Ä W w'-KSä LjJ8mmpr ffliy LUV WKW ^i» imuKSss^ 2^M^?ä!Hsnr Zum Tagewerk. hin in Gottes Namm, reif dein Werk mit Freuden an, ühe säe deinen Samen! as gethan ist, ist gethan. Sieh nicht aus nach dem Entfernten, Was dir nah' liegt, mußt £u thun; Säen mußt du/ willst du ernten, Nur die fleiß'ge Hand wird ruh'n. Müßig stehen ist gefährlich, Heilsam unverdross'ner Fleiß; Und cs steht dir abends ehrlich An der Stirn des Tages Schweiß. PH. Spitta. Nachdruck verboten. Der Gylfenhof. Eine Erzählung von P. D i t s u r t h. (Fortsetzung.) Am nächsten Vormittag wollte Renata eben ausgehen, als Frau Noltes freundliche Stimme zur Thüre hineinrief: //Ach, Fräulein Renatchen, erlauben Sie wohl, daß wir eintreten? Ich wollte doch gern meinem Sohne unsere nette Wohnung zeigen." Las junge Mädchen gab bereitwillig seine Zustimmung und begrüßte herzlich den Herrn Pastor, der, wie es schien, mehr der Mama zuliebe, als aus eigenem Antriebe das hübsche Zimmer musterte und, an das Fenster tretend, lachend konstatierte- daß man hier auch nicht mehr von der großen Welt sähe, wie drüben bei seiner Mutter. Neben dem Fenster stand der zierliche Schreibtisch, der auf dem Aufsatz zwei Bilder trug, eines stellte Walter vor, und das andere einen alten Herrn in auffallend heller, weiter Kleidung, der, einen langen Bergstock wie eine Balancierstange in beiden Händen haltend, auf einem Sessel saß. Eifrig wettersprechend betrachtete der Geistliche die Bilder, bis er plötzlich stockte und sich vorbeugend das Bild des alten Herrn genauer ansah. „Darf ich fragen, wen dies vorstellt?" sagte er, es in die Hand nehmend. „Es ist ein Onkel von mir, ein etwas wunderlicher, aber sehr guter Mann; ich fand das Bild und habe mir es kürzlich etwas repariert," antwortete Renata. „Er ist tot?" „Ja, schon viele Jahre." „Und hieß er auch Wendelin?" „Gewiß." „Dieser Herr muß einmal in meinen Gesichtskreis gekommen sein; gerade dies auffallende Aeußere taucht aus meiner Erinnerung auf. Das Bild stammt auch aus der ersten Zeit der Photographie." „Es ist leicht möglich, daß Sie meinen Onkel auf Reisen gesehen haben," warf Renata ein, „er hat deren viele gewacht." „Ja, ich aber nicht," erwiderte lächelnd der Pastor, „übrigens gehts mir mit Ihnen ähnlich, mein Fräulein, Sie haben eine Aehnlichkeit mit jemand, und ich kann's doch nicht finden, wer mir vorschwebt. Kennen Sie vielleicht den Ort Schwalenberg?" fragte er dann. „Den Namen habe ich nie gehört." „In Schwalenberg war mein seliger Mann Pastor, müssen Sie wissen, Renatchen," mischte sich Frau Pastor Nolte in's Gespräch, „ach, es war zu schön dort," sie fuhr sich mit dem Taschentuche über die feuchten Augen. Der Sohn sah noch eine Weile sinnend auf das Bild, dann stellte er es vorsichtig an seinen Platz und verabschiedete sich mit seiner Mutter. Renata eilte nach dem Gylfenhofe und traf Frida allein im Wohnzimmer. Sie wurde von ihr mit Kälte begrüßt. „Ich werde Mama rufen," damit ging sie hinaus. Charlotte kam sehr bald, und von ihr hörte Renata, daß dem Kranken das Bewußtsein mehr und mehr Wiederkehre und er schon ganz klare, zusammenhängende Worte gesprochen habe. „Körperlich dagegen ist er sehr schwach, aber es ist, als wäre sein Geist freier geworden," sagte Charlotte, „auch die alte Heftigkeit hat sich bis jetzt noch nicht gezeigt." Renata bat, ihn vor ihrer Abreise noch einmal sehen zu dürfen, und teilte dann Charlotten den Brief ihres Vormundes und dessen Wünsche mit. Bei Noltes konnte sie vorläufig wohnen bleiben, mußte aber erst anfragen, ob auch ihre Sachen dort untergebracht werden könnten. „Ich habe nur die liebsten Möbel behalten," sagte Renata, „es find nicht viel." „Nun, und was bei Noltes nicht Platz findet, bringen Sie zu uns," fiel Frau Falkner ein. „Wir wollen schon helfen, Ihre Zukunft freundlich zu gestalten, ich freue mich, daß dann nichts mehr in M. Sie bindet." Ein schmerzliches Lächeln zuckte um Renatens Mund; ach die Zukunft kam ihr so dunkel vor, da der lichte Stern 630 ihres Herzens erloschen war. Sie erhob sich und folgte Charlotte zu deren krankem Vater. Der Konsul lag still in den weißen Kissen und schien zu schlafen. Seine Tochter bog sich leise über ihn, da öffnete er die Augen, oie zuerst wie traumverloren auf Charlottens Gesicht ruhten und, als diese zurücktrat, an Renaten haften blieben, die sich leise näherte. Sie hatte den Hut abgenommen und das Haar von der Stirn gestrichen, ihre ernsten, dunklen Augen begegneten ruhig den seinen, die immer starrer wurden, bis sie einen erschreckten Ausdruck annahmen. Seine Hand hob sich abwehrend, und dumpf aber deutlich stieß er „Gylfen" hervor. Unruhig warf er sich herum, während Renata mit banger Frage zu Charlotte hinüber sah. Diese schüttelte ratlos den Kopf, aber ihre Augen hingen wie verloren an den Zügen des jungen Mädchens. „Ich störe nur," sagte Renata, traurig sich erhebend, „laffen Sie mich gehen." Sie setzte den Hut auf, und Charlotte hinderte sie nicht, so leid es ihr that. Als das junge Mädchen sich mit leisen Worten verabschiedete, drehte der Kranke plötzlich das Gesicht den beiden zu. Seine Augen waren vollkommen klar und ein freundlicher Strahl brach daraus hervor. Charlotte winkte Renaten, und diese trat an das Bett. Seine schmale Hand streckte sich ihr schwach entgegen, und sie legte schnell die ihre hinein. „Nicht wahr, es ist die Kleine, der kleine David mit dem Harfenspiel," sagte er mit milder Stimme. „Ja, lieber Vater, Renata wollte Dich gern sehen," erwiderte Charlotte erfreut. Er nickte befriedigt: „So bleiben Sie bei mir, wenn es Ihnen nicht zu trübe ist, mit dem alten, kranken Mann zusammen zu sein." „Ich bleibe gern, Herr Konsul," sagte Renata warm und ließ sich an seinem Bette nieder. Er blickte still vor sich hin, immer noch ihre Hand in der seinen. „Soll ich Ihnen vorlesen?" fragte Renata nach einer Weile etwas zaghaft. „Vorlesen? Wohl aus der Bibel wie Charlotte," erwiderte er mit geringschätzigem Lächeln, „Kinderglaube, den ich auch gehabt- er hat mir nichts genützt, und hat auch die andern, die ihm anhingen, nicht bewahrt vor großer, schwerer Sünde." Er legte den weißen Kopf tiefer in das Kissen und starrte nach der Decke. „Ja wohl," sprach der Kranke dann weiter, „ich nehme die Last, die mich so lange, lange drückt, mit ms Grab. Und es heißt, Gott ist gerecht, er sucht die Sünden der Väter heim bis ins dritte und vierte Glied, so stehts auch da drinnen," er wies nach der Bibel, „aber sind sie gerichtet, oder bin ich allein so elend?" Er blickte die bleiche Renata an, als sollte sie ihm Antwort geben. „Und wenn Gott sie gerichtet hat nach Verdienst?" fragte sie leise. „Dann will ich sterben, dann ist mein Herzenssohn gerächt?" Der Konsul stieß es hervor mit blitzenden Augen. „Und Sie können in Frieden vor Gott treten?" Renatens Stimme zitterte- ach, ihr war so bange. „Frieden, Frieden, was ist Frieden!" erwiderte er, unsicher umherschauend. „Frieden ist Vergebung," sagte Renata sanft. „Vergebung! Ich vergeben? Niemals!" Er schlug auf die Bettdecke. „Weißt Du, was sie mir angethan?" rief er mit der alten, wilden Heftigkeit. „Auge um Auge, Zahn um Zahn. Bin ich elend gewesen, sie sollen es zehnfach sein." Er sank erschöpft in die Kissen zurück. „Und wenn Sie nun an dieser unvergebenen Sünde zu Grunde gingen, dann hätte Ihre Seele Ruhe in Gott, dem gerechten Richter, der uns vergiebt, so wie wir vergeben?" sagte Renata. „Bist Du von ihnen gesandt?" fuhr der Greis plötzlich auf. „Nein, ich kenne sie nicht und weiß nichts von ihnen- ich weiß nur, daß wir vergeben sollen- die Rache ist mein, spricht der Herr." „Renata sagte es mit wild klopfendem Herzen, aber sanfter Stimme. Der Kranke schwieg und drehte sich nach der Wand- er schien nicht mehr sprechen zu wollen. Die Uhr im Nebenzimmer schlug, und Renata erhob sich; „es ist schon spät, ich will gehen." Charlotte, die mit gefalteten Händen gelauscht, folgte jetzt der leise sich Entfernenden. „Gott segne Sie," sagte sie bewegt, „ach vielleicht ist doch ein Funken in seine Seele gefallen." Frau Falkner kehrte ins Krankenzimmer zurück, und Renata richtete ihre Schritte noch einmal nach dem Wohnzimmer in der Hoffnung, Frida dort zu finden. Diese saß auch wirklich am Fenster, scheinbar mit einer Arbeit beschäftigt, und sah der Eintretenden flüchtig mit gleichgültig-kaltem Ausdruck entgegen. Entschlossen ging Renata auf sie zu. „Frida," begann sie mit ernster Freundlichkeit, „sage mir, was Du gegen mich hast- ich grüble vergebens über den Grund Deines rätselhaften Wesens/' Frida blickte zum Fenster hinaus und antwortete nicht. „Sprich, Frida," drängte Renata, „ich ertrage das nicht länger, mache mich nicht trauriger, als ich schon bin." In Fridas Augen leuchtete es finster auf. „Du traurig, Du?" brach sie mit hohnvoller Bitterkeit hervor, „ich möchte wissen, wodurch und warum." Sie zog die Schultern hoch und wendete das Geficht ab. „Frida, hast Du denn ein Herz?" rief Renata außer sich, „weißt Du es nicht, muß ich Dir erst sagen, wie ich mit Euch leide, wie ich" — ihre Herzensnot machte sich in einem Thränenftrome Luft. Frida blickte scheu auf sie, die ihr jetzt gleichfalls rätselhaft war. Sie drehte nervös ihre Finger um einander und sagte zögernd: „Das wird Dich Dein sonstiges Glück nicht vergessen laffen." „Mein sonstiges Glück?" Renata ließ die Hände sinken und starrte das blonde Mädchen an: „Spottest Du meiner oder redest Du im Fieber? Großer Gott!" sie hob die gefalteten Hände und blickte schmerzlich nach oben. Im nächsten Augenblick stürzte Frida auf sie zu und umfaßte sie. „O Renata, sage es mir, Du bist nicht seine Braut!" schluchzte sie leidenschaftlich auf, „sage es mir, ich vergehe!" Renata machte sich heftig frei, ihr Gesicht war noch bleicher. „Ich, Braut, wessen Braut?" „Du weißt es, Renata," klang es hinter Fridas Händen, die sie vors Gesicht gelegt, vom Weinen unterbrochen, hervor, „Viktor" — Mit einer heftigen Gebärde warf Renata den Kopf zurück: „Das war es, Frida, Du denkst, ich bin BurgboffS Braut?" Sie sagte es beinah zornig mit einem kurzen Auflachen: „wahrhaftig, ich sehe wohl aus wie eine glückliche Braut, Du thörichtes Mädchen." Sie kämpfte hart mit furchtbarer innerer Erregung, ihre Stimme klang rauh, als sie fortfuhr: „Wie kommst Du darauf?" Es klang kurz und hart, wie ein Befehl. „Ihr verschwandet an dem Abend beide, und so lange," erwiderte Frida leise, „er ging zornig von mir und hatte nur Augen sür Dich." „Und er hatte ein Recht zornig zu sein," fiel Renata streng ein; „hüte Dich, Frida, daß Du Dein eigen Glück nicht zerbrichst." Frida ließ die Hände mit dem Tuche, das sie an die Augen gedrückt, finken und sah finster vor sich hin: „Er hat mit Dir gesprochen." „Ja, das that er, es fehlte nicht viel und Dein Lebens- 631 glück scheiterte an Deiner eigenen albernen Launenhaftigkeit und Verblendung." Frida schlug die Augen nicht auf: „Und was sagtest Du?" fragte sie in verhaltener Angst. „Lpß das, Frida, Du kennst mich wohl genug, um zu wiffen, daß ich nicht gegen meine Ueberzeugung rede,- die Erfahrung mag lehren, ob ich mich und ihn getäuscht. Lebe wohl, Frida, denke daran, daß Dein Großvater sterben will." Sie ging zur Thür hinaus, länger konnte sie es nicht ertragen, Frida gegenüber zu stehen, ihr Herz war noch nicht still genug, schon diese kurze Stunde war eine Qual für sie gewesen. Als am Abend Charlotte in ihres Vaters Zimmer trat, löste sich aus der Fensternische eine Gestalt, und Frida legte ihren Kopf auf der Mutter Schulter mit der leisen Bitte: „Laß mich heute mit Dir bei dem Großvater wachen." (Fortsetzung folgt.) Mssterbende Tiere. Von Dr. Hans Körte. ------- (Nachdruck verboten.) Die versteinerten Funde belehren uns darüber, daß in grauer Vorzeit zahlreiche Tierarten unsere Erde bevölkerten, welche indes längst ausgestorben sind. Sie gingen zu Grunde teils bei großen Erdkatastrophen, teils weil ihr Organismus nicht anpassungsfähig genug war, um aus dem Kampfe aller gegen alle siegreich hervorzugehen. Noch heute verschwinden Tiergattungen gänzlich von der Erde oder sind doch in ihrem Bestände auf's äußerste gefährdet. Es ist aber nicht das Walten der Natur, sondern der Mensch, der sie vernichtet, wohin er mit seiner Kultur kommt. Der Moar, ein riesiger, straußartiger Vogel, der einst in großer Zahl in Neuseeland vorkam, ist durch die eingeborenen Maoris längst gänzlich ausgerottet, und das gleiche Schicksal ist ähnlichen Riesenvögeln widerfahren, die noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts auf Madagaskar lebten, und von welchen Gerippe und Eier uns erhalten geblieben sind. Aus der Reihe der Säugetiere ist es vorzugsweise der amerikanische Büffel, welcher in unglaublich kurzer Zeit einem Vernichtungskriege zum Opfer gefallen ist, der in der Geschichte menschlicher Habgier und Mordwut beispiellos ist. Dieses mächtige Tier bevölkerte zu Anfang unseres Jahrhunderts in ungezählten Millionen die endlosen Prairien zu beiden Seiten des Missisippistromes bis an die kalifornischen Felsengebirge. Die zunehmende Einwanderung beschränkte wohl seine Weideplätze von Osten und Westen her, doch zählten die Herden immer noch nach vielen Millionen. Als aber die erste Pacificbahn von New-Aork nach San Franzisko im Jahre 1869 eröffnet wurde, und das Netz der Eisenbahnen immer enger seine Maschen über den jungfräulichen Boden zog, war auch das Todesurteil über die Büffel gesprochen. Lediglich der Häute wegen wurden die Tiere alljährlich zu hunderttausenden niedergeschlagen, während Fleisch, Knochen und Hörner achtlos und unverwertet liegen blieben. Heute werden in dem bekannten Dellowstone-Park und an einigen anderen Orten wenige Herden von einigen hundert Stück mühsam durch Gesetz und Polizeigewalt vor der vollständigen Vernichtung bewahrt. Ein ähnliches Geschick droht dem afrikanischen Elefanten. Die Nachfrage nach Elfenbein ist trotz zahlreicher täuschender Fälschungen eine so große, daß dasselbe zurzeit der wertvollste Handelsartikel ist, welchen die Karawanen aus dem Innern bringen. Mindestens 60 000 Elefanten müssen deshalb in jedem Jahre in Afrika ihr Leben lassen, um die auszuführenden 800000 Kilogr. Elfenbein zu liefern. In allen Küstenländern des schwarzen Erdteils ist dieser Riese unter den Tieren schon fast gänzlich ausgerottet, und da auch das Innere von Jahr zu Jahr dem Verkehr immer mehr erschlossen wird, ist binnen kurzer Zeit auch hier dasselbe zu erwarten. Man hat zur Beschönigung dieses blinden Wütens behauptet, daß der afrikanische Elefant nicht zu zähmen sei. Dem ist aber nicht so; die Kriegselefanten der Karthager, welche den Römern bei ihrem ersten Erscheinen einen so gewaltigen Schrecke:: einjagten, waren afrikanische, und auch in neuester Zeit hat man erfolgreiche Zähmungsversuche gemacht, welche voraussichtlich zur dauernden Erhaltung dieses Tieres führen werden, das ohne Zweifel dazu berufen ist, im afrikanischen Verkehr eine große Nolle zu spielen. Auch die anderen Glieder der für Afrika so charakteristischen Familie der Dickhäuter sind in hohem Grade gefährdet. Das Nilpferd, welches ehemals bis weit hinunter den Strom bevölkerte, hat sich längst in die mittelafrikanischen Seeengebiete und in die abyssinischen Zuflüsse des Nils zurückgezogen, und von dem Nashorn (Rhinozeros), dem gepanzerten Behemot der Bibel, gilt ein gleiches. Auch Gazellen, Antilopen, Giraffen und andere Tierarten werden in weiten Bezirken Afrikas von Jahr zu Jahr seltener. Da unser einheimisches Pferd und Rind in vielen Gegenden mit Regelmäßigkeit dem Stich der gefährlichen Tsetsefliege unterliegen, ist dieses Morden umso sinnloser, als sich Europäer und Eingeborene dadurch selber die Möglichkeit verschließen, geeignete Gattungen zu nützlichen Haustieren heranzuzähmen. Auch in Europa sind einige große Säugetiere schon ziemlich selten geworden. Der Wisent, fälschlich meist Auer- ochs genannt, welcher früher in ganz Europa und im westlichen Asien heimisch war, und noch zu Karls des Großen Zeiten im Harze und in Ostpreußen sogar noch im 17. Jahrhundert lebte, kommt wild nur noch in einigen Gegenden des Kaukasus und in dem bekannten litauischen Waldgebiete bei Bialowicze vor, wo etwa 1500 Stück noch leben und sich neuerdings wieder zu vermehren scheinen. Eine kleine Herde ist von da in die oberschlesischen Waldungen des Fürsten Pleß verpflanzt worden, wo sie nur durch äußerste Pflege erhalten werden. Der eigentliche Auerochs aber, der Ur des Nibelungenliedes, der zu Cäsars Zeiten noch überall in Deutschland und England lebte, ist längst ausgestorben; seine Rasse lebt jedoch zum Teile noch in den halbwilden Rindern von Millingham und im holsteinischen Rindviehschlag fort, welche beide von ihm abstammen. Der Biber, dessen kunstreiche Wasserbauten in zoologischen Gärten ein Vergnügen für jung und alt sind, ist aus den meisten Ländern Europas längst verschwunden. In den sächsischen und thüringischen Nebenflüssen Hausen noch einige hundert Exemplare, welche durch strenge Polizeiverbote geschützt werden. In Britisch-Nordamerika, von wo jährlich noch° etwa 130000 Biberfelle auf den Pelzmarkt kommen, wird ihm die Hudson-Bay-Company bald das Schicksal der Büffel bereitet haben. Auch andere Pelztiere, wie der sibirische blaue Fuchs und der Zobel, werden von Jahr zu Jahr seltener und ziehen sich vor den fortgesetzten Nachstellungen in die unwirtlichsten Gegenden zurück. Auch die großen Wassersäugetiere haben unter der Vernichtungswut des Menschen schon bedenklich abgenommen; der Walfischfang wird von Jahr zu Jahr unergiebiger, und wenn nicht Schongesetze nach dem Vorgehen von Norwegen und Rußland zur internationalen Anerkennung gelangen, dürfte die letzte Stunde dieser größten lebenden Säugetiere bald geschlagen haben. Walrosse, Seelöwen, Elefanten- robbeu sind ebenfalls in erschreckender Abnahme begriffen. Man rafft sich indes allmählich zum Schutze dieser wichtigen Tiere auf und hat beispielsweise die internationale Abmachung getroffen, daß von Seebären im Behringsmeere nur jährlich 100000 Stück, und zwar jüngere männliche Exemplare, getötet werden dürfen. Der Steinbock, jenes edelste Alpenwild, ist seiner Ausrottung nur entronnen, da er in Italiens erstem Könige 632 Viktor Emanuel einen Beschützer fand, welcher ihm in den Schutzgebieten des Aostathales eine Freistätte schuf. Von den Vögeln schien vor einer Reihe von Jahren der Strauß dem sicheren Untergange geweiht zu sein. Man züchtet jedoch den Strauß heute auf großen Farmen in Südafrika, Texas und Mexiko seiner Federn wegen als Haustier, womit die Gefahr seiner Ausrottung endgiltig beschworen ist. Dagegen werden in Amerika 'die wilden Truthühner immer seltener, und die Trappe kommt in Deutschland nur noch in einzelnen Exemplaren vor und dürfte auch in Südungarn und Rußland immer seltener werden. Kaum sollte man es für möglich halten, daß auch die ekelhafte Sippe der Schlangen, welche in jedem Erdloch ein Versteck finden, das sicheren Schutz bietet, durch den Menschen in ihrer Existenz bedroht sind. Ihrer Haut wegen, welche zu allerhand Gebrauchsgegenständen verarbeitet wird, niacht man, amerikanischen Nachrichten zufolge, jenseits des großen Wassers emsig Jagd auf die gefürchtete Klapperschlange, aber auch auf harmlose, ungiftige Arten,. zumal da Schlangenöl ebenso, wie in manchen europäischen Ländern das Skorpionenöl, im Rufe eines wirksamen Heil- und Zaubermittels steht. Den Alligatoren, den amerikanischen Brüdern des Krokodils, stellt man ihrer, zu Brieftaschen, Portemonnaies, Cigarrenetuis u. s. w. verarbeiteten Haut wegen so eifrig nach, daß diese Tiere, welche in den großen amerikanischen Strömen vermöge ihres nichts verschmähenden Appetits die Rolle der Sanitätspolizei spielen, stellenweise schon recht selten werden. Auch tut jüngsten Weltteile, dem schwach bevölkertet! Australien, sind einige Tiere schon in großer Gefahr, vor allem die Känguruhs. Andere Arten, wie das Schnabeltier, waren bereits zur Zeit ihrer Entdeckung so selten, daß sie binnen kurzem vernichtet sein werden. Das Gewicht eines Löwen wird man vielfach unterschätzen. Wenn man den doch ziemlich schlank gebauten Körper des Königs der Wüste betrachtet, wird man sein Gewicht auf etwa 300 bis 350 Pfund veranschlagen. Das ist aber doch zu niedrig, denn ein völlig ausgewachsener Löwe wiegt durchschnittlich nicht weniger als 500 Pfund. 540 Pfund sind wohl das Höchstgewicht für einen afrikanischen Löwen. Das Skelett des Löwen ist ungewöhnlich stark, und die Knochen schwerer als Elfenbein. — Der Tiger hat ungefähr das gleiche Gewicht wie der Löwe. Ein bengalischer Königstiger wiegt im Durchschnitt 520 Pfund, seine Muskulatur ist aber ungleich entwickelter und stärker als die eines Löwen von gleichem Gewicht. Was für eine Farve hat Gold? Diese Frage ist in einem Artikel der Mitteilungen des Internationalen Patentbureaus Carl Fr. Reichelt, Berlin N W. 6, gestellt und dürfte ihre Beantwortung dahin finden, daß reines Gold die Mehrzahl der metallisch gelben Farbtöne vom reinen Gelb bis zum dunkleren Rotgelb aufweist. Kenner können an der Farbe einer Goldprobe geradezu den Herkunftsort des Metalles erkennen. So ist australisches Gold überwiegend sehr viel rötlicher gefärbt, als das in Kalifornien gewonnene. Das in Klumpen (Nuggets) vorkommende Gold (z. B. das von Klondike) ist gelb , während das in Quarz eingesprengte Metall einen tieferen „goldigen" Schimmer besitzt. Am meisten nach dem Rot zu neigt sich die Farbe des Uralgoldes. Laien haben im allgemeinen selten Gelegenheit, reines Gold zu Gesicht zu bekommen; das Handelsprodukt sowohl, wie unsere Goldmünzen find bekanntlich Legierungen mit Silber oder Kupfer. In reinem Zustande, wie es aufgefunden wird, ist das Metall viel zu weich zum Gebrauch; erst durch Legieren mit einem anderen Metall erhält es die nötige Widerstandsfähigkeit gegen Abnutzung. Cittermifcbes. Novellen Bibliothek bet „Illustrierten Zeitung". 24. Band. Preis 2 Mark, in Originalleinenband 3 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Als freudig willkommen geheißener Gast für Herbst- nnd Winterabende stellt sich der 24. Band der beifällig begrüßten Novellen- Bibliothek der „Illustrierten Zeitung" ein. Längst erprobte Erzähler mit uns vertrauten Namen, aber auch aufstrebende neue Kräfte kommen hier zum Worte und wissen unsere Ailfmerksamkeit nachhaltig zu fesseln. „Das Nixgewürge" von Martin Krause schildert den ergreifenden Widerstreit zwischen Vater und Sohn; R. O. Mahlo entwirft in „Eloni" ein bestrickendes Gemälde attischer Landschaft und berichtet gleichzeitig von einem grauenvollen Brauche des Volkes der Aruauten, während Arthur Achleitners „Schmugglerschiff" ein packendes Lebensbild vom Ufer des Schwäbischen Meeres entrollt und K. E. Franzos in der Novelle „Nach dreißig Jahren" i>aS- machtvolle Erwachen ererbten Künstlergenies zum Gegenstände hat. Diese wenigen Fingerzeige wollen selbstverständlich den höchst mannigfaltigen Inhalt des stoffreichen Bandes bei weitem nicht erschöpfen. Die moderne Chemie. Eine Schilderung der chemischen Großindustrie. Von Dr. Wilhelm Bersch. Mit über 400 Abbildungen, darunter zahlreiche Vollbilder. In 30 zehntägigen Lieferungen (zusammen 60 Bogen) zu je 50 Pf. Bisher 15 Lieferungen ausgegeben. Auch fchon komplett gebunden zu haben, in Prachtband, für nur 17 Mk. 50 Pf. und geheftet in drei Abteilungen, jede für 5 Mk. (21. Hartleben's Verlag in Wien.) Das zur Neige gehende Jahrhundert war das Säculum der exakten, der Naturwissenschaften. Besonders aber ein Zweig derselben, die angewandte Chemie, hat wahre Triumphe gefeiert, sie ist nicht nur zu einem imposanten Wissensgebiete herangewachsen, sondern sie nahm auch einen ungeahnten Einfluß auf die meisten Gewerbe und Industrien und damit auf die Kultur; denn sie lehrte die Darstellung zahlreicher neuer Stoffe und rief neue, auf chemischer Grundlage aufgebautc Industrien ins Leben. Und heute beherrscht die angewandte Chemie fast das gesamte wirtschaftliche Gebiet — sie ist die modernste aller Wissenschaften geworden. Nur wenige kennen und würdigen aber ihre Bedeutung, trotzdem es heute geradezu als Mangel an allgemeiner Bildung angesehen werden muß, nicht wenigstens mit ihren Grundzügen vertraut zu sein. Das vorliegende Prachtwerk „Die moderne Chemie" soll und wird aber diesem, in den Lehrplänen unserer Schulen und dem Fehlen passender Literatur begründeten Mangel abhelfen. Es schildert in anziehender Form alle chemischen Industrien, ohne bei dem Leser besondere chemische Kenntnisse vorausziisetzen, es führt den Leser an der Hand eines reichen, der Praxis entnommenen Bildermateriales durch zahlreiche chemische Etablissemens, und zeigt ihm, in welch genialer Weise chemische Reaktionen und Methoden in der Praxis angewendet werden, um Stoffe, deren wir uns täglich bedienen, oder die sonst von Bedeutung sind, zu erzeugen. So wirkt der Autor anziehend und belehrend zugleich; er vermittelt die heute unumgänglich erforderlichen Kenntnisse der Grundzüge der chemischen Industrien, und giebt dem Leser Gelegenheit, sich an den Erfolgen der Wissenschaft zu erfreuen und zu erheben. Aber auch der Praktiker wird in dem Buche manches neue finden: „Die moderne Chemie" ist daher ein für alle Kreise passendes Werk, das in keiner Familie fehlen sollte, und sich ganz vortrefflich als eine, dauernd ihren Wert behaltende Wcihnachtsgabe eignen wird. Rätsel. Nachdruck verboten. Bunte Blätter sah ich fliegen, Wie das Herbstlaub fällt von Zweigen, Reife Früchte sah ich liegen, Doch sie wurden nicht mein eigen. Hat mein Baum auch reich getragen, Mir ist nichts daran geblieben, Und die reifen Früchte lagen, Wo der Wind sie hingetrieben. I. (Auslösung in nächster Nummer.) Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer: ESEL SELA ELCH LAHR Rebrfrion: $. Burkhardt. — Druck und N-rkag der Brühl'schen UniverfitSts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Siegen.