Samstag den A. Mai 1898. - Nr. 77 Mi bene ein- Der ab» alich °pf, t'leie der kleie mit azu^ vird alle eife,- diese und chen nem ßem nun, und den von Eine :ten- sein. weiß, ieser men- ister Duft bvoll ehen ecker öhee- irlich soll.. hofft einen ■(eine Kerl wir rmen aßen, ; bei Znsel. rpers atal! red. über Die Arbeit Freudeversicherns nun überstanden, kostbaren Aufsätzen, neben den Tellern, zerstreut auf dem seidenen Tischtuch. Lieutenant von Monken ließ sich von Fräulein von Deck die Heldenthaten ihrer Ahnen, die sie in den Kreuzzügen vernchtet hatten, schildern — seine Augen suchten die schöne Cousine. Sie^war die hübscheste von Allen, und es war lächerlich, daß Sie so gar nicht am Hofmachen Gefallen fand, wie man sagte. Bah — bisher war wohl noch nicht der Rechte gekommen! Und er trank „zum Gedächtniß der Ahnen und auf Erfüllung seiner Ahnungen", wobei das mittelalterliche Fräulein hoffnungsfreudig erröthete. .. Papa auf einem kleinem Umwege wieder in dre Salons gelangt?" „Ein Zug von Verlegenheit huschte über das runde GeMt. Conrad Lund pries seiner Nachbarin, einer Dame, der die Jahre verstatteten, daß sie sich den culinarischen Genüssen zuwandte, ein Gericht an — und dachte an seinen Vater. Im Grunde wäre es ihm ja gleich gewesen, wenn der Alte noch einmal eine Thorheit beginge und das Ehejoch auf sich nähme — ob für eine Wittwe Lund eine Rente ausgesetzt wurde, das fiel ja gar nicht ins Gewicht. Nur dieses verteufelt hübsche Fräulein, nur das nicht! Es würde das eine Art lebenden Vorwurfs gegen ihn und seine Eroberungskunst sei«. „Oho, Papachen, wozu sind Söhne da, als daß sie die Dummheiten ihrer Väter verhüten!" Der alte General hatte die Hausfrau schon zum Doctor Bruno Hallsberg hatte auf alle seine Versuche, einen Gesprächsstoff für seine kleine Nachbarin zu finden selten mehr als ein schüchternes „Ja" und „Nein" erhalten — nun gönnte er sich eine kleine Erholung. Dort der spiegel warf ihm ein Bild zurück — Ebbas Köpfchen, die zarte Schulter, den schimmernden Nacken. Er wußte es nun, hinter ihr stehend, hatte er den zarten, goldenen Flaum tief hinab über den Rücken leuchten sehen — die perlmutter- weise Haut. „Der Himmel bewahre mich," flüsterte er einmal, so daß seine Nachbarin ganz erstaunt aufsah. Was waren das für tolle Gedanken, die sich da bei ihm eindrängen wollten. Er war doch sonst ein so ruhiger, überlegener Mensch gewesen. Aber das wußte er jetzt, daß er daran war, einen Menschen zu beneiden — Conrad Lund. Nicht um seinen Reichthum, nicht um die aufdringliche Liebenswürdigkeit seiner Gäste — aber darum, daß er der Gebieter | dieses schönen Weibes war. Ah — und von Conrad Lund \ ging die Sage, daß er jeder anderen Frau mebr huldige, ! als ihr. — Ja, gute Geister und sein eigener, kühler Ver- S stand mochten ihn bewahren, daß er nicht am heutigen Abend i die schöne Nixe Ebba dort unter den Palmen des Treib- l Hauses allein fand, bann, dann wußte er, würden feine ’ Lippen diesen Hals gesucht haben. Das Fräulein Roman von E. Vely. «Fortsetzung.) Eie Strafe und die Schuld begegnen sich, M Von dem Magnet des Schicksals angezogen; Und wären sie durch Meere selbst getrennt, An einem Ziele müssen sie sich finden. Das Alter legt, ein zäher Gläubiger, ■ Die Tagesrechnuug Dir ciuf’ä Pult. Ob gern, ob ungern, früher oder später, Du zahlst zuletzt der Jahre Schuld. H. Littauer. cr-r. /,/S’e 'st hundertmal hübscher in ihrem einfachen schwarzen > Fähnchen, als, die geputzten und angemalten Damen hier," i sagte er, trotzig werdend, „und mir — tausendmal lieber! ' Und das — das werde ich wohl bald beweisen — mein Umstände! Ich habe es gelernt, durch Dick und Dünn zu gehen. Und es gießt Sachen, in die läßt Uch der Alte heute noch nicht hineinsprechen." „Aha!" nur das eine Wort stieß der jüngere Lund aus, dann gab er das Zeichen, zu Tische zu gehen." ™ r!tt keinen Tischen speiste man in dem großen Jn betn Wintergarten, in der Rokokobibliothek, ine Bucher hinter verschnörkelten SchrankthÜren verborgen £’“reiL “0011 deren Vorsprüngen allerlei Miniaturbüsten ? kcassischen und modernen Gelehrten- und Poetenvolkes herabblicktm. Eine Zigennereapelle spielte dazu ihre feurigen Weisen. Die Tafeln schimmerten im Silberglanz, das schönste Porzellan und Glas schmückte sie, Blumen überall, in den des Händeschüttelns, des Zulächelns und für den Hausherrn-und die Hausfrau war . . nun kamen die anderen Aufgaben. Herr ^ohann Conrad hatte sich unbemerkt wieder unter die Gruppen begeben, nur einem war fein Verschwinden ausgefallen — seinem Sohne. 306 dritten Male mit einer Marschall-Niel-Rose verglichen — die Blume mit dem „militärischen Beigeschmack", das war das Höchste für ihn. Sie lächelte genau noch so liebenswürdig, als das erste Mal. Was war's doch so dumm, wenn man das Leben so langweilig nannte, ihres hatte Inhalt bekommen — sie mußte über die Menschen mit der traurigen Philosophiestaunen, sie rückten ihr fern. * Line Arabin hob das duükle Haupt und blickte nüch dem Nebenzimmer hin.^aum hatte die.Kleine zu schlafen begonnen — nun schein sie schon. wieder Äach zu fein-. Ein leise klagender Mit- Sie flog hinikber und . sah in die angstvoll aufblickenden Augen, in ein fieberheißes Gesicht. Henny war krank, kein Zweifel. Sie fühlte Hände und Stirne „Schmerzt Dich was/ mein Liebling?" „Der Hals — und es ist so heiß! Ach, hören Sie nur, Fräulein, wie schön sie da unten spielen. Ich möchte züsehen — die Mama war auch schön — ach, der Hals! Und ich bin so durstig!" Line netzte die spröden Lippen und öffnete die Thür nach dem Ztztmer der alten Wärterin — die mußte sich darauf verstehen, was hier zu thun sei. Es war dunkel; natürlich anch drübest- bet der Jungfer. Die saßen in Küche- und Domestikenzimmer, die Tafelreste erwartend. Wenn sie die Verantwortung allein auf sich nahm — das Kind rang mit dem Athem. „Sprich nicht, Htznny, ich helfe Dir —" „Aber wie," nein^sie durfte nicht zögern — sie wollte die Mutter nicht erschrecke«, nicht Conrad Lunds blasirtes Gesicht hier oben sehen. Den Großvater? * '' „Mein Gott, nein! ein Arzt!" ' Sie huschte in den ersten Stock hinab, der keuchende Ton drang hinter ihr her, sie wußte nicht, war es Wirklichkeit oder war er ihr noch im Ohr. — Kein Mensch hier, die Thüren waren offen, der Helle Lichtglanz drang herauf. Von unten Musik, das Geräusch vieler Menschenstimmen. Nur scheu wagte sie sich vorwärts. „Walter — sind Aerzte in der Gesellschaft?" Ein halb unwilliger Blick streifte sie, der älteste Diener des Hauses wußre die Trüffeln en servierte zu würdigen — er trug eine Schüssel, auf der drei geblieben waren zurück, und wollte sie sich serviren. „Mehrere —" sagte er kurz. „So rufen Sie unbemerkt einen, Henny fiebert, ich bin besorgt." Walter setzte seine Schüssel hinter die antike Antinous- büste, welche auf einem Postament stand, und überlegte dann erst, daß der Hausarzt, der alte Sanitätsrath, es ihm nie verzeihen würde, wenn er ihm die Freuden dieses auser- wählten Soupers störe — so entschloß er sich zu dem Jüngsten. „Wenn es aber blinder Lärm ist, Fräulein, auf Ihre Verantwortung. Herr Consul nimmt c5 streng, wenn seine Gäste derangtrt werden." Sie huschte die Treppe wieder hinauf, dort stand sie wartend. Die leise klagende Kinderstimme drang von oben herab in die Pause, welche die Musik machte. Nun folgte dem Diener eine Gestalt, ein Herr int Gesellschaftsanzuge, dem Jener eine hinaufdeutende Bewegung machte, dann eilte er leichtfüßig die Stufen empor — von hier hatte sie ihn kürzlich gesehen, und die Thränen waren ihr ins Auge gedrungen — Doctor Hallsberg. „Ah, Sie — hier im Hause?" fragte er erstaunt, einen Schritt zurückweichend, und dann, als müsse er sich erst besser von der Thatsache überzeugen: „Wie kommen Sie nur hierher, Fräulein von Arabin?" Sie warf den Kopf zurück. „Das ist doch völlig gleichgültig — ich bin hier — und möchte Sie bitten, nach dem kleinen Mädchen zu sehen —" Ohne eine weitere Entgegnung folgte er ihr an das Bettchen. Mit erschreckten Augen sah ihn das Kind an, erst Lines Zuspruch beruhigte es. Als Bruno den Kopf wieder hob, laß sie in seinen Mienen, daß er besorgt sei. „Die arme Mutter!" sagte er unsicher. Da stand Line kerzengerade, herrisch neben ihm. „Sie soll nicht gestört werden — lassen Sie das Fest ruhig seinen Fortgang nehmen — ich werde sorgen und wachen — bestimmen Sie nur." „So lange nicht besondere Gefahr ist," murmelte er nachgiebig. Ihre schlanken Finger hielten den geschnitzten Knauf des Bettes umfaßt: „So Viele haben Toilette gemacht, solch große Kosten stfid aufgewendet — wer es wollte verantworten,H da ein jähes Ende zu. machen? Ein krankes Kind, das kommt so oft vor—" sie sprach wie mit sich selber, herbe, halblaut — und dann Mgte sie sich zu Henny: „Brav sein, mein Kind, morgen gicht's Blumen und Früchte — nicht weinen, morgen erzählen Mir auch Geschichten: der Herr Doctor meint's gut!" Hie trug Eis herbei, erhellte die Lampe und stellte sie -in dH Schatten, hob die Lonnh schlafend aus den Kiffen und WÄte sie in ihr Zimmer hinüber, sie dort zu betten. — i^^'or Bruno kritzelte mit Bleistift an dem Arbeitstisch der Kmder ein Recept. „Es muß schnell besorgt werden — wird das gehen in dem Trubel da unten?" „Es soll gehen!" Wie ein Schatten glitt sie die Treppen hinab. Er nahm einen Stuhl und setzte sich an das Bett, die Umschläge zu machen, welche die Fieberhitze mildern sollten. Wie eine Genugthuung war es ihm, für Ebbas Kind hier zu sorgen. Das kleine, schmale Gesicht hatte auch nicht einen Zug der schönen Mutter — sonderbar. Er sah Jene dort unten an den blitzenden Tafel, unter den Klängen der berauschenden, erregenden Musik. , Ob ihn wohl Jemand vermissen würde? Kaum seine kleine Nachbarin. „Walter, der Erfahrene, hatte ihm zugeblinzelt: „Wenn gefragt werden sollte, sage ich, der Herr Doctor ist zu einem Patienten gerufen — daß es hier ist, braucht vor morgen früh Keiner zu wissen." Sonderbar, Ebba hatte ihm noch nie ihre Kinder gezeigt, sehr selten auch von ihnen gesprochen. Und nun fand er sie in Line Arabins Hut — in diesem Hause, sie! Dies ernste, schwarze Mädchen, das eine Zeit lang in seinen Gedanken gewesen war, das er in die Beichte mit eingeschlosien, die er Ebba abgelegt. Aber wie ein leiser Groll stieg es jetzt in ihm gegen Ebba auf. Warum hatte sie Jacqueline Arabins feine Natur, ihren Werth nicht besser erkannt — hatte sie keine Empfindung dafür? Da stand das ernste Mädchen wieder vor ihm, mit wogender Brust, einen Hauch von Kälte strömten ihre Kleider aus, auf ihren Wangen brannte die Röthe. „Mein Gott, Sie werden doch nicht selber gegangen sein?" rief er aus. „Wahrhaftig, da hätte ich —" „Es ist da, das ist die Hauptsache," gab sie schnell athmend zurück. Und sie hatte ja wieder Recht. Ihre Finger berührten sich, die ihren waren kühl, seine brannten. Als das Kind dann still, mit halbgeschlossenen, zuckenden Lidern dalag, sagte Lines tiefe Stimme: „Sie dürfen mir die Pflege überlassen, ich werde zuverlässig sein — überdies sind Sie ja im Hause." Er sah ihr ruhiges Gesicht an. Hinunter wollte sie ihn schicken, zwischen all' die lachenden Menschen. Sie mußte ihn wirklich sehr unterschätzen, ihn und seinen Beruf. „Ich werde bleiben!" Sie sagte nichts, schob einen Stuhl für sich an das Fußende des Bettes und blickte von da her unverwandt auf das Gesicht Hennys. Der Arzt schien nicht mehr für sie da zu sein. Von untenherauf klang das Summen, die ungarischen Weisen tönten, eine schwüle Luft kam gezogen, ein Ge- 307 misch von Blumenduft, Parfüm, Essenzgeruch, Wärme drang Lurch die Thürritzen hinein in die Mansardenzimmer. Nie mehr hatte sie dem Manne zu begegnen gedacht, der sie so empfindlich gekränkt, nun saß sie wieder mit ihm an einem Krankenbett wie damals — sie hütete das Kind, weil ihr Herz an ihm hing,- was er that, geschah neben der Berufspflicht für die schöne Mutter. Bruno Hallsberg zwang sich, an alles Mögliche zu denken. Natürlich würde ihn morgen die neugierige Frau Winter nach der schönsten Toilette fragen — sie war nervös und wechselte ihre Aerzte, wenn es für sie nichts mehr zu fragen gab. „Frau Ebba," selbstverständlich. „Und wer machte den mächtigsten Eindruck auf Ihr Herz — auch selbstverständlich Frau Ebba?" Ah, wie unsäglich fade ihm das Alles plötzlich vorkam — Sentenzen von Montegazza zogen ihm durch den Sinn — und die eine wurde er nicht los, an seine Beichte denkend: „Daß man im Leben nur einmal lieben könne, ist eine der vielen großen Unverschämtheiten, welche die Liebe täglich gedankenlos hinschwatzt." (Fortsetzung folgt.) Die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien vor 400Jahren am 19. Mai 1498. Von Dr. Anton Schmidt. ------- (Nachdruck verboten.) KO. Das „Wunder der Zeiten", lieber Leser, war ein Seefahrer, der vor vierhundert Jahren nach der entgegengesetzten Richtung, wie Columbus, kühn in das Weltmeer hinaussegelte, um, was jener ursprünglich auch wollte, Indien auf dem Seewege zu erreichen. Columbus mußte sich mit dem „Brosamlein" West-Indien begnügen, während es Basco de Gama, dem „Wunder der Zeiten" beschieden war, nach abenteuervoller Fahrt am 19. Mai 1498 in Kalikut, der Lamaligen Hauptstadt des Feenlandes, zu ankern. Vascus Gama oder Vasco de Gama wurde im Jahre 1459 zu Sines, einer kleinen Seestadt an der Westküste Portugals, geboren, wo sein Geschlecht zu den Notabeln des Landes gehörte. Er selbst jedoch sollte durch eigenes Genie, durch Energie seines Characters, durch persönlichen Muth und unablässigen Eifer für den Nationalruhm seines Vaterlandes und dessen politische und merkantile Jnteresien ein echter Sohn seines glorreichen Jahrhunderts werden. Nachdem Bartolomeo Diaz das von Johann II. „Cabo de boa esperanza“ getaufte Vorgebirge an der Südspitze Afrikas entdeckt hatte, übertrug Don Emanuel, der im Jahre 1495 nach Johannes II. Tode den portugiesischen Thron bestieg, die Vollendung des entworfenen Planes seines Vorgängers dem erfahrenen Seemann und überließ die Vorbereitungen und Einrichtungen zu der gewaltigen Reise seinem eigenen Ermessen. Vasco de Gama verlangte 4 Schiffe, 3 Kriegsschiffe und 1 Proviantschiff, und wählte zu Gefährten seinen Bruder Paolo de Gama, dem er die Führung des zweiten Schiffes übergab, während er selbst das erste leitete, und zum Führer des dritten den Nicolo Ccelho, zum Befehlshaber des Proviantschiffes den Gonsalvo Nunez ernannte. So gerüstet, segelte er nach feierlichst abgehaltenem Gottesdienst am 8. Juli 1497 aus dem eine Meile von Lissabon entfernten Hafen von Belem ab, begleitet von zahlreichen Glückwünschen der Portugiesen und ihres Königs. 160 Mann machten des Helden ganze Besatzung aus. Madeira, die kanarischen Inseln, die mauretanische Küste und Guinea waren bei günstigem Winde bald hinter ihnen und am 28. Juli landeten sie zum ersten Male zu Santiago. Ein günstiger Nordwestwind führte sie von hier aus längs der Küste Afrikas hinab nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung, aber drei Monate lang dauernde heftige Stürme hinderten sie, eher als am 4. November die Westküste des Caplandes zu erreichen. Hier, wo sie zum zweiten Male vor Anker gingen, gerieth die Mannschaft mit den kriegerischen Wilden in ein kurzes, aber blutiges Gefecht, wobei Gama durch einen Pfeilschuß am Bein verwundet wurde. Am 16. verließen sie die Küste und am 20., einem Sonntage, umsegelte Gama trotz heftigen Sturmes, trotz des Murrens und der Drohungen der, nur durch strengste Bestrafung noch darnieder zu haltenden Mannschaften, statt des von ihm persönlich in Eisen geschlossenen, rebellischen Steuermannes seines Schiffes mit kundiger Hand selbst das Ruder führend, das Vorgebirge der guten Hoffnung und landete am 25. auf einer kleinen Insel des 60 Meilen vom Cap entfernten Meerbusens von San Bras auf Afrikas Ostseite. Auf Gamas Befehl wurde hier, nachdem man Mundvorrath von der Insel herbeigeschafft hatte, das havarirte Proviantschiff des Nunez verbrannt und nach kurzer Untersuchung der Insel die Anker gelichtet. Ein rasender Sturm wehrte ihnen aber das Auslaufen, und erst am 16. December erreichten sie, längs der Küste hinsegelnd, die chaoischen Inseln. Nur bis hierher waren schon vor Gama portugiesische Seefahrer gekommen und eine von Dias gesetzte Grenzsäule bezeichnete das bisher erreichte Ziel der nach dieser Seite hin gewagten Seeunternehmen. Hier wurden Wasser und Lebensmittel eingenommen, und da sich neue Stürme erhoben, lief man in eine nahe Flußmündung ein, welche zu Ehren des Tages .der heiligen drei Könige il Rio dos Reis genannt wurde. An der Küste hinfahrend studirte Gama die Sitten und Gebräuche der Wilden, zu welchem Zwecke er zwanzig sogenannte Degradados d. h. zum Tode verurtheilte Verbrecher, welche er, nach damaligen Gebrauch der Entdeckungsfahrer, an Bord mit sich genommen hatte, hier und dort ans Land setzte, damit sie sich unter die Wilden mengten und das Nähere ihm berichteten. Am 15. Januar des neuen Jahres 1498 legte man bei der Mündung eines großen Flusses an, wo man sich aufzuhalten gedachte. Kaum war man drei Tage am Lande, als vier der Angesehensten des fremden Volkes zu Gama kamen, ihn zu begrüßen und zu einem Gastmahl im Palaste ihres Königs einzuladen. Martin Alonso, ein Matrose, der des Arabischen mächtig war, erfuhr von ihnen, daß oft große Schiffe aus dem Osten an einer Küste landeten, die nicht allzufern von diesem Hafen läge. In der freudigen Hoffnung, daß jenes Land kein anderes als Indien selbst sei, errichtete Gama zum Gedächtniß auf der Insel, der er den Namen St. Raphael gab, eine steinerne Denksäule, auf der im Zeichen des Kreuzes das königliche Wappen Emanuels prangte. Die Einladung zum Gastmahl schlug er höflich aus und verließ nach längerer Rast, während welcher man in regem Verkehr mit den Wilden stand, am 24. Februar den Hafen, nachdem er auch hier zwei Degradados zurückgelassen hatte. Schon am 1. März kamen wieder eine Menge kleiner Inseln in Sicht, deren Einwohner mit lautem Jauchzen und Freudengeschrei in arabischer Mundart, auf Kähnen dem Admiralschiff begrüßend entgegenruderten. Gama lud sie zu einem Gastmahl an Bord und erfuhr, daß der Name ihrer Insel Mozambique sei, welches durch einen Präfecten ihres Königs zu Quiloa regiert werde, und daß handeltreibende Sarazenen ihre nahe Küste bewohnten und von hier aus mit Arabien und Indien in reger Verbindung ständen. Ebenso waren die Wilden der Entfernung von ihrer Insel bis Kalikut und des Seeweges dorthin wohl kundig, wie sie auch den Gebrauch eines eigenen Schiffsinstruments, der Magnetnadel und des rautenförmigen Compasses verstanden. Gama entließ sie mit reichen Geschenken, und am nächsten Tage begab sich Zacocia, der Statthalter selbst in Person, mit Gefolge an Bord des Admiralschiffes. Ein großes Festmahl mit Parade und Musik, sowie eine Besichtigung der gewaltigen Schiffskanonen und der sonstigen kriegerischen sowohl als confor- 308 tablen Einrichtung des Schiffes vergnügte nicht nur, sondern überraschte auch die nußbraunen Notabilitäten von Mozambique, so daß es Gama leicht wurde, einen der Fahrt nach Kalikut kundigen Steuermann von dem Statthalter zu erhalten. Zacocia, an Land zurück gekehrt, erfuhr aber, daß seine Gastgeber Christen und keine Muhamedaner seien und sann auf Verrath und Verderben. Es entspann sich ein Gefecht mit den Wilden, in welchem Gama mit leichter Mühe Sieger blieb. Er drohte Quiloa in Fammen zu schießen, wenn ihm nicht sofort ein Steuermann an Bord gesandt würde, segelte als dieser erschien, am 1. April ab, und erreichte am 7. die Höhe von Mombaza. Hier berichtete der neue Steuermann, wohnten Christen im friedlichen Verein mit Mosleminen und, nichts Böses ahnend, gab Gama den Befehl zu lande». Kaum waren die Anker geworfen, als bewaffnete Abgesandte in Böten erschienen, Geschenke brachten und Gama und Gefolge zu einem Besuche beim Könige einluden. Gama aber sandte vorsichtigerweise erst zwei Degradodos voraus, um den König zu begrüßen und den Character desselben auszuforschen. Da er sich friedlich anließ, trug Gama kein Bedenken, zumal ein Sturm im Anzuge war, noch weiter in die Bucht hineinzufahren und dort vor Anker zu gehen. Die unerwartete Annäherung der Schiffskolosse jedoch und das Werfen der Anker so nahe der Hauptstadt beunruhigte die argwöhnischen Schwarzen, welche ihr verrätherisches Vorhaben entdeckt glaubten, und sie sprangen mitsammt dem Steuermann über Bord, um dem Lande zuzuschwimmen. Gama blieb auf dem Schiffe, stellte des Nachts doppelte Wachtposten aus und ließ, als in der Finsterniß sich einige Boote näherten und man versuchte die Ankertaue durchzu schneiden, Feuer geben. Es entspann sich ein blutiges Scharmützel, in welchem die Vollkugeln des Admiralsschiffes eine fürchterliche Arbeit verrichteten. Doch blieben die Portugiesen Sieger nachdem ein Theil der Stadt in Trümmer und Flammen geschossen war. Gama hielt schleunigste Abfahrt für das Gerathenste, ehe noch Verstäikung aus dem Innern des Landes herbeikam und ihm die Ausfahrt aus der Bucht verlegte. Von zwei dicht bemannten Sarazenenschiffen verfolgt, erreichte er die offene See, schoß eines derselben in Grund, jagte das andere in die Flucht und behielt von den Sinkenden 14 Sarazenen als Geißeln an Bord. Am Ostersonntage erreichte Gama Melinde. Der altersschwache König dieses Reiches sandte ihm seinen Sohn zur Begrüßung entgegen und ließ ihn zu einem Gastmahl auf seinem Schlosse einladen. Gama empfing den Prinzen sehr freundlich, ging aber nicht an Land sondern lichtete am 20. April schon wieder die Anker, um nach Nordostcn seinem Ziele zuzusegeln, welches nach den Aussagen des Malemo Cana, der einer von den Geißeln war, nicht allzufern mehr sein konnte. Nach einer Fahrt von 28 Tagen entdeckte man am 17. Mai bei sehr nebligem Welter eine hohe Küste, die vor der Hand nicht genauer zu erkennen war. Als aber am 19. Mai — einem Sonntage — aus dem zerrinnenden Nebel die Berge der Küste Malabar sichtbar hervortraten und Cana sie klar als die Berge in der Nähe Kalikuts erkannte, eilte er freudig erregt zu Gama und verkündigte ihm, was er gesehen. Gama eilte auf Deck und beschenkte den Sarazenen reichlich und ließ unverzüglich einen feierlichen Gottesdienst auf den Schiffen abhalten. Am selbigen Abend noch entließ er sämmtliche Gefangene frei ans Land und warf etwa zwei Meilen von der Stadt Kalikut die Anker aus. Der Seeweg nach Ostindien war gefunden! Nun folgten eine Reihe von Festlichkeiten zu Ehren des kühnen Seefahrers. Die ganze Bevölkerung Kalikuts war Tag und Nacht auf den Beinen, und die indischen Fürsten überboten sich in Ehren- und Freundschaflsbe- zeugungen gegenüber dem Abgesandten der portugiesischen Majestät, als welchen sich Vasco de Gama ihnen präsen- tirte. Bald zeigte sich aber auch hier Falschheit und Verrath aus Rcligionshaß und Gama kehrte am 5. October nach Melinde zurück. Von hier aus erreichte er nach viermonatlicher ungemein stürmischer und gefahrvoller Fahrt, am 2. Februar 1490, Maga-Daxo, eine Stadt an der äthiopischen Küste, etwa 160 Meilen von Cap Guardafui, welche er, da er erfuhr, daß sie d-n heimtückischen Sarazenen gehörte, ohne Weiteres in Brand schießen und ihre dort im Hafen liegenden Schiffe in Flammen stecken ließ. Am 7. Februar erst erreichte man Melinde, wo Gama bei dem gastfreundlichen Könige fünf Tage verweilte. Ein längerer Aufenthalt schien wegen der näherrückenden rauhen Jahreszeit nicht räthlich. Man segelte also am 14. Februar nach dem Cap der guten Hoffnung ab. Da Paolo de Gamas Schiff zu sehr beschädigt war, wurde es auf Befehl Bascos verbrannt. Paolo ging auf seines Bruders Schiff, die übrige Mannschaft wurde auf diesem und Coslhos Schiff untergebracht. In Sansibar, wo man den 29. März ankam, wurde eine Gesandtschaft des maurischen Gouverneurs, der Handelsbeziehungen anknüpfen wollte, empfangen und in der Nähe von Mozambique eine Denksäule aus Steinen errichtet. Am 29. April wurde das gefürchtete Cap der guten Hoffnung bei herrlichem Wetter umsegelt und mit günstigem Winde die Insel Santiago an der Westküste Afrikas erreicht. Hier aber erhoben sich wüthende Stürme, und die beiden Schiffe Gamas und Coslhos wurden im Dunkel der Nacht von einander geweht. Nicolo Coelho mußte zuerst allein den dirccten Weg nach Lissabon nehmen. Gama segelte nach Terceira, wo er seinen Bruder, der seit längerer Zeit an der Auszehrung litt, durch den Tod verlor. Man bestattete ihn, errichtete ihm eine steinerne Denksäule, segelte ab und lief am 30. August 1499 im Hafen von Lissabon ein. Obwohl Coslho, schon seit dem 10. Juli zurück, ihm also zuvorgekommen war, war doch des Königs wie aller Portugiesen Freude über Gamas Rückkehr unvermindert groß. Mit ihm kehrten nur 55 Mann von denen zurück, die er bei seiner Abfahrt mitgenommen hatte. Emanuel ließ es an Belohnungen und Ehrenbezeigungen für Gama und seine Begleiter nicht fehlen. Vasco de Gama erhielt für sich und seine Nachkommen erblich den Tuet „Don" und die Würde eines Admirals der indischen Meere mit sehr bedeutenden Einkünften, dazu die Erlaubuiß, einen Theil des Reichswappens in seinem Geschlechtswappen zu führen und bei jeder Reise nach Indien 200 000 Crusados auf eigenen Gewinn anzulegen. Später wurde ihm noch der Titel eines Grafen von Vidigneira zu Theil. Die Fahrt Vasco de Gamas bleibt ein „Wunder der Zeiten" geradeso, wie die „Lusiaden" Camoens ein „Wunder der Poesie" bleiben werden, trotz „Suezcanal" und —- „Verismus!" Hrnnsristrsches. Schmeichelhaft. A.: „Was ist denn aus der entzückenden kleinen Wittwe geworden, mit der Sie vor mehreren Jahren so häufig tanzten ?" — B.: „Die ist jetzt ver- heirathet!" — A.: „O, das thut mir leib; aber ich weiß, Sie hatten immer Unglück mit Ihren Liebesgeschichten." — B.: „Ja, da haben Sie recht!" — A.: „Apropos, wen hat sie denn geheirathet?" — B.: „Mich!" * * * Flitterwochen-Idyll. Er: „Du hast Wohl heute Wäsche?" — Sie: „Nein — wie kommst Du denn darauf?" — Er: „Ich dachte nur — weil hier ein Stück Seife in der Suppe schwimmt." Redaction: <$. Burkhardt. — Druck und V.rlag der Bri.hl'schen Un.veifiiüts-Bnch- und Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.