'^Krto^r. aut«. H.Nou. G.i?s^n. MM K WM er Schmerz, die Freude spielen nicht mit Bildern, Ein Blick, ein Wort genügt, um sie zu schildern, Und wo in Phrasen Schmerz und Freude spricht, Glaub' ich das eine und das andre nicht. Bodenstedt. Nachdruck verboten. Gesühnte Schuld. Roman von Alexander Römer. (Fortsetzung.) Albert von Trott schritt langsam die Stufen vor dem Gebäude hinab und versuchte hinter dem Pfeiler seine Zigarre in Brand zu bringen. Da legte sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter. Er wandte sich um und blickte beim hellen Schein der GaSlaterne in dasselbe Gesicht, das ihm vorhin schon aufge- fallen war. In hochmütiger Verwunderung trat er einen Schritt zurück, eine unwirsche Frage auf den Lippen. Aber der Unbekannte, der sich ihm da so lästig in den Weg stellte, sah mit einem überlegenen Lächeln auf ihn herab. „Lieutenant Albert v .n Trott," sagte er in einem Ton, der kaum noch eine Frage ausdrückte, „es freut mich, daß ich Dich treffe; ich bin Dein Bruder HanS von Trott." Der junge Lieutenant fuhr zusammen, ein deutliches Erschrecken malte sich auf seinen hübschen Zügen. HanS! Hans von Trott! sein ältester, lange versch ollener Bruder, von dem man in der Familie nicht gern sprach. Er war in sehr jungen Jahren in der Heimat unmöglich geworden, in einen fremden Weltteil hinüber gegangen, man hatte nichts v n ihm erfahren, eS galt als sicher, daß er d-rt untergegangen war. Abgerissene Erinnerungen irrten durch Alberts K Pf, Die Mutter hatte zuweilen unter Thränen von ihrem Aelteften geredet, heimlich, wenn niemand als ihr letzter Sohn es hörte. Nach ihren Schilderungen war der Verschollene ein lieber, frischer, gutmütiger Junge gewesen, freigebig, leichtherzig, ja leichtsinnig, so daß er ins Verderben geriet. Aus der ersten Zeit seiner Verbannung stammten noch herzzerreißende Briefe, als den Gemütvollen das Heimweh mit furchtbarer Gewalt gepackt hatte, aber eS gab für ihn keine Wiederkehr. Die Ehre der Familie litt es nicht. Wenn auch der Vater ihm hätte verzeihen wollen, er war selbst Zeit seines Lebens abhängig geblieben v n seinem ältesten Bruder, dem unbeweibten Maj ratSherrn auf Trautdorf. Die Mutter war schon lange tot, der Vater war ihr vor einem Jahr gefolgt. Albert antwortete st ckend und verwirrt. Der andere schlug ein kurzes, spöttisch klingendes Lache« auf. „Freust Dich natürlich wenig zu dem räudigen Schaf," sagte er, „denn als ein solches, und ein ganz schwarzes, bin ich Dir ja geschildert. Hier, bei Euch zu Lande, ist es nicht Sitte, einem heimkehrenden, verlorenen Sohn ein fettes Kalb zu schlachten. Aber sei ohne Sorgen, zur Last falle ich keinem von Euch. Willst Du mit Mr. White, denn als solcher stehe ich hier im Fremdenbuch des Hotel Royal eingezeichnet, heut Abend einen Schoppen trinken, so sei mein Gast. Wir können dann unsere Lebensgeschichten auS- tauschen." Mr. White, alias HanS von Trott, lehnte in nachlässiger Haltung an der Säule, es war so still und leer um sie her geworden. Albert starrte mit aufgeregten, peinlichen Empfindungen in daS gefurchte, sonnverbrannte Gesicht deS plötzlich aufgetauchten Bruders, in welches ein bewegtes Leben harte Linien gegraben. „Hans! Bruder HanS!" sagte er dann weich, „bist Du es denn wirklich? Du weißt, ich war klein, alS Du sortgingst, zehn oder elf Jahre alt, denke ich, und Du bist mir eine sagenhafte Figur geblieben." „Ja, ja — darum komm, der Wind pfeift hier eklig um die Ecken, wir können eS uns wohl etwas wärmer und behaglicher schaffen. Freilich warst Du ein kleiner Bursch, alS ich fortging, ich kannte Dein Gesicht doch wieder beim ersten Sehen, hab' Dich schon länger beobachtet. Ich erfuhr auch bereits, daß die Eltern tot, auch die Brüder, die mir im Alter näher standen, und daß Du allein auS unserem Hause übrig bist." Sie schritten durch das Schneegestöber über den Platz in das nahe gelegene Hotel, wo Mr White seinen Gast in ein Separatzimmer führte und Rum, heißes Wasser und Zucker bestellte. Hier erst im vollen Schein des Lichtes sah Albert, welch ein urkräftiger Mann mit wohlgebildeten Gliedern der Bruder war. Auch sah er ja, gottlob, nicht verkommen aus und schien über Geldmittel zu verfügen. Elegant war er freilich nicht, weder im Schnitt seiner Kleidung noch in seinen Manieren, in jeder Bewegung äußerte sich zwanglose Nach- iö — lässigkeit. Er streifte jetzt seinen Rock ab, setzte sich pustend und sich streckend in Hemdsärmeln ihm gegenüber, z g eine kurze Pfeife und ledernen Tabaksbeutel aus seiner Tasche und stützte, sich lang ausstreckend, die Beine auf die Lehne des daneben stehenden Stuhls, während er langsam seine Pfeife in Brand brachte. Dabei musterte er mit humoristischen Seitenblicken den noch immer verlegen und wortkarg dasitzenden Bruder in seiner knappen, zierlichen Unif rm mit dem gerade über der Stirn gescheitelten, sorgfältig frisierten Haar und den weißen, wohlgepflegten Händen. „Na, wie geht's denn dem Onkel, dem alten Hagestolz?" fragte er. „H ffentlich stehst Du bei ihm in Gnaden, mein Junge, und Dein Blut rebelliert in keiner Weise gegen das seine. Ich hab' doch manchmal an ihn denken müssen, an seine steife, hagere Gestalt — ha! ha!" Mr. White legte das eine Bein über das andere und nahm auf seinen Stühlen eine Stellung ein wie ein I ngleur. Sein Lachen klang rauh und absonderlich. „Wenn ick da hinten in den Urwäldern Kaliforniens des Nachts den Puma heulen hörte und mein schlankes Roß, das zitternd die Nüstern blies, zur Ruhe streichelte, da dachte ich zuweilen an den eisernen Herrn auf Trautdorf. Wenn er einmal aus seinem weichen Bett und seiner vornehmen Abgeschlossenheit herausgerissen und an solch einen Platz versetzt würde, ob da seine strenge Gerechtigkeit und sein hochherrlicher Stolz wohl Stand hielten. In solcher Wildniseinsamkeit, entblößt v n allen Hilfsmitteln der Civilisation, im Kampf mit den wilden Tier- und Menschenbestien, da habe ich den Mutigsten und Stolzesten zu Kreuze kriechen sehen." „Du sahst also den Onkel noch nicht?" schaltete Albert ein. Der andere wandte jäh den Kopf. Der jüngere Bruder gewahrte zuerst, welch ein mächtig blitzendes Augenpaar der Heimgekommene besaß, und es überkam ihn der unbehagliche Gedanke, daß, diesem an einsamem Ort im bösen zu begegnen, keine angenehme Sache sein würde. Diese nervige Faust hatte wohl jede Waffe führen gelernt, und diese gebietenden Augen mochten auch das wilde Raubtier bändigen. „Den Onkel? nein," scholl es jetzt hart aus der Kehle des Bruders. „Ich hab' auch einstweilen nicht die Absicht, ihn zu belästigen. Dich, Bruder, junges Blut,;rief ich an, dacht mir, eS lohne sich vielleicht der Mühe, Dich, den letzten der Meinen, kennen zu lernen." Albert rückte auf seinem Sitz, der fremde Bruder war ihm unverständlich, ein wenig unheimlich. Er schob sein in starker Mischung gefülltes Glas, aus dem er schon ein paar kräftige Züge gethan, von sich. Die Geister des vorhin genosienen Weines wirbelten schon genug in seinem Hirn, ihm kam die Situation mehr und mehr wie ein spukhafter Traum vor. „Was für Pläne hast Du denn für die Zukunft? Gedenkst Du im Lande zu bleiben?" stieß er hervor. „Mein guter Junge, da fragst Du mich weit mehr, als ich selber weiß," entgegnete der andere. „Mr. White ist ein sehr ungebundener Mann, der sich vom Augenblick treiben läßt." „Bruder," sagte Albert plötzlich, sein gutmütiges Herz regte sich, und die weinselige Stimmung kam dazu; er reichte dem Fremdling seine weiße Hand über den Tffch und blickte ihn zärtlich und mitleidig an, „wie erging es Dir drüben? Hattest Du ein hartes Leben?" „Sieh, sieh! fragst Du mich wirklich, wie es mir Ausgestoßenem ergangen ist," lachte Mr. Wihte. „Brav von Dir, Brüderlein, wenn auch des Weines Geister ihr Teil dazu beitragen, Dich mitfühlend zu machen. Nun, wie es mir ergangen ist, will ich Dir ungefähr sagen. Ich war jung und hatte kein Körnchen Lebensklugheit in meinem tollen, übermütigen Kopf, als ich hier, ein flotter, lustiger Lieutenant, lebte, gerade wie Du jetzt. Wie stolz trug ich des Königs Rock und liebte mein Waffenhandwerk mit aller Glut meiner jungen Seele. Daß ich allerlei in meinem Blut geerbt, daß mein Herr Vater einst ein wildes Leben durchgekostet, daß man ihn gewaltsam niedergezwungen, als man einen zahmen — feigen Mann aus ihm gemacht —" unter knirschenden Zähnen kam das Wort hervor. Albert sprang empor. „Hans! Du sprichst von unserem Vater!" rief er entrüstet. „Schweig, Knabe, was weiß Du davon zu sagen, unser Vater war ein guter Mann, Gott habe ihn selig, ich wußte damals nichts von seinen Kämpfen, von seinem Unterliegen, ich aber erbte sein Blut, und in meinen Adern rann es ebenso frei und ungezügelt. Ich verging mich schwer — ich handelte damals wie ein Toller — weißt Du es, was mich zum Ausgestoßenen gemacht hat?" Albert stieg eine dunkle Röte in das Gesicht. Er blickte in sein Glas. „Also Du weißt es," fuhr der andere fort, „als gemeinen Dieb hat man Dir den Bruder geschildert, und Du errötest heute noch über ihn. Ich will Dir jetzt sagen, was er war. Ein dummer, thörichter, unerfahrener Junge, der außer seinem heißen Blut ein albernes, überfließendes Herz besaß. Und dieser Junge hatte einen Freund, einen Blutsbruder, für den er Höll' und Teufel trotzte. Schöner, blühender Helmut, ich vermeinte ihn retten zu wollen und trieb ihn in den Tod, mich in — doch halt! nicht davon will ich reden." Mr. White gab seine gewagte Stellung auf und setzte sich, die Arme aufstemmend, an den Tisch. „Wir hatten eine tolle Nacht durchjubelt, es wurde gezecht und gespielt. Später erfuhr ich erst, in welch schlimme Gesellschaft wir geraten waren. Diese dunklen Ehrenmänner mit den alten, vornehmen Namen, die andere dunkle Ehrenmänner mit unbekannten Namen eingeführt hatten, fanden an uns Grünen eine prächtige Beute. „Als wir am anderen Morgen zur Besinnung kamen, wußten wir wenig von dem, was geschehen war in der Nacht, nur die Ehrenschulden standen zu Buch — furchtbare Summen — die wir nicht herbeischaffen konnten binnen vierundzwanzig Stunden, wie die Vorschrift lautete. Helmut war der Sohn armer Eltern, ihm gab Niemand Kredit, ich, der künftige Erbe des Onkels, stak schon tief in Wuchererklauen. In diesem Fall konnte auch ich die wahnsinnige Summe nicht aufbringen, ich hatte mich Helmut gelobt mit Leib und Seele, und als er da mit der Pistole neben sich saß und seine Rechnung mit dem Leben abschloß, da faßte ich den Entschluß, ihn zu retten um jeden Preis. Mich würde der Onkel wohl herausreißen müssen — so meinte ich, ich mußte die ganze Schuld auf mein Konto nehmen, es gehe wie es wolle." Albert sah starr in des Bruders Gesicht und horchte gespannt. „Der Onkel," stotterte er verwirrt, „er verweigerte es, und Du — man sagte mir — es seien Gelder des Onkels gewesen, dem Vater zur Obhut übergeben, und Du —" „Ja, ich — ich nahm diese Gelder aus dcs Vaters Pult." Die Stimme des Erzählenden ward jetzt heiser und rauh — „Du wirst bleich, ja, schüttele Dich nur — ich that es in einem Augenblick verzweifelter N t. Es war, als ob die Teufel sich gegen mich verschworen hätten. Der Oheim, dem ich ehrlich mein Lage hatte entdecken w llen, war für mehrere Tage abwesend — das Geld, das ich bis Sonnenuntergang haben mußte, lag da, mir erreichbar, meinem erhitzten Hirn erschien es möglich, daß der Oheim die vorgreifende That verzeihen könne, wo die Stunde so gebieterisch drängte, daß er seinen Blutsverwandten und Erben nicht verderben würde." Der Atem des Sprechers keuchte, er stürzte ein volles Glas Grog hinunter. „Die drei Tage, welche folgten bis zu des Onkels Rückkehr, bargen Folterqualen, ich ließ mich nicht im Elternhause sehen, ich erfuhr nicht, was sich dort begab, ich erwartete den Onkel auf Trautdorf." „Ha! Das Fehlen des Kapitals ward entdeckt, bevor Du dem Onkel gebeichtet hattest," rief Albert erregt, „ich erinnere mich jetzt, daß die Mutter mir das schwere Geheimnis anvertraute, und der Vater hatte bereits Anzeige 11 - gemacht, die Untersuchung war eingeleitet worden — oh, ich kann mir denken, wie der Onkel Deine Beichte aufnahm." „Ja, da Du ihn kennst, wirst Du es Dir wohl denken können. Meine flehenden, verzweifelten Worte verhalllen, seine stolze Aristokratenseele kannte keine Verzeihung, keine Entschuldigung für solchen Fehl. Ob ich für mich oder für einen anderen zum Schuft geworden war, das galt ihm gleich, er wünschte in jener Stunde seinen Erben aus der Liste der Lebendigen gestrichen." „Aber die Sache wurde eben gemacht," rief Albert, „der Onkel hat vor Gericht erklärt, sein Eigentum zurückerhalten zu haben, und die Angelegenheit auf einen Irrtum zurückgeführt." //Ja — so ungefähr verlief es. Die Ehre des Namens derer von Trott, ward gewahrt so gut es anging, dafür brachte das Familienoberhaupt seine Opfer, der Unbesonnene, der sie angetastet, ward hinausgeworfen in das Leben, in den Kampf ums Dasein, in den Kampf mit dem Laster und Elend in jeglicher Gestalt. Es war eine hübsche Schule, um den Begriff von Ehre neu zu lernen. Was aber lag an mir, und was lag an dem schönen, begabten Helmut, dessen Gehirn noch selbigen Tages, da er mein Los erfuhr, an die Decke seines Zimmers spritzte. Wir waren beide begraben, aber das Haus von Trott lebte weiter, die Flecken auf seinem Namen waren getilgt." Albert sah scheu zu dem Bruder auf, es schwebte ihm etwas auf den Lippen, was er nicht aussprach, aber der andere verstand ihn. „Du fragst, warum ich nicht dem Freunde folgte, ich lese es in Deinen Mienen, und Du hast recht mit der Frage. Es wäre viel bequemer und vielleicht leichter gewesen als das, was ich wählte, aber — ein ingrimmiger Trotz hielt mich damals im Leben fest. Oh, sie hätten mich gern unter die Erde gebettet, es hätte sich da eine Komödie aufführen lassen, die mich mit Ehren in die Grube brachte, aber ich wollte nicht. Mein Leben sollte einmal zeigen, ob ich das war, was sie mich nannten." (Fortsetzung folgt.) Tesla und Edison und ihre Arbeits-Methoden?) Aus Newyork wird gemeldet, daß Nikola Tesla die Elektrizität nicht nur um entfernte und ungesehene Kriegsschiffe zu zerstreuen gebraucht, sondern er behauptet auch, imstande zu sein, vom Niagara-Fall aus sämtliche Ma- schinerien der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 in Bewegung setzen zu können. Dies äußerte er, als er seine neueste Erfindung, eine Maschine zum Transmittieren der Elektrizität ohne Draht patentieren ließ. Sollte er diese Behauptung verwirklichen können, dann dürften nicht nur vom Niagara-Fall allein, sondern auch von den Wasserfällen des Uellowstone, den Canyons von Colorado usw. sich Elektrizität in Millionen Volten nach Newyork, Berlin, London, Paris, St. Petersburg, Peking usw. in einer Sekunde leiten lassen. Die. lebhafteste Einbildungskraft ist kaum imstande, die Wunder, die dieser Zauberer in der elektrischen Wissenschaft in nächster Zukunft auszuführen gedenkt, zu fassen. Der „Times Herald", Chicago beschreibt Teslas Methode des Erfindens in folgender Weise: „Tesla sucht stets zuerst das Naturgesetz zu entdecken, welches das Geheimnis, das er auszukundschaften gedenkt, regiert. Dann kann er mit ziemlicher Genauigkeit Vorhersagen, was der Mechanismus, den er zu konstruieren gedenkt, unter gegebenen Umständen vollbringen kann- Wenn die Ge- *) Entnommen dem „Praktischen Wegweiser", Würzburg. Wir können ein Probeabonnement auf diese vielseitige, wöchentlich bis zu 40 Seiten starke Zeitschrift umsomehr unseren Lesern empfehlen, als das Quartal bei allen Postämtern und Briefträgern nur 30 Pfennig, frei ins Haus 45 Pfennig kostet. setze, welche die ihnen im Weltall bestimmte Arbeit regieren, einmal gemeistert sind, dann ist das Zusammenstellen einer geeigneten Maschine, die mit diesen Gesetzen in Harmonie arbeitet, eine eigentlich leichte Aufgabe. Als er die Naturgesetze, die ihn zu der Erfindung eines berühmten OscillatorS führten, entdeckte, war er überzeugt, daß, wenn er bestimmte Drähte genau von der nötigen Länge machen würde, die Elektri ität des Erdballs in Flammen strömen würde. Er arbeitete lange und andauernd, obgleich ohne befriedigende Resultate, dennoch wußte er mit mathematischer Gewißheit — eine Gewißheit, auf die er sein Leben gewettet haben würde, — daß die Flammen sich zeigen mußten, wenn erst der richtige Maßstab gefunden sein würde. Endlich traf er's, und die Welt wundert sich nun über die Resultate, die er meldet. Als Lord Kelvin, der Shakespeare englischer Wissenschaft, die Maschine in Arbeit sah, die schrecklichsten Flammen auS- schlagend und mit wahrem Donner explodierend, soll er tief ergriffen gewesen sein, denn er fühlte, daß dies mehr bedeute, als ein hübsches Schauspiel, er war überzeugt, daß dieser Strom um und durch das materielle Weltall schösse, daß zwischen jedem dieser fürchterlichen Blitze der Erdball von dieser millionen-voltigen Kraft durchdrungen und umschloffen werde. Tesla könne, sagt man, mit diesem wie es scheint, Wunder wirkenden Oscillator sich Paris und Hong-Kong im Augenblick zur Hand bringen. Ohne jeglichen Draht oder sonstige künstliche Verbindung, die Erde und die Atmosphäre als Doppeldraht benutzend, stellt er einen vollständigen elektrischen Kreislauf her. Anstatt der paar Tausend Volten, die für elektrisches Licht, elektrische Bahnen und Maschinen genügen, fabriziert seine Donner hervorbrtngende Maschine Millionen von Volten". Ein bekannter Gelehrter meinte, als er von dieser neuen Erfindung hörte, daß Tesla alles, was er verspricht, vollbringen werden könne. „Das ganze Weltall", sagt dieser Gelehrte, „sei eine große Tüte voll Elektrizität. Wenn TeslaS Donnerkeil-Maschine in Newyork bombardiert, werden ihre Wellen in den entferntesten elektrischen Stranden der Welt anschlagen — in San-granzisko, Sibirien, Neu-Seeland, den Philippinen, ja den Polen, Nord und Süd". Teslas Versprechungen überflügeln selbst die Phantasie eines Jules Verne/ doch ist es wohl weiser, das Vollbringen wenigstens einiger derselben abzuwarten, ehe wir uns ganz diesen Erwartungen hingeben. Durch die Dynamo Experimente, die fast jeder kennt, ist es ja bekannt, daß Elektrizität von einem Punkt zu einem andern nicht weit davon entfernten Punkt geleitet werden kann und auch wirklich strömt/ aber es ist etwas ganz anderes, zu behaupten, daß ohne metallische oder andere Leiter, nur durch eines Menschen Willen, Ekektrizität erfolgreich über Tausende von Meilen geschickt werden kann. Solche Übersendung ist für unser Fassungsvermögen ein Rätsel. Dies scheint uns im Gegensatz zur Natur oder doch außerhalb eines jeden bekannten Naturgesetzes, durch das Luft oder Wafferftröme geschickt werden können. Aber da Elektrizität ein Element oder eine Kraft ist, von deren Ursprung, Fortpflanzung und Art und Weise wir erst wenig wissen, so mag es schon möglich genug sein, daß sie durch eigene Gesetze gelenkt wird. Dann ist es nicht unmöglich, daß Tesla einige dieser Gesetze entdeckt hat und daran geht, sie für den praktischen Gebrauch, für die Elektrifikation sowohl als für das Wohl der Menschheit zu verwerten. Nikola Tesla, wie bekannt, ist nicht Amerikaner, er wurde 1857 in Smiljan Lika in Ungarn geboren, besuchte die Volksschule in Gospic und graduierte 1873 in dec Realschule in Karlstadt, Kroatien. Sein Vater war ein Prediger der griechischen Kirche und wollte auch ihn zum Geistlichen erziehen, doch als sich das als Fehlschlag erwies, sollte er Professor der Physik werden und wurde auf die polytechnische Schule in Graz geschickt. Nikola fühlte sich zu oft versucht, manche- bisher für unmöglich Gehaltene zu behaupten, denn Phantasie ist die Mutter der Erfindung, und Tesla hatte eine rege Phantasie. Seine Erfindungen füllen heute einen über 500 Seiten starken Katalog. Das Lehrfach eignet sich nicht für solchen Jüngling. Nachdem er auch dort graduiert hatte, lernte ermehrere Sprachen, damit er sich ungehindert in der Welt umsehen könne, und wandte sich dann westwärts. Er war Ingenieur in Prag und Budapest und schließlich auch in Paris. Hier traf er Amerikaner, ging bald nach Newyork, und da sich verwandte Seelen anziehen, wurde er bald mit Edison bekannt. Ihm wurde Erfinden und Verbeflern heilige Arbeit. Kaum ist ein Monat vergangen, seit Tesla von der oben besprochenen Erfindung berichtete, daß Elektrizität jeden Grades, zu jeder denkbaren Distanz einfach durch die Luft transmittiert werden könne, da meldet Edison eine andere wundervolle Erfindung an, die sich auch auf die Entdeckung von bis jetzt unbekannten Naturkräften gründet. Der Zar aller Reußen proklamiert universalen Frieden, und Edison will eine Maschine erfunden haben, die eine ganze Marine im Augenblick zerstören kann, d. h. noch so weit entfernte Kriegsschiffe ohne irgend welchen zwischenliegenden, vermittelnden Apparat oder Beistand im Moment zerstreut! So würde Krieg unmöglich sein zu Waffer und zu Land, denn der Feind könnte auf der Stelle vernichtet werden, und kein Volk würde sich mit dieser Aussicht auf einen Kampf einlaffen. Doch noch besser, diese Erfindung dient nicht nur zum Zerstören, sondern auch zum Retten. „Ich habe durchaus nicht den Wunsch" sagt der Erfinder, »daß sich mein Ruhm auf eine Erfindung stützen soll — sei sie noch so großartig — die nur geschaffen wäre, um damit zu zerstören. „Ich ziehe vor, als der Erfinder der Nachwelt zu leben, dem es gelang, den Krieg abzuschaffen. Das würde mein größter Stolz sein. Doch, da ist auch manch' friedlicher Gebrauch für meine Erfindung, z. B. das Retten Schiffbrüchiger. Es wird vollkommen möglich sein, unsere LebenSrettungs- Stationen mit Rettungsbooten -bahnen auszurüsten, die vom Strande aus geleitet und übersehen werden können, sich dem verunglückten Fahrzeug nähern und die Passagiere und Mannschaften einnehmen, ohne die Leben so braver Männer zu riskieren, als sich jetzt in Sturm und Brandung hinauswagen müssen. Sie kann auch zum Fortbewegen von Lotsenbooten benutzt werden, zum Transportieren von Briefen, Nahrungsmitteln und Werkzeugen nach unzugänglichen Gegenden, oder um Walfische zu töten und für viele andere gewerbliche und wissenschaftliche Zwecke". Edison ist der Stolz Amerikas und wird allgemein für den grüßten der lebenden Erfinder gehalten. Eigentlich ist er aber nur ein Verbesserer- er versteht es meisterhaft, die Ersindungen anderer zu verbessern und auszunützen. Sein Ruhm stützt sich auf die „Erfindung" des elektrischen LichrS, des Phonographen, des Kineioskops, des Telephons und mehrerer anderer Dinge, die er in Wahrheit nicht „erfand". Er kann nicht behaupten, all' diese Sachen in dem Sinne erfunden zu haben, wie z. B. Georg Stephenson die Lokomotive. Edison hat ein offenes Auge für die Ideen und Erfindungen anderer. Wie der Briefmarkensammler nach Marken hascht, so hascht und sammelt Edison Winke und Ideen, um sie dann zu einem symmetrischen Ganzen zu vereinigen. Dies ist das Geheimnis seines Erfolges. Welcher Amerikaner gerät nicht fast in Verzückungen, wenn er zum elektrischen Licht emporblickt und sich sagt, daß Edison, dieser amerikanische Junge, der einst Zeitungen an den Straßenecken verkaufte, diese Wohlthat für die Menschheit erfand- thatsächlich aber war eine elektrische Lampe — die Goebel — schon Jahre lang in Gebrauch, ehe Edison geboren wurde, und das Original existiert noch. Von all seinen Erfindungen entsprang kaum eine einzige seinem eigenen K Pi, und sollte eine dies Unglück gehabt haben, so ist eS auch iä — sicherlich ein höchst uninteressante» Instrument mit sotcheüi langen, trockenen Namen, daß er sich kaum aussprechen läßt, wie z. B.: Mikrotaximeter, Odoroskop, Megaphon, Aerophon u. s. w. Der Mann im Mond dürfte gerade so gut behaupten, das Telephon und den Phonographen erfunden zu haben, wie Edison. Das Telephon war schon vor zweihundert Jahren bekannt, und Professor Bell hat mehr von den moderne» Verbesserungen hinzugefügt, als Edison. Auch der Phonograph war in der Hauptsache von anderen Gelehrten schon vor hundert Jahren erdacht worden. Edison erzählt uns, daß eine zufällige Verwundung seines Fingers die Erfindung dieses Instruments veranlaßte- in Wirklichkeit kann er jedoch nur meinen, daß der kleine Unfall nur dw Veranlassung zu einer Verbesserung deS Instruments war. Nur zwei seiner eigenen Erfindungen sind überhaupt des Besprechens wert- die eine ist ein Apparat, die abgegebenen Wahlstimmen zu registrieren, die andere einer, der die lästigen Küchenschwaben oder Rochen tötet. Ganz im Ernst, diese Schwabenfalle ist Edinsons größte Erfindung, erstens, weil sie größeres Recht hat, ihn ihren Erfinder zu nennen, und zweitens weil sie wirklich praktisch ist. Ihm kam die Idee dazu, als er in einem telegraphischen Bureau angestellt war, wo das Zimmer schwarz war von den wimmelnden Schwaben, die noch dazu die häßliche Angewohnheit hatten, von der Decke Herabzufalle« und dadurch mit dem elektrischen Apparat und den Chemikalien in Berührung kamen- so entstand die Schwabenfalle. — Das so bekannte Kinetoskop, das die Leute für seine wundervollste Entdeckung halten, ist nur eine Verbesserung der Arbeit eines andern. Edison selber giebt zu, daß ein kleines Spielzeug — „Zoetrop* genannt —, das oft feine Aufmerksamkeit auf sich zog, als er als Knabe in den Bahnen und auf den Trottoirs Zeitungen verkaufte, da» Fundament dazu war. Es scheint, als ob das begeisterte Publikum sich in Edison die sichtbare Verkörperung des Geistes all' dieser Erfindungen vorstellt. Edison selber ist ein zu bescheidener Mann, um sich so viel anzumaßen, dennoch ist er ein Meister, der es versteht, anscheinend nutzlose Ideen und sogar Spielzeuge in den praktischen Gebrauch als dienende Geister zu fesseln. Immer galant. Dame: „Ja, Herr Lieutenant, ich will ganz gerne spielen, aber wer soll mir denn die Noten umwenden?" Lieutenant: „Erlauben Gnädigste, werde Ihr Flügeladjutant sein". * • * HerauSgeredet. „Herr Wirt, ich muß mich beschweren. Hinter den Tapeten wimmelt'S ja von Ungeziefer!" — „Ja, ich hab' Sie aber gleich gefragt, ob Ihnen die Tapete nicht zu lebhaft Märe!" Kleinstädtisch. Fremder: „Giebt'S denn hier gar keine Sehenswürdigkeiten?" — Einheimischer: „Doch, sehen'S denn nicht, wie die Leut' Sie schon immer anstarren?" • * • In der Verlegenheit. Hausfrau: „. . Aber Anna, die Gänsekeule muß doch irgendwo geblieben sein, wenn Sie sie nicht Ihrem Bräutigam zugesteckt haben! Katzen und Hunde haben wir nicht . . ." Köchin: „Sind das nicht vielleicht fleischfressende Pflanzen, die dort auf dem Blumenbrett stehen? !" • . * Im Zeitalter des RadeS. Papa: „Ich will Dir einen guten Rat geben, Bob". — Bob: „Gieb mir lieber ein gutes Rad, Papa". Siedaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.