Schönheit, Ihrer Anmut ergriffen, hingerisfen bin? Dann müssen Sie aller Welt zürnen —" „Sie dürfen solche Worte nicht sprechen — Sie wissen, daß ich sie nicht hören darf!" Elsie hatte sich ihm wieder zugewandt, richtete sich straff empor und blickte den Rittmeister mit zornig flammenden Augen an. Mit dem ersten Tage, da Hans Heinrich heimgekehrt war, verfolgte er Elsie mit seinen Galanterien. Die frische Schönheit des Mädchens, ihre anmutige Natürlichkeit setzten sein Herz in Flammen/ der Stolz, den sie ihm entgegenbrachte, reizte ihn, den Widerstand Elsies zu brechen, ihre Liebe zu gewinnen. Auf der glänzenden Oberfläche des Lebens tändelnd, hatte er den Ernst einer großen Leidenschaft nicht kennen gelernt/ er hatte leichte Siege erfochten, er glaubte auch hier leicht siegen zu können. An das Ende, an die Gefahr dachte er nicht. Wie er den Ernst des Lebens, der Liebe und Leidenschaft nicht kannte, so glaubte er auch bei anderen nicht an denselben. Erstaunt blickte er jetzt deshalb in das zürnende Auge Elsies. Ein spöttisches Lächeln zuckte um seine Lippen. „Wer will es mir verwehren, so zu sprechen, Schön- Elsie?" fragte er belustigt. „Ich werde es thun!" „Sie? Da wäre ich neugierig!" „Ich verbiete Ihnen eine Sprache, die auf ein Gefühl in Ihrem Herzen schließen läßt, welches nicht darin wohnt, nicht darin wohnen darf." „Und wenn ich Sie versichere, daß dieses Gefühl darin wohnt?" W B6B sa1 ii !l i ।1 'J&Ö ■Stil >er Glaube ist ein häuslich, heimlich Kapital, rote es öffentliche Spar- und Hilfskaffen gießt, rooraus man in Tagen der Not einzelnen ihr Bedürfnis reicht; hier nimmt der Gläubige sich seine Zinsen im stillen von selbst. Göthe „Herr Rittmeister!" „Schön-Elsie?' „Wiffen Sie, wie man mich in meiner Heimat nannte? — die Armenhaus-Prinzessin! Hätten Sie den Mut, einer Armenhaus-Prinzessin Ihre Hand zu reichen? „Ah — so ist es gemeint! Sehe einer die kleine Ehrgeizige an!" „Wenn Ihre Worte von Liebe einen anderen Sinn haben, Herr Rittmeister," versetzte Elsie stolz, „dann beleidigen Sie mich und ich muß den Schutz Ihrer Frau Mama in Anspruch nehmen." „Alle Wetter, Sie sind ein stolzes, kleines Mädchen! — Na, lassen Sie uns wieder Frieden schließen, es war jedenfalls nicht bös gemeint. Aber einen guten Rat will ich Ihnen geben, Elsie. Legen Sie die Worte, welche man zu Ihnen spricht, nicht zu sehr auf die Goldwage, namentlich nicht bei Hoheit. Sie würden sich die Gunst des hohen Herrn verscherzen und — wer weiß — vielleicht Ihre Zukunft auf das Spiel setzen." Er wandte sich rasch um, ohne eine Antwort abzuwarten, und eilte seiner Mutter entgegen, welche in diesem Augenblick den Salon betrat. „Ich bringe Dir eine freudige Nachricht, Mama," sagte er, ihr ehrerbietig die Hand küssend. „Hoheit will heute Abend Deine Soiree besuchen, um Deinen Schützling singen zu hören." „Ich hörte es schon von der Gräfin Bittenfeld, der Oberhofmeisterin der Herzogin-Witwe," entgegnete Frau von Hannecken mit einem gewissen Stolz. „Ich denke, wir werden Hoheit eine angenehme Ueberraschung bereiten —" „Das glaube ich auch," lachte Hans Heinrich. Die Baronin wandte sich an Elsie. „Gehen Sie auf Ihr Zimmer, Elsie. Sie müssen Ihre Toilette für heute Abend etwas ändern, ich sende Ihnen mein Kammermädchen, um Ihnen zu helfen. Mut, Mut, mein Kind," fuhr sie lächelnd fort, als sie das erschreckte Gesicht Elsies erblickte. „Der heutige Abend entscheidet über Ihre Zukunft." Sie streichelte zärtlich die glühenden Wangen Elsies und entließ sie mit einem flüchtigen Kuß auf die Stirn. Höflich öffnete Hans Heinrich dem jungen Mädchen die Thür, ihr einige leise Worte der Ermunterung zuflüsternd. Dann kehrte er zur Baronin zurück. „Was beabsichtigt Ihr eigentlich mit diesem wilden Reis unseres Stammes, Mama?" fragte er lachend. „Wir werden Elfte zu einer tüchtigen Künstlerin heranbilden lassen. Noch ein Jahr soll sie hier bleiben, dann mag 134 sie sich auf der Bühne versuchen und ich bin sicher, daß sie ihren Weg machen wird." „Schade um das Mädchen!" „Wieso?" „Eine Bühnenkünstlerin! Ach, Mama, Du weißt selbst, waS das zu bedeuten hat." „Elsie ist stark und besitzt einen edlen Stolz, der sie vor den Gefahren der Bühnenlaufbahn bewahren wird." „Ich halte die Kleine für ehrgeizig!" „Gewiß ist sie das." „Sie will um jeden Preis Carriöre machen!" „Davon habe ich noch nichts bemerkt. Auf alle Fälle aber möchte ich Dich bitten, niemals auf meine Erziehung zu vergessen und das Mädchen nie mit unnötigen Galanterien zu belästigen, Hans Heinrich!" Damit war die Unterredung zu Ende. Elsie eilte, von stürmischen Gefühlen erregt, auf ihr Zimmer. Hans Heinrichs Worte erweckten Empfindungen in ihrem Herzen, die ihr bislang fremd gewesen waren. Die Entrüstung über die unverblümte Galanterie des jungen Offiziers ließen ihre Wangen erglühen, freudige Hoffnung und bange Erwartung machten sie erbeben. Bislang hatte sie den Herzog nur auf Augenblicke aus weiter Entfernung gesehen, heute sollte sie ihm gegenübertreten, Auge in Ange, Angesicht zu Angesicht! Heute sollte sie einen Beweis ihres Könnens vor ihm ablegen, den ihre jugendliche Phantasie mit den herrlichsten Eigenschaften schmückte. Es war in ihrer Gegenwart von dem Fürsten nur in Worten des höchsten Lobes gesprochen worden. Er erschien ihr als das Ideal eines Menschen, eines Fürsten, sie blickte zu ihm empor, wie zu einem Halbgott, dessen Wort die Entscheidung über ihr Leben sprechen sollte. Ihre Gedanken flogen zurück in die ärmliche Heimat ihrer Kindheit. Aus den Träumen der Kinderwelt stieg die Gestalt des Märchenprinzen glänzend und strahlend empor, und ihre Phantasie sah in dem Fürsten den Märchenprinzen ihrer Kindheit. Sie erschauerte bei dem Gedanken, ihm gegenübertreten zu sollen, mit ihm sprechen, ihm ins Angesicht sehen zu müssen. Der Traum ihrer Kindheit von dem Märchenprinzen umstrickte wieder ihr Herz mit goldenem Schleier, und erbebend verhüllte sie ihr glühendes Antlitz in die Hände. Sie lebte inmitten der Welt, aber der Märchenzauber der Kindheit, der Jugend hielt sie noch immer gefangen und tauchte für sie die Welt in den rosigen Schimmer der aufsteigenden Sonne einer glückstrahlenden Zukunft. VI. Herzog Ernst war eine kraftvolle, männliche Erscheinung, welche die grüne Husaren-Uniform — der Herzog war Chef eines preußischen Husaren - Regiments — auf das vorteilhafteste hervorhob. Seine dunklen Augen blitzten in Lebensmut und Lebenslust, um seine etwas vollen Lippen schwebte ein sieghaftes Lächeln und unter dem kurzgehaltenen, dunklen Schnurrbart, der keck emporgewirbelt war, schimmerten die Zähne perlengleich hervor. Das fast schwarze Haar umgab in natürlichen Locken das Antlitz, welches an eine klassische Darstellung des jugendlichen Bacchus erinnerte, während die schlanke, kräftige Gestalt einem Apollo keine Unehre gemacht haben würde. So trat er in der siegenden Gewalt seiner Schönheit, den Stolz des Fürsten auf der Stirn, das Lächeln des wohlwollenden Gönners auf den Lippen, in den Salon der Frau Baronin von Hannecken, so trat er Elsie gegenüber, die, sich tief verbeugend, in der Verwirrung und Verlegenheit ihres Herzens die freundliche Anrede des Fürsten kaum zu beantworten vermochte. Eine tiefe Glut überflammte ihre Wangen, und durch ihr Herz zuckte es wie in schmerzhafter Ahnung nahender Kämpfe, drohenden Unheils. In den dunklen Augen des Herzogs leuchtete es überrascht auf. Mit raschem, forschendem Blick überflog er die schlanke, liebliche Mädchengestalt, und bewundernd blieb sein Auge an dem reizvollen Antlitz Elftes hängen. „Wahrhaftig, meine gnädige Frau," wandte er sich dann lächelnd zur Baronin, „wenn das musikalische Talent Ihres Schützlings ihrer Schönheit entspricht, dann sind Sie glücklich zu preisen, das Wunderkind entdeckt zu haben." Ein mißbilligenderZug zeigte sich auf dem vornehmen Antlitz der Baronin. Sie kannte des jungen Fürsten leicht entflammendes Herz, und eine Empfindung leichter Reue schlich sich in ihre Seele, daß sie Elsie jetzt schon in die Oeffentlich- keit eingeführt. Sie wollte erwidern, daß Elsie noch ein Kind sei, daß Seine Hoheit nicht zu hohe Ansprüche stellen dürften, doch der lebhafte Fürst wandte sich bereits anderen Herren und Damen der Gesellschaft zu, sie mit freundlichen Worten begrüßend. Die erste Gesellschaft der kleinen Residenz war in dem Salon Frau von Hanneckens versammelt. Die Gräfin von Bittenfeld, die Oberhofmeisterin Ihrer Hoheit der Herzogin- Witwe, stellte dem Herzog einige ihm noch unbekannte Damen vor, Gattinnen und Töchter von Offizieren und höheren Beamten. Der Herzog erkundigte sich nach dem Befinden seiner Mutter und meinte lachend: „Excellenz sind wohl als Berichterstatterin hierhergesandt." „Ihre Hoheit interessieren sich allerdings lebhaft für Musik," erwiderte die Gräfin würdevoll. Doch der Herzog hörte nicht mehr, er trat auf den Oberstjägermetster zu: „Wie ist's, lieber Trautenstein!" rief er, „wann werden wir die erste große Jagd auf Schwarzwild halten können?" Oberstjägermeister von Trautenstein berichtete über die Jagdaussichten in etwas breiter Weise. Ungeduldig flog das dunkle Auge des Fürsten durch die Gesellschaft, cs suchte die liebliche Erscheinung Elftes, die bereits am Flügel stand, der Aufforderung zum Beginn des Spiels wartend. Ihr Blick war den Bewegungen des Herzogs gefolgt- mit magnetischer Gewalt zog es ihr Auge stets wieder zu dem Fürsten und jetzt trafen sich ihre Blicke und in den dunklen Augen des Herzogs flammte es auf. Er trat, ohne den Bericht des Oberstjägermeisters zu Ende zu hören, auf Frau von Hannecken zu: „Wollen wir beginnen, gnädige Frau?" sprach er auffordernd. Die Baronin verbeugte sich. Der Herzog bot ihr den Arm und führte sie auf ihren Platz, sich selbst neben ihr niederlassend. Herr von Hannecken gab das Zeichen zum Beginn des Konzerts und das berühmte Streichquartett der herzoglichen Hofkapelle begann zu spielen. Der Herzog schien zerstreut dem meisterhaften Spiel zu lauschen. Sein Auge blickte sinnend in die Weite, dann schweifte er mit träumerischem Ausdruck zu der blonden Mädchengestalt am Flügel hinüber, um seine Lippen spielte ein weiches Lächeln, in seinen Augen ruhte ein träumerischer Glanz. Als das Streichquartett geendigt, blieb er eine Weile in der sinnenden Stellung sitzen- er schien das Ende des Spiels kaum bemerkt zu haben. Plötzlich schrak er leicht empor, dann klatschte er lebhaft in die Hände und sagte der Baronin einige dankende Worte für den herrlichen Genuß. „Nun möchte ich aber unser Wunderkind hören," fuhr er lächelnd fort. „Ich bin wirklich auf's höchste gespannt." Elsie nahm an dem Flügel Platz. Sie zitterte heftig - ein Nebel schien sich auf sie ntederzusenken und die Umgebung ringsum einzuhüllen. General von Hannecken flüsterte ihr einige ermunternde Worte zu. Ihr Stolz erwachte, sie raffte sich empor und mit sicherem Anschlag begann sie die Chopm'sche „Fantaisie.“ Sie berauschte und begeisterte sich selbst an dem Meer von Tönen, das sie umwogte. Das Bangen und Sehnen ihres Herzens, das Jauchzen und das Glück ihrer Seele, die stürmische Lebenslust, die Zukunftsfreudigkeit, die tiefe, künstlerische Begeisterung ihres ganzen Wesens sprach sich in den 135 weichen Tönen des Meisters aus, und brausender Beifall belohnte am Schluß ihr meisterhaftes Spiel. Jetzt war der Bann der Befangenheit, der Verwirrung gebrochen. Jetzt vermochte sie selbst dem Herzog frei in das ausflammende dunkle Auge zu blicken und mit stolzem Lachen seine begeisterten Lobsprüche entgegenzunehmen. Und dann mußte sie singen. Noch niemals, sie fühlte es selbst, hatte sie mit solcher Innigkeit, mit solcher Begeisterung gesungen. Selbst die Baronin und ihr Lehrer, der Professor der Musikakademie, blickten überrascht auf das junge Mädchen, das gleich einer Göttin der Kunst dastand und die Huldigungen des Fürsten mit königlichem Anstand entgegennahm. Volkslieder und Opern Arien mußte Elsie singen; der Fürst schien nicht müde zu werden, dem weichen Mezzo-Sopran, der doch in den Höhen einer jubelnden, schmetternden Klang annahm, zu lauschen und immer wieder um ein Lied zu bitten. „Und nun zum Schluß noch ein Lied — mein Lieblingslied —" bat er, „das Winterlieb von Henning von Koß — es Ihnen doch bekannt?" „Gewiß, Hoheit!" (Fortsetzung folgt.) Der Garten im März. ------- (Nachdruck verboten.) Der März scheint uns, die wir durch den linden und sonnigen Februar fast frühlingsgemut geworden sind, wieder daran erinnern zu wollen, unseren Uebermut etwas zu dämpfen und dort, wo wir über den aus dem Boden sprossenden Keimen die Bedeckung schon fortnahmen, um den neugierigen Sprossen und Knospen einen Blick in den vorzeitigen Frühling zu gönnen, schleunigst die schützende Hülle wieder umzulegen. — koch wenn auch diejenigen Arbeiten uns vorläufig versagt bleiben, die wir schon bald vornehmen zu können hoffien, so giebt es doch immer Gelegenheit genug, im Garten thätig zu sein. Wo es noch nicht geschehen ist, hacken wir die Strauchgruppen um. Wo der Rasen im Herbst und Winter mit Dung überstreut wurde, entfernen wir nun die gröberen Teile, damit Luft an die Gräser kommt. Die feineren Dungteile lassen wir noch liegen. Im Gemüsegarten bringen wir die im Winter herabgenommene Erde wieder hügelförmig über die Pflanzen. Treten warme Tage ein, so lüfte man die Kästen, in denen sich überwinterte Kohl- und Blumenkohlpflanzen befinden, damit die Pflanzen nicht zu lang werden. In diesem Monat säet man auch verschiedene Gemüsearten dorthin, wo sie, ohne vorher verpflanzt zu werden, ihre vollständige Entwickelung erlangen sollen- es sind dies solche Arten, die meist keinen frisch gedüngten Boden erfordern. So säet man Zwiebeln, die schmackhaften, bei uns aber leider noch nicht genügend gewürdigten, Schwarzwurzeln, ferner die langsam keimenden Möhren, Mairüben, Radies, dann Petersilie, Porree, Salatrüben und anderes mehr. Im März beginnt auch das Pflanzen von Obstbäumen. Auf die Anlage von Spalierobst wird noch viel zu wenig Wert gelegt. Es ist thatsächlich erstaunlich, welch unerwartet hohe Erträge auch nur eine mit Obst bepflanzte Hauswand fast Jahr für Jahr liefert. Das Obst wird auch viel schöner, größer und wertvoller als an freistehenden Bäumen, und die Beschäftigung mit diesen Spalieren ist eine angenehme und interessante. Für Aepfel-Spaliere wähle man nordöstlich, östlich und südöstlich gelegene Wände, Birnen wollen eine Lage nach Südosten, Süden und Südwesten. Selbst die Nordseiten kann man mit Obst ausnutzen und zwar durch Anpflanzung von Glaskirschen und Halbweichseln, insbesondere der großen, langen Lotkirsche (Schattenmorelle). Am meisten Wärme bedürfen dagegen Aprikosen und Pfirsiche, die den Ausguck nach Süden beanspruchen. Von neuen Aepfelsorten sei die Doberaner Borsdorfer Reinette empfohlen, die einen dem Edelborsdorfer ähnlichen Geschmack hat, aber reichtragender und vor allem ganz gefeit gegen Pilzkrankheiten ist und selbst in ungünstigen Obstjahren reichen Ertrag bringt. Als guter Wirtschaftsapfel, der schon im ersten Jahre nach der Pflanzung trägt, marschiert nach wie vor der Bismarck-Apfel an der Spitze, ihm folgt .Prinz Albert" und sodann als der schwerste und größte Apfel der Welt die Goldreinette von Peasgood. Als ein Apfel, der gleichzeitig einen großen Zierwert hat, gilt „Elise Rathke", dessen Zweige sich ähnlich einem Trauerbaum zur Erde neigen. Auch das Pflanzen von Rosen wird im März vorgenommen. Eine noch wenig verbreitete Rose, die aber die größte Verbreitung verdient, ist „Bicks Caprice" und sie hat wirklich Capricen, denn ihre hellrosa Blumenbläiter sind mit dunklen, sich deutlich abhebenden Streifen Vers hen. — Die Schlingrose „Crimson Rambler" (Roter Herumstreicher) gewinnt sich immer mehr Verehrer, seitdem man g-sehen hat, was sie zu leisten vermag. In einigen Jahren klettert sie zwei Stockwerke hoch, alles einspinnend mit dichten Zweigen, an denen sich zur Blüiez it eine Fülle leuchtender, förmlich glühender, prachtvoller Dolden entfaltet. Die Rose überdauert die härtesten Winter, ohne daß man sie zu bedecken braucht. Sie ist in der That ein Juwel und das Ideal einer Schling- und Kletterrose. Im Zimmer bereitet jetzt die Ausübung der natürlichen Pflanzenvermehrung, die Aussaat, viel Vergnügen. Neben feinen Sommerblumen säet man im Zimmer vorzugsweise Topfgewächse. Wir richten uns am zweckmäßigste,! für jede Samensorte einen Topf von etwa 10 Zentimeter oberer We te her, geben ihm eine gute Scherbenunierlage, füllen ihn hierauf bis 3 Zentimeter unter d m Rand mit gesiebter, sandiger He'deerde und drücken diese mit einem runden Brettchen mäßig an. Die Samen werden gleichmäßig ausge- stceut, aber keineswegs so dicht, d.ß sie sich gegenseitig berühren. Ganz feine Samen bedeckt man gar nicht mir Erde, die übrigen aber je nach ihrer Größe mit einer dünneren oder stäikeren Lage, fist die Erddccke mit einem glatten Brettchen mäßig angedrückt, so werden die Saatgefäße mit einer feinen Brause vorsichtig angegossen, dann mit einer Glastafel bedeckt und an das Fenster einer warmen Stube gestellt. Bei Sonnenschein legt man bis zu erfolgter Keimung auf jede Glastafel ein Zeitungsblatt. Die Glastafeln sind täglich abzunehmen und trocken abzuwtscken. Die Erde in den Töpfen wird gleichmäßig feucht gehalten. Die meisten Blumensämereien keimen in längstens zwei bis drei Wochen. — Man kann jetzt auch, infolge der Heranzucht einer neuen Sorte, Gurken im Topf am Fenster züchten und zwar nicht als Spielerei, sondern zur Gewinnung großer und wirklich wohlschmeckender Früchte. Es ist dies die Sorte „Rytow'sche Zimmergurke". Ein solcher Topf am Fenster ist originell, in seiner Art auch zierend und praktisch. J. C. S. Gemeinnütziges. Zimmergärtnerei» Auch für diesen Monat gelten für die schon gegebenen Regeln, daß bei off-mem Wetter tüchtig gelüftet werden muß, daß nur bei trockener Eidoberfläche. dann aber stark gegoflen wird, daß kein W-sser um den Topf herum im Untersatze, sondern nur unterhatb des hochgestellten Topfes stehen darf, daß die Pflanze zuweilen mit dem Zerstäuber bespritzt und namentlich Palmen und ähnliche Blattgewächse mit den Schwämmen energisch gewaschen werden. Es ist unmöglich, solche Regeln täglich zu wiederholen, das würde unseren Lesern auch kaum lieb sein, Selbstnachdenken ist hier die Hauptsache. — Wir dürfen nicht beräumen, jetzt gegen das Frühjahr hin unsere Georginen- k nollen nachzusehen, Can na desgleichen, ob sich faulende, abzuschneidende Knollen an ihnen befinden. Die mit Körben rc. L86 bedeckten Stauden sind, wenn möglich, fleißig zu lüften, damit sie weder faulen noch zu früh treiben. — Bon den beim Gesträuchschneiden abfallenden Zweigen können wir 10 bis 20 Zentimeter lange, unter einem Auge abzuschnetdende Stecklinge machen, diese in Bündchen binden und einstweilen wie Edelreiser einschlagen, um sie im April zu stecken. Aür die Küche. Wohlschmeckende und pikante Frühstücksschnittchen werden von allen Herren mit feiner Zunge geschätzt/ ihren' Beifall wird sich daher die Hausfrau durch die richtige Zubereitung folgender Schnittchen erringen. Man wäffert etwa zwölf Sardellen, wäscht sie, entgrätet sie und entfernt von zwei bis drei Oelsardinen Schuppen und Gräten. Man zerschneidet beide recht fein, vermischt sie mit etwas Oel der Sardinen, sowie einem Löffel feinsten Provenceröls, sowie etwa 20 zerschnittenen Kapern und bestreicht mit der Maffe geröstete Semmelschnittchen. Bon den übrigen Sardinen bereitet man die andern Schnittchen. Man befreit die Sardinen von Haut und Gräten, schneidet sie klein, sowie auch drei Stücke Cervelatwurst, drei eingelegte Oliven, zehn Kapern, ein kleines Stückchen gekochten Schinken und zwei harte Eigelb. Alles dies vermischt man mit einem Löffel Kaviar, zwei Löffeln Proveneeröl und wenig Esdragonefsig, so daß man eine geschmeidige Masse erhält, mit der man geröstete Semmelscheiben bestreicht. Man ordnet beide Sorten Schnittchen zierlich auf flacher Schüssel und verzehrt sie mit Petersilie und Zitronenstückchen. Hirnaiiflauf in die Suppe. Man reibt ein Stück Butter flaumig ab, giebt sechs geweichte Semmeln dazu, sechs Eigelb, eins nach dem anderen ein planschiertes und passiertes Hirn, rührt alles gut ab, worauf ma > den Schnee von acht Eiweiß, Limonenschale und Salz nach Geschmack hinzufügt, gut vermischt, die Masse in eine mit Butter ausgestrichene Form füllt und im Dunst kocht. Ungarischer Hase. Man dreht Speck in Salz und Paprika und spickt den Hasenrücken damit, legt ihn auf geschnittene Zwiebel in die Bratpfanne, begießt ihn während des Brarens mit Fett und Rindsuppe, giebt eine halbe Stunde vor dem Anrichten sauren Rahm darüber, begießt mit dieser Sauce oftmals den Hasenrücken und giebt vor dem Anrichten fein geschnittene Kapern und Limonenschale in dieselbe. Humoristisches. Neues Empfehlungsmittel. Hausfrau: „ . . . Ihre Zeugnisse sind wohl nicht die besten?" — Dienstmädchen: „Darauf ist auch nicht viel zu geben, gnädige Frau, aber ich habe hier eine Nummer der „Morgenzeitung" — bitte nur erst mal daS graphologische Urteil über mich zu lesen!" * * * Die Angewöhnung Sergeant: „Warum sieht denn der Gefreite Pilz seit einiger Zeit so schlecht aus?" — Gefreiter: „Na, der hat jetzt einen anderen Schatz und muß sich erst an die neue Kost gewöhnen". • « • Unterschieden. A.: „Was sind denn das dort für sonderbar gekleidete Männer?" — B.: „Die huldigen dem Bergsport" — A.: „Aber der eine hat ja eine purpurrote Nase". — B.: „Hm, der wird gewiß dem Weinbergsport huldigen". • * Bitter. Gesangselevin: „Nun, was sagen Sie zu meiner Stimme, Herr Professor?" — Gesangslehrer: „Ja, Sie sollten wirklich etwas dagegen thun!" Stoßseufzer. „Wie geht es denn auf Ihrem Gut, das Sie voriges Jahr gekauft haben?" — Landwirt: „Schweigen Sie nur still, wenn ich an mein Gut denke, wird mir schlecht". * * -i- Jn der Sommerfrische. Levh: „Haben Sie die Kinder alle mit?" Frau Cohn: „Nur die drei jüngsten, aber das älteste ist unterwegs". — Levy: „Merkwürdig! Bei uns ist's umgekehrt." * • * Gemütlich. Richter: „Sie sind wegen BagabondierenS festgenommen worden, wie haben Sie Ihre Nächte zugebracht ?" — Strolch: „Danke scheen, Herr Richter, für gitige Nachfrage, von hier und da ä bissel Alpdricken abgesähn, hab ich immer ganz scheen geschlafen!" * * * Ein Zweifler. A.: „Eben hat mir der Herr Oberförster erzählt, daß er gestern beim Sonnenuntergang eine Doublette auf Füchse gemacht hat!" — 58.: „Was der??!!.. Dem glaub' ich nicht einmal, daß gestern Abend die Sonne untergegangen ist!" Litterarisches. Die Kunst des Schneiderns gehört mit zu denjenigen Fertigkeiten, die dem weiblichen Geschlecht in allen Lebensstellungen und unter allen Umständen von Wert finb. Der Gattin, der Mutter kommt die Kenntnis im Schneidern zu statten, die vornehme Frau vermag dadurch einen wirksamen Einfluß auf die individuelle Gestaltung ihrer Toiletten zu nehmen, dem Mädchen, welches auf eigenen Füßen stehen muß, wird damit eine Existenz geboten. Niemand sollte daher versäumen, sich diese so nützliche Kunst anzueignen, die nicht bloß im Nähen, sondern hauptsächlich in der Kunst des Zuschnitts besteht. Speziell für den letzteren giebt es in einem im Verlag ,,Europ. Modenzeitung," Dresden, neu erschienenen Zuschneidewerk, betitelt „Die persekte Schneiderin", Preis in Mappe 6 Mk., Anleitungen von überraschender Einfachheit, die die Lernende in kürzester Zeit zu den günstigsten Resultaten führen. Das Werk fand in allen Kreisen die denkbar günstigste Beurteilung und innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit eine Verbreitung in vielen Tausend Exemplaren. Zur Erleichterung der Anschaffung ist auch der Bezug in einzelnen Heften a 50 Pfg. möglich. Prospekte über alle wichtigen Hilfsmittel zur Erlernung der Schneiderei verlange man vom Verlag Europ. Modenzeitung, Dresden. Bestellungen durch alle Buchhandlungen. Den süßen Sorgen junger Frauen trägt die neueste Nummer der „Modenwett" (nicht zu verwechseln m t „Große Modenwelt" und „Kleine Modenwelt") Rechnung! Nichts fehlt von all den zierlichen Herrlichkeiten, die so ein winziges Menschenkind bei seiner Ankunft vorzufinden erwartet. Und auch für einen praktischen und kleidsamen Anzug der jungen Mutter selbst ist gesorgt. Daneben kommen die letzten Neuheiten für die Gesellschafts-Saison und die ersten für die Frühjahrs- Garderobe zu ihrem Recht. Eine Wiener Diner-Toilette scheint uns das Schönste und Stilvollste, was wir seit langem gesehen. Aber was es auch sei, Salon-, Straßen- oder Hauskleid, immer entspricht es der vornehm einfachen Geschmacksrichtung, die das Blatt so vorteilhast von anderen seiner Art auszeichnet. Von der Vielseitigkeit des Inhalts kann nur ein Durchblättern der 16 Seiten starken Nummer einen Begriff geben. Wenn man bedenkt, daß alle diese schönen und nützlichen Dinge statt für teures Geld erstanden, mit Hilfe der mustergültigen Schnitte, Beschreibungen und Illustrationen, für ein Billiges von unseren Frauen selbst hergestellt werden können, so erscheint der vierteljährliche Abonnements-Preis von Mk. 1,25 als eine Kapitalanlage, die hundertfältige Zinsen trägt. Das neueste 4. Heft der „Illustrierten Framn-Zeitnng" (Verlag von Franz Lipperheide in Berlin) enthält einen mit vielen Illustrationen geschmückten Aufsatz über das Münchener Hoftheater, der das Interesse der weitesten Kreise finden dürfte, namentlich, da über die Einrichtung der Shakespeare-Bühne, sowie über die neue Drehbühne eingehend berichtet wird. Die Vorteile der Drehbühne sind einleuchtend, und ihre Wirkung ist so überraschend, daß sie einen völligen Umschwung des Theaterwesens herbeiführen dürfte. Außer diesem Aufsatz enthält das Heft noch einen sehr beachtenswerten Artikel über den Einfluß des Märchens auf das Kindergemüt von dem bekannten Jugend-Schriftsteller Georg Paysen Petersen, sowie die fesselnden Erzählungen „Mit tausend Masten" von Ida Boy - Ed und „Der Minnesänger" von Franz Wichmann, ferner die prächtige Humoreske „Glänzend gesiegt" von Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem. Unsere Leserinnen dürfte auch das Preisausschreiben für das Ausrichten einer Festtafel interessieren. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen