üMuliy KMW rate® w s ist nichts erbärmlicher in der Welt, als ein unentschlossener Mensch, der zwischen zwei Empfindungen schwebt, gern beide vereinigen möchte und nicht begreift, bah nichts sie vereinigen kann, als eben der Zweifel, die Unruhe, die il,n peinigen. Goethe. Die Perle der Nordsee. Schilderung einer Sommersahrt von Otto Bruhnsen. ------- (Nachdruck verboten.) Grün is bet Lunn, Road is de Kant, Witt is de Sunn: Deet is bet Woapen Van't „hillige Lunn " Friesisch. Hochsommerferien auf Helgoland liegen hinter mir. Mein seit Jahren lebhaft hervortretendes Verlangen, die bedeutenderen der Nordseebädcr aus eigener Anschauung kennen zu lernen, ist endlich befriedigt worden. Diese, was Helgoland anbetrifft, recht intim gewordene Bekanntschaft hat mir großen Genuß eingetragen. Schwer, überaus schwer, ist mir der Abschied von dem meerumtosten, romantischen Klippen- eiland geworden. Meine Gedanken schweifen oft zurück nach der mit weißen Brüsten sich aus den grünblauen Meeres- fluthen hebenden Düne, — wer, dessen Herz für Naturschönheit erglüht, vermöchte sich leichten Kaufes den berauschenden Umarmungen der Nordseenixe zu entziehen? Seit Wochen weile ich wieder in den Mauern der großen Stadt, staubige Straßen, in denen der Sommerbrand eine Tropenhitze erzeugt, umgeben mich, am Jungfernsticg regnet gelbverbranntes Lindenlaub rauschend auf mich herab, . . . — ihr Götter, der Kontrast ist reichlich scharf! Noch dringt wie aus weiter Ferne das Rauschen der Brandung an mein Ohr, noch empfinde ich, sobald ich wich träumerischer Ruhe überlasse, das lebhafte Gefühl des Schaukelns auf der ruhelosen Meerfluth, noch höre ich, wachend und träumend, melancholisch klagenden Mövenschrei. * ♦ * Ein feiner Sprühregen begleitete mich an Bord des seefesten Ballin-Dawpfers, auf dem ich mich am Frühmorgen des ersten Ferientages einschiffte- bleiernes Gewölb jagte am Himmel, Bleiglanz ruhte auf dem Wasser. Der Sonnenuntergang am vorhergehenden Tage war doch so vielversprechend gewesen! Unmuth wollte mich übermannen, ärgerlich schnippte ich mit den Fingern, während ich das Verdeck abschritt. Mtine Reisegenossen musternd, machte ich mir obendrein bittere Vorwürse über meine Sorglosigkeit, die mich die Fahrt in leichtem Reisehabit antreten ließ, während meine beobachtenden Blicke überall auf dichtoermummte Gestalten, auf langschleppende Hohenzollern- Mäntel und Havelocks stießen. In den Trägern dieser Wandelnden Mustercollection schienen sich mir gewiegte Practiker vorzustellen, Leute, die nicht zum ersten Mal in ihrem gesegneten Leben eine Seereise unternahmen, die vielmehr geneigt schienen, den Sommeraufenthalt in einem fashionablen Seebade eigentlich als etwas ganz Alltägliches anzusehen. Ihre gleichmüthigen Mienen wenigstens berechtigten zu diesem Schluffe. Nun, da mochte ich später schöne Erfahrungen in Bezug auf meteorologische Verhältnisse auf der Unterelbe, in der See und auf den Inseln mit nach Hause bringen. Während ^zene in der Gegend von Schulau anfingen, dickbäuchige Cognacflaschen aus den geheimnißvollen Tiefen ihres Handgepäcks hervorzuziehen, betrachtete ich in grimmiger Laune mein winziges Touristenfläschchen mit Steinhäger, das eine sorgliche, treue Hand mir noch in letzter Stunde aufgenöthigt hatte, und goß einige herzstärkende Tropfen in den Metallbecher. In zwiefacher Hinsicht zeigten sich mir die Practiker somit bereits überlegen, — das war ja ein recht vielversprechender Anfang meiner Fahrt! Ich musterte verdrießlich die Ufer zu beiden Seiten der breiten Wasserstraße. Da gab's nicht viel zu sehen. Sonnenlicht und des Himmels Bläue fehlten den wie Coulissen an dem spähenden Blicke vorüberziehenden Landschaftsbildern, — selbst das malerisch gelegene Blankenese war, ohne reundliche Eindrücke zu hinterlassen, vorübergeglitten. Zugig war's auf dem Promenaden - Deck, so sehr, daß ein karten- pielendes Trio hübsch Obacht auf die bunten Blätter geben mußte, die über Bord zu wehen der frische Morgenwind sich alle Mühe gab. Ich stieg in den Salon hinunter und belegte im Voraus ein Plätzchen, wo bei eintretender Seekrankheit dem schadenrohen Meergreise sein Opfer werden sollte. Die Schiffsmannschaft hatte vorsorglicherweise das für solche Zwecke Erforderliche bereit gestellt. Daß der alte Neptun tributheischend bei mir anklopfen werde, davon war ich fest überzeugt. Die Practiker würde er verschonen, — auch darin 39 t Eiland einigermaßen zu beneiden. In Cuxhaven eingeschifft hatten sich sehr viele, ausge- I stiegen war nur eine geringe Anzahl Passagiere, — wieder I begannen die Schaufeln in dem Wasser zu wühlen, langsam trieb der Schiffscoloß von der Mole ab, ein lebhaftes Tücherschwenken hinüber und herüber, dann ging's mit voller I Kraft in die wogende, unermeßlich sich breitende See I hinaus. I Noch 75 Kilometer hat das Schiff zu durchmessen, bevor es auf der Rhede von Helgoland vor Anker geht. Bei der voraussichtlich glatt verlaufenen Ueberfahrt wird dieser von Vielen sehnlich erwartete Moment etwa nach 2,/o Stunden eintreten. 1 Ich lehnte mich über die Reeling und wurde nicht müde, I in die hellgrüne, durchsichtige, in der Nähe des Schiffes mit weißem Gicht übersprühte Meerfluth zu blicken. Wohlig dehnte sich die Brust in dem erfrischenden, salzigen Hauch, der mich umspülte. I Ein Stündchen mochte vergangen sein, Neuwerk lag weit hinter uns, Fischerschaluppen unter vollen Segeln kreuzten unseren Kurs, ein hochwandiger, transatlantischer | Dampfer hatte uns auf seinem Fluge über den Ocean über- ! holt, da machte mir mein bisher geduldig zuwartender Magen ' plötzlich energische Vorhaltungen. Seekrankheit hin, Seekrankheit her! — er verlangte gebieterisch sein Recht. Zum Kukuk! ich hatte ihn bisher mit trockenen Semmeln hingehalten, — Versuche, mit solcher kargen Nahrung ihn fernerhin abzufinden, verbat er sich ernstlich. So stieg ich denn in den Speisesaal hinab, wo dienstwillige Stewarts eilfertig aufschrieben, was befehlende Stimmen ihnen dictirten. Auch ich warf einen Blick in die umfangreiche Speisekarte und nahm bald darauf mein Diner ein. Es war gut zubereitet und mundete vortrefflich. Tischgenoffen wurden in ein launiges Gespräch gezogen, immer neue Flaschen des süffigen Würzburger Hofbräus schwirrten heran,.......//Helgoland in Sicht!" hieß es oben. „Sie haben's nie zuvor gesehen?" fragte mich em Kundiger. Ich verneinte. „So warten Sie noch ein Weilchen, ehe Sie auf Deck III. Die lebenden Modelle der Pariser Künstler. Am Faße des Hügel gen Mommartre liegt die „Place pigalle," auf welcher jenen Montag Vormittag im Freien der Modellmarkt abgehalten wird. Hier findet der Maler immer und zu jedem Preise da« Modell, dessen er zu einem Gemälde bedarf. Hier entrollt sich aber auch den Augen des neugierigen Fremden ein äußerst interessantes und wechselvolles Bild. Olivenfarbene, üppige Spanierinnen und alte Graubärte; schwarzgelockte, gluthäugige Italienerinnen neben „germanischen Riesen" - pikante, reizende Pariserinnen und herkulische „Römer"- ätherische „Elfen , lachende kleine „Engel" und robuste, desparate „Banditen , stehen, sitzen, liegen, tänzeln, rauchen, schwatzen, lachen, groh- len und scherzen im wilden Durcheinander. Dazwischen treiben sich die Künstler in ihren Blousen und Schlapphüten, die dampfende Cigarette im Mundwinkel, das lange Haar im Nacken umher und lärmen wie auf dem Jahrmarkt. Hier und dort zeigt ein besonders heller Juchzer an, daß em gutes Engagement abgeschlossen ist und dem Modell eine gute Einnahme verspricht. , Um zehn Uhr schließt der Markt. Wer bis dahin noch keinen Erwerber gefunden hat, der „sucht" sein Brod in den Ateliers, zieht von Thür zu Thür und bietet seine Formen und Reize an, bis er zuletzt, vielleicht für eine Woche, ange- stellt wird, lieber die Pariser Modelle läßt sich überhaupt manches Interessante mittheilen. Die „Sitzungen" dauern ' gewöhnlich einen halben Tag, wofür Männer vier, und Frauen Aus der Seinestadt. Von Dr. M. Evers. ------- (Nachdruck verboten.) äieta*“ D-ck fuigeK -rspöh!- ich mit HAI- -im- ist w-ii l°hn°nb°r, als um Bl« -s nach und »ach an sich Egäf £ *"t*<4 '-m-m Math f.w=, habe <4 -w ,u b-r-n-n 9** b,n" ““roir nach und nach die grünlichere Färbung brackigen Wassers lebhaft^plliudernd an De . b°- ***» an ber .alten Siebe" Den "m«t)nmb 60 SOiete. h°h-n Felsen Überbelte in in Lnxhnne» bertiule, hatte ble Mtooüe S-mm-rs-nne ber Thal bte Zneolo« ©e golonb L^LrLL b“ “Ä"r M r«b ”* L(W »d'° «»*** »"'be Mittlerweile war's Mittag geworden, vier Stunden . ‘“"8"Ä«8XZXbZ»“to Uf..bUb..rnnä (.. ber im Sennengianze schn-°w„d S„fbb“ uÄM Offen liegen b^tmtW^ «nb M-rg-l.hon.Gchi«i-a h-n-ns in großer Zahl nab beobachteten bi, mit bem Babe, be- (tert A<^°n Scheins z Sg . Basis mit «7° Ws W b'e”Äel Sben ' Da- dem Mn.ttrselfen nerbnnbe,,, steht ber .Mönch- (richtiger aas n»S ntlb schien un- nm bie bei °,m »rachwoll einsetzenben im Uem= G-m-ib- Wetter vielversprechende Fahrt nach dem herrlichen rothen | ^8 bfe Südosten der Insel auf dem Felsenplateau des Oberlandes sich zusammendrängenden Häuschen, überragt von der Kirchthurmspitze und dem Leuchtthurm, und die mit holländischer Sauberkeit, frisch in der Farbe, mit blitzenden Fensterscheiben dem Fremden sich präsentirenden Logirhäuser des Unterlandes (d i. das im Südosten liegende Vorland). (Fortsetzung folgt.) 395 ffünf Francs bezahlt erhalten. JnAusnahmesällen, bei besonders «ohlgeformten und ergiebigen Modellen steigt die Remuneration auch auf zehn Francs und darüber. Die männlichen Modelle haben den weiblichen gegenüber das Voraus, daß sie sich nicht so bald verändern. Während weibliche Gestalten im Allgemeinen schon nach vier bis fünf Jahren unbrauchbar geworden sind, dauern männliche oft ebensoviele Jahrzehnte. Mn Italiener, Fonsco, nannte sich auf seinen Karren den .„König der Modelle",' er begann zu „sitzen" als er zwei Jahre alt war und saß noch mit sechs und siebenzig. Gelon, ein anderes Modell, ist gegenwärtig drei und sechzig Jahre alt und seiner ungemein robusten Formen wegen noch immer sehr gesucht. Mezecino, ein Italiener, „sitzt" schon sechzig Jahre zu „Römern",- seine Adlernase, sein reines, klassisches Profil und die energischen Züge seines Gesichts scheinen mit dem Alter an Charakteristik nur zu gewinnen. Salem, ein ehemaliger Negerprinz aus Timbuktu, ist das begehrteste Modell für „schwarze Stoffe". Er hat den Krieg 1870/71 mitgemacht und obgleich er mit dem Kreuz der Ehrenlegion decorirt ist und eine kleine, aber ausreichende Pension bezieht, hat er doch zu dem „Modellhandwerk" seine Zuflucht genommen, um seine Einnahme zu vergrößern. Gustave Boulanger hat ihn viele Jahre ausschließlich beschäftigt. Wenn auch das männliche Modell nicht s > viele Ncben- rinkünfte haben kann, so ist doch auch ihm Gelegenheit gegeben, seine Lage aufzubessern. Das erfolgreichste Mittel dazu sind Kinder, welche man, iobald sie laufen können, in die Ateliers einzuführen strebt, wo sie als Engel oder Genien reichliche Verwendung finden. Die Kinder, wenn man nicht etwa ver- heirathet ist und selbst welche hat, beschafft man sich für einige Sous den Tag von den vielen Bettlerfamilien, welche in den Miethskasernen der Arbeiterviertel wohnen und glücklich sind, wenn sie etwas verdienen können. Andere Modelle, welche an der Malerei Geschmack gefunden haben, widmen sich der Kunst ganz und gar. So hat gegenwärtig ein Italiener, Namens Colorossi, nach ernsten Studien ein Atelier eröffnet, welches von den Meistern, denen er früher „gelessen", unterstützt wird und eine stattliche Anzahl von Schülern anfweist. Socci, ein anderer Italiener, ist der Properirende Inhaber einer sogenannten Modellagentur, welche die Ateliers mit dem erforderlichen „Material" versorgt, nnd von die en sowohl als auch von den Modellen selbst oft recht erkleckliche Proviisionen einheimst. Fast alle Männlichen Modelle sind Italiener und wohnen Haupt ächlich in den Eues des Boulangers, de Saint Victor und der Avenue de Maine. Bon hier aus versammeln sie sich dann alle Montag in der Morgenfrühe auf der erwähnten Place Pigalle. Einige Maler von Ruf gebrauchen nur äußerst fetten solche „professionellen" Modelle. Jean Beraud z. B. nimmt seine „Arbeiter" direkt aus den Werkstätten. L'Hermitte holt sich Wine „Bauern" vom Felde und Renout seine „Matra en" direkt von der atlantischen Küste. Sehr oft macht der Maler auch Gebrauch von sogen, „sosie" oder frappanten Ähnlichkeiten. Das berühmteste „sosie" war seinerzeit ein alter Obstkcämer des Quartier Latin, der Viktor Hugo auf ein Haar ähnlich sah. Er hat fast zu allen Porträts gesessen, die man in den Kunsthandlungen antrifft. Ich sagte vorhin weiter oben, daß das weibliche Modell nicht lange vorhält. Davon giebts nun auch Ausnahmen. Die berühmteste von diesen war Josephine. Dieses Modell saß volle 45 Jahre ihres Lebens in den Ateliers der Por- zellanmanufactur von Sevres und erhielt schließlich eine Pension Don der Regierung. Während der ganzen Zett ihrer Täthig- keit bewahrte sie sich eine solche Körperfrische, daß sie nie ein Schnürleib zu tragen für nöthig hielt. Nicht immer, doch aber sehr oft, sind die weiblichen Modelle auch verheirathet. Dies war der Fall mit einer Deutschen, Namens Cölestine Gurr, welche nach dem Kriege L871 mit ihrem Gemahl nach Paris kam und kurze Zeit darauf von Cabanel für sein Atelier engagirt wurde. Sie war gerade nicht besonders schön von Angesicht, sobald aber die Hülle von ihrem Körper fiel, glaubte man eine lebende Venus vor sich zu haben, von solch klassischem Ebenmaaß waren ihre reizenden Formen. Es war daher ganz erklärlich, daß ihr Gatte voller Eifersucht auf seine Gattin war und sie nicht ohne seine Begleitung in die Sitzungen gehen ließ. Obwohl er selbstredend von der Kunst so gut wie nichts verstand, mußte er doch jede Messung, jede Veränderung der Stellung, jede neue Attitüde seines Weibes mit Argusaugen überwachen, zu welchem Zwecke er sich einen alten P lsterstuhl in eine entferntere Ecke des Ateliers gezogen hatte und dort so lange unter den theils witzigen, theils sarkastischen und selbst anzüglichen Bemerkungen der jungen Künstler ausharrte, bis er seine Gattin von dem Postamente herab und hinter dem Vorhänge in ihre Gaderobe steigen sah. Dann erhob er fick, half ihr beim Toilettemachen und verließ mit ihr unter dem Gelächter der Studenten den Saal. Diese wünschten sich den lästigen Aufpasser zum Teufel und beredeten sich, wie sie ihm das Wiederkommen vertreiben könnten. Zu dem Zwecke lösten sie die Beine des Polsterstuhles, so daß dieselben, beim geringsten Versuch sich zu setzen, nachgeben und den Sitzer zu Falle bringen mußten. Gleichzeitig brachten sie eine Menge Nadeln im Polster selbst an und stellten den so präparirten Stuhl in seinen Winkel. Als dann am nächsten Tage Herr Gurr 'einen gewöhnlichen Platz einnehmen wollte, gab es einen donnerähnlichen Krach. Mit markerschütterndem Schrei sprang Herr Gurr auf die Füße und befühlte unter dem brü tenden Gelächter der anwe enden Kunstjünger seine „Rock chöße" mit allen Symptomen eines herannahenden Schlagflusses, griff eiligst nach Hut und Stock und eilte an die friiche Luft, aus welcher er jedoch nie wieder in das Atelier zucückkam. Seine Gattin er chien seitdem stets allein, wie man cs gewünscht hatte. Viele Modelle, welche ihre Profession längere Zeit aufgegeben haben, verspüren auf einmal wieder nostalgische Schmerzen, d. h. Heimweh und kehren zu ihrem alten Beruf zurück. Madame Lucienne, welche einen Laden auf dem Boulevard Raspail eröffnet hatte, liefert zu dieser Behauptung ein charakteristisches Beispiel. Nicht lange nach ihrem Auftreten als Modell verheirathete sie sich und lebte sechs Jahre lang in glücklichster Ehe. Dann aber verließ sie plötzlich ihren Gatten und — wurde wieder Modell. Kurze Zeit darauf verschwand sie. Sie hatte sich, wie man sagte, von einem reichen amerikanischen Kunstschüler über den Ozean entführen lassen. Wirklich tadellose Modelle werden von Tag zu Tag seltener. Viele Meister haben ihre eigenen Modelle, welche für Niemand sonst sitzen dürfen. So hat Gerome ein Modell, welches ihn auf allen Studien- und Vergnügungsreisen im Sommer begleitet und im Winter in einem kleinen Paradies auf dem Boulevard Clichy wohnt. Eine Belgirin, Namens Alice, welche zuerst im Atelier Puvis de Chavannes auftauchte, ging zu Henner über, dem sie jetzt zu seinen Nuditäten sitzt. Martha, welche am Senegal geboren ist, sitzt Benjamin Constant zu seinen Orientalinnen. So gießt es noch eine ganze Reihe von Modellen, welche von den größten Meistern fast ausschließlich verwendet werden und im Allgemeinen glänzende Remunerationen beziehen und ein vornehmes Leben führen. Was aus den Modellen wird, wenn sie zu verblühen anfangen, lieber Leser? — Entweder sie heirathen, wie Madame Lucienne, und lassen sich entführen, oder wenn sie ehrlich bleiben wollen, greifen sie zur Nadel, um sich als Näherin durchzuhungern, oder sie reichen ihrem früheren Meister die Hand und bleiben ihm treu, oder sie werfen sich dem Laster in die Arme und verwahrlosen und beschließen ihr Elend entweder in der Seine oder mit einer Dosis Cyankalium. So leben und sterben die Modelle der Pariser Maler, und wie manches Original, dessen maskirtes Conterfei die Salons der modernen Kunsthandlungen schmückt, liegt begraben und vermodert auf dem Armenkirchhofe der großen Seine- 396 stadt! Andere treten an seine Stelle, um denselben Weg zu gehen. Das ist das entsetzliche „Rouge et Noir“ der moder« «en Cultur. Gemeinnütziges. Das Stricken. — „Stricken ist," so sagt die Jugend, „ein überwundener Standpunkt. Gewebte Strümpfe sind billiger, angenehmer und practischer." Das erstere ist wohl wahr, aber angenehmer und elastischer sind gestrickte Strümpfe, auch haltbarer und deshalb practischer als gewebte, ebenso ist das Stopfen gewebter Strümpfe weit schwieriger als das der gestrickten. Junge Mädchen thun gut, alle stricken zu lernen, sie brauchen ja nicht feine schwarze Strümpfe zu stricken, denn was für ein Vergnügen, um nicht zu sagen Glück, das Stricken im späteren Alter ist, kann die Jugend sich gar nicht denken. Bei alten Leuten wird das Feld der Thätigkeit immer kleiner, die Augen werden meist schwächer, viel Bewegung verbietet sich bei manchen von selbst, das Schreiben greift auch an, und das Stillsitzen und gar nichts lhun können, ist eine der größten Plagen für an Thäthigkeit gewöhnte Menschen. Nun kommt das früher mißachtete Strickzeug zu Ehren. Wie vergnüglich ist es, sür Enkel, Neffen und Nichten Schühchen, Jäckchen und Röckchen zu stricken! Und die erwachsenen Enkel nehmen auch gern den von der Großmutter gestrickten Rock! Wenn es einer alten Dame an näherer Verwandten fehlt, kann sie allerlei sür Arme stricken und sich die Freude machen, mit den fertigen Sachen Bedürftige zu beschenken. Wer nicht selbst die Mittel hat, sich das nöthige Material dazu zu kaufen, bekommt es aus Vereinen gern geliefert. Das Stricken ab- sorbirt nicht ganz das Denken, die fleißigen Hände können arbeiten, die Gedanken aber dabei spazieren gehen und sich in die alten Zeiten zurück versetzen, wo dem Kinde das Stricken so schwer wurde, und auf manche gefallene Masche auch eine Thräne fiel und die Arbeit verdorben war. Freilich, — glücklich wäre vielleicht das Kind gewesen, hätte man ihm das Strickzeug genommen, das jetzt die beste Zerstreuung und der Trost der Matrone geworden ist! „Modenwelt." Der Werth der Früchte als Nahrungsmittel. Es sind die Meinungen über den Werth der Früchte als Nahrungsmittel sehr getheilt- viele betrachten das Obst lediglich als ein Genußmittel, legen ihm aber keinen eigentlichen Nährwerth bei, während andererseits Viele, besonders die Vegetarianer, das Obst als das einzige Nahrungsmittel sür Menschen anerkennen wollen und den Genuß von Fleisch, Geflügel, ja selbst von Eiern und Milch verpönen. Sehr beachtenswerth sind die Ausführungen der soeben erschienenen Schrift: „Die Methusalems" oder „Wie sich das menschliche Leben verlängern läßt", von A. Daul (I. M. Richter's Verlag, Würzburg, 2.— Mark). Ohne den Fleisch-, Eier-, Mehl-, u. s. w. Speisen, einen Nährwerth abzusprechen, werden doch die Früchte als die werthvollsten Nahrungsmittel hervorgehoben und als Mittel zur Beförderung der Gesundheit und zur Heilung von Krankheiten bezeichnet. Ueber den zweckmäßigen Genuß von Früchten werden in dem genannten Buche folgende Regeln aufgestellt: 1. Früchte, welche man roh essen will, müssen reif, frisch und vollkommen sein. 2. Sie müssen vor dem Genüsse von Staub und sonstigem Schmutze und besonders, wenn sie auf dem Markte von verschiedenen Personen berührt worden sind, gut abgewaschen werden. 3. Sie dürfen nur mäßig genossen werden- bei Kernobst ist besonders zu beachten, daß Zwetschen-, Pfirsich-, Pflaumen-, Aprikosen-Kerne nicht verschluckt werden. 4. Man sollte Früchte nicht später, als um 4 Uhr Nachmittags essen. 5. Es sollte Wasser oder irgend eine andere Flüssigkeit früher als eine Stunde nach dem Genüsse von Früchten nicht genossen werden. 6. Um der wohlthätigen Einwirkung des Genusses von Früchten vollkommen theilhaftig zu werden, sollten sie, kurz, nachdem sie abgepflückt worden sind, gegessen werden. Es ist der Vernachlässigung dieser Vorschriften zu verdanken, daß: man sich vom Genüsse der Früchte das Gegentheil ihres Nutzens zuzieht und die süßesten Aepfel, die süßesten Pfirsiche, die süßeste Traube ansieht, als ob sie Gift enthalten, während sie anerkannt die gesündeste Speise bilden und zur Erreichung eines hohen Alters wesentlich beitragen. Ein wahrer Schatz für die Hansfran ist die Suppenwürze „Maggi". Nicht nur kräftigt sie jede schwache Suppe und verleiht ihr ein hochfeines Aroma, sondern sie ermöglicht cs auch, im Nothfalle — wie z. B. bei unerwartetem Besuch — einer mit Wasser verlängerten Suppe, durch entsprechenden Zusotz von Würze die ursprüngliche Kraft wiederzugeben und ihren Wohlgeschmack sogar noch zu erhöhen. Einfache Küche: Rübstiel- Gemüse oder Stielmus. Man verwendet hiezu die Stiele und Blattrippen, manchmal auch das zarte Grün verschiedener Rübenarten, z. Z. vom jungen Kohlrabi, — später Krautstrünke, auch die Stengel von aufgeschossenem Salat, welch' letztere als die beste Ait Rübstiel gelten. Man schält und putzt Stengel oder Strünke, wäscht sie, schneidet sie in kleine Stückchen und kocht sie in siedendem, gesalzenem Wasser weich, um sie dann auf folgende Art zuzubereiten: 1. 4 Personen: Man bereitet aus eigroß Butter oder gutem Fett mit zwei Kochlöffelchen Mehl und einer seingeschnittenen Zwiebel ein Helles Einbrenn, giebt dem weichgekochten, gut abgetrvpften Rübstiel hinein, verdünnt mit leichter Fleischbrühe, oder siedendem Waffer, kocht das Gemüse mit Salz, etwas Pfeffer und Muscatnuß gewürzt, gut aus, um es beim Anrichten mit etwas Maggi kräftiger und geschmackvoller zu machen. 2. Man läßt 1 Pfund frisches oder geräuchertes Schweinefleisch eine Stunde in leicht gesalzenem Wasser kochen, thut einige robgeschälte Kartoffeln und 1IJ Suppenteller voll abgekochte Rübstiele dazu, läßt das Ganze zusammen weich kochen, nimmt das Fleisch heraus und durchdünstet das Gemüse mit drei roh auf dem Reib» eisen geriebenen Kartoffeln. Wenn es durchgekocht, verstärkt man mit etwas Maggi und richtet mit dem Fleisch zusammen an. 3. In 50 Gramm Butter röstet man Mehl, soviel sie annimmt, hellgelb, gießt unter beständigem Rühren */» Liter Milch dazu, fügt noch ein Stückchen Butter, etwas Salz und geriebene Muscatnuß hinzu und durchdünstet darin einen Suppenteller voll in Salzwasser weichgekochten Rübstiel eine Viertelstunde. Das fertige Gemüse wird mit etwas Maggi im Geschmack gehoben und zu abgebräunten Bratwürstchen, Cotelctten, auch zu Mettwurst oder Schinken gegeben. Tas Mauerwerk vor den Fenster«, auf welchem im Sommer die Topfblumen stehen, leidet durch das oftmalige Noßwerden sehr, besonders wenn Nährsalze ins Gieß- waffer gegeben werden (was ja der Topsflanze sehr gut thut), zerbröckelt der Mörtel schnell und es erfordert dann ost das Mauerwerk eine sehr theure Ausbesserung. Deshalb verfertigte ich einen Holzkasten von der Größe der Fensterbank, nagelte ringsherum einen etwa 10 Zentimeter hohen Rand (gegen vorn kann der Rand 15 Zentimeter hoch sein, an den anderen drei Seiten geht es schon mit einem etwa 3 Zentimeter hohen Rand). Ich verschmierte alle Fugin gut mit Gips und Glaserkitt, ließ alles gut trocknen und bestrich dann den ganzen Kasten von innen mit erwärmtem Theer und streute gleich danach den Anstrich mit seinem Kiessand aus. Nach etwa einer Woche war der Theer soweit erstarrt, daß nun der Kasten vor das Fenster gestellt werden kann und die Blumentöpfe sammt Untertassen darauf kommen. Der Boden des Kastens ist wasserdicht- man kann ruhig spritzen und gießen, ohne der Mauer damit zu schaden. Einfacher ist freilich ein Zinkblecheinsatz, aber auch viel theurer, als der zweckdienliche Theeranstrich. Redaction: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.