DAk i enn einst im kalten Weltenstrome Zu Grund gegangen alles Lieben, Dann ist in einem starken Dome Als Allerheiligstes geblieben, Vor Tod und Sünde wohl geborgen, Die Mutterlieb' und ihre Sorgen. Alex. Gr. v. Württemb. Das Fräulein. Roman von E. Vely. (Fortsetzung.) Fort, gleich! Wozu ein Abschied von den schlasenden Kindern — von dem Bett- Hennys würde die Fischern sie zurückscheuchen — Sonnt) lag da in ihren Kissen und sprach ein undeutliches Mort im Traum. — Sie nahm ein Handtäschchen aus der Schieblade — der Mühe, ihre wenigen Habseligkeiten zusammen zu legen, konnte sich wirklich ein dienstbarer Geist unterziehen — die wenigen Papiere, die ihr nöthig waren, ein paar heimathliche Erinnerungen, mehr brauchte sie nicht zu hüten. Arme, blasse Kinder! Zwischen Kommenden und Gehenden würden sie aufwachsen, bis sie eines Tags an der Seite der Mutter in den Tanzsaal treten, überstrahlt vielleicht noch von ihrer Erscheinung — und wenn dann ein Käufer kam, die Mitgift in die Waagschale zu legen, ob sie seinen Namen, feine Lebensstellung aufwog. ®ie ging hinaus, bis an das Treppengeländer — dort unten noch eine Fülle von Licht — die Dienerschaft bedurfte dessen beim Aufräumen. Wenn die schöne Hausfrau ihre Zimmer wieder verließ, sollte so wenig als möglich an den vergangenen Festtrubel erinnern. Durch das runde Fenster ihr gegenüber sah schon der grauende Tag. Wenn sie nur unbemerkt an den Dienstboten vorüber kam! Mit arg bebenden Händen band ^sie die Bänder des Hutes fest und schlüpfte in das Jäckchen — sie wußte, pe würde frieren in der grauen Morgenfrühe, sie empfand die feuchte Kälte förmlich schon physisch. Ihr Tritt war nicht vernehmbar, wie das böse Gewissen wollte sie aus dem Hause schleichen, und war doch nur ein armes 0^1. Da öffnete sich eine Thür in der ersten Etage, und der Consul stand vor ihr. Er hatte den Frack mit einem bequemen Morgenjacket vertauscht, sein Gesicht sah bleich aus, aber nicht müde — er pflegte nach jeder Gastlichkeit in feinem Hause bei einem picanten Buche seine „letzte Cigarre" zu rauchen, bis die Dienerschaft schlafen ging — das war eine Pflicht, die er freiwillig auf sich nahm. „Ah, mein Fräulein — wohin denn so früh?" „Fort — aus dem Hause!" murmelte sie, bemüht, an ihm vorüber zu gelangen. „Freiwillig?" fragte er erstaunt. „Hinausgewiesen, klingt ehrlicher," sagte sie, den Blick nicht hebend. „Von Ebba?" tief er lebhaft. „Aber das ist — ja — wohl eine Uebereilung?" Sie schüttelte den Kopf. „In der Erregung nach der Unruhe hier?" forschte er weiter. /-Eine ausgesprochene Entlassung!" „Ah" - Sie schob die letzten Knöpfe durch die Knopflöcher. Nun die Handschuhe — es war bald gethan. Der Consul fuhr über fein Gesicht, als fei etwas Blendendes ihm gegenüber. „Eine Laune, Fräulein von Arabin, jedenfalls eine Laune, ©te ist in der Beziehung unberechenbar — und ich bin ganz außer Stande, mich einzumischen, was ich sehr bedaueret Er rieb seine großen, weißen Hände und sah sie forschend an. „Drum frage ich auch gar nicht nach dem Grunde — niemals! Aber Sie —" Oh, sie warf verächtlich die Lippen auf, was lag ihr an seiner Meinung. //Sie, Fräulein von Arabin, Sie gehen aber gern von uns, ich glaube, das behaupten zu dürfen." „Nein — denn ich habe die Kinder lieb — und bin obdachlos!" sagte sie dumpf. „Aber —" sein Fuß trat leise den Teppich, „das ist ja eine Härte — eine unbegreifliche Härte. Verfügen Sie über mich, Fräulein von Arabin!" „Ich danke Ihnen, Herr Consul — nein, ich danke!" Sein Kops neigte sich zu ihr/ er war noch so wohl frisirt, wie Beim Beginn des Diners, kein Härchen hatte sich aus seiner Lage geschoben. „Die Kinder hatten Sie lieb, und mein guter, alter Papa, der — Sie erinnern sich — immer so anzügliche kleine Scherze machte von seinem jungen Herzen! Ja, das ist so seine Art! und ich, ich wäre gern dankbar." Seine Augen bekamen immer lebendigeren Glanz. „Fräulein, in 322 der Noth muß man nicht mit dieser kühl abweisenden Miene eine helfende Hand zurückstoßen! Ich suche Ihnen eine kleine Wohnung, recht behaglich —" „Ich danke Ihnen, Herr Consul!" Wenn er ihr nicht vorhin gleich den Weg vertreten und ihr beim Sprechen die Tasche spielend aus den Fingern genommen hätte, würde sie davon gestürzt sein. „Sie thun Unrecht, an sich und an mir" — flüsterte er. „Sie ahnen nicht, welch' ein stilles wohlthuendes Gefühl es für mich wäre, Sie die — Schroffheit meiner Frau vergessen zu machen. Nur momentan, ohne jeden Anspruch auf Dank." Elegant, kühl — aber innerlich erwartungsvoll, stand er da. Diese Nacht hatte er eine Thorheit des alten Mannes verhütet, sich eine Hoffnung gerettet, daß sie sich so schnell verwirklichen sollte, war ihm freilich nicht in den Sinn gekommen. „Die Gelegenheit" murmelte er, denn dies Wort liebte er, „zu einer anderen Stellung wird dann besser abzuwarten sein." Und er dachte dabei an ein Zukunftsbild- wenn er in den Club träte, würde man sagen: „Consul, zum Kuckuck, wo hat man denn den Fund gemacht? Ist ja ganz apart — wahrhaftig großartig." Das Blut stieg ihr ins Gesicht, wie ein Bann fiel es ihr von ihren müden Gliedern, und der Kopf hob sich mit der alten, hochmüthigen Bewegung: „Ihre Frau hat mich beschimpft — Sie erniedrigen mich st „Thörtn," klang es leise auf sie hernieder, und Herrn Conrad Lunds Haltung war dabei so correct wie immer. Mit einem Ruck hatte sie ihm die Tasche entrissen und wollte fort, da stand ein neues Hinderniß vor ihr, Walther. Er hielt in der einen Hand ein zusammengefaltetes Papier, die andere gekrümmt, als umschließe sie einen leicht entgleitenden Gegenstand. Er war ganz Ernst, Höflichkeit. „Die gnädige Frau schickt das Zeugniß, den rückständigen Gehalt, „die gnädige Frau wünscht, daß es Fräulein von Arabin ferner gut gehen möge," — diesen Ausspruch schaltete er, weil es ihm besser klang, beim Abgang eines jeden Fräuleins aus eigener Machtvollkommenheit ein, — „und was mich betrifft, so übernehme ich die Nachsendung der Sachen, wenn Sie mir Ihre Adresse geben wollen.", Nun fiel schon ein hellerer Schein durch das runde Fenster — der Tag war da. „Meine Adresse," murmelte sie und blickte in das grauweiße Licht, „ja — ich weiß noch nicht, wo ich bleibe — ich habe noch keine!" „Walther, eine Droschke für Fräulein von Arabin!" Der Diener verbeugte sich — der Herr des Hauses trat ein paar Schritt zurück, blieb aber dann, wie um eine Höflichkeitspflicht gegen die Gehende zu erfüllen, abwartend stehen. „Wohin fährt das Fräulein?" fragte Walther. „Ich — weiß — es nicht." Sie blickte mit großen Augen in das unbewegliche, glatte Gesicht — „ich weiß es nicht." „Hm!" Als sei es respectwidrig, dämpfte Walther diesen einzigen Laut der Theilnahme, der ihm entschlüpfen wollte. Dann sagte er geschäftsmäßig: „Vielleicht kann ich Ihnen dienen — ich kenne da eine ehrenwerthe Familie, Mutter und Tochter — am Ende fände das Fräulein da einstweilen einen Unterschlupf." „Ja, ach, ja!" „Bitte!" Er ging voran, mit derselben Haltung, als führe er eine hochgestellte Besucherin aus der Villa hinaus. Jacqueline wehrte, als der schrille Pfiff nach einem Wagen erklang, Ebbas Zeugniß ab. „Das brauche ich nicht mehr." „Der Rückstand" sagte Walther, die Goldstücke emporhaltend. Ja — das war ihr Recht — es war gut, daß Ebba Lund auf den Versuch einer Entschädigung verzichtete. Sie ließ sich in den Wagen heben, Walther nannte dem Kutscher Straße und Nummer und rief Jacqueline einen Namen zu. „Ich bin in zehn Minuten selber da, Fräulein." Es war gut, Alles gut! Sie schloß die müden Augen — vorläufig nur nicht weiter denken. Walther schob ein paar Goldstücke in die Tasche, faltete sorgsam das Blatt zusammen und ließ es nachfolgen. Für ihn gab es nichts Unbrauchbares — Schriftliches — sei es auch nur, um sich eine Handschrift in's Gedächtniß zu rufen. Der Consul spitzte, als Jacquelmes Kleidersaum unten von der Treppe verschwunden war, die Lippen. „Das ist ein Prachtstück von einem intelligenten Diener, der Kerl da! Wird sich noch ganz unentbehrlich machen." * * Bruno Hallsberg machte in dem Zimmer, in welchem er jetzt seine Patienten empfing, die Fenster auf, im Sonnenschein draußen, auf den knospenden Bäumen lärmte eine Spatzengesellschaft, sie schwirrte hastig auseinander, und gruppirte sich dann wieder von Ast zu Ast hüpfend. Im Nebenzimmer hatte er seinen Thee stehen und die Zeitungen liegen — er war übernächtig, denn man hatte ihn in der vergangenen Nacht zwei Mal gerufen, nach sehr weit auseinanderliegenden Stadtgegenden — zu Kindern. Beide Male war es unnöthig gewesen! Auf der langen Nachtfahrt hatte er sich die Stunden vergegenwärtigt, in welchen er mit Line Arabin an Hennys Bett gesessen — nun warS genau einen Monat her. Wenn sie sich vorgebeugt hatte, um dem Kinde etwas zu reichen, so hatten ihre Kleider ihm Knie und Füße gestreift. Kein Blick hatte ihn getroffen aus den ernsten, dunklen Augen, so sehr er das auch gewünscht hätte — dann aber! O, des unvergeßlichen Momentes, in dem sie Beide gefühlt, daß sie zu einander gehörten, zu einander müßten! „Wir lieben uns!" das stand fest in ihm, als er das Zimmer, das Haus verließ, um nach wenigen Stunden wiederzukehren. Noch einmal hatte der scheue Vogel mit flatterndem Flügelschlag von ihm hinweggestrebt, aber das war nur ein ohnmächtiger Versuch. Nie im Leben war wohl die Frau Ebba irgendwo unzeitiger eingetreten, als in das Mansardenzimmer in jener frühen Morgenstunde. Lines Augen waren gesenkt gewesen, als er ging — aber er würde ja wieder kommen und tiefer hineinsehen. Als er wieder gekommen war, hatte Ebba am Bett gesessen, ein feurigrother Schlafrock von starrer Seide raschelte um sie her, wie störend das war, es mußte den kranken Augen der kleinen Patientin weh thun, diese leuchtende Farbe, über die der einsallende Sonnenstrahl huschte. Aber er mochte die Mutter nicht von dem Platze vertreiben, sie ließ ja die Andere schlafen — und seine wilde Ungeduld mußte sich der Vernunft fügen. Zur Abendstunde traf er die Fischer. „Das Fräulein ist krank?" „Nein — bewahre!" Und Henny richtete sich in den Kiffen auf. „Will sie nicht kommen?" fragte sie verlangenden Tones. „Will nicht!" Sie wich ihm aus, er wußte es wohl, aber — auch nur letzter Trotz, der weichen mußte vor dem mächtige» Gefühl der Liebe. Ungeduldig im Innern, ruhig nach Außen, so betrat er die Villa und so gab er fich, wenn er Ebba Lund gegenüberstand. Aber am sechsten Tage war es aus mit seiner Selbstbeherrschung, er sagte im Nebenzimmer zu der schönen Hausfrau: „Fräulein von Arabin verstand des Kindes unausgesprochene Wünsche —" „Das — sagen Sie einer Mutter?" „Verzeihen Sie, gnädige Frau, aber Sie werden den ganzen Tag unmöglich hier oben sein — und j gdtte einige Instructionen, für deren Befolgung mir die alte Fischer keine genügende Gewähr bietet " 328 Sie hatte ein malitiöses Lächeln gehabt, obwohl sie doch nicht wissen konnte, daß ihn Sehnsucht und Unruhe peinigten und ganz langsam hatte sie erwidert: „So werden Sie dieselben dem neuen Fräulein geben müssen — obgleich das Kind noch nicht an sie gewöhnt ist!" Er hatte sie angesehen, als begriffe er nicht — „Fräulein von Arabin hat am Tage nach Hennys Erkrankung das Haus verlassen." „Das Haus —" hatte er nachgesprochen und nach seinem Hut gefaßt. „Wohin — wohin?" Der dumme Schaukelstuhl neben ihr war in Bewegung gerathen, er knarrte. „Ei, das sieht ja aus, mein Herr Doctor, als ob Sie sie suchen wollten?" hatte die klare Stimme gesagt. An den beweglichen Fingern leuchteten die kostbaren Ringe, als sie sie ineinander verschlang. „Ich weiß aber nicht — wohin sie gegangen ist." „Abgereist?" Der blonde Kopf hatte eine zustimmende Bewegung gemacht. „So sagte die Dienerschaft. Eqrlich — ich habe mich nicht darum gekümmert — das," und eine Fülle van Nachlässigkeit lag in dem Tone, „kommt und geht in unseren Häusern, wie die Milchfrau und der Bäcker. Wollen Sie mir einreden, da wäre Anhänglichkeit oder dergleichen zu sinden? Nein, nicht wahr? Da ist jeder Versuch vergebens, man spart sich in Zukunft die Mühe." „Fräulein von Arabin ging — aus eigenem Antrieb?" „Allerdings!" Ein Schreck durchfuhr ihn, dann war er's, der sie hinausgetrieben, dann hatte er sich in der Annahme, daß Sie ihm gut sei, getäuscht, erbärmlich hatte ihn sein Herz belogen — und er mußte gehen, sie zu suchen. Kalt und forschend ruhten die blauen Augen auf ihm, und der dumme Stuhl stand noch immer nicht still und im Nebenzimmer versicherten Henny und Lonnh, daß sie das mene Fräulein nicht leiden möchten und daß Fräulein Line wieder kommen solle, und die Stimme der alten Frau antwortete: „Ach, geht, die war ja doch häßlich - und darum hat die Mama sie weggeschickt." „Und die Instruction müssen Sie nun doch Wohl vorläufig mir geben," hatte Frau Ebba gesagt und ihm nochmals Platz an ihrer Seite geboten. (Fortsetzung folgt.) Milchkuren. Bon Dr. med. Ebing. ------- (Nachdruck verboten.) KO. Die Milch ist das einzige Nahrungsmittel, welches alle Stoffe enthält, die zum Aufbau und zur Erhaltung unseres Körpers nöthig sind. Die Milch ist also das vorzüglichste Nahrungsmittel. Alle anderen zerfallen in stickstoffhaltige und stickstofffreie. Die ersteren sind die wichtigsten, die blutbildenden, bekannt unter dem Namen Albuminate zu ihnen gehören nächst der Milch, das Fleisch, die Hülsenfrüchte und die Getreidearten. Die stickstofffreien Nahrungsmittel bestehen vorherrschend aus Kohlenstoff und Wasserstoff,- sie werden deshalb Kohlenhydrate genannt und dienen hauptsächlich zur Wärmeerzeugung, indem sie die Verdauung der Albuminate befördern. Zu ihnen gehören die Fettarten, der Zucker, Alkohol, Kaffee und Thee. Die Milch enthält Albuminate und Kohlenhydrate in so genügender Menge, daß sie allein zur Ernährung des Menschen ausreicht, was man sonst von keinem Nahrungsmittel sagen kann. Die Milch ist aber nicht nur ein vorzügliches Nahrungsmittel, sie ist auch ein Heilmittel. Sie hüllt giftige oder scharfe Substanzen ein und wirkt so reizmildernd. Sie eignet sich als Getränk besonders für hectische und schwindsüchtige Personen, sowie auch für Alle, die an Blutarmuth und Bleichsucht leiden. Gewöhnlich benutzt man die Kuhmilch und trinkt sie als stärkendes und belebendes Mittel am besten lebenswarm, also frisch von der Kuh. Nur muß man darauf achten, daß das Thier vollkommen gesund ist und die höchste Reinlichkeit im Stalle und der Wirthschaft herrscht. Hat man diese Gewißheit nicht, so kocht man am besten die Milch und läßt sie bis zu dem Punkte erkalten, den die kuhwarme Milch zeigt. Dieser Wärmegrad trägt nämlich sehr viel zur besseren Verdaulichkeit der Milch bei. Die richtige Milchkur muß im Frühjahr vorgenommen werden und mindestens drei Monate dauern. Kann dies auf dem Lande und bei Bewegung in frischer Luft geschehen, so ist die Heilwirkung bet weitem größer. Während dieser Kur darf man nur milde und reizlose Speisen genießen wie: lockeres, gutausgebackenes Weißbrot, Suppen mit Zwieback, Gries, Hirse oder Reis. Auch das Fletsch muß leicht verdaulich sein, am besten eignet sich Kalb- und Hühnerfleisch. Während der Milchkur ist unbedingt eine tägliche angemessene Bewegung im Freien vorzunehmen. Wenn es die Umstände gestatten, trinke man die Milch so lebenswarm wie möglich, also fcirect vom Thiere ins Glas melken und sofort trinken. Man fange mit kleinen Portionen an und steigere allmählich bis zu einem Liter, um dann allmählich wieder bis zu einem Viertelliter herabzugehen. Sind die Berdauungsorgane zu schwach, tritt Neigung zur Magensäure ein, oder Verstopfung, Blähung oder Verschleimung, und weichen diese Uebelstände auch nicht, wenn man bei Verstopfung Zucker, bet Blähungen und Verschleimung ein Gewürz wie Ingwer der Milch zugesetzt hat, so muß die Milchkur als nachtheilig aufgehoben werden. In der Regel trifft dieses Hysterische, Hypochonder und Spirituosentrtnker. Soll eine Milchkur zum vollen Erfolge führen, so muß sie methodisch gebraucht werden. Wer sie bei chronischen Brustleiden anwendet, thut am besten, wenn er früh nüchtern und Nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr 1 bis 2 Glas lebenswarme Milch in kleinen Schlucken trinkt, so daß er im Ganzen etwa 1 Liter verzehrt. Das Frühstück bei dieser Kur besteht am Vortheilhaftesten aus einer Tasse Fleischbrühe mit Eigelb abgerührt, das Mittagsmahl aus Suppe, gebratenem zarten Fleisch, leicht verdaulichem Gemüse und etwas Compot, das Abendessen aus einer Suppe. Magenkranke, welche die Milchkur gebrauchen, vertragen in der Regel recht kalte Milch am besten, und die Abkühlung derselben durch Eis hat sich als sehr Vortheilhast erwiesen. So ist Milch mit kleinen Eisstückchen abgekühlt ein gutes HeilmittelbeiMagenentzündung,Magengeschwürundhabituellem Erbrechen. Ist die Kuhmilch zu fett, so kann sie abgerahmt werden, ohne daß die Heilwirkung sehr beeinträchtigt würde, den» auch abgerahmte Milch ist immer noch ein sehr werthvolles Nahrungsmittel. Wer Eselsmilch haben und trinken kann nehme diese, denn sie ist weniger fettreich und befördert die Leibesöffnung. Eselsmtlch kann Lungenkranken nicht warm genug empfohlen werden. Ziegenmilch ist lange nicht so gut wie Eselsmilch, sie ist zu kräftig und besser noch als diese ist Schafmilch. Wenn cs nöthig und möglich ist, so gebrauche man die Milchkur nach ärztlicher Vorschrift. Solche Aerzte, die sich lange Zeit mit Milchkuren beschäftigten, haben meist erprobte Methoden. Viele berühmte Aerzte an Kurorten haben folgende Methode: Der Patient soll im Anfänge der Kur nur Milch genießen, in bestimmten Zeiten und in festgesetzten Mengen, je nach Alter und Constitution. Kinder und jüngere Personen trinken alle 2—3 Stunden, ältere alle 4 Stunden. Anfangs werden 60 bis 180 Gramm getrunken, in kleinen Zügen. Allmählich wird die Portion gesteigert, bei gutem Magen sogar bis zu 4 Liter täglich. Diese Milch muß aber stets abgerahmt sein und darf nur von einer Kuh stammen, welche mit Heu und Grünfutter genährt wurde. Das Ab- 324 rahmen der Milch macht ein 24 stündiges Stehen der Milch nothwendig, sie ähnelt dadurch, wenn Säuerung eingetreten ist, der Buttermilch. Aber diese Art von Milch wird von vielen Patienten besser vertragen als die süße. Auch ist die Buttermilchkur ein bewährtes Mittel bei Magengeschwür und Blutspeien. Bei dieser Kur leben die Patienten nur von Milch in den ersten drei Wochen,- von da ab sind Mtlchbrei, gutdurchgeriebene Hülsenfrüchte und schließlich ein vollständiges Mittagsmahl gestattet. Was die Buttermilchkur anbelangt, so hat sich dieselbe auch bei allen Herzkrankheiten, bei Blutüberfüllung des Unterleibes und namentlich der Leber, sowie ferner bei Abdominalthphus glänzend bewährt. Gerade in letzterem Falle bessert sie den Zustand oft augenfällig, ohne den Durchfall zu vermehren. Auch gegen Lungenschwindsucht ist eine mit Landaufenthalt verbundene Buttermilchkur ein bekanntes und heilsames Mittel, sobald der Patient die Buttermilch gerne trinkt. Abneigung gegen dieses Getränk aber macht die Kur erfolglos. Sollte die Milch, gleich viel ob süß oder sauer, nicht gleich zu Anfang der Kur vertragen werden, so höre man nicht gleich damit auf, sondern prüfe erst aus, in welcher Weise sie von der Verdauung gut ausgenommen wird. Man kann Bullrichsalz, Selters-, Emser- oder Sodawasser zusetzen, eventuell auch Rum und Cognac. Am besten bestimmt dieses aber der Arzt. Aus dem „Praktischen Wegweiser", Würzburg. Einen Bermehenngskaste« kann sich jeder Blumenfreund zur Anzucht verschiedener Topfpflanzen aus Stecklingen machen. Der Gartenbesitzer benützt dazu das Fenster eines Mistbeetkastens, indem er handhoch reingewaschenen Flußsanv auf das Beet bringt und zwar so, daß der Zwischenraum vom aufgelegten Fenster bis zum Sand ebenfalls nur etwas über Handbreite beträgt. Das Fenster wird bei starkem Sonnenschein leicht beschattet und das Beet mit warmem Waffer fleißig bespritzt. Gelüftet wird nicht. In dieser seuchtwarmen, tropischen Atmosphäre wachsen mit wenigen Ausnahmen alle Stecklinge von kraut- und holzartigen Pflanzen. Am Fenster läßt sich ein Vermehrungskistchen im Kleinen gleichfalls Herrichten. Dasselbe wird mit blanken Glasscheiben belegt, die man, wenn nöthig, mit Zeitungspapier beschattet. Die Höhe des Sandes braucht hier nur drei Finger hoch zu sein. Natürlich ist dieser Miniaturkasten mehr eine Spielerei, die aber ihrem Pfleger sehr viel Anregung und Zeitvertreib bietet und besonders Stadtbewohnern zu empfehlen ist. * * * Der Rosenmehlthau kann nur dann mit gutem Erfolg bekämpft werden, wenn man schon im Anfang seines Auftretens, das ist im Mai, gleich mit Salzwasser oder Kupser- vitriollösung bespritzt. Auch das Bestäuben mit Schwefel- blüthe hindert seine Ausbreitung. * * * Gurken unv Kürhiffe gedeihen nur dann gut, wenn sie an sonniger Stelle ausgepflanzt werden. Man sollte über Gurkenbeete im Freien immer eme Stellage aus Pfählen oder Latten machen, um bei länger anhaltendem Regen mit Mistbeet oder Papierfenster decken zu können. Die letzteren sind auch bei Hagelwetter ein guter Schutz. Die Fruchtbarkeit wird aber nur durch starke und wiederholte flüssige Düngung unterstützt. Von der Verwendung concentrirter oder roher Kunstdünger ist beim Gurkenbau abzurathen. Dagegen empfiehlt sich die Anwendung stickstoffhaltiger Naturdünger, von denen wir vor Allem das Blutmehl als einen der besten empfehlen können. Genreinnützige». Herein mit ver Sonne! So wichtig wie frische, reine Luft, ist auch der Sonnenschein. Er muß gerade so, wie die frische, reine Lust in unsere Wohnräume eingelassen und nicht durch schwere, dichte Vorhänge, den Ansammlern von Staub und Krankheitskeimen, ausgeschlossen werden. Der Sonnenschein erheitert kräftig und fördert die Gesundheit. Im Sonnenstrahle vermögen keine Krankheitskeime aufzukommen, die nur im Schatten und in der Dunkelheit gedeihen. Der Sonnenschein reinigt, er hält Schimmel und Feuchtigkeit von den Wänden, Trübsinn, Niedergedrücktheit und Krankheiten ab,- er sollte nach jedem Theil und jedem Winkel unserer Wohnungen eingelassen werden,- er sollte überall und jedesmal willkommen sein! Er ist ein kräftiges Vorbeugungsmittel gegen alle Unordnungen und Störungen, welche stets beschattete und dumpfe Plätze im Wohlbefinden der Menschen verursachen. Er bringt Gesundheit und Frohsinn, wie sie aus keiner andern Quelle erlangt werden können. Er ist das der Natur eigene Mittel, Gesundheit zu spenden, das durch nichts Anderes ersetzt werden kann. Er mag Vorhänge, Polsterungen an Möbeln oder Teppiche um ihre Farbe bringen, aber er färbt dagegen die Wangen der Bewohner auf gesunde Weise, beleuchtet ihre Augen und macht ihren Schritt elastischer. Das immer fest geschlossene und mit reichen Vorhängen beschattete Fenster mag dem Zimmer einen Reichthum von Farben verleihen, es wird dafür aber auch den Bewohnern bleiche Gesichter und Schwäche geben. Und der Sonnenschein, dieses herrlichste Gesundheitsmittel, ist einem Jeden zugänglich, ist leicht zu erhalten und kostet nichts. Also — herein mit der Sonne! * * * Wespenstiche können lebensgefährlich werden, wenn solche am Halse während des Schluckens von Getränken und Früchten beigebracht werden. Folgendes Mittel schafft, sofort angewandt, rasch Erleichterung. Sobald man spürt, daß man im Munde oder Halse gestochen ist, nehme man einen Theelöffel voll Kochsalz mit etwas Wasser angefeuchtet und verschlucke dies langsam. Geschwulst und Schmerzen verschwinden hierbei in kürzester Zeit. Dieses einfache Mittel hat schon Manchen vom Tode gerettet. Hrrmsvistisches. Unter Gaunern. Dieb (welcher an einen anderen gekettet wird): „Gestatten Sie, daß ich mich anschließe?" * * * Dasselbe in Grün. „Sie haßtzn doch studirt, Herr Berger: Wieso sind Eie jetzt Weinreisender geworden? Dadurch sind Sie doch in Ihrer Carriöre gewissermaßen gesunken." — „Im Gegentheil! Früher habe ich Bierreisen gemacht und jetzt mache ich Weinreisen." * * * Der talentvolle Peperl. „Nun, Frau Nachbarin, Ihr Peperl geht ja jetzt in die Lehre! Wie macht er sich denn?" — „O, ganz gut! Denken Sie sich nur, gestern hat er schon einen Brief nach Madrid in Spanien auf die Post tragen dürfen!" Was Sie nicht sagen, schon soweit!" * * » In der Buchhandlung. Fräulein: „Ich möchte gern die achte und neunte Lieferung der Goethe'schen Werke." — Gehilfe: „Thut mir leid, Fräulein, diese Ausgabe ist erst bis zur siebenten Lieferung erschienen!" — Fräulein „Gott, dichtet der Mann aber langsam!" Redaction: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.