u Hf k£l».tQchewo. Zunächst der Hof. In einem Winkel hat sich ein Theeverkäufer ausgestellt. Die Theeblätter zieht er aus der einen Tasche seines schmierigen Pelzes hervor, den Zucker aus der andern. Eine Kopeke kostet ein Glas dieses trüben grünlichen Getränkes, aber das Glas muß man mitbringen. Kinder und elende Gestalten umlagern den vielbeneideten Mann, der Thee trinken kann/ soviel er will. Er füllt das Getränk in die ihm vor- gehaltenen zerbrochenen Gläser, Tellerscherben und Schalen - ein rothbackiger Bengel läßt sich den Thee sogar in eine Cigarettenschachtel gießen und zieht stolz davon. Plötzlich entsteht Streit, der Theemanu ist umringt und von einem Angriff bedroht- man will seinen Samowar haben, den er gestohlen hätte. Der Kerl ist auf Alles vorbereitet, er packt seinen Samowar und wirst ihn einem der Schreier an den Kopf, daß der ganze Haufe pustend und brüllend auseinanderfährt, und weg ist er, hinaus auf die Straße. Es ist ein jämmerliches Volk, das sich nun um den zerbrochenen Blechsamowar zankt- die meisten in überaus dürftiger Kleidung, doch auch einige handfeste kernige Gestalten unter ihnen, die in dem Staube, Schmutz und Elend vortrefflich zu gedeihen scheinen. Die Stuben der Häuser sind meist an feste Abnehmer dauernd vermiethet, schön für einen Rubel monatlicher Miethe giebt es Zimmer. Die festen Abnehmer nehmen beliebig viele Astermiether auf, um die man sich nicht bekümmern kann, obwohl die Criminal- polizei auch die Agenten in dem Hanse unterhält, die natürlich Niemand der Insassen kennt. In den Häusern giebt es mehrere hundert Zimmer- manchmal sind die Zimmer so voll, daß mehr als zwanzig Personen in einem Raume bei einander hocken- das macht mehr als zweitausend Einwohner. Man findet auch ordentliche „Arbeiter", die Morgens an ihr Tagewerk gehen und Abends zurückkehren- sie benutzen das Haus als billigstes Quartier in der Mitte der Hauptstadt. Von einem handfesten Dwornik begleitet, treten wir die Wanderung durch die Häuser an. „Im Winter", sagt er, „ist es besser hier. Der Geruch ist nicht so schlimm". Er mag recht haben, dafür kann in den Zimmern der Geruch int Sommer kaum schlimmer sein, als jetzt. Durch eine lange, an der Seite offene Gallerie pfeift der Wind und häuft den Schnee vor den Thüren auf. Die Gestalten des Elends huschen über den Flur, tiefäugige Weiber rufen ihre Waare aus, alte Zwiebacke und Brotschnitten, lärmende Trunkenbolde fluchen und fingen Lieder, von denen wir glücklicherweise nicht Alles verstehen. Wir öffnen eine Zimmer- thür. Rauch, Tabakqualm, Branntweindunst und Wolken von Seifenwasserdämpfen strömen uns entgegen. 248 Vermischte* «rtaction: I. Hermann •«<. »ruck und Verlag der Brühl',chen UnivtrsttStS-Buch. und Sttindruckerei (Pietsch & Sch.Yda) in «ießen. Wir sind in einem zweifenstrigen Raume- etwa zwanzig I Personen machen sich hier zu schaffen, schnapstrmkend hockt dort ein Haufe, Andere liegen auf den Holzpritschen, em bis litt Hüfte nacktes, weibliches Gespenst wascht tn einem Holzbottich, Kinder schreien und zerren sich an den Haaren. Keiner kümmert sich darum. Mit lauter Stimme liest em jugendlicher Mensch aus einer Zeitung, denPelz tragt er auf dem nackten Leibe, das Gespenst scheint sein einziges Hemd zu waschen. Man achtet nicht auf den Eintretenden, die widerlichsten Flüche erschallen. Im andern Zimmer dasselbe Bild: man scheint kein Geheimniß vor einander zu haben- vor den Augen der Kinder spielen sich unbeschreibliche Scenen ab, kaum kann man glauben, daß hier liebende Wesen derselben Gattung Hausen, die uns in den Theatern und in den Prachträumen der großen Petersburger Welt durch ihre Schönheit, ihren Geschmack und ihre Anmuth entzückt. Der entsetzlichste Ort des Wjäsemskidom oder der Wjäsemskojalawra (Kloster), wie es der Volksmund nennt, ist die berüchtigte „Glasgallerie", eines der Hauser, ein langer Flur, spärlich erleuchtet, mit vielen Abzweigungen und dunklen Treppenschlünden und Winkeln, die Hauptverkehrsader des „Klosters". Hier drängt und stößt sich treppauf treppab das Volk umher- was hier geflucht, gesungen und gethan wird, spottet jeder Beschreibung. Der Gefft des KuselS herrscht hier in der allergemeinsten Weise, Gleichgiltigkeit und Schamlosigkeit sind seine Begleiter. Einmal in den sich vorwärts schiebenden Menschenstrom gerathen, findet man eS schwer, ihm zu entfliehen. Athmet man endlich wieder reine Lust, so meint man doch noch lange, den Druck von Staub, Schmutz und dem Gemisch der entsetzlichen Düfte des „Klosters" auf der Brust zu fühlen. Wer es über sich gewinnen könnte, hier einige Tage zu verleben, wurde des Seltsamen viel entdecken- doch wie der Ertrinkende nach der Druckfehler. Der Baron bestieg mit seinem Sohne den Berg, seinen Ruppsack mit der Hand umklammernd. Beurtheilung. „Nun, wie war der Bräutigam Deiner Schwester heute?" — Backfisch: „Furchtbar wortkarg, er küßte tun!" * , Milderungsgrund. Bertheidiger: „Und dann bitte ich die Herren, auf den Geisteszustand des Angeklagten Rücksicht zu nehmen — er hat vier Mal geheirathet. Sportmoden. Zu Radfahrcostümen verwendet manHomespunes Cheviot und Lawn-tennis-©toffe mit zarten Durchzugsstrerfchen, zu Rettkleidern Cashemire-Kammgarn. .Von Radsahrermnen wird der rückwärts getheilte, vorne offene Rock bevorzugt; doch auch Kostüme, die ohne Muhe zu einem Straßenkleide umgestaltet werden können, sind lehr zu empfehlen. Im letzterschienenen Heft 14 der „Wiener M-d«" find sehr hübsche Modelle dieser Art zu sehen. Das, genannte Heft enthält zahlreiche Sportcostüme, so Bicykle-, I.avn-tsnms-, Tounsten-, Ruder- Meltionten viel entdecken; vorn rote oer isrrmnrruvl nuu, V». > und Reitkleider, und viele andere reizende Totlettm. *! . / Sufi, I- ftr-bl auch d-r niuMIg-S-fuch--Ichl-unlO wl-d-r I ’►”»»”»« » W. »»«”'■ ■“* S’Ä'ÄÄSÄ” die Elendesten der Elenden und sträubt säumen""das°°in Md" und"°Wort stets tonangebende Modenjournal Versuch, ihm seine Opfer zu entreißen. Betäubung, um den ! mit bunter Fächer-Vignette, .Verlag John Kammer der Welt nicht zu fühlen, Stillung des Hungers Henry Schwerin, Berlin emzusehen und darauf zu abonmren. ,Jede und der tdierischen Liebe in ihrer rohesten Form, das sind I vierzehntägige Nummer mit mustergültigem Schnittmusterbogen, auch selten spülen die Wellen der Canäle dürre Körper ans Land, Ach l, Im belletristischen Theil finden tmr u. A. ein die vordem in dem Wjäsemskidom gelebt, gelitten und ^(chtiges humorvolles Bild-. Eine Negerhochzeit wMackville-der ■ Modentheil bringt wahrhaft künstlerische Holzschnitte aus den eigenen gesündigt hatten. , «, a Mnter fidi I Ateliers mit ganz reizenden Moden-Genrebildern. Auch Kindermoden, Hat man die schauerliche Statte des Elends hinter sich Äteiters m» s°nz » vertreten. „Große Modenwelt" - gelassen und nach einem Bade, einem gründlichen Wechsel der I $ wechseln mit Blättern ähnlichen Titels! — ist nur für Mk. i LuLSUiie.LA««..«»».*»■ ist... Zeit in dem Wjäsemskidom zu Verbrechern und Taugenichtsen ^nal-Ansichten reich begleiteter Aufsatz, der soeben in Heft ,15 heranwachsen müssen. I der vornehmen Halbmonatsschrift ,,V»m FtlS zum Meer" (Union -------------- 1 Deutsche Verlagsgesellschaft) erschienen ist und großes Jntereffe beansprucht. Dies um so mehr, als Landeshauptmann Leutwem, dessen Gantporträt mit asrikalandschastlicher Staffage auch den Artikel schmückt gerade zur Zeit einen dreimonatlichen Erholungsurlaub m Dentschland verbringt. Aus dem sonstigen, so überaus mannigfaltigen und anregenden Inhalt heben wir noch hervor die Gemälde von P. Salinas, Th. Gruft, poesievolle Zeichnungen und farbige Photographien von R. Mahn; vom letzten großen Münchener Künstlerfest re. rc. Alles in Allem eine prachtvolle Zeitschrift, die dringend genug zu empfehlen ist. Unsere Kinder sind unser Stolz und unsere Freude. Nicht Geist und Gemüth allein, auch ihr Aeuheres soll Zeugmß ablegen vom wachsamen Auge des Vaters, der sorgsamen Pflege der Mutter, die mit dem Scharfblick der Liebe Gutes und Schlechtes unterscheiden und vom Guten das Beste für ihre Kinder auszuwählen tm Stande sind. Den Müttern erweist sich „Die Modenwelt", ^"strikte Zeitung für Toiletten und Handarbeiten, als ein unentbehrlicher Rathgeber. Die „Modenwelt" (nicht zu verwechseln nut „Kleine Modenwelt und „Große Modenwelt") ist zum Preise von vierteljährlich Mk. 1.25 durch lebe Buchhandlung und Postanstalt zu beziehen. Er kann es sagen. Bekannter (zum Arzt, der sich hauptsächlich mit Entfettungskuren befaßt): „Was machen denn Ihre Patienten?" — Arzt (würdevoll): „Sie nehmen ab!' Verplappert. Herr* „Warum wollen Sie mich denn verlassen, Jean?" - Diener: „Weil Sie mir jeden Tag vorwerfen, ich rauche Ihre Cigarren — sie schmecken mir schon lange nicht mehr,!" * Schwieriger Fall. A.: „Die Vertheidigung dieses Clienten ist also eine sehr schwierige?" — Advocat: „Allerdings! Sie glauben nicht, was für Mühe ich mit dem Menschen habe, daß er nicht gesteht!" ♦ * Ländlicher Familiensinn. Der Michel kommt mit einem Recepte für sein krankes Schwein in die Apotheke. Der Apotheker verlangt für die Arznei 90 Pfennige. „Ei, sagt Michel, ,,i' bin ja in der Krankenkass'! — „Das glaub' ich gern, daß Sie Mitglied der Krankenkasse sind, aber Ihr Schwein doch nicht!" - „Ja, warum denn das nit auch? I' bin do' mit allen meinen Angehörigen versichert!" ______________ Literarisches