Nr. 76 Äonnerstag den 19. Mai la äTzprn eJgWLgJJil IM L^W WWp inj h=ai?s M rS?jfeJ fä wollten um das Lenzerwachen Drei Freunde eine Lustfahrt machen, Da wendete der Eine ein: „Es muß der Tag erst länger sein!" Und als sie wieder Rathschlag hatten, Der Zweite sprach: „Es fehlt an Schatten!" Doch als sie zechten bald in Schweiß, Der Dritte sprach: „Es ist zu heiß!" So war, noch eh' sie sich verglichen, Der schöne Lenz auch schon verstrichen. Martin Greif. Das Fräulein. Roman von E. Ve ly. (Fortsetzung.) In früheren Jahren hatte sie gern glänzende Feste im eigenen Hause gegeben/ wenn man dieselben noch lange nachher in der Gesellschaft, an der Börse, in ganz fernstehenden Kreisen besprach, so war ihr das wie eine Art schuldigen Tributs erschienen. Dann hatte sie auch daran die Lust verloren und jedesmal, wenn eine gesellschaftliche Verpflichtung größerer Art an sie herantrat, erfüllte sie das mit Unmuth, wehrte sie sich mit tausend Gründen gegen ihren allzeit gastlich gesinnten Mann. Nun stand die letzte große Gesellschaft der Saison bevor — und als diesmal der Consul, die Einladungsliste in der Hand, zur Frühstücksstunde in ihr Zimmer trat: „Ebba, es wird nun die höchste Zeit," ganz auf allerlei Widerstand vorbereitet, sah sie lächelnd von einem Buche über englische Krankenhäuser in die Höhe und nickte: „Bestimme nur, ich bin einverstanden." Herr Conrad warf einen fragenden Blick in den Spiegel, der ihm gegenüber hing — ja, war er denn das selber in dem Jacket letzten Schnitts und der neuen Cravatte? und da seine eigensinnige, kleine Frau? — „Aber Ebba, das ist so außerordentlich —" „Was Du Deinen Gästen bieten wirst, Conrad? — warum soll es das nicht sein?" Er hütete sich, sie zu corrigiren und schob die Liste hin. „Wenn Du streichen willst —" „Aber bitte, nein —" nur eine Secunde neigte sie sich suchenden Blickes über das Blatt und da stand ja der Name, dem das galt. Alle die anderen waren ihr doch gleichgiltig, nichts, als Staffage für ihn. Conrad Lund beeilte sich, das Papier wieder an sich zu ziehen, damit nicht, wie früher so oft, ihr rosiger Finger andeute: Die sind wirklich fortzulassen. „Also — einverstanden! Ich nehme Dir nach Möglichkeit die Last ab — Du wirst, wie gewöhnlich, nur schön zu sein haben — was Du ja gar nicht anders kannst." Und der Abend kam — weithin durch den Garten schimmerten die electrischen Lampen, die weiße Villa war in Tagesglanz getaucht — drüben die kahlen Bäume des Thiergartens bekamen noch ihren Theil des Lichtreflexes und ganz phantastisch ragten sie mit geraden Wipfeln und krummen Aesten auf. An der Außenpforte stand ein Portier in rother Kleidung und einem Tressenhut, die anfahrenden Wagen zu dirigiren — mit Würde hob und senkte er den Stab mit dem dicken Knauf. Vor dem Hause selber war ein türkisches Zelt errichtet, unter dem hielten die Equipagen und die Droschken verschiedener Klassen, und die Damen schlüpften daraus hervor und setzten die feinbeschuhten Füße auf die Teppiche. Blumen und Grün am Eingang, im Vestibül, auf den Treppen, Diener in übergroßer Menge, auch eine Decoration in ihrer Livree bildend, und dann ein Wogen, Summen, Rauschen von Schleppen, Blitzen von Diamanten, Fächerwehen — immer neues Kommen, immer frisches, freundliches Begrüßen. In dem Vorzimmer schlüpfte Doctor Hallsberg aus seinem Ueberrock — da, vor den großen Spiegeln standen noch Damen, mit spitzen Fingern an den Frisuren ordnend, die Diamanten oder Perlen auf dem weißen Halse zurechtschiebend, noch hie und da ein zufriedener Blick über die eigene Erscheinung, ein forschender nach der Nachbarin, ein letztes Glattstreifen der langen Handschuhe--Und immer aufs Neue wechselten und wiederholten sich die Bilder. Die großen Gesellschaftsräume in dem unteren Stock kannte Bruno noch nicht — das war ein Leuchten und Glänzen, als er sie betrat, sorgsam einige gewaltige Schleppen vermeidend. Zuerst das Händeschütteln mit dem Hausherrn, ganz „letzte Nüance" von dessen Seite, sein Auge suchte dann Frau Ebba. In der Mitte des Raumes stand sie, umgeben von einem großen Kreise. Wie sie s reizend aussah, im weißen griechisch geordneten Kleide, keinen Schmuck in den 302 Haaren, nur Perlen um den schlanken Hals — und nun trafen sich ihre Blicke, verneigte er sich vor ihr. „Wir sind sehr erfreut," sagte sie lauter, als sie bisher gesprochen, „ich weiß, wie sehr Sie Ihr Beruf in Anspruch nimmt — wie dankbar müssen wir fein, daß Sie kamen." Er lächelte. Sie war doch eine gute, kleine Frau, sie bemühte sich, ihn in diesem Kreise als den gesuchtesten Arzt etnzuführen — und er durfte nicht eine leise Abwehr wagen. Zurücktretend, an einen Thürpfosten gelehnt, beobachtete er sie, wie sie sich graziös ihrer Pflichten entledigte. Nach einem Weilchen trat Peter Meyerltng auf ihn zu und begrüßte ihn. „Wissen Sie, junger Herr, daß ich ein ganz besonderes Amt von meiner Tochter erhalten habe: Sie überall vorzustellen. Ein Arzt, behauptet sie, kann nicht bekannt genug sein. Bitte, liefern Sie sich mir aus." „Auf Gnade und Ungnade — aber, machen Sie's gnädig mit sich selber!" sagte Bruno. „Und noch einen Rath! Halten Sie hier nur gleich Umschau unter den Töchtern des Landes, hübsche, kluge, reiche Mädchen die Fülle- von dem einen oder anderen Attribut muß man freilich absehen, denn Alles zusammen verlangen, hieße ein wenig unbescheiden, was?" Sobald er konnte, entschlüpfte er aber auch diesem liebenswürdigen Führer unv begab sich wieder auf seinen Beobachtungsposten. Für ihn existirte nur Eine, die seine Augen und seine Gedanken beschäftigte — und von der er sich mit einer vollberechtigten Eitelkeitsregung sagte, daß die gefeierte Frau sich mit der Demuth eines Kindes vor ihm gebeugt habe. Herr von Wiesenau fand sich zufällig neben ihm ein. „Nun, auch so ein wenig von hoher Warte herabgucken, wie Herr Doctor? Wen sieht man denn hier? Ah, die kleine Sanden, schwarze Augen und Haare, ein Sprühteufel, hat schon viel Unheil angerichtet. Sie kennen doch die famofe Geschichte von ihrem ersten Mann? Nicht?" Er zog vor, sie im Flüstertöne zu erzählen, zwang seinem Zuhörer ein Lächeln ab und rückte seinen Kneifer zurecht. „Na, und das Fräulein von Deck- mager, arm an Glücksgütern, reich an Ahnen! Die Brünette? Für einen Arzt eine practische Parthie- Schwiegervaters Praxis und die aufgehäusten Honorare — ja, wohin schweifen denn Ihre Blicke? Ah, Frau Ebba ist doch die Aparteste von Allen," und ein Seufzen kam unter dem malträtirten Schnurrbart hervor. „Ein Bild ohne Gnade — so eisig, daß der Hauch schon tödtet. Aber — trauen Sie einer Frau? Ich nicht. Ihr Siegfried wird wohl schon irgendwo den Kahn abgestoßen haben, um nächstens zu landen." Gegen alle Welt kalt — ihm gegenüber weich und weiblich! Wars eine Grille, ein kokettes Spiel? Wars mehr —? Eine seltsame Unruhe kam über Bruno. Ebba gefiel sich in der Rolle des heutigen Abends, sie war auf einer Bühne, das Publikum vor ihr und unter demselben der Eine, für den sie agitirt, dem sie gefallen wollte — und der es nicht einmal wußte. Wie dumm und plump waren alle jene Frauen, die sich offen den Hof machen ließen, glänzenden Auges um sich schauend: Seht Ihrs auch, ich gefalle — Sie konnten keine Ahnung haben von dem Gefühl, das sie so übermüthig, glückstrahlend und so unnahbar heute machte. „Schöne Cousine," sagte Herr von Monken, „Sie sind gar zu unbarmherzig mit mir umgegangen! Fräulein von Deck als Tischdame — das ist eine Härte." „Wenden Sie sich mit diesem Vorwurf an die Adresse des Hausherrn — übrigens: sehr alte Familie," sagte sie ernsthaft. „So alt — daß Jugendfrische in ihr nur noch eine fromme Sage ist." Er seufzte. „Das jüngste, unbeholfenste Backfischchen wäre ja hier ein Vorzug gewesen." „Ah" — ein Aufblitzen ihrer Augen, sie hatte sich nur einmal in die Hallsberg zu der jüngsten Dame gesetzt, kaum über das Backfischalter hinaus, ziemlich plump und sehr schüchtern. Das war eine kleine Selbsthilfe. Herr Johann Conrad trug einen südeuropäischen Orden, den einzigen, welchen er besaß. Er hatte dem Minister eines kleinen Staates eine finanzielle Hilfe geleistet. „Verehrte Frau Schwiegertochter," sagte er. „Ich sehe ja — Hm!" er hätte beinahe eine gar zu freundliche Bezeichnung gebraucht — wo ist denn „das Fräulein?" Die großen Augen sahen ihn staunend an. „Da, wohin sie gehört — in der Kinderstube." „Hm — so — hm, ja!" Seinem Sohne klopfte er auf die Schulter. „Du, das ist doch ein gewisses Unrecht!" „Was?" fragte der, sein Gespräch mit Monken und dem Doctor Hallsberg unterbrechend. „Wenn hier unten Alles in Lust und Freude zugeht, da oben sitzen sollen — bei den Kindern — meinst Du nicht?" Der jüngere Lund zuckte die Achseln. „Reglement der Hausfrau — in das Ministerium des Innern bin ich nicht berufen." „Na — ja, aber! Die beiden kleinen Mädchen schlafen früh — ein paar Stunden immerhin hätte man sie doch —" Er verschluckte das Andere. Dies war ja Alles gut und schön und großartig hier, aber zum Behaglichfühlen nicht — er konnte sich viel bessere Dinge denken. Jedermann war zwar freundlich mit ihm, denn Jeder wußte ja, daß ohne den alten Johann Conrad dies Haus nicht stand und strahlte und Gäste beherbergte, aber es war zuweilen eine fühlbare Herablassung. Und brauchte er sich die gefallen zu laffen? Gewiß nicht —! Da mit dem Orden war ec noch ganz besonders stattlich. Wenn sie ihn doch so einmal sähe, die kleine, hübsche Line, die so gut mit fremden Kindern war. Und er ging aus einem Raume in den anderen, noch war die Tafelstunde ja noch nicht gekommen — und dann war er auf der Treppe im ersten Stock, wo sich die Räume erst später öffnen sollten, wenn man vom Tisch aufgestanden war. Alles still hier oben — auch auf der Treppe zu den Mansarden begegnete ihm Niemand. Er klopfte an die Thür des Kinderzimmers - nach wenig Secunden stand Line Arabin vor ihm, in ihrem schwarzen Kleid, den Finger wie zur Stille mahnend erhoben. „Ja, der Großpapa — lächelte er, „mal nach den beiden kleinen Damen sehen." „Thut mir leid, sie liegen bereits im Bett- Lonny schläft, Henny klagt ein wenig, sie ist unruhig und aufgeregt." „Natürlich, der Trubel da unten. Will nun auch nicht weiter stören. — Und Sie? Das ist doch eigentlich kein Vergnügen-" er räusperte sich. „Wollte sagen, angesehen hätten Sie die Sache auch gewiß gern mal — Sehen Sie, aber die Kinder, Sie dürfen das meiner Familie nicht übel nehmen — die Kinder —Sie lächelte- ein wenig galt das neben der Gutmüthigkeit, die er zeigte, auch der Unbehilflichkeit. „Nein, Herr Lund, wie sollte ich das. Ich gehöre hier auf diesen Platz — und überdies mache ich mir nichts aus Festlichkeiten." „Ja," er lachte über das ganze, breite Gesicht. „Das ist nun mein Fall — machen sich auch nichts daraus! So 'ne stille, nette Häuslichkeit, ja, das ist was Anderes. Sie lesen da — ich mag mir so gerne vorlesen lassen. Das müssen Sie gar zu hübsch können, Fräulein Line — solch 'ne weiche Stimme, wie Ihre!" Und er faßte nach Ihrer Hand und streichelte sie. „Ja, daß Sie das Landleben so gerne mögen — das hat mich nun ganz für Sie eingenommen: Ich will meine letzten Jahre, — es können noch immer gute sein, Fräulein Line, nicht in der Stadt sein — auf dem Lande wird man älter, bleibt gesunder. Sehen Sie wohl." — Sie hatte ihm die Hand entzogen, sie auf die Tischkante stützend. „Wir sprechen noch einmal darüber Tischordnung gemischt und Doctor Bruno ! — es ist mir Ernst damit, mit dem Landleben — und noch 303 toar Freiherr von Ertmarm als commandirender österreichischer General in Mailand Am 14. Juli 1831 schreibt Felix ,.aUc aMobrib an seine Familie: „Ohne “"b °§ne bie Generalin früher gekannt zu haben, beschloß ich, die interessante Frau, von der ich so viel gehört hatte unh d e von Beethoven so verzogen wurde, aufzusuchen. • JS ?en Gouvernements-Palast zeigen, dachte mir eme schöne Rede aus und ging munter hinauf. Im Vorsaal frug ich einen alten Mann in einem Nankingjäckchen, ob hier der General Ertmann wohne? Unglücklicherweise antwortete der alte Mann aber: „Der bin ich selbst!" Das war sehr unangenehm, und ich mußte meine ganze Rede im Auszüge anbringen. Beide nahmen mich sehr stündlich auf, sie spielte mir gleich die Cis-moll-Sonate von Beethoven vor und dann die aus D-moll. Der alte General war ganz glücklich und weinte vor Freuden, weil er seine Frau so lange nicht hatte spielen hören/ es sei m Mailand kein Mensch, der so etwas anhören wolle, sagte er . . . Sie sind Beide von einer Freundlichkeit gegen mich, die mich beschämt, und Beide in einander verliebt, als seien sie Brautleute, und sind doch schon 34 Jahre verheirathet, — Ich denke, ich habe etwas von ihr gelernt. Sie spielte gestern die „Kreutzersonate", 5L.bet ber dwlimst, ein Dragoneroffizier, im Anfänge des Adagio eine lange Verzierung L la Paganini machte, ba lo ber General eine so entsetzliche Grimaffe, daß ich vor Lachen bald vom Stuhl gefallen wäre." Dorothea von Ertmann war -ine Tante der jetzt in Paris im hohen Alter Abenden Sängerin Mathilde Marchesie de Castrone, geborenen Graumann, und eine Tante des verstorbenen Bürgermeisters von Graz, Moritz Ritter von Franck, des Schöpfers des Grazer Stadtparkes. Freiin von Ertmann starb in Wien im Alter von 68 Jahren am 16. März 1849. „Nicht ohne einige Muhe — erzählt Herr von Kaiserfeld — „ist c§ nur gelungen, ihr Grab auf dem großen altsiädtischen Wahringer Friedhof zu finden. Ein massiver Stein mit "" b6n b" Z^ten Stand hielt, bezeichnet Gemeinnütziges. Das Frühaufsteher, hat mit Recht bei allen Natur. Völkern stets m großem Ansehen gestanden. Erstens verlängert es wirklich den Tag und somit die Arbeitszeit. Wer einmal ins Langschlafen kommt, wird nie fertig. Die Sang* !? npfw 9a"8en Tag mißmuthig, träumerisch, und so gehl dre Arbeit nicht vom Fleck. Das Wort: „Der Vor- mrtternachtsschlaf ist der beste!" ist wahr,- es ist aus der reinen Erfahrung entstanden. Der Schlafmangel einer Bor- mitternachtsstunde verlangt mindestens zwei Stunden mehr wenn dieselbe Stärkung erfolgen soll. Noch nachtheilig^ wirkt der Schlafmangel der Nachmitternachtsstunden. Denn der Sonnenstand hat unbedingt Einfluß auf den Organismus des Körpers, das sieht man an den Thteren, namentlich an den Vögeln, die mit Sonnenuntergang schlafen 8fe)e"; Die Wirkung der aufstrebenden Sonne ist eine andere, 5LUntear emgetreten. Beethoven hatte in Tönen zu ihr gesprochen und ihr den Trost gespendet den ln Worten niemals hätte so ausdrücken können. '1831 fünft was. — Wir sprechen schon wieder darüber." Dann ging er langsam hinaus. „Schlafen werden Sie wohl lange noch nicht können — geht erst los — Tischmusik, dann Tanz —." „Ich habe mein Buch!" .. . "Und für etwas Süßes will ich schon sorgen! Schicke ach selber hinauf, ia, das versteht sich doch - nein, nein feine Umstände. Wahrhaftig, wenn Sie so freundlich aus- iehen, das macht mir das alte Herz ordentlich wieder jung." „Nein, sie trug wirklich kein Verlangen, dort unten Menswen' Ä Uttter bett lustig schwatzenden Menschen . Wenn man sie nur hier oben unbehelligt ließ bei den beiden, kleinen, anhänglichen Mädchen - aber, das würde naturgemäß auch schon sein Ende finden. Wenn si^ am Fenster stand, das Gesicht gegen die Scheiben Eft?®? ? ei" Sltb bor Augen: sich selber wieder großen Wett '""»d, °»fs Neue heimathlos in der Nachzügler, freiwillige und unfreiwillige, gellten sich ein, Damen, denen die Erregung nicht mebr in den lächelnden Mienen zu lesen war, welche sie im Hause beim Warten auf die unpünktliche Schneiderin ohne Zurück- haltung hatte austoben lassen, Herren, die sich von einem kleinen Diner, bei dem die Gesellschaft eine picante gewesen -?Letzten * S biC E§ fÜr befonber§ fein hielten, überall (Fortsetzung folgt.) 304 Das Schneiden der Haare. Eine eingehende Prüfung der alten und weitverbreiteten Annahme, daß das Schneiden der Haare ihr Wachsthum befördere, enthalten die soeben erscheinenden Sitzungsberichte der Niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde von Professor Schiefferdecker und Herrn Bischoff in Bonn. Im Jahr 1893 hatte Remesow in Petersburg aus Versuchen an Hunden und Kaninchen eine Beförderung des Haarwuchses durch Schneiden der Haare nachweisen und schließen können, daß das Schneiden und noch mehr das Rasiren an sich einen Reiz der Pupille zuführe. Es war also die Frage, ob dieser Reiz durch die Hautnerven geleitet werde, in welchem Falle das Haar kein todtes Gebilde sein konnte, oder ob er durch den Kältereiz an der kahlen Stelle hervorgerufen wurde. Im ersteren Falle hatte man das, beim Menschenhaar freilich vielfach fehlende Mark als die lebendige Substanz im Auge, das bei den Versuchs- thieren als sehr gut entwickelt ist. Bei den Bonner Versuchen wurden nun außer Hunden und Kaninchen auch das hierfür besonders geeignete Schwein gewählt und die Haare zum Theil so geschnitten, daß das Mark noch nicht getroffen wurde, zum Theil so, daß es ein- oder mehrere Male getroffen wurde,- auch wurden die Tasthaare gleichzeitig geschnitten. Das überraschende Ergebniß der Untersuchung war, daß sich überhaupt kein Einfluß des Schneidens auf das Wachsthum der Haare zeigte. Die Zählung der. Haare auf der Seite am Thiere, wo sie geschnitten waren, ergab nahe dieselben Zahlen, wie die Zählung auf der Controllseite. Es geht aus dieser (im Archiv für Mikroskop. Anatomie) ausführlich erscheinenden Arbeit hervor, daß man mit ziemlicher Sicherheit annehmen kann, daß das Schneiden keinen Einfluß auf das Wachsen der Haare ausübt, und daß kein Theil des Haares die Fähigkeit besitzt, einen solchen (Schnitt-) Reiz weiterzuleiten. * * * Vom Pflanzen. Schon jetzt ist Bedacht darauf zu nehmen, welche Gemüsearten später nach den abgeräumten Erbsen zu bauen sind. Werden letztere bis Mitte Juni entfernt, so können die Erbsenbeete bestellt werden mit Blumenkohl, Weißkohl, Wirsing, Rosenkohl, Kraus- oder Winterkohl, Kohlrabi, Kohlrüben, Frühkarotten, Schwarzwurzel, Kopfsalat, Sommer- und Winter Endivien, Sommer- und Winter- rettigen, Speiserüben, Poree, Majorann und anderen Würzkräutern. Alle diese Gemüsearten können bis zum Herbste sich entwickeln und eine Ernte geben, Schwarzwurzel ausgenommen, die erst nächstes Jahr brauchbare Wurzeln liefert. Wo man dem Boden keinen Stalldünger giebt, muß man im Laufe des Sommers und im Herbste fleißig mit Jauche oder sonstigem flüssigen Dünger nachhelfen. Das Aufbringen von Composterde auf die Erbsenbcete an Stelle des Mistes ist ebenfalls gut. Werden die Erbsenbeete erst gegen Mitte Juli oder noch später leer, so thut man am besten, wenn man sie nur mit Rapünzchen, Spinat oder Perlzwiebeln bestellt. * * * Schävlichkeit -es Rasens unter -en Obstbänmen. Rasen unter den Obstbäumen ist den letzteren insofern schädlich, als die Graspflanzen dem Boden sowohl die Feuchtigkeit wie die zum Gedeihen der Obstbäume erforderlichen Nährstoffe entziehen. Der beraste Boden verdunstet weit mehr Wasser, als jener ohne Raiendecke, und die Obstbäume verdorren um so leichter, je geringer die wasserhaltende Kraft des Bodens ist, und je weniger tief die Wurzeln der Obstbäume in den Boden eingedrungen sind. Auf Sandboden und unter jungen Obstbäumen ist daher die Bedeckung des Bodens mit Rasen besonders gefährlich/ man halte deshalb den von der Kione des Baumes überragten Theil des Bodens stets vom Rasen frei. Tieswurzelnde Pflanzen, wie Luzerne bringen die jungen Obstbäume noch leichter zum Absterben als Gräser. Spargel aufzubewahre«. Man hat verschiedene Methoden, den Spargel frisch aufzubewahren. Ein sehr einfaches Verfahren besteht im Aufbewahren in Kleie. Der Spargel wird rein gewaschen und mit einem Tuche gut abgetrocknet. Dann nimmt man getrocknete Kleie mit bräunlich geröstetem Salz, bringt davon zu Unterst in einen Topf, legt darauf eine Reihe Spargel, dann wieder eine Lage Kleie und geröstetes Salz, dann wieder Spargel u. s. f., bis der Topf ziemlich voll ist. Die oberste Schichte muß aus Kleie bestehen, wird etwas festgedrückt und dann der Topf mit zerlassenem warmem Fett begossen. Das letztere dient dazu, die Luft von dem Inhalte abzuschließen. Der Topf wird an einem trockenen, aber kühlen Ort ausgestellt. * * * Gegen Ungeziefer ans Rosen. Man sammle alle Cigarrenstummel und sonstigen Tabaksabsall aus der Pfeise, ohne Asche, in ein Gefäß mit einem Deckel und begieße diese Abfälle öfter mit der Flüssigkeit aus dem Pfeifenabguß und lasse immer Alles zusammen, unter mehrmaligem Durchmischen gut austrocknen/ darauf zerreibe man diesen Tabak zu einem feinen Staubmehl/ ich benutzte zu diesem Zweck mit großem Vortheil eine abgelegte Pfeffermühle. Diesen Staub nun, des Morgens, wenn die Blätter noch bethaut sind, auf und unter dieselben gespritzt, vertreibt und vernichtet, ohne den Pflanzen selbst irgendwie zu schaden, alles Ungeziefer von denselben, und was von den Blättern auf die Beete abfällt, säubert diese von Erdflöhen und anderem Geschmeiß. Eine Spritze, wie man sie im Hause zum Zerstäuben desJnsecten- pulvers gebraucht, würde auch hier von großem Nutzen sein. • * • Wie eine Maibowle gebraut wir-? Das weist Jeder und doch weiß er es nicht. Zum Trost in dieser Maikühle lassen wir hier das Recept des bekannten „Blumen- Schmidt" in Erfurt folgen: Man hole sich vom Waldmeister vor der Blüthe die ersten feinen Spitzen, da die Blüthe den Dust des edlen Krautes um ein Wesentliches erschöpft. Eine Handvoll lasse man sechs Stunden in einen Achtelliter Sherry ziehen und hat dann etwas ganz besonders Gutes für Feinschmecker und Kenner zum Anrichten einer Maibowle/ ein halber Thee- löfstl des Extractes genügt für eine Flasche Wein, natürlich Rhein- oder Moselwein, wenns ganz was Liebes werden soll. Humoristisches. Schlechte Ausrede. Frau (welche ganz unverhofft ihrem Mann begegnet): „Aber warum hast Du denn Deinen Ehering herunter?" — Mann: Ach — bei der Hitze!" * * • Sergeant (an dem Helm eines Soldaten eine kleine Beule findend): „Ra, nu' wird's Tag — kommt der Kerl mit einem Chapeauclaque zum Appell!" # ♦ * Ermuthigende Drohung. Arthur: «Wenn mir jetzt nicht auf dem Tandem säßen, würde ich Sie umarmen und küssen." — Hilda: „Wenn Sie das noch einmal sagen, steige ich ab!" * • * Erster Gedanke. Lieutenant Robinson rettet bei einem Schiffbruch das nackte Leben auf eine wüste Insel. Nachdem er sich etwas erholt und den Zustand seines Körpers recognoscirt hat, bricht er in die Klage ans: „Fatal, fatal: Monocle verloren!" * * * Tiefsinnige Betrachtung des stud. med. Süffel. Es läßt sich viel leichter von der Leber als über die Leber sprechen. Redaction: E. Burkhardt. — Truck und Verlag der 581-iil)l'fden Unwersitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.