Sonntag den 2. April. -LL>. D I »k ■bysw^ÄMi Zum Osterfeste 1899. ------- (Nachdruck verboten.) Frisch auf, der Frühling ist erwacht, Laßt alle Wintersorgen weichen! Vom Firmament die Sonne lacht Und schmückt die Welt mit Heroldszeichen: Goldgelbe Primeln, violette Lenzveilchen blühn schon allerwärts! Nun mit den Lerchen um die Wette Frohlocke leiderfülltes Herz! . . . Lausch' auf der Finken lust'gen Sang, Die frisch am alten Neste zimmern! Sieh, wie am grünen Uferhang Der Weiden Silberkätzchen schimmern! . . . Und spürst Du, wie es durch die Felder Und Auen heimlich flüsternd bebt? Das ist die Lenzkraft, die um Wälder Und Fluren heute segnend webtl Sie weiht den Saft, der aufwärts dringt In alten Stämmen, jungen Stengeln! Sie sorgt, daß jede Knospe springt Und Winden sich und Reben schlängeln! Sie rieselt auch durch Deine Glieder Und führt aus böser Zweifel Haft Manch irrend Herz zum Lichte wieder, Zu Gott empor — als Oster kraft! . . . Die Botschaft klingt von Pol zu Pol, Wie Heilandsliebe überwunden Den bittern Tod einst! Als Symbol Will Dir's der deutsche Lenz bekunden! Mit seinen Wundern Dich zu trösten, Zieht ein er um die Osterzeit: Auch Du gehörst zu den Erlösten, Wenn sich Dein Herz der Liebe weiht! Noch herrscht die Selbstsucht, sprüht der Haß- Nur langsam, langsam will stch's lichten - So hilf auch Du ohn' Unterlaß Den Hader auf der Erde schlichten, Bis einst in sel'gen Frühlingstagen Durch reinster Liebe Lenzgewalt Sich alle Menschen froh vertragen ! . . . O Völkerostern, dämm're bald! . . . Alwin Römer. (Nachdruck verboten.) Die kleine Lulu. Seeroman von Clark Russell. Erstes Kapitel. Mein Willkommen zu Hause. Es war Juni, als ich nach einer Abwesenheit von zwei Jahren und vier Monaten in die Heimat zurückkehrte. — Als vierter Maat, mit einem Monatseinkommen von einem Pfund, hatte ich zwanzig Pfund erhoben. Mit dieser Summe in der Tasche fühlte ich mich nach Art der Seeleute nicht wenig stolz. Freilich mußte ich einen Teil davon sogleich für Kleidung ausgeben, denn mein Anzug, in welchem ich das Schiff in den Docks verließ, war mehr malerisch als anständig. Er bestand aus einem paar Hosen, die mit Flicken von verschiedener Farbe besetzt waren, keiner Weste, einer alten Lotsenjacke, zwei; nicht zusammengehörigen Schuhen und einem alten Filzhut, den ich mit einem Bootshaken aus dem Wasser gefischt hatte, als wir auf der Höhe von Hongkong lagen. — Die Sache hatte ihren Grund in dem Umstand, daß, als ich mich für die Reise ausgestattet hatte, ich auf keine längere Fahrt als bis Madras und wieder zurück rechnete. Bei unserer Ankunft daselbst wurde das Schiff aber als Frachtschiff geheuert, und elf gesegnete Monate lagen wir in der Bai von Petschili vor Anker, unter schwerer, oft recht schmutziger Arbeit. — Kleidungsstücke waren weder für Geld noch gute Worte zu haben, nicht einmal ein Chinesen-Kittel- denn diese Schelme hatten nichts anderes zu verkaufen, als Geflügel und Eier. So nützte sich mit der Zeit Stück für Stück meiner spärliHen Ausrüstung ab, bis ich nichts mehr besaß, als einen alten Rock, ein paar vollständig zerlumpte Hosen, das Vorderteil und die Aermel eines Hemdes und einen Südwester. Mir blieb schließlich nichts übrig, als die Stücke, deren ich durchaus bedurfte, für einen hohen Preis an Rum, Tabak, meine silberne Uhr, zwei gute Pfeifen und vier Pfund baren Geldes von der Mannschaft zu erhandeln. — Jetzt, — mit zwanzig Pfund in meinem Vermögen hatte es indes keine Schwierigkeit gehabt, mich in London mit einem so schönen Anzug zu versehen, daß ich getrost in ihm hätte Hochzeit machen können. Außerdem hatte ich noch einige andere ansehnliche Einkäufe gemacht und in meine Kiste verstaut, und zwei Tage nach Ankunft des Schiffes fuhr ich nach meiner Heimat, d. h. nach Bayport, unter 186 welchem Namen ich einen kleinen, blühenden Seehafen der Südküste verberge. — Achtundzwanzig Monate hindurch hatte ich nichts wie Himmel und Wasser, und ab und zu in der Ferne einmal einen Uferrand gesehen. Diese Einförmigkeit war nur hin und wieder unterbrochen worden durch das Anlegen an einer Tropenstadt, wo wir dann während der Glühhitze des Tages Ladung einnahmen, die Nacht hindurch aber, nach Aankee- Brauch, in einer Schenke schwelgten. — Nach solchem Leben war der Anblick der reichen englischen Landschaft, der herrlichen Felder nnd Wiesen, des wogenden Getreides und der gebräunten, auf ihre Gabeln und Sensen gestützten Arbeiter, ein Labsal für das Auge. Man kann sich nicht satt sehen an so viel unvergessener und doch neuer Schönheit. Ich lehnte mich so lange aus dem Wagenfenster, bis Ruß und Staub in meinen Augen mich beinahe nichts mehr sehen ließen. Gott weiß, welch liebe Erinnerungen die heimatliche Landschaft in mir erweckte. Es tauchten in mir Gedanken auf an meine Mutter, die schon seit zehn Jahren tot war, an meine Schulzeit, die Bücher, welche ich damals las, und an meine knabenhaften Hoffnungen und Bestrebungen; — tausend freundliche Bilder schimmerten mir aus der Vergangenheit herüber wie blaue Blicke aus wolkenbedecktem Himmel. — Seit der letzten Nachricht von meinem Vater waren fünfzehn Monate vergangen, aber ich hatte nie daran gedacht, daß in einem solchen Zeitraum viel geschehen kann, um das Leben eines Menschen in andere Bahnen zu lenken, sein Glück zu zerstören, seinen Charakter zu ändern, ihn Plötzlich ostwärts zu werfen, nachdem er bis dahin immer westwärts steuerte. Junge Seeleute beschweren sich nicht oft den Kopf mit Grübeleien dieser Art. — Es war Abend, als der Zug Bayport erreichte. Die untergehende Sonne schien von der Seite auf die roten Dächer der Stadt und die grauen Mauern des Kirchturms - ihre letzten Strahlen machten die Wetterhähne auf den Häusern wie Gold erglänzen und beleuchteten die beiden Hügel, auf deren einem des Küstenwächters Haus stand und zwischen welchen in tief dunklem Blau der Spiegel der See lag. Ich hatte meinem Vater von den Docks aus geschrieben, daß das Schiff angelangt wäre und wann er mich erwarten könne. Als ich den Zug verließ, sah ich mich daher auf dem Perron um, ob der alte Mann gekommen sei, mich zu empfangen und zu bewillkommnen. Es war jedoch niemand da, den ich kannte. Ich nahm mir deshalb einen starken Burschen zum Tragen meiner Seekiste und ging von der Station die bekannte Straße entlang, an deren Ende das Haus meines Vaters lag. Die Sonne war jetzt untergegangen und Dämmerung lag auf den Häusern der engen Straße. Ich begegnete vielen Menschen: — Leuten von den kleinen Küsten - Fahr-- zeugen, die mit ihren Mädchen scherzten, Dienstboten, die Besorgungen machten, und Seeleuten von den im Hafen liegenden Schiffen, welche an den Schaufenstern t>es Pastetenbäckers und des Juweliers standen und laut schwatzten. Gefolgt von meinem Gepäckträger erreichte ich das alte Haus und drückte auf die Thürklinke, wie ich es soviel hundertmal in vergangenen Tagen gethan hatte. Ich ließ meine Kiste auf den Hausflur stellen und blieb dann horchend stehen, in der Erwartung, meines Vaters Stimme zu vernehmen und ihn mir entgegenstürzen zu sehen. Indessen alles blieb totenstill und mir wurde unbehaglich. Ich sagte mir: „Ja, der Alte hat die Bude verlassen, und du bist hier ein Eindringling in eines anderen Mannes Reich, — besser, du machst die Thüre wieder von draußen zu und hältst erst Nachfrage." Als ich aber meine schwere Kiste stehen sah, entschloß ich mich doch wieder anders. — „Was kann es schaden," dachte ich, „du versuchst es erst hier, — irgendwo wird doch wohl ein dienstbarer Geist sein." — Ich hustete, aber das nutzte nichts. — „Ach, — was wirst du hier lange fackeln," brummte ich vor mich hin und stieß die Wohnzimmerthür auf. — Der erste Blick überzeugte mich sofort, daß mein Vater hier doch noch leben mußte; — du lieber Gott, wie heimelte es mich an: — da standen ja die alten, mir vertrauten Möbel, — da hing die altmodische Uhr mit dem silbernen Zifferblatt und lautem Tik-tack, — dort der ovale Spiegel über dem Kamin, — das Modell des Schooners, — das Bild meines Vaters und das — nein — das Bild meiner Mutter nicht- — das war fort. — An seiner Stelle hing in einem Rahmen eine ganz erbärmliche Stickerei, die Auffindung Moses darstellend. Ich kehrte auf den Flur zurück und rief, so laut ich konnte: „Schiff ahoy!" — Auf diesen Ruf hörte ich oben eine weibliche Stimme aufkreischen und schreien: „Herr Gott, wer is denn da, — was wollt Ihr hier? — packt Euch, — Ihr habt hier nichts zu suchen!" — „Na, beruhigen Sie sich und kommen Sie herunter," entgegnete ich und ging verstimmt in das Wohnzimmer zurück, wo ich mir ein Glas Sherry aus einer auf dem Büffet stehenden Flasche eingoß, um mich über diesen unangenehmen Empfang zu trösten. Es war wahrhaftig zu arg, in dieser Weise nach einer so langen Abwesenheit begrüßt zu werden. — Wo war mein Vater? Hatte er meinen Brief nicht erhalten? — Nicht einmal eine Taffe Thee war für mich vorbereitet- — das hatte ich mir, weiß Gott, anders gedacht. — Meine Vorstellung von einem herzlichen Händedruck, einem guten Abendbrot mit einem heiteren, langen Geplauder und danach einem guten Bett, schien gründlich ins Wasser gefallen. Statt all dessen dieser Empfang von der widerwärtigen Stimme da oben, und dieses ausgestorbene Zimmer. — Meine Kiste barg ein gut Teil prima Honigtau (Kautabak), eine chinesische Börse und noch verschiedene andere Kleinigkeiten für den alten Mann. Ich hatte ihn nicht vergeffen- und dafür nun diese Vernachlässigung meiner Person! Wahrhaftig, mir war, als hätte mir jemand einen Eimer kalten Wassers über den Kopf gegossen. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Die Armenhausprinzesfin. Roman von O. Elster. (Fortsetzung.) XV. „Winterstürme wichen dem Wonnemond." Aber ehe der Wonnemond mit seinem blauen Himmel, seinen linden Lüften, seinem Sonnenschein und seinen Blüten und Blättern in das stille Thal von Benneckenstein etnzog, mußte er einen gar harten Kampf mit dem Winter bestehen, der aus den Schlupfwinkeln des Gebirges hervorblies und Schnee und Eis, Regen und Sturm in das Thal htneinsandte. Bis in den April hinein bedeckte der Schnee die Berge, aber dann sandle der Lenz stürmischen Südwestwind und warme Regengüsse, die in wenigen Tagen die Schnee- und Etsburgen des Winters zerstörten, daß sie als Wasserfluten die Berge hinabstürzten und die Ströme und Bäche füllten und die Thäler überschwemmten. Das harmlose Bächlein, welches die Niederung Benneckensteins durchströmte, wurde zu einem reißenden Strom und wälzte seine gelben Fluten verderbenbringend über die Gärten, die Felder und Wiesen. Das Thal glich einem stürmisch bewegten, schmutzig- gelben See, auf dessen vom Südwestwind gepeitschten Wogen die Trümmer eingestürzter Häuser, die Zäune der verwüsteten Gärten, fortgeriffene Brücken, Hausrat aller Art, Baumstämme und die Leichname ertrunkener Haustiere umher- trieben. Die niedrig gelegenen Straßen des Städtchens standen unter Waffer- bis in das erste Stockwerk der Häuser drang die lehmige, gelbe Flut- weniger widerstandsfähige 187 „Betrifft Sie Klara?" fragte Elfte mit leichter Schelmerei. Paul errötete. „Daß Sie mich auch stets necken milff en!" Sie ergriff seine Hand und blickte ihn ernst an. „Hab ich es damals in der Shlvesternacht nicht recht gemacht, Paul?" fragte sie weich. Er blickte zur Seite in augenscheinlicher Verlegenheit. „Sie dürfen es mir, ohne Furcht, mich zu verletzen, sagen, Paul," fuhr Elsie lächelnd fort. „Ich freue mich Ihres Glückes und Ihrer Liebe." „Weiß ich denn, ob Klara mich liebt?" „Ja, Sie Ungläubiger, Sie Zweifler, sie liebt Sie!" „Elsie?!" „Noch eben hat sie es mir gestanden und entfloh, als Sie kamen, weil sie sich fürchtete, Ihnen ihre Liebe zu verraten. Soll ich Klara jetzt rufen?" Er ergriff ihre Hände und drückte sie an die Lippen. „Elsie, Elsie, Sie edelstes, großherzigstes Wesen!" „Nicht doch, Paul — gehen Sie hinein zu Klara." Paul wollte davon eilen, doch plötzlich blieb er aufatmend stehen. „Was die Liebe doch egoistisch macht," sagte er mit einem glücklichen Lachen. „Ueber mein eigenes Glück vergesse ich das Unglück anderer. Lassen Sie mich zuerst meinen Auftrag an Sie ausrichten, Elfte." Häuser wurden unterhöhlt und stürzen krachend in die auf- I spritzenden Wellen, die stch gurgelnd, brausend und zischend über dem Hab und Gut hunderter von armen, hilflosen Menschenkindern schlossen. Jammergeschrei, Hilferufen, Weinen und Wehklagen überall. Die höher gelegenen Häuser waren angefüllt mit den obdachlosen Armen,- der Klosterkamp-Hof, das Rektorhaus, Elftes Landhäuschen, das Schulhaus, die Kirche selbst nahmen die Unglücklichen auf, die in der stürmisch hereinbrechenden Flut ihr ärmliches Heim, ihr Hab und Gut verloren hatten, und dem Himmel noch danken mußten, daß fie das nackte Leben gerettet hatten. Und über all der Verwüstung lachte der blaue Frühltngs- himmel, glänzte die goldene APrtlsonne, jubilierten die Vöglein in den aufknospenden Bäumen des Waldes. Elsie stand mit Klara von Hennersdorff auf der Veranda ihres Hauses und blickte mit ernsten Augen auf die allmählich verlaufenden Fluten, auf die aus dem Waffer nach und nach auftauchenden grünen Inseln der Felder und Wiesen, auf denen bereits wieder emsige, fleißige Hände thätig waren, den Schlamm fortzuräumen, den Schutt zu beseitigen und neue Saat zu säen. „Ein Bild des menschlichen Lebens,* sprach fie leise und gedankenvoll. .Der Frühling des Lebens bricht nur allzu oft so stürmisch und leidenschaftlich herein, wie hier der Frühling der Natur und vernichtet mit schonungsloser Hand i sprechen Sie" die aufkeimenden Blüten. Aber wie die allgütige Natur " *e etn Komitee gebildet, um die tausend Mittel und Wege kennt, die Wunden, die sie ge- I burd) b-e Überschwemmung Geschädigten zu unterstütze», schlagen, zu heilen, wie ihr Vernichten nur den Grund leg Schaden ist größer, als es anfangs den Anschein hatte, zu stärkerem, reicherem Wachstum, so auch der Früh^ös' ! ^ie Ländereien, die Gärten, die Wiesen sind durch das sturm im menschlichen Leben, wenn er ein starkes Herz trifft, I verdorben und teils mit Schlamm bedeckt. Viele das den nie zu vernichtenden Keim des Werdens, des derartig beschädigt, daß sie abgerissen werden Schaffens, des Wachsens in sich trägt Man glaubt zu ver- Jg« ' Wohl hundert' Familien stehen am Rande des zweifeln, man glaubt vernichtet zu sein für unmer. Doch I wenn ihnen nicht mit einer größeren Summe Geldes siehe, da erscheint etn neuer Keim und wachst und gee h. I e^0^en wird. Sammlungen sind bereits eingeleitet, der Aus der Tiefe des Waffers steigt eine grünende, blühende I t>ie Regierung haben größere Summen bewilligt, Oase empor, die verderbliche Flut hat ihr Kraft in reichem I Qber to-r ^fen trotzdem nicht mit unseren Bemühungen Maße zugeführt und hundertfältige Frucht ersteht aus der tM[affen- ^a hat nun das Komitee für die nächste Zeit Vernichtung unserer ersten Frühlingshoffnung. cin grö6ere§ Wohlthätigkeitsfest geplant, dessen Ertrag den Klara schmiegte sich an die ernste Freundin. „Nur ein Geschädigten überwiesen werden soll. Das Fest soll aus großer, edler Charakter, wie Du, meine Elsie," sagte sie, I einem Konzert bestehen,- mehrere Gesangvereine haben ihre bewundernd zu ihrer Lehrerin und Freundin aufblickend, I Mitwirkung bereits zugesagt, es fehlt uns jedoch noch an „überwindet die Vernichtung und steht stolzer, und kräftiger I Solisten, und da soll ich Sie nun bitten, Elsie, uns zu da, als früher. Ich würde zu schwach sein, um einen I tetjen und in dem Konzert einige Lieder vorzutragen." solchen Kampf zu kämpfen, ich würde erliegen und unter- „Ich bin in diesem Winter sehr viel aufgetreten, ich gehen." , I fühle mich etwas angegriffen," entgegnete Elsie abwehrend. Sanft lächelnd drückte Elsie die Freundin an sich. I „Oo(jj »ein," lenkte sie rasch ein, „wo es gilt, Hilfe zu „Auch Du würdest siegen, wenn Dein Herz von einem I (efj-tenz mu§ jedes kleine Bedenken verschwinden. Ich großen, erhabenen Gefühl ausgefüllt, wenn Dein Leben I s^lle mich Ihrem Komitee zur Verfügung, Paul." von einer großen, erhabenen Empfindung beherrscht würde. I ,,Jch wußte es im voraus, die Not appelliert nicht ver- Ein heißes Erröten flammte in den Wangen Klaras I gebens an Ihr Herz. Ich danke Ihnen, Elsie." empor. Sie barg ihr Antlitz an Elftes Herz." I „Ich thue nur meine Pflicht, Paul. — Aber nun „Ich verstehe Dich, mein Liebling," sprach Elsie leise. I kommen Sie rasch und erlösen Sie Klara aus ihrer bangen „Du glaubst, dieses Gefühl in Deinem Herzen zu tragen, I Erwartung.* weil Du liebst!" | „Sie sind ein Engel, Elsie!" „Ach, Elsie!" | Er küßte ihr in aufwallender Dankbarkeit die Hand „Sieh, da kommt er, dem jetzt alle Deine Gedanken I und eilte in das Haus. Ein leiser Schrei ertönte aus dem gelten!" I Innern, dann ward es still und Elsie kehrte lächelnd auf Klara fuhr empor. Ein glückliches Erschrecken huschte I die Veranda zurück. über ihr errötendes Gesichtchen, als sie Paul Ahrens durch I Sie versank in Nachdenken. Hatte sie recht gehandelt, den Garten kommen sah. Dann floh sie in das Innere des I der Aufforderung des Komitees nachzugeben? Hauses in bräutlicher Scham. I (Fortsetzung folgt.) Elsie ging mit einem leichten, sanften Lächeln auf dem I ____________ ruhigen Antlitz dem jungen Arzt entgegen, der mit etwas I enttäuschtem Blick nach der Entflohenen suchte. Auferstanden. , "I« Z-E° 6™er8b“ff "t6t" -m- L r.nn. S‘ e^‘”ek war auch hk-, Paul. W-u» SI- fie sprechen I Wiro« •■»•««•> wollen?" I Es war ein herrlicher Ostersonntag. Strahlender, goldener „Nein, nicht jetzt. — Ich komme mit einem Auftrage, Sonnenschein übergoß die Erde. Der Himmel hatte sein mit einer Bitte an Sie, Elsie?" ' schönstes blaues Kleid angelegt, und die Erde hatte stch mit 188 frischem Grün, mit Gänseblümchen und Schlüsselblumen geschmückt. Ein echter, rechter Auferstehungstag! Auf dem Wege, der vom Städtchen L. nach dem nahe gelegenen Wald führte, schritt ein ernster Mann dahin. Es war der Doktor der Medizin Hans Seiler. Seit langer Abwesenheit war er gestern abend in seinem Heimatstädtchen eingetroffen, um hier wieder einmal Ostern zu verleben. Gedankenvoll den Kopf auf die Brust geneigt, verfolgte der Doktor seinen Weg. Von der ihn umgebenden Pracht, von dem Sonnenglanz, von dem Grünen und Blühen um ihn her sah er nichts. Er dachte eines andern Ostermorgens vor sieben Jahren. — — — — Damals war er ein frischer, flotter Bursch gewesen, dem die bunte Studentevmütze keck auf den Locken saß. Damals hatte ihm die Sonne nicht hell genug scheinen, hatten ihm die Vögel nicht laut genug singen können. Mit seinen sonnigen, braunen Augen hatte er in die Welt geblickt und mit kräftiger, frischer Stimme das Studentenlied gesungen: „Das Lieben bringt groß' Freud!" Und mit beflügelten Schritten hatte er denselben Weg wie heute zurückgelegt. Kein Wunder, daß er so glücklich war. Hatte ihn doch auf der Bank am Waldesrande ein herziges Menschenkind erwartet, blauäugig, blondhaarig, — sein Lieb. Hatten sie sich doch vor sieben Jahren am Ostermorgen auf jener Bank Treue gelobt, Treue für's Leben. Und dann waren sie heimgegangen, und die Eltern hatten dem jungen Paare ihren Segen gegeben. Eine selige, glückliche Zeit war ge kommen. — Dann endlich war Hans Seiler wieder nach Jena zurückgekehrt, um seine Studien zu beendigen. Mit welcher Schaffenslust ging er freudig an die Arbeit! Hatte er doch ein herrliches Ziel vor Augen. Sah er doch im Geiste schon ein blauäugiges, blondes Weib, im rebenumrankten Doktorhause an seiner Seite schalten und walten. Doch da, in seine schönsten Glücksträume hinein, kam plötzlich die Nachricht von ihrem Tode. Es war eine Scharlachepidemie in L. ausgebrochen, der sie erlegen war. Ihre Geschwister, bei deren treuer Pflege sie sich angesteckt, waren alle genesen, nur sie hatte der Krankheit erliegen müssen. Das war ein schwerer Schlag für Hans Seiler gewesen. Erst war er in verzweifelte Klagen um sein totes Glück ausgebrochen, dann war dumpfe, starre Lethargie über ihn gekommen. Der Wissenschaft hatte er sich in die Arme geworfen, mit Glanz seine Examina bestanden, ein stiller, ernster Mann war er geworden. Ruhelos war er umhergeirrt, fremde Länder hatte er bereist, aber Vergeffenheit hatte er nirgends gefunden. Die alte Wunde schmerzte heute noch geradeso sehr wie damals. Zwar waren ihm viel schöne Frauen genaht, schwarzlockige Spanierinnen, glutäugige Italienerinnen, von denen ihn gar manche gerne getröstet hätte, er aber war alle dem gegenüber kalt geblieben. Sein Lieb war tot und er fühlte, er wußte es, daß sein Herz nicht fähig sein würde, eine andere zu lieben. Mit ihrem süßen Gesichtchen, mit ihren unschuldigen Augensternen hielt doch keine den Vergleich aus. In aller Herren Länder war er gewesen, ohne Ruhe zu finden. Da hatte den großen, starken Mann auf einmal das Heimweh gepackt. Er hatte sich danach gesehnt, den Ort, all die Plätzchen wiederzusehen, wo er einst so glücklich gewesen. So war er in sein Heimatstädtchen gekommen.-- In tiefe Gedanken versunken war der Doktor weiter geschritten. Er war jener Bank am Waldessaum, dem Ziel seiner Wanderung, immer näher gekommen, ohne zu bemerken, daß dieselbe schon besetzt war. Jetzt hob er den Blick. „Marie!" unwillkürlich war dem Doktor dies Wort entflohen, während ein verklärtes Lächeln sein Gesicht verschönte. „Nicht Marie, sondern Martha Wellberg" tönte eine jugendfrische, klare Stimme zurück, und ein junges Mädchen mit lieben, blauen Augen und goldigglänzendem Haar erhob sich von der Bank. „Seien Sie mir herzlich gegrüßt, Herr Doktor Seiler", fuhr die junge Dame fort, dem Doktor beide Hände entgegenstreckend. „Man hat mir gesagt, daß Sie seit gestern wieder hier in Ihrem Heimatstädtchen weilen, und da ich wußte, daß Ihr erster Gang heute am Ostermorgen zu dieser Bank sein würde, an die sich für Sie die teuersten Erinnerungen knüpfen, bin ich hierhergekommen. Ich habe gedacht, daß es Ihnen wohl thut, daß es Ihr Herz erleichtern würde, wenn Sie mit jemand von Marie reden könnten". Hans Seiler schaute noch immer mit weitgeöffneten Augen in das liebliche Gesichtchen der Sprecherin. Das also war die Schwester seiner verstorbenen Braut! Wie sich das damals kaum zwölfjährige Mädchen verändert hatte. Es war ja das treue Abbild seines seligen Lieb geworden- das waren dieselben Haare, dieselben Augen, die gleiche Herzensgüte und Reinheit, die aus ihrem Blick gestrahlt. Ein wunderbares Gefühl durchzog ihn, ein Gefühl, das er schon lange nicht mehr empfunden, — die Ahnung eines künftigen Glückes. Doch dann hatte er sich gewaltsam gefaßt und neben ihr Platz genommen und sie hatten von einstmals geredet. Wie sanft sie ihn getröstet und wie teilnehmend sie ihn angeblickt hatte. Dem Doktor wurde es so warm ums Herz, so wohl und weit. Ein lang entbehrtes Glücksgesühl durchflutete ihn. Er sah auf einmal wieder, wie herrlich die Natur, wie blau der Himmel, wie es grünte und blühte heute am Osterfeste, am Auferstehungstage des Herrn. In seinem Herzen war die Hoffnung eingekehrt, der tote Glaube an ein Glück war auferstanden. Wieder war es Ostern. Wieder blaute der Himmel, strahlte die Sonne, duftete und blühte eS. An einem frtschgeschmückten Grabe stand ein junges Paar. — Wartha und Hans Seiler. Vor ein paar Stunden hatte sie der Geistliche fürs Leben verbunden, und jetzt waren sie gekommen, um Abschied zu nehmen von dem so teuren Grabe, ehe sie hinauszogen ins fremde Heim. Der Doktor hatte ein stilles Gebet gesprochen. „Martha!" sagte er, die Hand seines jungen Weibes faffend, „laß uns auch in den glücklichsten Tagen nie diejenige vergeffen, die hier unter dem Rasen ruht. Die Liebe zu ihr hat mich vor mancher Klippe bewahrt, sie ist's auch, die mir ein Glück an Deiner Seite, an der Seite ihres Abbildes wiedergegeben". Statt aller Antwort schaute ihm sein Weib voll und ernst ins Antlitz, schweigend ihm alles gelobend. Die Sonne ging unter. Ihre letzten Strahlen vergoldeten die Häupter des jungen Paares. Bon der nahen Kirche läutete es zum Abendgottesdienst. Weihevoll tönten die Klänge durch die Luft. „Auferstanden ! auferstanden!" verkündeten sie jubelnd. In Seilers Herzen aber klang es innig nach: „Meine Liebe, mein Glück, auch sie find auf erstand en!" Huiirsvistisches. Humor des Auslandes. Stilblüten. Ihre Hand war kalt wie die einer Schlange. Die Komtesse war im Begriff zu antworten, als eine Thür sich öffnete und ihr den Mund verschloß. Der Oberst promenierte gemütlich hin und her, die Hände auf dem Rücken, und las ein Journal. Das Antlitz des Negers wurde vor Schreck plötzlich kreideweiß. Oft mühte er sich ganze Tage, seine eigene Handschrift nachzuahmen. (Jugend.) Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruck»« (Pietsch Erben) in Ließen.