I ! \ lles endet, eh' wir's ahnen, Freude minder nicht als Leid, Darum lasse Dich gemahnen: Trage nie im Herzen Neid! Laß an Keinem Dich's verdrießen, Ist er mehr als Du beglückt; Wenig heiter zu genießen, Jst's, was sich für Weise schickt. Martin Greif. Der Amtmann von Räpshagen. Criminal-Roman von F. Arnefeld. ------- (Nachdruck verboten.) I. „Nun gut, Du magst sie meinetwagen heirathen. Es ist ja eine Dummheit, aber da Du einmal nicht zur Vernunft zu bringen bist, so thue was Du willst, Adolf. Eins : bitte ich mir aber aus. Die Sache bleibt unter uns, bis Du ? so weit bist und heirathen kannst." „Ach Vater, Du bist doch viel besser als Du Dich - stellst!" rief der Sohn und wollte den Vater jubelnd in ! die Arme schließen. Der Alte wehrte ihn ab. „Na, na, laß nur, das kann ich nicht leiden. Ich j habe also nichts dagegen. Aber das sag' ich Dir, Anna ; muß sich in die Lebensversicherung einkaufen und das gleich \ mit einer hübschen Summe, — sagen wir hunderttausend z Mark, damit sie auch einmal etwas in die Suppe zu i brocken hat.,, s „Aber wozu, lieber Vater? Das ist doch wahrhaftig « nicht nöthig. Wir sind reich genug —" „Begreifst Du nicht?" unterbrach ihn der Vater. „Wie \ sieht das aus, wenn eine Frau gar nichts in die Ehe mitbringt?" ! „Ich weiß doch nicht, die Sache will mir nicht recht ! gefallen," beharrte der Sohn kopfschüttelnd, aber kleinlaut/ j der Vater trumpfte jedoch auf: 1 „Das ist meine Bedingung und davon gehe ich nicht ab. \ Man muß alle Fälle bedenken. Wenn Ihr Kinder bekommt j und sie stirbt bald darauf, so hast Du für Dich und für ! jene eine hübsche Summe." „Ach, Vater, soll ich darauf rechnen! Ich hoffe mit Anna lange Jahre glücklich zu leben \" „Hoffe was Du willst und lasse mich thucn was ich will," erwiderte der Alte. „Du weißt, bei Lebzeiten geb' ich nichts heraus, daraufhin wirst Du Deinen alten Vater wohl kennen, und nun ist genug geredet. Geh nur und verkünde Anna Dein Glück, halte mir aber das Mädchen nicht zu lange von der Arbeit ab. Ich werde es Deiner Mutter sagen, daß ich ihr wieder einmal den Willen qe- than habe." Wohlgefällig vor sich hin grinsend verließ der Vater das Zimmer, Adolf mit recht getheilten Empfindungen zurücklassend. Die Unterredung fand an einem Herbstmorgen auf dem Gute Rapshagen in Pommern statt, woselbst Adolf Göbener, der im nahen Greifswald als Baumeister beschäftigt war, seit einigen Tagen zum Besuch sein Eltern weilte. Der Amtmann Daniel Göbener gehörte zu den wohl" habendsteniGutsbesttzern eines durch seine Bodenbeschaffenheit/ wie durch seinen Reichthum besonders bevorzugten Landstriches von Vorpommern und man sagte ihm nach, daß er diese günstige Vermögenslage nicht nur seinem Fleiße, sondern auch seiner Geriebenheit verdanke. Göbener galt für verstockt, berechnend und im hohen Grade gewinnsüchtig. Freilich vermochte Niemand ihm eine ungesetzliche Handlung nachzuweisen, trotzdem war seine Verschlagenheit gewissermaßen sprichwörtlich und wurde ebenso sehr bewundert wie gefürchtet. „Wenn Amtmann Göbner einen Handel mit der Hölle macht, so ist der Teufel der Geprellte," hatte einmal ein Spaßvogel von ihm gesagt, und bei dieser Charaeteristik seiner Person war es in der ganzen Gegend geblieben, was nicht hinderte, daß man ihm äußerlich alle Ehrerbietung erwies, ans welche er vermöge seiner Stellung als reicher Grundbesitzer Anspruch machen durfte. Göbener und seine stille, anspruchslose Frau, mit welcher er anscheinend in einer ganz friedlichen Ehe lebte, besaßen zwei Töchter und einen Sohn. Die Ersteren waren schon seit Jahren an wohlhabende Landwirthe verheirathet und hatten sich bei ihrer Wahl gänzlich den Wünschen des Vaters gefügt/ dagegen war es ihm nicht gelungen, bei der Bestimmung über den Beruf seines Sohnes seinem Willen Geltung zu verschaffen. Adolf Göbener hatte von Kindheit an wenig Neigung für den Beruf eines Landwirthes gezeigt, zum Aerger des Vaters bei den Büchern gehockt, am liebsten freilich gezeichnet und gemalt. Sein Herzenswunsch war gewesen, sich der Kunst zu 118 widmen, davon hatte der alte Göbener aber durchaus nichts hören wollen. . r. Dazu habe er sich doch nicht geplagt und geschunden, dasi sein Geld von einem Tagedieb mit langen Haaren und kurzem Sammetrocke vergeudet werden solle, hatte er seiner Frau geantwortet, wenn diese ihm in den Ohren gelegen, dem einzigen Sohn doch zu gestatten, daß er Maler werde. Adolf möge diese Flausen sich nur aus dem Kopfe schlagen, hinter den Pflug gehen und werden was sem Vater und Großvater gewesen sei. »rau Göbner hatte sich trotzdem nrcht abweisen lassen. Ium ersten Male während ihrer Ehe hatte die sanfte, schüchterne Frau den Muth gefunden, ihrem Manne den Widerpart zu halten. Galt es doch das Wohl ihres über alles einzig geliebten Sohnes. Sie hatte endlich den Sieg davon getragen, wenn auch nicht im vollen Umfange. Man war übereingekommen, daß Adolf das Baufach studiren solle. Wenn es nun einmal nicht anders sein konnte, so war Häuser bäum immer noch besser als Leinwand beklecksen. Letzteres erschien Göbener völlig brodlos, mit jenem ließ sich doch immerhin etwas verdienen. Damit hatte es allerdings vor der Hand noch gute Wege. Zunächst kostete das Studium viel Geld, und sehr ost machte Göbener seiner Frau bittere Vorwürfe, daß sie ihn zu einer solchen Thorheit verleitet habe. Der Bursche liege ihm ja noch auf der Tasche in einem Alter, in dem er selbst längst ein gemachter Mann gewesen sei. Auch jetzt, wo Adolf als Bauführer diatarisch m Greifswald beschäftigt ward, war er noch zum Theil mit seinem Unterhalt von der Unterstützung des Vaters abhängig. Um sich die Last möglichst schnell zu erleichtern, hatte dieser eine reiche Heirath sür ihn geplant, sich auch bereits, und wie ihn chedünken wollte, nicht ohne Erfolg, unter den Töchtern des Landes sür ihn umgesehen. • Abermals war ihm von seinem Sohn unter dem Beistand der Mutter ein Strich durch die Rechnung gemacht 01 Etwa seit Jahresfrist lebte auf Rapshagen Anna Holten, die verwaiste Tochter eines Vetters von Frau Göbener, mit welchem sie bei dessen Lebzeiten in einem nur sehr oberflächlichen Verkehr gestanden hatte. Der verstorbene Holten war ebenfalls Landwirth gewesen, hatte aber nichts vor sich gebracht und zuletzt ein kleines Gut in Hinterpommern in Pacht gehabt. , Es war ein kaum uenneiiswerthes Vermögen, was er bei seinem Tode seinen Kindern hinterlassen hatte. Der Sohn, welcher sich dem Studium der Meinem zu- gewendet und beim Tode des Vaters eben sein Examen gemacht hatte, hatte selbst mit dem Leben hart zu rrngen gehabt und war nicht im Stande gewesen, etwas für die jüngere Schwester zu thun. Er hatte deshalb an die Frau Amtmann Göbener geschrieben und bei ihr angesragt, ob sie Anna bei sich aufnehmen wollte, bis es ihm gelungen sein würde, ein passendes Unterkommen für sie zu finden. Wäre ein solches Ansinnen dem Amtmann Göbener zu einer anderen Zeit gestellt worden, so würde es gewiß mit Entschiedenheit zurückgewiesen worden sem. ^n dem Augenblick, in welchem es an ihn gelangte, hatte er Gelegenheit, es als einen sehr günstigen Zufall anzusehen und sich dazu zu beglückwünschen. , Frau Göbener, welche viele Jahre dre Last der großen Wirthschaft allein auf ihren Schultern getragen hatte, war im Frühjahr von einem schweren Influenza-Anfall heimgesucht worden. Sie hatte lange darnieder gelegen, sich sehr langsam erholt und auch als sie wieder als genesen betrachtet werden konnte, war die frühere Rüstigkeit nicht zurückgekehrt. Wohl oder übel mußte daraus Bedacht genommen werden, ihr eine Hilfe an die Seite zu setzen. , Was konnte also geeigneter sein, als Anna Holten ins Haus zu nehmen? Amtmann Göbener hatte sich sehr vergnügt dre Hande gerieben. Da war eine prächtige Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Er konnte den Großmüthigen spielen, konnte beweisen, daß er nicht der hartherzige Mensch sei als welcher er immer verschrieen ward, und gleichzeitig konnte er sür seine Wirthschaft eine Hilfe gewinnen, der er kein baares Geld zu zahlen brauchte und die er in jeder und für bei Hinsicht karg abspeisen durste. , Er selbst hatte den an seine Frau gerichteten Brief mit der ihm, wenn er wollte, zu Gebote stehenden Freundlichkeit beantwortet und sich zur Aufnahme der verwaisten Verwandten bereit erklärt. Noch in Trauerkleidern war Anna Holten in Rapshagen eingetroffen, und der Amtmann hatte sich schon nach ganz kurzer Zeit für seinen sehr klugen Streich den Beifall gezollt, mit welchem er für sich selbst überhaupt nicht kargte. Das junge Mädchen hatte die von ihr gehegten Erwartungen nicht allein nicht getäuscht, sondern übertroffen. , Obwohl sie beim Tode ihrer Mutter kaum dem Kindesalter entwachsen gewesen war, hatte sie doch, da die Mittel gefehlt eine Wirthschafterin anzustellen, die Leitung des Haushaltes übernehmen müssen, und sie bis zuletzt in Händen gehabt. Sie war daher wohl bewandert in allen Zweigen ber Landwirthschaft, dabei arbeitssam, bescheiden und von liebenswürdigem Wesen, so daß sie Frau Göbener im wahren Sinne des Wortes eine Stütze geworden war. Die liebedürftige, in ihrem großen Hause vereinsamte Frau hatte sich dem jungen Mädchen innig angeschloffen und empfand es wohlthuend, von ihr umsorgt und gepflegt zu werden. Auch die Töchter, welche die Mutter nur selten und für kurze Zeit besuchen konnten, bezeigten Anna ihr Wohlwollen und ihre Dankbarkeit und ließen wenigstens für den Augenblick jene Eifersucht schweigen, welche Kinder des Hauses nur zu leicht erfaßt, wenn sie den Platz neben den Eltern, den sie selbst doch nicht mehr einnehmen können, von Anderen ausgesüllt sehen. Sogar Göbener spürte etwas wie Zuneigung für sie, die allerdings in das Gegentheil umschlug, als er Inne ward, baß sein Sohn das zwar nicht schöne, aber anziehende und liebliche Mädchen mit mehr als günstigen Augen ansehe. Anfänglich hatten weder der Amtmann noch dessen Frau der Sache irgend welche Bedeutung beigelegt. Sie kannten Beide das sehr leicht entzündliche Herz ihres Sohnes, der nicht einem jungen Mädchen begegnete, ohne Feuer zu fangen, sie vermochten seine Liebe für Anna um so weniger ernsthaft zu halten, als deren einfache Erziehung eigentlich nicht dem Bildungsgrade entsprach, auf welchen Adolf einer künftigen Lebensgefährtin Anspruch zu machen hatte. Anna schien die gleiche Empfindung zu haben und hatte sich seinen Annäherungen lange mit großer Entschiedenheit entzogen. Außer ihrer eigenen Unzulänglichkeit kannte sie auch die Hoffnungen und Pläne des Amtmanns für die Zukunft seines Sohnes ganz genau und hatte von der Geldgier des Alten schon manche Probe erhalten. Wie hatte sie also daran zu denken gewagt, daß er je seine Zustimmung zu einer Verbindung mit ihr, dem einfachen, unbemittelten Mädchen geben würde. Sie konnte nur ein Zankapfel in der Familie werden und fürchtete sich davor. Dennoch war es dahin gekommen. Anna war viel zu offen und unschuldig, um Adolf die Liebe, die für ihn in ihrem Herzen aufgekcimt war, aus die Dauer verbergen zu können. Verwundert, daß ein solcher Mann ihr seine Neigung zuwenden könne, demüthig als ein großes, unverdientes Glück hatte sie sie angenommen und ihm Treue und Hingebung gelobt. Die Eltern hatten bald die Wahrnehmung machen müssen, daß es sich hier um mehr als eine flüchtige Liebelei ihres Sohnes handele und die Wirkung war auf Beide sehr verschieden gewesen. Die Frau Amtmann nahm den innigsten, wärmsten Antheil daran, ihr Mann tobte unb wetterte gegen die neueste Thorheit des unreifen Burschen. 119 Mehrmals war es schon zu recht heftigen Auftritten zwischen Vater und Sohn gekommen. Der Alte hatte Adolf gedroht, seine Hand gänzlich von ihm abzuziehen, wenn er an der Betteldirne festhalte, wogegen Adolf mit einer ihm sonst gar nicht eigenen Festigkeit erklärt hatte, er würde nicht von Anna lassen und warten, bis er ihr eine bescheidene Existenz bieten könne. Göbener hatte sogar gedroht, Anna aus dem Hause zu werfen und Adolf verboten, zum Besuch nach Rapshagen zu kommen. Es war jedoch bei den Worten geblieben. Das junge Mädchen machte sich im Haushalte viel zu nützlich, als daß der Amtmann sich ohne weiteres ihrer Dienste hätte berauben wollen, auch mußte er wohl Gründe haben, es mit seinem Sohn nicht zum offenen Bruch kommen zu lassen. Die Frau Amtmann hatte wieder den Muth gefunden, sich auf die Seite des Sohnes zu stellen und wurde dabet sogar von den beiden Töchtern unterstützt. Gemeinsam hatten sie den Alten bestürmt, Adolf die Einwilligung zu seiner Verheirathung mit Anna zu geben und nun war das Gewünschte und doch kaum Erhoffte wirklich geschehen. Nach einem Besuch, den Amtmann Göbener in Fuchsberg, dem Gute seines ältesten Schwiegersohnes, abgestattet, hatte er seinem Sohne, den er bei seiner Rückkehr wieder in Rapshagen gefunden, zu dessen grenzenloser Ueberraschung erklärt, daß er nicht länger gegen bte Heirath sein wolle. Wetterte und tobte er dabei auch, daß der Junge eine grenzenlose Dummheit begehe und er selbst ein Schwachkopf sei, daß er sie zulaffe, so lag eine solche Art der Gewährung nun einmal in seiner Natur und brauchte nicht weiter ins Gewicht zu fallen. II. „Na, Alte, was sagst Du nun?" fragte Göbener, in das große, dreifenstrige Zimmer tretend, in welchem seine Frau in einem bequemen, mit Kissen bedeckten Korbstuhl an einem Nähtisch saß, der so gestellt war, daß sie von ihrem Platz aus den ganzen Wirthschaftshof überschauen konnte. „Iw habe soeben dem Jungen gesagt, daß er meinetwegen die Anna heirathen kann!" „Daniel!" rief die hagere, blasse Frau, deren feines ergebenes Gesicht Spuren ehemaliger Schönheit aufwies und von vielen still und geduldig getragenen Leiden erzählte. „Ist das wirklich wahr? O wie gut ist das von Dir! Wie danke ich Dir!" Sie warf die Näharbeit, die sie in den Händen gehabt, auf den Tisch, sprang mit beinahe jugendlicher Leichtigkeit von ihrem Sitze empor, umfaßte mit beiden Armen seinen Hals und legte ihre Wange an sein von harten grauen Bartstoppeln bedecktes Gesicht. Er ließ einen Ton hören, der zwischen Lachen und Knurren die Mitte hielt und brummte, während er sich wieder von ihr losmachte: „Sieh mal einer an. Wirst wohl gar noch zärtlich, Liese. Ist lange nicht dagewesen." Die blasse Frau lächelte so glücklich. „Ist auch lange nicht dagewesen, daß Du mich so freudig überrascht hast. Also Du hast nichts mehr dagegen?" „Ach, dagegen hab' ich genug", erwiderte der Amtmann brummig, aber doch mit einer gewissen Gutmüthigkeit. „Aber was will ich beim machen? Ihr laßt mir ja keine Ruhe. Minna unb sogar ihr Mann, der doch sonst ganz vernünftige Ansichten hat, haben mir auch wieder zugesetzt. Ich Habs zugegeben, mag er sehen, wie er fährt." „O, gewiß sehr gut!" rief Frau Göbener, die wieder auf ihrem Stuhl Platz genommen und nach dem Wäschestück, das sie ausbefferte, gegriffen hatte. „Die Anna ist ein Schatz." „Na dazu wollen wir sie erst machen", murmelte halblaut der Alte, der an das andere Fenster getreten war. Jetzt riß er es auf und rief einem Knecht, der im Vorübergehen mit einer am Brunnen stehenden Magd scherzte, zu: „Warte, Kerl, ich werde Dir Beine machen! Ist der Eimer noch nicht bald voll!" herrschte er die Magd an. Beide entfernten sich eilig. Göbener schaute ihnen, einen Fluch und das Scheltwort „Faules Volk" zwischen den Zähnen hervorstoß-md, nach und wandte sich dann wieder seiner Frau zu, ohne jedoch die Augen vom Hofe zu lassen: „Aber eins sage ich Dir, und davon gehe ich nicht ab, geheirathet wird fürs erste noch nicht" „Ach, sie sind ja auch Beide noch so jung", antwortete Frau Göbener. „Jung hin, jung her! Darauf käm's nicht an. Ich und Du waren auch nicht älter, als die Beiden jetzt sind, als wir zusammenkamen. Da aber liegt der Hase im Pfeffer. Wir hatten was und konnten was, die aber —" „Sie sind doch alle Beide —" begann sie, aber er ließ sie nicht weiter sprechen. „Er muß erst eine feste Anstellung und für Frau und Kinder was zu beißen haben, denn Zuschuß geb' ich nicht." „Aber Daniel —" Wieder fiel er ihr ins Wort. „Rede keine Silbe, davon bringst Du mich nicht ab. Er hat genug gekostet und Anna kann auch noch bei Dir bleiben und Dir helfen." „Das thut sie gewiß sehr gern", sagte Frau Göbener, ihr Mann vernahm aber nicht viel von der Antwort. Sein scharfes Auge hatte jetzt eine alte Frau entdeckt, die, mit einem Korbe am Arm, sich, wie es ihm schien, heimlich und eilfertig aus dem Hofthor schleichen wollte. Erst nachdem er sie angerufen und gedroht hatte, Bettlergesindel mit Hunden vom Hofe hetzen zu lassen, nahm er das Gespräch mit der Frage wieder auf: „Was hast Du dagegen zu reden?" „Nichts", beeilte sich die Frau zu versichern. „Ich sagte nur, daß Anna gewiß sehr gern noch bei mir bleibt und mir kann ja nichts lieber sein als sie noch recht lange zu behalten. Ich habe es, seit sie hier bei uns ist, so gut, wie nie zuvor", fügte sie mit einem Aufleuchten der matten blauen Augen hin. Göbeners Gesicht verfinsterte sich. „Du solltest ihr doch nicht zu viel überlassen. Man weiß nie, was Alles in die Quiste gehen k m», wenn man nicht auspaßt. Selbst ist der Mann, das war immer mein Grundsatz." „Anna ist so umsichtig, so sparsam und fleißig", lobte Frau Göbener. „Vor sich gebracht hat ihr Vater bei ihrem Wirth- schaften aber doch nichts", versetzte Göbener hämisch, „und ich muß es Dir sagen, Liese, es gefällt mir nicht und taugt nichts, daß Du hier am Hellen Morgen mit dem Nähzeug in der Stube sitzest. Bist doch schon lange nicht mehr krank." Frau Göbener ließ den Kopf sinken wie ein gescholtenes Kind. „Ich kann hier aus dem Fenster den ganzen Hof übersetzen", entgegnete sie kleinlaut. „Was das nützt, das merke ich, so lange ich hier stehe", erwiderte, mit einem bösen Blick seiner tief unter breiten Lidern liegenden gelbgrauen Augen, der Amtmann. „Und wenn selbst, wo bleibt die Aufsicht über die Küche und die Speisekammer, die Molkenkammer und das Feder Vieh, was für die Frau doch die Hauptsache ist? Und wie solls werden, wenn Anna wirklich heirathet? Denkst Du, ich solle Dir für schweres Geld eine Wirthschaftsmamsell ins Hans nehmen, die mich betrügt und bestiehlt?" „O nein, nein!" versicherte die Frau eifrig, „das wirst Du mcht nöthig haben, ich werde dann wieder Alles allein besorgen können." Sie machte eine Bewegung, als wolle sie ausstehen und sogleich an die Arbeit gehen. Der Amtmann ließ das ihm eigene unangenehme Lachen hören und sagte: - M — >,£>etne eigene Schuld, daß Du Dich bis ins späte Älter quälen mußt. Wäre Adolf Landwirth geworden, so könnte ich ihm jetzt das Gut übergeben und mit Dir ins Altentheil gehen." Frau Göbener hätte ihrem Manne gern geantwortet, daß er sich, wie sie ihn kannte, zu einer solchen Abdankung niemals entschlossen haben würde, es lag ihr jedoch sehr daran, ihn bei der guten Laune zu erhalten, die er trotz Allem heute an den Tag legte, und so bemerkte sie ablenkend: „Lange wird e- nun doch wohl nicht mehr währen, bis Adolf eine Frau ernähren kann." „So, meinst Du?" spottete der Amtmann. „Wieso weißt Du denn das?" „Er verdient doch jetzt schon ganz hübsches Geld." „Na, höre mal! Das reicht ja kaum für seine Stiefel und für seine Handschuhe aus." „Er muß in seiner Stellung doch gut gekleidet gehen. „Versteht sich, ist ja ein vornehmer Herr, ein ganz anderer Kerl als sein Vater, der Bauer", brummte Göbener und sein Auge glitt sehr bezeichnend an der langschößigen Jacke von grobem dunkelgrauen Tuch, die er über einer Weste au- ähnlichem Stoffe trug, den kurzen dunklen Beinkleidern und den plumpen, rindsledernen Stiefeln hinab. „Muß sich nach der neuesten Mode kleiden, Bälle und Gesellschaften mitmachen und allerlei Allotria für mein schweres Geld treiben." „Das thut er wirklich nicht." „Nicht? Wa» war das nun wieder für ein Unsinn, daß er der Anna vor vierzehn Tagen den Papa mitgebracht hat! Was soll uns der unnütze Fresser?" (Fortsetzung folgt.) Für Dittas Brautkleid! Rvvelle von E. Reinhold. (Schluß.) „Schade, ich Hätte ihn gern kennen gelernt. Unser Hauswirth hat mir eine so anziehende Schilderung von ihm entworfen in dem Briefe, den er mir zu schreiben für nöthig fand. Der boshafte Patron ließ dabei einen ganz niederträchtigen Verdacht gegen Dich durchblicken, na, beruhige Dich nur, das glaube ich nicht — aber, daß Du Dich so einem Gerede überhaupt aussetzen konntest, daß Du etwas gethan, wovon Du von vornherein annehmen mußtest, daß es mir widerwärtig sein würde, und das des schnöden Geldgewinnes halber, das, Marianne, hat mir weh gethan." Es klang nicht Zorn aus seinen Worten, sondern wirkliche» Wehgefühl, und das erschütterte Marianne bis in die Tiefen ihrer Seele. Schluchzend stürzte sie ihrem Manne an den Hals. „Verzeih mir, Moritz, ach, ich wußte ja nicht, waS ich that, erst später merkte ichs, und da wußte ich auch, daß Du sehr böse sein würdest, aber da wars nicht mehr zu ändern. Auch glaube mir, ich habe meine Strafe bekommen." Und sie berichtete ihre Leiden von der ersten Begegnung bis zur letzten Unverschämtheit des Barons und schloß: „Moritz, ich thats, weiß Gott, nicht aus Habsucht, ich hab mir nur die Sache nicht recht überlegt. Ich will auch von dem ganzen Gelde nichts haben, nichts von dem Sündengeld- kommt zu dem Brautkleidfond. Nimm Du's, giebs den Armen, oder mach sonst damit, was Du willst." Und Marianne holte die beiden Geldscheine, die von dem Baron stammten, und reichte sie ihrem Manne. „So seid Ihr Frauen", brummte der, halb versöhnt Lurch seine» Weibes Reue und Besserungsgelübde, „das eine Mal rafft Ihr Alles zusammen, was Ihr nur kriegen könnt, das ander Mal werft Ihr es mit vollen Händen hinaus." Dabei nahm er die beiden Scheine und hielt sie seiner kaufmännischen Gewohnheit folgend, prüfend gegen das Licht. Da stutzte er plötzlich, sah genauer auf die beiden Papiere und sah dann seine Frau mit eigenthümlichem Lächeln an: „Vierhundertundvierzig Mark hast Du in gutem Golde auf diese Scheine herausgegeben?" fragte er. „Gewiß", antwortete Marianne mit ahnungsvoller Aengstlichkeit. „Die beiden Scheine sind falsch, und zwar ist die Fälschung so plump, daß nur eine sehr — unerfahrene Person sie nicht merken konnte." Die beiden Gatten sahen einander an, er sie mit dem alten lustig-neckenden Ausdruck, sie ihn mit einem Gemisch von Verlegenheit und Scham. „Moritz —" „Ja", nickte dieser saft triumphireud, „Du bist gründlich hineingefallen, aber mir ahnt noch eine weitere Ueberraschung. Komm nur mit." Sie gingen zusammen nach dem Arbeitszimmer zu dem Geldschrank. „Soll mich doch wundern, wenn unser Herr Onkel in den vier Monaten nicht auch hier seine Kunst probirt hätte", sagte Moritz und begann an dem Schrank zu schließen. Nach einigem Probiren konnte er ihn öffnen. Er sperrte die Thür weit auf und sagte kein SEßott; aber er ließ Marianne einen Blick Hineinthun. Mit einem entsetzten Aufschrei fuhr diese zurück und sank in einen Stuhl: der Schrank war leer. Dann fing sie an, bitterlich zu weinen. Da beugte ihr Mann sich über sie. „Marianne, weinst Du um die gestohlenen paar Tausend Mark? Wir haben uns noch gar nicht recht guten Abend gesagt, sollen wir uns durch den Lumpen die Freude des Wiedersehens verderben lassen? Oder kannst Du den gestohlenen Mammon nicht verschmerzen? Sei gut, über kurz oder lang hast Du Alles bei Deinem Talent, „Geld zu machen", wieder eingebracht, und für Dittas Brautkeid wird ein neuer Fond angelegt." Da sah Marianne unter Thränen lächelnd zu ihm auf: „Davon bin ich gründlich kurirt", sagte sie, den Kopf schüttelnd. „Aber wer wird denn nun für Dittas Brautkleid sorgen?" „Wir Beide zusammen, Moritz, aber erst, wenn Ditta Braut ist. Bis dahin hats noch Zeit." — Rumpsteaks ä la bourgignonne. Ein recht zartes Rumpsteak schneidet man in gleiche Theile und läßt diese Stücke über lebhaftem Feuer sich bräunen, worauf man Mehl darüber streut und sie mit einem hölzernen Löffel einige Augenblicke in der Casserole hin und herrührt. Dann gießt man ein Glas Rothwein und ebenso viel Auflösung von Liebigs Fleisch-Extract bei, fügt Salz, Pfeffer, die üblichen Küchenkräuter, Champignons und in Butter gebräunte Zwiebeln hinzu und läßt Alles über stillem Feuer eine Stunde dünsten. Hierauf richtet man die Stücke auf einer warmen Schüssel an, gießt die durch ein Sieb geschüttete Sauce darüber und garnirt das Fleisch ringsum mit den Zwiebeln und Champignons. * * Langsam wachsende * Topfgewächse können im warmen Zimmer oder im Gewächshause schon jetzt zur Aussaat gebracht werden. «Sebaction: 8L Scheyda. — Druck uud »erlaß der Brühl'schen Uuiverfitäts-Buch- und Steindruckern (Pietsch & Scheyda) in «tefcn.