ass- sstii In^s WK fll aiiiüiii (kM^W ^MW A^Ars«^ NsÄsM tel leichter, sich liebreiche Briefe zu schreiben, Als liebreich int Leben und Umgang zu bleiben. Gefühl, in künstliche Worte gedrechselt. Ist Gold, in werthloses Kupfer gewechselt. Muttersohn. Roman von Arthur Zapp. (Fortsetzung.) Und so eilte er dann zurück in namenloser Aufregung, wie im Fieber. Mit schlotternden Knieen, bleich, mit wirr in's Gesicht hängendem Haar trat er in das Privatbureau seines Chefs. „Herr Commerzienrath," redete er den Bankier an, noch ehe dieser ein Wort zu ihm gesagt hatte, „ich hab's nicht genommen, ich bin unschuldig, so wahr mit Gott helfe!" Der Commerzienrath lächelte und legte ihm wohlwollend die Hand auf die Schulter. „Aber, mein lieber Köster," antwortete er, „wer wird denn so Unsinniges von Ihnen denken? Wir kennen Sie doch seit zwanzig Jahren und wir wissen doch Alle hier im Geschäft, ein wie gewisfenhafter Mensch Sie sind und Sie sollten nun plötzlich . . . unmöglich! Ueberdies hätte es ja gar keinen Sinn, denn Sie haben ja doch Ihre Ersparnisse in meinem Geschäft angelegt. Wie hoch belaufen sich dieselben?" „Noch auf dreitausendfünshundert Mark, Herr Commerzienrath." „Außerdem haben Sie tausend Mark Caution gestellt." „Ja, Herr Commerzienrath." „Na, also. Sie haben noch im Ganzen viertausendfünfhundert Mark bei mir und ich könnte mich doch einfach an Ihr Guthaben halten. Nein, Niemand denkt daran, einen so grundlosen Verdacht gegen Sie auszusprechen. Man kann Ihnen höchstens den Vorwurf machen, nicht Acht genug gegeben zu haben. Sie werden das Geld einfach verloren haben." „Rein unmöglich, Herr Commerzienrath. Die Tasche ist ganz, ich trage sie um den Hals gehängt, vorn auf der Brust. Die Schnalle war zu....." „Dann ist das Geld eben gestohlen." „Auch das ist rein unmöglich, Herr Commerzienrath." „Aber irgendwo muß doch das Geld geblieben sein, lieber Köster," versetzte der Bankier etwas ungeduldig. „Erinnern Sie sich nur! Vielleicht haben Sie Ihre Geldtasche unterwegs irgendwo auf eine Zeit von sich gethan." „Unterwegs? Nein, Herr Commerzienrath! Nur zu Hause." „In Ihrer Wohnung also. Und da kam Besuch und ... „Nein, Herr Commerzienrath. Es war in der Zeit Niemand bei uns." „Niemand?" Der Kassenbote dachte eine Weile nach. „Doch, Herr Commerzienrath. Meine Frau sagte mir, daß unser Sohn Carl dagewesen wäre, während ich schlief." „Sehen Sie. Also Ihr Sohn „Herr Commerzienrath" — dem Alten stieg eine dunkle Röthe in das noch eben ganz farblose Gesicht und seine Stimme klang fest und entschieden fast zornig — „Herr Commerzienrath, für meinen Sohn stehe ich wie für mich selber. Mein Sohn Carl ist alle Zeit ein Muster von Sparsamkeit und Ordnung und Solidität gewesen." „Sie haben noch einen anderen Sohn, Köster?" „Ha, Herr Commerzienraih, der Referendar. Aber der ist um die Zeit überhaupt nicht zu Hause gewesen." Der Commerzienrath nickte und setzte von selbst hinzu: „Es ist ja auch nicht denkbar, daß ein junger Mann von der Bildung und der socialen Stellung Ihres Sohnes sich soweit vergessen sollte. Freilich, irgend Jemand muß es ja doch gewesen sein. Na, überlassen wir die Angelegenheit der Behörde! Sie wünschen doch, daß die Sache zur Anzeige kommt?" „Gewiß, Herr Commerzienrath. Das bin ich mir selber schuldig. Ich will nicht ruhen, als bis der Thäter heraus und jede Spur eines Verdachtes von mir genommen ist" Der Chef der Firma Jacobs & Co. winkte begütigend und die Unterredung war beendigt. Noch am selben Nachmittag erstattete Köster im Namen seines Chefs die Anzeige bei der Polizei. Als er am Abend nach Hause kam, war Otto schon da. Es lag etwas Scheues und Lauerndes in dem Blick, den er auf den Eintretenden heftete. „Hat sich das Geld gefunden, Vater ?" fragte Frau Köster. Der Alte machte eine verneinende Geste und warf sich müde und abgespannt auf das Sopha. Frau Köster schlug mit einer Geberde des Entsetzens die Hände zusammen und ließ sich in einen Stuhl sinken. Sie wußte, daß ihr Mann i in der Stimmung, in der er sich befand, nicht gern hatte, 62 Wenn man ihn mit Fragen quälte, und so verhielt sie sich ganz mäuschenstill und wartete ab, bis er von selbst sprechen würde. Otto stand am Fenster und drehte den Eltern den Rücken zu. Er sah auf die Straße hinab, die von den kleinen Gasflammen der Straßenlaternen nur ein spärliches Licht erhielt. Mit einem Male wandte er sich herum und sah zu seinem Vater hinüber und bewegte seine Lippen, als wollte er etwas sagen. Aber dann biß er Plötzlich die Zähne fest aufeinander und stumm kehrte er sich wieder zum Fenster um. Ein schwüles, beklemmendes Schweigen herrschte im Zimmer, bis sich vom Sopha her die dumpfe Klage vernehmen ließ: „Daß mir auf meine alte Tage noch so was passtren muß! In meinem ganzen Leben habe ich noch nichts mit der Polizei zu thun gehabt, und nun ..." Mit einem Ruck schnellte Otto herum und sah mit schreckensbleichem Gesicht zum Vater hinüber. „Sie denken doch nicht etwa, daß Du ... . ?" „Unsinn! Ich muß's ja ersetzen. Ich habe die Sache nur einfach zur Anzeige gebracht " „Wie? Du hast's schon angezeigt?" fragte Otto in einem Ton, als würde ihm das Sprechen schwer. „Freilich hab' ich . . ." gab der Alte zurück, immerfort finster vor sich hinstarrend. „Aber das . . . das macht doch solch unangenehmes Aufsehen. Die Scherereien, die furchtbaren Scherereien! Die vielen Verhöre! Wir Alle müssen zur Polizei, jeder einzeln. Fatal, höchst fatal , . . scheußlich!" Otto ging aufgeregt im Zimmer auf und ab, während sich Köster begnügte, mit den Achseln zu zucken. „Ich . . ick an Deiner Stelle," fuhr Otto fort, „ich hätte die ganze Geschichte in der Stille abgemacht." Der Alte schlug ein zorniges Lachen an. „In der Stille! So! Und lasse mich ruhig bestehlen und verziehe keine Miene dazu . . . ." „Aber es kommt ja doch nichts dabei heraus." „Nicht? Warum denn nicht? Sie werden ihn schon fassen." „Wen?" „Na, den Hallunken, den Dieb." Wäre der alte Köster nicht selbst so sehr erregt und geistig benommen gewesen, es hätte ihm auffallen müssen, wie Otto bei dem häßlichen Wort heftig zusammenzuckte und wie sein blasser Teint noch fahler wurde. Ohne seinen Vater anzusehen, zwang er mühsam die Worte auf seine Lippen: „Hat man denn schon eine Ansicht auf der Polizei?" „Sie meinen, es müsse ein Hausdieb gewesen sein." „Ein Hausdieb? Unmöglich! Ihr verkehrt doch mit Niemandem im Hause." „Das habe ich ihnen auch schon gesagt, und daß in der Mittagszeit überhaupt Niemand hier gewesen ist als Carl." „Carl hat's nicht gethan!" rief Otto mit einer so sonderbaren Hast und Dringlichkeit, daß der Alte erstaunt ausblickte. „Natürlich nicht," sagte er und nickte semem Sohn, der den Bruder so eifrig vertheidigte, beipflichtend zu, „davon kann gar keine Rede sein." Abermals verstrich eine Pause. Otto schritt wieder auf und ab. Zuletzt blieb er stehen und sagte zum Vater hinüber: „Weißt Du, was ich denke, Vater?" „Nun?" „Ein Fremder wird's gewesen sein, ein Bettler, der sich hier, während Du schliefst, hineingeschlichen hat." „Unsinn! Wie sollte denn hier Einer hereinkommen . . . ein Fremder, am Hellen lichten Tage, ohne daß es Jemand merken würde?" Der Alte warf sich wieder in das Sophapolster zurück und grübelte von Neuem finster vor sich hin. Ottos aber hatte sich eine merkwürdige Unruhe bemächtigt. Er trat von einem Fuß auf den anderen und räusperte sich lebhaft. Seine Blicke ruhten mit einem gespannt wartenden Ausdruck auf dem Gesicht seiner Mutter und einmal hatte ei den Anschein, als wolle er zu ihr sprechen. Da ertönte wieder die Stimme des Alten, der seine Gedanken weiter spann: „Ueberhaupt, Mutter war doch auf den Beinen und sie hätte doch hören müssen, wenn Jemand mit'm Dietrich oder sonst wie gewaltsam die Corridorthür . . . ." Eine heftige Bewegung seiner Frau unterbrach den Sprechenden. Frau Köster, die bequem in ihrem Stuhl zurückgelehnt dagesessen, schnellte mit einem Male wie von einer Feder getrieben in die Höhe und schlug ihre Hände mit einer heftigen, verzweiflungsvollen Geberde zusammen. „Ach du meine Güte!" jammerte sie. „Ach du meine Güte!" „Was ist denn?" fragte Köster und richtete sich erschrocken auf. „Ach du meine Güte! Sei nicht böse, Vater! Ich bin ja schuld, ich bin ja schuld." „Du?" „Mein Gott, mein Gott! Ich habe ja in der Aufregung noch gar nicht daran gedacht. Ich habe sie ja ausgelassen ... ach du meine Güte!" Köster wie Otto blickten mit gespanntem Interesse auf die Jammernde. „Was hast Du aufgelassen?" fragte der Erstere. „Na, die Corridorthür. Carl stand schon im Flur, als ich aus dem Schlafzimmer kam. Die Thür wäre aufgewesen," sagte er. Köster war auf seine Füße gesprungen, seine Müdigkeit und Abgespanntheit hatten im Nu einer fiebernder Erregung Platz gemacht. Seine Augen sprühten Zornesfunken, eine flammende Röthe ergoß sich über sein Gesicht. „Wie," schrie er zitternd vor Empörung, „Du, Du hast die Thür aufgelassen, die Corridorthür? Und Jeder, der Lust hatte, konnte bequem hereinspazieren! Und in der Küche hing meine Geldtasche und der Dieb brauchte nur einfach zuzugreifen! Weib!" Er näherte sich ihr ungestüm und zum ersten Male in ihrer langjährigen Ehe vergriff sich der starke Mann an dem schwachen Weibe. Er packte sie rauh am Arm und schüttelte sie heftig. Im nächsten Moment aber fühlte auch er sich an der Schulter erfaßt. Otto stand neben ihm, sein Gesicht war todtenbleich und eine furchtbare seelische Erregung zuckte in den vibrirenden Mienen. „Vater, ich . . . ich . . ." Es klang wie das Gurgeln eines Ertrinkenden, dem die Luft plötzlich ausgeht. Köster kam zu sich. Er turkelte zum Sopha zurück und ließ sich schwer darauf niedersinken. So saß er vornübergeneigt, den Kopf auf der Brust und die beiden Fäuste gegen die Stirn gepreßt. „Ich selber bin schuld," grollte er in sich hinein, „ich selber. Warum nahm ich sie nicht ins Schlafzimmer mit!" Frau Köster war ganz erschöpft auf ihrem Stuhl zurückgesunken und verhüllte ihr von Thränen überströmtes Gesicht mit der Schürze. Otto trat wieder an das Fenster und preßte die heiße Stirn gegen die kühlen Scheiben. Otto ging wie im Fieber umher. Er wagte Niemandem mehr ins Gesicht zu sehen. Den Verkehr mit Markwald und Wattenfeld hatte er aufgegeben. Alle seine freie Zeit verbrachte er in der Eltern Wohnung. Appetit und Schlaf flohen ihn. Er ging die halbe Nacht ruhelos in seinem Zimmer auf und ab. „Das Examen, Mutter, das Examen," antwortete er, wenn die Mutter mit Fragen in ihn drang. Die Gegenwart Anderer versetzte ihn in einen Zustand beständiger geheimer Erregung. Es war ihm, als richteten sich Aller Augen voll spähenden Argwohns auf ihn und der Gedanke, man könnte ihm sein Schuldbewußtsein vom Gesicht ablesen, bereitete ihm eine folternde Pein. Dazu kam, daß sich fast alle Gespräche in der Familie um den Diebstahl drehten. Jedes Wort empfand er wie ein Schlag ins Gesicht und es war für ihn eine unerträgliche Marter, äußerlich ruhige Unbefangenheit zu heucheln, während der furchtbarste Aufruhr in ihm tobte. Wenn er es nicht länger aushalten konnte, sprang er auf. „Ich habe zu arbeiten!" Damit entfloh er in sein Stübchen und riegelte sich ein. Und hier des Zwanges der Verstellung ledig, saß er, die Stirn in beiden Händen vergraben und sann und seufzte. O, wie er seine That bereute, verfluchte! Wie war es nur gekommen, wie war es nur gekommen? War er denn nicht Herr seiner Sinne gewesen? Wenn der Paroximus seiner Reue, seiner Verzweiflung, seines Zornes gegen sich selbst den höchsten Grad erreicht hatte, pflegte er aufzuspringen, das Fenster aufzureißen und seinen glühenden Kopf in die frische Luft zu stecken. Hatte er sich dann etwas beruhigt, so kehrte er in das Zimmer zurück, um weiter seinen Gedanken nachzuhängen. Die unselige That war geschehen und alle Reue und alle Verzweiflung konnten sie nicht rückgängig machen. Es blieb ihm nur übrig, den Folgen ins Auge zu sehen und sich mit ihnen abzufinden. Zum Glück würde Niemandem ein dauernder Schaden daraus erwachsen. Aller Voraussicht nach würde die polizeiliche Untersuchung im Sande verlaufen, und in wenigen Wochen war die Geschichte vergessen. Seine Aufgabe, seine heiligste Aufgabe war es, die Eltern schadlos zu halten für ihren materiellen Verlust und durch ein in jeder Beziehung musterhaft sittliches Leben sein Verschulden im Stillen zu sühnen. Wenn er der früheren üppigen Gelage im Kreise seiner Collegen gedachte, ergriff ihn ein tiefer Ekel und er fand eine wahre Genugthung darin, sich der strengsten Enthaltsamkeit zu befleißigen. Er gönnte sich nicht die kleinste Zerstreuung,- die Zehnmarkstücke, die ihm die Mutter wieder gelegentlich heimlich zustecken wollte, wies er standhaft zurück, ja, er verzichtete sogar auf den größten Theil des Taschengeldes, das ihm der Vater zu zahlen pflegte. Trotz des zurückgezogenen Lebens aber, das er führte, kam er zu keinem anhaltenden Studiren mehr. Wohl saß er täglich viele Stunden in seinem Zimmer, um zu arbeiten, aber es war ihm in der Einsamkeit unmöglich, seinen Geist anhaltend auf den abstracten Gegenstand seines Studiums zn concen- triren. Immer wieder kehrten seine Gedanken zu dem zurück, das ihn innerlich unablässig beschäftigte und die Buchstaben in dem vor ihm aufgeschlagen liegenden Buche hüpften und tanzten vor seinen flimmernden Blicken und stellten sich zu einem Wort zusammen, das ihm den kalten Schweiß auf die Stirn trieb: „Dieb! Dieb! Dieb!" Und wenn er dann stöhnend aufsprang, sich der Länge nach auf sein Bett warf und den heißen Kopf in die Kissen wühlte, um nichts zu sehen und nichts zu hören, so gaukelte ihm die erregte Phantasie die qualvollsten Wahnvorstellungen vor. Er sah sich entlarvt, überführt, zu einer entehrenden Strafe verurtheilt, von Allen, die ihm nahe standen, verachtet, verflucht. (Fortsetzung folgt.) Meine erste chinesische Mahlzeit. (Schluß.) Ich hatte^schon gefürchtet, daß die schönen Schinken und Gänse, die vor uns in so leckerer Weise den Tisch zierten, die Mahlzeit bilden würden; gefürchtet deshalb, weil ich ja kein Messer zum Zerschneiden der Speisen hatte. Ich wurde aber eines Besseren belehrt, als die Diener jedem einzelnen Gaste aus der Küche kommende Speisen, schon in winzige Stückchen zerschnitten, in kleinen Porzellanschälchen vorsetzten. Was diese Fleischstückchen wirklich waren, konnte ich wegen der dicken verschiedenfarbigen Saucen, in denen sie schwammen, nicht ausfinden. Vergeblich bemühte ich mich, mit Hilfe meiner Stäbchen einzelne Stückchen herauszufischen, zum höchsten Gaudium der kleinen Mädchen, bis sich endlich mein Gastgeber erbarmte und ein Stückchen mit den von ihm benutzten Stäbchen aus seiner Schale nahm und mir in den Mund schob,- er that dies nicht sowohl um mir zu helfen, sondern weil dies bei den Chinesen auch als besondere Auszeichnung gilt. Es war nicht gerade appetitlich, aber „in Rome, one must de as the Romans do“. Der Geschmack war süßlich, ölig und so widerwärtig, daß ich den Ehrenbisscn am liebsten wieder von mir gegeben hätte. Aber wie konnte ich die Gastsreundschaft so verletzen! Also herunter damit. Hätte ich nur ein Gläschen Wasser gehabt! Mit Verlangen blickte ich auf die schönen Orangen und Leitschis und Mangos, die vor mir aufgethürmt waren, dabei war ich hungrig wie ein Wolf und konnte es doch nicht über mich bringen, einen zweiten Bissen htnunterzuwürgen. Vielleicht brachte der nächste Gang, der uns etwa vorgesetzt wurde, etwas Besseres. Abermals Fleischstückchen, abermals Sauce, aber so sehr mit Knoblauch versetzt, daß ich mich mit einem geschickt erwischten Bissen vergnügte. Ich hoffte über diesen zweiten Gang dadurch Hinwegzukommen, daß ich recht lange mit meinen Stäbchen herumfischte. Ja, wenn nur meine holde Nachbarin nicht gewesen wäre! Kichernd beobachtete sie meine Versuche, dann erbarmte sie sich meiner, der dieses Erbarmen gar nicht wollte! Sie nahm ein Stückchen aus ihrer Schale und schob es mir in den Mund. So wurde ich auch während der folgenden Gänge bald von rechts, bald von links gefüttert, mein Schälchen Reiswein wurde immer wieder halbgeleert weggenommen und durch ein neues, gefülltes ersetzt. Nun bemerkte ich erst, auf welche Weise dies geschah: Auf einem Seitentischchen standen zwei Weingefäße in heißer Kohlenasche. Die halbgeleerten Schalen wurden bei jedem Gange vom Tische genommen und die Reste in das eine Gefäß zusammengegossen,- dann wurden die Schalen aus dem andern wieder gefüllt. War dieses leer erschöpft, so holte sich der Mundschenk den Wein aus dem anderen Gefäß, in welchem die zusammengesetzten Reste mittlerweile wieder warm geworden waren! Neun Uhr. Immer noch wurden neue Gerichte aufgetragen — es mochte wohl der zwölfte oder vierzehnte Gang dieses Banketts sein, und gar keine Aussicht auf ein baldiges Ende. Die Geschichte war recht langweilig. Mein Nachbar zur Rechten schob mir unter höflichen Verneigungen immer neue Bissen in den Mund, meine Nachbarin zur Linken kicherte fröhlich weiter und trank mir zu. Die anderen Gäste begannen ihre Befriedigung über die gebotenen Leckerbissen in einer Sprache zum Ausdruck zu bringen, zu der man keine chinesische Grammatik braucht, biedere, krästige Naturlaute, die so recht von Herzen zu kommen schienen. Es war aber auch gar nicht anders möglich auf die vielen Zwiebeln, Knoblauch, die verschiedenen Oele, Fette, Wurzeln, Gemüse, Kräuter, Suppen, Leckereien, Präserven, Saucen, Fleisch- und Ftschstückchen und den warmen Wein. Meine Odaliske bestand fest darauf, mit mir zu conversiren. Sie fragte mich die allermerkwürdigsten Dinge, die von ihrem Nachbar zur Linken, meinem Dolmetscher, in erbärmliches Englisch übertragen wurden. Ich suchte meine Antworten durch Kopfnicken und Zeichen aller Art auszudrücken, um nicht meinen Dolmetscher durch englische Antworten in Verlegenheit zu bringen. Sprach ich wirklich mit ihm, so lachten die Dämchen alle laut auf und schrieen yes, yes, was es nur Platz hatte. Clark benutzte fortwährend das Taschentuch, um die in seinen Mund geschobenen Bissen auf unmerkliche Weise zu beseitigen. Sein ganzes Diner mußte unter dem Tische liegen. Die Hitze, der odeur chinois, der in dem Raume herrschte, der warme Wein, die Gerüche der Speisen hatten den Aufenthalt für uns zwei Kaukasier geradezu unerträglich gemacht, und wir ermunterten uns gegenseitig durch Zeichen, den Tisch für einige Augenblicke zu verlassen. Der Gastherr schien diese Zeichen zu verstehen, denn er selbst stand nun auf und sprach unter einer Verbeugung gegen mich einige 64 würden, das Menü für einen ganzen Monat zu füllen. sie selber.' schlimm mundete. Das waren die berühmten Haifischflossen, von denen nicht etwa das Fleisch, sondern nur die weich- qekochten Gräten gegessen werden. Die Pausen zwischen den einzelnen Gängen füllten die anscheinend noch immer hungrigen Gäste damit aus, daß sie fortwährend getrocknete Melonenkerne knabberten, die in kleinen Schüsstlchen vor Mch einigen Suppen, mit wohlriechenden Deien versetzt und gekochten Nudeln darin, kam eine Speise, die aus ® u itnh nnr nicht- in * * Gerichtsseene. (Vor Gericht erscheint ein in Strafhaft befindlicher Dieb). Richter (zum Angeklagten): „Der Herr Baron will von Ihnen bestohlen sein." — Angeklagter: „So? — Na, da muß er warten, bis ich wiederum aus dem Loche bin." befamen^e ^ch atteS Geschmacksache auf unserer Erde Ich forderte meinen Dolmetscher auf, mir die Bemerkungen meines Gastfreundes mitzutheilen, und er antwortete, der letztere hätte gehört, die Europäer aßen Käse aus Milch von Kühen, Eseln und Schafen zuberertet. Sw ließen diese Käse auch so lange liegen, bis sie schimmlig würden und noch viel schlimmer stänken als diese Eier. Me es denn käme, daß wir gerade die alten Eier schlecht fänden? Ich mußte ihm meine Antwort darauf schuldig chinesischen Begriffen, geradeso wie unsere Weine, und ein Ei vom Jahrgang 1818 ist da« non plus ultra einer Delieatesse. Solche Eier waren es, die wir vorgesetzt SvllLUv LU V | uuu/ uv.«».»----- (j , r . endlich als die berühmten Schwalbennester bezeichnet- beim nächsten Gang bekamen wir in kleinen Schälchen eine schwärzliche Gallerte vorgesetzt, in welcher dunkelrothe Eidotter staken: die Gallerte, von der ich ein Stück mit einem Stäbchen aufspießte, schmeckte uns doch so sehr nach Schwefel- wafferstoffgas, daß ich mich desselben sofort wieder entledigte- mein Nachbar zog erstaunt die Augenbrauen in bte Löhe, der Dolmetscher machte ein wichtiges Gesicht und meinte: „vely gooe, that vely old egg“ „sehr gut, das sehr altes ®" (ich schreibe vely und nicht very, roetl der Chinese das R nicht aussprechen kann und statt R stets L anwendet). Sehr altes Ei'. Ich erfuhr die Zubereitung dieser Eier aus einem chinesischen Kochbuch. Vielleicht ist sie unseren Köchinnen von Nutzen: Aus Holzasche, Kalk, Salz, Wasser und einigen aromatischen Kräutern wird etn dicker Brei bereitet, in welchen die frisch gelegten Eier gelegt und darin unter hermetischem Verschluß vierzig Tage lang aufbewahrt werden. Dann sind sie schon genießbar, aber je länger sie liegen bleiben, desto besser werden ste nach Rtdaetüm: «. Scheyda. — Druck und Verlag d-r Brühl'scheu Umverfitäts-Buck- und Steindruckerer (Pietsch & Scheyda) i» Worte, auf welche die ganze Gesellschaft sich von den Ditzen erhob. Endlich! Erleichtert sprangen wir unter dem Eindruck, die Sache wäre beendigt . . . Ceremoniös tarn, aber b« Dolmetscher auf mich zu, um mir zu sagen, der Hausherr wünsche uns Gelegenheit zu geben, die jungen Damen, au - gezeichnete Sängerinnen Cantons, zu hören und ein paar Pfrifen Taback zu rauchen- dann würden wir das Dmer fortsetzen. Welcher Schrecken! Es stand uns also noch eine zweite Auflage Knoblauch und Zwiebel, Del und Fett bevor. Wir begaben uns in den anstoßenden Raum, wo die Dienerinnen der Dämchen uns die eigenthümlichen Wasserpfeifen der Chinesen zu rauchen gaben und langbezopfte Aufwarter Thee servirteu. Jeder von uns erhielt ein kleines Thee- täßchen ohne Henkel, aber wie eben in China Alles verkehr, ist, so stand auch das Täßchen nicht auf der Untertasse, sondern die letztere lag umgekehrt auf dem Täßchen un i «norjeiti zubereitet schien und gar nicht so deckte dasselbe zu. Die Aufwarter hoben diesen Deckel auf, | < si» .?>aistschflossen, schütteten einige graue Theeblätter in das Täßchen, gossen kochendes Wasser darüber und legten die Untertasse wieder auf Wollten die Gäste den Thee trinken, so faßten ste die heiße Tasse so, daß sie mit den Fingern gleichMig die obenliegende Untertasse ganz toentg zurnckschoben und so fest- hielten. Durch den offenen Spalt wurde der Thee mtt > man bei englischen Mahlzeiten einem Male ausgeschlürft, wahrend die Theeblätter ch 1 brannte Mandeln knabbert. Eine Speise, die den Deckel zurückgehalten wurden. Sahne und Zu öro6en SBantetten in China gewöhnlich auf den Tisch werden in China zum Thee nicht verwendet, bei der vor- g tz Rieinusöl gebacken, fehlte glücklicherweise ESBä ste «UN-M. *ZSL « hätte gerade für dieses zweite Diner einige chinesische Deli- Stück Roquetfortkäse gut munden, denselben Käse, den die Ken Schwalbennestsuppe und Haifischflossen, zubereiten Chinesen so sehr verschmähen und d r bei uns als Delieatesse lassen und so folgten wir denn wieder der bezopften Gesell- gilt. Andere Lander, andere Sitten. ftbaf/in den Speisesaal. Es war zehn Uhr, und während $ßie ich nachher auch in anderen Städten erfuhr, der ganzen folgenden Stunde wurden uns wieder ein Dutzend fpietett sich die Festmahlzeiten der Chinesen, auch jene der Gänge der verschiedensten Art vorgesetzt: Entenzungen, Regierungsmandarine in Peking, . in ähnlicher Weise ab wie Sckweinsmaul, Crevetten mit Knoblauch und Zucker zube- ba6 geschilderte. Speisen sie allem oder doch nur in GeseU- rettet kleine Fischchen mit eingemachten Fichtenzäpfcheu, ge- ! näherer Freund, so sind die Mahlzeiten selbstverständlich röstete Lilienwurzeln, Fischhirn mit Pilzen re. Wo das ^el einfacher, ja, es giebt selbst in Dstasten kaum eine Englisch meines Dolmetschers zur Erklärung der Speisen Nation, die genügsamer und einfacher wäre wie eben die nickt ausreichte, zeichnete er mir die betreffenden Dinge auf Chinesen. Nur die Wohlhabenden und die Mandarine ge« riue Pavierserviette. Eine fade schmeckende Speise, die tote statten sich zuweilen den Luxus eines derartig großartigen Kalbskovf nach Schildkrötenart zubereitet aussah, wurde mir Banketts, dessen Speisen unter gewöhnlichen Verhältnissen statcstopr ia j > n-i», I hinreichen würden, das Menü für einen ganzen Monat Bedienten-Schlauheit. Auguste: „Warum packst Du denn die Cigarren in dem Baron seine Stiefel?" — Johann: „Weil der Baron, wenn wir in Baden-Baden angekommen sind, jedenfalls sagen wird: Wie kann Er Kameel die Cigarren in die Stiefel packen — nun rauch' Er