«M Msö- WWW wlijm ■Ml MS W^MH WMErUI rä,.-- : 1 ; s ist Geduld ein rauher Strauch Voll Dornen aller Enden, Und wer ihm naht, der merkt das auch An Füßen und an Händen. Und dennoch sag' ich: Laß die Müh' Dich nimmermehr verdrießen, Sei's auch mit Thränen spät und früh Ihn traulich zu begrüßen. Urplötzlich wird er über Nacht Dein Mühen dir belohnen. Wenn über all den Dornen lacht Ein Strauß von Rosenkronen. W. Wackernagel. Felsgarten. Roman von Clara Bücker. (Fortsetzung) Hilde sah traurig zu ihm auf, jede Farbe wich von ! ihrem Gesicht. / „Womit habe ich das verdient? Aus innerer Freund- i lchaft gab ich Ihnen meine Sachen — doch nicht aus Eitel- • kett oder Prunksucht. Weil Sie spielten, weil Sie voll ; Verständniß für mich schienen — ich meinte es nur gut, ; Herr Wulfsens „Nun ja." Die sanfte Stimme griff gewaltig an sein Herz. „Ich bin sonst nicht so freigebig," fuhr sie halb abgewandt fort, „für den Papa sind meine Sachen langweilig, er ist noch von der alten Schule. Irgend eine herzhafte Reisebeschreibung, ein spannendes Genrebildchen und was die Namen unserer Großen decken, umfangreicher mag er sich das Gebiet geistigen Könnens nicht denken." Irmgard aber — nein, für sie male ich nicht. Das Wenige, was sie von mir zu sehen bekam, verspottete sie in s einer Weise, die mich nicht belehrt, schon der Vers im Eß- s zimmer ist ihr ein Dorn im Auge." „Und Ihnen ist meine Art ebenfalls unangenehm? : Seien Sie aufrichtig." Jetzt hatte Heinrich sich wieder in der Gewalt. „Unangenehm? Aber, Fräulein Hilde, das gerade . Gegentheil davon, ich wage es ja nicht auszusprechen. ! Allerdings bin ich kein Fachmann, vom meinem Laienstandpunkt aus folgt sichs schwerer, trotzdem überraschten und fesselten Sie mich, wie es mir sonst nur die Musik thut. Eins freilich — mag es an Ihrer Auswahl liegen — Sie malen mit aller Inspiration eines starken Geistes, nur die des Herzens fehlt/ — indeß, ich bin nicht maßgebend, entschuldigen Sie." „Was soll ich entschuldigen?" rief sie wieder mit dem stolzen, muthigen Ausdruck von gestern Abend: „sprechen j Sre frei heraus, ich will, ich muß noch viel lernen!" S „ , ."Sie s? hen bloß, daher das Ueberwigen des Geistigen. : Erleben müssen Sie!" 1 u Sein Blick fuhr schwer-und düster an ihr herab: daß er Hilde nicht allein zudringlich, sondern wie ein Blitz zer- geahnt “nb fen9enb traf/ der Leidenschaftliche nicht 1 Ihr Gesicht versteinerte gleichsam, ihr Auge schimmerte eisig auf, ihre Lippen krümmten sich in einem unsagbaren Stolz. Sie kehrte ihm den Rücken und ging." Heinrich wagte keinen Laut, bewegungslos rang er mit dem Schmerze, sie damit gekränkt zu haben, womit er Ines erobert hatte, mit seiner Sinnlichkeit. Es begann ein bitteres, aber ehrliches Ringen in ihm — sie, die so von ihm ging, handelte recht. Unentwegt schritt Hilde dem Hause zu, jedes weiche Empfinden, am meisten den trostlosen Schmerz über diese Enttäuschung weit von sich weisend. In der Nähe der Glasthür lief sie dagegen schon schneller und als diese hinter ihr zufiel, stiegen die Thränen eben in ihre Augen, da rief Tauchlitz von oben her. „Hilde! Ich bitte, einen Augenblick." „Sofort, Papa." Tauchlitz erwartete sie in seinem Arbeitszimmer. Er war fertig gekleidet, hatte dabet seine väterlichen Betrachtungen von gestern wieder ausgenommen und zuguterletzt die Debatte im Garten beobachtet. Sein Entschluß war gefaßt. „Du riefst mich," sagte Hilde blaß, mit jenem harten Gesichtsausdruck, den ihr die Selbstbeherrschung lieh. Da hatte es also schon Affecte gegeben. „Höre, Kind," sagte er leichthin, „ich bin Dir doch noch eine Aufklärung schuldig. Es scheint Wulffen bei uns zu behagen, vielleicht bleibt er länger, da mußt Du als erste und einzige Dame im Hause orientirt sein." „Laß es doch, Papa, es ist ja geschehen," wehrte sie gequält ab. „Du bist nicht neugierig, ich weiß,- dennoch könntest -- 464 Du unbedachterweise meinen Gast verletzen, und dos bliebe nachher nur bedauerlich. Also Wulffen ist nicht allein des Geldes wegen, sondern mehr aus Rücksicht auf seine Verlobte hier." Hilde sah aufmerksam, nicht anders, den Sprechenden an, der ihr Alles im Einzelnen erzählte. Ihre plötzlich warm leuchtenden Augen, ihre rothen Lippen gaben Zeugniß von einem lebhaft pochenden Herzen. „Wulffen übernahm die Vermittelung zwischen den Erders und Dir gern?" fragte sie. „Verzweifelt, wie mir schien, doch ehrlich. Seine Leidenschaft zwingt ihn wohl." //Ich sagte schon einmal, gieb ihm, was dem Mädchen zukommt- doch Du wirst das ja besser wissen. Er thut mir leid." Tauchlitz konnte sein Staunen schwer beherrschen. Hatte er denn ganz verlernt, in Frauenherzen zu lesen? Er wußte wirklich nicht, welche Ruhe er dem thörichten Mädchen gegeben hatte. Jener Blick galt also nicht ihr, sondern der Erinnerung an die Geliebte, ihre Freundschaft blieb unverletzt. VII. Beinahe ein Monat verfloß in gleichförmiger Weise. Wulffen ließ sich in Tauchlitz' Sammlungen einführen und ging ihm eifrig zur Hand, wenn seine Gedanken besänftigt das stille Sitzen vertrugen. Oft stürmte es freilich unerträglich in ihm und solches Tosen suchte er auf einsamen Gängen für sich allein zu verwinden. Gegen Abend kam Hilde heute von einem Ausgang mit Irmgard heim. Sie erzählte, daß Hollmanns nachher vorsprechen würden. „Ich glaube, Ernst will Schach mit Dir spielen- für Herrn Wulffen, Irmgard und mich haben sie Theaterkarten besorgt. Genau weiß ich es nicht." „Sieh, sieh", sagte Tauchlitz, „sie strengen sich ja gewaltig an." Damit blieb die Sache erledigt. Zum Abendessen stellten Hollmanns sich höchst angeregt und lustig ein. Wie vorausgesagt, setzte der Oberlehrer sich mit Tauchlitz ans Schachbrett, Irmgard lud Hilde und Wulffen ein, mit ihr ins Theater zu kommen. „Wir haben gute Darsteller, trotz Ihres Berlin führe ich Sie hin," äußerte die Lebhafte unterwegs, „Hilde freilich meint, sie sind der Sachen nicht werth, die sie geben. Nun sollen Sie entscheiden." „Das wird mir schwer fallen, denn ich verfüge nur über meinen Geschmack, verehrte Frau; weder Ihre geschulte Ansicht, noch das hochgespannte Kunstgefühl Fräulein Hildes sind mir gegeben." „Kennen Sie das auch schon?" fragte Irmgard. Wulffen wurde jeder Antwort enthoben, das Hausmädchen der Hollmanns stürzte eben über die Straße. „Frau Oberlehrer! Ach, was ist es gut, daß ich Ihnen noch treffe. Der Kleine ist hingefallen und hat sich den Mund ausgefallen, er blutet so sehr." „Was paßt Ihr denn nicht auf?" rief Irmgard. „Kann man keine Minute den Rücken wenden? Bitte, Hilde, geht voran, ich werde erst einmal nachsehen." „Bewahre, wir gehen mit," bat Hilde, „ist cs ungefährlich, kommen wir immer noch zurecht, und leidet das Würmchen, so —" //Es ist an mir genug," entschied Irmgard. „Bitte, Herr Wulffen, Sie thun mir den Gefallen, meine Schwester zu begleiten." Hilde schwieg, einsilbig ging sie neben Heinrich weiter. „Um solch bischen Wunde machen Sie aber ein mächtiges Aufhebens- da haben wir als Jungen anders getobt," suchte er zu trösten und erzählte einzelne seiner, wie Franzens Stretche. Lachend hörte Hilde ihm zu,- warf sie auch dazwischen, daß die Kwder noch klein und zart wären, so forschte sie doch zutraulich nach seinen Kindheitserlebnissen, daß er wie verzaubert auf sie sah. Allerdings sollte sie ihm sein Empfinden nicht wieder anmerken, sonst verscheuchte er sie aufs Neue. „Wi'viel glücklicher Sie aufgewachsen sind gegen uns," bedauerte sie eben, „Sie durften stets sich selbst leben auch in Ihren Dummheiten — mich engen die Anderen noch heute ständig ein." „Warum lassen Sie sich denn einengen? Warum zeigen Sie sich nicht so stark wie Sie sind?" „Stark fühle ich mich erst —" „Nun?" „Seit Sie gekommen sind und mir eine Fülle neuer Eindrücke und Anregungen gebracht haben." Ihre Augen leuchteten zu ihm auf, daß ein Entzücken und ein «schmerz ohnegleichen ihn zerrissen. „Hier ist Irmgards Wohnung wieder!" bemerkte Hilde. Ihrer inneren Leidenschaft gehorsam waren sie auch im Sturmschritt am Theater vorbeigerannt und hatten auf einem Umwege Hollmanns Wohnung von Neuem erreicht. „Wir wollen Sie abholen und aufrichtig gestehen, daß wir kein Theater mögen. Sie kann zu uns mitkommen, dort will ich —" „Was wollen Sie?" „Auch einmal ich selbst sein. Sie werden ja sehen. Für jetzt lassen Sie mich danken, daß — nein, nein." Auf ihr leises Klopfen oben kam das Mädchen und erzählte, die Wunde des Kleinen sei doch schlimmer gewesen, der Doctor hätte sie zugenäht und wäre eben erst gegangen. Frau Oberlehrer bliebe bei dem Kinde, das jetzt schlafe. Hilde bestellte Grüße und sie würden nun ebenfalls nach Hause gehen- dann waren sie wieder unten. Wulffen bot ihr den Arm, sie legte ihre Hand hinein. Sie sprachen nichts mehr — Einer war von des Anderen fühlbarer Nähe unterjocht und gefangen. Ein Bild der Beständigkeit saßen die beiden Schachspieler einander gegenüber, als sie nach einer inhaltreichen Stunde wieder bei ihnen eintraten. Hilde hatte die Straßensachen draußen abgelegt, ihr bleiches Gesicht und die glühenden Augen bildeten einen Gegensatz, der selbst die Blicke der Spieler festh-elt. „Laßt Euer Schach," sagte sie, „wir können die Stunde jetzt anders nutzen." Dann erzählte sie, Hollmann beruhigend, den Unfall in seinem Hause. „Den Abend harmlos im Theater zu verbringen, wäre danach unmöglich gewesen, kaum vorher befand man sich in der Stimmung dazu. Laß mich die Gelegenheit im anderen Sinne brauchen, Papa, ich möchte mit Dir sprechen - ich bitte, Ernst, bleib einen Augenblick. Irmgard erwartet Dich noch nicht, auch könntest Du ihr gleich meine Entschlüsse mittheilen, dann brauche ich sie nicht zweimal durchzureden." Sie ließ sich etwas vom Tisch entfernt nieder, auf ihr stummes Bitten nahmen die Drei ihr gegenüber Platz. „Herrn Wulsfens Anliegen hat mich beschäftigt, unö wenn Sie nachträglich zugeben, daß innerliche Beziehungen zwischen Ihnen und der Künstlerfamilie nicht mehr bestehen, so haben Sie im Interesse der Gerechtigkeit dennoch ein Einleiten der heiklen Frage für nöthig befunden. Aus dieser selben Gerechtigkeit heraus möchte ich sie zu Ende geführt wissen." „Aber, Hilde! Was kümmert Dich das?" fragte Tauchlitz streng. Sie hob den Kopf. „Mich? Zuerst! Du, Papa, hast für Deine Person nichts zurückbehalten von einer Frau, die Dich bis aufs Blut gekränkt hat. Irmgard ist verheirathet, nachdem sie ihr mütterliches Erbtheil erhielt- sie kann solche Summen aus ihrem Haushalt nicht wieder herausziehen. Bleibt also mein Theil und den bringe ich der Dame." 455 Ziemlich entgeistert sahen die Drei auf die Rednerin. „Und Du?" fragte Tauchlitz. „Ich werde mich endlich rühren, Papa, hier in der alltäglichen Gutmüthigkeit bei Dir kann ich mich nicht auswachsen. Du hast Irmgard sammt ihrer Familie am Ort, und ich erobere mir die Welt." „Du? Ein Mädchen?" „Natürlich meine Welt, was sollte ich mit der großen, unpersönlichen anfangen? Ich muß endlich einmal die Flügel rühren, sonst wachsen die Sehnen fest und ich bin lahm vordem Versuche." (Fortsetzung folgt.) Genreinirrrtziges. Wie prsiparirt man am besten Blumen nnd Blätter für das Herbarinm? Das Präpariren von Blumen und Blättern für das Herbarium ist nicht allzuschwer — und doch ist es leider noch zu wenig gebräuchlich — und wie folgt auszuführen: Man schneidet die Pflanzen nur, wenn sie vollständig abgetrocknet sind, läßt sie dann, je nachdem sie mehr oder weniger Feuchtigkeit enthalten, einige Zeit leicht abwelken. Zum Präpariren der Pflanzen nimmt man am besten graues Löschpapier, welches die Feuchtigkeit gut in sich aufnimmt und legt sie dann so in die Bogen ein, wie sie ihre Gestalt behalten sollen. Zwischen die vollen Bogen bringt man ebenfalls Löschpapier und zwischen je einige Bogen wieder eine zarte Zwischenlage, wie starke Pappe oder dergleichen. So bringt man sie in eine Copir- presse und schraubt in den ersten Tagen nur ganz leicht, später aber immer fester zu. Hauptsächlich ist darauf zu achten, daß die Zweige öfter in frische, trockene Bogen umgelegt werden, um das Schimmeln und Sporen zu verhüten. Um die Bogen zu trocknen, hängt man sie auf einer Schnur an luftiger Stelle auseinander. Sollte eine Presse nicht zur Verfügung stehen, so werden zwei glatte, aber starke Bretter, welche man mit Gewichten beschwert, auch diesen Zweck erfüllen. Auf diese Art wird den Pflanzen in drei bis sechs Wochen ihre Feuchtigkeit vollständig entzogen sein. Ohne weiter auf die Anordnung u. sw. w. des Herbariums hier einzugehen, möchte ich nur bemerken, daß die Aufbewahrung an einem trockenen und luftigen Ort zu geschehen hat und in der ersten Zeit öfter nachzusehen ist, ob nicht Jnsecten oder Pilze die Pflanzen verderben. Gegen erstere hilft ein leichtes Bestäuben mit Schwefelblüthe, gegen letztere genügt ein öfteres Umblättern. * Ein wirklich sicher wirkendes Mittel znr Bertilgnng von Gras und Unkraut, sofern sich kein tieswurzelndes darunter besindet, wie die sogenannte Ochsenzunge u. dgl., ist das Bestreuen mit feiner Gas-Ofen-Asche, welche für billigen Preis in jeder Gasanstalt zu haben ist. Das Unkraut verschwindet in einigen Tagen und wächst nicht wieder. * • * Sorgt für schnelles Absaistineln alles Fallobstes unter den Obstbäumen und erntet das Obst vollständig von den Bäumen ab. Die beiden Hauptschädlinge, die durch obige Maßnahmen bekämpft werden sollen, sind der Apfel- und der Pflaumwickler- ihre Thätigkeit zeigt sich in dem Auftreten von Maden in den Früchten. Um den großen Schädigungen dieser Jnsecten vorzubeugen, soll einmal alles Fallobst schnell, d. h. jeden Tag und sorgfältig aufgesammelt„ werden- läßt man es dagegen längere Zeit liegen, so flüchten sich die Larven, um zu überwintern, aus den Früchten in die Erde und erzeugen so für das nächste Jahr eine zahlreiche Nachkommenschaft. Obstfrüchte, die den Winter über auf den Bäumen hängen bleiben, überziehen sich mit dem Fruchtschimmel, der im kommenden Frühjahre das Auftreten der bekannten Monilia-Krankheit zur Folge hat. Pfirsiche nnb Aprikose« werden vom Juli bis Mitte August auf das schlafende Auge okulirt. Als Unterlage benützt man Sämlinge des Pfirsichs, der Aprikose, ferner die St. Julienpflaume und die gewöhnliche Bauernpflaume. Die Bauernpflaume nimmt die Okulation weniger gut an. Es empfiehlt sich deshalb Copulation und Anplattirung, doch müssen diese Veredlungen frostfrei überwintert werden. Vorzugsweise werden Sämlinge der eigenen Art und St. Julienpflaume als Unterlage benützt, weniger dagegen die Bauernpflaume, weil diese sich nicht für alle Fälle eignet. Die Okulation soll möglichst auf den Wurzelhals gemacht werden, so daß man die Okulanten im Herbst durch Anhäufeln vor Frost schützen kann. ♦ * * Für Schwerhörige dürfte eine Erfindung von Interesse sein, welche, wie wir einer Mittheilung des Internationalen Patentbureaus Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6. entnehmen, vor Kurzem zwei Breslauern patentirt wurde. Es ist dies ein Apparat, welcher das lästige Schreien bei der Unter- Ha tung mit schwerhörigen Personen überflüssig macht und mit gleichem Erfolge sogar von solchen Per onen benutzt werden kann, denen selbst das Trommelfell fehlt. Dieser Apparat stellt eine wesentliche Verbesserung der sogenannten Michelson'schen Hörvorrichtung dar und ist nach Art eines Fernsprechers mit zwei Stationen eingerichtet. Der Electro- magnet, welcher die Verbindung zwischen den Stationen (zwei Membranen) herstellt, besteht aus einem magnetischen, mit Draht bewickelten Stahlstäbchen. Die eine Membran schließt sich in ihrer äußeren Gestalt genau der Form des natürlichen Trommelfelles an und läuft demgemäß in eine Kegelspitze aus, welche sich an das Trommelfell, oder wenn dieses fehlt, unmittelbar an den sogenannten Hammerstiel in der Pauckenhöhle des Ohres anlegt. * * * Kautschuk anf Metall kitten. Einen brauchbaren Kitt zur Befestigung von Kautschuk auf Metall erhält man, wenn man pulverisirten Schellack in der zehnfachen Menge starken Salmiakgeistes eiuweicht. Es entsteht hieraus eine durchscheinende, gallertartige Masse, die tn drei bis vier Wochen ohne Anwend.ng von heißem Wasser flüssig wird. Diese Flüssigkeit macht nun den Kautschuk weich, so daß er leicht auf Metall haftet- nach Verflüchtigung des Salmiakgeistes erhärtet er wieder vollständig und wird sür Flüssigkeiten, sowie für Gase undurchdringlich. Vermischtes. Wenn ver Radfahrer anf irgend etwas stolz sein kann, so ist es auf seine Geschwindigkeit. Und trotz aller Eile läßt seine Ausdauer nichts zu wünschen übrig. Der Reiter auf seinem Pferd erschöpft sich leichter als der Fahrer auf dem Rad. „Während aber die Rennpferde", schreibt Dr. Paul Niemeyer, „außer Athem und überhaupt erschöpft am Ziele anlangen", sieht man dem Radfahrer „keine Spur von Ermattung an." Bei'aller Schnelligkeit bleibt er umsichtig und besonnen. Wenn man noch bedenkt, mit welcher Lust und Liebe sich die Anhänger dieses Sports ihren Uebungen hinzugeben pflegen, wenn man bedenkt, daß die Mehrzahl in den Jahren vor der Ableistung ihrer Dienstpflicht steht oder der Reserve und Landwehr angehört, so kann man über den Werth des Radfahrens für die militärische Vor- und Weiterbildung nicht int Zweifel sein. Mit anderen Augen und anderen Gedanken blickt jetzt der Soldat, der Officier dem vorbeisausenden Fahrer nach als damals, wo der Radsport erst aufkam und Niemand wissen konnte, was aus ihm werden würde. — 456 Was sind Grutz- und Erinnerungsphotographien *? Das ist thatsächlich mal was Neues, Originelles und Reizvolles, das Interesse bei Alten und Jungen verdient. Sie beschauen sich gern Ansichtskarten, sie freuen sich, wenn ihnen eine solche Karte zeigt, wo der Absender lebt — wir auch. Aber wie selten macht das Bild Anspruch auf Schönheit und Treue/ wie hat es gelitten unter den Händen seiner Beförderer, unter dem Stahldruck des Poststempels rc. und vor Allem das zeigt es doch nicht, was die Photographie zeigt, diese treueste der treuen unter den mechanischen Reproductions- arten. Ja, wenn man an eigene und fremde Reisen erinnert würde durch etwas, was Photographie, Ansichtskarte, Reisebeschreibung vereint, was einheitlich wäre in Format, Ton, Ausgestaltung rc.! Während Sie das denken, schöne Leserin, lieber Leser, und sich so ein Jdealalbum vorstellen, das Ihr eigenstes Prachtwerk wäre, znsammengcstellt auf Reisen, ein immer neuer Quell der Unterhaltung und Erinnerung — ist es schon erfunden eben in der Gruß- und Erinnerungsphotographie. Unter dem gemeinschaftlichen Titel „die Welt in Photographieen" giebt jetzt Joseph Kürschner, der unermüdlich immer Neues findet und erfindet, in dem bekannten Verlage von Hermann Hillger in Berlin tausende schönster Cabinet- photographieen aus allen Theilen der Welt heraus, vornehmlich natürlich zuerst des lieben deutschen Vaterlandes, Oesterreichs und der meist bereisten Länder. Auf der Rückseite dieser Photographieen findet sich ein instructiver Text über das Dargestellte, der ca. 24 Zeilen umfaßt und mit der Liebenswürdigkeit eines Wandergenossen und mit der Kenntniß eines Specialführer^ plaudert. Aber überraschend in ihrer Einfachheit und dabei doch so bis aufs i-Tüpfelchen zweckentsprechend ist die echte Kürschner'sche Einrichtung, die in Form einer Visitenkarte, mit der den Besuch markirenden umgebogenen Ecke Pl-tz gefunden hat, auf dem Sie selbst Ihre Bemerkungen über die Erlebnisse an dem bildlich dargestellten Ort niederlegen oder den Freunden Gruß- und Scherzwort senden, kurz Geschichtsschreiber der eigenen Reise oder Meldereiter für ihre Gedanken an ferne Lieben sein können. Zu jedem Bild bekommen Sie ein schmuckes Couve t in dem, durch eleganten Löschcarton geschützt, das Bild Aufnahme findet, um darin seinen Weg anzutreten, je nach Ihrer Redseligkeit für drei oder zehn Pfennig. Die Neuheit hat etwas so Ueberzeugendes, daß Jeder sich mit ihr befreunden ! wird, auch der, der dem etwas tollen Spuk der illustrirten - Postkarte vielleicht gram ist. Die Kürschner'sche Gruß- und Erinnerungsphotographie wird zu einem Sammelsport reizen, der seine int besten Sinne sehr ernste Seite hat: er wird den Blick wahrhaft erweitern, das Herz erfreuen durch die dar- gestelllen Schönheiten der Natur und menschlichen Schöpfungen, Sinn für Geographie wecken und ausgestaltrn, Kenntnisse j bring?« und auch Sammlung. Denn wenn es erst Mode ge- \ worden, sich von seinen Reisen und überall her solche Bilder i mitzubringen und sie in Albums zu vereinigen (wie sie ! übrigens ebenfalls von Hermann Hillger Verlag in den 5 verschiedensten Ausstattungen geliefert werden), dem Laufe ' der Reise entsprechend, so wird die Erinnerung an diese ! fester haften und zu immer neuen Genüssen und Mittheilungen ' an Befreundete Gelegenheit geben. Begründet ist bei dem ' Gedanken an die hahen Preise der Phothographie, daß diese ■ Neuerung etwas sei, nur finanziell Bevorzugten verwendbar, i dem ist aber nicht so. Denn das ist das Wunderbare bei ; der so schönen und klaren Sache, daß jedes dieser Cabinet- ; bild r nur — zwanzig Pfennig kostet mit Couvert rc. Nach Orten, Gegenden rc. zusammengestellt werden auch je zehn Bilder in sehr origineller Mappe zum Preise von zwei Mark geliefert. Die Buchhandlungen führen Verzeichnisse, aus denen das bisher Erschienene ersichtlich ist. Was wir von den Bildern iahen, hat uns gezeigt, daß hier etwas wahrhaft Gutes und Empfehlenswerthes geboten wird. Möchte es sich überall einbürgern! Humoristisches. Spanischer Optimismus. Marineminister (mit seinen College« über die Verwendung der eingegangencn Gelder berathend): „Und mit diesem Geld kaufen wir ein neues Schiff und geben ihm den Namen „Delila". — Finanzminister: „Warum „Delila?" — Marineminister: „Weil wir mit diesem Schiff dem Sampson die Haare stutzen werden." • * * Gaunerstolz. Richter: „Wie oft sind Sie schon vorbestraft?" — Angeklagter: „Ich will nich dicke dhun, Herr Jerichtshof, aber Stücker zwanzig Mal wern 's woll' sind. * * Vett. A.: Hast Du Line Cigarre bei Dir?" — B.: „Nein, ich kaufe keine Cigarren mehr." — A.: „Wie kommst Du denn auf den Gedanken?" — B.: „Ich will Dir das Rauchen abgewöhnen." * * * „M alitiös. „Kleidet mich wohl dieser Cylinder oder ein Strohhut besser, Coustnchen?" — „Auf Deinen Kopf paßt besser ein Strohhut." * * * Die billige Uhr. Ein Herr, welcher in der Eisenbahn einem anderen gegenübersitzt, bemerkt an diesem, daß er mit dem Oberkörper von Zeit zu Zeit eine schüttelnde Bewegung macht, und fragt ihn deshalb: „Sie sind wohl nervenleidend?" — „Sie irren," — meint dieser — „ich habe mir da so eine Uhr für drei Mark gekauft. Die bleibt mir sonst stehen." * * * Druckfehler. Der Student kam ganz ermüdet im Bauernhöfe an und klagt über Durst, worauf er von der Bäuerin mit Wasser gekränkt wurde. Literarisches Novellen - Bibliothek der Illustrirten Zeitung. 22. Band Preis 2 Mk., in Originalleinenband 3 Mark Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Fast ein Viertelhundert neuer, den Leser immer fesselnder Geschichten spendet der soeben erschienene 22. Band der schnell beliebt gewordenen Novellen-Bibliothek der Illustrirten Zeitung. In farbigen Lebensbildern wird uns ferner Länder Art und Sitte vertraut. Des Daseins Lust und Leid in der lärmvollen Großstadt wie im armseligen Fischerdorf, an der Brandung der Meeresküste wie hoch oben int Gebirge wird hier bald erschütternd, bald schalkhaften Humors voll geschildert. Uebermüthige Laune sprüht aus der Novelle „Das lederne Wams" von I. Weiß. Eine ergreifende Episode aus Mozarts letztem Lebensjahr erzählt A. E. Simsons „Requiem". Arthur Achleitner führt uns hinein in die Majestät der Alpen und ihre Schrecknisse und schildert uns dte Bevölkerung des Hochgebirges mit Liebe, ober auch mit der Liebe zur Wahrheit. Wie auf demselben Boden kindliche Frömmigkeit und fanatische Bigotterie gedeihen können, zeigt Max Langenbergs packend erzähltes „Gnadenbild". Katechismus des Ruder- und Segelsports von Otto Gusti. Mit 66 Abbildungen und einer Karte. In Originalleinenband 4 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Dem Vorurtheil Uneingeweihter, daß der Rennrudersport schlimme Folgen für die Gesundheit haben könnte, wird hier vom Verfasser gründlich der Garaus gemacht, der Einfluß des Wassersports auf Körpcrentwicklung und Character- bildung dagegen erschöpfend nachgewiesen. Die Vortheile der Vereins- angehörigkeit namentlich für sportgerechte Schulung werden in das grhörige Licht gestellt. Dankenswerth sind die Winke für Ausrüstung auf Touren und Grundlinien eines Wasser-„Baed-ker". Ein alphabetisches Register weist auf alle im Katechismus erläuterten Fachaus- drücke hin. Der Ruder- und Segelkarte ist eine alphabetische Uebersicht der deutschen Orte mit rüder- und segelsportlichen Ver-inen beigegeben. Den instructiven Textillustrationen wird jeder Sachverständige anmerken, daß hier Fachmänner den Griffel gehandhabt haben. Gustis Katechismus sei auch allen denen angelegentlich empfohlen, die weit ab von Pffegestätten des Ruder- und Segelsports an einem zu fröhlicher Fahrs lockenden Wasserspiegel ihren Wohnsitz haben. «esaction: «. Burkhardt. — Druck und «erlag der Brühl'schm UniversitStd-Buch- und Vtemdruckerei (Pietsch Ur 6 en) in Gießen.