MS i LI s Liu MmhOcK'.^f |l|ii|lll®M Ä&h M»g^ kWkRWW W j®sl)d) will! — das Wort ist mächtig; (k^K Ich soll! — das Wort wiegt schwer. Das Eine spricht der Diener, Das And're spricht der Herr. Laß beide eins Dir werden Im Herzen ohne Groll; Es giebt kein Glück auf Erden, Als wollen, was man soll! Friedrich Halm. Muttersohn. Roman von Arthur Zapp. (Fortsetzung.) Heute am dritten Mittwoch des Monats Januar war nur ein kleiner Bruchtheil der Freunde des Hauses erschienen. Die außergewöhnlich strenge Kälte und der scharfe Ostwind, der seit einigen Tagen durch die Straßen Berlins fegte, machte jeden Gang auf die Straße zu einer wirklichen Strapaze. Trotzdem herrschte eine animirte Stimmung in dem kleinen Kreise, der aus einigen der College« des Hausherrn mit ihren Frauen und aus einigen jungen Juristen bestand. Man hatte, wie immer bei Görings, vortrefflich gespeist; nach Aufhebung der Tafel waren die älteren Herren im Speisezimmer zurückgeblieben, um hier bei einigen Flaschen guten Weines juristische Fragen zu erörtern. Im Damenzimmer führte „Tante Martha", eine Verwandte des Kammergerichtsraths, die seit dem Tode seiner Gattin dem Hauswesen vorstand, den Vorsitz und füllte den Damen die Gläser mit süßem Trank, damit sie die sich fleißig rührenden Zungen auch gehörig anfeuchten könnten. Das jüngere Volk hatte sich in das Musikzimmer be- gebeA. Fräulein Constanze, die Tochter des Hausherrn, sang mit ihrer nicht gerade vollen, aber wohlklingenden und gut ausgebildeten Stimme ein paar Lieder von Schubert und Lassen, während ein musikalischer Assessor sie auf dem Piano begleitete. Constanze Göring war heute die einzige junge Dame in der Gesellschaft und so verdroß es sie sehr bald, den Herren etwas vorzusingen, ohne sich während der Ablösung durch eine Freundin eine Pause gönnen zu können. Sie legte das Notenblatt, das ihr der Assessor soeben überreichte, wieder auf das Clavier zurück. „Will uns nicht einer der Herren etwas zum Besten geben?" sagte sie und sah sich fragend im Kreise um. — „Wie wärs, Herr von Markwald?" Dem Angeredeten fiel vor Schrecken das Monocle aus dem Auge. „Gnädiges Fräulein scherzen," sagte er, „ich und singen, noch dazu nach dem gnädigen Fräulein!" „Aber ich weiß, daß Sie musikalisch sind, Herr von Markwald. Haben Sie mir doch erst neulich erzählt, daß Sie als Student bei den Commersen Ihrer Verbindung immer als eine Art Vorsänger fungirt und die Begleitung auf dem Clavier besorgt haben." „Das ist lange her, gnädiges Fräulein . . ." „Doch höchstens vier Jahre. Ich finde es wenig liebenswürdig, Herr von Markwald, sich so lange bitten zu lassen." „Aber gnädiges Fräulein" — vertheidigte sich der Getadelte und Stemmte sein Glas wieder ein, das er den ganzen Abend über in Gegenwart der älteren Herren verstohlen zwischen Weste und Oberhemd getragen und schmerzlich entbehrt hatte, — „ich würde mich einer entschiedenen Unbescheidenheit schuldig machen, wenn ich mich so unmittelbar nach dem gnädigen Fräulein mit meiner . . . Pardon! . . . Bierstimme hören ließe und grausam den Eindruck zerstörte, den der himmlische Gesang des gnädigen Fräulein . . ." „Ich bitte keine Schmeicheleien, Herr von Markwald," unterbrach ihn die junge Dame. „Ich schmeichle nicht. Ich rufe die Herren zu Zeugen an, daß ich nur eine Thatsache constattre . . ." Der Sprechende sah sich herausfordernd im Kreise seiner Collegen um, die sofort ein beifälliges Gemurmel hören ließen. Fräulein Constanze lachte. „Natürlich," sagte sie. „Die Herren sind zu einer Schmeichelei immer bereit. Nun, wenn keiner von Ihnen singen will, so ist hoffentlich Herr Schilling so liebenswürdig und trägt uns etwas auf dem Clavier vor." Aber der Assessor, der die Tochter des Hauses vorher begleitet hatte, entschuldigte sich mit den Worten: „Ohne die Unterstützung des gnädigen Fräulein wage ich mich nicht hören zu lassen." Mit einer humoristischen Geberde geheuchelten Unmuths klappte die junge Dame den Deckel des Pianos herab, nahm auf dem Clavtersessel, von dem sich der Assessor erhoben hatte, Platz und sagte, sich zu den Herren herumdrehend: „Plaudern wir also, wenn Sie es nicht besser haben wollen. Sagen Sie mir, Herr Köster, warum Sie heute den ganzen Abend über so schweigsam, mit einer so 50 ernsten, nachdenklichen Miene dasitzen. Ich habe das schon vorhin bei Tisch bemerkt." Otto erröthete theils unter der Wirkung der schmeichelhaften Wahrnehmung, daß sich die Tochter des Kammergerichtsraths im Stillen mit ihm beschäftigt hatte, theils aus wirklicher Verlegenheit. „Ich .... das Examen, gnädiges Fräulein," stammelte er befangen. „Glauben Sie ihm nicht, gnädiges Fräulein," fiel Wattenfeld mit seinem boshaften Lächeln ein. „Das Examen ist es nicht, das ihm Kopfschmerzen verursacht. Der College quält sich wahrscheinlich im Stillen mit der Frage, wo er heute Nacht sein geehrtes, müdes Haupt betten fall." Es war kein besonders freundlicher Blick, den die Tochter des Haases auf den Sprechenden richtete. Von allen jungen Herren, die im Hause ihres Vaters verkehrten, war ihr keiner so unsympathisch wie Referendar Wattenfeld. Sie hatte in der Nähe des ewig Ironischen, der in seinem Aussehen und in seinem Wesen, obgleich erst sechsundzwanzig Jahre zählte, nichts Jugendliches mehr hatte, immer ein instinctives Gefühl des Unbehagens. Der gelblich-graue Teint seines Gesichtes, die tiefliegenden, kleinen, spöttischen Augen, der bereits ziemlich kahle Schädel machten ihn im Verein mit der schlotterigen, hageren Gestalt zu einer nichts weniger als angenehmen Erscheinung. „Der College besitzt nämlich zwei Zimmer," erklärte Wattenfeld auf den fragenden Blick des Fräuleins, „eins in der Nähe des Kammergerichts, das andere bei seinen Eltern auf dem Gesundbrunnen und nun entspinnt sich jeden Abend ein heftiger Kampf in seiner Brust zwischen der Anhänglichkeit an das alte und seiner Neigung für das neue Zimmer, das natürlich für ihn viel bequemer zu erreichen ist." „Kennen das gnädige Fräulein den Gesundbrunnen?" fiel hier Herr von Markwald ein, der jede Gelegenheit, sich in das Gespräch zu mischen und sich geistreich zu zeigen, wahrnahm. Die Gefragte verneinte. „Nicht?" fuhr der Geck mit affectirtem Humor fort. „Da können das gnädige Fräulein, von Glück sagen. Mir ist die Bekanntschaft nicht erspart geblieben. Ich denke noch mit Schrecken an meine Expedition nach dem hohen Norden. Ich sage Ihnen, gnädiges Fräulein, eine so gottverlassene Gegend giebt es in ganz Berlin nicht mehr." „Sie vergessen, daß Herrn Kösters Eltern in dem Stadttheil wohnen," entgegnete Fräulein Göring in einem deutlich zurechtweisenden Ton, „mithin dürfte der Gesundbrunnen für Herrn Köster nicht so ganz reizlos und gottverlassen sein." Die Herren Wattenfeld und Markwald blickten ein wenig vor sich hin, während Assessor Schilling der jungen Dame höflich zustimmte: „Gewiß, gnädiges Fräulein haben ganz recht. Wo Dir's gut geht, da ist dein Vaterland, heißt ein altes Sprichwort. Ich möchte dasselbe umdrehen und sagen: Wo man sein Heim hat, da fühlt man sich wohl." Fräulein Göring bedachte den Sprechenden mit einem lobenden Kopfnicken und wandte sich dann wieder an Otto mit der Frage: „Besitzen Sie noch Ihre beiden Eltern, Herr Köster?" „Jawohl, gnädiges Fräulein," beeilte sich dieser zu erwidern, „Vater und Mutter." „Da können Sie sich glücklich schätzen, da beneide ich Sie, Herr Köster," rief das junge Mädchen und eine warme Empfindung röthete ihr die Wangen. „Es ist zwar schon eine lange Zeit her, daß ich nicht mehr das Glück habe, eine Mutter zu haben. Aber ick erinnere mich noch sehr gut, ein wie köstliches Gefühl es ist, sich täglich, stündlich von der nie rastenden Mutterliebe umgeben zu sehen." Otto hatte sich den ganzen Abend über in einer ganz scheußlichen Stimmung befunden. Die verwünschten Geldsorgen drückten ihn nieder. Der Geldmann, dessen Gefälligkeit er und Markwald neuerdings in Anspruch genommen, war kürzlich nur mit der größten Mühe dazu zu bewegen gewesen, noch einmal zu prolongiren, aber er hatte mit aller Entschiedenheit erklärt, daß es das letzte Mal und daß in drei Monaten die fälligen Wechsel bezahlt werden müßten. Bis zum Assessorexamen aber waren noch beinahe vier Monate. Die unablässigen Seelenkämpfe hatten ihn schon ganz mürbe gemacht und ihn in eine elegische Gemüths- stimmung versetzt. Die freundlichen und herzlichen Worte des jungen Mädchens berührten eine verwandte Saite in seinem Innern. Das, was seine Mutter bereits für ihn gethan und wahrscheinlich in nächster Zukunft für ihn thun würde, leuchtete wie ein Blitz in seinem Bewußtsein auf und in einer wirklichen Gefühlsaufwallung, die er sich sonst im Kreise der Herren Markwald und Wattenfeld schon fast abgewöhnt hatte, entgegnete er: „Ja, es ist wahr, gnädigstes Fräulein, die edelste und zugleich stärkste unter allen menschlichen Empfindungen ist die Mutterliebe. Ich speciell habe meiner Mutter unendlich viel zu verdanken." Ottos und Constanzes Blicke hingen eine Secunde lang ineinander und ihre Seelen begegneten sich in demselben Gefühl. Herr von Markwald und Wattenfeld verbissen mit Mühe ein spöttisches Lächeln...... Eine Stunde später waren bereits die Gäste aufgebrochen. Obwohl schon Mitternacht vorüber war, machte Constanze noch keine Miene, ihr Schlafzimmer aufzusuchen. Sie saß allein im Musikzimmer, stützte den Kopf auf und sah ^gedankenvoll in die Flammen der auf dem Sophatisch stehenden Lampe. Schritte, die über den weichen Teppich glitten, weckten sie aus Ihrem Sinnen. Ihr Vater stand vor ihr. Seine freundlichen Augen blickten sie fragend an. Constanzens Gedanken kleideten sich unwillkürlich in Worte. „Kannst Du mir nicht sagen, Papa, was die Eltern des Referendars Köster eigentlich für Leute sind?" Der Kammergerichtsrath sah seine Tochter erstaunt an, und ein flüchtiges, kaum sichtbares Lächeln huschte über seine milden und edel geformten Züge. . „Das weiß ich wirklich nicht, Kind," antwortete er, „aber wenn es Dich interessirt, kann ich mich ja danach erkundigen." „O . . . ich . . . danke, Papa," stammelte sie, in dem Gefühl, daß sie schon zu viel von ihren geheimsten Gedanken verrathen habe. „Es war so eine Idee von mir . . . es schoß mir so im Augenblick durch den Kopf." „Nun . . . nun," sagte der Kammergerichtsrath zu seiner Tochter gütig, sie gleichsam vor sich selbst entschuldigend, „warum solltest Du Dich für die Familienverhältnisse unserer Gäste nicht interessiren? Ueber den jungen Köster weiß ich im Augenblick nichts Näheres, ich weiß nur, daß er ein sehr begabter junger Mann ist und daß er im Amte einen bei unseren jungen Herren seltenen Eifer an den Tag legt. Und da heute bei uns im amtlichen Leben nicht mehr vornehme Geburt und Privatbeziehungen den Ausschlag geben, sondern allein die persönliche Tüchtigkeit, so läßt sich mit ziemlicher Sicherheit ihm eine schöne Carrisre prophezeien." „So? Wirklich, Papa?" trat es dem jungen Mädchen unwillkürlich über die Lippen, während ihre Augen aufleuchteten und sie von Neuem über und über erglühte. XI. In Carl Kösters glücklicher, kleiner Häuslichkeit kehrte die Sorge ein. Die Firma C. W. Dalchow hatte erkannt, daß mit den Hängelampen, die ihr früherer Werkmeister fabricirte, ein Geschäft zu machen sei. Flugs warf sie sich ohne alle Scrupel auf den Artikel, den Carl zu seiner Specialität erkoren hatte. In großen Massen stellte die große Fabrik eine Nachahmung der Köster-Lampen her, die kaum von dem Originalfabrikat zu unterscheiden war, und da die reiche Firma die Rohmaterialien in ganz andern Quantitäten bezog als Carl, so war sie auch in die Lage versetzt, üen kleinen Fabrikanten 7m Preise erheblich unterbieten zu können. Um zehn Procent billiger als Carl Köster 51 verkaufte C. W. Dalchow die beliebten Hängelampen, und mit einem Schlage sah sich der Vorwärtsstrebende junge Geschäftsmann des größten Theils seiner Kundschaft beraubt. Was thun? Das war eine Existenzfrage für ihn. Seine Mittel waren gering- alles, was er sich in langen Jahren erspart hatte, war in das Geschäft gesteckt. Den Concurrenz- kampf mit der großen, steinreichen Firma aufzunehmen, daran war gar nicht zu denken. Ja, wenn ihm die Mittel zu Gebote gestanden hätten, die Firma auch unterbieten und sie mit ihren eigenen Waffen bekämpfen zu können, dann wäre es ihm vielleicht geglückt, die untreu gewordenen Käufer wieder zu sich zurückzulocken. Aber wie lange würde er den Kampf aushalten können? Nicht eine Woche. Ihm blieb nur übrig, auf friedlichem Wege zu versuchen, die Firma C. W. Dalchow von dem ungleichen Kampf abzubringen. So schwer es ihm wurde, er machte sich nach dem Contor der Firma auf den Weg. Er mußte es noch als eine besondere Vergünstigung betrachten, daß ihm der Inhaber der Firma in sein Privatbüreau Einlaß gewährte. Der Commerzienrath Dalchow rückte seinen Schreibsessel ein wenig in die Richtung des Hereintretenden. „Was giebts, Köster?" sagte er in dem herablassenden, äußerlich wohlwollenden Ton, den er sich seinem früheren Angestellten gegenüber angewöhnt hatte. Dem jungen Manne klopfte das Herz hörbar- der langjährige Respect vor dem ehemaligen Chef kämpfte mit dem in ihm glühenden Unwillen. „Herr Commerzienrath" — stieß er, unfähig seine Aufregung ganz zu bemeistern, hervor — „Sie schädigen mich, Sie schädigen mich ganz ungeheuer. Ich wollte Sie bitten, die Fabrikation meiner Hängelampen wieder aufzugeben. Ihnen stehen ja genug andere Zweige der Fabrikation offen.'' Der Commerzienrath maß den bescheiden vor ihm Stehenden mit seinen kalten, spöttischen Blicken. Jede Spur von Wohlwollen war aus seinen Zügen verschwunden. „Sie sind selbst Geschäftsmann", antwortete er in ruhigem, geschäftsmäßigem Tone. „Ich wundere mich, daß Sie ein solches Verlangen an mich stellen können." Den jungen Geschäftsmann überlief es heiß. „Ich weiß nicht, Herr Commerzienrath", stammelte er, „ich habe Ihnen doch nie etwas zu Leide gethan. Warum wollen Sie mich denn nun ruiniren?" Herr Dalchow lächelte. „Fällt mir gar nicht ein, Sie ruiniren zu wollen, lieber Köster. Nicht um Ihnen einen Schaden zuzufügen, habe ich mich auf die Fabrikation der Hängelampen geworfen, sondern nur um uns einen Nutzen zu bereiten. An Sie habe ich dabei wirklich gar nicht gedacht." Dem jungen Mann ballten sich in stillem Ingrimm die Fäuste. „Aber es war doch . . . doch meine Idee", wandte er, seine Erbitterung gewaltsam unterdrückend, mit bescheidener Miene ein. „Ich kam doch zuerst darauf, diese besondere zierliche Art von Hängelampen zu fabriciren." „Ja, mein Lieber", antwortete der Fabrikbesitzer und drehte behaglich die Daumen über seinem Embonpoint umeinander, „wie oft ist es mir schon Passtrt, daß mir Jemand einen Artikel, aus dessen Herstellung ich zuerst verfallen war, nachgemacht hat. Nicht mit der Wimper habe ich deshalb gezuckt. Das ist die Concurrenz, die ihre guten und ihre schlechten Seiten hat. Sie verbilligt den Consumenten das Fabrikat und macht uns Geschäftsleuten das Leben schwer. Darüber darf sich Niemand beklagen. Unterbieten Sie mich dach oder noch besser, werfen Sie sich auf einen anderen Artikel" „Das kann ich nicht", erwiderte Carl Köster kurz und bestimmt, „ich habe die Mühen des Einsührens gehabt und kann nun nicht plötzlich wieder zu etwas Anderem übergehen. Dazu fehlen mir die Mittel. Aber Sie, für Sie ist es eine Kleinigkeit, andere Artikel herzustellen und einzuführen." Der Commerzienrath schüttelte mit dem Kopf, als würde ihm etwas Unerhörtes zugemuthet. „So, also Sie muthen mir schlankweg zu, die Maschinen, die ich extra für den neuen Artikel eingestellt habe, zum alten Eisen zu werfen und meine Waaren-Vorräthe ins alte Zink. Ich arbeite mit kleinem Nutzen und um etwas aus dem Artikel herauszuschlagen, muß ich ihn auch in größeren Massen absetzen." (Fortsetzung folgt ) Japanische Frauentoilette?) Einer der Hauptreize der Japanerin liegt wohl unbestreitbar in ihrer Toilette. Nicht in jener, die durch eine der unsinnigsten Verordnungen des neuen Japan aus unserer alten westlichen Welt auch in dem fernen Lande des Sonnenaufgangs theilweise zur Einführung kam, sondern in jener Toilette, die die Japanerin seit undenklichen Zeiten bis auf die Gegenwart beibehalten hat. In Japan sind die Toiletten glücklicherweise nicht so sehr den Launen der Prinzessin Mode unterworfen wie anderswo. Dort hat man niemals etwas von Crinolinen, von Puffenärmeln und Culs de Paris gehört, der Schwerpunkt der Damentoiletten springt nicht in jedem Jahre, in jeder Saison von oben nach unten, von hinten nach vorn. Die japanischen Damen tragen keine mit ausgestopften Vögeln, Flügeln von Käfern, Federn und anderen barbarischen Zuthaten geschmückten Hüte- sie durchlöchern sich ihre Ohrläppchen nicht, um sie mit schwerem Geschmeide aus Edelmetall und Steinen zu beschweren- sie schnüren ihre zarten Füßchen nicht in enge drückende Schuhe, und was den Stahl- und Fischgrätenpanzer anbelangt, mit welchem die Damen anderer Länder ihre Leiber umspannen, um sich, nach dem Ausspruch eines chinesischen Mandarins, das Aussehen von Wespen zu geben, so sind ihnen dieselben vollkommen unverständlich. Die Toilette der Japanerin ist, was ihre 'Zusammensetzung und ihren Zuschnitt betrifft, von klassischer Einfachheit- sie erinnert am ehesten an jene der Griechin aus der klassischen Zeit, und ist vielleicht ebenso alt wie diese. Aber dabei ist sie im Ganzen genommen schöner, denn zu den langen, faltenreichen Gewändern treten noch die Feinheit und Kostbarkeit der Stoffe und vor Allem die herrlichen Farben, an denen sich das künstlerische Auge niemals sattsehen kann. Wer jemals in Tokio oder in der alten Hauptstadt von Dai Nipon, in Kioto, eines der zahlreichen Volksfeste mitgemacht hat, den wird neben der Anmuth und Lieblichkeit der japanischen Frauen nichts so sehr in Entzücken versetzt haben wie diese zarten, duftigen, farbenreichen Trachten, die den Volksmassen, aus der Ferne gesehen, das Aussehen lebendiger Bl imenbeete geben, umflattert von den herrlichsten Schmetterlingen. Den Flügeln der letzteren, den Farben der ersteren mögen die Japaner bei ihrem einträchtigen Zusammenwirken mit der sie umgebenden herrlichen Natur, ja ihrem vollständigen Aufgehen in derselben ihre Toiletten abgelauscht haben. Wie Blüthen um den Stengel, wie die Flügel an den Schmetterlingen liegen diese reizenden bunten Trachten aus der Japanerin, und beinahe könnte man sagen, nur diese verleihen ihr jenen eigenen, seltsamen Reiz- ohne sie erscheint die Japanerin wie der Schmetterling ohne Flügel, denn sie ist im Gegensatz zu ihrer europäischen Schwester keineswegs von besonderer Körperschönheit. Kein Wunder, daß die Japanerin aus ihre Toilette noch mehr Werth legt als die Europäerin. Aber sie thut es *) Wir entnehmen den vorstehenden Abschnitt dem im Verlage von I. I. Weber in Leipzig erschienenen Werke: China und Japan, Reisen, Studien und Beobachtungen von Ernst von H^ffk' Wartegg. Der Preis dieses reich illustrirten Geschenkwerkes beträgt 18 Mark. 82 halber, unbewußter als besonders jene Erscheinungen des fin de sidcle, welche ein geistreicher Franzose mit dem Namen Demi-Vierges bezeichnet hat. Die Japanerin schmückt sich, um sich und den Anderen zu gefallen, aber mit derselben Harmlosigkeit entkleidet sie sich auch dieses Schmuckes und zeigt sich, wie die Natur sie geschaffen hat. Badet sie, so thut sie es offen und findet jedes Kleidungsstück vollständig für überflüssig; ist sie zu Hause, so wird sie, der heißen Sommerzeit entsprechend, die langen Kimonos abwerfen und vielleicht nur einen Lendenschurz anbehalten- sie macht kein Geheimniß aus ihren Schönheitsmittelchen, aus Puder und Schminken, aus Pomaden und dergleichen- die Häuser, vornehmlich in den Landstädten und Dörfern, sind weit geöffnet, die Holz- und Papierwände sind zur Seite geschoben, um der Luft möglichst freien Durchzug zu gestatten, und das ganze Hauswesen, bis zu den hintersten Räumlichkeiten, liegt dem Auge des Spaziergängers offen da. Kein Wunder, daß der Reisende, vielleicht ohne es zu wollen, in die ganze weibliche Intimität der japanischen Haushaltung eindringen kann und dort alles tausendmal unbehindert sieht, was ihm im Abendlande immer streng verborgen bleibt. Er lernt die Japanerin nicht nur im Theater, im Theehause und auf Festlichkeiten kennen- er sieht sie bei ihren häuslichen Verrichtungen, bei der Toilette, ja selbst im Bade, und es kann ihm in den volksthümlichen Badeorten Japans, wie z. B. in Jkao, selbst begegnen, daß er bei seinem eigenen Bade von einigen reizenden Nymphen überrascht wird, die, ohne sich in ihrer Naivetät das geringste dabei zu denken, das Bad mit ihm theilen. Mit Ausnahme der Hauptstadt baden beide Geschlechter in ganz Japan gemeinsam in öffentlichen Bädern, und eben der Umstand, daß sie von frühester Jugend daran ebenso gewöhnt sind, wie es vor ihnen ihre Väter und Großväter waren, läßt ihnen das Befremden der Europäer darüber ganz unverständlich erscheinen. Der Schnitt der japanischen Damenkleider ist bei Hoch und Niedrig, bei Armfund Reich, bei Jung und Alt, im ganzen Lande der gleiche, und überall sind auch die Kleidungsstücke dieselben. Die kleinen drei- bis fünfjährigen Püppchen, die mit ihren rasirten Schädeln auf den Veranden, vor den Häusern oder auf der Straße ihren fröhlichen Schabernack treiben, sind geradeso gekleidet wie ihre Großmama. Der einzige Unterschied liegt in der Gattung und Farbe der Stoffe. Wie die Aristokratin der vornehmsten Fürstenfamilie zottelt auch das Mädchen aus dem Volke auf plumpen, schweren Holzsandalen' einher, und ebenso wenig wie die letztere trägt auch die erstere jemals eine Kopfbedeckung, es sei denn im Winter bei kaltem Wetter. Dann wird bei Ausgängen eine Art Kapuze über den Kopf gezogen. Beginnt die Japanerin der mittleren und oberen Stände ihre Toilette, so wird sie zuerst den Aumodschi, ein weißes Tuch von der Form und Breite unserer Handtücher, aber von der doppelten Länge, um die Hüften winden und dann einen ziemlich knapp sitzenden Bademantel aus zartem, hellfarbigem Seidenkrepp mit weiten Aermeln, den sogenannten Dschiban, anziehen. Dieses reizende, den ganzen Körper bis zu den Füßen leicht verhüllende Kleidungsstück vertritt bei den Töchtern Nipons unsere Hemden. Im Winter wird darüber noch ein zweites wollenes Unterkleid, Schitagi genannt, getragen, im Sommer ober folgt auf den Dschiban gleich der Kimono, das äußere Kleid. Alle drei, Dschiban, Schitagi und Kimono, sind ganz von demselben Zuschnitt und paffen so genau in- und aufeinander wie die bekannten japanischen Schachteln. Der Kimono ist aber stets aus viel kostbarerem Stoff als die Unterkleider, und auf ihn wird von der Japanerin viel mehr Sorgfalt verwendet- denn an der Farbe, an dem Stoff und an der Ausschmückung desselben erkennt man die gesellschaftliche Stellung, ja selbst das Alter der Trägerin. Zu Hause werden einfache Kimonos aus gewöhnlichen Stoffen getragen, für Ausgänge und Festlichkeiten solche aus Seide oder Seidenkrepp, und für besondere Feierlichkeiten dienen Kimonos aus den kostbarsten, schwersten Brokatstoffen, in so herrlichen Mustern, mit so zarten und dabei reichen Stickereien, wie sie in Europa höchstens für die Prunkgewänder von Kirchenfürsten Verwendung finden. Wer in den achtziger Jahren das Glück gehabt hat, einer Festlichkeit bei Hofe beizuwohnen, wie etwa den berühmten Chrysanthemumfesten in den kaiserlichen Gärten, dem wird dasselbe wie ein Feenmärchen in der Erinnerung schweben. Inmitten des entzückendsten Blumenflors, wo Zehntausende der herrlichsten Chrysanthemen in allen erdenklichen Farben im Sonnenlichte prangten, wogten Hunderte japanischer Damen, selbst blumengleich, auf und nieder, und ihre lang wallenden Kleider wetteiferten mit den Blumen an Farbenreichthum- nur verging jener der letzteren mit den kalten Wintertagen, während die Gewänder der japanischen Aristokratie für die Ewigkeit gewebt zu sein scheinen. Von Generation zu Generation wurden diese Gewänder fortererbt bis auf den heutigen Tag, wo eine kalte, herzlose Verordnung der japanischen Regierung sie fort’ becretirt hat, um sie durch die reizlosen Trachten der Europäerin zu ersetzen. Die Prachtkimonos, in Farbe und Zeichnung wahre Gedichte, wanderten zn den Händlern und durch diese in die Museen und Privatsammlungen Europas, wo sie heute das Entzücken aller Kunstfreunde erregen. Jede vornehme Japanerin besaß eine ganze Auswahl solcher Prunkgewänder für jede Jahreszeit. Standen die Pfirsich- und Kirschbäume in Blüthe, dann trug sie einen Kimono, über und über mit den gleichen Blüthen gestickt- kam die Zeit der Chrysanthemen, dann vertauschte sie dieses Gewand mit einem anderen, welches in zartester Seidenstickerei nur Chrysanthemen zeigte und so wechselten die Gewänder der Frauen, dieser menschlichen Blüthen, je nach den Blüthezeiten in der japanischen Flora. Aber nur bei Gesellschaften und festlichen Anlässen wurden und werden vielfach heute noch diese Gewänder getragen. Im gewöhnlichen Leben und auf der Straße sind die Kimonos der Damen viel einfacher, leichter, ruhiger in der Farbe, ohne Blumen und Stickereien. Die einzige Ausschmückung, welche diese Straßenkimonos zeigen, sind die auf dem Nacken und den Aermeln in weißer Farbe aufgestickten Wappen der Trägerin. (Schluß folgt.) GenrenrnNtziges. Der Apfel. Die Frucht gewährt mehr Nahrungsstoff als die Kartoffel, die doch als Hauptnahrungsartikel gilt. Welch ein Wehruf geht durch das Land, wenn die Kartoffelernte zu mißrathen droht, und wie wenig spricht man darüber, wenn die Aepfel keine gute Ernte in Aussicht stellen, was eben bezeugt, wie wenig man diese Frucht zu schätzen weiß. Sie ist nicht nur nahrhafter als die Kartoffel, sondern enthält auch milde und angenehme Säuren, die auf den Körper wohlthätig wirken. Ein Apfeleffer wird an Verdauungsbeschwerden ober an Halskrankheiten selten leiben. Der Apfel besitzt auch stärkenbe Eigenschaften unb enthält mehr Phosphor, als irgenb eine andere Pflanze. Deshalb ist er für Leute, welche in geistig aufgeregtem Zustande leben, besonders geeignet. Er regt das Gehirn und die Leber an. Er ist eine Hausfrucht, reichhaltig, schön unb fräftigenb, und heimelt uns mit seinen rothen Wangen wie keine andere Frucht an. Mit Ausnahme der Erdbeeren in ihrer Zeit könnten wir eben alle anderen Früchte entbehren. Und doch geht die Erdbeer- zeit vorüber, während der Apfel bei richtiger Aufbewahrung das ganze Jahr ausdauert, um uns durch seine eigenthürn- lichen, fäfteberbeffernben unb onregenben Eigenschaften zu erfreuen. Die Rolle, welche der Apfel spielt, kann durch keine andere Frucht ausgefüllt werden. Stbactien: A. Ech*tzda. — Druck und Berlag der Brühl'schen UuiversttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.