V i ranu ^8 et zum Geben stets bereit, Miß nicht kärglich Deine Gaben, Denk', in Deinem letzten Kleid Wirst Du keine Taschen haben. Paul Heyse. Felsgarten. Roman von Clara Bück er. (Fortsetzung.) Nach Tisch kam die Stunde im Garten wie gestern, auch das dunkelblaue Kleid war dasselbe, nur ihre "Augen blickten bang zweifelnd in die seinen. „Ist es nicht nach Ihrem Sinn? Vermissen Sie hier sehr viel? Meine Schwester machte mich darauf aufmerksam —" „Lassen Sie doch," sagte er sanft, „cs ist so schön hier bet Ihnen." Wie die Augen leuchten und danken konnten/ behutsam wandte er den Blick, denn er wollte sie nicht verscheuchen." „Meine Schwester ist eigentlich viel, viel tüchtiger als ich, im Haushalt nun schon ganz und gar. Sie werden gefunden haben, auch im Wissen, sie vermag sich Alles viel regelrechter anzueignen, als ich, sie ist vollkommen dem Papa ähnlich, zuverlässig in jeder Weise." Daraufhin konnte Heinrich sich nicht bezwingen, 'jetzt mußte er die Probe machen. Sie standen beinahe am Ende des Gartens, dichtes Gebüsch vor sich, zwischen dem ein heiterer, weißlich gewölkter Himmel schimmerte. „Sie machen viel Lobens von Ihrer Schwester, die Ihre Wirthschaftführüng heute recht eigenthümlich beleuchtete," sagte Wulffen scharf. Hilde fuhr hoch auf, ihre Augen zuckten wie plötzlich geblendet. „Meine Schwester? Hinter meinem Rücken?" Staunen wie Schmerz waren echt. Sie ahnte mithin Irmgards wahren Character gar nicht, sondern verkleinerte sich ehrlich gegen deren Ueberhebung. Echt, Alles echt an ihr, er hätte jauchzen mögen. Nun wollte auch er aufrichtig sein. „Ja, sie gab sich rechte Mühe, mir ein wahres Bild zu zeigen, leider gab sie bloß sich selbst." Sein rauher Ton dünkte Hilden ein Lobgesang. Trotz Irmgards Herabsetzung hielt er zu ihr, vertraute er ihr? Licht wie der Frühling mit seinem sonnigen Erwachen lebte diese Erfahrung in ihrem ernsten, bleichen Gesichtchen auf. Er aber, der Schöpfer dieser Offenbarung, trank sie mit den Augen, bis sein Herz zitterte. Wunderbar, hier fiel ihm keine Melodie ein, hier entfesselten sich so viel Empfindungen zugleich, daß es der brausenden Akkorde wie süßen Harmonien in überwältigender Unmäßigkeit gab. Wie da nach Ausdruck suchen? Wie ihn durch die Kunst meistern? „Sie kennen mich besser, als die Anderen?" fragte fie mit banger Stimme. „Ja, ja! Das heißt, eigentlich doch nicht! Ich weiß ja noch so gut wie gar nichts von Ihrem vielseitigen Talent: Sie malen, musiziren und dichten? Verlegen, roth bis zur Stirn wandte Hilde den Kopf, rang sie erst nach dem Entschlüsse unter den Worten: „Nein, ja doch — ach, Unsinn," ehe sie kleinlaut bekannte: Sie haben falsch verstanden, Eins kam nach dem Andern." Zuerst hatte ich wie alle Backfische Musikunterricht, und da der Trieb selbst zu gestalten mich längst beherrschte, versuchte ich es mit den Tönen, kam aber über die bloße Nachahmung nicht fort, ja, sobald mir ein eigener Gedanke während des Spiels auftauchte, verpfuschte ich meinen Hehdn und Mozart derart, daß es eine Schande war, weshalb ich eines Tages das Clavier zuklappte mit dem Entschluß, nicht mehr zu spielen." ' „Das haben Sie gehalten?" Wieder besann sie sich, hielt Umschau, als möchte sie hinter die Büsche entfliehen und sah dann bezwungen in seine Augen. „Natürlich. . Später folgte ich einer neuen Erleuchtung, nämlich der, daß ich es beim Schreiben belassen sollte, denn geschrieben, verbrannt und wieder geschrieben hatte ich von Kindheit an. Dies Letztere trug nun auch die Schuld, daß ich in der litterarischeu Welt nicht festen Fuß faßte. Wäre ich als kleines, unfertiges Talent vor die Leute getreten und langsam vor der Ocffentlichkeit gereift, so würde man mich heute dulden wollen/ nun jedoch die bildungsfähigen Versuche stets vernichtet waren und meine Art sich fester ausgebildet hatte, nahm mich kein Verleger, kein Redacteur, kein Agent. Was meinen Sie, wie die mir Wohlwollenden das lesende Publikum kritisirten? Es ließe sich eine nachdenklich — 442] — Lectüre allein von einem genannten, namhaften Autor gefallen und dann dürfte sie noch kaum etwas kosten." „Sie verstanden also das Handwerk wenig?" „Wie sollte ich auch! Den Kreis, in dem ich lebe, übersehen Sie jetzt schon. Verkehr mit Berufsgenossen — wie sollte ich den finden? Man ist als Mädchen eben an seine Scholle gebunden, was meine Art noch unterstützt. Zudem denkt man mit vierundzwanzig Jahren anders, als mit achtzehn - mir ist die Oeffentlichkeit gleichgiltig geworden. Die Leute, von denen sie das Gepräge hat, gelten mir wenig, und die Stillen sind genau wie ich unterdrückt oder kaum beachtet. Kurz, während des gequälten Suchens nach Besserem fielen mir meine Zeichnungen in die Hände. Gestrichelte Dinger, die allesammt irgend einen Fehler und einen Knick aufwiesen. Statt mir zu sagen, die Ungereimtheit kam jedesmal hinein, sobald Du selbstständig sein mußtest, schob ich sie auf Lehrer oder Unterricht und begann in dieser Weise Apoll zu kränken. „Nun wissen Sie Alles!" „Ist das solches Geheimniß?" „Ja, weshalb sollte ich davon sprechen! Die Bekannten wissen, ich trage mich persönlich nicht zu Markte. Papa und Irmgard verrathen es mitunter, wenn sie meine Art vor den Leuten entschuldigen wollen oder wenn sie sich ängstigen, man könnte mich für so einfach halten, wie ich nun leider aussehe. Nun müssen Sie mir aber gleichfalls etwas Vertrauen schenken. Ich weiß von Tante Wulffen, wie sicher und folgerichtig Ihre schöne Begabung sich entwickelte. „Werden Sie uns bald etwas von Ihrer Kunst hören lassen, ja?" fragte sie. „Nein, thu ich nicht," wehrte er, in ihren Anblick verloren. „Sie sind garstig —" Dabei lachte sie ihn mit den Augen an, deren Ernst ganz wunderbar versank, um allerlei zagen Lichtlein Platz zu machen, die zitternd und schimmernd von einem goldenen Feuer kündeten. „Ich werde Sie sehr höflich bitten, die Anderen werden einfallen und Sie nachgeben, nicht wahr?" Nun lächelte der kleine, stolze Mund auch noch so verloren zu ihm hin, es war nicht zum Aushalten, er mußte wegsehen. „Ich darf doch nicht, Fräulein Hilde." „Warum?" fragte sie bang und sanft. „Weil ich die unumstößliche Neigung habe, immer der Dame zu huldigen, der gehorsam ich spiele. Wie soll ich das bei Ihnen anstellen? Ihre häuslichen Pflichten machen die Anderen schlecht, Ihre geistigen Sie selbst noch schlechter." „Spielen Sie immer, was Andere denken?" rief sie in einem jähen Auffahren, wobei sie den Kopf zurückwarf. „Ach, Sie wollen hören, was ich denke?" „Wie Sie denken, wie Sie fühlen!" entschied sie schnell versöhnt. „Bekomme ich dann auch etwas zu sehen oder zu lesen?" fragte Heinrich dringlich) seine Stimme klang ganz anders als sonst. „Ach!" versetzte Hilde leichthin. „Dann bitte ich Ihren Papa oder Ihre Schwester darum." „O, das möchte aussehen! So einen Herrgottskäfer mache ich nun doch nicht aus mir. Spielen Sie uns heute Abend etwas, schicke ich Ihnen eine Mappe auf Ihr Zimmer." „Von Ihnen Gearbeitetes?" „Von mir?" „Gemaltes oder Geschriebenes?" „Abwarten." In dieser Weise in ihr Sichwehren und Nachgeben vertieft, Einer dem Anderen gehörig und glückselig in diesem Gefühl, übersahen sie Irmgard, die in die Glasthüre treten, sich ihnen nähern konnte, ohne bemerkt zu werden, bis sie von der Höhe ihrer sittlichen Entrüstung herab Hilde anfuhr: „Na, sage mal, es ist vier Uhr, wir wollten doch den Kaffee bei Euch nehmen und gemeinsam zur Landeskcone gehen. Denkst Du, wir sind Deine Narren? Papa schläft noch, Dein Mädchen hat keine Ahnung — „Kaffee ist schon getrunken," grinst sie — Du bist noch nicht in Toilette und hältst Herrn Wulffen hier auf wie ein Backfisch!" Hilde wurde unter diesen Tactlosigkeiten ganz befangen, erst ein Blick auf Heinrich, der ruhig die strafende Rede anhörte, ihr jedoch nicht so viel Gewicht beilegte, wenigstens einige Schuld auf sich zu nehmen, machte sie wieder froh. „Laß doch Papa schlafen) Euer Streifzug am Vormittag ermüdete ihn. Und Kaffee? Herr Wulffen ist gewöhnt, ihn gleich nach Tisch zu haben, dabei leisten wir ihm dann Gesellschaft," sagte sie einfach. „Bequem," antwortete die Schwester, wobei sie nun den Ton bes Duldens annahm. „Nein, Ihr sollt gleich haben, was Ihr entbehren mußtet, so war es nicht gemeint!" rief Hilde. „Herr Wulffen leistet vielleicht Dir nun Gesellschaft." Hiernach eilte sie fort. Jedenfalls nahm sie allen Aerger Irmgards mit sich, denn die hübsche Blondine wandte sich mit einer Liebenswürdigkeit zu Heinrich, daß ihm ganz wirr davor wurde. Was wollte sie von ihm? Die Schwester ihm verleiden, weil sie andere Pläne mit ihr hatte? Selbst glänzen oder in feinerer Weise kokertiren? Wirklich verdrossen hörte er ihre ästhetische Abhandlung über verschiedene Bauwerke in G. an, die er noch sehen müffe. Frührenaissance, Altgothik, romanischer oder byzantinischer Stil bildeten die Schlagworte ihrer Sätze, zu denen er nur Ja oder Hm, oder Erlauben Sie zu sprechen brauchte, um den Redefluß weiterströmen zu hören. Dabei sah sie Alles mit nie sich wandelnden Blicken an: ihn, den Garten und die Kinder, die einmal bis zu den Näschen über die Scheiben der Glasthür guckten, von ihrer Mama jedoch heftig fortgewinkt wurden: „Bleibt da! Hat man denn gar keine Ruhe?^ In diesem Augenblick faßte Hilde die Kleinen ab und führte sie ins Haus zurück, von wo ihr frohes, von ihm noch nicht gehörtes Lachen ihn grüßte. Wie mochte sie aussehen, wenn sie so lachte? „Wie meinen Sie, gnädige Frau?" Irmgard mußte ihren letzten Satz wiederholen, darüber kamen Tauchlitz und Hollmann hinzu, Wulffen war seiner Galanterie enthoben.. Die Angekommenen befanden sich im lebhaftesten Gespräch. „Ich rathe, die Sache nicht anzunehmen," rief Tauchlitz. „Als Vorstandsmitglied eines solchen Unternehmens hast Du mehr Aerger als sonst im ganzen Jahre." Irmgard lachte nicht gerade freundlich) Hollmann schien unentschlossen, thellte Wulffen indeß mit, daß er bei einem vorjährigen Mustkfeste in der Kassenverwaltung wie bei den Verhandlungen mit den Künstlern und Künstlerinnen von Nutzen gewesen wäre, weswegen man ihn dies Jahr durchaus für ein großes Concert zum Vorstandsmitglied presfen wolle. Inzwischen waren sie im Eßzimmer angelangt, wo Hilde die Kinder bereits versorgte, damit sie nicht störten, wenn die Großen kämen. Umgezogen hatte sie sich auch, wenigstens flatterte da etwas von Schleifen und Spitzen um ein hellgeblümtes Kleid, worin sie wie ein Meißener Porzellanfigürchen aussah, wieder zu Irmgards Aerger, welche sich noch mehr erregte, als Hollmann der Schwägerin w sprach, ja, sie halb und halb bef „Wenn es Dir Spaß macht, „Was sie aber nun schon wieder n wollen, begreife ich nicht. ______ ___ ___ können sie nicht bieten, dagegen werden die Bestrebungen 443 der hiesigen Chorvereine, deren Aufführungen nur für die Stadt und Umgegend berechnet sind, unnütz herabgedrückt" „Das meine ich auch," sagte Tauchlitz. .. "@i”9e «ach Euch," entgegnete Irmgard, „säßen die Menschen hübsch einzeln vergraben, um alle Jubeljahr Emal"zusammenzukommen und etwas Gemeinsamkeit zu „Gerade so müßte es sein," rief Hilde aufstrahlend, „ein Fest, wenn Menschen zusammenkommen!" Es gab noch ein paar Auseinandersetzungen — dann brach man auf. Hilde ging viel für sich allein, nachdem man draußen vor den Feldern die Kinder mit ihrer Wärterin nach Hause geschickt hatte. Sie hingen sich mit all ihren kindlichen Eigensüchtigkeiten an die Tante, die wenig zärtlich, aber aus der Tiefe heraus warm und voller Berständniß für sie war. Ihr Mund küßte die Kleinen nicht, dafür ckhaten es ihre Augen. 1 (Fortsetzung folgt.) Gemeinnützige». Johannisveertveinbekeitung. In vielen Haus- wirthschaften findet man als nützliches und beliebtes Geräthe eine Hackmaschine zum Zerkleinern von Gemüse und Fleisch, was mit dem Wiegmesser unvollkommener und umständlicher geschieht. Daß die Hackmaschine auch bei der Beerweinbe- ™ Aute ®ienfte Mistet, dürfte weniger bekannt sein. Gewöhnlich werden die Beeren, nachdem sie gezupft sind, zerstampft und dann abgepreßt. Das Zerstampfen erfolgt bei größter Sorgfalt nie vollständig und beansprucht viel Zeit. Beides, das Zerstampfen und das Abpreffen der Beeren fallen weg, wenn man die Beeren mit der Hackmaschine zerkleinert.^ Dabei totrb jede Beere zerquetscht, und wir erhalten eine vollständige Brühe, indem die Beerenhäute gleichzeitig zerschnitten werden. Wenn man auch nicht auf einmal viele Beeren in den kleinen Trichter der Maschine bringen kann, so ist man bei fortwährendem Einfüllen mit der einen Hand und Umdrehen mit der anderen im Stande, in einer Stunde etwa zwanzig Kilogramm Beeren zu zerkleinern. Ist nun die ganze Masse gewogen oder gemessen, so kann lie in das Faß gebracht werden, und wir haben nach ent» sprechendem Zucker- und Wasserzusatz den Wein hergestellt. Bei richtigem Luftabschluß durch Gährspunden und der starken Verdünnung des Weines (dreimal so viel Wasser) ist Säurebildung nicht zu befürchten. Nach der stürmischen Gährung muß der Wein gleich abgelassen werden. Das einmalige Ablassen wird bei schwächeren Weinen genügen, namentlich, wenn diese im folgenden Jahre getrunken werden. Starke Weine werden nach dem Klarwerden oder im Frühjahr nochmals abgelaffen. Die Vortheile dieses Verfahrens sind: die kostspielige Beerenpresse brauchen wir nicht, dagegen wird die practische Hackmaschine ausgenützt. Die Herstellung des Weines wird bedeutend vereinfacht: auch das „Anstellen" der Trester fällt weg, indem ohnedies die Stoffe vollständiger aus den Früchten gewonnen werden. Dadurch erhalten wir einen sehr farbreichen Wein. Endlich erfolgt die Gährung viel rascher und vollständiger. * * * Unsere Hausfrauen und Köchinnen dürfte eine Vorrichtung zum Schneiden von Rndeln interessiren, welche jüngst zwei Dresdenern patentirt wurde. Wie wir einer Mittheilung des Internationalen Patentbureaus Carl Fr. ht die Vorrichtung gemeinschaftlichen in eine geschlitzte, aur an einer Seite Vorrichtung ist es also möglich, mit einem Schnitt eine Menge Nudeln von beliebiger Form auf einmal zu schneiden, weil man das In» strument nicht nur in graben, sondern auch in gewundenen und Zickzack-Linien über den Nudelkuchen hinsühren kann. ♦ ♦ * Maschine zum Glätten der Ränder von Kragen und Manschetten. Es giebt nichts mehr, vor dem der erfinderische Menschengeist Halt machte, ist doch neulich, wie wir einer Mittheilung des Internationalen Patentbureaus Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6, entnehmen, einem Nordamerikaner auch in Deutschland eine Maschine patentirt worden, welche sogar die Ränder von Kragen und Manschetten glättet. Dieselbe besteht aus einem durch ein Vorgelege in rotirende Bewegung versetzten, kreissteppenförmigen Kopfstück, welches in der Verlängerung der Oberfläche seiner Stufen nach der Mitte zu mit ringförmigen Nuten versehen ist, in welchen die Ränder der Kragen oder Manschetten durch die Hin- und Herbewegung geplättet und geglättet werden. * * * Verfahren zum Entfernen von Tintenflecken. Das beste Resultat bei der Reinigung von Tintenflecken giebt die Oxalsäure. Die Oxalsäure, welche auch unter der Bezeichnung Kleesalz bekannt ist, wird in diesem Falle am zweckmäßigsten bei einer Wärme von 60 Grad angewandt. — Man bereitet sich eine Lösung von 1 Theil Kleesalz in zehn Theilen Wasser und behandelt damit die Tintenflecke. Es empfiehlt sich jedoch, bei der Anwendung von Kleesalz sehr vorsichtig zu sein, da bekanntermaßen das Kieesalz die Faser etwas ongreift. Sollte man daher gegen dieses Verfahren Bedenken erheben, so kann man statt des Kleesalzes phosphorsaures Natron ober auch schweflige Säure in Anwenbung bringen. Die Entfernung der Tintenflecken mittelst der schwefligen Säure wird durch Bepinseln der Flecken vorgenommen. Wählt man phosphorsaures Natron als Reinigungsmittel, so empfiehlt es sich, eine möglichst concentrirte Lösung in Anwendung zu bringen. * * e Stockflecke in alten Stahlstichen suche man durch Uebergießen des Bildes mit heißem Wasser zu tilgen. Zu diesem Zweck muß der Stich auf eine geeignete Unterlage (am besten ein straff gespanntes Netz aus Bindfaden) gelegt und den Sonnenstrahlen ausgesetzt werden. Trockene Stellen müssen sorgfältig mittelst eines nassen Schwammes angefeuchtet werden. Auch Chlorkalkwaffer und Javelle'sche Lauge werden bisweilen verwendet. Ein neues Bleichmittel für die vorgenannten Zwecke ist das Wasserstoffsuperoxyd. Werthvolle Stiche übergebe man einem in solchen Arbeiten geübten Bilderrestaurateur. * * * Um die grauen Stockflecke aus der Leinwand zu tilgen, wasche man die betreffende Stelle mit Bau de Javelle (Fleckwaffer) oder in schwachem Chlorwasser, worauf sofort ein gründliches Auswaschen in reinem Wasser zu folgen hat. Bei hartnäckigen oder veralteten Flecken kann man seine Zuflucht zu heißem Seifenwasser, dem etwas Pottasche zugesetzt ist, nehmen, worauf gleichfalls in reinem Wasser nachgespült werden muß. Nicht selten ist bei Moderflecken in Geweben auch die Structur des Stoffes zerstört, in welchem Falle nur durch Einsetzen eines neuen Stückes zu helfen ist ♦ ♦ * Das Bleichen der Endivien. Die Pflanzen werden bei trockener Witterung mit hinlänglichen Erdbällen ausgehoben, in einen Kasten so eng wie möglich, ohne sie zu biegen, aufrecht zusammengestellt und der Kasten in einen trockenen, dunklen Keller gebracht. Bei dieser Behandlung sind alle Blätter in zehn bis zwölf Tagen vollkommen gebleicht und keine Gefahr vorhanden, daß sie faulen, wie es im Freien so häufig geschieht. 414 Um metallähnliche Ueberzüge auf Gypsavgüfsen herzustellen, mache man sich einen Brei aus Ammoniak (Salmtakspiritus) und gutem Graphit zurecht, bepinsele die Finger rc. damit und bürste sie — wenn trocken — glänzend. Auch kann man mit einer Lösung von Schellack in Alkohol, mit etwas Graphit gemischt, den Gegenstand bestreichen und mit Graphit nachbürsten. Dann wird mit demselben Lack ohne Zusatz von Graphit lackirt, und die erhabenen Stellen werden mir einem Watteballen, der in Gold-, Silber-, Kupfer- 2C. Bronze getaucht wurde, leicht überwischt. Die überschüssige Bronze wird nach dem Trocknen abgewischt. * • * Für Oelgernälde, hartes weitzes Holz rc. geeigneter Firnitz wird hergestellt, wenn man 2‘/8 Unzen Schellack in 1 Pint rectificirten Weingeist auflöst. Hierzu muß man dann 5 Unzen gut gebrannte thierische Kohle, nachdem sie vorher erhitzt worden ist, geben und das Ganze einige Minuten kochen lassen. Wenn man dann einen kleinen Theil der Mischung durch Fließpapier filtrirt und findet, daß sie noch nicht ganz farblos ist, muß man mehr Kohle hinzugeben, bis man das gewünschte Resultat erreicht hat. Ist dies erlangt, so muß die Mischung erst durch ein Stück Seide geseiht und dann durch Fließpapier filtrirt werden. * * * Befestigung von Holz mit Metall. Um die Holzhefte der Suppenkellen, Gabeln oder Messer mit dem Metall zu verbinden, bereitet man sich einen Kitt durch Einrühren von Kreide oder feinem Sand oder Ziegelmehl in Tischlerleim. Dieser Kitt wird in die Höhlungen der Holzhefte gefüllt und die Angel der Klinge hineingestellt. Folgende Kitte sind ebenfalls zu dem Zwecke gut geeignet. 1 Theil Ziegelmehl und 2 Theile Kolophonium, beides fein gepulvert, werden gemischt, die Holzheste damit gefüllt und die stark erhitzten Angeln der Messer oder Gabeln hineingestellt, worauf ein Verschmelzen der Masse stattfindet. Eine andere Mischung in derselben Weise angewendet, besteht aus 4 Theilen Kolophonium, 1 Theil Eisenfeile und etwas feinem Sand oder Ziegelmehl. Diese Bestandtheile werden beim Schmelzen des Kolophoniums durch Einrühren mit diesem vereinigt und nach dem Elkalten fein gepulvert. * * * Ei« neues Schlafmittel. Auf Veranlassung des National-Jnstituts für Medicin in den Vereinigten Staaten ist eine umfangreiche Untersuchung der Pflanzen vorgenommen worden, die für die Heilkunde von Werth sein könnten. Die schon an sich verdienstliche Forschung wird zweifellos auch ihre praktischen Erfolge haben. Unter Anderem hat man in der Pflanze Casimiroa echilis ein Gewächs gefunden, dessen Samen einen ausgezeigneten Saft abgeben. Dieser Saft soll ein vorzügliches schmerzstillendes, fiebervertreibendes Schlafmittel sein. Es sind bereits Versuche an einigen hundert Personen mit diesem neuen Mittel gemacht worden, wodurch eine günstige Wirkung und das Fehlen etwaiger schädlicher Nebeneinflüsse nachgewiesen worden ist. Es scheint weniger direkt einzuschläfern, als vielmehr den natürlichen Schlaf zu begünstigen, von dem der Kranke nach 4 bis 6 Stunden erfrischt erwacht. Besonders gute Dienste soll das Mittel gegen Schlaflosigkeit in Folge von Nervenüberreizung oder Alkoholismus leisten. Die mexikanische Pflanze gehört übrigens zu der Familie unserer gewöhnlichen Raute, deren Blätter ein in früheren Zeiten ebenfalls als Arznei, namentlich gegen Zahnschmerzen, benutztes Oel gibt. * * * Das Radfahren ist für nervöse Menschen von großem Vortheil, wenn es in reiner Luft und in ruhiger Umgebung betrieben wird. Dort wird sich auch die Nervösen sonst eigene, rasche Ermüdung nicht so leicht einstellen. Der Nervöse soll aber bei den ersten Anzeichen von Ermüdung, als da sind: Eingenommenwerdcn des Kopfes, bis zum Kopfschmerz sich steigernd, Wadenschmerzen, Rückenschmerzen- rc., die Fahrt unterbrechen. Gewöhnlich ist schon nach kurzer Ruhepause die Ermüdung Nehoben, und es kann die Fahrt unbedenklich fortgesetzt werden. Vermischter. Höchst wichtig für Sammler von Anfichtspost- karten. Sammler und Sammlerinnen wird es intcresstren zu vernehmen, daß die bekannte Stempelfabrik von Oscar Sperling, Leipzig-Reudnitz, Brommestraße 1, jedem Sammler auf seinen Wunsch, ausgesprochen auf einer Ansichtspostkarte, eine künstlerische Ansichtspostkarte von Leipzig senden wird, auf welcher sie gleichzeitig eine, jedem Sammler und jeder Sammlerin aufs Höchste interessirende Neuheit ankündigt, deren Zweck ist, „Ansichtskarten-Sammlungen auf schnellste und leichteste Weise zu vergrößern". * ♦ Das Taschentuch der Pariserin. Vor dem elegan- ausgestatteten Wäsche-Schaufenster eines der ersten Modenmagazine in der „Bille Lumiere" blieben kürzlich einige Provinzler stehen und deuteten verwundert auf die in kunstvollen Etagen aufgebauten Taschentücher, die in allen möglichen Ausführungen als einziger Artikel zur Ansicht auslagen. „Das sollten wirklich Taschentücher fein?" fragte man sich erstaunt - „diese Läppchen sollten genügen, wenn man Schnupfen hat oder weinen muß?" Kopfschüttelnd und verächtlich die Achseln zuckend gingen die braven Leute von dannen. Sie wissen allerdings nichts davon, die Guten, daß diese zierlichen, spitzenbesetzten und reich gestickten Läppchen augenblicklich wieder eine hochwichtige Rolle bei der Toilette einer modernen Pariserin spielen. Fast alle eleganteren Ausstattungen enthalten Dutzende dieser winzigen Viereckchen, die jetzt beinahe zu Kunstgegenständen geworden sind, was die Kostbarkeit des Materials und Feinheit der Arbeit betrifft. Die Engländerin bevorzugt augenblicklich das farbig-seidene Tüchlein, das sie graziös zwischen den Knopflöchern des „Tailor mad" befestigt- die Italienerin und Spanierin trägt mit Vorliebe das ganz aus Sp'tze bestehende Viereckchen, die Französin aber hat sich ausschließlich dem hauchzarten Battist- tüchlein zugewendet, das allerdings mit echten Points oder künstlerisch ausgeführter Stickerei verziert sein darf. Die Mode, derartig kleine Taschentücher, die freilich nur zum Schein da sind, zu tragen, rührt von der Kaiserin Josefine her, die ihrer häßlichen Zähne wegen beständig ein kleines Tuch in der Hand hielt, um cs beim Sprechen und Lachen mit koketter Grazie an den Mund zu führen. Während des zweiten Kaiserreichs konnte man sehr häufig im Bois vornehme Damen promeniren sehen, die ein zierlich a point gefallenes Tüchlein mit zwei Fingern in der Höhe der Taille hielten. Heute drückt man das Miniatur-Mouchoir nervös in der Hand zusammen ,,ä la Rejane" oder man trägt es wie ein Bouquet in den Gürtel gesteckt. Die wirklich practisch zu gebrauchenden leinenen Taschentücher, die bei tüchtigem Schnupfen oder einem Weinkrawpf gute Dienste leisten, läßt man zu Hause — man geht nicht mit ihnen aus. Der eleganten modernen Frau genügt das winzige spitzenbesetzte Läppchen vollkommen. Kindermund. Mama: „Ach, Du ungezogenes Kind, graue Haare bekomme ich schon Deinetwegen." — Tochter: //Ach wie mußt Du dann aber Großmama geärgert haben." * * ♦ Solid es Geschäft. Zechpreller (der aus einer Wirthschaft hinausgeworfen wurde): „Wirklich fvVwrs schäft — sogar einen besseren Hut haben Sie mir nachgeworfen!" Redaction: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.