E [nm uni 1 WM H't» W W ME S8^ÄWw®WWa!«äS^ ®fSrbSsar%Ä Licht nimmt zu, leis, leis, von Tag zu Tag, Uln einen Hahuschrei, einen Pendelschlag, ■*** Wer strebt und sehnt, dem läßt es keine Ruh; Noch heißer hofft er, denn das Licht'nimmt zu. Frieda Schanz. "™>—>''1 ..... ■■■n i i ,|- — - - Muttersohn. Roman von Arthur Zapp. (Fortsetzung.) Acht Tage später feierten Carl Köster und Helene Zimmermann ihre Verlobung. Bei Helenens Verwandten fand cm Abend eine kleine Feierlichkeit statt. Der Onkel der Braut, ein pensionirter kleiner Beamter, hielt eine feierliche Ansprache an die Verlobten. Frau Köster war sehr gerührt und selbst Vater Köster wischte sich verstohlen die Augen. Otto gähnte hinter der vorgehaltenen Hand ein über das andere Mal. In seinem ganzen Leben hatte er sich nicht so „geödet". Kurz nach der Verlobung trat Carl aus der Dalchow'schen Fabrik aus und machte sich selbstständig. Es war eine bescheidene kleine Werkstatt, die er eröffnete, aber seine geschäftlichen Erfolge zwangen ihn schon sehr bald, sich wesentlich zu vergrößern und ein halbes Dutzend Gehilfen einzustellen. Er hatte sich auf eine bestimmte Specialität seiner Branche geworfen. Es war eine besondere Art von Hängelampen, die er anfertigte. Sowohl durch ihr gefälliges Aussehen wie durch ihr helles Licht zeichneten sich die Köster- Lampen aus, und ihr Ruf verbreitete sich ra>ch in den Kreisen der Fachleute und Händler. X. Mehr als ein Jahr war vergangen. Carl und Helenens Glück hatte seinen Gipfelpunkt erreicht. Erne Knabe war ihrer Ehe bescheert worden und die gemeinsame Liebe zu ihrem Kinde vertiefte und veredelte noch das Gefühl, das sie für einander im Herzen trugen. Das alte Köster'sche Ehepaar war ein häusiger Gast m der jungen glücklichen Familie. Der alte Köster war sehr stolz auf seine neue Würde als Großvater, und auch Frau Köster wiegte den kleinen Weltbürger mit großmütter- lichem Vt»lz in ihren Armen, wenn es auch sozusagen nur ihr Stief - Enkelkind war. Stille Gedanken und Wünsche regten sich dabei jedesmal in ihrer Brust: wenn Ottochen erst einmal soweit sein würde! Es war eine gewisse beklommene Freudigkeit, die ihren Herzschlag bei solchen Zu- kunftshoffnungen beschleunigte. Was für eine vornehme Schwiegertochter ihr Ottochen einmal zuführen würde? Ottochen erschien nur sehr selten in der bescheidenen Wohnung des jungen Paares. Wenn er seinen Bruder einmal aufsuchte, so geschah es zumeist in den Vormittagsstunden in seinem Geschäft. Er pflegte dann jedesmal ein Klagelied über die Knausrigkeit des Alten anzustimmen, wobei ihn wohl die Gegenwart seinerWchwägerin geniert haben würde. Carl zeigte sich in der Regel nicht unempfindlich. Der arme Otto! sagte er sich. Er wußte ja, daß ihn der Vater seit der Wechselgeschichte sehr knapp hielt. Da war es doch seine, des Weiteren Pflicht, dem Nothleidenden hie und da mit einem Zehnmarkstück unter die Arme zu greifen. Zum Glück besaß Otto ein schlechtes Gedächtniß. Daß er sich einst hoch und theuer verschworen hatte, nie wieder einen Pfennig von dem Bruder anzunehmen, schien er vollständig vergessen zu haben. Mit einem dankenden Kopfnicken und einem kurzen „Merci“ ließ er jedesmal Carls Liebesgabe geschickt in die Tasche gleiten. Wenn ihn Carl dann aufforderte, doch einmal des Abends zu kommen, lehnte er in der Regel bedauernd ab. Das Assessorexamen rückte näher und näher. Scheußlich, was da Alles von einem verlangt würde! Nun säße er jeden Abend mit Markwald und Wattenfeld zusammen und sie ochsten, daß die Schwarte knackte . . . einen Abend in Markwalds Zimmer, den anderen Abend bei Wattenfeld. Otto übertrieb nicht. Sie arbeiteten wirklich so jeden Abend miteinander, die Herren Referendare. Vor dem Assessorexamen hatten sie allesammt eine heilige Scheu. Dagegen war das Referendarexamen nur ein Kinderspiel gewesen. Mit dem sich wieder lebhafter gestaltenden Verkehr regten sich auch wieder die alten Triebe und Neigungen in Otto. Der moralische Katzenjammer, dessen Opfer er einst gewesen, war längst, auch in seinen leisesten Nachwirkungen überwunden. Dummheit, daß er die Sache damals so schwer genommen! Als ob es nicht etwas Alltägliches wäre, daß die Söhne Schulden machten und die Väter sie bezahlten. Auch Markwald und Wattenfeld meinten, das sei schon seit Olims Zeiten so, und die Herren Väter hätten es zu ihrer Zeit auch nicht besser gemacht. Ueberhaupt hatte er es satt, sich von den Coltegen 46 immer und ewig gängeln zu lassen. Sie hatten ihm schon den Beinamen Cato gegeben, weil er sich eine Zelt lang ganz streng von dem geselligen Verkehr zurückgezogen hatte. Markwald hatte eine geradezu aufreizende Art, sein Glas einzuklemmen und seine Augenbrauen hochmüthig in die Höhe ziehend zu näseln: „Sind doch im Grunde ein furchtbares Rauhbein, lieber Köster!" Ganz fuchswild aber machte es ihn immer, wenn Wattenfeld dann secundirend mit seinem beleidigenden, mitleidigen Lächeln hinzufügte: „Der Spießbürger schlägt ihn eben immer noch in den Nacken." Otto nahm also ab und zu wieder an den nächtlichen Vergnügungen der Herren Theil. Fatal war es, daß er immer gerade, wenn sie alle in der fidelsten Stimmung waren, aufbrechen mußte, um nur nicht die letzte Pferdebahn zu versäumen. Kein Wunder, daß er wieder wie ehemals einen förmlichen Haß gegen den „Gesundbrunnen" faßte und daß ihm insbesondere die Rügenerstraße wieder zum Greuel wurde. Markwald hatte eines Tages oder vielmehr eines Nachts einen „sublimen" Gedanken, wie er es selbst nannte. „Wissen Sie, Köster, — sagte er, als Otto wieder einmal vorzeitig aufbrechen wollte — werde Ihnen einen Vorschlag machen. Sie gehen nachher mit mir nach Hause und campiren in meinem Studirzimmer auf'm Sopha. Feudale Idee . . wie?!" Otto kratzte sich unschlüssig hinter dem Ohr. Der Vorschlag war ja allerdings famos, aber er wußte, daß seine Mutter niemals fest einschlief, bevor sie ihn nicht zu Hause wußte. Sie würde die ganze Nacht kein.Auge zuthun aus Sorge um ihn. „Ich weiß nicht," stotterte er verlegen. „Aha," fiel hier Wattenfeld mit boshaftem Lächeln ein, „haben Papa nicht um Erlaubniß gefragt, wie?" „Unsinn !" brauste Otto ärgerlich auf. „Ich dachte nur ... ich wollte den Collegen nur nicht lästig fallen." „Von Lästigfallen kann unter Collegen gar nicht die Rede sein," erwiderte Herr von Markwald höflich. „Also abgemacht. Sie bleiben, Köster, und wir pilgern (nachher zusammen nach meiner Bude." Als Otto am anderen Vormittag nach Hause kam, war der Vater schon längst im Geschäft. Die Mutter sah ganz elend und übernächtig aus. Sie hatte schon vom Fenster aus nach dem Heimkehrenden ausgespäht und kam ihm bis zur Treppe entgegen. „Was war denn, Ottochen? Wo warst Du denn?" erkundigte sie sich liebevoll, glücklich, daß er unversehrt wieder da war. Er erklärte, daß sie bis spät in die Nacht hinein gearbeitet hätten und daß er dann zu ermüdet gewesen sei, um noch den weiten Heimweg zurückzulegen. Da habe er eben Markwalds freundliches Anerbieten, bei ihm die Nacht zuzubringen, mit Dank angenommen. „Da hast Du Recht gethan, Ottochen," stimmte sie sogleich bei. „Mein Gott, Ihr armen jungen Leute! Da sitzt Ihr nun die halbe Nacht und lernt und studirt und quält Euch! Kein Wunder, daß soviel Jugend heute blaß und kurzsichtig herumläuft. Armer Otto! Willst Du Dich nicht 'n bischen aufs Ohr legen oder soll ich Dir lieber 'n Täßchen Cacao machen und 'n paar Eier dazu ... in der Schale......" Von da ab wurde es zur Regel, daß Otto zwei oder drei Nächte in der Woche nicht nach Hause kam, sondern bei Markwald campirte. Zwar äußerte der Vater einige Bedenken, besonders mit Bezug auf die Persönlichkeit des Gastgebers, aber Otto fuhr ordentlich beleidigt auf. „Soll ich vielleicht zu Markwald sagen: Sie sind mir ein zu gefährlicher Mensch, College! Ich kann mich doch nicht lächerlich machen! Soll ich mir einen Umgang vielleicht hier auf'm Gesundbrunnen suchen? Ich muß doch noch froh sein, daß Herr von Markwald mir überhaupt so liebenswürdig sein Zimmer zur Verfügung stellt. Oder soll ich vielleicht zwei Stunden früher aufbrechen als die Anderen, und soll riskiren, daß ich nachher beim Assessorexamen mit Pauken und Trompeten durchfalle, weil ich mich nicht habe gehörig vorbereiten können?" Diesen Gegengründen konnte sich auch der alte Köster nicht verschließen und so enthielt er sich jedes weiteren Widerspruchs. Schließlich war Otto doch ein erwachsener Mensch und mußte am besten wissen, was er zu thun hatte. Als auf die Dauer den beiden jungen Leuten dieses gegenseitige Wirths- und Gastverhältniß lästig wurde, wußte Herr von Markwald neuen Rath. „Wissen Sie, College," sagte er zu Otto, „miethen Sie sich doch ein Absteigequartier! Hier in meiner Gegend krtegen Sie dergleichen billig. Bequemer können Sie sich's doch gar nicht einrichten. Ihr Alter braucht ja nichts davon zu wissen. Offiziell wohnen Sie nach wie vor bei ihm und inofficiell übernachten Sie, so oft Sie Lust haben, in Ihrem Absteigequartier. Ihrem Alten vis-ä-vis diene ich gern nach wie vor als Deckadresse sozusagen." Ottto leuchtete die Sache zwar ein, aber der Kostenpunkt machte ihm Scrupel. „Kostenpunkt . . . nicht der Rede werth," erklärte dagegen Herr von Markwald. „Bude braucht ja nicht übermäßig elegant zu sein, ist ja blos zum Schlafen. Zwanzig bis dreißig Mark den ganzen Monat, ist doch 'ne Bagatelle." „Für mich leider nicht," seufzte Otto. „Mal wieder abgebrannt, lieber Köster?" lächelte Markwald. „Schadet nicht, helfe Ihnen. Habe neuen Geldmann entdeckt .... riesig anständigen Kerl, sage Ihnen." Otto schnitt eine Grimasse und protestirte lebhaft: „Habe noch genug von damals, danke. Mit Wechselgeschichten lasse ich mich nicht wieder ein." Markwald lächelte mitleidig. „Sinv doch ein furchtbarer Hase, Köster. Hat wohl damals 'ne höllische Standpauke gesetzt von Ihrem Alten, was? Ich bitte Sie, davon stirbt man doch nicht. Uebrigens, wie gesagt, riesig netter Kerl! Berechnet gar keine übermäßigen Zinsen, glaube nur dreißig Prozent und prolongirt bis ins Aschgraue." Wochenlang widerstand Otto, endlich aber unterlag er der neuen Versuchung. Er brauchte so dringend Geld und die Sache war so bequem. Sein Vater würde nie etwas erfahren, überredete er sich selbst. Bis zum Assessorexamen war nicht mehr lange. Bis dahin mußte der Geldmann eben prolongiren. Und hatte er das Staatsexamen erst einmal hinter sich, dann standen ihm die mannigfachsten Wege offen, zu Gelbe zu kommen: Entweder er heirathete eine reiche Frau oder er konnte im Nothfall irgend eine Anstellung annehmen, die sofort ein fixes Einkommen gewährte, beim Magistrat oder einer Lebensversicherungsgesellschast, oder er wurde, wenn er Glück halte, mit der Vertretung eines Richters betraut und bezog volles Gehalt als solcher. Dem ersten Wechsel folgte ein zweiter und diesem ein dritter. Einmal acceptirte er und Markwald gerirte, das andere Mal gab er wieder sein Giro, während Markwald sein Accept auf das Zauberblatt setzte, das sich alsbald in lachendes Baargeld verwandelte .... * * * Der Kammergerichtsrath Göring bewohnte die ganze Bel-Etage eines eleganten Hauses in der Kursürstenstraße. Sein Gehalt sowie die Zinsen seines nicht unbeträchtlichen Vermögens erlaubten ihm, ein mehr als behagliches Leben zu führen und seiner Neigung für gesellige Unterhaltung ohne jede Einschränkung nachzugeben. Für das Opernhaus und das Schauspielhaus besaß er Abonnement und während der kalten Jahreszeit vereinigte eine Jourfix zwei Mal im Monat die Freunde der Familie zu einem zwanglosen Beisammensein. (Fortsetzung folgt.) 47 Mod. 900. Mod. 899. und an der Seite des Rockes sind Mod. 902. Mod. 898. vollständig genügt, denn ergänzt. stets in einem einfachen, aber geschmackvoll ausgeführten Costüm, weil in harmonischer Uebereinstimmung mit ihrer Individualität, am vortheilhaf- testen erscheinen. Auch in ältere Ideen läßt sich durch neue Auffassung und modegerechte Ausführung eine gelungene Originalität legen. Als Beweis für diese Behauptung mag das beifolgende Postilloncostüm dienen. Wer kennt sie nicht, diese sich jedes Jahr wiederholenden Postilloncostüme. vergangener Zeit, bald als moderner Wasserrosen und Schilf in gefälliger Weise angebracht. Das Feenhafte der Kleidung ist durch lange, weite, aber offene Aermel noch besonders zum Ausdruck gebracht. Doch nicht alle Menschen sind geeignet, poetische Nixenbräute und zarte Blumen darzustellen und andererseits gehört zum Postillon ein keckes, temperamentvolles Persönchen, welches sich nicht so leicht aus der Rolle bringen läßt. Wir glauben deshalb unsere kleine Auswahl von Maskencostümen am "ortheil- haftesten zu ergänzen, wenn wir zum Schluß auch ein Costüm bringen, welches allgemein mit Bortheil zu verwenden sein wird. Wir meinen das kleidsame Bäuerinnencostüm (Mod. 898). Ist dieses doch so recht geeignet, die graziösen Bewegungen beim Tanzen und die Jugendfrische zur Geltung kommen zu lassen. Man kann wohl sagen, selbst das unbedeutendste Gesicht gewinnt unter einem großen runden Lut, wie ihn unsere in Abbildung 8-8 gezeigte Sarnthalerin trägt. Auch den Es erschien soeben neu im Verlag „Europ. Modenzeitung", Dresden, und ist durch jede Buchhandlung zu beziehen: Steuer Leitfade« für die Damenschneiderei- reich illustrirt mit über 50 Abbildungen. Preis gebunden nur 1 Mk. Dieses Merkchen will ein Wegweiser und Rathgeber.lauf dem Gebiet der Damenschneiderei sein, die es bis in die kleinsten Details in einfacher, leichtfaßlicher Anforderungen der Masken- costüme, möglichst bunt zu sein, wird „ .. der weite Rock ist farbig gestreift und außerdem mit einer buntseidenen Schürze gedeckt, deren breite seidenen Bänder vorn zur vollen Schleife gebunden werden. Das silberverschnürte, schwarze Sammtmieder wird durch eine weiße, weitärmelige Batiftblouse ir befinden uns in der winterlichen Hochsaison, in der Zeit der Soirsen, Bälle und Feste, und die tanzlustige Jugend ist in freudigster Stimmung. Einen doppelten Genuß gewähren all' diese Belustigungen durch die Vorfreude, durch den Gedanken an das kommende Vergnügen, die das Herz manches jungen Mädchens höher schlagen lassen. Und diese Vorfreude ist in der That auch nicht zu unterschätzen und erklärlicher Weise bildet eine der angenehmsten Beschäftigungen die Costümauswahl. Am amüsantesten und reizvollsten gestaltet sich dieselbe, wenn es gilt, ein hübsches Masken- oder Faschingscostüm zu wählen, denn hier darf auch die kühnste Fantasie, unbesorgt um eine strenge Kritik, ihre Blüthen treiben. Je origineller — desto besser, denn einfache Wiederholungen des Dagewesenen wirken nicht. Selbstredend kann nicht Jeder eine durchaus neue Idee ausführen, denn nicht alle Persönlichkeiten sind durch ihr Naturell geeignet, durch Originalität abzustechen.'Solche werden Festgewand, so wie es sich für Wassermanns Braut gehört, wenn sie zum Hochzeitsmahl geht, mit Silber und glitzernden Perlen verziert. Den Haupt- schmuck bilden jedoch Wasserrosen in üppiger Pracht. Zwei große Rosen mit Schilt und Blättern zusammengesteckt, bilden den äußerst kleidsamen Brautkranz. Wasserrosen zieren den Ausschnitt des im Uebrigen schlicht herabfallenden weißen Kleides, welches nur in der Taille durch einen Metallgürtel gehalten wird. Auch am Gürtel und an der Seite des Rockes sind Mode-Aerichl für Maskenkostüme bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufactnr, Dresden. Reichhaltiges Modenalbum und Schmttmusterbuch für 50 Pfg. daselbst erhältlich. Bald als Postillon aus „ „ „ . ___________ Stephansbote auftretend, erscheint es fast, als ob sich diesem Costüm keine neue Seite abgewinnen ließe und doch braucht man auch hier nur ein wenig nachzudenken, um zu einer vollständig modernen Auffassung zu gelangen, denn auch in das Postwesen hat sich die Mode eingeschlichen. Mir denken dabei fächer, mit farbigen Postkarten besteckt. Um den unteren Rockrand ist ein Sammtstreifen gesetzt, welcher mitBriefmarken allerGattungen verziert ist. Auch mit den allzeit beliebten Blumencostümen läßt sich durch eine neuartige moderne Auffassung der Idee eine sehr hübsche Wirkung erzielen. Während diese früher zumeist durch ein Arrangement zahlreicher Blumen auf beliebigem Untergrund dargestellt wurden, behandelt man jetzt das ganze Costüm als eine einzige Blüthe, indem mau sich bemüht, den Blüthencharacter so naturgetreu wie möglich । wiederzugeben. Diese neuartige Auffassung giebt Gelegenheit zur ' vortheilhaften Nachahmung sehr zahlreicher Blumen. Eine Probe davon giebt beifolgendes Nebencostüm (Mod. 902). Je nach dem Geschmack der Trägerin kann man die Farbe der Blüthenblätter wählen; an unserem Modell waren dieselben hochroth. Alle Theile jedoch, welche den Kelch darstellen, bestanden aus mattgrünem Sammt. Demzufolge sind die Taille und die über die Hüften fallenden Kelchblätter aus grünem Sammt gefertigt. Der aus drei gepreßten Gazevolants bestehende Rock ist roth, desgleichen die aus gepreßter Gaze bestehenden Puffärmel und ebenso der den Halsausschnitt umgebende Kragen. Den Kopfputz bildet eine riesengroße Nelke. Rothe Handschuhe und Strümpfe vervollständigen das Costüm. Dem phantastischen Reick der Feen und der Naturgeister ist das nächste Costüm entlehnt. Mod. 900 stellt Rautendelein daraus Gerhard Hauptmanns Versunkener Glocke. — Es ist aber auch ein gar zu verlockendes, zur Nachahmung reizendes Bild, welches der Dichter uns vorzaubert, wenn er sein Rautendelein, schon mit dem Wassernixenanzug angethan, noch einmal aus dem Brunnen emporsteigen läßt, um Abschied zu nehmen. Es ist ein echtes an die illustrirte Postkarte, welche fast Jedermann jetzt sammelt, zumindest aber schreibt. Wie mannigfach läßt sich diese Idee verwerthen! Und wie gut läßt sich die Rolle zur Freude Aller durchführen, wenn man z. B. hübsche Scherzpostkarten zur Erinnerung an das Fest vertheilt. An unserer Abbildung (Mod. 899) wird die illustrirte Postkarte an sich mit besonderem Bortheil als Rockgarnitur verwendet. Wie ersichtlich, sind zwei große Karten über Eck in der vorderen Mitte befestigt. Die eine trägt die Adresse, die andere, welche die Rückseite darstellt, ist mit einer Ansicht und launiger Inschrift versehen. Beide Karten bestehen aus weißer Seide und heben sich wirkungsvoll von dem hellblau-seidenen Rock ab. Die anliegende Sckößchentaille besteht aus dunkelblauem Sammt und sind die Revers und Ränder mit rothem Sammt passepoilirt. Auch ist der hochstehendeKragen mit rothem Sammt abgefüttert. Das Costüm vervollständigt sich durch ein weißes Spitzenjabot und einen dunkelblauen Sammt- «K'S W- 48 Sprache erklärt und das Berftändniß durch zahlreiche inftructive Abbildungen unterstützt. Es ck für alle Lernenden von großer Zweckmäßigkeit und für alle Könnende ein Nachschlagsbuch von beträchtlichem Werth. Ueber die Bielseltlgkett des Buches mag d,e nachfolgende gedrängte Inhaltsangabe orientiren: Das Zuschneiden, das Füttern des Rocks die verschiedenen Nahte der Rockschweif der Rockbund. - Das -iuschneiden des Futters, des Oberstoffes, das Aufheften, die Anprobe, das Ausarbeiten der Nahte, das Platten, das Emfugen des SischbeinS der Haken-, Knopf- und Schnürverschluß, Taillenband, Kragen, A-rmel. - Die englische Taille. — Das Werkchen durfte seine ufgabe ein wirklich nützlicher Rathgeber für die practische Schneiderin ,u sein, zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllen. G SIN einnntzigeG» Trockene und verdorbene Käse schmockhaft rn mache«. Guter Wein wird so lange über gereinigtes Weinfteinsalz gegossen, bis die Mischung nicht mehr aufbraust, dann werden mit derselben leinene Tücher benetzt, diese um die Käse geschlagen und selbige in den Keller gelegt. Nach 24 Stunden befeuchtet man die Tücher von Neuem, kehrt die Käse um und fährt damit nach Beschaffenheit der Käse vier Wochen lang fort. * * * Kleitte Hand käse mürbe «»d wohlschmeckend zu mache«. Man nimmt eine genügende Portion Heu, kocht diese» in reinem Wasser tüchtig durch, läßt dann das heiße Wasser ablaufen, doch nicht zu viel, und verpackt die Käse sofort in ein passendes Gefäß mit dem warmen Heu. Hierbei bringe man das Heu in Schichten von mehreren Lentimeter Dicke zwischen jede Lage Käse. Nach drei Wochen haben letztere einen äußerst angenehmen Geschmack erlangt. Sollte dieser noch nicht nach Wunsch eingetreten sein, so verfahre man nochmals nach der angegebenen Weise. * -i° ♦ Reeept »« eine« gute« Leberwurst. 1 Kilo gekochter in Würfelchen geschnittener frischer Speck, l‘/2 bis 2 Kilo gekochtes und dann fein gewiegtes mageres Schweinefleisch nebst der roh erhitzten und dann fein gewiegten Schweinsleber, sowie Salz, feiner weißer Pfeffer, Nelken Pfeffer, gestoßene Nelken und geriebene Muskatnuß je nach Geschmack werden innig mit einander vermengt und in gut gereinigte Schweinsdärme gefüllt. Kochen soll man diese Wrrrst am besten gleichzeitig mit der Blut- und Rothwurst- soll diese schon vorher gekocht werden, so legt man eine Blutwurst zurück, und zwar eine mittelgroße, und kocht diese dann mit der Leberwurft- blutet die Rothwurft nicht mehr, wenn man die Wurstgabel hineinsteckt, dann ist auch die reberwurst gar, wird dem Kessel entnommen. * « * Rohrrüben-Pubding. Man nimmt 500 Gramm Mohrrüben, die gekocht und durchgeschlagen werden, ebensoviel Mehl, 250 Gramm feingehackten Rindertalg, 250 Gramm Rosinen, 250 Gramm Korinthen, 125 Gramm Citronat und etwas Salz. Die Masse wird sodann in eine Serviette gethan und muß ununterbrochen zwei Stunden lang kochen. Der Pudding, welcher sehr wohlschmeckend ist, wird mit beliebiger Sauce servirt. Auch aufgewärmt schmeckt derselbe vorzüglich. Man muß ihn zu diesem Zweck in Scheiben schneiden und in geschlossenem Gesäß dämpfen. » * ♦ Kavtostel-Guppe ä la crfime. 25 bis 30 mittelgroße Kartoffeln schält, wäscht und schneidet man, ebenso eine große Zwiebel und einen Selleriekopf, thut dies mit 135 Gramm frischer Butter, etwas Pfeffer, Salz und geriebener Muskatnuß in eine Cafferole und dämpft Alles unter fleißigem Umrühren bei gelindem Feuer völlig weich, verkocht die Maffe mit zwei Liter ,Bouillon von Liebigs Fleisch-Gxtract langsam eine halbe Stunde, fügt nach Bedarf etwas weitere Bouillon nach, läßt die Suppe noch ein wenig ziehen, schüttet dann noch einen halben Liter kochenden Rahm zu, thut ein Stückchen sehr frische Butter hinein und richtet sofort an. Truthah« Mit Kastanie«. Ein Pfund Bratwurstfüllsel würzt man mit Salz, Pfeffer, Muskat und fein gehackten Zwiebeln, mischt darunter etwa 1 Liter geschälte und gedünstete Kastanien und füllt mit dieser Mischung einen sorgfältig gerupften und gesäuberten Truthahn, den man hierauf zusammennäht und zusammenbtndet. Dann läßt man ihn unter häufigem Begießen mit der Butter 4T/2 Stunden im Backofen braten, worauf man ihn auf einer flachen Schüssel anrichtet, während man die Sauce, die man mit etwas Liebigs Fleisch - Extract gekräftigt und dann entfettet und durch ein Sieb gegoffen hat, auf einer besonderen Schüssel servirt. * * Das Reinige« des Dillvers mit Silberseife hat den Nachtheil, daß man bei starkem Reiben zu viel Silber abreibt ,- es ist deshalb sehr zu empfehlen, das Silberzeug nur in heißes Seifenwasser mit Soda zu legen, einzeln tüchtig zu frottiren und dann heiß abzutrocknen, wodurch er einen wunderschönen Glanz erhält. Humoristisches. Einfach. „. . , Beoaure sehr, gnädiges Fräulein, den Stoff kann ich nicht mehr umtauschen!" — „Er gefällt aber meinem Bräutigam nicht!" — „Nun, dann tauschen Sie doch den Bräutigam um!" — Gedankensplitter. Biele Leute glauben, die Tugend bestehe darin, daß man gegen Andere streng ist. — Der Gemüthsmensch. „Sie: Abend für Abend gehst Du Deinem Vergnügen nach, und ich muß zu Hause sitzen. Wozu hast Du Dich eigentlich verheirathet?" — Er: „Damit ich Jemand hab', der bei den armen kleinen Würmern bleibt." — Das ist es! A.: „Begreifen Sie es, daß die Sarah Bernhardt so berühmt werden konnte?" B.: „O ja." A.: „Nun?" B.: „Es kann sich eben Keiner satt an ihr sehen." — Richtig. A.: „Sagen Sie, ist Herr Wolters, der kühne Börsenmann, nicht Ihr leiblicher Vetter?" B.: „Allerdings." A.: „Aber er sagte mir neulich, er sei nur, ein entfernter Verwandter von Ihnen." B.: „Das stimmt ich hab' ihn 'rausgeschmissen." Literarisches Mit Recht wird unser Jahrhundert das der Electricität genannt. Den zahlreichen Erfindungen auf diesem Gebiete hat sich eine neue angereiht: Die elektrische Post in Boston. Wie uns die bekannte Familienzeitschrift „JlluKrirte Chronik der Zeit" darüber berichtet, ist neuerdings auch die Electricität zur raschen Beförderung von Mittheilungen innerhalb der Stadt mit Erfolg benutzt worden. Es geschieht dies in ähnlicher Weise wie bei den Rohrposten der Großstädte; während die Uebermittelung von Correspondenzen hier auf pneumatischem Wege besorgt wird, bewirkt dies bei der Bostoner Post die Electricität. IleBet den „Kunstwart", die von F. Avenarius herausgegebene Halbmonatschau über Litteratur, Theater, Musik und bildende Künste (Verlag von Georg D. W. Tallwey in München, vierteljährlich Mk. 2.50) schrieb kürzlich die „Tägliche Rundschau": „Vor mir liegt der letzte Jahrgang des „Kunstwarts". Welch eine Fülle von Urtheil und Kunstsinn, welch ein vortreffliches und umfassendes Bild des schöngeistigen Lebens eines ganzen Jahres, und das Ganze für einen wahrhaft lächerlichen Preis! Dichtung, Theater, Musik und bildende Künste sind hier mit gleicher Liebe und gleichem Berftändniß gesichert, dargestellt, beurtheilt. Kein gelehrter Ballast füllt die Spalten, und es ist ein thörichter Glaube, den man mitunter hört, der „Kunstwart" sei nur für Künstler von Fach da. Nichts falscher als das, er ist der berufene Wart für alle Künste und ist geschrieben für die Gebildeten aller Stände. Nedactionr SL Gcheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Echeyda) in Gießen.