irr iM Oiö Xjhv ifÄHilM WI W ■ run* 'enn eines Menschen Seele du gewonnen, Unb in fein Herz hast tief hineingeschaut, Und ihn befunden einen klaren Bronnen, In dessen reiner Fluth der Himmel blaut: Laß deine Zuversicht dann nichts dir rauben Und trage lieber der Enttäuschung Schmerz, Als daß du grundlos ihm entziehst den Glauben — Kein größer Glück, als ein vertrauend Herz! Laß adlermuthig deine Liebe schweifen Bis dicht an die Unmöglichkeit hinan: Kannst du des Freundes Thun nicht mehr begreifen, So fängt der Freundschaft frommer Glaube an. Felix Dahn. Nicht Schuldig. Roman von Harry Rockwood. ------- fNachdruck verboten.) I. Ungleiche Brüder. „John macht wieder einmal ein entsetzlich saures Gesicht!" Diese Worte wurden von einer klangreichen Stimme mit einem Anflug von Muthwillen gesprochen, der auf eine sorglose heitere Natur schließen ließ. Der Sprecher war Richard Brent, welcher eben durch den Thorweg eines langen, geräumigen Farmhauses schritt und dabei die Gesichter der Insassen desselben der Reihe nach betrachtete. Frau Brent, eine gutmüthig aussehende Frau von etwa fünfundvierzig Jahren, war damit beschäftigt, den viereckigen Theetisch zu decken. Sie begegnete dem Blick ihres Sohnes mit einem stillen Lächeln. Richard, ihr Jüngster, war ja ihr Liebling, — das war unverkennbar, obgleich sonst gewöhnlich Mütter nicht so geneigt sind, einen Liebling zu wählen und zu begünstigen als Väter. Ihr Mann, ein rauher Farmer von ernstem, aber nicht unfreundlichem Aussehen, stand am Fenster und betrachtete den Sonnen-Untergang über der friedlichen Landschaft. Ein Schatten von Mißfallen flog über sein Gesicht und bewies, daß die Bemerkung seines Jüngsten nicht seinen Beifall hatte. Er wußte, was darauf folgen würde, Zank und Wortwechsel waren ihm aber verhaßt. Die vierte und letzte Person in dem altmodischen ; Wohnzimmer war John, der ältere Sohn, — Richards Bruder. : John Brent hatte einen intelligenten Gesichtsausdruck, l In seinem Aeußeren lagen Willenskraft und Characterstärke.' ! Er war mittelgroß und kräftig gebaut. Seine Bewegungen : waren bedächtig. Sein glattes, schwarzes Haar, die scharfen j dunkeln Augen, welche von dichten, häufig zusammengezogenen | Augenbrauen beschattet waren, verliehen ihm ein finsteres l Aussehen. Es war leicht zu erkennen, daß die Brüder in ihrer s Gemüthsart ebenso verschieden waren, als in ihrer äußeren Erscheinung. Denn in bitterem Gegensatz zu Richards sorglosem, frohsinnigen Wesen war John mürrisch, empfindlich, und wenn er ernstlich gereizt wurde, konnte er feindlich bis zur Rachsucht werden. Jetzt eben hatte der ältere Sohn sich ziemlich entschieden gegen ein nahe bevorstehendes Ereigniß ausgesprochen, welches auf den Verlauf dieser Geschichte von entscheidender Wichtigkeit sein sollte. Die Bemerkung beim Beginn dieses Capitels war Richards Antwort auf Johns heftigen Widerspruch. Mit zusammengezogenen Augenbrauen wandte sich Letzterer gegen Richard. „Es scheint, Du bist sehr erfreut über die Aussicht, daß eine fremde Person in unsere Familie eindringen wird!" fragte er mürrisch. „Gewiß, und wie gewöhnlich mußt Du natürlich dagegen murren/" erwiderte Richard. Der Andere antwortete mit einer Bewegung der Ungeduld: „Ich denke, wir sind Unserer schon genug. Wenn eine fremde Person herzutritt, so entstehen irgend welche Zwistigkeiten, und eine junge Stadtdame, wie Grace Hathaway, ist am wenigsten am Platz tn einem Farmhaus wie das unserige/ Richard lachte laut darüber, aber die Wolke auf der Stirn seines Bruders John verschwand nicht, sie wurde im Gegentheil noch düsterer." „Was habe ich denn so Sonderbares gesagt, um Deine unaufhörliche Heiterkeit hervorzurufen?" Richard wandte sich an seine Mutter mit einem muthwilligen Leuchten in seinen blauen Augen. „John befürchtete, daß sein freundliches Einvernehmen mit mir getrübt werden könnte. Das ist's ja wohl, was ihm Sorge macht, Mutter!" sagte Richard. Frau Brent sah ihn ernsthaft an. „Wenn ich wirklich glauben würde, daß die Ankunft von Fräulein Hathaway 466 den Unfrieden zwischen Euch verschlimmern könnte, so würde ich auch dagegen stimmen," sagte sie. Ein Schweigen trat ein, selbst Richard verstummte, vielleicht in einem unbestimmten Vorgefühl von kommendem Unglück. Am Theetisch herrschte jedoch ungestörte Ruhe. John erhob sich zuerst vom Tisch und wandig sich, zu gehen. „Halt! — Wohin gehst Du?" fragte Richard mit humoristischem Ernst. „Ich habe noch auf dem Hofe zu thun und nach den Pferden zu sehen." „Und Du willst Dich wohl der Fahrt nach dem Bahnhof bei diesem Regen entziehen?" rief der Andere. „Wenn Dir soviel daran liegt, Fräulein Hathaway hier zu sehen, so sollten Dich weder Regen noch Sturm abhalten, sie abzuholen und ich will Dir das Vergnügen nicht streitig machen." John wartete keine Antwort ab. Als die Thür sich hinter ihm geschlossen hatte, legte der alte^Brent eine Hand auf Richards Schulter. „Diese Zänkereien müssen aufhören!" rief er in entschiedenem Tone. „Willst Du mir etwa die Schuld daran geben," sagte der junge Mann. „Du beleidigst John auf jede Weise, Du weißt, daß seine Natur von der Deinigen verschieden ist und dennoch erlaubst Du Dir bei jeder Gelegenheit, ihn zu reizen." Richard schwieg einen Augenblick. Sein Vater sprach selten in so entschiedenem Tone zu seinen Söhnen, seitdem sie erwachsen waren. — Richard war fast zwei Jahre jünger, als sein Bruder, er stand am Ende seines zweiundzwanzigsten Jahres. — „Er ist grob und knurrig toic ein alter Wachtmeister, und ganz ohne Grund. Ich denke, er veranlaßt ebenso oft, als ich, einen kleinen Zank. Der einzige Unterschied ist, daß er seinen Aerger zeigt und ich den meinigen verberge, was ihn noch mehr verdrießt. Er sollte sich seine schlechte Laune abgewöhnen, und es kann ihm nicht schaden, wenn ich ihn zuweilen ein Bischen in Aufregung bringe. Und überdies scheint mir, es gewährt ihm ebensoviel Befriedigung zu knurren, als mir zu lachen." Richard hatte Anfangs ganz ernst gesprochen, bald aber erschien wieder ein muthiges Lächeln auf seinem hübschen Gesicht. Eben wollte der Alte etwas erwidern, als der junge Mann seine Uhr zog und ausstand. „Der Zug wird in einer halben Stunde ankommen. Soll ich nach dem Bahnhof fahren, um Fräulein Hathaway abzuholen?" „Ich denke, das wird das Beste sein. Ein Willkommen von John würde vielleicht keinen sehr günstigen Eindruck auf sie machen. Sie wird wahrscheinlich Anfangs sehr an Heimweh leiden, aber wenn der erste Eindruck günstig ist, so wird sie es leichter überwinden." Richard wandte sich lächelnd ab. Im Stall fand er zu seinem Erstaunen seinen Bruder im Begriff, in seiner gemächlichen Weise eines der Pferde anzuspannen „Was bedeutet das? Ich dachte, Du habest keine Zeit und keine Lust?" rief der Jüngere. „Nun, Du irrst Dich zuweilen," war die Antwort. „Was hast Du vor?" fragte Richard. „Ich will zur Station." „Nach Fräulein Hathaway?" „Ja." „Du hast es doch abgelehnt, sie abzuholen!" „Nun, ich habe mich anders besonnen." Niemals in seinem Leben war der Jüngere der Beiden mehr erstaunt gewesen. Doch er beschloß sofort, sich nicht bei Seite schieben zu lassen. Er ergriff John beim A,m und sagte: „Der Vater hat es mir aufgetragen, nach dem Bahnhof zu fahren. Du hast einmal gesagt, Du wolltest das mir überlassen, und jetzt ist es zu spät, Dich anders zu besinnen." John riß seinen Arm unwillkürlich los. „Ich werde gehen, und diesmal wird es nicht nach Deinem Willen geschehen," erwiderte er. Einen Augenblick starrten sich die Brüder an, und der Widerstreit ihrer Naturen schien wieder durchbrechen zu wollen. Aber Richards stets bereiter Humor wandte einen gefährlichen Ausbruch ab, und der Wortwechsel endigte auf eine entschiedene, aber seltsame Weise. Ohne ein Wort zu sagen, wandte er sich um, führte Topsy, ein kleines, muthwilliges Pferd aus dem Stall und begann hastig, es einzuspannen. „Was? Du willst mit Topsy in die Finsterniß und bei diesem Sturm ausfahren?" rief John erstaunt aus. „Gewiß, wir kennen einander! Ich werde Fräulein Hathaway abholen, Du magst nachkommen, wenn Du willst mit Deinem alten Braunen. Ich hoffe, schnell genug zurück zu sein, um Dir auf der Brücke über den Flurry-Bach schon wieder zu begegnen, wenn Du wirklich bet Deinem Eigensinn bleibst, nach der Station zu fahren. Ich hoffe. Du wirst eine angenehme Fahrt haben mit dem Braunen." Während Richard sprach, zog er auch einen leichten Wagen hervor und spannte Topsy an. Eine Minute später trabte das kleine Pferd rasch hinaus auf die dunkle Landstraße und Richard fuhr mit einer fast ungestümen Eile dem Bahnhof zu. John blieb weit zurück. Aber mit eigensinniger Beharrlichkeit folgte er meinem mäßigen Trab seinem Bruder nach. Richard erreichte den Bahnhof, eben als dec Zug ankam. Er sah, wie zwei große Koffer ausgeladen wurden, gleich darauf stieg eine schlanke, weibliche Gestalt in einem Gummimantel aus einem der Wagen. Sie war die einzige angekommene Person, und Richard vermuthete sofort, daß sie Grace Hathaway sein müsse. II. Eine vereitelte Absicht. „Ich habe etwas mit Ihnen zu besprechen, Herr Studevant — etwas, worüber Sie sich vielleicht wundern werden," erklärte Luise Buford einem jungen Herrn. Dieser war hochgewachsen, besaß eine vortreffliche Gesichtsfarbe, ein hübsches Gesicht und blondes Haar und sah Alles in Allem gar nicht so übel aus. Das Buford'sche Haus in Boston an der Dorchesterstraße strahlte in heller Beleuchtung. Obgleich es schon spät im Frühjahr war, fand doch noch ein Abend-Empfang von gewählter Gesellschaft statt, und etwas der Art ohne Leroy Studevant war ganz undenkbar. Dies wird nur erwähnt, um die Anwesenheit des Herrn Studevant im Salon des Buford'schen Hauses zu erklären. „Was ist es, Miß Buford?M fragte Herr Studevant mit unverhohlener Spannung auf die Anrede der jungen Dame. „Es betrifft den verstorbenen Herrn Hathaway und seine Tochter Grace, mit der Sie, wie ich glaube, sehr genau bekannt sind," fuhr die Dame fort, indem sie im Geheimen ihren Zuhörer aufmerksam beobachtete. Sie bemerkte ein leichtes Erröthen auf seinen Wangen. „Gewiß, wir waren Freunde!" gestand er. „Papa sagt, daß der Tod des Herrn Hathaway durch finanzielle Schwierigkeiten veranlaßt worden sei. Er hat Grace nur eine Kleinigkeit hinterlassen und sie der Vormundschaft des Herrn Brent anvertraut, eines Farmers oben im Hügelland von New-Hampshire. Dorthin wird sie gehen, oder ich glaube sogar, sie ist bereits dahin abgereist. Ist es nicht sehr bedauerlich, nachdem sie eben erst in die Gesellschaft eingetreten war?" Man sah Herrn Leroy Studevant an, daß die Mittheilung von dem Unglück des Fräuleins Hathaway von mehr als gewöhnlichem Interesse für ihn war. Seine Wangen 467 erbleichten merklich. Vergebens bemühte er sich, seine Auflegung zu verbergen. „Ja, das ist wohl hart", bestätigte er zerstreut, und dann fragte er eifriger: „Sagten Sie nicht, Fräulein Grace sei bereits dabin abgereist?" „Ja, ich glaube gestern." „Wie kommt es, daß dieser Farmer zu ihrem Vormund bestimmt wurde?" „Er war ein Schulfreund des verstorbenen Herrn Hathaway, glaube ich." „Wo liegt denn seine Farm?" (Forts, folgt.) Nr. 132. Nr. 128. sowie den Aermeln sind Nr. 131. der Pariserin kleiden. Während die englische Mode so viel als möglich Len Stil der Herrenmode nachahmt, findet man in der Pariser Mode vorderen Mitte bestehen aus weißem Flanell und sind mit hellblauen Posamenten verschnürt. Ein weißer Ledergürtel umgiebt die Taille In dieser Zusammenstellung wirkt das Costüm allerliebst und dient zualeikb den sportlichen Zwecken auf's Beste. Wenden wir nun unsere Aufmerksamkeit noch kurz den Costümen für sommerlichen Sport zu, dem ja in jedem Badeort in irgend einer Form gehuldigt wird. Vorherrschend und allgemein verbreitet sind Croguet, Lawntennis. Die Hauptanforderung, die der Sport an die Kleidung stellt, besteht neben der Kleidsamkeit der Costüme in Leichtigkeit und Bequemlichkeit, die freie Bewegung gestattet. Die Mode bietet in ihrer jetzigen Form auch für solche Zwecke passende und reichliche Auswahl. Die so beliebten englischen Blousen sowie auch andere leicht eingereihte Blousen in ihren verschiedenen Variationen eignen sich besonders gut dazu. Die Röcke arbeitet man für solche Zwecke meist ohne Futter und fußfrei; höchstens der untere Rand wird durch einige Steppleinen geziert. Mit unserer Abbildung Nr. 131 haben wir ein derartiges Costüm wiedergegeben. Aus hellblau und weiß karrirtem Flanell gefertigt, ist die einfache Blouse mit weißem Flanell ausgestattet. Die Epauletten, die Aermelmanschetten, sowie die breiten Streifen in der Nr. 132 a. rnanns Geschmack, wie man genannten Mitteln erreicht werden kann, beweist uns das Costüm Nr. 132a, welches auf der Stranvpromenade höchst vortheilhaft von den zum Theil überladenen und dadurch geschmacklosen Anzügen abstach. Gleichfalls aus Rock und Zacket bestehend, war «igentlich nur das Herstellungsmaterial bestechend, denn dasselbe bestand aus weißem Flanell. Ein rosa Seidenfutter wurde beim Oeffnen des Jackets und Heben des Rockes sichtbar und eine rosa Seidenblouse oder eine weiße Batistblouse ergänzte in passender Weise diesen höchst einfachen Anzug, dem jedoch gewiß Niemand die distinguirte Eleganz absprechen wird. Der einzige Fehler dürste vielleicht die etwas zu große Empfindlichkeit dieses Materials sein, denn wenn einmal die erste Frische verloren gegangen ist, so läßt sie sich wohl schwerlich völlig wieder erneuern. Praktischer waren in dieser Beziehung die zahlreich vertretenen weißen Piquäcostllme, welche auf ganz ähnliche Weise aus Rock und Zacket bestehend, besonders von den jungen Mädchen viel zur Strandpromenade getragen wurden. Diese, aus England stammende, etwas steife Mode ist jedoch nicht Jeder- durchweg die echteste Weiblichkeit vertreten. Da besteht Alles aus Chiffon, Spitzen, Rüschen, Bändern, alles duftig, möglichst zart und farbenfreudig, bauschend und flatternd. Es ist, als ob diese Mode den Sonnenschein und Blumenduft selbst repräsentiren wollte, so echt sommerlich und duftig wirkt sie. Dabei ist sie, wenn mit Verständniß angewandt, im höchsten Grade kleidsam. Dies wissen unsere Damen sehr wohl, denn wie oft fällt uns auf der Promenade diese oder jene Erscheinung als ganz besonders ätherisch und elegant auf. Würde die Trägerin jedoch an Stelle der duftigen Pariser Toilette ein nüchternes Costüm gewählt haben, so wäre der größte Reiz verschwunden. Dabei läßt sich jedoch nicht verhehlen, daß eine derartige Mode sehr leicht überladen wirken kann und es gehört ein ganz besonders geschulter Geschmack dazu, aus allen diesen zarten und bunten Einzelheiten ein harmonisches Ganze zu schaffen. Deshalb müssen wir auch hierbei wieder einer gewissen Einfachheit das Wort reden. Wir veranschaulichen mit Nr. 128 eine, wenn auch einfache, so doch nicht minder kleidsame Promenadentoilette. Aus hellgrünem, durchsichtigem Grenadine ge- fertigt, zeigt die Taille die allgemein beliebte Blousenform. Ein kollerartiger Einsatz aus gleichfarbiger, feingefalteter Seide füllt den tiefen Ausschnitt der Blouse und wird von einem Volant vom Stoff des Kleides begrenzt, welcher der neuen Moderichtung zufolge nicht eingereiht ist, sondern die Falten durch den Serpentineschnitt erzeugt. Diesem Volant, [uiuic ven reermem ]tnt Keile von Seide aufgesetzt, welche mit Seiden.fchnüren überlegt sind. Auf gleiche Weise sind die Streifen in der vorderen Mitte ausgestattet. Der Rock ist ganz glatt und garniturlos. Mericht über Sommermoden, bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaetur, Dresden Reichhaltiges Modenalbnm und Schnittmusterbuch für 50 Pfg. daselbst erhältlich. zu beobachten vielfach Gelegenheit hat. Vielmehr sieht man viele Damen, welche sich mehr nach dem Geschmack lose Jacke schließt in der vorderen Mitte mit verdeckter Leiste, und am Hals endigt das Costüm mit Umlegekragen und kleinem Revers; die einzige Eleganz eines derartigen Anzuges dürfte eigentlich nur in schönem, dazu passenden Seidenfutter bestehen, denn alles Andere, wieSoutache- näherei, Moireerevers und überhaupt reicher Besatz raubt dem Costüm die Einfachheit und somit auch die .Zweckmäßigkeit. Natürlich muß gerade bei solchem Anzuge die tadellose Arbeit und der gute ebensolche Schnitt die elegante Wirkung erzielen helfen. Wie vollkommen letztere mit den Wer die Sommermoden studiren will, der hat die beste Gelegen- Heit dazu in einem modernen Badeort, denn dort, wo sich die Haute volee aus aller Welt zusammenfindet, kann man die elegantesten Costüme jeden Genres und jeden Geschmackes sehen. Ja, man kann sogar bei einiger Aufmerksamkeit schon ein Nrtheil über bte nächste Mode gewinnen. Das Reisen freilich, bei dem der Grundgedanke der ist, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu sehen, ist eine Art Sport geworden, auf den besonders auch in einer einfachen praktischen Garderobe Rücksicht genommen werden muß Nichts Abgeschmackteres, als wenn man auf solchen strapaziösen Touren vorjährige Ausgehkleider aus falschen Sparsamkeitsrücksichten verwenden will, die schon nach kurzer Fahrt im Coupe zerdrückt, staubig, unansehnlich geworden sind. Wie angenehm sticht dagegen das einfache Lodencostüm ab, welches weder zerknüllt wird noch schmutzt. Der einfache Rock wird durch eine Jacke und eine leichte Hemdblouse ergänzt, welche beide trotz ihrer Bequemlichkeit keinen legeren E ndruck machen. Unser Modell Nr. 132 veranschaulicht ein derartiges Reisecostüm aus Loden Die nur vorn 468 Geineinirniziges. Mittel gegen die Kohlraupen. Ein französischer Gärtner empfiehlt Folgendes: 3 Pfd. Kupfervitriol, 3 Pfd. gelöschter Kalk und 1/2 Pfd- Melasse wird in 100 Liter Wasser gelöst und die damit befallenen Pflanzen bespritzt. Das Mittel ist also nichts anderes als eine 1^/,procentige Kupserkalk- lösung oder Bordelai erbrühe. Ob es hilft, muß erst der Versuch zeigen. Rathsamer dürfte cs sein, die Kohlweißlinge von den Kindern mit Schmetterlingsnetzen wegsangen zu lassen und die bereits abgelegten Eier an den Kraut- und anderen Kohlpflanzen durch Zerdrücken zu beseitigen. Die Eierchen sitzen in kleinen Häufchen als gelbliche, längliche Pünktchen auf der Unterseite der Blätter. Sind erst einmal die Raupen ausgekrochen, dann ist die Vertilgung schwierig. Es ist deshalb nothwendig, zeitig dem Fräße vorzubeugen. * * * Der Heivelveerwein wird folgendermaßen hergestellt: Nachdem die Früchte ausgesucht sind, werden sie mit kaltem Wasser abgewaschen und dann in einem Passenden Gesäß mit Wasserzusatz über Feuer gebracht und aufgekocht. Auf Lauwärme abgekühlt, Preßt man sie und bringt den Saft nebst dem fehlenden Wasserzusatz und Zucker ins Faß. Auf ein Faß mit 30 Liter. Inhalt nimmt man 10 Liter Saft, 14 Liter Wasser, 3 bis 6 Kilo Zucker, 20 Gramm Weinstein, roh, gepulvert. Da der Heidelbeermost nur sehr langsam vergährt, thut man gut, die Gährung an einem ziemlich warmen Orte (18 bis 22" 0.) vor sich gehen zu lassen und dem Most auf je 100 Liter ca. 100 Gramm feingesiebtes Malzmehl zuzusetzen. Auch ist das Faß öfter stark zu rütteln oder, bei größeren, der Inhalt vom Spundloch aus gehörig durchzurühren. * * -i- Stockschwämmchen (Mousseron). (Zeit der Bereitung 40 Minuten. Fünf Personen.) Man braucht diese Pilze meist nur an Sauce, die vortrefflich schmeckt und besonders zu Hammel- und Rindfleisch paßt. Man entfernt die Stiele von 1 Liter Moufferons, wäscht die Pilze und dünstet sie in 25 Gramm Butter weich. Jndeß bräunt man 30 Gramm Mehl in 40 Gramm Butter, verkocht die Mehlschwitze mit kochendem Wasser, giebt Salz, feinen Pfeffer, 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extract, ein Glas Rothwein, etwas Citronen- saft und die gedünsteten Pilze hinzu und kocht alles noch 5 Minuten miteinander. * » * Trüffel. (Zeit der Bereitung 1 y2 Stunden. Fünf Personen). Etwa 1/2 Kilogramm der kostbaren Trüffeln werden sorgfältig gewaschen und gebürstet, dann gut abgespült und auf reinem Tuch abgetropft, bevor man sie dünn abschält. (Die Trüffel chalen werden gewiegt als feine Würze für Farcen benutzt.) Jede Trüffel hüllt man in ein mit Butter bestrichenes Papier, legt sie so in einen Dampfkochtopf, dessen unteren Behälter man mit 1/1 Liter k ästiger Bouillon aus 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extract süllt, und dünstet sie bergartig auf einer Serviette an. Der Rest der Bouillon ist trefflich zur Bereitung feiner Saucen. * * * Pfifferling. (Zeit der Bereitung iy2 Stunden Fünf Personen.) 4 Liter geputzte und in Stücke geschnittene Pfifferlinge werden mit siedendem Salzwasser abgekocht, abtropfen gelassen und in 40 Gramm Butter mit etwas Salz und Pfeffer geschmort. Wenn sie beinahe fertig sind, giebt man 5 Gramm Liebigs Fleisch-Extract daran, stäubt etwas Mehl darüber, daß der Saft bündig wird, und zieht das Gemüse mit einem mit etwas süßer Sahne verquirlten Eigelb ab. Es paßt am besten zu Kalbscoteletten. Gutes Mittel. Dame: „Herr Doctor, ich möchte- Sie gern fragen, ob es kein Mittel gegen Nachtwandeln giebt. Ich leide schon seit Jahren daran, doch , es wird immer schlimmer!" — Arzt: „Davon kann ich Sie heilen. Hier lassen Sie dies Rccept bei Bergmann u. Co. machen." — Dame: „Aber das ist doch keine Apotheke, das ist ja eine Eiscnwaarenhandlung." — Arzt: „Ganz recht. Ich veischreibe Ihnen zwei Pfund kleine Nägel. Davon streuen Sie gefälligst zwei bis drei Hände voll vor dem Schlafengehen in Ihr Schlafzimmer!" * * Was ist ungereimt. Wenn ein Logenbruder im Parquet sitzt. — Wenn ein Einjähriger in Zweibrücken auf einem Dreirad Vierradener raucht. — Wenn ein Backfisch einen Rabenvater hat. — Wenn ein Sitzredacteur ein Stehseidel trinkt. — Wenn ein Oberkellner am Unterarm ein Ueberbein hat. — Wenn sich der Minister des Innern äußert. * ♦ * Das verkannte Tandem. Jette: „Da kieken Se, bet is meine neie Herrschaft." — Frau: „Nu, wie gefällt se Ihnen?" — Jette: „Na Ville is mit die och nich los, die haben blos ein Velociped un fahren alle beede druf!" • * * Gemüthlich. „Nee, härn Se, mei Gutester, erschb Ham Se mir mei Bier umgeschmissen, dann Ham Se mir mit der Cigarre een Loch in'n Rock gebrannt und jetzt Ham Se mich eenen alben Runks geschimpft — wenn Se nu noch een Wort sagen, setz' ich mich an 'nen anbern Tisch!" ♦ ♦ Zähe. Herr: „Straßenbettlern gebe ich grunbsätzlich nichts!" — Bettler: „Macht nix! Gebens mir nur Ihre Abress', i komm a ins Haus." * * ♦ Einfacher Beweis. Hans (auf ber Straße): „Mutter, kuck boch mal rasch zum Fenster raus!" — Mutter (herausschauenb): „Was ist benn los?" — Hans: „Der August wollte nicht glauben, baß Du so sehr schielst!" * Frech. Gast: „Hören Sie, Kellner, bas ist boch zu arg! Dieses Beessteak ist hier bie reine Schuhsohle!" — Kellner: „Ja, mein Herr, wünschen Sie etwa für den geringen Preis gleich ein Paar Stiefletten?" * * * Der Galanteriedegen. Minna: „Du, Rieke, warum tragen denn die Soldaten den Säbel allemal links?" — Ricke: „Na, weil doch rechts immer wir Damens gehen." • * * Bei der Musterung. Arzt: „Haben Sie sonst einen Fehler?" — Stellungspflichtiger (einen gekrümmten Zeigefinger vorweisend): „Ich habe einen steifen Finger." — Arzt: „Wie war er denn früher?" — Stellungspflichtiger (sich vergessend und den Finger streckend): „So." Literarisches. Der Aufwand für die Kleidung ist in jedem größeren Haushalt ein beträchtlicher und da, wo man sparen will, indem man einfachere Kleidung sowie diejenige der Kinder selbst fertigt bezw. modernifirt, bieten die preiswerthen fertigen Schnittmodelle der Internationalen Schnittmanufactur, Dresden, weil mit Beschreibung und Abbildung versehen und ungemein leicht verwendbar, die größten Vortheile. Aber auch für neueste Costüme, seien es Gesellschafts-, Promenaden-, Sportcostüme nach elegantem Schnitt, sind die Modelle der genannten Firma, die auch nach Maaß geliefert werden, ein beachtenswerthes Hilfsmittel. Zur Auswahl dient ein neuestes reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch, welches zum Preis von nur 50 Pfg. erhältlich ist. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.