II ibärH-^Ci IlS UN in dieser Sommerszeit Ist mein Herz ein kta- er See, D'rin versank das letzte Leid, D'raus verflüchtigt sich das Weh. Spiegelnd meine Seele ruht, Von der Sonne überhaucht. Und mit Sieb’ umschließt die Fluih, Was sich in dieselbe taucht. Gottfried Keller. n a. Novelle von S. Halm. < f . ®tet I“* bben Character! sagte er sich und begab sich, befriedigt über die gemachte überraschende Entdeckung, auf sein Zimmer, um die eingelaufene Abendpost durchzusehen. Aber londerbar, , weder die Zeitung noch ein paar Briefe vermochten seine Aufmerksamkeit heute auf lange zu fesseln- se,ne Gedanken schweiften immer ab von dem was er las: sie wanderten immer zu dem verliebten jungen Volk, das letzt gewiß das ewige alte Lied, das thörichte Lied von der uebe, nicht in Worten, vielleicht aber in Blicken und Seufzern und auch dazu im Mondenscheine sang. — Der alte Herr lächelte still und wehmüthig in sich hinein. - s der eigenen Jugend und ihrer süßen Thorheiten gedenken. Mit einem Seufzer strich er sich über den kahlen I Scheitel „Nur nicht sentimental, alter Schwede!" und er sm ‘e nUn ""Eich in die neuesten telegraphischen ,Da -hat sich nach einem flüchtigen Pochen und dem Herein des Hausherrn die Thür auf- Franz trat über die schwelle. „Schon?" verschmitzt lächelnd blinzelte der alte Herr . dem Schwiegersohn zu, doch die lustige Neckerei erstarrte ihm »fj'" MW- Er sah erschreckt in ein blasses verstörtes Gesicht. Eine wahnsinige Angst wollte ihm die Kehle zü- schnuren ’ 5 „grang - - . . . Ina?" konnte er nur fragend stammeln. Doch der winkte beschwichtigend mit der Hand: „Ihre Tochter befindet sich vollkommen wohl. Sie können außer S>orge sein, Herr Commerzienrath!' ... ®er ,n dem diese Worte gesprochen wurden, die j"Eliche Anrede machte den alten Herrn stutzig. Einen Augenblick lang ging ihm ein der ^Wahrheit nahekommender LL rS verwarf er ihn mit einem schnellen „Unsinn! Eben noch die bräutliche Zärtlichkeit ' Unsinn! Sie werden sich gezankt haben, calculire ich. Ein verständnißvolles Lächeln auf den Lippen, zwang er den jungen Mann durch einen energischen Druck auf beide Schultern, Platz zu nehmen. „Und nun mein lieber Franz, schießen Sie los! Was hot e* denn gegeben? Hat die Kleine wieder einmal den Satan int Leib? Nehmen Sie nur kein Blatt vor den Mund Ich kenne öte Krabbe ja! Also schießen Sie los, schießen Sie los!" — — — Sine Stunde später verließ Franz von Steffens, um eine bittere Erfahrung in seinem Leben reicher, das Haus | des Commerzienrathes. Der Hausherr gab ihm selbst bis zur Thür das Geleite. 0 (Fortsetzung.) Der Commerzienrath war nicht wenig erstaunt, ja sogar ein wenig verschnupft, als seine Jüngste endlich zurückkehrend, äußerte, sie möchte wohl mit bem Verlobten einen Gang durch den Park machen. Franz, dem die Freude über diesen Wunsch der Braut aus den Augen leuchtete, war Inas Wort ein Befehl. Den alten Herrn aber verdroß doch diese Anwandlung von bräutlichem Egoismus einigermaßen, doch war er zu gutherzig, um seinem Liebling darob ernstlich zu zürnen- er drängte die „Verliebten" vielmehr zu ihrer Monchcheinpromenade- im Stillen nur verwundert den Kopf über das Mädel, die Ina schüttelnd. Selbst ihm waren doch in letzter Zeit so manche Bedenken bezüglich des Verhältnisses zwischen den Brautleuten gekommen, er hatte sich wirklich so sein „Pußchen" als glückliche Braut gedacht- Und er hatte den Kopf geschüttelt und sich vorgenommen, mit dem Kind einmal ein ernstes Wort zu reden. Und fetzt plötzlich heute diese Anwandlung, nachdem sie den Bräutigam während des ganzen Nachmittags sozusagen kaltgestellt. „Da verstehe ein Anderer als ich, die Frauenzimmer!" murrte der dicke, kleine Herr, aber er schmunzelte höchst zufrieden m sich hinein. Sein Pußchen war eben anders wie die Anderen, te hatte ihren Stolz! Dem Papa gegenüber konnte sie sich >chon einmal gehen lassen- aber daß sie sich in Fremder bte KMe, Reservirte zeigte, das gefiel dem i Bater im Grunde doch gerade an ihr. - 378 „Wir sehen uns einmal wieder, lieber junger Freund! I Franz, der so schnell Getröstete, vergaß den Gegenstand immer hübsch den Kopf hoch. An dergleichen stirbt man nicht! I seiner ersten tiefen Neigung indessen nicht so schnell, als es Glück auf, mein Lieber! Eine gute Nacht, mein guter I Cousine und Braut gewünscht und Commerzienraths an- Steffens. I nahmen. * Die gastlichen Pforten des stattlichen Hauses schlossen * sich hinter Franz von Steffens. Ihm war's, als sei er ein I Der September neigte sich bereits seinem Ende zu. Ausgestoßener, der Diener, der hinter dem späten Gast die I Qt§ ber Commerzienrath Hunold Gebhardt einmal zufällig Pforte abschloß, der Engel Gabriel, und der mächtige Schlüssel I auf ber Straße begegnete. in des Alten Hand, das Schwert, mit dem er dem Zudring- Der joviale alte Herr redete den Jüngeren sofort an ltchen den Eintritt, die Rückkehr in das Paradies, verwehren I unb feuerte nach der ersten Begrüßung ohne Umschweife wollte. — I auf sein Ziel los. Am dritten Tage nach diesem verhängnisvollen Abend, na^m Gebhardts Arm und redete nun eifrig auf brachte der Postbote eine goldgeränderte Karte in's Lentze'sche seinen Begleiter ein: Haus. Franz von Steffens, Teßa von Steffens, empfehlen I „Thun Sie uns nur den Gefallen und besuchen Sie sich als Verlobte. Das war die Rache des Verschmähten, I un§ rec^t bald. Was machen denn die Kinderchen? Aha, des Durchschnittsmenschen. — I bett jungen Küken behagt es bei der Großmama! Kenn ich, Thea trocknete heimlich eine Thräne; Papa Lentze I tenn Glückliche Reminiscenzen, die aus der von Großwetterte auf den boshaften Menschen, dem er „so etwas" Mütterchen beschützten Kinderzeit! Ja, ja, meine Thea hat doch nicht zugetraut. Ina, die Nächstbetheiligte, aber hob I ^re Großeltern noch gekannt, mein armes, kleines Pußchen gleichmüthig die Schultern. I nicht mehr. Sie waren schon tobt; Gott habe sie selig," „Es ist gut so!" äußerte sie, ohne Erregung oder I schmatzte der redselige alte Herr neben Gebhardt einher- Empfindlichkeit. „Weiß ich doch jetzt ganz gewiß, daß ich trippelnd und dann: „Nun ja, was ich also sagen wollte--? recht gethan!"--- richtig! Sie machen un» doch die Freude? Ja? Sehen Hunold Gebhardt hatte seit Wochen nicht mehr das I mir haben Sie Alle recht lieb gewonnen. Daß Ihre Lentze'sche Haus betreten; es war nur natürlich, daß unter Damen fern bleiben, ist nur selbstverständlich--aber Sie den obwaltenden Verhältnissen eine Familie die andere mied, j der Teufel, mein lieber Gebhardt, ich denke, wir daß die gegenseitigen Einladungen und Besuche eingestellt I pnb Beide nicht so kleinlich, uns durch Weiberkram auseinanderworden waren. bringen zu lassen. Ich gestehe Ihnen offen, wir entbehren Bei Lentzes sprach man wie auf Verabredung nie mehr I c^re Gesellschaft, auch meine Töchter und besonders die Kleine, die Namen Steffens und Gebhardt aus, und Ina dankte toenn sie auch nie ein Wort darüber verliert, sie hat einen den Ihrigen diese Rücksicht. Es war überhaupt still in der barten von mir hat sie ihn nicht, na, und ich weiß Villa geworden. Der alte Herr schien bedrückt, Thea leidender I mie sehr sie Ihre Gegenwart vermißt. Das arme denn sonst, Ina ernst und in sich gekehrt, sonst aber die alte, Ding ist ganz kopfhängerig geworden. Daß aber daran und die Dienerschaft wunderte sich darüber kaum. Man I nj^t nur dumme Geschichte mit dem Franz Schuld ist, hatte es ja nicht anders erwartet, und da Franz von Steffens I (ege jch h^e Hand ruhig in's Feuer!" nicht der Mann war, sich die besondere Beachtung seiner I Das gab den Ausschlag. — Mitmenschen, sei es nun durch hervorstechende gute oder ^un kommen Sie?" schlechte Eigenschaften zu sichern, so war er bald abgethan. Gebhardt schlug kräftig in die ihm dargebotene Hand. Seine Verlobung mit der Cousine brachte zwar seine Person I $$ fomme i" und seinen Namen wieder in's Gedächtniß der Leute, aber I „Bravo! Sie sind ein nobler Kerl, ich wußte es!" nicht zu Ehren. Diese überstürzte Verlobung mit der nichts I Sie schüttelten sich die Hände und trennten sich mit weniger als beliebten Teßa, brachte ihn um den letzten Rest elnettt: „Aus baldiges Wiedersehen!" der ihm entgegengebrachten Sympathieen. Heimlich beglück- I Zwei Tage darauf standen sich Ina und Gebhardt wünschte man Fräulein Ina zu dieser Wendung im Leben; I wieder zum ersten Mal gegenüber, er ernst und doch sichtlich nur ließ es Ina selbst völlig gleichgültig, wie man sie und | übcr ihren Anblick erfreut, sie ein wenig befangen mit ihre Handlungsweise beurtheilte. I hochklopfendem Herzen. — Anders, so ganz anders Alles im Gebhardt'schen Hause. | Thea war zugegen. Sie betrachtete das Paar nicht Da gab es eine strahlende Braut, die Jedem eine kleine 0^ne Unruhe mit dem heimlichen Wunsche, daß dies Wieder- Comödie vorspielte, den Fremden und Freunden, den Ver- ^hen nicht stattgefunden hätte. wandten und dem Bräutigam, nur nicht sich selbst. Es I Der Commerzienrath, der sich etwas später zu den konnte keine liebenswürdigere und zärtlichere Braut geben, Uebrigen gesellte, zeigte die rosigste Laune, die sich zum Theil als die schöne Teßa. Frau Lore wunderte sich geradezu I bat!) aui^ auf feine Jüngste zu übertragen schien. und auch Gebhardt setzte die Ausdauer, mit der seine I <>