SRi f msiges Ringen führt zum Gelingen, , Baust du nicht fort, so stürzt alles dir ein; Niemals verzagen, frisch wieder wagen: Tropfen auf Tropfen durchhöhlt auch den Stein. Ufteri. (Nachdruck verboten.) Die kleine Lulu. Seeroman von Clark Russell. (Fortsetzung.) Da ich des alten Mannes abergläubische Furcht nicht teilte, sah ich mir das Ding sehr aufmerksam an. Sein Glanz war sehr matt, obgleich es einen Hof hellen Nebels ausstrahlte. Es sah mir aus wie entzündete Lust, wiewohl ich nicht verstehen konnte, warum es dann so lokalisiert blieb und weder größer noch kleiner wurde. Dann dachte ich, daß es doch eine Verwandtschaft mit den bekannten Irrlichtern haben muffe, deren Entstehen man den Gasausströmungen der Sümpfe zuschreibt, und glaubte daher, die hier auftauchende Erscheinung sei durch Elektrizität hervorgerufen. — Späterhin machte ich die Bemerkung, daß das Licht hauptsächlich auf dem oberen Eisenwerk des Schiffes erschien und selbst beim heftigsten Winde ruhig leuchtete. Der abergläubische Seemann betrachtet diese Feuerkugeln mit Angst, da er sie für übernatürliche Verkünder von Glück oder Unglück hält, je nachdem sie von der Stelle ihres Erscheinens steigen oder fallen. Ich wurde in meinen Betrachtungen durch den alten Windwärts unterbrochen, der mir zurief: „Wo ist der Kompreesant*) hingegangen?" „Er verlöschte, Str." Wo zeigte er sich, nachdem er auf der Vorbram - Raa gewesen?" „Auf der Fock-Raanoke." Nach einer kurzen Pause brüllte er: „Große Obermars- und Bram-Segel aufgeien! — Außen-Klüver niederholen!" Diese Befehle, welche so unmittelbar der Erscheinung des geisterhafter Lichtes folgten, erregten bet den Leuten *) Das Wort schreibt sich wahrscheinlich von corpus sancti her, oder ist vielmehr die Matrosen-Aussprache des Lateinischen. ein Gefühl unheimlichen Grauens, welches schließlich auch mich überkam. Einige stiegen schweigend in die Wanten, um die Reuls zu beschlagen. Ich stellte mir vor, wie sie in der Dunkelheit in das schwer erkennbare Takelwerk schielen mochten, jeden Augenblick in der angstvollen Erwartung, das geisterhafte Licht wieder erscheinen zu sehen. Der nächste Befehl lautete, das Vorbram - Segel festzumachen. „Da süht man wedder, wat dat för en Hundsfott i§/ fluchte einer von den Leuten, „so lange as ’t hell was, würd nicks anrührt, un up stunns wo't so dunkel is, dat man sien eigen Näs' nich seihn kann, hei ’t Segel körten." Der Mann hatte nicht unrecht. Die Arbeit war unter den obwaltenden Umständen eine ganz außerordentlich mühsame und gefährliche. Der Himmel war von einem Dunst überzogen, welcher das schwache Licht der Sterne vollständig verhüllte- es herrschte eine totale Finsternis. Nur die Lampe im Kompaßhäuschen warf einen Schein durch die schwarze Nacht auf den Mann am Rade. Nachdem der Klüver niedergeholt und die oberen Segel beschlagen waren, standen wir, — nämlich die Wache, — in einem Haufen beisammen und warteten auf weitere Befehle. „Dit is so die richtige Nacht für’n Feuer an Bord eines Schiffes," erklang die Rahenstimme Deacons. „Gott, was müßte dat für 'n Anblick sein: Meer und Himmel rot von dem flackernden Rumpf und den hoch auflodernden Flammen an Masten und Segeln! Maats, ich könnt' mir den jüngsten Dag nich feierlicher vorstellen." „Gotts ein Dünner, holl dien entfamtes Mul, Sniggers!" fuhr Klein - Welchh ihn an. „Uemmer snakst du von dat jüngst Gericht, — ja, dat dauhst du, — un wenn du dat uns taum Possen dauhst, so segg ik, du büst en slichten Kierl, denn du heft grab ierft so gaud as tot de Kompersanten seihn, un ok hürt, wat sei bedüden." „Na, wenn etwa eins Lust hebben füllt, äwer de Korpslichter tau lachen, denn will ik em wat vertellen, wornach hei vellicht anners äwer sei denken ward," sagte Billy,- — und ohne weitere Aufforderung seine Geschichte zum besten gebend, fuhr er fort: „De annern Monat sünd't veerteihn Johr, da segelt' ik an Burd von en Barkschipp. Wi wiren in de Nordsee, un de eine Nacht blus't swer. En Mann, hei näumte sik Jim Herring, stecht dichting neben mi, un schreg up einmal: Slag mi blag, Billy, wenn dor nich en von de lüchtenden Kompersanten is, un wenn sei ok utseihn dauhn, as wiren 246 sei von Jüer, so hew ik doch hürt, bat sei gor »ich brenn’; ik will verdammt ften, wenn ik nich glik gah un ehm fange. Hei stört also in Hast haben rnpe, leggt sich vörlängs np de Borbram-Raa, reckt sich nach Mäglichkeit, un grad as hei dicht ran is un darnach griepen will, set stk bat gesegnete Ding np ften Fant. — Hei nu Webber rnnner np be Paarbe, — bat Licht Webber in be Höcht; — Jim nau Webber np be Raa, — be Kompersant hinäwer nah Backbnrb, — Jim ümmer htnnerbrein. Hei hädd grab so ganb versänken tonn, bn Sternsnnp tau fang'n. — Ik hürt' em int Dnstern schanbiren un sackertren, wowollt ’t nich so bnnkel was, bat wi em nich von unnett häbb seihn tonn’, un as hei nau Webber np be Vorbram - Raa totbet kröch, üm be nah be Raanok ätoersprnngen Kompersant tau griepen, ßackerirt hei sn, as ik't noch gor nich hürt hew. Ik segg, Jng Maats, ’t was toürklich grnglich, bett Jim so tau seihn un tau hür'n. Nu was hei eunltch Webber in be Näh von bat Ding kamen, un bot benkt Jng, wo ik mt verfihren") beb, as grab, as hei mit be Hand nah em griept, ik mit beten mien lito- hastigen Ogen seih, wo be Gestalt von en Ftu mit Flüchten*) **), as en Geist, ätoet be Mastspitz erscheint, un be Kompersant stk np ehr Stirn set. Ich hürt' Jim npschriegen, un beim, Maats, so woht ik lew, stört hei von be Raa bat. Ik seih cm, mien Seel, noch hüt, wo hei be Hänn in be Luft werfen bat. — Ik schteg: „Herrgott, hei is en hoben Manu. — Wir horken nau alle, üm tau hür'n, ob hei in’t Water ober op be Deck slagen mürb, äwer ik will mi up be Stell giert heten taten, wenn wi ok nur ben ties'sten Ton hütt'n —. „Hei is in Tauwetk hangen btietoen’, tep einer; — wi störten atso rup, em tau hetpen, äwer hei was nirgenb tau seihn. Wi sahn up be Mars, toi föchten in be Satingen, wi repen em so lud, as tot tonnt’, äwer allens was üm- siib; — ik stoör’s Jng —, hei was furt; ’S was, as häbb em be Wiub wegblasen; — hei was nich in’t Water sollen un hei was nich up Deck; — wo was hei?" Totenstille folgte bieser Frage. „Ik frag, too was hei? wat was mit em gescheihn?" rief Billy. „Segg's uns", bat Welchh mit unsicherer Stimme. „Na, natürlich, mitnamen, — weghext von be Fru, be tau be Kompersant hürt hadd; — wat süs?" „Aetocr wat tonnt sei von em wulleu?" fragte Suds. „Suds, du büst en Dnmmbort, too kannst du so wat fragen ? too fall ik weiten, wat fei van em toullt? — Wat ward ut be Doben? — Ik glöto, ’t is keiner unner uns, be nich weit, bat be Kompersanten Geister sün, be nach ehren frlegen Willen jebe Gestalt annam’n künn’n. — Hew ik hoch en Mann kennt, be verswor sich hoch un bür, bat einer von besen Geistern, den en Kompersant as en Og up be Stirn lüchten beb, einmal versäukte, em von ’ner Paarbe tau stöbben, un bat hei in ben fasten Glötoen, hei ryüßt nau starben, toil bat hei gegen en Geist nicks malen tonn, anfung bat „Vabberunser" Hertauseggen, üm Gott sien arm Seel tau empfehlen. Diese Psalm was nämlich bat einzig, toat hei von so ’ne Sälen Müßt; — äwer Maats, btt het em nützt, denn be Spänk let’ em in sülwigen Ogenblik lot un verswanb." „Dunnerwetter, is bat äwer Murbsfinsternis," sagte Welchh mit einem unruhigen, ängstlichen Blick ins Takeltoerk, „ik heto nie begriepen tonn, tootau be Dunkelheit eigentlich ba is. Mi bücht för be Minschen is sei nicht erfun’n. Tau toat toteren uns be Ogen gawen, wenn toi sei be hälfe Tieb nich brüten sülln?" Aber bnnkel, wie es war, konnte ich hoch noch eine schwärzere Stelle unterscheiben, bie sich im Westen erhob. Sie war nicht zu bemerken, wenn man direkt auf sie sah, sondern nur, wenn man den Himmel rechts und links von ihr betrachtete. *) erschrecken. •*) Flügel. „Bon da wird her Sturm kommen" sagte ich, nach her Stelle hiuzeigend. „Na, denn noch en Plp Tobak, eh't lotgaht," meinte Suds, un stieg in die Luke hinab. Um Mitternacht wurde die Backbordwache abgelöst. Der dunkle Fleck im Westen hatte jetzt den ganzen Himmel überzogen, und es war leicht, diese neue Wand bewegungsloser Wolken von den höheren Schichten zu unterscheiden, die zuerst die Sterne verhüllt hatten. Der Zustand der Erwartung in dieser ägyptischen Finsternis war unangenehm, ja kaum erträglich. Es war unmöglich, in die Nacht hinein zu blicken ohne Grauen. Ein jeder empfand eine dringende Sehnsucht nach irgend einer Veränderung der totenähnlichen Stille, und ein lebhaftes Verlangen nach Erlösung von diesen entsetzlichen, schaurig- geräuschlosen Wogen, welche bie Brigg wie ein Spielzeug umherwarfen. Keiner von nnö hielt es der Mühe wert, sich auszukleiden, da wir erwarten mußten, int nächsten Augenblick auf Deck gerufen zu werden. Ich legte mich auf meine Pritsche und hatte mehr, als zu irgend einer anderen Zeit meiner Reisen, das Bewußtsein der Unsicherheit des Lebens auf See. Die Vorstellung von der Geringfügigkeit des Schiffes im Vergleich zu der Welt von Wasser, die es trug, der Anblick der Unendlichkeit des fturmbelabenen Himmels und der Gedanke an das Nichts, welches wir unter ihm bildeten, machte mich ganz kleinlaut. Ich dachte: eigentlich vollzieht sich doch an jedem Schiff ein Wunder, welches nach einer langen Reise den Hafen wieder glücklich erreicht. Denkt man an die Gewalten, die sich den Schiffen entgegenstellen, an die Tücke der Meere mit ihren Sandbänken, Strömungen und Wogen und an die Stürme, welche ihre Kraft an ihnen versuchen, so kann man nicht darüber erstaunt sein, daß viele Schiffe untergehen, sondern nur darüber, daß überhaupt welche in den Hafen zurückkehren, von dem sie ausliefen. Die Hitze war im Vorderkastell so drückend, daß ich nicht schlafen konnte. Die mit Elektrizität übersättigte Atmosphäre hatte meine Nerven erregt; ich horchte gespannt auf jeden Ton, her das Kommen des Sturmes verkünde» würde. Bald hörte ich Banyards Stimme. Tauwerk wurde auf dem Deck umher geworfen und das Groß-Bramsegl gestrichen. Kurz darauf erschallte öer Befehl, das Vormarssegel doppelt zu reffen und die Klüverfalls loszuwerfen. Die Wache hatte alle Hände voll zu thun. Plötzlich wurde die Luke von einem bläulichen Schein erhellt; nach längerer Pause folgte das Rollen des Donners; darauf ein neuer, viel hellerer Blitz. „All Mann Segel körten," schrie Banhard, unter starkem Pochen, zu uns herunter. Kaum hatte ich das Deck erreicht, als der Himmel sich von Nord bis Süd öffnete, gespalten von einem so furchtbar blendenden Blitz, daß ich unwillkürlich meine Augen mit der Hand bedeckte; ihm folgte ein betäubender Donnerschlag; es war, als ob Lurifer eine ganze Welt am Himmelszelt herunterrollte. Alle standen momentan wie gelähmt da; die Brigg erzitterte in ihren Fugen, und sogar die Dünung schien zusammengefallen zu sein von dem Krachen und dem Echo dieser entsetzlichen Entladung. Hernach begann der Regen in wenigen warmen Tropfen zu fallen, um sich gleich nach dem nächsten Blitz wie au8 geöffneten Schleusen auf uns zu ergießen. Aehnlich einer Flut schoß das Wasser über das Deck, schäumend und brausend stürzte es durch die Gaten. „Groß-Marssegel-Falls los! — Segel doppelt reffen! — Die Fock beschlagen! — Schnell, ihr Burschen, ehe der Wind kommt! — Refftalgen anlegen! — Blak an Blak! — Immer vorwärts, Kerle, — rauf mit euch, der Blitz thut euch nichts!" Dies waren die Kommandos, die der alte Windwärts 247 Mit kleinen Pausen hinein brüllte/ bei dem Rauschen des RegenS und dem Grollen des Donners verstanden wir sie kaum. Wir arbeiteten schweigend und mit fast heiliger Scheu. Wer konnte wissen, ob nicht der nächste Blitz die Masten traf und das Schiff in Brand setzte? — Das Leuchten der Blitze war uns keine Hilfe, — im Gegenteil, das grelle, blaue, nur einen Augenblick zuckende Licht blendete die Augen dermaßen, daß die Dunkelheit hinterher uns undurchdringlicher erschien als zuvor. Der über uns rollende Donner glich dem Feuer einer Mächtigen Artillerteaufstellung. Sein fürchterliches Krachen betäubte uns förmlich und verhinderte uns, die Befehle zu verstehen, welche der Kapitän und der Maat durcheinander schrien. Wo es nur Eisen gab, — an den Raanoken, an den Ankern und Ankerketten, — überall ringelte sich schlangen- gleich das elektrische Fluidum. Wir waren bis auf die Haut durchweicht und so gewaltig war der Guß, daß mittschiffs uns das Wasser bis zu den Knien reichte und manchen von uns auf den Rücken warf, wenn es beim Ueberholen des Schiffes wie ein Wafferfall über uns stürzte. (Fortsetzung folgt.) Die Laterna magica. Von Arnold Rohde. ------- (Nachdruck verboten.) Die Laterna magica, die in unserer Zeit unter dem Ramen Zauberlaterne in die Kinderstube Eingang fand, soll um das Jahr 1640 von dem gelehrten Jesuiten Athanasius Kircher erfunden sein. Einige Schriftsteller glaubten jedoch, daß die Kunst, Nebelbilder auf einer Leinwand oder Hellen Wandfläche erscheinen zu lassen, schon weit früher geübt wurde. Sie stützten sich dabei hauptsächlich auf eine Stelle der Autobiographie Benvenuto Cellint's. Der Florentiner Künstler schildert nämlich geheimnisvolle Erscheinungen, die im Kolosseum in Rom vor ihm aufstiegen, durch Zaubermittel hervorgerufene Legionen von Teufeln. In einem Gebäude von dem gewaltigen Umfange des Koloffeums hätten jedoch derartige Wirkungen zweifellos nur mit den besten optischen Apparaten und sehr intensivem Licht erzielt werden können, und solche Apparate sind Errungenschaften, von denen in der ersten Hälfte des sechzenten Jahrhunderts jedenfalls noch nicht die Rede war. Die Teufel, welche Cellini sah oder zu sehen glaubte, existierten offenbar nur in der Einbildung des Künstlers, und entsprangen zweifellos nicht der Laterna magica. Hundert Jahre später verfaßte Athanasius Kircher sein Buch über: „Die große Kunst von Licht und Schatten". Er erweist sich darin als vollständig vertraut mit den optischen Gesetzen, auf denen die Laterna magica beruht. Hätte ihm eine beffere Beleuchtung als eine Kerze oder eine rauchige Oellampe zur Verfügung gestanden, so hätte er gewiß die glänzendsten Resultate erzielt. Aber bis zum Jahre 1826 kam man über Spielereien mit mehr oder minder sinnreichen Apparaten kaum hinaus. Damals verwandte Leutnant Drummond in Irland dienstlich das sogenannte Drummond'sche Kalklicht, welches durch einen in Glühhitze versetzten Kalkkörper hervorgerufen wurde. Durch Anwendung dieses intensiven Lichts wurden außerordentliche Wirkungen erzielt. Die Laterna magica besteht aus einem allseitig geschloffenen Kasten mit einem an der Vorderseite heraustretenden Rohre, in welchem sich zwei konvexe Linsen und hinter dem gemeinsamen Brennpunkt derselben Schlitze zum Einschieben von Glasplatten befinden, auf denen die Figuren in durchsichtigen Farben gemalt sind. Der Kasten enthält die hell brennende, oben mit einem klein?« Rauchabzugsschlot versehene Lampe, deren Lichtstrahlen, durch einen Hohlspiegel zurückgeworfen, das Glasbild durchdringen und von den Linsen derart gebrochen und gekreuzt werden, daß sie von einer ebenen hellen Fläche aufgefangen, ein verkehrtes Abbild des Originals geben. Dasselbe wird um so größer, je weiter der Apparat von der Wandfläche oder dem zu diesem Zwecke aufgestellten Schirm entfernt wird. Da die Figuren jedoch in natürlicher Stellung erscheinen sollen, müssen die Glasbilder umgekehrt, also auf dem Kopf stehend eingeschoben worden. Die anfangs gemalten Glasbilder waren verhältnismäßig umfangreich und, sofern es sich um beffere künstlerische Darstellungen handelte, recht kostspielig. Die im Jahre 1840 im Polytechnischen Institut zu London verwendeten quadratischen Glasplatten von acht Zoll Seitenlänge kosteten für das Stück 400 Mark. Bald aber lernte man mit Hilfe der Photographie viel feinere Bilder zu geringerem Preise herstellen und verwandelte so das Spielzeug zu einem wertvollen wissenschaftlichen Instrument. Diese Photographien hatten in der Regel eine Größe von etwa vier Zoll Seitenlänge, wodurch auch die Laterne kleiner und handlicher ward. Entsprechende Bilder veranschauliche» Streifzüge durch jeden Winkel der Erde und jedes Gebiet der Kunst und Wissenschaft. Die Laterne besitzt einen unschätzbaren Wert für den Forschungsreisenden, da er durch sie seine Berichte klar und deutlich zu illustrieren vermag. Besonders wirksam für die Verbreitung dieser optischen Laterne war die Einführung des zur Erzeugung des Kalklichts erforderlichen Sauer- und Wasserstoffgases in kondensierter Form. Noch vor wenigen Jahren mußte der Operierende diese Gase selbst bereiten und in riesigen, keilförmigen Behältern aufspeichern. Diese wurden dem Drucke ausgesetzt und reichten für einige Stunden aus. Nun gehören sie mit dem ganzen schwerfälligen Apparate, den sie erforderten, der Vergangenheit an, und der Operierende erhält seine Gase kondensiert in leichten Stahlzhlindern, das Sauerstoffgas wird auf chemischem Wege aus der Atmosphäre gewonnen, und für den Wasserstoff liefert das zu Leuchtzwecken verwendete gewöhnliche Leuchtgas ein wirksames Substitut. Ein Zylinder, der wenig größer als eine Weinflasche ist, enthält zehn Kubikfuß Gas und die Menge genügt für mehrere Abendstunden. Das auf den Kalkzylinder einwirkende Gas versetzt denselben in Weißglühhitze und der Glanz dieses Glühkörpers wird nur von dem Bogenlicht übertroffen. Nun wächst aber die Macht der Elektrizität von Tag zu Tage und durchströmt bereits fast alle hervorragenden öffentlichen Gebäude, so daß es sehr nahe liegt, das Bogenlicht für die Laterne nutzbar zu machen. Ueberdies hat es sich für malerische Darstellungen vorteilhafter als das Kalklicht erwiesen. Es besitzt nicht allein eine bedeutend stärkere Leuchtkraft, sondern spendet auch ein klares, rein weißes Licht. Für Experimente mit farbigen Strahlen ist es unersetzlich. Nur mit seiner Hilfe vermag man die Farbenskala der Spektralanalyse auf eine weiße Fläche zu werfen. Es hat auch den Vorzug, sich leichter handhaben und regulieren zu lassen, und in der Regel liefern zwei anderen Zwecken dienende Lettungsdrähte des Hauses schon einen hinreichend kräftigen Strom. Die Laterne, die in ihrer verbesserten Form als Projektionsapparat bezeichnet wird, läßt sich nicht blos zur Vorführung von Bildern und Skizzen, sondern in gewissem Umfange auch bet Experimentalvorträgen in Hörsälen und Schulen verwenden. Sehr wertvoll ist sie nach dieser Richtung hin durch ihre Fähigkeit, das vorgeführte Bild zu vergrößern. Jeder Vortragende weiß, daß gewisse Experimente, die für das Verständnis seines Versuchs von entscheidender Wichtigkeikt sind, sich innerhalb eines kleinen Raumes bewegen. Sie können daher nur von einer einzelnen Person wahrgenommen und nicht wirksam einem größeren Auditorium vorgeführt werden. Will der Vortragende z. B. zeigen, wie man vermittelst des Magnets in ein Stück Stahl schnell Magnetismus hinüberzuleiten vermag, so bedient er stch einer Nadel, streicht mit derselben wiederholt über die Magnetfläche hin und her und zeigt dann, daß sie Eisen- spähne anzuziehen vermag. Sie hängen stch dicht an das Ende der Nadel, bis diese einem Besen ähnlich sieht. Nur die dicht am Katheder sitzenden Studenten sind imstande, das 248 Ergebnis des Experiments wahrzunehmen. Setzt man die Nadel aber vor und nach der Magnetisierung einer Beleuchtung durch die Laterne aus, so erscheint sie auf der Leinwand als kräftige Eisenstange, und das ganze Auditorium vermag nun deutlich das Anstiegen der Eisenteilchen an dieselbe zu beobachten, die natürlich als Riesenflocken zur Erscheinung kommen. Derartige Experimente werden bekanntlich auch in der Berliner „Urania" drastisch einem größeren Publikum vongeführt. Eine etwas modifizierte Form der Laterne gestattet auch, feste undurchsichtige Gegenstände an Stelle von Glasbildern auf die feste Leinwand zu projizieren. In diesem Falle wird der betreffende Gegenständ scharf von der Sichtfläche aus beleuchtet, und eine Linse wirft die farbige Silhouette auf die Fläche. Für die Vorlage mineralischer Probestücke oder kostbarer Steine in ihrer natürlichen Färbung ist dieses Verfahren unschätzbar. Ich erwähnte schon, daß man die Glasbilder verkehrt in die Laterne einschteben muß, damit sie in der Projektion ausrecht zur Erscheinung kommen. Bei festen Körpern ist aber diese Umkehrung nicht immer zu bewirken. Um die Gegenstände nun aber trotzdem in ihrer wahren Gestaltung zu zeigen, muß ein Berichngungsapparat angesügt werden. Eine besondere Form des Mikroskops, die man mit der Laterne in Verbindung bringt, ermöglicht es auch, mikroskopische Objekte, die man sonst nur dem einzelnen Auge zu zeigen vermag, einem ganzen Auditorium vorzusühren. Für natürliche mikroskopische Objekte genügt aber selbst das Bogenlicht nicht. Man bedient sich deshalb sogenannter Photo-Mikrvgraphien — photographischer Aufnahmen mit vielfacher Vergrößerung der Objekte. Die Wirkung ist über raschend. Man denke sich das Original — etwa einige Bacillen — tausendfach vergrößert, so daß wir vielleicht ein Bildchen von drei Zoll quadratlicher Größe erhalten. Dieses wird nun in fünfundsiebzigfacher Vergrößerung auf die Leinwand geworfen, so daß man eine sünfundsiebzigtausendfache Vergrößerung des Originals erhält. Ein derartiges Bild ist leicht einem größeren Auditorium vorzuführen und für die Belehrung des Publikums von großem Wert. Ein weiterer Dienst, welchen die Laterne dem Vortragenden bei wissenschaftlichen Darstellungen leistet, wird als Vertikalstellung bezeichnet. Gegenstände, die sich ihrer Natur nach in horizontaler Lage befinden, können auf dem vertikalen Schirm zur Erscheinung gebracht werden. Der Gegenstand wird auf eine Glasplatte gelegt, welche vom Licht der Laterne von unten her, vermittelst eines geeigneten Spiegels, durchstrahlt wird. Auf diese Weise, häufig auch unter Anwendung eines gläsernen Gesäßes, lasten sich auf dem Gebiete der Chemie und Physik die anziehendsten Erperimente vor einem großen Auditorium ausführen. Die Verwendung der Laterne nimmt nach dieser Richtung hin beständig zu und die meisten physikalischen und technologischen Lehrapparate sind so eingerichtet, daß sie in Verbindung mit derselben benutzt werden können. Das neueste und interessanteste Anwendungsgebiet der Laterne bildet die „lebende Photographie", zu deren Darstellung man sich bekanntlich der mannigfachsten Apparate bedient. So haben die bedeutsamen Fortschritte auf dem Gebiete der Photographie die Laterna magica erst zu höchstem Ansehen in den weitesten Volksschichten gebracht. Von welcher Bedeutung aber die lebende Photographie für die Wissenschaft ist, wird uns die Zukunst lehren. Gemeinnütziges. Aesundheitspflege. Gegen das Schielen. Dasselbe wird zuweilen auf eine einfache Weise geheilt, indem man das gesunde Auge mit einem schwarzseidenen Läppchen, das doppelt zusammengelegt und mit Bändchen am Kopfe befestigt wird, bedeckt und nur das kranke Auge ausschauen läßt. Es liegen Fälle vor, wo schon nach zehn bis vierzehn Tagen bei Anwendung dieses einfachen Mittels das Schielen beseitigt war. Mr die Küche. Griesklotz. ‘/4 Liter Gries wird in 1 Liter Milche welche siedend gemacht ist, eingerührt, einmal darin ausgekocht, in eine Schüssel gethan und bis zum Erkalten zugedeckt stehen gelüsten. Nun werden fünf Semmel in Würfel geschnitten, gelb geröstet und mit fünf Eiern und dem nötigen Salz mit dem eingekochten Gries vermischt, ein großer Kloß daraus geformt, in eine mit Butter bestrichene Serviette gefüllt, zugebunden und eine Stunde in Salzwasser gekocht. Reisspeise. V2 Pfund Reis wird gewaschen, mit siedender Milch, einem Stückchen Vanille und Zucker weich gekocht, in eine Porzellanform gebracht, am Rande ringsherum mit Arac beträufelt, zwei Eiweiß zu Schnee geschlagen, mit Zucker vermischt, der süße Schnee auf den Reis gestrichen, in der Röhre aufgezogen, bis die Speise oben eine hellgelbe Farbe hat und dann sofort zu Tisch gegeben. Litterarisehes. UnfereFrauenwelt braucht sich heute wahrlich nicht mehr Über Unselbständigkeit zu beklagen. Jetzt bekommt sie sogar ein eigenes Konversations - Lexikon! Aus unferm Redaktionstisch liegt ein grünes Heft, das den bedeutungsvollen Anfang dieses Hutdigungsaktes für die edle Weiblichkeit darstellt. Auf 1600 Seiten wirb das . Illustrierte «onversatious-Lexikou der Frau" (Verlag von Julius Becker in Berlin) in ca. 5000 Orginalartikeln alles enthalten, was für die Frau in den verschiedensten Stellungen und Lebenslagen wissenswert ist. Friedlich wird das neue Lexikon eine Brücke Herstellen zwischen der Emanzipierten, die mit glühender Begeisterung für die Gleichberechtigung ihres Geschlechts eintritt, und der Hausfrau, deren Hauptsorge auf das Wohlergehen und die Behaglichkeit ihrer Familie gerichtet ist. Die Mitarbeiterliste, die der ersten Lieferung beigegeben ist, enthält die Namen vieler angesehenster Fachleute, die in den verschiedenen Abteilungen ge- wetteifert haben, um das reiche Material zusammenzutragen. Die gute Hausmutter oder Haustochter wird, wie wir aus der Einteilung ersehen, für alle Fragen der Küche und Wirtschaft, für alle Bedenken des gesellschaftlichen Taktes und der Erziehung hier einen zuverlässigen und stets hilfsbereiten Berater haben. Die Frau, die dem Berufsleben Interesse entgegen Bringt, kann sich mühelos über die „Aerztinnenfrage" unterrichten oder über die Statistik der Frauenarbeit, die Arbeiterinnenschutz- gefetzgebung, und so fort in fast endloser, Bunter Folge, wobei neben den deutschen auch den bsterreichifchen und schweizerischen Zuständen eingehende Beachtung geschenkt wird. In der medizinischen Abteilung findet sich eine unzählige Menge von Artikeln, die in einer Form, die durchaus jedem verständlich ist, über die verschiedenen Krankheiten belehrt, unv in denen die Aerzte ober Aerztinnen, bie ihre Verfasser sinb, wertvolle Ratschläge geben, wie man z. B. eine leichte Erkrankung behanbeln muß, woran man bie ber Gesunbheit nahenbe Gefahr erkennt u. f. w. Sehr beifällig muß von praktischen Menschen ber juristische Teil ausgenommen werben. Denn hier ist es wahrlich Not, baß ben Frauen ein Begriff von ben herrschenben Grunbsätzen gegeben wirb. Aber wer wollte bei biefem überaus reichhaltigen Werke alle Einzelheiten aufzählen?! Wir wollen uns barauf beschränken, zu sagen, baß biefes Werk wirklich ein überaus wertvolles, ja fast unentbehrliches Nachschlagebuch ist. Die verschiebenen Stoffe sinb genau wie in jebem anderen Lexikon alphabetisch geordnet, und so ist es denn leicht, sich in den vielen Fragen, die an die Frau herantreten, sofort zu unterrichten. Ganz vorzüglich find die Illustrationen ausgewählt. Neben den vielen Textbildern finden sich zahlreiche bunte und schwarze Tafeln, die in hohem Grade anschaulich sind. Wir sehen eine Darstellung der „verbesserten Frauenkleidung", die in 15 Abbildungen die einzelnen Teile klar erkennen läßt. Eine andere Tafel wieder zeigt ben menschlichen Munb unb Hals, sowohl in gefunbem, wie in krankem Zustanbe, unb beutlich lassen sich hier bie Anzeichen ber Manbelentzünbung unb Diphteritis beobachten. Ist die Absicht, ein solches Werk zu schaffen, an sich schon erfreulich, so fordert die Art und Weise der Durchführung dieser schwierigen Ausgabe das höchste Lob heraus. So wie es schon heute kaum ein begütertes Haus giebt, in dem nicht ein großes Konversations - Lexikon zu finden ist, so wird es sehr bald auch keine wohlhabende und keine Familie des Mittelstandes mehr geben, in der das „Illustrierte Konversations-Lexikon der Frau" fehlte. Der wohlfeile Preis, den die Verlagsbuchhandlung gestellt hat, ermöglicht jedermann die Anschaffung dieses geradezu epochemachenden Werkes. Redaktion: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.