Donnerstag den 3. August 1899. MB 1 Rill IW ■PÄwjii,! W tz । U, rrungen sei der Glaube, nicht ererbt, Und schlicht und lauter, nicht gefärbt I Oeser. (Nachdruck verboten.) Die Sünden der Väter. Roman von Osterloh. (Fortsetzung.) Olaf schüttelte mit dem Kopfe. „Wie ich schon vorhin andeutete, Herr Rechtsanwalt, mit den besten Absichten von der Welt könnte ich da unten nicht zum Verschwender werden. Und aufrichtig gestanden: es ist besser, daß ich die Zeit hinter mir habe, nicht wahr?" Wieder traf den Rechtsanwalt ein sonniger Blick aus den offenen, blauen Augen, und er konnte nicht umhin, seinem jungen Freunde noch einmal kräftig die Hand zu schütteln. „Sie sind ein prächtiger Mensch, Nansen. Es wäre wirklich schade um Sie gewesen!" Und auf das Geld weisend: „Für Ihren Aufenthalt hier sind Sie versorgt?" „Genügend. Auch bleibe ich voraussichtlich nicht lange." Dann, um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben: „Wie merkwürdig die Stadt sich inzwischen verändert hat. Ich hätte mich in dem lieben alten Nest fast nicht zurechtgefunden." „Haben Sie viel Bekannte getroffen?" fragte Ziel dagegen, während er sich anschickte, ihm eine Quittung zu schreiben. „Fast keine. Meine ehemaligen Freunde sind wahrscheinlich in alle Winde zerstreut — und die wenigen Leute, die mich noch kennen, scheinen keine besondere Freude über das Wiedersehen zu empfinden, wie Ihre Schwägerin zum Beispiel." „Ich bin neugierig, was meine Frau zu Ihnen sagen wird," meinte Ziel, Olafs letzte Aeußerung überhörend, „Sie erinnern sich wohl der kleinen Else von dazumal?" „Natürlich!" stimmte Olaf bei. „Ein hübsches, blondes Backfischchen. — Unausstehlich lästig und vorlaut, allemal da, wo man fie nicht haben wollte," hätte er hinzufügen mögen - aber er behielt diese Reminiscenzen für sich, da er annahm, daß sie dem Ehemann nicht besonders erfreulich klingen würden. .Ja, ja, aus Kindern werden Leute," sprach Konrad vor sich hin. „Und nun wollen mir mal sehen, ob mein Frauchen mit ihren Vorbereitungen fertig geworden ist." XX. Ja, sie war fertig geworden. Sie sah allerliebst aus in ihrem losen Hauskleid von mattrosa Flanell mit breiten, gelblichen Spitzen besetzt- und sie war sehr neugierig, recht viel über Olafs Schicksale und Erlebnisse zu hören. Und er erzählte, gern und gut und ausführlich. Er war Ingenieur geworden und baute Bahnen, „da unten fern in der Türkei", zitierte er mit etwas unbestimmter Ortsbezeichnung, denn er war nicht sehr überzeugt, daß seine hübsche, kleine Zuhörerin über die Staatenbildung in jenem Winkel Europas genügend unterrichtet sei. „Jst's da hübsch?" fragte sie naiv. Er lachte. „Hm, ich glaube nicht, daß es Ihnen gerade sehr gefallen würde, wenigstens nicht in den Gegenden, die ich aufzusuchen genötigt bin. Völlig öde Landstrecken, gar keine Häuser, nur die elendesten Hütten, die Sie sich denken können- die Wohnung miserabel, die Nahrung miserabel, als einzigen Umgang Arbeiter, mit denen man sich kaum, Bauern, mit denen man sich gar nicht verständigen kann, zuweilen überraschender Besuch: bewaffnete Räuberbanden —" „Was wollen denn die von Ihnen?" fragte Else, die staunend seinen Berichten gelauscht hatte. „Natürlich Geld," antwortete Olaf belustigt. „Wir haben freilich nicht viel davon, aber immer noch mehr als die armen Schächer, die dort leben. Zuweilen entführen sie auch mal ganz freundschaftlich einen von uns und liefern ihn nur gegen ein Lösegeld wieder aus. Das ist jüngst einem meiner Freunde passiert. Haben Sie es nicht in der Zeitung gelesen?" Konrad bejahte. „Das ist ja schrecklich!" meinte Else. „Und Sie?" „Ich? Na, bis jetzt bin ich mit heiler Haut davongekommen, wie Sie sehen. Ich habe stets zwei geladene Revolver bei mir, Tag und Nacht." „Wie sind Sie nur darauf gekommen, sich in einer so entsetzlichen Gegend niederzulassen?" fragte Else. „Ich habe Sie früher immer für einen sehr verwöhnten Herrn gehalten." „Wirklich?" spottete er gutmütig. „Sie mögen damit nicht unrecht gehabt haben. Aber so ändern sich die Menschen! Ich bin sehr anspruchslos geworden. Ernstlich gesprochen: 438 plötzlich klang vor meinem Ohre das niedliche Gedicht: Sie kennen Mein Kind, wir waren Kinder, Zwei Kinder, klein und froh; Wir krochen ins Hühnerhäuschen, Versteckten uns unter das Stroh. eS?" 5?”^ ®inma[ vorübergehend für Heine geschwärmt hat? ES ist wie eine Kinderkrankheit." Zum erstenmale während des Essens beteiligte sie sich an dem Gespräche. a ' ' "dlch so! Du bist ja auch da,"'meinte Else, um sie wegen ihrer Teilnahmlosigkeit zu necken. „Das hatte ich ganz vergessen." y Martha nickte. Er hatte sie nicht erwähnt, und doch wußte sie, daß seine Worte nur ihr, ihr allein galten. Vorbei sind die Kinderspiele, Und alles rollt vorbei, Das Geld und die Welt und die Zeiten Und Glaube und Liebe und Treu'. Auch vor ihrem Innern stiegen jene Zeiten wieder lebendig auf. Sie sah alles wieder, wie er es gesehen nur mehr noch, sie selbst und ihn an ihrer Seite. Sie wandelten durch die blühenden Büsche und hatten einander soviel zu sagen. Die ganze Welt war nur da, ihnen von ihrer Liebe zu erzählen, die Sterne am Himmelszelt, die Blumen am Wege- und vor ihren Augen glühte das rote Nelkenbeet. Und „Welch' schönen Nelkenstock Sie da haben!" sagte Olaf zu Else, auf einen Blumentopf am Fenster deutend Ihre Gedanken waren wieder denselben Weg gegangen, wie sie es früher so oft gethan. Sie wußte das so bestimmt, als wenn er sie ganz direkt gefragt hätte, ob sie sich jenes letzten glücklichen Abends am Nelkenbeet entsinne. Und er wußte auch, daß sie daran dachte. Sie waren zu sehr gewohnt gewesen, einander auf die leiseste Andeutung zu In diesem Augenblicke schienen auch ihm die Jahre wie ausgelöscht. Er hatte keine neue Liebe inzwischen gefunden. Nicht," daß er oft an Martha gedacht hätte. Er hatte nur der Arbeit gelebt. Die Erinnerung an Martha war ihm zuerst unangenehm gewesen, wie alles, was mit Andrees und der Vergangenheit zusammenhing. Dann, mit der Zeit hatte sich Haß und Liebe verwischt. Martha war ihm gleichgültig geworden. Und nur selten einmal huschte eine dunkle Mädchengestalt mit ernsten Augen in kurzen Mußestunden an ihm vorüber. Aber er hielt das Bild nicht fest. Erst jetzt, da er eS in Fleisch und Blut vor sich sah, lebte eS wieder in ihm auf, hold und liebenswert wie ich habe es sogar für ein großes Glück gehalten, daß ich die Stelle in Rumelien bekam, bald nachdem ich meine Studien beendet hatte. In Deutschland bot sich mir nichts Da ist immer viel Andrang. Wer verheiratet ist, oder wer Angehörige hat, die er nicht gern verlassen will, zieht die Stellen im Inland vor, auch wenn sie schlechter bezahlt sind. Wir verdienen dort bedeutend mehr." „Das spielt bet Ihnen doch keine Rolle," warf Else sein. 1 „Meinen Sie? Vielleicht doch. Jedenfalls hielt mich nichts in Deutschland zurück, und so ergriff ich mit tausend Freuden die Gelegenheit, ein Srück Welt kennen zu lernen." Martha saß da, die Augen auf ihren Teller gesenkt, stumm und bleich. Es hielt ihn nichts in Deutschland zurück- sie hatte es ja schon lange gewußt, und doch ging ihr das Wort wie ein Messerstich durchs Herz. „Und Sie haben eS nicht bereut?" fragte Else, die die Schwester während des Essens noch kaum mit dem Blicke gestreift hatte. „O tausendmal!" entgegnete Olaf. „Aber mit der Zeit gewöhnt man sich an alles oder, wie es in diesem Falle heißen muß, entwöhnt man sich von allem, und schließlich lebt man sich so ein, daß man dieses eigentümliche, kulturfremde, eintönige und doch aufregende Leben gar nicht mehr missen möchte." i „Sie werden wieder nach der Türkei zurückkehren?" erkundigte sich Ziel. y „Ich denke wohl," antwortete Olaf. „Ich bin nicht mehr heimisch hier. ES erscheint mir alles so beengt. Man kann nicht frei atmen. Dort bin ich mein eigener Herr, hier gießt es deren so viele. — Aber bestimmt ist noch nichts, ^ch kann jederzeit wieder eintreten. Es wird demnächst eine neue Linie begonnen, die sich mit der großen Hauptlinie Konstantinopel—Paris vereinigen soll. Man nimmt dazu gern Männer, die eingearbeitet sind, Land und Leute kennen und mit der Sprache vertraut sind." ,..it Ohrw sich einer Uebertreibung schuldig zu machen, hatte er noch hinzufügen dürfen, daß er sich sowohl durch sein Können, als durch seine Energie und Geschicklichkeit in jenen Gegenden bereits eines solchen Rufes erfreue, daß ihm jede Stelle, um die er sich bewarb, von vornherein sicher sei. „Sie können wohl türkisch sprechen?" fragte Else, an seine Bemerkung anknüpfend. r .. "®in wenig, und ein bischen neugriechisch, ein bischen serbisch, em bischen von allem Möglichen. Dort stoßen die Sprachgrenzen so hart aneinander, und von aller Herren Lander strömen Arbeiter herzu. Da muß man allerlei Sprachen lernen- natürlich nur ein paar Brocken, was man für den täglichen Verkehr braucht. Eine elegante Konversation zu fuhren, dürfte mir schwer fallen, und an türkische Gedichte möchte ich mich auch nicht wagen." „Giebt es denn türkische Gedichte?" fragte Konrad, und: „Lesen Sie überhaupt noch Gedichte wie früher?" i forschte Else. ’ „2Bte früher?" meinte Olaf verwundert. „Ja, wie früher," bestätigte Else. „Sie und Martha konnten ja alle Dichter auswendig, deutsche, französische und englische. Die Gedichtbücher lagen nur so herum. Sogar abends im Bett las Martha noch darin. Ich dachte natürlich, eS wären verbotene Romane und wollte heimlich mitlesen!" br°^te feiner mit dem Finger. „Ei, ei, Eischen! Was man da nachträglich erfährt." „rr "Das machen alle jungen Mädchen so," beruhigte ihn Bartha nicht," verbesserte sie sich schnell. „Natürlich nicht. Die war immer ein Tugendspiegel. Und I w°s sie da in stiller Nacht las, waren bloß Gedichte. Ich glaube, der Heine gehört sogar Ihnen, Herr Nansen?" I „SBirnid)? Wie gut Sie sich das gemerkt haben." „Besser als ich," meinte Martha. „Die Jugend ist I ßte Zeit der Lyrik. Und finden Sie nicht, daß fast jeder I ! Awl kam seinem Gaste mit der Antwort zuvor. „Ich bin verschont geblieben von den poetischen Masern," erklärte er. „Ich war von jeher durch und durch prosaisch." „Um so besser für mich. Wenn man älter wird, verliert sich diese Schwärmerei von selbst." „Wie vorgeschritten Sie in der Großstadt sind!" sagte Olaf mit einem leichten Anflug von Spott. „Ich in meiner Abgeschiedenheit von der Kultur bin meinen Jugendtraditionen treuer geblieben. Viel Muße zum lesen habe ich nicht, aber zuweilen nehme ich meinen alten Freund noch recht gern zur Hand. Und häufig in den verschiedensten Lebenslagen kommen mir ein paar Verse in den Sinn, die so recht zu meiner augenblicklichen Stimmung paffen und mui , c öett ganzen Tag nicht mehr los werde. Zum Befiel heute vormittag. Ich ging an dem Hause vorüber, we ches Sie damals bewohnten. Ich blieb stehen, ganz in Erinnerung versunken und bevölkerte die wohlbekannten Plätzchen mit den Gestalten von ehemals. Da war die Laube, Leos Lieblingsplatz- dort der alte Geröllschuppen, Konrads Ritterburg- daneben Lottchens Kaninchenstall. Dann sah ich Sie —" das war an Else gerichtet, — „mit den blonden Zöpfen auf dem Rücken durch den Garten laufen, und plötzlich klang vor meinem Ohre das niedliche 439 — ? h e GeineZnnützrgeG e tt 1 j t :e h MK 5W-TWSIKWSSS«-- "s“ r“b Ä« WMKEL V .äSä*sx-*' „MU Sm- ÄXÄ gr°i,n g„W. b" K-°°-h°»-°--l«-°PM°g d-r« MU« getilgt iu 6a6„. Vormals Heider & Söhne," erklärte Konrad. ' I ^ r. Krann. Olaf sagte noch immer nichts. wahr, man sieht es ihr nicht an, daß sie Braut m ? ®^fe- //Sonst haben die Bräute immer so was Verklärtes. Na, ein bischen kühl war sie ja immer, und ihr Bräutigam ist auch ein sehr ruhiger, gesetzter Mann." Endlich hatte sich Olaf gefaßt. „Ich wünsche Ihnen Glück, gnädiges Fraulein," sagte er steif und reichte ihre seine kalte Rechte. Sie berührte sie kaum. „Ich danke Ihnen,/ flüsterte sie tonlos. 11 Unb es kam ihm vor, als habe er sie noch nie so schon gesehen, wie jetzt mit den düsterglühenden Augen und dem starren Gesicht, aus dem alle Farbe entschwunden war. (Fortsetzung folgt.) Kauswirtschaft. Arveitskalen-er für de« Monat August. Man vergesse nicht, daß in einem fleißigen Lüften der Wohnung, verbunden mit Reinhaltung derselben (oftcs Waschen der Fußböden mit heißem Sodawasser rc.), wie auch in dem öfteren Wechsel der Bettwäsche, das Hauptmittel gegen Flöhe, Fliegen und mancherlei anderes Ungeziefer liegt. Auf den Kornböden sehe man fleißig nach, daß der Wurm die Vorräte nicht verderbe. Man lüfte solche Böden fleißig und lasse keinen Staub in dem Getreide aufkommen. — Man halte die Höfe, Krankheitsverschlcppmig durch r°h- Milch. I Ä L SSg ------ durch ihre Ausdünstung die Luft zu sehr, als daß diese nicht Die Gefahr der Uebertragung von Krankheiten durch I b.te Bewohner des Hauses werden sollte. — Milch wird in weiten Kreisen des Publikums noch sehr unter- I Instandsetzung der Geräte, Fässer und Gährlokale für die schätzt. Bei dem weitverbreiteten Genuß der Milch und der I un& Birnweinbereitung. Bedeutung, die sie für die Kinderernährung hat, ist es anae- I zeigt, von Zeit zu Zeit Aufklärung an das Publikum ergeben KesUNdyeltSpffege. zu lassen hinsichtlich der Gefahr unvorsichtiger Behandlung .. Mittel gegen schwitzende Hände. Borax, Talicyl- der Milch. I säure, von jedem 75, Borsäure L, Glycerin, Alkohol, von Freemann hat in dem „Med. Rekord.« (1896, März) iedem 50 Teile- täglich dreimal die Hände einreiben. eine Zusammenstellung gegeben über die seit dem Jahre 1880 Gegen Insektenstiche giebt es ein Mittel, das, sofort bekannt gewordenen Milchepidemien. Die Milch mußte als I angewandt, plötzliche Erleichterung bringt: Sobald man svürt Trägerin von Jnfektionskeimen angesehen werden bei: daß man im Munde oder Halse gestochen ist, so nehme man 03 Epidemien von Mdominalthphus, einen Theelöffel voll Kochsalz mit etwas Wasser angefeuchtet 26 EP dem en von Scharlach, und verschlucke es langsam. Geschwulst und Schmerz ver- 11 Epidemien von Diphtheritis, I schwinden in kürzester Zeit. 2 Epidemien von Aphtenseuche. Diese Zahlen sprechen mehr als jede theoretische Aus- I Neid Utto Karten. ~ Trotz aller hygienischen Vorschriften der Die Veste Zeit zum Schneide« der Leckeu m der Infektiosität der rohen Milch I Juli oder anfangs August, weil um diese Zeit der Äolrtrieb rSnL eifOmme,k b°ru ist der Prozentsatz Lckt und bk nad^em®^ gSBa ZN, A®e^n Infektiosität ber hinburch schön und glatt bleibt. Erfolgt ber©S3£? mtlä bL mebrer/n « meistens Misch- I so ist später eine Wieberholung besselben notwenbig. Namentlich v-lb S Ä ?Än den Verkehr kommt, daß des- aber sollen blühende Hecken (etwa Liguster) nich? zu früh b/- M lch ttekrte doch b e SeVfi™® ^nitten werben, weil sonst ber Blumenschmuck veAoren geht. l!" ch ^f°rte, doch die Gefahr nur eine geringe sei. Hier- Beim Beschneiden der Hecken hüte man sich davor, zu tie //Es sind im Durchschnitt schon ungefähr 40 Prozent aller unserer Kühe tuberkulös, die natürlich nicht gleichmäßig MltMeNpflege. ^ertti?, si"d- ®8 giebt vielmehr gewiß Sommer-Aussaaten werden im Juli gemacht von Stief- gut geleitete Wirtschaften, die ziemlich frei von Tuberkulose Mütterchen, gefüllten Gänseblümchen, Alpenvergißmeinnicht. L Tw"/" ^genüber stehen dann aber solche, bei denen I Calceolarien, Cinerarien, Malven u. a. m. Viele Gärtner di. Prozentzahl nicht 40, sondern vielleicht 70 und darüber ist. I säen diese Blumen auch erst im August aus. kulosekeies^Mnd^ r^den denen fast kein tuber- Wie erhält man Geranienbäumchen? Für den 8