1898. .£ Ms 'jCMt ’ WKW^»«AM' s ■ 11 1 l|f|. ,4^% ZMiM mras PWAWS MLs MM Ahr' und Reichthum treibt und bläht, M Hat mancherlei Gefahren, 'P* Und Vielen hat's das Herz verdreht, Die weiland wacker waren. Claudius. Der Amtmann von Rapshagen. Criminal-Roman von F. Arnefeld. (Fortsetzung.) „Ach, was das Thier frißt, das fällt ab, ist ja nicht der Rede werth." „So heißt es immer!" knurrte Göbener. „Das Thier hält Anna und die Mägde von der Arbeit ab. Sie braucht kein Spielzeug und keinen Zeitvertreib." „Sie hat zu Hause bei ihrem Vater einen gehabt und immer so viel von ihrem Papchen gesprochen, da wollte Adolf ihr die Freude machen, und sie ist ja auch ganz glücklich darüber." „Unsinn! Was hat man nur an einem solchen Schreier?" „Er hindert Dich ja nicht. Sie hält ihn auf ihrem Zimmer und Du wirft nicht gestört." „Das wollte ich mir denn auch sehr verbeten haben, ehe ich mich durch sei» Schreien stören ließe, drehte ich dem Thiere den Hals um," versetzte der Amtmann. Den erschrockenen Gesichtsausdruck seiner Frau gewahrend, fügte er ärgerlich lachend hinzu: „Na, ängstige Dich nur nicht, ich thu's nicht. Wär' ja schade um das Geld, was der Papagei gekostet hat." Ein Paar Minuten herrschte Schweigen zwischen den Gatten. Der Amtmann beobachtete jetzt einen Knecht, der mit dem Zerkleinern von Holz beschäftigt war, und konnte, so viele Mühe er sich gab, doch keinen Tadel an dessen Gebühren finden, seineUrau suchte nach den richtigen Worten." um eine Frage zu stellen, über deren Aufnahme sie zweifelhaft war. Endlich sagte sie: Ich möchte doch wohl an Büttners und Lorenzes schreiben, daß Du Adolf Deine Einwilligung gegeben hast, und was meinst Du, Annas Bruder müßte doch auch wohl — unterbrach er sie heftig herumfahrend. „Willst wohl Berobung feiern? Kälber und Gänse schlachten? Daraus wird nichts. Zu solchen Lustbarkeiten haben wir keine Veranlaffung. Eine Brautschaft hier im Hause will ich nicht haben." „Es kann aber doch nicht verschwiegen bleiben," wandte die Frau schüchtern ein. „Ich will's aber haben!" schrie der Amtmann hart auftretend. „Es soll mich nicht Jeder darauf anreden, daß ich die Dummheit zugegeben habe. Zeit genug wenn's zur Heirath kommt. Lorenz' hab' ich gestern, schon den Standpunkt klar gemacht, plaudern sie doch gegen Büttners, so werd ich ihnen Allen zusammen den Mund verbieten, und was den Herrn Doctor Holten anbetrifft, so mag ich°den überhaupt nicht wieder hier auf Rapshagen -haben, das werd' ich Anna schon selbst beibringen." „Aber, mein Gott, was hat Dir denn der gethan?" fragte Frau Göbener erschrocken. „Es ist ein hochnäsiger, aufgeblasener Mensch, ich kann ihn nicht ausstehen!" rief Göbener giftig. „Wozu mußte er sich denn uns hier auf die Nase, nach Greifswald setzen? Wäre für ihn viel besser, wenn er in eine kleine Stadt ging. Da wäre er schneller zu Praxis gekommen." „Er wollte wohl gern in der Nähe der Schwester bleiben, das kann man ihm doch eigentlich nicht verdenken —" „Ach, Du hast für Alles eine Entschuldigung," unterbrach er sie grob. „Anna ist bei uns ganz gut aufgehoben und dem Stephan ist's auch gar nicht um die Schwester zu thun, der ist. ein Streber." „Er soll sehr gut Kuren machen," bemerkte die Frau. „Es heißt, er habe die Meta Wenzel drüben auf Waldhof vom sicheren Tode gerettet." Göbener lachte laut auf. „Wird nicht so arg sein!" entgegnete er unmuthig und mit einer wegwerfenden Handbewegung. „Der Schleicher wird's ihnen freilich eingeredet haben. Der sieht schon, wo fahren"' bo$ nöd^ter Tage mal selbst nach Waldhof „Nimm mich mit, Daniel," bat die Frau, „möchte sehen, wie es der Meta geht." „Ach, das laß nur noch, wir haben uns ja oft genug erkundigen lassen. Möchte erst einmal allein hin, da erfahre ich besser, was an der Geschichte ist," entgegnete der Amtmann. „An welcher Geschichte!" „Na, sie munkelten, als ich jüngst in Greifswald war, allerlei von Meta Wenzel und dem Doctor Stephan Holten." war die Antwort. 122 „Ach, Daniel, das wäre ja sehr, sehr gut, das würde mich herzlich freuen!" ries die Frau mit großer Lebhaftigkeit und faltete die Hände. Er sah sie mit einem Blicke an, der sie völlig einschüchterte und fragte langsam: „Warum denn? Was hast Du Dich darüber zu freuen?" „Ich meinte — ich fürchtete, der Amtsrath und Meta könnten doch denken, daß Adolf —" stammelte sie und mit ärgerlichem Lachen fiel Göbener ein: „Ach, Du denkst, die wird sich um Deinen Jungen tobt grämen und der Amtsrath raust sich die Haare aus, weil er nun keinen Schwiegersohn für seine hübsche, reiche Tochter findet?" „Das nicht- es war aber so oft davon die Rede, daß aus den Kindern ein Paar werden sollte," entschuldigte sich die Frau. „Na, ist's etwa meine Schuld, daß nichts daraus wird?" fragte der Amtmann grob. „Mir wäre die Meta schon recht gewesen, aber Ihr habt ja alles Mögliche gethan, daß nichts aus der Sache wurde. Adolf hat sich gar nicht mehr um Wenzels gekümmert, seit ihm Anna im Kopfe steckt. Läßt sich von dem Streber, dem Stephan, die reiche Braut vor der Nase wegschnappen und nimmt dessen bettelarme Schwester." „Aber Daniel, das ist doch nun abgethan," sagte die Frau, die gern noch mehr über Holten und Meta Wenzel gehört hätte, es aber doch für gerathen hielt, von dem gefährlichen Thema abzulenken. „Du memst, weil ich die Dummheit zugegeben habe, dürfe ich auch nicht mehr darüber schelten," entgegnete er kurz und rauh. „Da solltest Du mich doch besser kennen. Den Mund lasse ich mir nicht verbieten. Hören sollen sie's jeden Tag und jede Stunde, damit sie nicht übermüthig werden und immer hübsch zu Kreuze kriegen." Frau Göbener seufzte. Zu Kreuze kriegen! Das war ihr Loos gewesen, so lange sie neben dem Manne mit dem groben, gedrungenen Körperbau, den großen, harten Zügen und den kalten, verschlagenen Augen gelebt hatte, das war das Loos Aller, welche in einem Abhängigkettsverhältniß zu ihm standen und es nicht lösen konnten wie die Dienstboten, von denen selten einer längere Zeit auf Rapshagen aushielt,- das war auch das Loos, das sie noch für Jahre für den Sohn und Anna voraussab. Konnte sie es doch immer noch nicht fassen, daß Daniel überhaupt seine Zustimmung zu einer, wenn auch ganz geheinz zu haltenden Verlobung des Paares gegeben hatte. Auf dem Vorsaal wurden Stimmen laut und Göbener rief: „Da kommen sie und wollen eine Rührscene mit Dir aufführen. Ich hab' von dem Kram heute schon mehr als genug und will lieber in die Scheune gehen und nach meinen Dreschern sehen. Sag' Anna, ich schenk' ihr den Dank, sie soll mich ungeschoren lassen." Er entfernte sich durch eine Thür, welche derjenigen entgegengesetzt war, durch die im nächsten Augenblick Adolf und Anna Hand in Hand und mit glückstrahlenden Gesichtern eintraten. III. Während der alte Göbener sich zu seiner Frau begeben und dieser in seiner Weise die große Neuigkeit mitgetheilt hatte, hatte Adolf Anna aufgesucht, um ihr die Freudenbotschaft zu bringen. Ein günstiger Zufall fügte es, daß er sie in dem sehr einfach, aber gefällig ausgestatteten Zimmer antraf, das ihr nebst der daranstoßenden Schlafkammer als Wohnung eingeräumt worden war. Das Gutshaus Rapshagen war ein großer, weitläufiger Bau und enthielt eine ganze Anzahl unbenutzt stehender Räume, die selbst der Spürsinn des Amtmanns nicht gewinnbringend zu machen wußte- es war daher selbst seinem Geiz nicht als tadelnswerther Luxus erschienen, das junge Mädchen so bequem einzuquartiren. „Guten Morgen, Adolf!" rief dem Eintretenden schnarrend ein großer, grüner Papagei entgegen, der in einem halb offen stehenden Bauer saß- gleich wandte sich eine mittelgroße, schlanke Frauengestalt, die beschäftigt gewesen war, Wäsche in einen Commodenkasten zu packen, hastig zu ihm herum und eine wohllautende Stimme sagte vorwurfsvoll aber sanft: „O Adolf, das ist nicht recht, ich habe Dich gebeten und Du hast mir versprochen, nie hierher zu kommen und —" Sie hielt plötzlich inne. Sein Gesicht hatte einen Ausdruck, der ihr kund geben mochte, daß es eine besondere Veranlassung war, welche ihn hergeführt hatte. Schon hatte er denn auch die Thür hinter sich geschloffen und war, ihr die Arme entgegenbreitend, mit dem Jubelruf auf sie zugeeilt: „Anna, Anna, zürne nicht, ich bin ja so unaussprechlich glücklich. Mein Vater —" „Der Lump, der Schelm!" kreischte der Papagei, die Beiden achteten jedoch nicht auf ihn. Anna stieß einen Schrei aus, ließ den Stoß frisch geplätteter Taschentücher, den sie in den Händen hielt, zu Boden fallen und sank dem Geliebten an die Brust. „Dein Vater willigt ein?" fragte sie mit halb erstickter Stimme. „O mein Gott, wie danke ich Dir! Wie gut bist Du!" Sich aus Adolfs Armen aufrichtend, faltete sie die schlanken, wohlgeformten, aber die Spuren harter Arbeit tragenden Hände und schlug die hellbraunen Augen wie betend zur Decke empor. Unwiilkürlich folgte der junge Bauführer ihrem Beispiel und ein paar Minuten herrschte tiefe Sülle im Zimmer. Selbst der Papagei verhielt sich ruhig, als begreife er, daß er diesen feierlichen Augenblick durch sein Geschwätz nicht stören dürfe. Anna strich sich ein paar Mal über die breite, niedere Stirn und das hellbraune, glattgescheitelte, am Hinterkopf zu einem schweren Flechtenknoten aufgesteckte Haar, als müsse sie durch eine solche Bewegung sich aus einer Traumwelt in die Wirklichkeit zurückrusen, ein süßes Lächeln umspielte den lieblichen, aber blassen Mund und immer noch zaghaft fragte sie: „Adolf, sage mir doch, tote das gekommen tst!" „Weiß ich es denn selbst?" erwiderte Adolf Göbener, legte den Arm um die fein gerundeten, schön abfallenden Schultern des jungen Mädchens und führte sie zu dem mit geblümten Sitz überzogenen kleinen Sopha. Voll Zärtlichkeit in das reine Oval ihres Gesichtes mit dem mattweißen Teint und den anziehenden Zügen schauend, wiederholte er: „Weiß ich es? Du kennst ihn ja, man darf nicht viel fragen, sondern muß sich mit den Thatsachen abfindcn und die sind in diesem Falle sehr gut!' „Trau! Schau wem!" schrie der Papagei. „Still!" gebot der Bausührer, dem Papagei mit der Faust drohend und Anna sagte inbrünstig: „Er willigt ein! Er willigt ein! Das sollte mir genug sein, aber ich möchte doch mehr wissen. Was sagte er?" „Anna ist neugierig!" rief der Papagei. Beide mußten lachen, schnell aber überflog ein Schatten das Gesicht des jungen Mannes, in dem die Stirn und die starkgebogene Nase, sowie die grauen Augen auf Intelligenz und Eigenwillen deuteten, während das jglatlgeschorene Kinn und der nur von einem dunkelblonden Bärtchen auf der Oberlippe bedeckte Mund auf keine allzugroße Beharrlichkeit schließen. Er konnte und wollte dem geliebten Mädchen die Worte des Vaters nicht wiederholen und antwortete ausweichend: „Du kennst ja seine Art. Ohne Brummen und Schelten hat wohl noch Niemand etwas von ihm verlangen können. Selbst meine Schwester Minna nicht, die bet ihm doch noch das Meiste 123 auszurichten versteht und es auch jetzt wohl durchgesetzt . haben wird." „Ach ja, sie wird ihn, als er in Fuchsberg war, dazu bestimmt haben, wir wollen ihr und ihrem Mann recht von Herzen danken," sagte Anna. „Das wollen wir," stimmte Adolf zu. Dem geliebten Mädchen näher rückend und ihre Hand fester fassend, fuhr er dann etwas zögernd fort: „Ganz ohne Einschränkung hat der Vater seine Einwilligung aber doch nicht gegeben." „Das finde ich sehr begreiflich," erwiderte das junge Mädchen arglos. „Er verlangt wahrscheinlich, daß wir noch lange mit der Hochzeit waren sollen." „O, das will ich nicht fürchten!" rief Adolf lebhaft. „Er hat sich darüber gegen mich noch nicht geäußert. Nein, es ist etwas Anderes." „Aber so sprich doch, die Sache wird doch nicht unerfüllbar sein!" lachte sie. „Das ist sie freilich nicht, sie ist nur sonderbar," begann der Bauführer. „Es wird mir recht schwer, mit Dir darüber zu sprechen, dennoch mußt Du es wissen, und am besten ohne Aufschub." „Du machst mir aber wirklich bange," sagte sie leise und sah ihn ängstlich an. Ihr stieg jetzt der Gedanke auf, der alte schlaue Amtmann Göbener habe eine Bedingung ausgeklügelt, an der die Heirath doch scheitern müsse. „Nun, so höre denn. Der Vater besteht darauf, Du sollst Dein Leben sogleich mit einer recht hohen Summe versichern," brachte Adolf zögernd und gepreßt hervor. (Fortsetzung folgt.) Die Verlängerung der menschlichen Lebensweise. Von Dr. med. R. Ebing. ------- (Nachdruck verboten.) KO. Es geht der Gesundheit wie so vielen Gütern, man schätzt sie erst nach ihrem wahren Werthe, wenn man sie verloren hat. Gesundheit ist nicht nur das Mittel und die Bedingung zum wahren frohen Lebensgenuß, sondern auch die Quelle der Anmuth und Schönheit. Was gesund ist, das ist auch schön- wer nicht gesund ist, der magert in erster Linie ab und jede starke Abmagerung macht unschön. Wer gesund ist, wem das Blut leicht durch die Adern rollt, der ist in der Regel auch heiter und glücklich. Aber wie viele sind im Zeitalter des Dampfes und der Electricität noch gesund? Während noch zu Anfang dieses Jahrhunderts das Durchschnittsalter der Menschen laut Statistik auf 35—36 Jahre festgestellt wurde, hat sich am Ende des Jahrhunderts diese Ziffer auf dreißig erniedrigt. Das ist ein schwerer Vorwurf für die Menschheit, denn zwischen der Dauer des Wachsthums und der Lebensdauer besteht im ganzen Thi?rreich ein Verhältniß von 1 : 7, wonach also die Dauer des Lebens diejenige des Wachsens siebenmal übersteigen müßte. Da nun beim Menschen das Wachsthum erst mit dem zwanzigsten Jahre sein Ende erreicht, so müßte er nach obigem Gesetz hundertundvierzig Jahre alt werden. Von tausend Menschen aber erreichen etwa hundert ein Alter von siebzig Jahren, von drei tausend wird nur ein einziger neunzig Jahre alt. Ein Hundertjähriger ist eine große Seltenheit. Freilich beweist auch die Statistik, daß beinahe die Hälfte der Menschheit in früher Kindheit stirbt, wodurch sich der Procentsatz der Siebzigjährigen relativ verdoppelt. Ob es jemals Zeiten gegeben hat, wo der Mensch ein Durchschnittsalter von hundertundvierzig Jahrenrerreicht hat, das ist nicht mehr zu beweisen. Freilich geht die Bibel mit den Jahren recht verschwenderisch um; sie spricht in den fünf Büchern Mosis sogar von dem fabelhaften Alter von 960 Jahren. Allerdings ist nicht angegeben wie lange so ein Jahr damals gedauert hat. Aus allen uns bekannten geschichtlichen Quellen geht mit Sicherheit hervor, daß die Menschen aller uns bekannten Zeiten nicht nennenswerth länger gelebt haben, als in unserem Jahrhundert, wenigstens wie im Anfänge desselben, denn später beginnt mit dem steigenden Handel und Verkehr, dem wachsenden Luxus und Hasten der Rückgang der menschlichen Lebensdauer. Dabei muß noch besonders bemerkt werden, daß alle Culturvölker nur relativ gesund sind, indem jeder Mensch mehr oder weniger eine Disposition zu Erkrankungen überhaupt hat, oder eine schlummernde, manchmal aber auch sichtbar ausgeprägt, erbliche Anlage für eine bestimmte Krankheit. Cultur und Civilisation und die davon unzertrennlichen mannigfachen Anforderungen an den menschlichen Geist und Körper haben die ursprüngliche Energie der Lebenskräfte abgeschwächt und den Menschen empfänglicher für äußere, schädliche Einflüsse gemacht. Auch gestattet es die Cultur dem Menschen nicht, unter absolut normalen Verhältnissen zu leben. Erwähnt sei nur der ungeheuer große Verbrauch an Bier und Wein, welche Getränke für den Orgmismus nur verunreinigtes Wasser sind, denn das ursprüngliche Getränk des Menschen war reines Wasser. So entstand mit der steigenden Cultur die Krankheitsanlage im Menschen und jene Grundstimmung des Organismus, die geneigt ist, Störungen des relativ gesunden Lebensgauges zu unterliegen und für gewisse Erkrankungsursachen begünstigende Bedingungen darzubieten. Es ist ein nicht wegzuleugnendes Unglück für die modernen Menschen, daß sie fast alle ohne Ausnahme mit der Anlage für eine bestimmte Krankheit — man möchte sagen eine Familienkrankheit — geboren werden, und daß sie in der Regel früher oder später an dieser Krankheit sterben. So selten das Alter von achtzig bis neunzig Jahren ist, ebenso selten ist auch der natürliche Tod durch Altersschwäche, das ist ein sanftes Einschlafen ohne vorauigcgangene ausgesprochene Krankheit. Sich ein solches Alter, einen solchen Tod zu verschaffen, müßte das Bestreben der Menschen sein, aber das Motto der modernen Lebewelt heißt wieder einmal: „Nach uns die Sündfluth", und die ärptcren Klassen reiben sich frühzeitig auf im Kampf ums nackte Dasein, int Kampf mit einer unnatürlichen Concurrcnz. Auf fast allen Gebieten herrscht übertriebene Concurreuz, die eine allzugroße Erwerbsanstrengung und eine zu peinliche Sorge um den nöthigen Lebensunterhalt bedingt. Dieser Uebelstand fällt in das sociale Gebiet und muß Abhilfe von Staat oder den Genossenschaften erwarten- Zweck dieser Zeilen kann es nur sein, die Leiden zu betrachten, welche der Arzt oder der Einzelne selbst heilen. Wenn auch die heutige Generation im Allgemeinen den Krankheitskeim von Geburt in sich trägt, so giebt es dennoch ein Mittel, selbst ein schon durch Anlage und Krankheit geschwächtes Dasein zu verlängern, aber nicht durch Arzneimittel oder gar durch sogenannte Geheim- oder Wundermittel, sondern lediglich durch eine diätetische Kunst, durch das richtige Abwägen unserer Kräfte, durch Kenntniß der schädlichen Einflüsse und der Schutzmittel. Jeder Mensch sollte daher so früh als möglich sich einer Selbstbeobachtung befleißigen, das heißt: sich in seiner physischen Natur und ihrer Schwäche kennen lernen und darnach seine Lebensweise einrichten. Die Selbsterkenntniß seiner Constitution ist für den Menschen ebenso wichtig, wie für fein geistiges und sittliches Wohl das alte, berühmte Wort: „Erkenne Dich selbst."" Es giebt zwar Menschen, welche meinen, Gesundheits- regeln seien überflüssig- aber selbst der kräftigste Körper vergeht sich nicht ungestraft gegen die Gesetze der Natur, und die bösen Folgen eines regellosen Lebens bleiben niemals aus. Deshalb sollte Jeder wissen, wovon seine Gesundheit abhängt, wie leicht sie verloren gehen, und wie j man sich gegen diesen Verlust schützen kann. Das Leben liebt nur Denjenigen, der eS selber liebt, Und was man liebt, das sucht man zu erhalten und nicht durch schnellen, verschwenderischen Gebrauch zu verkürzen. Gewöhnlich ist Abmagerung daS erste Zeichen, der erste Alarmruf, daß im Organismus bedrohliche Vorgänge von statten gehen, nicht selten ist sie das erste Zeichen eines beginnenden Lungenspitzencatarrhs oder einer sonstigen bösartigen Krankheit. Häufig freilich ist sie auch nur die Folge einer ungünstigen Beeinflusiung des Nervensystems durch Torge, Kummer oder Verdruß. Abmagerung ist immer der Ausdruck eines fehlerhaften Ganges des Stoffwechsels, sie zeigt an, daß im Haushalte des Organismus mehr ausgegeben als eingenommen wird, ein Vorgang/ der stets und überall zum Ruin führen muß. In der heutigen Zeit sind nur wenige Menschen so gestellt, daß man ihnen zurufen muß: arbeite! Die meisten zwingt der bittere Kampf ums Dasein zur Arbeit, und vielen muß man zurufen: arbeite nicht zu viel. Die Ueberanstrengung ist eine sehr häufige Erscheinung in unserer Zeit, leider, denn nichts ist der Gesundheit schädlicher als diese, und manche Lebenskraft ist schon durch sie vernichtet worden. Der Zwang der Ueberanstrengung in vielen Berufsarten kann nur durch eine sociale Reform beseitigt werden und bis dahin ist Allen, die ihre Kräfte dauernd und stark brauchen müssen, zum Zweck der Selbsterhaltung zu rathen, auch dem anstrengendsten Berufe Erholungsstunden abzugewinnen. Man höre mit körperlicher oder geistiger Arbeit auf, wenn der Kopf schwer, die Gedanken unlenkbar werden, wenn die Augen flimmern oder Funken sehen, wenn die Brust enge, der Athem beschwerlicher wird, wenn die Muskeln fangen an zu zittern, die Finger zu zucken, die Handgriffe unsicher werden, wenn ein dumpfer Schmerz im Nacken oder Rücken entsteht, denn das Alles sind Zeichen, daß der Organismus sich gegen weitere Anstrengungen sträubt, daß er ihr unterliegen wird, wenn man dennoch weiter arbeiten wollte. Auch hier gilt der wichtige Satz, daß es leichter ist, Krankheiten zu verhüten als zu heilen. Man theile deshalb die Arbeit mit der größten Regelmäßigkeit ein und nutze die Erholungsstunden richtig und gesundheitsgemäß aus. Durch Ueberanstrengung sind schon manche Krankheiten hervorgerufen worden, aber keine derselben hat eine solche Ausbreitung angenommen, wie die Kurzsichtigkeit, so daß ihr von allen Seiten die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden muß, wenn man bedenkt, daß die Disposition zur Kurzsichtigkeit sehr erheblich ist. Im Volke herrscht noch viel die Meinung, ein kurzsichtiges Auge sei ein gutes, ein starkes Auge, das aber ist ein großer Jrrthum, es ist und bleibt ein krankes Auge. Hat die Abmagerung einen andern Grund, liegt sie, wie es in den höheren Kreisen häufiger vorkommt, in der Blutarmuth, in Nerven- oder Ernährungsschwäche, so empfiehlt sich die zuerst von dem amerikanischen Arzte Weir-Mitchell und dann auch von deutschen Autoritäten vorgeschlagene und angewandte diätetische Kurmethode, die sogenannte Mastkur. Diese Kurmethode sucht den Zweck nämlich, binnen kurzer Zeit, im Laufe weniger Wochen, die fehlerhaften Ernährungsverhältnisse, den allgemeinen Kräftezustand zu heben, Fett und Blut in reichlicher Menge zu bilden und so das Körpergewicht bedeutend zu steigern, dadurch zu erreichen, daß der Patient in vollkommener körperlicher und geistiger Ruhe gehalten wird und dabei eine ungewöhnlich große Menge von Nahrungsmitteln zu sich nehmen muß. Am geeignetsten ist die Durchführung der Kur bei Entfernung des Patienten aus der gewohnten Umgebung, in einer eigenen Anstalt oder in einem Kurorte, wo auch die Massage in passender Weise angewendet werden kann. Die Steigerung der Nahrungszusuhr, die Vermehrung der Mahl- 124 — gelten darf nur allmählig geschehen. Im Anfänge empfiehlt es sich, nur Milch zur Ernährung zu verwenden, wobei man die Vorsichtsmaßregeln beobachten muß, dieses Getränk nur in kleinen Portionen, schluckweise zu nehmen, da sonst sich im Magen ein großes, schwer verdauliches Käsegerinnsel bildet. Man steigt innerhalb acht Tagen von */* Liter bis zu zwei Liter Milch innerhalb 24 Stunden. Nachdem diese Milchdiät durch mehrere Tage hindurch vorbereitend auf die Verdauungsorgane eingewirkt hat, kann man diesen eine höhere Leistung zumuthen, man hält die gewöhnlichen Mahlzeiten wieder ein, läßt dazu aber nur leicht verdauliche und nahrhafte Speisen nehmen, und zwar gleichfalls in steigender Menge. Es ist erstaunlich, an welche Menge von Speisen sich der Magen gewöhnt und wie sehr der Organismus eine solche Mastkur verträgt, zumal wenn die Massage mit in Anwendung kommt. Tritt andauernde Uebelkeit oder gar Erbrechen ein, so muß die Kur auf einige Tage unterbrochen und wieder zur Milchernährung ergriffen werden. Der Laie kann eine solche Mastkur zwar allein an sich vollsühren, aber weit empfehlenswerther geschieht dieses unter Aufsicht eines tüchtigen Arztes. Geschieht diese Mastdiät unter ärztlicher Controlle, dann ist das Ergebniß oft ein wunderbares, nach acht bis vierzehn Tagen zeigt sich eine Fett- und Gewichtszunahme von vier bis fünf Pfund, das Gesammtbefinden und die Gesichtsfarbe bessern sich und eine Gewichtszunahme von fünfzehn bis zwanzig Pfund nach einer sechswöchigen Kur ist kein seltenes Ereigniß. GEeiirnÄtzkges. Was tinfetn ßanMeuten entgeht. Im Jahre 1896 wurden im deutschen Reich für die Einfuhr von Eiern 76,6 Millionen Mark, von Federvieh 16,8 Millonen Mark, zusammen also 93,4 Millionen Mark ans Ausland gezahlt/ so berichtet das statistische Jahrbuch. Könnte diese Summe Geldes nicht im Inland bleiben? Gewiß, wenn sich unsere Landleute dieses Nebenerwerbes der Landwirrhschaft mehr bemächtigen würden/ aber wohlgemerkt: als Nebenerwerb Hühnerzucht, im großen Maßstabe betrieben, wird, wie der „Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, wegen der großen Kosten selten einträglich sein/ wo aber der Züchter das Futter selbst baut und Abfälle aus der Hauswirthschaft verwenden kann, wo er keine kostspieligen Hühnerställe bauen muß. wo das Geflügel freien Auslauf hat und sich selbst Futter suchen kann, wo geeignete Hühnerrassen benützt werden (Italiener oder deutschitaliener Kreuzung): da ist die Geflügelzucht immer noch lohnend. • * * * Das Gelbwerden der Palmen kennzeichnet eine Erkrankung der Wurzeln. Es sind die Wurzelspitzen entweder durch zu große Trockenheit eingeschrumpft, weil der Erdbällen so durchwurzelt ist, daß die Wurzeln unmittelbar an der Innenfläche des Topfes anliegen und dadurch nicht mehr genügend Wasser oder Nährstoffe ausnehmen können, oder es ist gerade das Gegentheil der Fall. Zu große Töpfe verhindern, wie der „Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, das regelmäßige Austrocknen, und übergroße Nässe erzeugt Fäulniß an den Wurzeln. Kranke Wurzeln haben aber das Gelbwerden der Wedel zur Folge, gerade so, wie ein Magenkranker eine schlechte Gesichtsfarbe zur Schau trägt. Außerdem kann auch zu große Trockenheit der Zimmerluft am Gelbwerden und Kränkeln der Palmen Schuld sein, besonders dann, wenn bte Pflanze erst kurze Zeit aus dem Gewächshause ins Zimmer übersetzt wurde. ReMcttau «. «cheyda. — Sni» und »erlag der Brühl'schen Univnfitiitr-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) m «letzen.