Sonntag den 26. Jnm. in »U fet W <■ £. Gaudy. I n a. Novelle von S. Halm. lForlsetzung.) Sie biß sich auf die Lippen. „Höre mich!» sagte sie dann entschlossen. „Ich liebe Dich, wie ich nie geliebt habe und nie lieben werde, wie Dich nie eine Andere lieben wird . . . aber ich will Dich auch ganz, nichts Halbes. Meinen Gatten hasse ich- die Kinder sind mir gleichgültig- er hat sie mir ja ohnehin schon halb genommen- auch gleichen sie ihm, nicht mir- ich empfinde nichts für sie, also--muß, hörst Du — muß er in eine Scheidung willigen und dann heirathen wir uns!" „Schau, schau!" meinte er lächelnd - da brauste sie auf: „Willst Du etwa nur mit mir spielen?" Harden nahm ihre kleine, weiche Hand. „Unsinn, Peilte! Nur keine Scene. Ich heirathe Dich auch wenn es sein muß! Ich hab Dich wirklich gern!" (er war schon wieder der Kühle). „Hübscher wär's ja so! Weißt Du, es hat seinen picanten Reiz, dieses Liebeln, von dem Niemand 'was weiß. Na, nimm's nicht tragisch, süße Lore! Es wird Alles nach Deinem Wunsche geschehen. Mein „Schau, schau!" galt eigentlich Deiner Entsagung auf die edle Rolle, die Du Dir, wie Du mir neulich auseinandersetztest, zusammen phantasirt. — Du wolltest doch, wenigstens dünkt mir so etwas, Deinem Gatten die Freude Eures Zusammenlebens zu seinem Nutz und Frommen noch, wenn Euch das Schicksal hold ist, vier Decennien genießen lassen! Willst Du jetzt darauf verzichten? Und dann möchte ich Dich an Deine Worte über jenes Fräulein Lentze erinnern . . ." „Genug, genug!" unterbrach die schöne Frau den frivolen Spötter. „Mag Hunold mit seiner Zigeunerin glücklich werden! ■ Grunde ist er mir gleichgültig- ich hasse ihn nur, so- j lange er mich noch von Dir trennt. Von ihm will ich ! nichts, als meine Freiheit. Sonst will ich nur Dich!" I Wieder loderte die Flamme der Leidenschaft in ihr ■ , „Nur Dich!" wiederholte sie, ihn küssend. „Nur Dich! Keme Teßa und überhaupt keine Andere soll Dich besitzen, nur ich!" v ' „Höre mal!" begann er zwischen Scherz und bitterem Ernst schwankend, „eine bequeme Frau wirst Du gerade nicht! Aber merke Dir, ich ebensowenig ein gefügiger Ehemann! Ich denke, darüber bist Du Dir klar! Am Schürzenband der Frau hängen--nein, Kind, das ist nicht! Und im Grunde bin ich ja überhaupt ein Thor, meine schöne Junggesellenfrciheit aufzugeben, aber....." „Theodor!" schrie sie auf. j Er schloß ihr den Mund mit einem Kuß. „Aber : einmal macht man ja doch die große Dummheit seines Lebens, i und wenn meine dreißig Jahre eigentlich auch noch zu schade dazu sind, schon jetzt zu verunglücken--mag's immerhin ! drum sein! Es giebt eben auch nur eine solche blonde, süße, kleine Frau Lore." * * * Es war noch am selben Abend, an dem Abend, da Hunold Gebhardt von seinem Gang mit Ina heimkehrte, als Frau Lore den verwundert aufschauenden Gatten um eine Unterredung unter vier Augen bat. Teßa, die zufällig zugegen, verließ gekränkt das Zimmer. Was hatte Lores Heimlichthuerei nur zu bedeuten? | Erst beorderte sie Harden, jetzt gar Gebhardt selbst in ! ihr Boudoir!? Während sich Teßa darüber das Köpfchen zerbrach, standen sich die Gatten bereits gegenüber. „Also so liegen die Sachen?" sagte Gebhardt, ohne ein Zeichen der Erregung oder des Unwillens. „Du bist besser, als ich gedacht! doch machen wir nicht viele Worte! Du wünschest die Scheidung, und Deine Wünsche kommen den meinen entgegen. Hast Du jedoch an die Kinder gedacht? Wie denkst Du Dir ihre Zukunft?" Sie zuckle ungeduldig mit den Schultern. „Die Frage scheint mir überflüssig! Es ist doch selbstredend, daß sie bei Dir bleiben! Sie sind mir und ich ihnen innerlich fremd. Es sind eben Deine Kinder!" schloß sie kalt. „Ja, Gottlob!" sprach der Mann und dann: „Noch Eins, was soll ich den Kindern sagen? Dich für tobt erklären ? Der Junge ist bereits zu alt und zu klug . . . ." Lore hob abermals mißmuthig die Schultern. „Lieber Himmel, was geht mich das an! Thue doch ganz wie Du willst! Du wirst schon eine plausible Erklärung finden' 388 gekommen!" Ina neigte das erglühende Gesicht auf die Hand der Schwester. Leise kam es von ihren Lippen. „Die Scheidung ist vollzogen." . „Ich dachte es mir, weil er kam," erwiderte die Kranke. Inas Seele mußte etwas Seltsames bewegen- sie sank plötzlich neben dem Bett auf die Kniee und murmelte: „Thea, Thea, mir ist so bang'." „Vor was?" fragte diese, liebkosend mit Aufbietung all ihrer Kraft über des Mädchens Scheitel streichend. „Vor dem Glück!" gestand Ina. Thea lächelte, ein mattes, himmlischen Frieden ausstrahlendes Lächeln. „Ich denke, das ist zu ertragen, Liebling!" versuchte sie ^scherz^n ben So)p|. „Nicht so, Thea! Es ist mir Ernst damit! Darf ich sprechen? Regt es Dich nicht auf?" . „Sprich!" bat die Kranke, und Ina begann, erst stockend, nach und nach in sich überstürzenden Worten: Wälze nur alle Schuld auf mein sündiges Haupt und komme I zur Sache: Du willigst also ein?" I ' Ueber Gebhardts Züge flog ein Ausdruck des Wider« I i willens, der Verachtung. Ja!" sagte er hart. I Der Scheidungsgrund, gegenseitige unüberwindliche Ab- I Neigung?" fragte sie über die Schulter zurück, bereits in der halb geöffneten Thür stehend. | „Gegenseitige unüberwindliche Abneigung!" sprach er ihr nach- dann schloß sich hinter Lore die Thür. Diesseits und jenseits ein Seufzer der Erleichterung. I Beide fühlten sich in diesem Augenblicke bereits frei. — * ♦ -k- Der Herbst neigte sich schon seinem Ende zu, der weißbärtige Winter stand bereits vor der Thür- er harrte nur I des Moments, da er endlich seinen Einzug in das von Stürmen nnd Regengüssen heimgesuchte Land halten dürfte. I Thea Lentze lag im Sterben. Noch hatte die weltmüde Seele nicht ausgerungen - aber sie hatte doch bereits den Fuß auf die erste Sprosse der Himmelsleiter gesetzt. Dem I Commerzienrath und Ina schien, als habe der stillwaltende I Todesengel bereits das Antlitz der Dulderin gezeichnet. — Es waren trübe Tage, welche die Villa Lentze jetzt sah. Halb schien sich die Seele der Sterbenden bereits allem | Irdischen entfremdet zu haben, die andere Hälfte aber stritt I noch einen erbitterten Kampf - es war, als zöge es sie I mächtig empor zur Sphäre der Seeligen, als hielte eine I andere ebenso unsichtbare Macht sie aber auf der Erde fest. I Sie kann nicht leben und nicht sterben! flüsterte die Dienerschaft einander zu und bedrückt schlich ein Jeder im I Hause einher, seine Obliegenheiten zu erfüllen. Ina wich in diesen Tagen nicht vom Lager der Schwester- sie war deren unermüdliche Gesellschafterin und Pflegerin. Heute nun war in dem Befinden der Kranken anscheinend eine leichte Wendung zum Besseren eingetreten. Thea fieberte nicht und war bei vollem Bewußtsein. Sie hielt die Hand Inas, ihrer treuen Pflegerin, umspannt und schaute mit seltsam großen, forschenden und zugleich bittenden Augen aus die Schwester. Es lag etwas wie Trauer und doch auch Erwartung in dieser stummen Frage. Ina mußte den Blick der Schwester verstehen. Sie drückte sanft die wachsfarbenen Finger der Leidenden. „Er war hier, Thea! Heute Morgen!» Thea nickte. „Du weißt?" es klang erstaunt. Thea setzte ein paar Mal zum Sprechen an, es schien ihr schwer zu fallen, als sie endlich sprach, hatte ihre Stimme einen fremden Klang. „Ich hörte das Mädchen auf dem Corridor seinen Namen nennen. Da wußte ich, weshalb er „Ich habe gesündigt, Thea! Ich hatte mein Herz an einen verheiratheten Mann gehängt- jetzt ist er frei, frei vor der Welt, in ihren Augen- jetzt wird mir das Glück, das ich ersehnt- doch wird Gottes Segen darauf ruhen? „Was Gott zusammengefügt, das soll der Mensch nicht scheiden. Steh Thea, darum bangt mir!" Sie sah, wie Antwort heischend, zu der Schwester auf. Nach einer Weile sprach diese: v „ Bist Du gewiß, daß nur die Menschen sie geschieden? Es geschieht nichts ohne den Willen des Herrn. Vielleicht bat er selbst es so gewünscht." Die Jüngere schien dennoch nicht ganz überzeugt; der Zweifel blickte ihr aus den Augen. ,Und noch Eins, Thea," begann sie bald von Neuem, „mir bangt, daß ich ihm nicht das Glück geben kann, das er von meinem Besitz erhofft." „Kind, er ist wahrlich nicht verwöhnt worden'/ gab die Andere ihr zu bedenken. Ina schüttelte den Kopf, die Zweifel hatten sich doch zu tief in ihre Seele gefressen. „Es muß ja so kommen. Die Enttäuschung wird nicht ausbleiben! klagte sie. „Er tarirt mich zu hoch!" _ , . Thea sah aus ernsten Augen auf die Schwester nieder. „Und er verlangt viel!" schloß sie ihren Gedankengang, was sie bewegte, in Worte kleidend. „Ich vermag De n Zagen nicht voll zu begreifen und doch. ... I« Kind, ein leichter Platz wird Dir nicht zugewlesen fein. Ich Mtze I Gebhardt, aber er ist weder ein liebenswürdiger noch em selbstloser Character . . . ." Hier unterbrach Ina sie fast heftig. „Schilt ch""icht. I rief sie laut und dann dämpfend, „nur ich habe Schuld, nur ich! Thea, mir ist schon oft der Gedanke gekommen, daß ich nicht für die Liebe tauge. Ich verlange zu viel und kann selbst zu wenig bieten. Ich h^e das auch Hunold gesagt- doch er sieht mit den Augen der Liebe. Wie lange? I Thea, er schilt mich eine Pessimistin. Er hat recht. Ach> I Liebe und doch will ich ja nichts weiter, als ihn glücklich f »flOtt V* Beide schwiegen. Dann fuhr Ina jählings auf., „Thea, sage mir, ist meine Liebe, diese Hetrath Sunde? Sünde?" sprach die Kranke mit einem verlorenen Blick. „Kind", was ist Sünde? Wir glauben, recht zu thunund wir thun gerade das Verkehrte. Und wir glauben zu sündigen und thun Gutes. Ein Werk der Liebe aber will mir, nur gut scheinen. Du quälst Dich zweck- und grundlos, Liebling- Gott ist die Liebe. Er und die Liebe, sie werden Dir helfen. Sei stark im Unglück und im Glück." „Und wenn ich Gebhardt unglücklich mache?" fragte Ina. Die Aeltere lächelte. „Kind, Du! Thörin! Die Liebe trägt Alles. Ein liebendes Weib ist gleichsam die Verkörperung der Liebe. Du hast den Weg zu seinem Herzen gefunden. Mir ist nicht bange um Dem und sem Gluck, Liebling. Gebhardts Character ist nicht frei von Schlacken. Aber wo viel Schatten, da ist auch viel Licht!, Ihr seid 1 Beide Ausnahme-Naturen und Ihr scheint wie für einander geschaffen und bestimmt." , Wieder entstand ein längeres Schweigen- die Kranke schien angegriffen vom vielen Sprechen, Ina aber mit dem Egoismus des eigenen Schmerzes, hatte heute kein Auge dafür iebe „ 6 nn pe bon Neuem, „ich bin im Grunde mehr Egoistin als Du glaubst. Ich will nicht nur dem I Geliebten die Gattin, sondern auch die Genossin .sein- ich habe diese Ansicht auch Hunold gegenüber vertreten „Nun?" . „O, er hat mich in seine starken Arme genommen und I mir gesagt, daß er gerade solch ein Weib gesucht . . „Nun, siehst Du wohl!" , , „Aber," fuhr die unverbesserliche kleine Pessimistin fort, „aber werde ich im Stande sein, ihn stets zu verstehen? I Er ist mir geistig so weit überlegen, daß ich meines Minder 387 Gerthes zuweilen mit Beschämung eingedenk werde. Werde idj ihn verstehen, ihm zur Seite bleiben können? Die Kranke wiegte mißbilligend den Kopf. „Kind, Kind," sagte sie besorgt, „Du schaffst Dir selbst Dich, daß Deine Selbstunterschätzung und Selbstanklagen nicht zur Manie ausarten! Einen Tropfen Wermuth enthält jedes Glück. Suche jeder Situation, ,edem Mißverständniß stets die beste Seite abzuaewinnen Du verbitterst sonst Dir und dem Manne, den Du liebst Las Leben." — ' (Schluß folgt.) Kinder als Helfer im Garten?) M. Danklor. Es ist zwar eine bekannte Regel, daß Kinder im Garten nicht vrel Gutes anrichten, aber man sollte dabeischreiben ,,ohne Aufsicht", denn bei genügender Aufsicht können sie sich recht nützlich machen. Natürlich müssen sie mindestens 7—8 Jahre alt sein. Gut angeführt sind Kinder treffliche Helfer im Kampfe gegen Ungeziefer und Unkraut. Der Vortheil ist ein doppelter, nämlich für den Garten, oder für den Gartenbesitzer und nicht weniger für die Kinder. So helfen mir die Kinder mit Vorliebe beim Ablesen der Raupen und Larven. Durch einen Trauerfall eine Woche vom Garten abgehalten, fand ich bei der Rückkehr alle Stachelbeersträucher von der Larve der Stachelbeerblattwespe befallen. Ein Strauch hatte schon alles Laub verloren, bei den übrigen begann das Verderben erst. Was thun? Kalken? Jawohl, aber die Früchte mit, dadurch werden diese minder- werthig. Da können Kinder helfen. Ein halbes Dutzend begann gleich die Arbeit, jeder Strauch wurde einer eingehenden Besichtigung unterworfen, und jedes Kind zählte die gefangenen Räupchen. Obschon weit über hundert Sträucher befallen waren, war die Arbeit am ersten Tage in ein paar Stunden vollendet. Von einzelnen Sträuchern waren über hundert Thiere abgelesen worden. Am zweiten Tage dieselbe Arbeit, mit Bienenfleiß durchmusterten die Kinder die einzelnen Zweiglein, an Sträuchern, wo hundert gefangen wurden, fanden sich zehn und nach ein paar Tagen fanden auch die eifrigen Sucherinnen keine mehr. Die Plage war abgewandt, während in der Nachbarschaft die Beerensträucher (die Thiere gingen, nachdem die Stachelbeeren abgefressen, auch auf Johannisbeeren) dürren Reisern gleichen, an welchen die hängengebliebenen Beeren sich merkwürdig abheben. Kommen die Kohlraupen, nur die Kinder auf die Felder! Sie lernen leicht durch die Reihen zu gehen, ohne die Pflanzen zu beschädigen und sind dann unbezahlbare Helfer. Ihren scharfen Augen entgehen die Thiere nicht und ihre kleinen Finger greifen geschickter zu, als die arbeitssteife und harte Hand des erwachsenen Arbeiters. Hat man ein paar gut angelernte Kinder jeden Tag zur Verfügung, sei es auch nur ein paar Stunden, so kommt nicht viel Ungeziefer auf. Sie lernen bald die Schädlinge kennen und von den nützlichen Jnsecten unterscheiden und erwerben sich so eine practische Naturkenntniß, die für ihr künftiges Leben Werth hat. Solche Kinder werden nicht die Larven der Schwebefliege, bes Marienkäferchens u. s. w. tödten, auch die nützlichen Laufkäfer nicht mit Füßen tobt treten, ebenso natürlich auch die Vögel als nützliche Thiere nicht verfolgen. Sie werden vielmehr ihre Kameraden davon abhalten. Etwas schwieriger sind die Kinder im Kampfe gegen das Unkraut zu verwenden. Auch hier ist Anlernen die Hauptsache. Zuerst lernen sie das Unkraut aus Wegen und Hecken entfernen, dann gehts ans Salatfeld, da der Salat rn „r- 0 Aus: „Praktischer Rathgeber für Obst- und Gartenbau' Verlag von TrowiHsch & Sohn in Frankfurt a. O. sich wohl am wenigsten mit Unkraut verwechseln läßt, dann an die anderen Felder. Ehe die Kinder an ein Feld gestellt werden, lernen sie genau die darauf wachsende Cultnrpflanze kennen, Alles andere dürfen sie ausziehen. Sie lernen das Unkraut mit zwei Fingern unterhalb des Wurzelhalses fassen, damit die Wurzeln mit herauskommen, und werden darüber belehrt, wie dadurch doppelte Arbeit gespart wird. Sie lernen hocken und knieen, ohne die Füße zu bewegen, damit sie auf den hinter ihnen liegenden Beeten keinen Schaden anrichten. Ich sage noch einmal, 3—4 gut angeführte Kinder sind etn Segen für jeden Garten, und jeder Gartenfreund wird solche gegen eine kleine Belohnung (am Ende der Woche) haben können, wo nicht eigene Kinder vorhanden sind, die im Garten helfen können. Ein anderes Bild: Dir Kinder liegen auf der Straße, treiben sich ohne Aufsicht herum und nehmen Vogelnester aus oder hocken in der Stube, und die Gärten ersticken im Unkraut und werden vom Ungeziefer kahlgefressen! Und nun noch ein Hauptgrund: Es werden Gartenfreunde! Durch die leichte Beschäftigung im Garten, durch die Anleitung, die sie erhalten, durch die Freude, die erlangten Kenntnisse auch practisch auszuüben, durch die Erfolge, die sie dadurch erzielen, bekommen sie selbst Freude daran und behalten sie auch! Und gesund ists auch. Also herein mit den Kindern in den Garten, nicht heraus, aber Aufsicht muß immer, immer, immer dabei sein. Eine Anzahl Stilblüthen, die Jemand seit Jahren aus gerichtlichen Verhandlungen, Anzeigen, Berichten und Eingaben gesammelt hat, veröffentlicht die „Straßburger Post". Es sei hier eine klein- Auslese zum Besten gegeben: In der Privatklagesache . . . erschienen die Beschuldigten und erklärten: Wir geben zu, die angegebene Beleidigung geäußert zu haben, bestreiten aber jede Verbreitung. Wir beabsichtigten nur eine treuliche Wiedererzählung. Wahr ist, daß der Privatkläger zu der Beschuldigten in die Heirath gegangen ist. Gegen den Ehebrecher und Hilfstelegraphisten . . . stelle ich auf Grund des § 172 St.-G-B. Strafantrag. Er behandelte mich, wie wenn ich mit ihm verheirathet wäre, indem er mir alle mögliche Schande sagte. Beklagenswerthes von Schmerzen oder Zerreißen einer Hose ist hierbei nichts anzuführen. In der Scheune packte der Mann das Mädchen an, aber dieselbe war älter und klüger als ihre Freundin und sprang angeblich dann zur Scheune hinaus mit Zurücklassung einer Ohrfeige. Unsere einzige Habe ist ein kleines Kind von neun Monaten. Ist Dein Herz nicht aus Liebe an mich gebunden, so gehe in Gottes Namen/ aber der Fluch Gottes soll auf Dir ruhen, so lange Du leben thust. Ich werde aber niemals einer weiblichen Creatur mein Herz mehr schenken. Der K. kann wegen hochgradiger Trunkenheit nicht vernommen werden. Der Amtsanwalt. Im Uebrigen stelle ich dem Herrn Kreisdirector anheim, für die verwahrlosten Kinder ein gnädiges Auge in die Wagschale zu werfen. Ich bin geborener Preuße und nur dieser einen Sprache mächtig. Ihre Aufführung ist eine gute/ nur wenn sie gereizt wird, giebt sie auch Antwort. Seine Aufführung ist eine gute, es fehlt ihm ein wenig an besserer Ueberlegung, was seiner weiteren Unerfahrenheit zuzuschreiben ist. Er stand noch nicht vor Gericht, noch weder als Zeuge, noch weder als Selbstangeklagter. 888 Er hat einen ordentlichen Lebenswandel geführt, auch öfters stark getrunken. Das Betragen des Angeklagten ist im Allgemeinen gut, doch im betrunkenen Zustande läßt derselbe viel zu wünschen übrig. An Vermögen besitzt derselbe nichts als ein kleines nichtssagendes Häuschen. Gemeinnütziges. Der Stachelbeerstrauch im Sommer. Gewöhnlich bekümmert man sich im Sommer nicht um diesen Strauch und doch ist dies die beste Zeit seiner Pflege. Dieselbe be steht nun im Entfernen der austreibenden jungen Schößlinge und im Aufbringen von Compost oder verrotteten Düngers um den Strauch herum und im Auskneipen oder Abschneiden zu lang gewordener Zweigspitzcn und Zweige. Alt gewordene, schon verholzte Schößlinge sind zur heißen und trockenen Sommerzeit nicht zu entfernen, indem bei solcher Arbeit die Wurzeln beschädigt und derartig gelockert werden können, daß der Strauch vertrocknet. Dieserhalb ist auch ein Umgraben, wenigstens tiefes Umgraben des Bodens unter den Sträuchern im Sommer zu vermeiden. Das Umgraben und Eingraben des Compostes und Düngers hat dieserhalb erst im Herbst zu geschehen. Unkraut darf im Sommer auf keinen Fall unter den Stachelbeersträuchern geduldet werden. ♦ e * Wilder Wein. Die Pflanze, die man unter diesem Namen versteht, ist die aus Nordamerika stammende fünf- blätterige Doldenrebe. „Wilder Wein", der zur Verkleidung von Gartenhäuschen, Balcons und Veranden eine der empfehlenswerthesten Pflanzen ist, hat vor vielen anderen Schlingpflanzen den großen Vortheil, winterhart zu fein. Gleichwohl empfiehlt es sich, wenn man sie zur Bekleidung von Balcons verwendet, die Pflanzung der überaus leicht sich bewurzelnden Stecklinge in niederen Holzkisten vorzunehmen, die den gegebenen Raumverhältnissen angepaßt sind. Wenn die Pflanzen uns im September mit dem leuchtenden Roth ihrer Blätter den Genuß des scheidenden Blumenjahres gebracht haben, dann bringt man sie mit den Holzkisten einfach in den kühlen Keller und läßt sie daselbst über den Winter an einem trockenen Orte stehen. Im Frühjahr bringt man sie dann auf den Balcon. * * Daß der Star «ns ein Helfer ist, den schädlichen Apfelblüthenstecher zu vertilgen, habe ich mehrfach beobachtet. Im Frühjahr 1897 sah ich in einer größeren Obstbaumanlage eine Schaar Stare von Apfelbaum zu Apfelbaum fliegen, Alles untersuchend. Ich bestieg einen Baum in dem Glauben, daß die Stare nur die Räupchen, die man hier und da sah, abgelesen hätten, diese waren aber nicht allein verschwunden, sondern auch die Larven und Puppen des Apfelblütenstechers waren aus den wie verbrannt aussehenden Blüthen herausgeholt und verzehrt. * * * Heilung einer Myrte. Vor einigen Jahren hatte ich eine Myrte in Pflege bekommen, die so stark mit Schildläusen besetzt war, daß ihr alle Lebenskraft geraubt und an ihrem Fortkommen allgemein gezweifelt wurde. Ich sann hin und her — endlich ein rettender Gedanke! Ein großes Gefäß wurde mit Wasser und Lehm gefüllt und ein dicker Brei gerührt, etwa so stark, daß beim Eintauchen einer Besenruthe eine 2 Millimeter starke Schicht haften blieb. Die Myrte schnitt ich nun stark zurück und tauchte sie vom Topf bis an die äußerste Kronenspitze in den Brei und stellte sie so in das Warmhaus. Am anderen Tage war der Lehmbrei getrocknet und konnte nun abgebröckelt werden. Die Läuse waren allesammt angetrocknet und waren sammt ihrer Brut herabgefallen. Die Myrte verblieb unter reichlichem Spritzen und, nachdem sie verpflanzt war, im Warmhaus und entfaltete sich ganz prächtig. Im Frühjahr, abgehärtet, stellte ich sie halbschattig im Freien auf, und die Mühe wurde reich belohnt. „Eine herrliche Krone", sagte Jeder^ der die Myrte sah. * • * Die Kunst, Naturblumen zu färben. Eine hübsche Spielerei, die auf das „Corrigiren" der Natur herauskommt ist das Färben von lebenden Blumen. Stellt man sie mit dem Stengel in Wasser, welches Scharlach-Anilin gelöst enthält, so färbt man sie roth- durch Jndigo-Carmin erhält man blaue, durch Mischung beider wasserlöslichen Aniline verschiedene Töne von Purpur bis Violett. Maiglöckchen färben sich auf diese Weise in sechs Stunden blau oder roth^ weiße Narciffen in zwölf Stunden tief purpurn. Aber auch weiße Camelien, Flieder, Primeln und Tulpen können sa nach Belieben der „Schönfärberei" unterzogen werden. Verwendet man sie dann für Tafelaufsätze, so kann man seinen Gästen eine ganz aparte Ueberraschung bereiten. * * * Kitt für Risse in Gummireifen bei Fahrrädern erhält man aus 10 Theilen Guttapercha, 16 Theilen Kautschuk und 4 Theilen Hausenblase, welche man in 70 Theilen Schwefelkohlenstoff aufquellen läßt. Diesen Kitt füllt man in die sorgfältig gereinigten und wieder getrockneten Risse und hält die Theile bis zum Festwerden der Masse mit Bindfaden zusammen. — Auch durch Auflösen von einem Theil pulveri- sirten Schellack in 10 Theilen Ammoniakflüssigkeit (specifisches Gewicht 0,910) in der Kälte erhält man einen guten Kautschukkitt. Allerdings dauert die vollkommene Lösung des Schellacks in Ammoniak längerer Zeit. Beim Gebrauch ist ein Theil der gallertartigen Masse durch gelindes Erwärmen zu verflüssigen. Hninopistisches. Ein Trost. Dame (in einem Landwirthshaus): „In dem Kuchen sind ja Fliegen eingebacken!" — Wirthin (begütigend) : „Aber 's meist' sind Zibeben." * * * Verwechselung Richter: „Sie heißen?" — Angeklagter: „Schiller!" — Richter: „Schiller . . . Hm, der Name kommt mir bekannt vor!" — Angeklagter (bescheiden): „Nee, der Schiller bin ich nicht, Herr Gerichtshof!" Literarisches. Die richtig« Verwendung von Liebig Companys Fleisch-Cxtraet und Pepton. Leitfaden für Vorsteherinnen von Koch-, Haushaltungsschulen, Krankenküchen, Reconvalescenten-Anstalten und für Hausfrauen. Von Hedwig Heyl, geb. Crüsemann. — Die Verfasserin ist bereits den weitesten Kreisen namentlich der Frauenwelt bekannt, sowchl durch ihre Thäligkeit bei der Leitung des Pestalozzi- Fröbel-Hauses in Berlin, im besonderen seiner Kochschule wie auch namentlich durch ihr großes Werk (916 Folioseiten) „Das ABC der Küche". Frau Heyl hat in dem neuerschienenen handlichen kleinen Buche höchst Beachtungswerthes geboten. Die Einleitung bringt über Fleischbrühe im allgemeinen (Bedeutung, Werth, rationelle Herstellung rc.) höchst anregende Darlegungen. Es folgen fünf Abschnitte über Bereitung von 8 „Grundbouillons", über deren Anwendung zu Suppen, über Speisen für den Selbstkocher, ferner über Saucen, Aspics rc., und schließlich i ein besonders bemerkenswerthes Capitel: „Krankenkost-Recepte". Diese t für Hausfrauen, Krankenpflegerinnen u. a. m. so wichtigen Themata i sind hier von einer Sachverständigen ersten Ranges mit Gründlichkeit t in allgemein verständlicher, klarer und übersichtlicher Form besprochen worden. Redaction: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.