1898. Sonntag den 27. Febrnar TOäTÜ DL es großen Mannes Sohn wird oft ein Wicht, Und reiches Erbe schützt vor Armuth nicht. In seines Vaters Glück und Eigenart Ist keines Sohnes Glück und Art gewahrt. O. S. Der Amtmann von Rapshagen. Criminal-Roman von F. Arnefeld. (Fortsetzung.) Anna schaute ihn verwundert an. Offenbar begriff sie gar nicht recht, was damit gemeint sei. „Aber wie kann ich denn das?" fragte Anna. „Mein Leben versichern?" Er lächelte über ihre kindliche Unwissenheit, fühlte sich aber gleichzeitig tief beschämt dadurch. Die erröthende Stirn senkend, erklärte er ihr die Bedeutung der Lebens- versicherung. Sie begriff ihn sehr schnell. Zu seiner Verwunderung überzog ein Freudenschein ihr Gesicht. Sie schlug die Hände zusammen nnd rief: „Das giebt es, Adolf! O, das ist ja ganz herrlich!" „Zucker, Zucker!" kreischte der Papagei, sehr erbost über die Nichtbeachtung, an die er gar nicht gewöhnt zu sein schien. Das junge Mädchen stand auf, nahm aus einer kleinen Schale ein Stück Zucker und befriedigte den Schreier, schloß dann aber den Käfig und warf ein Tuch darüber. Zum 5 Sopha zurückkehrend, versetzte sie: > „Der Schwätzer soll uns weiter nicht stören. Das ■ ist wirklich ein Prächtiger Einfall von Deinem Vater." „Aber, Anna, hast Du denn nicht begriffen?" fragte er vorwurfsvoll. „Gewiß," antwortete sie. „Ich soll mich einkaufen und jährlich einen Beitrag zahlen, damit nach meinem Tode meine Erben eine große Summe erhalten, das ist sehr schön. Nur " ihre heitere Miene verdüsterte sich — „woher soll ich denn das Geld für den Jahresbeitrag bekommen? Du weißt doch, daß ich ganz arm bin." „O, den wird mein Vater zahlen Und zu seiner Sicherheit die Police in Händen behalten, nur —" //Wie gut von ihm!" unterbrach sie ihn. „Ich habe I Deinem Vater viel abzubitten, Adolf. Nie hätte ich gedacht, daß er das Alles für uns thun könnte." „Du bist also nicht verletzt durch die Zumuthung?" fragte er aufathmend. „Aber wie so te ich?" erwiderte sie verwundert. „Im Gegenrheil, ich freue mich darüber, ich fühle mich ordentlich gehoben durch den Gedanken, daß ich nun doch nicht ganz arm zu Dir komme, sondern Dich im Falle meines Todes | zu einem reichen Erben mache." j //Sprich nicht so etwas!" rief er, sie an sich drückend, i ,/Dein Leben ist mir theurer als Alles. Ich würde mich i doch als Bettler fühlen, wenn ich Dich verlieren sollte." I Sie wiegte den tübschen Kopf und fragte mit altklugem 1 Gesichtsausdruck: „Wie viel würde ich denn z. B. Werth sein?" „Ach, Anna, wie kannst Du so scherzen?" j //Esi ich scherze nicht, es ist mein voller Ernst. Mit ' welcher Summe gedenkt Dein Vater mich zu versichern?" „Er sprach von hunderttausend Mark." „Hunderttausend Mark?" „Ja, darunter wird er es schwerlich thun." „Hunderttausend Mark!" wiederholte Anna nochmals, indem sie aufsprang und sich in die Höhe reckte, als fühle sie Plötzlich ihre Wichtigkeit. „Adolf, wenn Dir die Summe in den Schooß fiele, damit könntest Du ja ein sorgenfreies Leben führen." „Ohne Dich! Rede doch nicht solchen Unsinn. Dein Besitz allein macht mich glücklich. Betrachten wir die Sache als eine Schrulle meines Vaters, der wir uns fügen müssen und reden wir nicht mehr davon." „Im Gegentheil, reden wir davon," erwiderte Anna, die ein seltsames Gemisch von naiver Kindlichkeit und practischem Altverstand war. „Wie glücklich wäre mein Bruder und ich gewesen, wenn mein Vater sich nur mit dem vierten Theil der Summe versichert gehabt hätte und das Geld wäre uns bei seinem Tode ausgezahlt worden." „Das ist wohl wahr, aber Dein Vater war alt," begann Adolf. Lachend fiel sie ihm in die Rede: „Und wo steht denn geschrieben, daß man jung sterben muß, wenn man sein Leben versichert? Ich kann alt und grau mit der Versicherung werden,- sie wird uns aber in unserem Haushalt einen angenehmen Rückhalt geben." „Du hast Recht, ich freue mich, daß Du die Sache so gut aufnimmst, nun laß sie aber für uns abgethan sein," versetzte Adolf Göbener. Nun er die Angelegenheit mit seiner Braut besprochen hatte, erschien sie ihm auch wieder in einem günstigeren 126 Lichte. Er nahm sich vor, sobald er mit Anna verheirathet sein würde, sein Leben ebenfalls, wenn auch mit einer bescheideneren Summe, zu versichern und er erwog auch, ob er seinem Vater nicht den Vorschlag machen sollte, die Versicherung lieber auf seine Person als auf die seiner Braut ausstellen zu lassen. Er kam jedoch schnell wieder davon zurück, indem er bei sich dachte: „Der Alte hat das nun einmal so ausgeklügelt, man darf ihn nicht kopfscheu machen, und Anna hat wirklich recht: an der Versicherug stirbt man ebenso wenig wie wenn man sein Testament macht. Man kann beide Documente im Schreibtisch liegen haben und dabei hundert Jahre alt werden." „Ja, ja, laß sie abgethan sein!" antwortete Anna fröhlich, seine letzte Aeußerung wiederholend. Weiß Deine Mutter schon?" „Der Vater ist zu ihr gegangen, um es ihr zu sagen —" „So laß uns zu ihnen eilen!" rief sie verschämt, aber mit glückstrahlendem Gesichte und ergriff ihn bei der Hand, um ihn aus dem Zimmer zu führen, befreite aber im Vorübergehen den Papagei von seiner Hülle. Er war sehr ungnädig und schrie, während Anna die Thür schloß, ihr ganz erbost nach: „Trau, schau, wem!" Während sie, sich an Adolfs Hand klammernd, ängstlich flüsterte: „Ach, Adolf, ich weiß gar nicht, wie ich Deinem Vater unter die Augen treten soll!" Sie wurde dieser Verlegenheit überhoben, denn sie trafen den Amtmann nicht mehr im Wohnzimmer an, sondern nur Frau Göbener, welche den Sohn und die künftige Schwiegertochter mit tiefer Rührung umarmte, küßte und segnete. „Ach, Kinder," seufzte sie, während Helle Thränen langsam an ihren blaffen Wangen hinabrollten, „ich bin sehr, sehr glücklich! Ein solcher Augenblick wiegt Jahre des Leidens auf." „Meine gute Mutter, wir haben es Dir zu danken, Du hast nicht abgelassen mit Bitten und Vorstellungen," sagte Adolf ihr die Hände küssend. Sie schüttelte den Kopf. „Nein, nein, er ist ganz allein darauf gekommen, wenn auch Lorenz' vielleicht ein wenig nachgeholfen haben, und das macht für mich die Sache noch viel werthvoller. Nun bringt ihn aber nicht auf und fügt Euch in seine Anordnungen, wenn sie Euch auch sonderbar erscheinen mögen." „Gewiß, gewiß!" versicherte Anna. „Wo ist er denn? Komm, Adolf, wir wollen ihn aufsuchen, um ihm zu danken." Sie wollte des Geliebten Hand ergreifen, um ihn nach der Thür zu führen. Die Mutter hielt sie zurück. „Laß es gut sein. Er will keinen Dank und keine Nührscene, wie er sagt. Schweigt still, bis er selbst davon anfängt. Es soll überhaupt nicht von der Sache gesprochen und nicht gethan werden, als ob wir eine Braut im Hause hätten. Auch Deinen Schwestern darf ich's nicht schreiben, sie können es einmal bei Gelegenheit erfahren, meinte er." „Warum nur nicht!" „Sei Deinem Vater darf man nicht viel nach dem „warum" fragen, das kennst Du doch, mein Sohn. Dein Bruder soll ebenfalls vorläufig nicht davon benachrichtigt werden, mein Töcherchen." Ueber Annas klares Gesicht flog ein Schatten. „Wie schade!" rief sie traurig. „Stephan würde sich sehr gefreut haben." „Nun, das wird sich ja Alles finden," tröstete sie die sanfte Frau, die es nicht über das Herz gebracht haben würde, dem jungen Mädchen ,die schroffen Aeußerungen ihres Mannes über den Bruder zu wiederholen. Es wird, nun wir so weit sind, gewiß Alles gut werden. Habt nur Geduld und gebt Euch Mühe, den Vater bei guter Laune zu erhalten. Du darfst nicht häufiger als sonst herauskommen, Adolf, und nehmt Euch in Acht, daß der Vater Euch nicht zu viel bei einander sieht." Adolf versprach das und fügte hinzu, er müsse so wie so morgen nach Greifswald zurück, Anna aber gelobte in die Hand der Schwiegermutter: „Ich will gewiß thun, was ich dem Vater an den Augen ablesen kann und werde noch fleißiger und sorgsamer sein als bisher." „Wie Du das anfangen willst, weiß ich nicht, bist ja schon der Fleiß und die Gewissenhaftigkeit in eigener Person," erwiderte Adolf, ihre Hand an seine Lippen drückend, und seine Mutter nickte dazu, während die matten blauen Augen aufleuchteten. „Doch, doch!" entgegnete Anna eifrig und eilte aus dem Zimmer mit den Worten: „Jetzt ist es aber hohe Zeit, daß ich in die Milchkammer komme. Die Butter muß abgewogen und eingeschlagen wer en, damit sie fertig ist, wenn der Fuhrmann aus Greifswald kommt, um sie abzuholen." IV. Seit einer Reihe von Jahren hatte Amtmann Wenzel die königliche Domaine Waldhof in Vorpommern, deren fruchtbare, weitausgedehnte Ländereien sich bis zum Meere erstreckten, in Pacht und bewohnte das noch aus der Zeit der alten pommerschen Herzöge stammende altersgraue, weitläufige Schloß, das nur zum Theil zu Wohnstä ten für die Kinder der Neuzeit hergerichtet war. Ein anderer Theil ward als Kornspeicher, Wollböden und für andere landwirth- schaftliche Zwecke benutzt. Durch Fleiß, Tüchtigkeit und einfache, verständige Lebensweise war Wenzel auf seiner Pachtung zum reichen Mann geworden und fand, daß auch jetzt bei guter Bewirth- schaftung und verständiger Lebenshaltung darauf auszukommen sei, wenn er auch nicht in Abrede stellte, daß die Landwirthschaft harte Zeiten zu überwinden habe. Amtsrath Wenzel war Wittwer. Von mehreren Kindern, die seine verstorbene Frau ihm geboren, war nur eine Tochter, Mera, am Leben geblieben. Er hatte sie sehr sorgfältig zuerst durch eine Gouvernante im eigenen Hause erziehen lassen und sie dann zu ihrer weiteren Ausbildung noch für ein paar Jahre nach Berlin in Pension gegeben, so schwer es ihm auch geworden war, sich von dem geliebten einzigen Kinde zu trennen. Erst nachdem Meta zurückgekehrt war, hatte der Amtsrath sein Haus auf einen seinem Vermögen entsprechenden etwas größeren Fuß eingerichtet und eine ausgedehntere Geselligkeit gepflegt als früher, dabei jedoch niemals ein weises Maß überschritten. Seit mehreren Wochen hatte man aber in Waldhof überhaupt keine Gäste gesehen. Meta war sehr krank gewesen und hatte dem Vater viel Angst und Unruhe bereitet. Auch jetzt, wo sie völlig wiederhergestellt war, ruhte sein .Auge nicht ohne Besorgniß auf ihr, als er in dem sehr gut ausgestatteten Speisezimmer, dessen Fenster nach dem von alten, breitästigen Kastanien beschatteten alterthümlicheu Schloßhof gingen, mit ihr am gutgedeckten, wohlbesetzten Tisch beim Frühstück saß. „Trink', Meta," redete er ihr zu, indem er ihr Glas von Neuem mit Wein füllte. „Du sieht mir heute wieder gar zu blaß aus." „Eine hohe Röthe, welche sogleich das schmale Gesicht des jungen Mädchens bedeckte und sich auch den kleinen Ohren und dem Nacken mittheilte, schien die Bemerkung des Vaters zu widerlegen. „Was denkst Du? Der schwere Tokaier, ich habe schon ein Glas getrunken!" Ste schob das Glas zurück. „Thut nichts!" lächelte der Amtsrath und strich sich behaglich den ergrauten Backenbart, „Du kannst immerhin ein zweite Gl.s trinken. Mein Freund, Professor Brunner, I hat mir erst gestern, als ich in Greisswald mit ihm über 127 Dich sprach, gesagt, der Ungarwein sei für Dich die beste Arzenei, einer anderen bedürftest Du nicht mehr." „Gewiß, Vater, ich nehme ja auch keine Arzenei mehr," stimmte Meta ihm lebhaft bei, ich fühle mich vollständig wohl, ja ich möchte sagen, Wohler als je zuvor. Ach, es ist ein köstliches Empfinden, wenn man so meint, man spüre neues Leben durch die Adern strömen." Das junge Mädchen dehnte und streckte die zarten Glieder, als wolle sie ihren Ausspruch durch die That bekräftigen. „Ist mir sehr, sehr lieb zu hören, mein Töcherchen," schmunzelte der Amtsrath und strich liebkosend mit der Hand über Metas Wangen, die sich bei dieser Berührung wieder mit einem rosigen Schein überzogen, „aber, die Wahrheit zu gestehen, hast Du mir heute Morgen gar nicht so recht gefallen wollen. Du hast fast gar nichts gegessen und kommst mir unruhig und aufgeregt vor." „O nicht doch, lieber Vater, Du bist im Jrrthum, Deine große Sorge um mich läßt Dich Dinge sehen, die gar nicht vorhanden sind", widersprach Meta, konnte dabei aber doch nicht verhindern, daß ein nervöses Zittern durch ihre Glieder ging und ihr Gesicht auffallend die Farbe wechselte. Der Amtsrath betrachtete sie kopfschüttelnd. „Es scheint doch nicht Alles in Ordnung. Ich werde an Professor Brunner schreiben und ihn bitten, daß er einmal herauskommt." „O nein, nein!" wehrte das junge Mädchen sehr eifrig. „Was soll mir der Professor? Er hat mich während meiner Krankheit nicht behandelt. Verdanke ich die Rettung meines Lebens überhaupt einem Arzte, so ist es Doctor Holten." Amtsrath Wenzel tagte wie belustigt auf, trotzdem klang durch seinen Ton ein leichter Unmuth, als er antwortete: „Du darfst nicht übertreiben, mein Mädchen. Zum Tode ging es bei Deiner Krankheit nicht. Die Hilfe, welche Holten Dir geleistet, hätte Dir jeder Arzt angedeihen lassen, der zufällig zuerst herbeigerufen worden war." „Doch nicht! Seiner Geschicklichkeit, seiner Sorgfalt, habe ich viel, wenn nicht Alles zu verdanken", erklärte Meta mit großer Bestimmtheit. „Gut, gut, nimm das, wie Du willst", scherzte der Vater. „Ich habe ihm ein recht ansehnliches Honorar mit einem verbindlichen Dankschreiben gesandt, damit ist, denke ich, die Sache abgethan." „Lieber Vater", begann Meta in eigenthümlich erregtem Ton. In demselben Augenblicke ließ sich von unten auf dem Schloßhof das Rollen eines leichten Wagens vernehmen. Der Amtsrath stand auf, ging ans Fenster, that einen Blick hinaus und sagte, ins Zimmer zurücktretend, sichtlich verstimmt: „Lupus in fabula. Da fährt Holten auf den Hof. Was will er noch bei uns, nachdem er Dich für genesen erklärt und fein Honorar empfangen hat?" „Vater!" Die Anrede sagte mehr als viele, viele Worte. Sie war zu ihm getreten und legte die schmale, blasse Hand bittend auf seinen Arm. Die von entschlossener Thatkraft zeugenden klugen stahl- grauen Augen des Amtsrathes blickten die Tochter scharf an, die starken, buschigen Brauen zogen sich finster zusammen. „Meta, versteh' ich Dich recht?" Sie senkte das Auge zu Boden. „Du wußtest, daß Holten heute kommen würde?" Meta neigte bejahend den kleinen, wohlgesormten Kopf, welchen das während der Krankheit verschnittene Haar jetzt in kleinen goldigen Löckchen umgab. ' „Er kommt im Einverständniß mit Dir?" „Vater, sei gut, sei lieb wie immer!" bat sie und zog feine große muskulöse Hand an ihre Lippen. Er drängte sie unwillig hinweg. „Das ist nicht recht von Dir, Meta. In eine solche peinliche Lage hättest Du mich nicht bringen dürfen." „Du hast ihn weggeschickt!" „Zu Deinem Besten." „Wir mochten keine Heimlichkeiten haben —" „Das ist ganz brav von Dir,- aber —" „O Vater, ich liebe ihn ja so sehr!" gestand sie jetzt mit tiefem Herzenston, aber der Amtsrath vernahm das nicht ober wollte es nicht vernehmen. Leichthin erwiderte er: „Kind, Kind, das bildest Du Dir ja nur ein. Es ist die alte Geschichte zwischen Arzt und Patientin, wie zwischen Lehrer und Schülerin, das hat keinen Bestand." „Gewiß, gewiß!" „Die Neuerung der weiblichen Aerzte für weibliche Patienten hat doch Manches für sich", brummte der Amtsrath. „Herr Doctor Holten bittet den Herrn Amtsrath um eine Unterredung", meldete in diesem Augenblick der Diener, welcher die Thür öffnete und in deren Einrahmung stehen blieb. „Führen Sie den Herrn Doctor in mein Zimmer, ich lasse ihn bitten, dort Platz zu nehmen und einen Augenblick zu warten, ich werde sogleich bei ihm sein", antwortete völlig beherrscht in Ton und Miene der Amtsrath. (Fortsetzung folgt.) Genretnnützrges. Gestügelmift sammel«! Es ist der Mühe werth, allen Geflügelmist zu sammeln, da derselbe ungefähr ein Drittel so hoch im Preise steht, als der Durchschnittspreis des Kunstdüngers. Wohl die empfehlenswerrheste Art und Weise der Sammlung desselben ist, daß man unter den Sitz- staugen ein Brett von genügender Breite anbringt, den Dünger aufzufangen, und daß man ungefähr zwei Mal in der Woche auf diese Ansammlungen gewöhnlichen Feldgips streut, welcher die Eigenschaft hat, den Ammoniak im Dünger zu binden und diesem werthvollen Düngungsmittel die verwendbarste Form zu geben. Diese Bretter oder Regale sollten alle zwei Wochen gereinigt und die Mischung in dichte Fässer verpackt und an einem trockenen Orte aufbe- wahrt werden bis zum Frühjahr, wann dieselbe, mit Holzasche vermischt, im Gemüse- und Beerenobstgarten mit außerordentlichem Vortheile angewendet werden. * * ♦ Luftdichter Feusterverfchlutz. Um Fenster luftdicht zu verschließen, machr man von gutem Oelkitt lange Rollen von der Stärke eines Bleistiftes bis zu der eines kleinen Fingers, je nach Beschaffenheit der Fensterrahmen, legt diese in den Spund aller vier Seiten des ausgehenden Flügels und schließt denselben mit sanftem Druck. Es wird damit der Oelkitt dergestalt zwischen beide Rahmen gepreßt, daß dem Luftzug jeder Durchgang gesperrt ist. Damit aber das Fenster auch geöffnet werden kann, ohne den gewonnenen dichten Schluß zu verlieren, bestreicht man vor der Manipulation denjenigen Spund, in welchem dieselbe haften bleiben soll, mit Leinölfirnis und bestäubt die Seite der Rolle, welche sich beim Schließen des Flügels zwar an bett anberen Rahmen fest anlegen, aber nicht ankleben soll, mit trockener Schlemmkreibe. Zum Ueberfluß kann man mit bieser auch noch die Theile des anderen Rahmens bestäuben, welche beim Schließen des Fensters von dem Kitt berührt werden. Läßt man das Fenster einige Tage geschlossen, so wird bte Kittausfüllung festfitzen, von bent anberen dagegen beimOeffnen sich leicht ablösen und für die Folge den Zweck vollständig und dauerhaft erfüllen. * * * 128 Frühbruten. Schon oft haben wir daran erinnert, i daß frische Eier im Winter am meisten begehrt sind, und daß man deshalb für Hühner sorgen muß, die im Winter legen. Das geschieht aber nicht, wenn man die jungen Hühner im Sommer (etwa Juli und August) zieht, da solche Thiere höchstens im nächsten Frühling legen. Um Winterleger zu erzielen, sind Frühbruten, d. h. im März und April, nöthig. Sollten um diese Zeit die gewöhnlichen Hennen nicht glucken, so verschaffe man sich Puterhennen, da diese unübertrefflichen „Brutmasckinen" sich jederzeit leicht zum Brüten zwingen lassen. Züchtet man nun frühreife Raffen, so werden die Jungen vom März und April bet guter Pflege schon im September und October mit dem Legen beginnen und bei richtiger Fütterung dm ganzen Winter damit fortfahren und trotzdem auch im Frühjahr und Sommer ebenso fleißig legen wie die anderen. Aber nicht nur zur Eierproduction, sondern auch zu Zuchtzwecken sind die Frühbruten ersorderlich; denn da die Thiere bei Frühbruten sich schneller entwickeln und viel stärker werden, als 'solche von Spätbruten, so sollte man nur von Frühbrut- thieren nachziehen. * Kitte für verschiedene Materialien. Für Knochen, Elfenbein, Fischbein, Perlmutter rc. eignet sich nachstehender Leimkitt ganz besonders wegen seines schönen Glanzes, den er dem Gegenstände verleiht. Man quellt gewöhnlichen Tischleim in heißem Wasser auf, erwärmt die Gallerte, setzt derselben so viel zu Pulver gelöschten Kalk zu, als noth- wendig ist, um die erforderliche Consistenz zu erhalten. Man erwärmt den zu kittenden Gegenstand, reinigt die Brucdflächen recht sorgfältig, streicht nun den Kitt zwischen die Fugen und legt um den Gegenstand herum recht fest ein starkes Band. Nach Verlauf einiger Tage muß Alles völlig verhärtet sein. Gewöhnlicher Tischlerleim erwärmt und nut fein pulverisierter Kreide angerührt, erweist sich als ein ganz vorzüglicher Kitt für Metall auf Holz. Zur Befestigung von Leder auf Metall wird das Metall mit einer hetßen Leimauflösung bestrichen und das Leder mit einem heißen Auszuge von Galläpfeln bestrichen. Beides läßt man nun ruhig trocknen. Die Haltbarkeit ist ausgezeichnet. * ♦ * Matt gewordenen Spiegeln und Spiegelgläsern giebt man rasch wieder Crystallreivheit und Durchsichtigkeit, indem man sie mit Magnesia und Spiritus putzt. VepnrWhtes. Beim rheinischen Heckenwirth in der Troflelgasse — das Städtchen, wo er seinen Tropfen schänkt, wird nicht verrathen — muß, wenn man den poetischen ^nschristen trauen darf, die ihm seine Gäste gestiftet haben, gut einkehren sein. In der „Literar. Rundsch." stellt Fritz Brentano, der auf luftiger Rheinsahrt auch dort vorgesprochen, eine an- muihige Blüthenlese aus diesen Wandaufzeichnungen zusammen. Da schildert einer die ganze Herrlichkeit der Heckenwirthschaft in vier Zeilen: Eng die Stube, Weit das Glas, Süffig der Wein — Wie wohl thut das! Ein Zweiter hat sich die weinroth angehauchte Nase des Wirthes als poetischen Gegenstand erlesen und singt: Der echte, echte Heckenwirth Hat nie ein Schild am Hause! Am Lattenstück der Rebenkranz Verkündet seine Klause. Und steht er unter seiner Thür, Welch' wonneselig Winken! Da leuchtet gleich dem schönsten Schild Sein weingefärbter Zinken. Und wer als kund'ger Zecher sich Versteht auf einen Schoppen, Liest auf des Wirthes Rase klar: „Hier giebt's 'nen guten Troppen!" Ein biederer Schwabe, der sich v elleicht einmal in lauer Sommernacht länger in der Heckenwirthschaft festgesaugt, als er ursprünglich beabsichtigte, meint: Gelt, Wirth, Du bischt e Schuster, Dei Bank, de send voll Pech, Denn i bleib alleweil klebe Und han e großi Zech, worauf ihn jedoch sofort ein norddeutscher Reichsbruder folgendermaßen belehrt: Geliebter Schwabe, weil Du Dir Festsoffest hier im Neste, Glaubst Du, Du klebest uff die Bank Am Pech des Wirthes feste. Dein Pech stammt vom gepichten Faß, Dir geht es wie den Andern: Wer mag, wo solchen Wein man schänkt, So rasch wohl weiter wandern? Und „ein fideler Mainzer Zecher" hat sich sogar so satt getrunken, daß er den leidigen Durst für ewig aus der Welt geschafft glaubt: Den Durst zu löschen, ist kein Spaß, Hab' lang genug gebosselt - Heut' aber in der Drosselgass' Hab' ich den Durst erdrosselt. Die splendide Bäuerin. Major (bei der Ein- quartirung): „Frau, bringen Sie mir doch einen Zahnstocher!" — Die Bäuerin geht hinaus und kommt nach kurzer Zeit mit einem großen Scheit Holz und einem Messer zuück, legt beides auf den Tisch und sagt: „So do könnet Se jetzt selber 'm chneida, so viel Se wöllet!" * * * Er kennt sich aus. „Sie kommen mir bekannt vor, mein Herr, doch weiß ich im Augenblick nicht, wo ich Sie hinbringen soll." — „Na, Onkelchen, dann bring' mich 'mal zunächst in eine gute Weinstube, da wirst Du ja Deinen alten Neffen schon wieder erkennen." ♦ ♦ Höchste Realistik. Freund: „Dein letztes Gemälde ist eine ganz außerordentliche Leistung. Der Schneesturm sieht ganz natürlich aus." — Künstler: „Ja, das hab' ich schon vor einigen Tagen bemerkt, als ein Fremder im Atelier war, um das Gemälde zu besichtigen. Dem schien dabei kalt geworden zu fein, denn als er fort war, vermißte ich auch meinen Ueberzieher." * * • Enfant terrible. Tante: „Aber Elschen, weshalb setzt Du denn meine Hutschachtel dort aufs Fensterbrett?" Elschen: „Das hat der Papa gesagt, Tante Olga." Tante: „Der Papa — wie so?" Elschen: „Ja, er sagte zur Mama : „Nächstens wird die alte Schachtel von Tante Olga an die Lust gesetzt!" ♦ * * Im Zoologischen Garten. Fremder: „Sind Sie immer hier im Raubthierhaus?" — Aufseher: „Nein, nur vorübergehend/ ich gehöre zünden Kameelen!" Ueb er flüssig. „Halten Sie keine Modezeitung?" — „Nein: ich leihe sie mir immer von meinem Dienstmädchen aus." . unb Steindruck»« (Pietsch & Schcyda) in Gießen. Reboction: 8. Echeyda. — Druck unb Verlag der Brüht'scheu UuiverfitätS-Buch