Dienstag den 24. Mau fä* nta« I WM kuy,; W;ySi. WK AW1 ist die klarste Kritik von der SBelt, rw Wenn neben das, :va§ ihm mißfällt, Einer was Eignes, Besseres stellt. Geabel. Das Fräulein. Roman von E. Ve ly. (Fortsetzung.) Auf dem Tische, welchen ein roth und blau gewürfeltes Tuch bedeckte, standen verschiedene Präsentirbretter, wie sie eben aus den Festräumen heruntergekommen waren, Reste von Eis und Kuchen, Früchte und Brödchen, Gläser und Flaschen, und in diesem Augenblick hatte sich fast die ganze Küchengesellschaft um denselben versammelt und ihr beifälliges Gelächter klang zur Decke des getäfelten Raumes empor. Die Köchin saß in einem Armstuhl — heute, wo die Garköche ihr Reich inne hatten, kam sie sich entthront vor, sie warf selten einen Blick über sie hin — Handlangerdienste konnten die beiden Küchenmädchen thun. Sie hatte die Füße weit von sich gestreckt, die bloßen Arme in die weiße Schürze gewickelt und behauptete eben mit Gönnermiene nach dem Groom hin, es wäre doch nicht viel mehr heute gewesen, wie Massenabfütterung. „Walther irrt im Buchenhaine, Sieht das Licht und folgt dem Scheine", sang die Fischern, Rührung in den Ton legend. Sie mußte sich von Zeit zu Zeit auf die neuen Strophen besinnen. „Sehr schön altmodisch!" sagte die Jungfer. Walther trat eben ein, um sich hier einen Augenblick „zu verschnaufen." „Ich bin mehr für das Junge," meinte er und kniff der Zofe in die Wange. Sie gab ihm einen Klaps und lächelte. „Heute muß man wirklich Nachsicht mit Ihnen haben — Sie müssen überall und nirgends sein, Herr Walther!" Was haben Sie denn noch Gutes?" Er wies auf winzige Brödchen: „Mit Austern und Caviar, Fräulein Rose — nehmen Sie die, Sie verstehen das! Für die Anderen wär's — Caviar fürs Volk!" „Sie sind immer aufmerksam, Herr Walther!" „Na,.darauf wollen wir nicht schwören. Wenn's mir darauf ! ankommt, all right. Aber mit heute bin ich zufrieden. Gutes Menu, schnelles Serviren, gute Haltung der Gäste — bei Prinzens nicht vollendeter, wo ich früher conditionirte." „Ah —" machte man in der Runde, nur die Köchin zog die Lippen. „Das Vornehmste sind kleine Diners, neun bis zwölf Personen." Die bewältigte sie allein. „In meiner Bibliothek steht es auch." Ein alter Junggeselle, bei dem sie die '„hohe Schule" durchgemacht, wie sie stets voll Stolz sagte, denn er war in der Börsenwelt bekannt, als Feinschmecker und Tafelfreund, hatte ihr alle guten Kochbücher geschenkt. „Ach, dies Gestampfe!" rief die Jungfer, „sie können auch mit dem Tanzen nicht genug kriegen." Und sie bewegte sich nach dem Tacte. — //Ja, wie das nun so ist!" meinte Walther, mit dem Daumen nach oben weisend,- „ich bin mal in meinen frühesten Zähren in einer Familie gewesen, da tanzten sie unten und oben starb 'ne alte Tante. Der Tod saß ihr schon auf der Nase aber die Kosten hatten sie sich nun einmal gemacht, — wie konnten sie da die Einladungen abbestellen. Na, so schlimm wird es ja nun nicht bei uns kommen?" „Was?" fragte die Fischerin, mit dem Finger dem Lachsbrod nachhelfend, das sie aus Bequemlichkeit auf einmal in den Mund geschoben hatte. „Zu der Kleinen habe ich den Doctor vom Tische holen müffen, den alten Rath natürlich nicht, der hätte es mir ja nie vergeben, den jungen, der seit einiger Zeit kommt." , _ //Unser Hennychen?" fragte die Kinderfrau, „und da läßt man die alte Fischern hier so ruhig sitzen? — da soll denn doch!" sie erhob sich schwerfällig. „St!" fiel Walther ein und beförderte sie wieder auf lhren Platz. „In einem noblen Hause muß das Dach brennen können und im ersten Stock darf der Ball nicht gestört werden. Das fehlte uns noch! Sie bleiben ganz still hier. Fräulein Marianne, ich mache Sie verantwortlich — was wird denn auch so Großes sein! Ein Bischen Husten — um den sich „das Fräulein" interessant machen will!" „Oder — dem hübschen Herrn Doctor zu gefallen!" sagte die Jungfer. „Die hat Menschenkenntniß!" lachte der Diener und sie nahm das Compliment lächelnd hin, stützte auf's Neue die Ellbogen auf, schenkte der Fischern das Glas voll und fragte: „Kinder, ist das Leben nicht doch zuweilen schön? „Fischern, wissen Sie darauf kein Lied?" „Ne — und ich sollte doch eigentlich —" Sie kam nicht zu Ende mit dem «atz, ein dumpfes 314 Rollen begann, die Wagen der Gäste kamen an, und Droschken fuhren auf gut Glück vor dem erleuchteten Hause vor. „Nu gehn die Ersten!" sagte Walther, „die Pflicht ruft!" Die Kammerjungfer und der Groom flogen empor, die Hausmädchen folgten und nur die alte Fischern und die Köchin blieben zurück. „Ein Lied kannte ich," sagte die Alte, „das war zu schön, es war von der Schäferin Sudle — aber, ich bringe es nicht mehr zusammen." —-- Langsam schlichen die Stunden in dem Krankenzimmer- von Zeit zu Zeit fragte Henny, aus dem Schlafe emporfahrend: „Kommt Mama nicht?" „Sie muß bei den fremden Leuten bleiben, mein Liebling!" Bruno Hallsberg dachte, daß die Characteristik Ebbas in jenen zwei Sätzen läge. Er wußte, daß er nie wieder den Zauber empfinden könne, dem er sonst in ihrer Gegenwart unterlegen war. Den fremden Leuten galt Ebbas Interesse — sie suchte Pflichten und Lebensausfüllung draußen und hätte sie so nah, so leicht und köstlich gehabt bei ihren Kindern. Auch hier oben vernahm man das Rollen der Wagen, nun ging das Fest zu Ende. Herr Johann Conrad lehnte in seinem Coupo; er sah auf den leeren Platz an seiner Seite. „Den hätte „sie" gerade ausgefüllt mit ihrer schlanken Gestalt — schade, schade! Er fchleuderte den baumelnden Quast neben dem Fenster zur Seite — dummer Tand! Aber davor, daß er sich nicht zum Narren gemacht vor sich selber und zum Gespött der Leute, davor hatte ihn doch die Klugheit und Erfahrung seines Sohnes bewahrt. Sie hatte doch wohl Recht, in sein Haus gehörte eine Dame mit grauen Locken und gerader Haltung — um zu repräsentiren. „Teufel auch," brummte Wiesenau, als er auf eine Droschke zweiter Klasse zuschritt, „mir wärs auch lieber, ich hätte das, was der Zauber heute gekostet hat, in meiner Tasche. Morgen werde ich mit einem Katzenjammer aufwachen. Von dem verflucht guten Wein trinkt man regelmäßig zu viel." ! Eine Commerzienräthin konnte es Jfaum erwarten, daß hinter ihrem einsteigenden Gemahl der Schlag zufiel. „Wenn Du mir nicht zwei Reihen Perlen mehr kaufst, geh' ich nicht wieder in das Haus, dann kannst Du machen, was Du willst." Die letzte Schleppe verschwand unten in der Hausthür unter einem Plüsch-Abendmantel, und der letzte militärische Schritt verklang auf den Marmorstufen — da trat Ebba in die Thüre ihres Schlafzimmers. Mochten sie jetzt die Fenster öffnen, die Gläser wegräumen, die Blumenreste zur Seite fegen — sie haßte nichts so sehr, als unordentliche Festgemächer, die eben von den Gästen verlassen sind. Noch erregt, noch schön aussehend, ging sie an den Spiegel. — Hatte es vorgehalten bis zu Ende? — Ja, auch heute! Sie durfte zufrieden sein. Dann ein leises Gähnen. — Morgen würde man überall davon sprechen, wie schön es einmal wieder bei Lunds gewesen war — dann hatte ihr Gatte seine Genugthuung, und sie? — Nun, sie wußte es wohl, so wie sie dastand, in dem weißen, einfachen Gewände, mit der kindlichen Frisur, den schimmernden Perlen um den Hals, ging sie durch die Gedanken des Mannes, der für „sie allein" auf der Welt war. Dann drückte sie auf die Klingel. Wo blieb Marianne? — gellend klang es durchs Haus, in dem alle Thüren offen standen. — Da kam ihr ein schwerer Seufzer entgegen, und die Gestalt der Fischern wälzte sich auf sie zu. „Ebbachen, ich will nun absolut nicht, daß es noch länger verheimlicht wird. Unser Kind, unser Hennhchen ist krank, und der Doetor hat die ganze Nacht oben gesessen, — und keinen Andern hat die unverschämte Person rein- gelassen! Gerade eben erst hat Walther den Mund auf« gethan." „Doetor Hallsberg?" „So mag er ja wohl heißen!" Ebba faßte nach dem weißen Spitzenshawl und schlug ihn um die Schultern. „Hm, ja, es zieht jetzt natürlich überall," sagte die Fichschern, die Lehne eines Stuhles fassend. „Und nicht hereingelafsen, und mit dem Arzt blos — und das, ja — da sagten sie unten nämlich — und die ersten Rechte hatte ich doch dazu —!" Thränen rannen über die runzeligen Backen- die Fischern mußte immer weinen, wenn sie reichlich Wein getrunken hatte. Frau Ebba eilte an ihr vorbei, die Treppe empor. Doetor Hallsberg beugte sich wieder einmal über das Kind, das Rollen da draußen störte den Schlaf nicht mehr, die Fieberhitze hatte nachgelafsen, die Athemziige waren regelmäßig — dann richtete er sich langsam auf und machte einen Schritt auf die am Fußende Sitzende zu. „Außer Gefahr!" Line hob wie dankend die Hände, und dann stürzte sie auf ihn zu. Das arme bleiche Ding, das sie lieb hatte, das erklärte er außer Gefahr, und er war's doch gewesen, der sie abgewendet hatte, er, deffen Erscheinen das letzte Lächeln auf die erschlafften Züge ihres Vaters hervorgerufen — in diesem Augenblicke war Alles nur Freude, Vergessenheit ihrer selbst. „Außer Gefahr," murmelte sie, einen Freudenschein auf den überwachten Zügen, und sie nahm seine beiden Hände und preßte sie fest: „Gerettet durch Sie!" und dann schien ihr das plötzlich noch nicht Dankesbezeugnng genug für das kleine, schwache Leben da, das er erhalten — mit einer rafdjejt Bewegung zog sie seine Rechte an ihre Lippen. „Was thun Sie da!" murmelte er überwältigt, erregt — Nun erst kam sie zu sich, begriff sie, wie sie sich hatte hinreißen lassen — ein unarticulirter Laut drang aus ihrem Munde, sie blickte um sich, als müsse sie nach einer Stütze suchen — „Jacqueline'" Eine lodernde Gluth flammte in seinem Antlitz auf, er riß sie an sich und küßte sie. Nicht mehr Ebbas weißer Hals war's, der ihm gefährlich wurde, es waren Linens rothe, stolze Lippen, nach denen er einen heißen Durst verspürte — und noch einmal küßte er sie und wiederholte ihren Namen: „Jacqueline!" Wehr- und willenlos lag sie an seiner Brust, die Augen geschlossen, seine Küsse duldend, erwidernd, ihr Ohr trank den Wohllaut feiner Stimme, die süße Worte flüsterte — da schlug eins an ihr Ohr: „Nun doch — doch, Jacqueline, wie es kommen sollte, mußte." „Ah!" Mit aller Wucht riß sie sich los und wich zurück, todtenbleich lehnte sie an der Wand, die Hände herabgesunken, und starrte ihn mit den großen Augen an, als sollte ihn das lodernde Feuer derselben verbrennen. „Warum haben Sie mir das gethan — das!" stieß sie hervor. „Jacqueline! —" Wenn es ihn und sie zugleich übermannnt hatte, das übermächtige Gefühl, warum jetzt nicht ein Beugen unter dasselbe, ein Eingestehen? — Er begriff sie nicht. Es gelang ihm, ihre kalte Hand zu fassen — so viel sie sich auch sträuben mochte, er hielt sie fest: „Jacqueline!" bat er. „Ah —" langgezogen und zischend kam es zu den Beiden herüber. Frau Ebba Lund stand auf der Schwelle, und hinter ihr keuchte die Fischern heran. Er ließ die Hand sinken und trat auf Ebba zu. „Gnädige Frau!" Sie hatte eine so völlig unbefangene Haltung, daß er sich fragte, ob es wirklich möglich sei, daß sie nichts gesehen.-- „Man sagt mir soeben —" 315 „Die Gefahr ist vorüber, gnädige Frau!" Sie sank auf den Stuhl neben dem Bett der Kleinen und streckte ihm die Hand hin. „Das ist Ihnen zu danken!" „Vielleicht dem Umstande, daß man mich zu rechter Zeit rief," wehrte er ab. Dann gab er ihr kurze, sachliche Erklärungen — „das Fräulein weiß Alles," setzte er leise hinzu. „Ich werde nun gehen, und auch Sie, gnädige Frau, können sich beruhigt niederlegen!" Sie nickte. „Es war ein anstrengender Abend — aber ich danke, man ging befriedigt." Es schien, als fröstelte sie unter der leichten Hülle. „Auf Wiedersehen!" sagte sie dem Arzte. Er verbeugte sich vor Line, die nur ein automatenhaftes Nicken hatte. Einige Secunden wartete Ebba, als wollte sie die Schritte draußen erst verklingen lassen, dann wandte sie den Kopf nach Line Arabin hinüber: „Warum rief man die Fischern nicht, wenn ich — entbehrlich war? Ich meine, Sie griffen doch wohl ein wenig über Ihre Befugniß hinaus?" „Gnädige Frau!" Sie hatte bis jetzt an der Fensternische gelehnt, als sei sie ein theilnahmloser Zuschauer für die Vorgänge hier in dem Raume. „Ich glaubte — meine Pflicht zu thun!" Ein lachender Ton, als habe die schöne Frau ganz vergessen, daß sie an dem Bette des kranken Kindes gesessen. „Pflicht? Sie Heuchlerin! Ihre Pflicht wäre es gewesen, mich hier auf meinen Platz zu holen — wissen Sie das nicht?" Sie hatte plötzlich daran denken müssen, daß in der Zeit, in welcher sie sich nach Tanzmelodien gewiegt und fade Gespräche angehört hatte, Line Arabin Bruno Hallsberg gegenüber gesessen. — Sie fühlte zum ersten Male in ihrem Leben eine eifersüchtige Regung- das Blut schoß ihr wild zum Herzen, pochte hämmernd in den Schläfen. — Was hätte sich Alles denken, rede» und flüstern lassen in diesem matten Licht, das da von der rothen Ampel ausströmte. — „Meinen Platz," wiederholte sie mit einem scharfen Laut und stand dicht vor Line und blickte sie höhnisch an. Sie sah gut aus, trotz des schlichten schwarzen Kleides, und Bruno Hallsberg hatte das natürlich auch gefunden, finden müssen — „Schändlich!" sagte sie, „unerhört! Die Krankheit meines Kindes vorzuschützen, um ein kokettes Spiel mit einem Manne zu treiben, der Gast des Hauses ist." „Frau Lund!" Ueber Ebbas Körper ging ein Zittern. Sie — eifersüchtig auf dies hergelaufene Wesen, das sie jeden Augenblick in das Nichts zurückschicken konnte, aus dem es aufgetaucht war? Eifersüchtig? Wie reizvoll hatte ihr ihr eigenes Bild vorhin aus dem Spiegel entgegengeblickt. Nein, eine Rivalität konnte es ja nicht geben! Aber sie hatte doch zu sehen geglaubt, daß der Doctor bei ihrem Eintritt Line Arabins Hand gehalten — und das war anders, als eine Verabschiedung gewesen. Und sie war doch eifersüchtig —ja! ja! und sie wollte ihre Rache. Ihm zeigen, daß sie die Tändelei gesehen? — Nein, dazu war sie zu sehr große Dame, die im Vorgehen nicht bemerkt, was der Spiegel zurückwirft: daß man ein Kammerkätzchen hinter ihrem Rücken streichelt — Aber sie, die es gewagt, sich nur einen Augenblick aufdringlich in seine Gedanken zu schleichen, die sie betrogen um die stillen Stunden hier oben, für welche sie all den huldigenden Lärm dort unten hingegeben haben würde — wie ein kräftiges Haßgefühl überkam es sie. Und das hatte sie auch nicht gekannt — ganz durchglüht, erregt, kampfes- muthig war sie. Und dann fiel ihr Plötzlich ein, daß dieses Mädchen ja neulich schon den Namen Brunos genannt. Den Kopf zurückwerfend sagte sie: „Sie — sind dem Doctor Hallsberg hier nicht zum ersten Mal begegnet?" (Fortsetzung folgt.) Einfache Schlafmittel. Der Schlaf, eine der merkwürdigsten Erscheinungen im Dasein lebender Geschöpfe, ist für den Organismus des Menschen fast so wichtig wie die Ernährung. Und wenn dabei vor Allem die Dauer des nöthigen Schlafes in Frage kommt, so stellt sich heraus, daß Säuglinge gegen 20 Stunden schlafen sollen, während ein Kind bis zum 7. Jahre 10 Stunden, bis zum 10. Jahre 9*/2 Stunden, bis zum 13. Jahre 8% Stunden nöthig hat, während für Erwachsene der Schlaf von 7 Stunden genügt. Wird der Mensch schläfrig, dann fängt er zu gähnen an. Das Gähnen ist aber nichts anderes, als tiefe Ein- athmung, bei welchem in verstärktem Maße dem Körper der Sauerstoff aus der Luft zugeführt wird. Um gut einschlafen zu können, wird anempfohlen, eine Zeit lang tief Athem zu schöpfen. Ein seltsames Schlafmittel giebt ein englischer Arzt, Dr. Salisbury, an. Er räth an, beim Niederliegen die rechte Hand auf die Stirn und die linke Hand hinter den Nacken zu legen, und dabei bis etwa Fünfzig zu zählen. Er erklärt dasselbe folgendermaßen: Der Ballen der rechten Hand und der Vordertheil des Körpers sind beide „plus“ (oder positive) magnetische Pole, während der Ballen der linken Hand und die Rückseite des Körpers „minus“ (oder negative) Pole sind. Gleiche Pole stoßen sich ab, und indem auf genannte Art die Ballen der Hände über die verschiedenen Mittelpunkte des Nervensystems gelegt werden, wird ein förmlicher Lebensstrom rückwärts in den Körper hineingeleitet und dessen Einfluß auf alle Organe desselben ver- theilt. Das physische sowohl, wie das geistige System, sie beide werden passiv zufriedengestellt und ruhig, und alle Theile arbeiten dazu mit. Das Resultat wird die vollste Gemüthsruhe und Erholung sein. Alle körperlichen oder geistigen Störungen hören auf, und tiefer Schlaf tritt ein. Nur körperliche und geistige Ueberanstrengungen und ungenügende oder ungeeignete Nahrung widerstehen diesem Schlafmittel. Wenn nervöses Wachen zur Nachtzeit eintrttt, in der man gern schlafen möchte, oder wenn wegen irgend einer körperlichen oder geistigen Störung die Ruhe nicht kommen will, so ist das beste Mittel dagegen, frische Luft ein- zuathmen. Es ist beobachtet worden, daß in besagten Zuständen die betreffenden Personen nur halb athmen und dadurch die Lebenslust in den Lungen erschöpft wird. Es wird daher in solchen Fällen das Einathmen frischer Luft als einfachstes und in den meisten Fällen als bestes Mittel gegen Schlaflosigkeit empfohlen. Eine andauernde Schlaflosigkeit ist die begleitende Erscheinung eines allgemeinen krankhaften Zustandes und erfordert eine wachsame, sorgfältige Behandlung. Meistens ist die Schlaflosigkeit auf ein hochgradig erregtes Nervensystem zurückzusühren. Es müssen daher alle erregenden Speisen und Getränke (Kaffee, Thee, Bier, Wein) gemieden werden. Ein lauwarmes Bad von 26® bis 28° R vor dem Schlafengehen, oder ein feuchter Leibumschlag während der Nacht, lenkt das Blut vom Gehirn weg, beruhigt die Nerven und ist daher ein gutes Schlafmittel. Auch wird empfohlen, die Hälfte eines Handtuches in kaltes oder laues Wasser zu tauchen und es dann so in den Nacken zu legen, daß die Hälfte des Hinterkopfes mit bedeckt ist, während man die andere trockene Hälfte darauf legt. Auch Chokolade, trocken, in kleinen Stücken auf der Zunge zergehen zu lassen, ist ein treffliches, unschädliches Schlafmittel. Man darf dazu aber keine parfümirte oder sonst verkünstelte Chokolade,jsondern einfache Chokolade nehmen. (Der demnächst erscheinenden Broschüre: „Die Methusalems oder Wie sich das menschliche Leben verlängern läßt" entnommen.) — Verlag v. I. M. Richter, - Würzburg. — 318 — M-us Kartoffeln sind eine Deltcateffe, doch muß man bei ihrem Genuß vorsichtig sein, denn sie sind schwer verdaulich, erzeugen leicht Leibschmerzen und Diarrhöe. Es ist darum gut, sie mit etwas Pfeffer zu ^genießen, welcher die Verdauung befördert. Vor Allem hüte man sich vor dem Trinken kalten WafferS nach dem Genuß von neuen Kartoffeln, denn das ist ebenfalls schwer verdaulich, dagegen wirkt gut heißer Kaffee oder Thee. Am besten ist, diesen seifigen, unreifen Kartoffeln eine Schnellreife zu geben dadurch, daß man sie einige Tage in trocknen Sand legt, der den Sonnenstrahlen ausgesetzt sist, so daß sie ganz davon bedeckt sind. Abend- werden sie in einem trockenen Raum aufbewahrt, um sie dem Thau zu entziehen. Dadurch bekommt man dann reife, mehlreiche Kartoffeln, die nicht nur dienlicher, sondern auch zarter von Geschmack sind. * • * Der Rhovarber sollte weit mehr genossen werden, als es bislang der Fall ist, zumal er zur rechten Rhabarberzeit billig ist. Wenig bekannt ist besonders seine Verwendung zu einer Marmelade, welche man an Stelle der theueren Butter auf Brod streicht und die sehr bekömmtlich und wohlschmeckend ist. Man zerschneidet dazu die gehäuteten Rhabarberstengel in gliedlange Stücke, wirft sie in kochendes Wasser, läßt sie darin aufwallen und gießt sie ab. In wenig kaltem Wasser mit Zucker und etwas Zimmt setzt man sie daraus wieder auf ein gelindes Feuer und schmort den Rhabarber unter fleißigem Rühren so weich, daß man ihn durchreiben kann. Nach dem Erkalten streicht man die Marmelade auf Weißbrod. An kühlem Orte hält sie sich etwa sechs Tage, für mehr darf man zur Zeit nicht kochen. * * Um Schinken roth und saftig zn erhalten, überstreiche man ihn, wenn er fertig geräuchert ist, recht dick mit „Brodtcig", lasse solchen antrocknen und hänge ihn wiederan die Luft. Es geschieht dieses an einem Tage, da man backen will aber vorher, ehe man den Teig steif macht. Es können nun auch keine Jnsecten an ihn. Schneidet man später den Schinken entzwei, so springt die Teigmasse von selbst ab, * * * । Französische Suppe. Man wählt die für die Suppe erforderlichen Gemüse je nach der Jahreszeit verschieden, z. B. würden Carotten, Kohlrabi, Bohnen, Blumenkohl und junge Erbsen geeignet sein. — Nachdem man die ersten drei Arten putzte und sie in feine, nudelartige Scheiben schnitt, bricht man die einzelnen Röschen des Blumenkohls aus, säubert sie und hülst die Erbsen aus. — Zunächst dämpft man den Blumenkohl in Wasser halb weich, gießt dann zwei Liter starke Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extract oder kräftige Fleischbrühe hinzu, salzt sie, giebt die anderen Gemüse, zuletzt die Schoren, hinein, zieht die Suppe, sobald die Gemüse sämmtlich weich geworden sind, mit 3 bis 4 Eigelb ab und richtet sie mit gerösteten Semmel-Croutons, die man nach Belieben auch mit Butter bestreichen, mit geriebenen Parmesankäse bedecken und im Ofen bräunen kann, an. -i- * * Erbsensuppe von jungen, grünen Erbsen. Die auSgeschälten und gewaschenen Erbsen werden in siedendem Wasser weich gekocht, mit der Kelle durch einen Durchschlag getrieben und mit Brühe oder kochendem Wasser nachgespült, bis nur die Hülsen zurückbleiben. Das Durchgetriebene wird in den Suppentopf gethan, worauf man Brühe zuschüttet und fein gewiegte Petersilie beifügt. Die Suppe ist eine gute Krankensuppe. Kupfer- uud Messinggeschirre setzen leicht Grünspan ab und müssen deshalb sofort nach der Benutzung mit höchster Sorgfalt gereinigt werden. Man darf Speisen auch nicht einmal eine Viertelstunde darin stehen lassen. • * • In einem 1402 erschienenen englischen Buche, einer Art von Ritterroman, findet sich folgendes Recept zu einer Putzpomade zum Blankmachen von Metallgegenständen und zur Verhinderung von Rostbildung: „Man schneide einem Ziegenbock die Beine unterhalb des Knies ab, hänge sie einen Tag in den Rauch und bewahre sie dann 15—20 Tage auf. Alsdann breche man sie in Stücke, nehme das Mark heraus und schmiere und putze damit die Waffen, Rüstungen re. Sie werden blank bleiben, selbst wenn sie feucht werden." Einer Mittheilung des Patentbureaus von H. u. W. Pataky zufolge leistet Vaseline ganz dieselben Dienste, wie das so umständlich gewonnene Ziegenmark. Hrrinsvistisches. Boshaft. Erster Schauspieler: „Das Publikum von $. ist doch ein rechtes Gesindel, wie hatte ich den Moor einstudtrt und dargestellt — was geschah — mit faulen Aepfeln hat man mich geworfen!" — Zweiter Schauspieler: „Sie haben halt nicht den'nöthigen Chic im Bortrage, da hat meine Thätigkeit dort andere Früchte getragen!" — Erster Schauspieler: „Also doch auch Früchte!" • * * An der höheren Töchterschule. Professor: „Es giebt Dinge in der Natur, welche nur paarweise bestehen können. Vielleicht können Sie mir ein solches Paar nennen?" — Fräulein: „Ein Liebespaar." * • Berechtigter Zweifel. Mutter: „Aber, Emma, Dein Malunterricht kostet ein riesiges Geld!" — Tochter: „Dafür mache ich aber auch große Fortschritte im Malen." — Mutter: „Und doch zweifle ich, daß Du richtig Kaffee malen kannst." * * Ihr einziger Gedanke. Dame: „Wie kam es, daß das Manöver sobald abgebrochen wurde?" — Offizier: „Weil die Artillerie sich verschossen hatte!" — Dame: „In wen denn?!" Literarisches Der Anfichtskarten-Sport nimmt immer größere Dimensionen an. Fast Jedermann benützt heutzutage diese Karten in irgend einer Form zu seiner Correspondenz. Es ist nun aber keineswegs leicht, aus dem beschränkten Raume, den dieselben für die Schrift freilassen, immer das kurz und gefällig auszudrücken, was man dem Empfänger mittheilen möchte. Man wählt deshalb mit Vorliebe die Form von Versen dafür, in denen mit kurzen Worten verhältnißmäßig viel gesagt werden kann. Das „Dichten", und sei es auch nur das Abfassen bescheidener Reime, ist jedoch durchaus nicht Jedermanns Sache und fällt Manchem recht schwer, der doch gern auch einen poetischen Gruß an seine Lieben senden möchte. Dem kommt nun ein originelles Büchleinjzu Hilfe, das im Verlage von Schwabacher inStuttgart soeben erschienen ist uud für alle Fälle ein sofort verwendbares Schema bietet. Es ist betitelt: «Wie schreibe ich meine Postkartengrüße" und enthält in übersichtlicher Anordnung, mit einer Gebrauchsanweisung versehen, hundert Original- Hilfsveise zur Abfassung gereimter Ansichts-Postkarten bei allen Gelegenheiten für Jedermann, von M. Unterdeck, Redacteur. -Sie hübschen Reime sollen den Schreiber bei der schnellen Abfassung der Karten unterstützen, müssen also nicht unbedingt wörtlich abgeschrieben werden, sondern erhalten durch kleine Aenderungen und Zusätze (Jiame, Ort re.) den Werth eigener Gedichtchen des Absenders, die sicher m allen Fällen freudiger begrüßt werden, als einige dürre prosaische Worte. Das fein ausgestattete Büchlein kostet nur 40 Pfennig und bildet neben seiner praktischen Verwendbarkeit zugleich eine so amüsante X-ecture, daß gewiß kein Käufer die kleine Ausgabe dafür bereuen wird. Redaction: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühllchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.