MS ■ iffl MW iw iiWmB iiSOSüi w "L^^W» ,11 a MM! ie bettelarm ein Herz doch bliebe. Das nur des Andern Freude theill 1 Das ist das schönste Recht der Liebe, Daß sie des Unglücks Wunden heilt. H. Scheerenberg. Ein Prüfstein für der Seele Kraft Ist jede tiefe Leidenschaft. Die kleinen zieht sie in den Sumpf hinein, Die großen Seelen witscht sie spiegelrein. E, Bormann. Das Fräulein. Roman von E. Vely. (Fortsetzung.) Etwas Anderes, als eine Zustimmung, schien sie gar nicht von Line zu erwarten; von der Thür her klang's noch flüchtig: „Die Frau wird Ihnen meine Adresse geben und das Nöthige sagen" — dann war die zierliche Gestalt verschwunden. „Haben Sie ein Glück," meinte die Selken. „Da geh't hoch her,- freilich immer ein Bischen viel Wechsel, aber den kann sich der ja leisten, der in der Thiergartenstraße in solch 'nem Hause sitzt. — Und denn, komisch, die Leute, die bei Lunds gewesen sind, finden immer gleich wieder Stellen. Natürlich, die Menschen sind doch neugierig und lassen sich gern erzählen, wie die schöne Frau Lund das machte, und wer zum Besuch kam und so weiter! Um die Hausmädchen von der habe ich schon ein förmliches Gereiße gehabt." „Sie glauben also, daß ich —" „I, Du meine Güte, da können Sie noch fragen, so was passirt doch gar nich wieder, Fräulein! Die kommt hierher und will einen Diener miethen und verfällt auf Sie und sagt über die andere Sache kein Wort. Ja, so muß Einer in meinem Geschäft Geduld haben, sonst kommt man nicht weiter." Sie trat an das Schreibpult und kritzelte einen Namen auf einen Streifen Papier. „Frau Ebba Lund", las Line Arabin, dann schob sie ihr ein anderes Papier hin. „Die gnädige Frau zahlt besonders gut, nach einem Monat habe i ich noch für meine Mühe diese kleine Summe zu bekommen, t wollen Sie mal Ihren Namen dahin setzen. „So!" Line Arabin sah, während die Frau ihre Personalien l in einem abgegriffenen dicken Buch ergänzte, an den Wänden I umher, wo patriotische Bilder hingen. Das Sopha im ; Hintergrund war mit Filetschonern belegt, an einem der s tief herabgehenden Fenster stand ein Gummibaum — die \ Farbe des Bodens war abgetreten von den vielen Füßen, I die hier kamen und gingen. Ja, Line hatte nun ein Unterkommen) als sie wieder emporstieg, drängten sich Andere hastig an ihr vorbei — die suchten noch, die Armen. Sie kam sich Plötzlich geborgen vor und athmete tief die frische Luft ein. Blitzschnell hatte vorhin der Diener den Schlag auf» gerissen, während der Herr sich hilfseifrig vorbeugte, um die Einsteigende zu unterstützen. Als sie sich behaglich in den Kissen zurecht gerückt, breitete er auch die kostbare Pelzdecke über sie und sich aus — Kutscher und Diener warfen einen Seitenblick herüber, dann zogen die Pferde an. An allerlei Vehikeln, an den rasselnden Pferdebahnwagen, an Menschengruppen vorüber gings, hüben und drüben winkten reich ausgestattete Schaufenster, Reelamewagen glitten vorbei) Ausrufer ließen ihre Stimme laut werden, Schutzleute zu Roß und zu Fuß hielten Ordnung, die Dame hatte keinen Blick für all das, was um sie her vorging. Sie hatte ein eigenwilliges, rundes Kindergesicht, das etwa der Ro-kokozeit hätte angehören können, wie denn die Zierlichkeit der ganzen Person sich mit einem Meißener Porzellanfigürchen vergleichen ließ. Was auffallend und nicht stimmend in dem Köpfchen war, waren die großen, blauen, so kaltblickenden Augen mit den langen, blonden Wimpern — aber eben deshalb hatte das Gesicht einen ganz besonderen Reiz, eine eigenthümliche Anziehungs» \ kraft. Man fragte sich, wie die verstandeskalten Augen = da hinein gerathen waren. Frau Ebba Lund konnte die Aufklärung geben. Ihre । Mutter, eine kühle, überlegende, schwedische Gräfin, hatte § solche Augen. Die Verarmte hatte eine GeldHeirath ge- ; schlossen — dem Manne Ansprüche bringend und kein Herz — und ohne Liebe hatte sie ihr Kind erzogen. Den Namen , Meyerling hatte sie sick und ihrer Familie nie verziehen l und ihn wie ein Nessusgewand durch's Leben getragen. ' Wenn, was freilich selten vorkam, Jemand die schöne, ge- : feierte Frau Ebba Lund fragte, wie ihre Kindheit gewesen, \ dann zog sie die feinen Schultern, wie von einem kalten ■ Hauch berührt, zusammen und sagte: „Frostig!" Es war und wie Klingel zu ziehen. * „Ebba, nun weiß ich wirklich nicht, was ich sagen soll, kann Dir hier nicht einmal einen Handkuß geben. „Erlassen!" klang es gleichmüthig aus der Wagenecke. „Wohin fahren wir denn eigentlich?" fragte er. „Zu einer Besuchstournee, den lieben Freunden zeigen, aut unser Einvernehmen ist!" „Nein, Ebba, Du bist eine Frau — Du bist die echte Weltdame - Du bist musterhaft," rief er enthusiastisch aus. Sie zog den Schleier glatt- nicht em Zug veränderte sich in dem lieblichen Gesicht. „Als ich Dich heirathete, Conrad, hoffte rch eine reiche, unabhängige Frau zu werden, um ,das Leben zu gemeßen. So wenig als möglich Unangenehmes m dasselbe zu bringen, muß da das erste Gebot sein, dem >ch zu folgen habe, ^ch bin ein Programmmensch — wie Du stehst. „Eine bewunderungswürdige Frau! Ein leises Lachen. „Für die Du Dich vielleicht mter- essiren würdest, wenn sie nicht Deinen Namen trüge. „Ebba — wahrhaftig —" , Der Wagen hielt mit einem Ruck vor einer Villa m der Rauchstraße und der Diener flog an die Thür, um die viel zu verbergen, als günstig für ihn war. Seine Rede mit englischen Floskeln zu mischen, hatte er zu guten 1 Und dann hätte ich eine Bitte, Conrad!" Nur ein ganz klein wenig hob sie das Köpfchen und sah ihn von „Ebba, was in meinen Kräften steht," beeilte er sich, $ „Laß derartige Schriftstücke nicht fo achtlos umherliegen, es ist wegen der Dienerschaft." Nun holte er fast schnappend Athem — das ging noch über Alles — diese Frau überraschte immer aufs Neue. Nichts als diese freundschaftliche Warnung, wie sie ihm sein Freund von Wiesenau oder der dicke Valentin Hopf auch hätten geben können. Er versuchte, ihr in die Augen zu sehen, aber die Lider mit den langen Wimpern blreben - 258 eine empfindliche Seite berührt. Ja, Alt m.t. Jung, hatte gefroren unter den Blicken der geborenen Gräfin Borstn - Und sonderbar, den einzigen Wunsch, welchen sie gehabt, daß ihre Tochter Ebba eine vornehme Herrath fäW/ hatte fic icbeitern sehen müssen — Ebba hatte die Millionen bi~> H^rn Lund dem Wappen eines armen, adeligen Lieutenants vorqczogen. — „Ich bin Deine Tochter," hatte die Sieb- rehniähtiqe gesagt eisig und selbstbewußt. Sie haßte die Visitenkarte der, Mutter „Karin Meyer- ling, geb. Gräfin Borstrick", weil sie sich überall ausdrarrgte und die neunzackige Krone, welche an jedem nur möglichen Platze im elterlichen Hause angebracht war, war eine Dornenkrone für ihren Vater geworden, das hatte sie sehr früh erkannt und das bürgerliche Element m ihr empörte sich, wenn ihr von den Ahnen erzählt wurde, die nur voll er Tugenden gewesen waren, die sie erwerben sollte. All diese Urgroßmütter und Urgroßtanten, das Einzige, was ihre Mutter von dem verblichenen Glanz des Geschlechts gerettet, waren alte Bilder, erschreckten sie, und doch hatte sie auch ihr Erbtheil von ihnen bekommen. Der Wagen war schon zwei Straßen weit nach W. zugerollt, als erst das Schweigen der Insassen durch Frau Ebba gebrochen wurde. .Ich schicke Fräulein Annette morgen fort! jagte sie. So !" Herr Lund, der Consul einiger kleiner sud- amerikanischer Staaten war, aus Vergnügen au dem Titel und den Orden, fragte nicht nach dem Grunde. -6« seinem fürstlichen Hause war seme Frau unumschränkte Regentm. Frau Ebba steckte die Hände in die winzig kleine Muffe, die zu ihrem Anzuge paßte. „Sie war mir nämlich zu aufmerkfiim.o^" @atte zurück, gewissermaßen nur mechanisch und höflich, denn ihn interessirte die ganze Sache nicht und Ebbas ungewohnte Mitthcilsamkeit zog seine Aufmerksamkeit von einer sehr eleganten, vorübergehenden Dame ab der er scharf nachblickte — er meinte, er muffe sie schon irgendwo gesehen haben- äußerst chiker Anzug, jedenfalls g Sie fand vorgestern einen offenen Brief der kleinen Beril an Dich — und glaubte mir ihn bringen zu muffen. Solch einen Uebereifer kann ich nicht brauchen, der ist mir Das Haus an der Thiergartenstraße, welches Herr- Johann Conrad Lund seinem Sohne bet der Verhelrathung überaeben stand schon sehr lange und lag tief zuruck tu einem großen, schattigen Garten. In seinem soliden Aeußern hatte es lange Zeit gar keinen Styl repräsenttrt, dann war ein findiger Architekt auf den Gedanken gekommen, thm ein Mansardendach aufzusetzen und Rokokoornamente anzubrtngen — und so glich es einem Schlößchen aus dem vorigen Jahrhundert. Frau Ebbas Aufgabe war es dann gewesen, es entsprechend zu möbliren; eine Zeit lang war e§ für sie ein anqenehmer Sport, wirklich ächte Möbel tu Franlretch und in den ehemaligen kleinen deutschen Residenzen zu er- steheo - so hatte fast jedes Stück seine Geschichte, a er das Ganze war einheitlich und der rechte Rahmen für ihre zierliche Gestalt. Sie ging so weit, dem zurückliegenden Zeitgeschmack gemäß Tempelchen und Grotten m dem Garten ?u erbauen, und nun konnte eine bewegliche Phantasie und ein gefälliger Glaube die sauberen Kieswege, die gobelm- bekleideten Pavillons und die Boskets und Taxusgange mi Gestalten in Reifrock und Pudder bevölkert gewesen sein lassen. Jacqueline Arabin kam aus dem Mansardenstock Herav, in welchem ihr Zimmer lag, ihr war am gestrigen Abend der Raum neben dem Schlafgemach der Kinder überwiesen. Es war zu spät gewesen, noch die Bekanntschaft mit den M d'° «™*Z8 zwischen dem neuen Fräulein und Lonny und Henny nich, sie wandten sich ab, wollten sie nicht begrüßen und flüchte en zur alten Fischer, der ehemaligen Pflegerin Ebbas, die ihr gefolgt war. , , L. (Fortsetzung folgt.) unbequem. _ @bba _ wahrhaftig," stotterte Herr Lund und blickte die kleine Frau von der Seite an, als se es das Natürlichste von der Welt, wenn sie jetzt in einen Zornausbruch gerathe. Aber, sie saß ganz kerzengerade, ganz kühl da. Er hatte nach wenig Minuten fast em Ge- sühl der Bewunderung für sie. Diese vornehme Selbs- beherrschunq war doch unbedingt das schwedisch gräfliche Blut in ihr. Seit längerer Zeit machte er allerdings der kleinen Opcrettenfängerin den Hof, das war kem Gehetmmß — und daß die scaudalsüchtige Gesellschaft Ebba irgend eine Picante Andeutung machen würde, darauf war er gefaßt. Daß sie nun aber diesem corpus delicti aug der Hand des Fräuleins gegenüber so gelasseni blieb, nein, wahrhast'g, das war groß. Er gelobte sich, ihr noch heute em Armband, wie sie es sich gewünscht, auf den Toilettentisch zu legen. Herr Conrad Lund, dessen Vater ein Emporkömmling war, der durch Fabriken und glückliche SPeculatwnen zu Rittergütern und großem Reichthum gelangt war, stellte in seiner Erscheinung schon den Mann dar, m deni BauerMhum und Arbeitsmensch überwunden sind — hatte sein Vater noch immer einen Kampf mit den Formen zu bestehen, ° waren sie in Vollendung schon bet ihm zu finden. Er hatte eine etwas übergroße Gestalt, sehnige Muskeln und lange Gliedmaßen — aber da er sich auf das Englische üi semer Erscheinung dresstrt hatte, stimmte das Ganze, «eui roth- licher Bart war nach englischer Mode geschnitten, se"' Anzug bis aufs Geringste, neueste Fashion, von jen eits des Canals, seine wasserblauen Augen blickten gutmuthig in die Welt, von der Schlauheit seines Characters wußte er gerade so 259 Mer das Bürsten der Zähne. Von Dr. M. Ehret. (Nachdruck verboten.) Das Bürsten der Zähne soll bei Kindern und in der Jugend täglich zweimal geschehen, Früh und Abends. Auch nach dem Mittagessen kann es nur gut sein. Vom dreißigsten Jahre brauchte es nur einmal zu geschehen. Gewöhnlich wird nur der Quere nach auf den Vorderflächen der Zähne gebürstet. Das ist ungenügend. Man muß außerdem noch die Kauflächen und die Rückflächen rein bürsten. Am dringendsten aber ist es, die Zwischenräume sauber zu bürsten- denn wir wissen, daß von diesen aus gewöhnlich, an den Vorderflächen aber höchst selten die Zerstörung beginnt. Um die Zwischenräume zu treffen, ist es nöthig, die Bürste in der Richtung vom Zahnfleische nach der Kaufläche hin zu bewegen, also an den unteren Zähnen aufwärts, an den oberen abwärts. Der Anfänger stellt sich zwar etwas ungeschickt dabei an, er darf sich aber dadurch nicht abschrecken lassen. In kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt. Die Zahnbürsten haben verschiedene Formen. Man hat außer den einfachen Formen, bei welchen der Griff ziemlich gerade und die Borsten ziemlich gleich lang sind, solche mit gekrümmten Griffen und mit Borsten von verschiedener Länge. Man soll mit solchen Bürsten im Stande sein, leichter in die Zwischenräume und in etwa hohle Zähne zu gelangen. Was indessen die hohlen Zähne betrifft, so sind sie in einem gepflegten Munde einfach nicht vorhanden, die Zwischenräume aber trifft man mit den einfach gestalteten Zahnbürsten ebenso gut, wenn man nur in senkrechter Richtung bürstet. Wenn es nöthig wäre, für die verschiedenen Zwecke verschieden gestaltete Zahnbürsten zu gebrauchen, so müßte sich Jeder deren mehrerer bedienen. Dies wird selten Jemand thun, und es ist auch überflüssig. Die Zahnbürste soll nicht zu hart sein, damit man sich nicht das Zahnfleisch verletze. Zu weiche Bürsten aber verlieren die Borsten leicht und putzen nicht gründlich genug. Wenn man sie in Wasser eintaucht, werden sie auch noch weicher. Man soll sich daher mittelharter Bürsten bedienen. Nach dem Gebrauche wird die Zahnbürste gehörig ausgespült, etwas abgetrocknet und dann ausgehängt, damit das Wasser noch vollends ablaufen kann. Man hat auch Gummibürsten in den Handel gebracht. Dieselben sollen den Vortheil haben, daß sie das Zahnfleisch nicht verletzen. Ich kann indessen die Versicherung geben, daß die Gummibürsten ungenügend wirken, indem sie den schmierigen Zahnbelag nur untereinander wischen, aber nicht wegreiben und somit das Zahnfleisch locker werden lassen, daß dagegen mittelharte Bürsten das Zahnfleisch nicht verletzen, wenn dasselbe nicht durch vernachlässigte Zahnpflege locker und blutüberfüllt ist. Trotz sorgfältiger Pflege kommt es vor, daß die Zähne doch erkranken. Andererseits giebt es Leute, die verhältniß- mäßig wenig kranke Zähne haben, obgleich sie nie eine Zahnbürste gebrauchen. Diese beiden Thatsachen nebeneinander gestellt beweisen scheinbar die Nutzlosigkeit der Zahnpflege. Indessen ist Anderes dabei zu berücksichtigen. Wer trotz sorgfältigster Pflege einige hohle Zähne bekommt, würde ganz bestimmt viel schlimmer daran sein, wenn er die Pflege vernachlässigte. Die Zähne sind eben nicht alle gleich. Die weißen, bläulichen und grauen Zähne zerfallen leicht. Werden sie gar nicht gepflegt, so sind mit dem 20. bis 30. Jahre ganze Reihen derselben zu Ruinen geworden. Mit Hilfe sorgsamer Pflege sind sie hingegen mit nur geringen Verlusten bis ins Alter brauchbar zu erhalten; denn ein Gebiß kann noch sehr gut und brauchbar sein, wenn auch in sachverständiger Weise einige Zähne davon geopfert sind, wenn man statt 32 Zähnen nur 28 oder 24 besitzt und von diesen noch die meisten gefüllt sind. Was die gelblichen, festen Zähne betrifft, fo scheinen sie unverwüstlich zu sein und doch unterliegen auch sie oft der Zerstörung. Man muß nur genau Hinsehen und die Backzähne untersuchen, so wird man ost Defecte finden. Freilich halten sich solche Gebisse von selbst so gut, wie man weichere Zähne nur bei sorgsamer Pflege erhalten kann. Werden aber feste Zähne auch noch sauber gehalten, wie es immer sein sollte, so werden nur ausnahmsweise Defecte daran entstehen. Ein wichtiger Einwand gegen das Bürsten der Zähne ist der, daß das Zahnfleisch leicht blute. Aber das Zahnfleisch wird gerade durch das Bürsten hart und gesund. Wenn man es täglich wenigstens einmal gehörig bürstet, so blutet es nie. Unterläßt man diese Procedur aber nur einen Tag, so ist das Zahnfleisch am anderen Tage in Folge des am Rande desselben angesammelten gährenden, reizenden, Belags bereits locker genug, daß es nun bei Berührung mit der Bürste blutet. Wer also leicht blutendes Zahnfleisch hat, dem ist nichts Besseres zu rathen, als unbekümmert um den geringen Blutverlust die Zähne Früh und Abends mit einer mittelharten Bürste zu behandeln. Nach 4 bis 6 Tagen wird, falls nicht eine besondere Krankheit vorliegt, das Zahnfleisch nicht mehr bluten. Weiter macht man gegen das Bürsten der Zähne geltend, es ginge der Schmelz dadurch verloren. Dies ist ganz falsch. Der Schmelz kann wohl mit der Zeit etwas dünner geschliffen werden — der Tropfen durchlöchert ja den Stein — ; aber ein Menschenalter reicht nicht hin, bei täglich zweimal wiederholtem Bürsten den Schmelz völlig abzubürsten. Wo sich eine Abnützung des Schmelzes zeigt (und solche Fälle sind sehr selten), liegen ganz andere Ursachen zu Grunde. Bisweilen kommt es vor, daß quere Furchen an den Zähnen entstehen und wahrscheinlich theilweise durch das Bürsten. Aber diese keilförmigen Defecte entstehen nicht durch Abnützung des Schmelzes, sondern des Cementes, einer- weicheren Substanz, die den Wurzeltheil des Zahnes gerade so überzieht, wie der Schmelz den Kronentheil. Der Wurzeltheil steckt in der Jugend im Kiefer- im Alter aber schrumpft der Knochen, und das Zahnfleisch zieht sich zurück. Meist ist schon vom dreißigsten Jahre an ein geringes Zurückweichen des Zahnfleisches zu bemerken und in diesen Fällen können durch vieles Bürsten in querer Richtung Rinnen in den Zähnen entstehen. Diese Fälle kommen aber nicht zu oft vor, und man soll eben nicht blos in querer, sondern vorzugsweise in der Richtung bürsten, wie die Zähne gewachsen sind. GsHMHilBNÄtzig-O. Hochstämmige Johannis nnd Stachelbeersträucher. Die als Fruchtsträucher cultivirten Stachel- und Johannisbeeren haben wenig Neigung, eine Baumform zu entwickeln, sondern wacksen meistens in Strauchsorm. Um nun hochstämmige Stachel- und Johannisbeeren zu erhalten, werden dieselben auf eine andere, die goldgelbe Johannisbeerart veredelt, da die Stämme derselben ein schlankeres und kräftigeres Wachsthum haben vor den in Strauchform gezogenen voraus, daß ihre Früchte sich vollkommen entwickeln, da Licht und Luft zur Baumkrone besseren Zutritt haben. Die Früchte können sogar bei heftigem Platzregen nicht mit Erde beschmutzt werde«, und die Schädigung durch Jnsecten ist an Bäumchen ebenfalls geringer als an Sträuchern. Auch das Ernten der Früchte ist bei Hochstämmchen bequemer als bei Sträuchern. Der goldgelbe Johannisbeerstrauch kann ebenso wie Fruchtsträucher aus Stecklingen gezogen werden. Von den an letzteren sich entwickelnden Trieben läßt men nur einen wachsen, entfernt die übrigen oder mäßigt ihr Längenwachsthum durch Abkneipen der Spitzen. In zwei Jahren sind die Stecklinge soweit erstarkt, daß sie veredelt werden können. Die Veredelungen können im Gewächshause durch Eopulation oder Pfropfen in den halben Spalt borge- -- SW nvmmen, aber auch im Freien ausgeführt werden. Letzteres geschieht im Juli und August dadurch, daß man die entblätterten Edelreiser in einer Länge von 8—10 (Zentimeter seitlich einsetzt, verbindet und mit Baumwachs verstreicht. Auch im Frühjahr kann die Veredelung im Freien durch Copulation ausgeführt werden. Die aufgesetzten Edelreiser müssen aber durch übergesteckte, oben geschlossene Glascylinder, die durch Ausschwenken mit Kalkmilch undurchsichtig gemacht sind, geschützt werden. ♦ Das „Seemoos" ist gegenwärtig Wohl in jedem Hause zu finden- namentlich zur Winterszeit, wenn viele Pflanzen den wohlverdienten Winterschlas halten, muß es unsere Ampeln schmücken, und es erfüllt diese Pflicht in der selbstlosesten Weise, denn es fordert durchaus keine Pflege, nicht einmal Wasser. Das Seemoos hat kein Leben, es erhält sich demzufolge unverändert. Nur darf es dem Sonnenlicht nicht allzusehr ausgesetzt werden, sonst verblaßt seine Farbe — denn diese ist nicht echt. Der Ursprung des Seemooses dürfte wenig bekannt sein- wir entnehmen hierüber einiges einem in der „Jllustrirten Familien-Zeitung" veröffentlichten Aufsatze: Wer den Sommer in einem unserer Seebäder verbracht hat, erinnert sich vielleicht, ähnliche Gebilde am Meeresstrande gefunden zu haben- nur sehen sie glänzend hellbräunlich aus. Es war das „Seemoos" in seiner natürlichen Beschaffenheit, denn das Grün ist künstliche Färbung. Den Namen „Seemoos" trägt das Gebilde jedoch mit Unrecht. Trotz seiner Pflanzenähnlichkeit stammt es nicht aus dem Pflanzen-, sondern aus dem Thierreiche. Es ist ein Polypenstock, eine Sertularie. Betrachten wir die Zweige genauer, so finden wir, daß sich zahlreiche kleine Knötchen auf ihnen befinden, und unter Anwendung der Lupe erkennen wir, daß dies becherartige Erweiterungen sind. In diesen Bechern saßen einst, als sich der Stock noch am Grunde des Meeres befand, die kleinen Polhpen-Thiere. Sie haben einen cylinde- rischen Körper, an dessen oberen Ende um den Mund herum gegen zwanzig weiße, fadenförmige Fangfäden stehen, sodaß die Thierchen wie zarte, zierliche Blüthen aussehen. Während die Pflanzen des Meeres die Blüthen entbehren, finden wir sie bei den Thierbäumen. Ein solches Polypen Bäumchen mit seinen Tausenden von zierlichen Polypen, welche in beständiger Bewegung sind, gewährt einen reizenden Anblick. Nach allen Seiten neigen und wenden die kleinen Thierchen den weichen, schlanken Körper, ziehen sich abwechselnd zusammen und dehnen sich wieder aus, während die biegsamen Faugsäden begehrlich sich schlängelnd hin- und herbewegen, um Infusorien und andere der kleinsten Wassergeschöpfe zu sangen und dem gierigen Munde zuzusühren. Das Bäumchen selbst entsteht als Ausscheidung der Thiere. Aber wir dürfen nicht glauben, daß es, wenn auch aus Hornstoff bestehend, eine tobte Masse ist, welche den Thieren nur als Behausung dient, wie etwa den Schnecken und den Muscheln ihre Schalen. In der Mitte des Bäumchens befindet sich ein Achsencanal, welcher Aeste und Zweige durchzieht und mit der gemeinsamen Leibesmaffe der Thiere ausgefüllt ist, sodaß durch diese sämmtliche Thiere mit einander im Zusammenhang stehen, der Nahrungssaft circulirt durch die gemeinsame Leibesmaffe durch das ganze Bäumchen. Was ein Thier fängt und verzehrt, kommt allen übrigen zu Gute. So arbeitet jedes Thier für das allgemeine Wohl und, wenn ein Thierchen unfähig ist, sich Nahrung zu erwerben, wird es von den übrigen versorgt. * * • Gutes Mittel gegen Hühneraugen. Gegen dieses allgemein vorkommende, bei Vielen stabile Leiden sind schon so viele Mittel zur Vertreibung in die Oeffentlichkeit gelangt, daß es fast überflüssig wäre, immer wieder neue Recepte dagegen an das Tageslicht zu fördern. Es soll iudeß hier ein Mittel gegen die Hühneraugen genannt werden, das sich fast durchweg glänzend bewährt. Man mischt nämlich 5 Gramm Theer, groben braunen Zucker und Salpeter, erwärmt dies Gemisch und streicht davon auf feines Leder, das man in kleinen Pflästerchen auf das Hühnerauge legt. Mittel, um feuchte Keller trocken $tt machen. Man thue in gebrauchte Konservenbüchsen das Salz Chlvr- calium, kostet pro Kilogramm 30 Pfennig, J/2 Kilogramm genügt für einen größeren Kellerraum. Dasselbe zieht das Wasser aus der Luft au, später steht Wasser darüber. Dann gießt man das Wasser nicht weg, sondern man läßt es auf starkem Feuer verdampfen, wodurch das Salz wieder krystallisirt und zu nochmaligem Gebrauch verwendbar ist. Besonders für Kartoffelkeller ist dies dienlich, da das Keimen der Kartoffeln, wenn auch nicht ganz verhütet, so doch bedeutend verzögert wird. * * * Das Reinigen des Messings. Es ist ganz verkehrt, zum Reinigen des Messings eine Säure anzuwenden, dadurch wird dasselbe nach kurzer Zeit wieder matt und glanzlos. Um dasselbe recht glänzend zu machen und ihm seinen Glanz zu erhalten, soll man es vorerst mit einem Gemisch von Olivenöl und feinem Trippel abreiben, und nachher mit Seifenwasser abwaschen und blank reiben. * * * Thüren, Fensterrahmen und dergl. zn pntzen. Dieselben reinigt man am besten mittelst Schwamm oder Leinewand durch Wasser, in welches Chlorkalk oder Chlornatrium gethan ist- der schwärzeste, veraltetste, festsitzendste Schmutz weicht diesem Mittel sehr schnell. Man trockne aber nachher mit reiner Leinewand nach, sonst bilden sich auf der Oelfarbe wolkige Stellen, die übrigens durch Waschen mit reinem Wasser wieder verschwinden. — Um Glas und Holz, auf welche Oelfarben oder Lack getropft sind, von diesen Flecken zu befreien, befeuchtet man dieselben einigemale mit verdünntem Wasserglas. Das Wasserglas erweicht alle Farben und Lacke in kürzester Zeit, sodaß dieselben mit Wasser leicht entfernt werden können. Literarisches Ein für jeden Haushalt, Gewerbe- und Fabrikbetrieb nützliches Büchelchen ist vor Kurzem unter dem Titel .Samariterbuch für Jedermann" (Allgemein verständliche Anleitung zur ersten Hilsele.stung bei Unglücksfällen Dr. med. Eydam im Verlag von Otto Salle in Berlin W. 30, in neuer Auflage veröffentlicht worden. — Preis gebunden 1 Mk. — Wenn ein Buch bereits in 7. Auflage erscheint und bereits in vielen Tausenden von Exemplaren Verbreitung gefunden hat, so muß sich dasselbe bewährt haben und sich durch besondere Vorzüge auszeichnen. Und in der That vereinigt dieses Büchelchen äußerst anschauliche, für einen Jeden verständliche Darstellung mit einer sehr übersichtlichen Gruppirung des Stoffes, welche ein schnelles Auffinden in der Roth ermöglicht. — Es ist nach Allem ein praktischer Rathgeber in handlicher Form, welcher überall eine Stätte haben sollte, zumal der billige Preis von 1 Mk. für einen Jeden erschwinglich ist; es verdient ein wahres Hausbuch zu werden. * * * Das erste Quartal der in Stuttgart erscheinenden „Neuen Musik-Zeitung" (Verlag von Carl Grüninger) bringt musik- pädagogische Abhandlungen von A. Friedmann (Gottfried Kellers Beziehungen zur Musik), H. Abert (Zur Musikästhetik der Griechen), Biographisches aus dem Leben von I. Brahms, Bernhard Pollini, C. Gottlieb Reißiger, Richard Strauß, ausführliche Auszüge aus neuen musikgeschichtlichen Schriften und musikalischen Unterrichtswerken, kritische Berichte über neue Opern, Virtuosen, Novitäten aus dem Concerlsaal, Bildnisse und Biographien und schließlich gewählte Clavierstücke, Lieder und Duos. (Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt nur 1 Mk. Probenummern versendet an Jnteressenteu jede Buch- und Musikalienhandlung, sowie der Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart auf Verlangen gratis und franco.) Redaction: I. B.: Hermann «lle. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitStS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Schehda) in Gießen.