1898. - Nr. 63 Tieiislag den 26. April. !> 5 । g,_s s s. ~ 8 ’i'i muufij HM MWMW le anders ist's, wenn die Liebe tadelt, Die Siebe, die jede Silbe adelt, Als wenn der Haß, der wie Dornen sticht, Als wenn der Haß seine Meinung spricht. Glück ist wie ein Sonnenblick, Niemand fann'S erjag-n, Niemand von sich sagen. Daß er heut' und eine Frist Ohne Wunsch und glücklich ist. Das Fräulein. Roman von E. Ve ly. (Fortsetzung.), „Mein Gott," Line von Arabin erschrack und iviii) zurück. „Daß ich das vergessen konnte — darum, und ich dachte —" Frau Kubaitz gestikulirte mit ihren kurzen Armen. „Ich brauchte es ja nur zu sagen, und ich konnte thun, als merkte ich nichts, und so wäre es auch gekommen, wenn Sie mich nur ein Bischen besser behandelt hätten, Fräulein von Arabin — aber nun sollten Sie die zwanzig Mark partuh scheu — denn wissen wir ja Beide, was die Glocke geschlagen hat. Zwanzig Mark druckt ein Doctor, der auf seinen eigenen Beinen nach Kundschaft geht, mir in die Hand und lagt: Sorgen Sie man gut für das Fräulein — Ja, sehen Sie wohl!" Sie sank auf den Stuhl, auf welchem vorhin der Doctor gesessen hatte. Ohne eine Bewegung stand das schlanke Mädchen, ein Ausdruck des Entsetzens war in ihren Augen, die Nasenflügel bebten leise, sie schien nachzudenkcn über das, was sie gehört hatte, es sich erst langsam wiederholen müssen, ehe sie den vollen Sinn begreifen konnte. Dann warf sie Plötzlich den Kopf zurück, etwas Wehrhaftes, Trotziges war in ihren Zügen. „Dieser Doctor" — ihre Finger vergruben sich in die Falten ihres Kleides — „meinte, es sei größere Roth bei uns, als in Wirklichkeit. Er mochte denken, es sei Aushilfe nöihig." „Ach nee!" machte die Kubaitz, das Geldstück jetzt wieder cinschiebend, „geben Sie sich man bloß die Mühe nich, Fräulein, wozu? Nu is ja doch Alles gut, tut wissen wir Beide, wie wir miteinander dran sind. Daß Sie mich untertaxirt haben, weiter hat mich ja doch nichts geärgert —" „Bitte!" Eine abwehrende, gebietende Handbewcgung, vor der die Alte unwillkürlich verstummte. Dann eine lange Pause, in welcher die großen Augen zu Boden gesenkt blieben und die Wittwe auf ihrem Stuhl ein paar Mal seufzte. „Ja so," sagte Line Arabin dann, als habe sie nun das Rechte gefunden, und wandte sich nach dem Schreibtisch. „Wollen Sie^mir einen Brief besorgen — an den Herrn Doctor Hallsberg?" „I, selbstverständlich, wer denn sonst? Dazu bin ich doch wohl da — so'n freundlicher Herr." Die Feder flog über das Papier,- als das Couvert geschlossen war, wurde es der wieder freundlich lächelnden Frau zugeschoben. „Besser is besser," meinte die, „ich hätte es auch bestellen können — aber wenn er nich zu Hause wäre —" Line nickte. „Gehen Sie gleich." „Na, was die alten Beine können." Als sie verschwunden war, stieß die Zurückbleibcnde einen lauten Wehruf aus, und die kleinen Hände ballten sich zornig. „O — die Demüthigung und die Schmach — und gerade da, wo ich ahnungslos, vertrauensvoll an ein anständiges inneres Empfinden geglaubt —" Sie machte einige Schritte in dem Raum hin und her/ als sie am Fenster war, fiel ihr ein, daß sie vorhindagestanden und ihm nachgesehen, der Klang der festen Tritte war oben vernehmbar gewesen. Rasch wandte sie sich ab, und die Arme emporschleudernd, stieß sie jammernd hervor: „Wie wehrlos ist ein Weib, wie unsäglich wehrlos!" Doctor Hallsberg rief ein sehr barsches Herein. Er hatte das Buch vor sich liegen, in welches er die täglichen Besuche einzeichnete und fand, daß er heute wieder ziemlich nutzlose Gänge gemacht hatte. Es war doch eine schwere Sache, jung und fremd in der Millionenstadt eine Praxis zu erringen — so viel man ihn auch gewarnt hatte, so schwer hatte er's sich nicht vorgestellt. Arme Leute riefen ihn zur Genüge, unbeschäftigt war er ja nicht, aber da sah er sich oft in der Lage, zu geben, statt zu nehmen —. Und das Leben war so kostspielig, und sein kleiner Bestand schmolz zusammen. Er biß auf seine Lippen und hieß die Feder kratzende Töne auf dem Papier hervorbrst.gen. Wo war der fröhliche Jugendmuth, mit dem er zu allen Vorstellungen gelächelt? Durch das Gerassel der Wagen dort unten, 250 durch den betäubenden Lärm, der empordrang, klang ihm die Stimme der Mutter, die ihn mahnte, nach dem Landstädtchen zu kommen, wo sie sich als Wittwe niedergelassen, von wo aus eine feierliche Aufforderung des Magistrats an ihn ergangen war. Ja, nun war es einmal geschehen, nun kam es ihm feige vor, die Flinte ins Korn zu werfen. Und dann — endlich mußte der Erfolg kommen. Er sah ja andere Collegen ihn zwingen! Freilich, die Einen heiratheten Professorentöchter und wurden Assistenten ihrer berühmten und einflußreichen Schwiegerväter. Andere führten Erbinnen heim, so kamen sie zu Geld und Familienbeziehungen, die ihnen eine Praxis verschafften. „Aerzte und Rechtsanwälte sind die gesuchtesten Artikel auf dem Heirathsmarkt," hatte ihm noch kürzlich ein College gesagt, und ihm ermnthigend auf die Schulter geklopft. Er sah sich in dem Zimmer um — wohlig aber einfach, so abweichend von der augenbestechenden Einrichtung so vieler Aerzte — ja, wenn er wollte! Aber eine Verbindung aus Berechnung schließen? er, der Sohn seiner Eltern, die sich in inniger Liebe gefunden, für dieselbe gestritten und sie als höchstes Lebensglück gepriesen hatten? Da malte er in sein Buch „Fräulein von Arabin" und strich den Namen so lange durch, bis gar nichts mehr daraus zu lesen war. Die Kubaitz trat ein. „Guten Abend, Herr Doctor!" „Sie?" und nun zog er noch einen dicken Strich über das Geschriebene hin. „So schnell, wie ich nur gekonnt habe," keuchte sie. „Hier ist der Brief!" Damit holte sie feierlich das Couvert unter ihrem rothbraunen Tuch hervor und legte es auf die Kante des Tisches. Die Tinte war nämlich noch naß. Er hielt seine Blicke eine Sccunde lang auf die festen Schriftzüge, die ihm unbekannt waren, gerichtet, während die Botin mit lächelnder Miene dabei stand. Als er geöffnet hatte, fielen ihm drei Goldstücke entgegen. „Mit bestem Dank für die ärztliche Behandlung des Barons Arabins einliegendes Honorar von vierzig Mark, sowie die Rückerstattung der an Frau Kabaitz verauslagten Summe. Hochachtungsvoll Jacqueline d'Aarabin-Reville." „Ah!" Er stützte den Kopf auf die Hand und sah unverwandt auf die Zeilen, als habe er Mühe, Buchstaben um Buchstaben zu entziffern. „Ist was zu bestellen, Herr Doctor?" fragte endlich die Wittwe. „Nein!" Wieder eine Pause. „Vielleicht was mitzunehmen?" „Nein!" Ticktak machte die große Schlaguhr einige Mal, dann kam die Kubaitz wieder ein paar Schritte vor. „Das muß ein Jeder sagen, Herr Doctor, daß man sie gern haben kann, das Fräulein nämlich —" Keine Antwort — er hatte die Mappe über das Geld gerückt. Und wissen Sie, schwatzen und austragen is bei der Kubaitzen nich — die Hand ins Feuer, Herr Doctor! Privatangelegenheiten sind Privatangelegenheiten, fünfzehn Jahre sind Kubaitz und ich Portiers in Berlin gewesen, von einem Hause ins andere, da lernt man die Welt besser kennen, als wenn Einer Seereisen macht. Darauf können Sie sich verlassen!" Er hob den Kopf: „Sind Sie denn noch immmer da?" „Nein, ich meinte ja man — und nun gute Nacht, Herr Doctor!" Ec zerknitterte den Brief, als die Thür ins Schloß gefallen war und glättete ihn dann wieder sorgsam — „Arme Jacqueline — arme, einsame Line, das mußte ich ihr anthun? Und kann und darf mich nicht vertheidigen —" * * * Der Geruch von Waschlauge erfüllte den Corridor der Kubaitzenschen Wohnung. Die Küche, welche hart neben der Eingangsthür lag, war geöffnet — auf vem Heerde derselben brodelte es in einem großen Kessel, ein Waschfaß stand auf einem Holzgestell, die beiden Frauen, welche daran hantirt hatten, waren jetzt davon zurückgetreten. Die eine saß bereits an dem mit Wachstuch belegten Tische vor der Kaffeetasse, die andere trocknete den Seifenschaum von den bloßen Armen. „Schenk Dir ein, Henzen, schenk ein, wer arbeitet, will auch essen." „Ich bin so frei, Kubaitzen!" Dann nahm sie einen tüchtigen Schluck und seufzte: „Plagen muß sich Unsereins ja nun wohl bis an sein Lebensende. Und wenn man denkt, daß wirs besser anlegen konnten!" Die Hausfrau rückte einen Brettstuhl an den Tisch. „Was meinst Du denn eigentlich damit?" fragte sie. „Wir sind mal ein paar ansehnlich; Mädchen gewesen, in Cottbus," sagte die Henzen. (Fortsetzung folgt.) Die Entwickelungsgeschichte der Wetten. Haben wir es in den vorstehenden Betrachtungen versucht, uns ein anschauliches Bild von der Wirkung und Fortpflanzung der U iversalkraft zu verschaffen, welche die Bewegungen der Myriaden von Weltkörpern im endlosen Raum, auch ihre inneren Bewegungen, durch die sie sich allmählich zusammenziehen und Licht und Wärme ausstrahlen, hervorruft und damit ohne Zweifel den Gestirnen ihren Entwickelungsgang vorschreibt, so bleibt uns doch noch die Entstehung jener anderen Bewegungsart unerklärt, durch welche die kreisenden W-ltkörpcr der Gravitationskraft die Wage halten, wir meinen die Centrifugalkraft. Diese trägt jedoch den Namen einer Kraft mit Unrecht, denn es bedarf nur eines einmaligen Anstoßes, um unter dem Einfluß der Schwerewirkung die Kegelschnitte zu erzeugen. Die tangentiale Bewegung würde bis in alle Ewigkeit bestehen bleiben, wenn die Schwerkraft aufhörte- ein Planet würde also, könnte man die Sonne plötzlich verschwinden laffen, bis in alle Ewigkeiten geradlinig weiterfliegen, wenn nirgends im Universum irgend eine Kraft noch weiter auf ihn wirkte. Es handelt sich also, wenn man die Bewegungen der Materie im Weltgebäude verstehen will, nur noch darum, die Ursache des einmaligen Anstoßes, der irgendwann in den Vorzeiten der Entwickelungsgeschichte der Weltsysteme eingetreten sein kann, aufznfinden. Wie haben wir uns also die Entwickelungsgeschichte der Welten zu denken? Außerordentlich viele Hypothesen sind hierüber aufgestellt worden, meist von Leuten, denen es an dem nöthigen Ueberblick der erklärungsbedürftigen Thatsachen und ost auch an jener Klarheit des Gedankenganges fehlte, welche bei Ausstellung von Hypothesen mehr' als bei irgend einer anderen Geistesarbeit erforderlich ist, um nicht in die bedenklichsten, von ihren Urhebern aber nicht als solche erkannten Irrwege verwickelt zu werden. Es giebt nichts Leichteres, als für, eine beobachtete Wahrnehmung irgend eine Ursache vorauszusetzen, welche sie erklären soll, und dann sür alle anderen Wahrnehmungen immer wieder neue Ursachen zu finden. Von einer guten Hypothese dagegen verlangt man, daß sie bei möglichst wenigen Voraussetzungen möglichst alle Erscheinungen des betreffenden Wahrnehmungskreises erklärend miteinander in Zusammenhang bringt. Von dem Aussteller der Hypothese ist also in erster Linie zu verlangen, daß er alle in Betracht kommenden Erscheinungen völlig beherrscht. 251 Es ist Denkern, die zu den ersten aller Zeiten gehören, Arie Kant und Laplace, nicht gelungen, Weltbildungshypo- rhesen zu construiren, welche nach den Erkenntnissen unserer -neueren Astronomie in allen ihren Theilen bestehen können. Wenn wir es im Folgenden trotzdem versuchen, den bestehenden Hypothesen noch eine neue hinzuzufügen, so geschieht dies nicht in der Anmaßung, etwas Besseres als das bisher Bestehende damit zu geben, sondern nur in der Meinung, daß der einfache auf atomistischer Grundlage aufgebaute Ge- Lankengang vielleicht gelegentlich eine Anregung zu ein- Zehenderer Forschung bieten könne. Um der Bedingung zu genügen, möglichst wenig Bor- Aussetzungen zu machen, wollen wir nichts anderes annehmen, als waS wir wirklich und unstreitig vor Augen sehen, nämlich, daß das Weltgebäude von einer großen Anzahl von Körpern in allen Dimensionen und mit allen Geschwindigkeiten durchlaufen wird, und dabei aus bekannten Gründen ausschließen, daß diese Dimensionen und Geschwindigkeiten jemals unendlich werden können Da die Wirkungskräfte, welche die Physik und die Astronomie der Materie zuspricht, nicht ganz klargestellt ist, wollen wir ihr zunächst gar keine Kräfte zuerkennen, es sei denn, daß mau Lie Raumausfüllung der kleinsten Theile dieser Materie, d. h. ihrer Atome, für eine Kraft ansehen will. Da wir ferner eine krummlinige Bewegung nach den bisher üblichen Ansichten nur unter der fortwährenden Wirkung einer Kraft entstanden denken können, so schließen wir diese für unsere unbewiesenen Annahmen aus. Genau präcisirt sind also die letzteren: 1) Es giebt Raumtheile, in welche andere ihres Gleichen nicht einzudringen vermögen, d. h. absolut feste Aromez diese mögen jede beliebige äußere Form haben und Deshalb in der Massenhaftigkeit ihrer Wirkungen durchschnittlich als Kugeln anzusehen sein. 2) Diese Atome belegen sich geradlinig und gleichmäßig schnell durch den Raum, und zwar zunächst im Durchschnitt mit einer Geschwindigkeit, welche mindestens gleich der der Fortpflanzung des Lichtes ist. Um allein aus diesen beiden Axiomen heraus das Welt- gebäude und seine Entwickelung zu construiren, gehen wir Lon der Thatsache des offenbaren Augenscheins aus, daß die Atome ungleichmäßig über den Weltraum vertheilt sind. Es ziebt an einigen Stellen ungeheure Maffenansammlungen, zwischen denen noch weit größere nahezu leere Räume vorhanden sind, welche nur von den freien Aetheratomen durch- lchwirrt werden- diese erzeugen die Wirkungen der Gravitation und des Lichtes, die wir vorhin unter der Voraussetzung jener nämlichen beiden Axiome bereits näher entwickelt haben. Es würde für unsere Aufgabe selbst ganz gleichgültig lein, bei welchem Gebilde von Massenansammlungen, von Lenen wir den verschiedenartigsten tm Weltgebäude begegnet ftnb, wir unseren Erklärungsversuch beginnen wollen. Von Lieser Freiheit Nutzen ziehend, wählen wir den einfachsten Zustand der Materie aus, den das Weltall aufweist, einen ganz unregelmäßig geformten Nebel. Sein Vorhandensein verräth uns, daß an der betreffenden Stelle des Weltraumes die umherschwirrenden Aetheratome aufangen, me§r ganz frei zu sein- sie sammeln sich hier an und müffen deshalb die Bedingung vorfinden, sich gegenseitig derart zu beeinflussen, daß sie bei einander bleiben. Diese Vorbedingung aber ist die von vornherein vorhandene ungleiche V-rtheilung der Materie. Wir brauchen nicht zu wiederholen, wie eine solche Materieansammlung sich unter dem Einfluß der freien Aetheratome infolge der hier vor- hrndenen größeren Collisionsgelegenheit der undurchdringlichen Raumtheile allmählich verdichten muß. Diese Verdichtung des vorläufig noch aus nahezu freien Aetheratomen zusammengesetzt gedachten Nebels ist nur so zu verstehen, daß die durch Stoß und Gegenstoß entstehenden pendelnden Bewegungen ztch um die Witte des Nebels in der Weise gruppiren müssen, daß durch diese die meisten Atombahnen hindurchführen- dies laßt sich rechnerisch nachweisen. Wir müssen an dieser Stelle vorläufig noch eine weitere Voraussetzung machen, die voraussichtlich jedoch als eine theoretische Nothwendigkeit erkannt werden wird, sobald man das Wesen der Schwerkraft auf Grundlage der hier skizzirten atomistischen Anschauung weiter verfolgt. Wir müssen nämlich annehmen, daß die zunächst in dem Nebel nur hin und her Pendelnden Atome unter dem Einfluß der nach dem Centrum zu mehr und mehr sich häufenden Coüisionen ihre Bewegungen in sehr langgestreckten elliptischen Bahnen vollführen. Fassen wir die Summe der Wirkungen aller stattfindenden Collisionen als einen nach dem Centrum des Nebels wachsenden Widerstand auf, den seine übrige Materie der Bewegung eines einzelnen Atomes derselben entgegenstellt, so müssen die geringsten Unregelmäßigkeiten der Maffenvertheilung in der That aus den pendelnden Bewegungen andersgeformte erzeugen, in denen der Körper auf einem anderen Wege zurückkehrt, als er gekommen ist. Daß aber diese Bewegungen bei dem größten Theile der dem Massencomplexe angehörenden Atome eine nicht ins Unbegrenzte hinausgehende ist, beweist allein schon das Vorhandensein dieser Materieansammlung selbst. Die Tangentialgeschwindigkeit, welche für die Erscheinungen der Bewegungen der Himmelskörper noch zu erklären war, wird durch seitliche Stöße wenigstens den Atomen des betrachteten Körpers gegeben, welche ohne diese nur durch das Centrum hin uno her pendeln würden. Dieser einmalige fe tliche Stoß giebt den einzelnen Materiepartikeln Kegelschnittbahnen von allen dankbaren Formen, in denen jedoch die elliptischen vorwalten müssen, weil der Nebel als solcher bestehen bleibt. Wir stellen uns also vor, daß in dem Nebel die noch ziemlich freien Atome sehr große Bahnen beschreiben, die den Bahnen der Kometen unseres Sonnensystems vergleichbar sind. Es darf von vornherein wohl selbstverständlich erscheinen, daß die Bewegungen, die wir an den großen Weltkörpern dem Wesen nach bemerken, auch bei dem allerkleinsten Massenansammlungen bis zu den Atomen herab wiedergefunden werden müssen, solange diese sich im übrigen frei bewegen können. Es wird also im Folgenden unsere Aufgabe sein, in das Gewirr von Kegelschnittbewegungen, mit welchen die kleinsten Theile eines Nebels von der Ausdehnung eines Weltsystems durcheinander schwirren, die Ordnung zu bringen, die wir in den verschiedenen Theilen des Himmelsraumes augenblicklich wahrnehmen. Wie die Berdichtungsarbeit eines sich selbst überlaffenen Nebels beginnt und fortschreitet, haben wie bereits gesehen. Es ist auch leicht zu zeigen, daß der Nebel dabei allmählich Kugelform annehmen muß. Die ungewöhnlich weit über das Schwercentrum hinausreichenden Bahnen der Maffentheilchen müssen große Excentricitäten haben, d. h. in ihrem Perihel, wenn es erlaubt ist, diesen Ausdruck schon jetzt anzuwenden, dem dichtesten Theil des Nebels sehr nahekommen, bevor ihre Bewegung den größten Widerstand erfährt. Die hier sich häufenden Störungen verringern beständig die Excentricität, und erst wenn aus den elliptischen nahezu Kreisbahnen geworden sind, finden keine Störungen mehr statt. Sind aber alle Bahnen kreisförmig und alle Lagen derselben gleich wahrscheinlich, so ist dadurch ein kugelförmiger Nebel geschaffen. Ursprünglich müssen auch alle Bewegungsrichtungen, also rechtläustge und rückläufige, wahrscheinlich sein- der Nebel besitzt keine Rotation. Seine Verdichtung schreitet aber deffenungeachtet beständig fort- weil unter dieser Voraussetzung ganz in der Nähe eines in einer bestimmten Entfernung vom Centrum rechtläufig kreisenden Maffen- theilchens auch ein rückläufiges vorhanden ist, mit dem es leicht Gelegenheit bekommen kann, zusammenzustoßen, wodurch die Bewegungsenergie der collidirenden Körper aufgehoben wird und beide vereint gegen das Centrum fallen müssen. Sind genau ebensoviel rechtläufige wie rückläufige Partikel vorhanden, eine Annahme, die etwas Absolutes und deshalb in der Welt sicher nicht ganz Verwirkliches enthält, so kann mit dem Körper weiter nichts geschehen, wenn er von außen keiner neuen Einwirkung ausgesetzt wtrd. Alle rechtläufigen 252 werden nach und nach mit sämmtlichcn rückläufigen Körpern zusammengestoßen und gegen das Centrum hineiugcfallen sein, bis sich alles zu einer maximalen Dichte zusammen- gezogen hat. In Wirklichkeit wird nun die Bedingung der genau gleichmäßigen Verkeilung der rechtläufigcn Bahnen niemals genau erfüllt sein; dies bedeutet dann nichts anderes, als daß unser werdender Weltkörper schon von vornherein eine wenn auch noch so langsame Rotation haben muß, welche sich durch den Ueberschuß etwa der rechtläufigen gegen die rückläufigen Bahnen ausdrückt. Nehmen wir an, in einer bestimmten Entfernung vom Ccntrum bewegten sich sieben Körper rechtläufig mit der ihnen durch das Newtonsche Gesetz vorgeschriebenen Geschwindigkeit und fünf Körper mit derselben Geschwindigkeit rückläufig. Soll daun von der hier vorhandenen Strömung ein Körper fortbewegt werden, so würde er innerhalb 7 7 = 12 Zeiteinheiten eine Strecke von 7—5—2 Wegeinheiten weitergeschoben werden, d. h. im Ganzen eine Geschwindigkeit von 2:12, also ein Sechstel der gewählten Einteit besitzen. Wir sahen aber, wie im Laufe der Zeit je ein rechtläusiges Massenclement zusammenstoßen und gegen das Centrum hinfallen mußten- nach einiger Zeit werden also in der ins Auge gefaßten Entfernung nur noch sechs rechtläufige und vier rückläufige Elemente kreisen. Die Geschwindigkeit ist nun gleich (6—4): (34-4) oder gleich ein Fünftel- sie hat inzwischen zugenommen. Nach weiterer Ausmerzung eines Paares ergiebt unsere Rechnung (5-3): 54-3) oder ein Viertel. Bei , Vernichtung der cntgegengerichteten Bewegungen des nächsten Paares ergiebt sich ein Drittel, dann ein Halb und schließlich Eins, sobald alle rückläufigen Massenelemente verschwunden sind. Aus dieser einfachen Betrachtung folgt also nur, was durch complicirte theoretische Untersuchungen aus dem Newton'schen Gesetz abgeleitet worden ist, daß nämlich in einem System von Weltkörpern, die um ein Zentrum kreisen, aus die Dauer nur Bewegungen in einer und derselben Richtung möglich sind. Körper mit rückläufiger Bewegung werden durch beständig sich häufende Störungen aus dem System gewiesen. Eine Ausnahme machen nur die ganz vereinzelten geringfügigen Massenvereinigungen, welche wir in unserem Sonnensystem als rückläufige Kometen kennen lernten, und die wir als letzte Reste des einstmaligen Nebel anzusehen haben, die, von sehr entfernten Ausläufern desselben her- rührend, von der Verdichtungsthätigkeit des großen Welt- gebildes nur selten kräftiger beeinflußt werden konnten. So haben wir inzwischen aus dem chaotischen Nebel einen kugelförmigen, nach seiner Mitte zu condensirten sogenannten planetarischen Nebel und damit eine zweite Art von rings über den Himmelsraum verbreiteten Weltkörpern entstehen sehen. Mit der vorhin gemachten Annahme einer vorherrschenden Bewegungsrichtuitg ist der Kugel zugleich eine Umdrehungsachse mit den zugehörigen Polen und ein Aequator gegeben. Geometrisch ausgedrückt bedeutet dann das Vorherrschen einer Richtung, daß die Bahnneiguugen der Massenelemente sich um eine bestimmte Ebene so gruppiren, daß geringe Neigungen zu dieser am häufigsten Vorkommen- Neigungen über 90 Grad gehören bereits rückläufigen Körpern an. Wir wissen, daß die Störungen solcher Körper um so größer werden, je mehr sie die Eigenschaft der Rückläufigkeit haben, d. h. je größer die Neigungen ihrer Bahnen sind. Auch atomistisch ist dies ohne Weiteres zu verstehen - die Zusammenstöße zweier Massenelemente werden um so mehr Bewegungsenergie gegenseitig zerstören, je verschiedener die Richtungen der zusammenstoßenden Körper sind. Sind zunächst die eigentlich rückläufigen Körper, d. h. solche mit Bahnen von Neigungen über 90°, aus gemerzt, so werden die betreffenden Wirkungen doch immer noch weiter fortgesetzt und nun die um 900 Herumliegenden am meisten beeinflußt. Die Zusammenstöße verkleinern die Bahnen dieser Körper am meisten gegenüber den anderen. Da diese Bahnen unr 90« herum die Körper zum Pol der Kugel hinsühren, so iehen wir, daß sich diese hier allmälig abplatten muß. Es wird aus der Kugel ein Ellipsoid und schlicßlich ein linsenförmiger Körper. Eine dritte Art von Himmelskörpern, die elliptischen und schließlich ganz langgestreckten Nebels reihen sich der Stufenfolge unseres Weltentwickelungsganges an» Es läßt sich aber weiter zeigen, daß unser elliptischer Nebel eine wirbelförmige Bewegung annehmen muß, auch wenn er noch ferner sich selbst überlassen bleibt. Wie wir nämlich früher erfahren haben, ist die Anziehungskraft, welche ein Maffentheilchen innerhalb eines größeren kugeligen Massencomplexes erfährt, unabhängig von derjenigen Masse, deren Entfernung vom Centrum größer ist als die des in Betracht gezogenen Massentheilchens. Daraus folgt, daß. innerhalb eines homogenen Körpers von sonst beliebiger Constitution die Schwerkraft nach dem Centrum hin beständig abnehmen muß, und zwar genau im Verhältniß deS Radius,, da die Masse hier gleichbedeutend mit dem Volumen im Verhältniß seiner dritten Potenz abnimmt, die Schwerkraft aber nur mit der zweiten Potenz desselben wächst. Vergleichen wir die Tangentialgeschwindigkeit, welche nach dcn. obigen Erörterungen dieser Schwei krast in den verschiedenen Entfernungen vom Centrum genau die Wage halten muß, so ergiebt sich, daß bei einem Körper mit sehr großem Durchmesser sich bei seinem Kleinwerden die Geschwindigkeir zunächst verlangsamen und erst bei einem bestimmten Ver- häktniß des Durchmessers zur ganzen Masse wieder beschleunigen muß. Die äußeren Partien des Nebels eilen den inneren voraus, die Bewegungsverhältnisse sind also in diesem Stadium der Entwickelung gerade umgekehrt wie in dem fertigen Zustand eines Planelensystemes gleich dem unserigen, in welchem die Hauptmasse sich im Centrum vereinigt hat. Daß durch ein solches Vorauseilen, welches nur bis zu einer gewissen Tiefe stattfindet, spiralige Windungen der Materie entstehen müssen, ist unmittelbar eiuzusehen, ebenso, daß sich schließlich ein äußerer Ring von der inneren Centralmasse loslösen muß. Wir habeii damit die Spiral- und Ringnebel entstehen sehen. (Mit Erlaubniß der Berlagshandlung veröffentlichen wir die vorstehenden interessanten Ausführungen ans bem soeben vollständig erschienenen Werk „Das Weltgebäudch. Eine gemeinverständige Himmelskunde von Dr. M. Wilh» Meyer. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien. Das Werk des ausgezeichneten Autors, welcher tiefes Wissen mit einer glänzenden und fesselnden Darstellungsweise aufs glücklichste vereinigt, stellt eine epochemachende Erscheinung auf seinem Gebiete dar, die dem Laien die Kenntniß der himmlischen Wunder in der anziehendsten und anschaulichsten Form vermittelt). Vermischtes. Ländliche Einfalt. Bauer (zu seinem Weibe, auf einen im Schaufenster eines größeren Uhrengeschäftes ausgestellten Regulator weisend, dem ein Zettel mit der Bemerkung „acht Tage gehend" angesügt ist): „Da schau' her, Nani, die Prachtuhr! Ja, schön wär' sie schon, aber eine Uhr um hundertundsünfzig Mark und bloß acht Tage gehen — nein, da ist mir meine alte „Schwarzwälder" zu Hause schon lieber, die hat nur drei Mark gekostet und geht alleweil noch." * * * Frohe Aussicht. „9?ein, es ist doch wirklich zu toll! Volle drei Jahre bereits besuchst Du das Gymnasium, und noch jedesmal hast Du ein schlechtes Zeugmß nach Hause gebracht." — „O, Mama, da wird schließlich die Freude um so größer sein, wenn ich einmal ein gutes bringe." Rrtaction: I. Hermann «lle. Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) tn G'-ß-n-