Roman von Clara Bücker. (Fortjetzung.) zu werden, das sah er deutlich. Der Gedanke jedoch packte ihn. Ja wohl, du kleine, weiße, schwermüthige Stirn, zu denken verstehst du. Das sprach Heinrich in das Licht der Lampe hinein, denn über ihre Zeichnung fort sah und fühlte er Hilde. Das dritte und letzte Bild — mehr hatte sie ihm nicht gegönnt? — war noch in Oel gemalt. Es zeigte einen Christus an erhöhter Straße unter einem Baume. Kommet her zu mir Alle, die Ihr mühselig und beladen seid, stand darunter. Nun wartete er auf seine Mühseligen, die eine Hand um einen Ast gelegt. Sein Gesicht zeigte Ein feiner Sinn hatte Hilde die drei Blätter wählen lassen als Stationen verschiedener Jahre, sich steigernden Könnens, und unter sich verbunden wie ein Ring.' Denn das Paar auf der ersten Landschaft — irrte es ringend und suchend nach Erkenntniß weiter, bis die Schlange es fand, bis sie endlich Christus erreichten? Wie kam das zarte Mädchen in ihrem stillen Dasein zu solch gewaltigen Wahrheiten? Wirklich nur durch die Augen, durch den tiefen Blick für das Leben? Des Mädchens Kopf lag an des Mannes Schulter, Hingebung sprach ihr zarter Leib in jeder Linie, Kraft, sie zu stützen, nnd das Bewußtsein, er dürfe es, Niemand sonst, bekundete die Haltung seiner nervigen Glieder. Um Beider Leib wand sich die Schlange, deren züngelnder Kopf vor der Majestät, der sie nahten, erstarrte. Das Schönste waren aber die Gesichter der zwei Heranwallenden- durch die ernste, finstere Leidenschaft des Mannes brach der Strahl höherer Gotreserkenntniß, wie es aus dem liebcsweichen Gesicht der Frau unirdisch leuchtete: Wir kommen mit unserem Jammer, mit unserer Sünde. Siehst Du nicht auch auf uns, Herr, wir folgen Dir dennoch. einen gefaßten, muthigen, über der Welt stehenden Ausdruck, vollständig gegen das Herkommen, seine Augen schimmerten so goldig warm, daß es ein Labsal schien, hineinzutauchen. Ein leuchtend rother Rock umwallte ihn- über ihm im kahlen Baume zwischen den ersten sich losringenden Blättern blühten die weißen Kerzen der Kastanie. Von links her kamen die Gerufenen gezogen, doch überall anfgehalten- ein vergrämtes Weib von ihren Kindern, em Verbrecher vom Henker, ein Priester vom Sterbenden, ein wüster Mann von seinen Cumpanen, ein Liebespaar am Wasser vom grinsenden Fährmann, dem Tode. Hier zog ein Trupp in die Wirthshäuser und Schauspiele, viel Vornehme eilten in eine Kirche, kurz, es gelangte keine von den trefflich und characteristisch gemalten Gestalten zum Heilande, bis auf das Menschenpaar von rechts her, das, sich umschlungen haltend, zu ihm kam. Heinrich mußte das Gemälde auf den Tisch legen, seine Hände zitterten zu sehr, die Aufregung schüttelte ihn Das nächste, ein Original, war mit dem Stift ausgeführt, vor zwei Jahren ungefähr. Es stellte einen Jüngling in einsamer Gegend dar. Rechts im Hintergründe lag die von ihm verlassene Stadt, deren Münsterthürme, Schloßkuppeln, Sternwarten, electrische Drähte gut gegen die graue Luft abgesetzt waren- links vom Meere her sprachen Leuchtthurm und Panzergeschwader das Weitere vom Wissen und Können der Menschen. Dennoch floh er sie, irrte abgehetzt umher, eine verlöschende Fackel in der Hand, Sehnsucht in der gereckten Haltung des geschmeidigen Körpers, Sehnsucht im mageren, verinnerlichten Gesicht, die am . zwingendsten in die tiefen, aufwärtssuchenden Augen gelegt Ärmlich, war. Darunter stand: Noch sucht er die Wahrheit. Hier ließ sich viel an Hildes Selbstvertrauen aussetzen- Alles war dem Gedanken nach groß, ja gewaltig angelegt, um während der Ausführung als kleinliche Strichelei empfunden Mutterlieb', du heilig Amt, Vom Herrn der Ewigkeit verliehen, Die Seele, die vom Himmel stammt, Dem Himmel wieder zu erziehen! O Mutterlieb', du strenge Pflicht, Der Ewigkeit gehört dein Walten! Die Rechenschaft, vergiß sie nicht, Laß deinen Ester nicht erkalten! O. v. Redwitz. Gedankenvoll schritt er auf dem Teppich das Zimmer ab. Dann, dem impulsiven Antrieb folgsam, versenkte er sich wieder in ihre Bilder, um auf solche Weise ihre Arbeit mitzuleisten, mitzufühlen. Zeitig am Morgen erwachte er ohne eine Spur von Ermüdung. Vielmehr hallte ein Jauchzen durch seine Seele, 450 ein Lebensgefühl ging durch sein strömendes Blut, wie er es noch nie empfunden hatte. Längst durchwanderte er unter dieser Empfindung den Garten, am liebsten hätte er weite Felder und einen nahe winkenden Wald durchstreift. Jndeß, ein seltsames Bangen hielt ihn, nicht über den Bannkreis des geliebten Mädchens fortzueilen. Da knirschten flüchtige Tritte, rauschten Frauenkleider im eiligen Gehen — Hilde. Sie flog förmlich auf Heinrich zu, bot ihm beide Hände und suchte nach Worten, wobei etn reines Empfinden ihr blassen Züge vergeistigte. Wortlos blickte er auf sie. „Was müssen Sie leiden," stammelte Hilde, „wie mag hier jedes Wort und jeder Sinn Sie kränken! Hätte ich geahnt, nur eine Idee gehabt, woher Sie kommen, es wäre Alles, Alles anders gewesen." Ueberwältigt brach sie ab, sie rang nach Athem. Heinrich ließ die schmale Hand nicht los, in der das aufgewühlte Blut klopfte und die erregten Nerven zuckten. „Bitte, Fräulein Hilde. Sie sind ja außer sich! Setzen Sie sich wenigstens." „Wir sind des Morgens zeitig wach, nur muß Papa dann noch ruhen. Ich leiste ihm meist Gesellschaft, lese oder plaudere ihm vor, ehe er aufsteht. Heute nahm er mich bei der Hand und erzählte mir, daß Sie im Hause meiner Mutter gelebt hätten." „Fräulein Hilde!" Hatte er so laut aufgeschrieen? — der Ton gellte ihm noch in den Ohren. Sie sahen sich Beide an, lange Zeit. Etwas langsamer fuhr sie fort: „Nennen Sie es indiscret von ihm? Nein, nein, er meinte es gut. Ich soll keine Ansprüche an ihre Mittheilsamkeit stellen — ich müsse Rücksicht nehmen auf Ihre Lage." Sie verstummte. Nun es gesagt wär, schien die Hoch- fluth zurück zu ebben, fahle Blässe und heftiges Frösteln verriethen es. Heinrich ließ ihre Hand nicht los, deren feine Finger in einer kindlich leidenschaftlichen Weise durch seine geschlungen waren. Der sehr einsichtsvolle Vater hatte vorgesorgt durch eine Schutzwehr. Daß Ines sogar hier einen Verbündeten fand! Mochte sie! Ihm galt das aufgewühlte Gemüth, die zerrissene Seele neben ihm mehr. Sanft sah er sie an, daß es war, als kose eine weiche Hand über ihre Stirn und Schläfe hin. „Sie sind verbittert gegen Ihre Mutter?" fragte er. Voll blickte sie zu ihm auf. „Sehr!" „Sagen Sie es mir." „Es ist nur — wir sprachen schon einmal von dem Sehnen, das kein Leben auslöscht, und nach seiner Mutter sehnt man sich doch. Dann hören zu müssen, begreifen zu lernen — Sie wissen es ja. Wie ich mich geschämt habe zuerst und mein Leben darum so eigen ist, wie man seine Verzweiflung verbarg und vor dem Papa das stete Abbitten empfand, das ist unmöglich zu schildern." „Nun ist sie tobt, ich wußte es noch nicht. Vielleicht habe ich gelacht, als sie starb — freilich, zu lustig war ich sicher nicht in meinem Leben. Nun kränkt mich auch dies. „Doch, was rede ich von mir! Sie und Ihr Kummer sind augenblicklich maßgebend. Ich habe Papa ausgelacht über seine Meinung, Sie brauchten meine Theilnahme nicht- sicher und erst recht, sagte ich ihm. Tante Wulffen würde die Reise nicht vorbereitet und Sie sie nicht unternommen haben außer in zwingender Noth. Wenn jene Familie das Geld braucht, so wird wohl Einer dafür sorgen müssen, und das wäre zuerst ich. Isis nicht genug, daß wir unglücklich waren, sollen Jene es gleichfalls werden? Papa wurde ganz roth und schalt, daß ich mit fliegenden Fahnen in ein anderes Lager ziehe,- deswegen lachte ich ihn natürlich aus, denn bei ihm bleibe ich immer. Bor einer anderen Macht einmal die Flagge hissen, heißt noch nicht Ueberläufer sein, nicht wahr?" „Nein," sagte Wulffen steif und hölzern. Hilde schlang ihre beiden gefalteten Hände um die Knie, zusammengesunken saß sie da. „Was das Traurigste dabei ist, ich kann Ihnen mit allem guten Willen nur wenig helfen. Und ich möchte so gern." „Sie verkennen die Sachlage, Fräulein Hilde, weil Sie die Persönlichkeiten nicht begreifen würden, um die es sich handelt. Herr wie Fräulein Erder pflegen nicht viel Federlesen zu machen, mithin existiren Gram, Kummer und Gedankenpein kaum für sie. Sonst hätten Beide uns wohl allerseits erspart, was nun nicht mehr zu ändern ist. Sie brauchen eben nicht mit zu leiden." „Aber — das ist ja schrecklich." „Wieso?" fragte er. „Sieht die Familie nicht, daß Sie leiden?" „Nein, davon verstehen sie nichts,- in ihrer Gegenwart leidet man auch nicht, da ist man vergnügt, fidel, nichts weiter." Ein tief nachdenklicher Ausdruck breitete sich über des Mädchens Gesicht, ihre kluge Stirn schien plötzlich über die weibliche Anmuth zu triumphiren. „Das verstehe ich nicht. Trotzdem Sie, Herr Wulffen, jenen Beiden keinen tiefen Kummer verursacht hätten, wenn Sie sich weigerten, uns aufzusuchen, unternahmen Sie das dennoch?" „Ich fühle mich zu sehr gebunden, um nicht eine Bedingung zu erfüllen," antwortete Heinrich stockend. „Oh, um Ihrer Kunst willen, die Sie mit den Künstlern verbindet, helfen Sie? Nun verstehe ich." Wie erlöst athmete sie auf, und dann erhob sie sich. „Ich muß nun gehen, der Kaffee wird pünktlich getrunken." Indem sie das Haus betraten, kam Tauchlitz die Treppe von seinem Schlafzimmer herunter. Er sah mir sich zufrieden aus,- nicht im gemeinen Sinne eines guten Handstreichs, sondern im besseren einer wohlüberdachten That. Seine freie, schöne Stirn war klar, die großen, tiefblauen Augen ruhig,- um den schmallippigen Mund spielte ein Lächeln. Zur Mittagszeit begab man sich zu Hollmanns, Hilde, diesmal in schwarzer Seide mit einer kostbaren Spitze am Halsausschnitt, sah fremdartig aus- der würdige Anzug bildete einen Gegensatz zu seiner zarten Trägerin,deren Gesichtsausdruck Wulffen heute quälte. Irmgard hatte bereits Gäste. Ihre Veranstaltungen standen stets im schreienden Gegensatz zu Hilde und zu ihrem harmonisch abgeschlossenen, allein innerlich belebten Wesen. Doch so wie heute hatte Wulffen dieses Uebel noch nicht empfunden. Eine gräßliche Zerrissenheit empfand er unter den nichtigen Eindrücken der paar Stunden, die an Disharmonie ihres Gleichen suchten. Arme Hilde! Endlich gab Tauchlitz das Zeichen zum Aufbruch. Er schien verstimmt zu sein, fertigte er doch sogar Wiedebach kurz ab, indem er mit Hilde und Wulffen eilig ging. „Wir machen noch einen Spaziergang, Hilde. DaS üppige Essen verursacht mir Kopfweh." Die Beiden waren es zufrieden und obwohl das sonntäglich zahlreiche Publikum auf Weg und Steg eigentlich störend sein mußte, kam Tauchlitz heiterer zu Hause an, als man vermuthet harte. Während er sich auf seinem Zimmer bequemer anzog, blieben Hilde und Heinrich noch draußen. „Nun endlich komme ich dazu, von Ihren Werken zu sprechen, Fräulein Hilde. Bet solchem Innenleben kann man sich freilich an äußerster Einsamkeit genügen lassen." Hilde streifte sein Gestcht flüchtig und scheu mit ihrem Blick. Wollte er ihr einen Vorwurf machen? „In den Arbeiten liegt doch nur das enge kleine Leben meiner Gedanken, sie ind deren Niederschlag, weiter nichts- das wirkliche Leben, eine Bestimmung in ihm würde viel mehr sein. Sie haben sie." 451 । junge Leben hinrafft, welche bei einiger Aufmerksamkeit er- halten geblieben wären. Irgend eine Ernährungsstörung, eine Unverdaulichkeit, welche in anderen Jahreszeiten ohne ernstliche Folgen bleibt, kann in der heißen Jahreszeit ver- hangmßvoll werden, in welcher die meisten unserer Nahrungsmittel nur zu leicht der Nährboden der schädlichsten Mikroorganismen werden. Die Ursache der Erkrankung ist in den meisten Fällen, außer in dem Genüsse chlecht gereinigten Obstes, in dem Verderben des am weitesten verbreiteten Kmdernährmittels, der Milch, zu suchen, welche unter dem Einflüsse von Milliarden von Bacterien überaus schnell in Zersetzung übergeht. Gelangen diese Krankheitserreger in den um diese Zeit besonders empfindlichen Darm des Kindes, so entwickelt sich meistens im Verlauf weniger Stunden das schwerste Krankheitsbild. Unter Fiebererscheinungen treten Erbrechen und zahlreiche, wässerige Stuhlentleerungen ein, welche die Kräfte des Kindes zusehendes schwächen. Im weiteren Verlaufe tritt unter heftigem Kopfschmerz vom Darme aus eine Art Selbstvergiftung oder — wie der technische Ausdruck lautet — Autointoxikation ein, indem die giftigen Stoffwechsel Producte der Bacterien in den Blut- und Lymphstrom übertreten und von dort nach allen Theilen des Körpers, namentlich aber nach dem Gehirn und Rückenmark, verschleppt loerden. Die Wirkung des Bacteriengiftes auf diese wichtigen Lebenscentren äußert sich in einer auffälligen Lähmung der Energie. Das Khnd wird schläfrig und theilnamslos und reagirt kaum mehr auf laute Anrufe - die Kräfte sinken rapid- der Körper verfällt und wird mager, heftige Krämpfe , treten auf, und im Zustande tiefster Erschöpfung verscheidet das noch vor ein, zwei Tagen gänzlich munter gewesene Kind zum Entsetzen der Eltern, welche nicht fassen können, daß aus dem anfänglich kaum beobachteten Unwohlsein so schnell furchtbarer Ernst geworden ist. Aus der leichtverständlichen Natur des Krankheitspro- cesses ergiebt sich sehr einfach die einzig richtige Behandlungsweise, welche gerade hier, wo der Gewinn von Stunden kostbar ist — und entscheidend werden kann, möglichst früh, zeitig zu beginnen hat und dort, wo ärztliche Hilfe nicht sofort zur Stelle ist, also namentlich in kleineren Sommerfrischen, auch von Laien sofort in Angriff genommen werden muß. Man reiche dem Kinde, wenn es nach Nahrung verlangt, nur noch einen dünnen Haferschleim, zu welchem man in zweckmäßiger Weise eine ziemliche Dosis Cognac oder anderen reinen Alkohol thuen kann, oder concentrirte Fleischbrühe- auch guter Rothwein ist nicht zu verschmähen. Die häufigen Diarrhoeen, mit denen jedenfalls ein bedeutender Theil der giftigen Spaltpilze den Körper verläßt, suche man zuerst nicht zu stillen, keinesfalls aber mit den in vielen Hausapolheken vorhandenen Opiumtropfen, welche auch in der Hand des Arztes ein recht zweischneidiges Heilmittel sind. Wenn aber die Entkräftung durch die Diarrhoeen hochgradig wird, so bediene man sich zur dann erforderlichen Bekämpfung derselben lieber jener neuen ausgezeichneten Wismuthfnäparate, unter denen das Orphol einen wohlverdienten Ruf hat und welche auf den Darminhalt antiseptisch einwirken. Die in vorgerückten Stadien üblichen Medicamente dagegen, wie Einreibungen mit Senfspiritus, Kampher- und Aetherinjectionen u. s. w., sind Verzweiflungsmittel, welche wohl nur in seltenen Fällen einen wirklichen Heilerfolg haben. Leichter als „heilen" ist „der Krankheit von vornherein vorbeugen". Man setz- die Kinder nicht unnöthig der Hitze der heiß-sten Mittagsstunden aus und überwache namentlich auf das Sorfälvgste die Beschaffenheit der im Haushalt verwendeten Milch, welche man bei den leisesten Anzeichen von Verderbniß am besten ganz wegschüttet, da eine säuerlich gewordene Milch auch durch Kochen nicht mehr zu retten ist. Die abgekochte Milch bewahre man gut zugedeckt an einem möglichst kühlen Orte, womöglich im Eisschranke auf, bei mit Kuhmilch aufgezogenen Säuglingen reinige man die Saugpfropfen auf das Peinlichste nach jedesmaligem Ge- ?// wÄ"a6ett $CrUf ~ R" Kunst und Ihr überwältigt von seiner sich steigernden Leiden- Ichaft, konnte die maßvolle Art des Mädchens nicht beqreifen- er nahm sie für Abwehr. ^greifen, /,Ein marmorkühles Wort - Beruf - aber Sie haben D°ch sprechen wir nicht von mir- in Ihrer großen Begabung liegt doch auch Beruf- sicher haben Sie schon daran gedacht, zu glänzen und berühmt zu werden." Er sprach scharf und spöttisch. (Fortsetzung folgt.) Sommergefahren für unsere Lieblinge. Von Dr. med. C. Rudolph. (Nachdruck verboten.) Un^d^tige Tausende von Familien begeben sich alljährlich zur Sommerszeit mit ihren Kindern auf das Land, um diesen dort die Wohlthaten von Licht und Luft in erhöhterem zu Theil werden zu lassen, als dies in der Stadt möglich ist. Leider stellen sich die Vortheile, welche von der Unqe- bundenheit der Ferienzeit für die Gesundheit des kindlichen Organismus erhofft werden, in vielen Fällen nicht ein- ja oftmals findet das gerade Gegentheil statt, und die Kinder neigen mehr zu Erkrankungen, als in jeder anderen Jahres- |e,t- Di- Bevölkerungsstatistik beweist unwiderleglich, daß ic Sterblichkeit der Kinder, vom Säuglingsalter angefangen, ”1$ aU bcr Neife geradezu blitzartig in die Höhe fchnellt, sobald das andauernde warme Sommerwetter eintritt, und diese betrübende Thatsache darf eigentlich Niemanden Wunder nehmen, denn die Sommerszeit bringt viele Ge- fahren für die Kinderwelt mit sich, welche in den übrigen Abschnitten des Jahres entweder gar nicht oder nicht in so hohem Maße bestehen. Vor Allem sind es die besonderen Verhältnisse der Luft, des Wassers und der Nahrung unter dem Einflüsse der hohen Sommertemperatur, welche die Neigung zu Erkrankungen, die F auch unter Erwachsenen um diese Zeit viel häufiger als fonst sind, gerade bei den Kindern außerordentlich erhöhen. Der zarte jugendliche Körper ist schon gegen einfache Ueberhitzung sehr empfindlich und besonders das äußerst erregbare Nervensystem des Kindes antwortet auf ungewöhnliche Erhitzung oder directe Bestrahlung des Kopfes sofort mit Fieber. Das Auftreten des letzteren hat aber immer etwas Bedenkliches und sollte alle Eltern zur Vorsicht mahnen, weil es sich von vornherein nie entscheiden läßt, ob dasselbe nur eine vorübergehende, bedeutungslose Erscheinung oder der Vorbote schwerer Erkrankungen ist, welche sich durchweg mit Fiebererscheinungen ankündigen. Es ist darum sehr nothwendig, die Kinder mit breitrandigen, den Kopf vor der directen Einwirkung der Sonne schützenden Strohhüten zu versehen, wenn man nicht erleben will, daß die Kleinen nach mehrstündigem Herumspielen in einem Zustande nervöser Erregung nach Hause kommen, der nichts Gutes verheißt. Gegen diese einfache Gesundheitsregel wird namentlich in den Badeanstalten häufig gesündigt, in welchen die männliche Jugend es liebt, sich ohne Kopfbedeckung manchmal stundenlang vor und nach dem Bade im brennenden Sonnenlichte herumzutummeln. Unnöthig, ja gerade verweichlichend hingegen ist es, wenn gar zu vorsorgliche Eltern auch jedes andere Körperfleckchen der Kinder vor Licht und Sonne unter Handschuhen und Kleidern verstecken. Der übliche Matrosen anzug, welcher den oberen Theil der Brust, die Arme und die Waden freiläßt, ist vom hygienischen Standpunkte nur zu billigen. Der größte Feind aber ist die Sommerdiarrhoe, oder wie man sie auch nannte, Kindercholera oder Brechdurchfall, ^welche jahraus jahrein nach kurzer Krankheitsdauer zahlreiche 452 — üchen Bevölkerung, deren Füße durch härtere Haut besser gegen Verletzungen geschützt sind als diejenigen des Städters, und welche vielleicht auch in gewissim Grade durch die stete Berührung mit Erde imunisirt sind, kommt alljährlich eine nicht unbedeutende Anzahl Starrkrampffälle vor, welche nahezu immer tödtlich verlaufen. Der Städter aber inklinirt augenscheinlich mehr für die Jnfcction, und man thut gut daran, jede derartige Wunde gehörig zu desinficiren. Zum Glück hat der Erfinder des Diphterieserums, Professor Behring, auch ein höchst wirksames Heilserum gegen den Starrkrampf dagestellt, welches, zur rechten Zeit angewendet, selten den Dienst versagt. Der vorstehend geschilderten schweren Gefahren, deren sich noch viele kleinere anreihen ließen, sind, wie man sieht, nicht gerade wenige. Sie lassen sich aber bei gutem Willen alle vermeiden und auch, wenn sie bereits im Anrücken begriffen sind, siegreich abwehren. Ruhiges Nachdenken und sodann thaikräftiges zielbewußtes Eingreifen werden auch bei Abwesenheit ärztlicher Hilfe Erfolg haben, wo Indolenz und Fatalismus oder Kopflosigkeit nur zu häufig Unglücksfälle herbeiführen. brauche, und auch bei größeren Kindern gehe man, wenn man aufs Land zieht, nicht zu unvermittelt zu den dort der Natur der Sache nach in reichlicherem Maße genossenen ungekochten Pflanzlichen Nahrungsmitteln über. Das Stadtkind, welches durch Feld und Wald streift, findet dort eine Menge Kräuter und Beeren, welche durch ihren Prächtigen Anblick zum Genüsse einladen und doch unter der täuschenden Hülle häufig furchtbare Gifte bergen. Die Samenkapseln der Kartoffeln, die Einbeere, die Tollkirsche sind nur einige Beispiele der zahlreichen Giftkräuter, welche auch in unserem gemäßigten Klima fast allenthalben vorkommen. Mau verbiete daher den Kindern auf das Unnachsichtlichste den Genuß unbekannter Beeren und das In- den- Mund-nehmen von Pflanzen. Ist aber doch einmal das Unglück geschehen, so säume man nicht mit der Verabreichung starker Brech- und Abführmittel, welche, zur rechten Zeit angewandt, meistens jeder Gefahr die Spitze abbrechen. Zu dem Gifte in der Pflanzenwelt gesellt sich als weitere Gefahr für unsere sorglos umherspielnden Kinder das Gift in der Thierwelt. Besonders empfindliche Kinder können sich schon durch Mücken- und Wespenstiche eine schwere Entzündung großer Hautparthieen zuziehen. Vor Allem vergesse man aber nicht, daß eine gefährliche Gifr-chlange, die Kreuzotter, in vielen Theilen der deutschen Mitrelgebirge wie des Flachlandes durchaus nicht selten ist. Den Behauptungen der Ortsbewohner, daß die Gegend chlangenrein sei, ist, da dieselben meist vom Egoismus dictirt sinitz kein Glauben zu schenken. Man warne daher die Kinder auf das Eindringlichste, irgend ein Reptil anzugreifen, zumal da elbst der Erwachsene trotz aller Populärwissenschaftlichen Beschreibungen bei der Schnelligkeit, mit der solche Ereignisse sich abspielcn, fast nie in der Lage sein wird, zu erkennen, ob er eine giftige oder unschädliche Schlange vor sich hat. Einen etwa doch erlittenen Schlangenbiß behandle man, auch wenn er sicher von einer ungiftigen Schlange zugesügt wurde, auf das Sorgsamste, weil die Wunde leicht beim Biß mit Schmutz inficirt worden sein kann und weil der Speichel eines jeden Thieres in gewissem Grade giftig wirkt, wenn er in die Blutbahnen des Menschen gelangt. Man reinige die Wunde sorgsam mit Carbol oder Sublimat, zum Mindesten aber mit reinem Wasser, unterbinde den verletzten Arm oder das Bein oberhalb der Bißstelle und an der nächsten Gelenkbeuge mit einer festen Schnur oder Darmseite, welche man ohne Rücksicht auf den augenblicklichen Schmerz fest anziehen muß, um das Weitergreifen des Giftes zu verhindern, er« wertere die Wunde nöthigenfalls mit einem scharfen Taschenmesser, damit dieselbe tüchtig ausblutet (das Aussaugen mit dem Munde ist hochgefährlich) und trage schließlich kein Bedenken^ dem Kmde in diesem Ausnahmefalle eine solche Quantität starken Wein oder Cognac einzuflößen, die bis zur Berauschung führt, da Alkohol in großen Mengen trotz \ , genauen For chungen der letzten Jahre noch immer das ! ernztge wirksame Gegengift gegen Schlangenbiß ist. Eine nicht gerade häufige, aber immerhin nicht ganz außer Acht zu lassende Gefahr droht unseren Stadtkindern, wenn sie mit ihren zarten Füßen barfuß umherlaufen und sich durch Glasscherben oder andere scharfe Gegenstände verletzen, durch ^nfection mit Starrkrampfbacterieu. Dieser furchtbare Bacillus, unter dessen vergiftender Wirkung der Mensch an den entsetzlichsten Krämpfen zu Grunde geht, gedeiht merkwürdiger Weise massenhaft in jeder Gartenerde und eine Maus oder ein Meerschweinchen, dem man auch nur ein winziges Theilchen solcher Erde unter die Haut bringt, ist m kurzer Frist dem Tode unter den Erscheinungen des echten Starrkrampfes verfallen. Der Mensch besitzt nun glücklicher Weise die Disposition zu dieser Krankheit nicht in dem Um- 1 fange wie die genannten Thiere, welche heutzutage massenhaft in allen bacteriologischen Instituten Kliniken u. s. w. als 1 Versuchsobjecte gebraucht werden- aber auch unter der länd- 5 GenreinnLstzig-s. "Wohin reisen wir?" - Das ist die Frage, die gegenwärtig in so manchem Familienrath erörtert wird. Ist sie entschieden worden, 'o folgt die Erwägung: „Was nehmen wir m,t auf die Reise?" - Wer die Parole wählt: „Leicht Gepäck , der vergesse nicht, statt umfangreicher Eßwaaren- Pakete ein Töpfchen Liebigs Fleisch-Extract mitzunehmen. Hiervon eine Messerspitze voll auf etwas Brot gestrichen, gereicht zur besten Erfrischung während der Fahrt. Namentlich den Alpen-Touristen darfdiesessehrstärkendund belebend wirkende Mittel genannt werden. Es bestätigen dies zahlreiche, den Aipensport behandelnde Werke, die diese Art der Verwendung besonders als Hülfe bei plötzlich eintretender Erschöpfung empfehlen. r ö * * • «chwarzbeizen von Holz. Eine vorzügliche schwarze Beize für Holz ist die Godefroh'sche. Die fertigen Holzstücke werden 6et derselben zunächst mit einer Lösung von chlorsaurem Anilin in Wasser, dem ein wenig Kupferchlorid zuaesetzt wird, und hierauf nach dem Trocknen mit einer Lösung von boppelchromsaurcm Kali in Wasser mittelst eines Pinsels oder Schwammes überstrichen und dadurch gebeizt. Durch zwei-, höchstens dreimaliges Wiederholen dieser Operation erhält oas betreffende Holz eine sehr schöne, durchaus reine, schwarze Farbe. 0 Citevavifches. süßes kleines Baby!" rief jüngst eine vornehme Dame auf offener Straße voller Entzücken, als sie durch ein Buchhändlerschau- fenjet d,e neueste Nummer der „Jllustrirtcn Wäsche-Zeitung , von John Henry Schwerin, Berlin, erblickte. Sie bemerkte dann gefallen auf derselben Titelseite die Illustration eines eleganten Baby-Sowmerwagens mit SchuHschirm, ging hinein und abonnirte. Das ist auch das Beste, was man thun kann bei einem nnh ftÄ, so außerordentlich Hübsches »nN ? Ä bietet. Natürlich war das Baby nicht lebendig und gleich zum M-tnehmen, sondern nur die Illustration zu einem ganz reizenden Baby-Hut und zu einem Jäckchen mit langer DoppelpVlerwe. leder Nummer beiliegende, anerkannt vorzügliche und mustergültige ^^'"bogen ermöglicht die Selbstanfertigung aller Sachen. Eine be- Ä ^b ^rmgt Kloppelarbelten und einen ausführlichen Wäsche- o richt- Auch Gegenstände für Herren sind in der „Jllustrirten 3Bäf±e« ^selbe ist für 60 Pfennig vierteljährlich von unb Postanstalten zu beziehen. Gratis-Probe- Be7l,n V 35^ Ctf ben Verlag John Henry Schwerin, Redaetion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- unb”@teinbrndetei_(^ie7f^^ @c6en) hl (5ie6tn.