Der Amtmann von Rapshagen Criminal-Roman von F. Arnefeld. (Fortsetzung.) .. "Wer es nicht besser wüßte, könnte glauben, Sie waren eifersüchtig," bemerkte Elisabeth und der Amtsrath fugte hinzu: ' „Ohne Sorge, Adolf Göbener ist in festen Händen. Meint man denn, daß er durchkommt, Stephan?" "Es ist alle Aussicht dazu, dank der ausgezeichneten Pflege, die ihm zu Theil wird," erwiderte mit finster zusammengezogenen Brauen der Doctor. „Er hat unverant- “n. Ener Schwester gehandelt, ich müßte ihn, I ( £VeJSeft£Bt ift/ Ei9entIid) vor die Mündung meiner Pistole fordern, nur - daß er als Sohn seines Vaters mir nicht satisfactionssähig scheint." ?8ttE doch auch ein Wort mitzureden. ries Meta und schmiegte sich an ihn. ~ "Unb ? e6enfo^; einen Raufbold kann ich nicht zum Schwiegersohn brauchen," stimmte der Amtsrath bei. „Ich glaube ubr-gens, Adolf wird, wenn er wieder gesund wird Eure Wege nicht viel kreuzen. Er wird es wie seine Geschwister machen und Deutschland den Rüchen kehren." „Und Carola?" fragte Elisabeth angstvoll. //Wird mit ihm gehen," antwortete der Amtsrath mit großer Bestimmtheit. 1 Elisabeth seufzte tief auf und Doctor Holten sagte- „Sie könnten das zugeben?" //'S*) habe Carola nichts zu verbieten." „Aber ihre Mutter? Würde sie es wirklich zulassen?" ein Mensch ist unersetzbar, Wie hoch man ihn auch hebt; Doch Jeder uns unschätzbar. Der so für uns gelebt, Daß, wird er uns entrissen, Wir schmerzlich ihn vermissen. Bodenstedt. Der kennt den Ernst der Arbeit, der im Stillen An schwerem Werke seine Kräfte maß! Der kennt der Arbeit Glück, der um der Arbeit willen Den Lohn der Arbeit ganz vergaß! Frieda Schanz. ! >. "@je toirb c§" entgegnete der Amtsrath, schaute aber doch recht verwundert auf, als Meta sich erhob und mit emer Entschiedentheit, die ihm an ihr neu war, sagte: „Sie wird es und sie muß es, Carola hat eine Mission, au deren Erfüllung sie nicht verhindert werden darf. Sie muß Adolfs Erlöserin, seine Führerin sein, und sie wird die Aufgabe vollbringen." „Meine holde Prophetin, wie kommst Du zu dieser Sprache, rtef Stephan, hingerissen vom Zauber ihrer Erschemung. v r ,, kannst Du noch fragen?" entgegnete sie, durch dieselbe Kraft, welche Carola stärkt, leitet und erhebt, durch die Liebe. Sie macht mich hellsehend. Am liebsten benutze ich sie freilich, um in Deinem Herzen zu lesen." „Du findest sie darin wieder," erwiderte er und schloß sie in seine Arme. b XXV. Die Ernte war eingebracht. Im Waldhof waren die Scheunen voll und der von seiner Schweizerreise in glücklichster Stimmung mit Elisabeth sc. berIo6ten Pa^e heimgekehrte Amtsrath Wenzel durfte sich des reichen Segens, den das sehr fruchtbare Iahr ihm verliehen hatte, dankbar erfreuen. Auch in Ropshagen war geschnitten und einqebracht worden, aber kein Eigentümer überwachte sorgen- und liebevoll die Arbeiten, welche der Kreislauf des Jahres dem Landwirth bringt. Miethlinge besorgten sie so aut oder nachlässig wie dies eben ging und wie es Menschen tun, die nicht sicher sind, den nächsten Monat noch auf der Scholle zu verleben. Es war so gut wie ausgemacht, daß Rapshagen ebenso unter den Hammer kommen würde, wie Fuchsberg und Borhitten, die bereits zum Verkaufe standen, da ihre Besitzer je eher je lieber Deutschland verlassen und nach Argentinien auswandern wollten. Adolf Göbener hatte Monate lang in einem der oberen Zimmer des Gasthofs unter der Obhut einer geschulten Krankenpflegerin, welche der Arzt aus Greifswald gesandt auf seinem Schmerzenslager gelegen. Um ihn waltete eine tiefe Stille, die schon aushörte Wohlthat zu sein und bedrückend auf dem jetzt Genesenden lastete. Von seinen Bekannten in Greifswald fragte ihm Niemand nach. Trotzdem sein Schuß ihn nicht getödtet hatte, war es doch, als habe er sich dadurch aus der Reihe der Lebenden gestrichen. Seine Schwestern und Schwäger, die gleich nach der Beerdigung der Mutter nach Fuchsberg und Borbitten zurückgekehrt waren, kamen wohl, um sich 234 zu. Er soll an sich an den Fingern abzählen. id)t dort ein Haus, zu Weihnachten n, das Andere findet sich." ,„.v uer Amtsrath?" 'Der wird wohl, so lange die Pachtzert dauert, m Waldhof bleiben, wenn er auch oft -genug in Berlin sein wird," erzählte Frau Büttner, erfreut, einen Gesprachs- qeqenstand gefunden zu haben, der Adolf zu interesstren schien. ^,Es heißt, seine Cousinen werden nicht wieder nach Stettin zurückkehren, sondern bei ihm in Waldhof bleiben." Der Genesende war während dieser Mitthellung sichtlich unruhig geworden, eine fliegende Röthe bedeckte seine Wangen, sein Athem ging hörbar. Die Hand der Schwester ergreifend, fragte er: „Und Carola? Was weißt Du von ihr?" So viel ich gehört habe, ist sie noch in Waldhof, wird aber nächstens wieder in's Ausland gehen," antwortete Frau Büttner und bemühte sich dabei, möglichst gleichgiltig $ s Adolf Göbener stöhnte laut auf- sein Kopf sank gegen die Lehne des Stuhles zurück, für einen Moment schloß er nach seinem Befinden zu erkundigen, aber viel Trost konnte I ex aus diesen Besuchen auch nicht schöpfen. Sie waren sämmtlich tief niedergedrückt, wichen ängstlich jeber Berührung mit früheren Bekannten aus und hatten kaum den Muth, ihren Dienstleuten Befehle zu ertheilen oder von ihnen be- aanaene Fehler zu rügen. Sie sehnten sich danach, Deutsch- I ?and den Rücken zu kehren und den Boden zu »erlassen, dessen Bebauung ihr Stolz und ihre Frende gewesen war. I An einem schon ziemlich frischen Augustmorgen war Krau Büttner nach Rapshagen gekommen. Sie brachte dem Ränder der fitzt schon den größten Thetl des Tages außer I ?em Bette zubrachte und gestützt auf den Arm seiner Pflegerm soaar schon einen Gang in's Freie gemacht Hatte, die I Nachricht, daß Borhitten verkauft sei und schon im nächsten Monat von seinem Eigenthümer übernommen werde Dann hält uns hier nichts mehr/ fugte sie hinzu, und "auch Lorenz' werden mit uns gehen können, da dessen Bruder sich entschlosfen hat, Fuchsberg zu übernehmen. Und was gedenkst Du zu thun? Auch Du wirst mcyt hier bleiben wollen, wo man sich nicht mehr getraut, einem Menschen ins Gesicht zu sehen?" fragte sie den Bruder, der auf einem Lehnstuhl an dem geöffneten, von der Sonne beschienenen Fenster saß und den Kopf mit dem dünn gewordenen Haar in die bleiche, abgemagerte Hand gestutzt hatte. ! Ich weiß es nicht," erwiderte er mit müder Stimme, „es ist mir Alles so gleichgültig. Ich komme mir vor wie ein Mann, der Alles zu einer Reise vorbereitet, mrt seiner ganzen bisherigen Thätigkeit abgeschlossen hat, und nun plötzlich wieder gezwungen ist, da wieder anzufangen, wo er aufgehört hat. Ach, warum mußte ich em |o schlechter Schütze sein!" Sie ergriff angstvoll seine Hand. „Adolf, Du denkst nicht daran, die schreckliche That zu wiederholen?" Er fchüttelte den Kopf. l „ „Sei ohne Sorge, Doris. Auch dazu gehört Energie, die ich nicht mehr besitze!" „Du wirst neuen Lebensmuth gewinnen, tote totr Alle, wenn nur erst das Weltmeer zwischen uns liegt! sagte sie herzlich. „Komm mit uns, Adols! Bleibe nicht allem zuruck. ® „Was soll ich in Argentinien? Ich bin kern Land- nun, man wird dort auch Häuser bauen," erwiderte sie mit einer Munterkeit, die ihr nicht aus dem Innern quoll „und außerdem wärest Du nicht der Erste, der seinen Beruf mit einem anderen vertauschte. Du hast doch auch von Stephan Holten gehört?" . ,, „ , . , „Ja," erwiderte Adolf, „das Opfer, welches er bring , um Meta zu bekommen, ist nicht zu groß." „Wie kannst Du von Opfer reden? Holten hat ja ein unerhörtes Glück!" rief Frau Büttner eifrig. „Nicht daß ich es ihm nicht gönnte," schaltete ste ein, ,Mr wenn man so denkt, wie es im Leben ans und nieder.geht. Wir müssen Haus und Hof verlassen und Stephan Holten heirathet bte Einzige Tochter des reichsten Mannes im Kreise. ,Weißt D" ka§ so gewiß?" fragte ber Bruber mtt Mit tiefem Schmerz ließ seine Schwester ihre Blicke auf dem bleichen Gesichte ihres Bruders, in das körperliche» und seelisches Leiden tiefe Linien gegraben hatte, ruhen, e» kam ihr recht schwer an, den Gebeugten noch tiefer zu betrüben, sie hielt es aber für ihre Pflicht, endlich emmal °^en ,/>tbolf," begann sie, „Weber ich noch Mnna haben je die Frage an Dich gerichtet, wie es zwischen Dir un Carola Münter gestanden hat. Hast Du ihr eine Liebeserklärung oder gar einen Antrag gemacht?' „Nicht mit Worten, aber ich bin darum nicht minder schuldig gegen sie, wie gegen die arme Anna, die ohne meinen Treubruch vielleicht noch lebte. „Grübele darüber nicht nach," redete ihm bte Schwester j zu. „Reben wir voii ber Lebenden. Du kannst unmöglich I nOd) ^HLtte ich""di?gehabt, würde ich nicht zum Revolver Deutschlands größter Chemiker. (Zum 25. Todestage Justus v. Liebigs.) t 18. April 1813. Bon Dr. S. Hofmann, ------- (Nachdruck verboten.) KO Unter den Männern der Wissenschast, die nicht nur auf ihrem eigensten Gebiete reformatorisch gewirkt, sondern mit dem Blick des Genies tn benachbarte Gebiete ^Übergriffen und sie in ihrer Wechselwirkung zu einem großen Ganzen vereinten, steht tn allererster Reche Name „Justus von Liebig." Macht das Studium der Natur in abstracter Speculation wie in practychen^ Experimenten den großen Naturforscher aus, so war Liebig ei« solch bevorzugter Geist. Wir Deutsche verehren ihn als unsern größten, genialsten Chemiker. Darm- Justus von Liebig wurde am 12. Mat 1803 zu £)arm stadt als der Sohn eines Material- und Farbenwaaren- händlers geboren. Schon früh fing er an zu ekperrmentiren, zimmerte sich mit großem Talent aus einfachen Mitteln Apparate zusammen und benutzte zu seinen Experimenten die im Laden seines Vaters vorhandenen wenigen Chemikalien. I Auf dem Gymnasium galt er als ein „nur mittelmäßig v - gabter" Schüler und erregte eines Tages das Staunen und Gelächter der ganzen Classe, als er auf bte ungeduldig Frage des Lehrers: „Junge! Was wird wohl einmal a Dir werden?" ohne sich viel zu besinnen, antworte: „Em Chemiker, Herr Lehrer!" Eine solche Antwort war damals ganz unerhört. Wer aber nun Chemiker werden wollte, mußte erst Apotheker weiden und ,o kam er denn 1818 1« die Apotheke zu Heppenheim. Hier aber experlmentir.e er seinem Principal zuviel mit Knallsilber herum, so day dieser ihn nach zehn Monaten wieder entließ. 1818 begab er sich nach Bonn, um dort ^e Vorlesungen Kastners zu hören und machte dort die Bekannt- I rrfiaft August von Platens, der ihn in seinen formvollendeten Ghaselet? und Sonetten' als seinen liebsten Busenfreund besang.^ wohin er Kastner gefolgt war, machte er sein Doctorexamen und veröffentlichte seine erste wi seiischa - liche Untersuchung „Über Brugnatelhs unb H°wards Knallsilber." Nun lenkte er setne Schritte nach Parts, wo damals in der Chemie die hervorragendsten Manner wirkten und lehrten. Hier lernte er unter Andern Gay Lussac 235 kennen und machte die für seine Zukunft bedeutsame Bekanntschaft Alexander v. Humboldts, dessen herzliche Freundschaft tr sich mit der Zeit erwarb. Durch Humboldts Einfluh öffneten sich ihm alle Thüren und ebneten sich ihm alle Wege, die ihm zu seinem Studium in der französischen Hauptstadt nothwendig waren, vor Allem das sonst kaum zugängliche Laboratorium Gay-Lussacs. Mit diesem Forscher wurde er bald so innig verbunden, daß sie mehr wie Brüder, als wie Schüler und Lehrer oder wie Meister und Jünger zu einander standen. Eines Tages, als Beide ein neues interessantes Resultat gefunden hatten, packte der Franzose den schlanken Deutschen wie ein junges Mädchen um die Taille und tanzte mit ihm, wie toll um den Laboratoriumstisch herum: „Dansons! Dansons Monsieur Liebig! C’est sin nouveau triomphe de Science! II faut le cälebrer! Dansons! Dansons!“ Doch der Gedanke, daß sein deutsches Vaterland so ganz und gar zurückstehen sollte in seiner Wissenschaft, bohrte in ihm im Stillen ganz gewaltig. Es kam ihm der glückliche Plan, das erste deutsche chemische Laboratorium zu gründen und damit die Chemie in Deutschland aus einer tobten Philosophischen Disciplin zu einer lebendigen Wissenschaft, wie sie es in Parts schon lange war, emporzuheben. Auf Humboldts Empfehlung ernannte ihn der Großherzog Ludwig I. von Hessen im Jahre 1824 zum außerordentlichen und 1826 zum ordentlichen Professor der Chemie in Gießen. Doch was fand er hier vor? Das ganze Laboratorium Ls stand in der That aus vier Wänden, zwei Fenstern, einer Decke, einem Fußboden und — und man denke! — aus zwei Thüren! Apparate, Einrichtungen, Gestelle, Sitze, Alles hatte er mehr oder weniger aus eigenen Mitteln — er erhielt baare achthundert Thaler Gehalt — einzurichten. Zulagen erhielt er so gut wie keine, Kämpfe mit der Beschränktheit, dem Neide und der Mißgunst hatte er auszustehen und doch gelang es ihm, das Laboratorium von Gießen zum damals berühmtesten und besuchtesten zu machen. Hier fing er nun an, die organische Chemie zu durch- sorschen und ihren Zusammenhang mit der anorganischen festzustellen, mit einem Worte, er wurde der Begründer dieser Wissenschaft. Mit unendlichem Fleiß und Nachdenken schuf er sich den — heute überall unentbehrlichen — Apparat zur Elementeraranalyse organischer Verbindungen mit den characte- ristischen fünf Glaskugeln, wodurch es ihm möglich wurde, manche wichtige Entdeckungen über die formelle Zusammensetzung der betreffenden Verbindungen zu machen. So entdeckte er beispielsweise die Erscheinung der Isomerie, oder -er gleichen chemischen Zusammensetzung organischer Verbindungen bei äußerlich völlig verschiedenen Eigenschaften, zuerst bei der Cyansäure und der Knallsäure. 1832 bei der Untersuchung der Einwirkungen des Chlors auf Alkohol, entdeckte er das Chloroform und das Chloral, Stoffe, welche später in der Medicin von ganz außerordentlich eingreifender Bedeutung und Wichtigkeit waren. Seine Forschungen über die Harnsäure bildeten den Uebergang zu einem neuen, geradezu epochemachenden Abschnitt in Liebigs wissenschaftlichem Leben- er beschäftigte sich jetzt mit der Anwendung seiner Wissenschaft auf Physiologie und Ackerbau. Da erschien im Jahre 1840 sein berühmtestes Werk „die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie." Dieses Werk erregte ein solch beispiellos ungeheures Aufsehen, daß es in sechs Jahren sechs Auflagen erlebte und seinen Verfasser auf ein Mal zum Weltgespräch machte. Es brachte für die damalige Zeit Äöllig verblüffende neue Lehren für den Ackerbau und die rationelle Landwirthschaft, welche zur Zeit vollständig im althergebrachten Schlendrian darniederlag. Von Düngung, Brache und Wechselbau war wenig bekannt und womöglich noch weniger angewandt. Liebig lehrte, daß die Ackerkrume, wenn sie immer und immer wieder Stoffe hergeben soll, endlich erschöpft werde und nannte solch einen Ackerbau mit dem bezeichnenden Namen: Raubbau! Pftanzeneiweiß und Thiereiweiß habe dieselbe Zusammensetzung. Die Pflanze sei im Stande aus Kohlensäure, Wasser- und Ammoniak die Stoffe zu bilden, welche den Thieren mittelbar oder unmittelbar zur Ernährung dienen. Diese verwandeln dann wiederum durch den Athmungs- und Berdauungsproceß jene complicirten, höher organisirten Materien in Kohlensäure, Wasser und Ammoniak zurück. Diesen Satz in seinen allgemeinen Zügen zuerst aufgestellt zu haben ist Liebigs unauslöschliches und in seinen Folgen bis auf die Gegenwart unerschöpfliches Verdienst. Im Jahre 1845 erhob ihn der Großherzog in den erblichen Freiherrnstand und auch die Landwirthe erkannten sein Verdienst an, indem sie ihm ein Ehrengeschenk übermittelten, welches Liebig zu einer Stiftung für die Förderung der Agnculturwissenschaft bestimmte (Liebigstiftung). Große bis heute als unsterblich anerkannte Verdienste erwarb sich der geniale Forscher auch durch die Entdeckung des nach ihm benannten Liebig'schen Fleisch-Extracts und des künstlichen Ersatzmittels für die Muttermilch. Für ersteren segnen ihn noch heute Tausende von Genesenden und für das Letztere sind ihm auch heute noch Hunderte von siechen Müttern dankbar. Mit wahrhaft kindlicher Freude begrüßte der große Gelehrte die erste Büchse seines Fleisch- Extracts, welche ihm von Fray Bentos, in Südamerika, wo derselbe noch jetzt hergestellt wird, zugesandt wurde. Alle diese weitgreifenden, allgemeinen Arbeiten und Forschungen mußten jedoch selbst einen io gewaltigen Geist, wie Liebig, vollkommen in Anspruch nehmen und verlangten die Hingabe des ganzen ungetheilten Denk- und Arbeitsvermögens. Liebig empfand das sehr bald und wünschte sich eine Stelle, wo er nicht als Leiter eines großen Laboratorium seine Kräfte zu zersplittern brauchte, sondern mehr auf die höhern Zwecke freien Forschens verwenden dürfte. Dazu bot sich ihm Gelegenheit, als König Max von Bayern ihn 1851 durch Professor Pettenkofer auffordern ließ, in München eine Professur zu errichten, wohin Liebig auch im Jahre 1852 übersiedelte. Hier hielt er Vorlesungen, hatte aber keinem Unterrichtslaboratorium mehr vorzustehen. 1853 wurde er von dem Könige, der ihm seine ganze Gunst, zugewendet hatte zum Vorsteher des Capitels des Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst und 1860 zum Präsidenten der Akademie der Wissenschaften ernannt. Jetzt widmete er sich mit ganzem Eifer seinen literarisch- wissenschaftlichen Arbeiten. „Die Theorie und Praxis der Landwirthschaft" erschien um's Jahr 1856. Als „naturwissenschaftliche Briefe über die moderne Landwirthschaft" herauskamen, hatten die Landwirthe bereits begonnen, seine Forschungen practisch zu verwerthen und zwar mit überraschendem Erfolge. „Die Annalen der Chemie," welche bis heute in über 200 Bänden existiren und immer fortgesetzt werden, sind auch seine Schöpfung und bilden einen der gelesensten und werthvollsten Theile der Quellenliteratur. „Die Jahresberichte der Chemie" sind noch heute jedem Chemiker unentbehrlich. „Die Chemischen Briefe" sind in ihrer Art klassische, wissenschaftliche Kunstwerke und doch leicht, gefällig und practisch gehalten. Noch durch viele andere wichtige Abhandlungen hat er der Nachwelt gezeigt, was er zu leisten vermocht. Seine letzte größere Arbeit „über Gährung und Quelle der Muskelkraft" erschien 1870 und hat auf pathologischem Gebiete Wunder gewirkt. Sein Hauptverdienst ist und bleibt jedoch die Erhebung der organischen Chemie zur selbstständigen Wissenschaft und ihre geniale Anwendung auf die großen Zweige practischer Thätigkeit im Leben. Liebig war keines jener Menschenkinder, denen leicht und spielend Alles in den Schooß fällt, die genial und verwöhnt durchs Leben gehen. Ernst und schwer hat er sich Alles, was erstrebte, erkämpfen müssen. Aber ideale Begeisterung für die Lebensaufgabe, die er sich gestellt, volle Hingabe an dieselbe in strenger, unermüdlicher Arbeit und die feste Ueberzeugung von der Richtigkeit seines Strebens 236 und von dem bleibenden Nutzen, den er seiner Mitwelt dadurch zu erringen hoffte, halfen ihm über ave Klippen hinweg. Schon seine äußere Erscheinung hat günstig für ihn gewirkt. Seine schlanke Gestalt, ein freundlicher Ernst in seinen regelmäßigen Gesichtszügen, große, braune Augen mit dunklen, schattigen Brauen nahmen auf den ersten Blick für ihn ein. In seiner Wissenschaft steht er neben den Ersten aller Zeiten gleichberechtigt da, der Landwirth erkennt in ihm seinen Meister und auch die Physiologie räumt ihm einen Ehrenplatz ein, die Chemiker müssen ganz im Besonderen Liebig dafür danken, daß er es verstanden hat, der Welt klar zu machen, daß die Chemie eine Wissenschaft sei und -aß er es vermochte, dem Publikum Achtung vor ihren Errungenschaften einzuflößen. Die Menschheit im Allgemeinen nennt täglich seinen Namen und zehrt von seinen Schöpfungen. Am 12. Mai 1877 ward dem großen Manne ein Denkmal, eine herrliche Broncebüste, in seiner Vaterstadt errichtet und auch die Städte München und Gießen besitzen prachtvolle Standbilder des großen Chemikers. Doch der Verstorbene durste von sich sagen: Exegi monumentum, aere perennius. G enreinnütziger. Preisausschreiben! Bei dem Preisausschreiben für hervorragende Leistung hauswirthschastlicher Bedarfsartikel wurde der erste Preis Frau Marie Rettmastn in Düsseldorf für folgenden Artikel zuerkannt. Ach, Gott, da ist der Stopfkorb schon wieder voll, sagt die vielbeschäftigte Hausfrau, es ist doch wirklich schrecklich, wie sich in unserem Haushalt die schadhaften Strümpfe und Wäsche anhäufen I Das sind die Klagelieder fast aller Hausfrauen, die sich immer wiederholen, und je größer das Hauswesen, je mehr kann man sie hören. Noch vor l1^ Jahren sah auch ich mit vieler Verzweiflung auf den Stopfkorb nieder; doch in dem Gedanken, daß diese unliebsamen Stopfarbciten ja doch erledigt fein müssen, setzte ich mich jedes Mal zur Arbeit, aber keineswegs mit Luft und Liebe, denn das Stopfen, wenn es wirklich gut gemacht werden soll, geht keineswegs schnell vorwärts, nur zu langsam fließen die Stunden hin, die man den Stopfarbeiten widmen muß. Nein, ich stopfe lieber, außer den nothwendigen Strümpfen gar nichts mehr, das Leinenzeug lohnt sich wirklich nicht, spricht vorschnell manches Hausmütterchen, die Zeit, welche ich darauf zubringen muß, kann ich besser zu nützlicher Arbeit verwenden. Diesen vielleicht sonst sehr practischen Hausfrauen möchte ich das Wort reden, denn der heutige Fortschritt in der Arbeirs- industrie hat auch die geplagten Hausmütter mit einem Mittel bekannt gemacht, mit dessen Hülfe sie diese mühevolle und zeitraubende Arbeit schnell und gleichmäßig verrichten können; nämlich den vielfach prämiirten „Magie Weaver" Stopf- Apparat. Dies unvergleichlich vorzügliche Hülfsmittel zum Stopfen in jeglichen Stück- oder Webe Gegenständen, sah ich hier zuerst in einer Industrie - Schule für weibliche Handarbeiten, welche diesen Apparat, wie mir die Vorsteherin sagte, auf Empfehlung des Lette-Vereins in Berlin angeschafft hatte. Ich staunte über die Kunstfertigkeit und Schnelligkeit, mit welcher die Schülerinnen mittelst dieses Stopf-Apparats ihre Stopfarbeiten ausführten, und da ich hörte, daß der Preis dieses nützlichen Hülfsmittels, inet. Probearbeit mit Anweisung und Porto nur 3 Mk. betrug, ließ ich mir den Stopf-Apparat von S. Schub erts Versandhaus Berlin, Beuthstr. 17, welches den Vertrieb übernommen hat, zustellen, und ich kann sagen, ich habe keine Ausgabe im Haushalt weniger bereut, als diese, denn in den IV2 Jahren, während welchen ich den Stopf-Apparat benutzte, brauchte ich nicht mehr in die Klagelieder anderer Hausfrauen einzustimmen: Haben wir jetzt „Große Wäsche", so graut es mir nicht mehr an den Tagen vorher, denn die Stops- arbeiten, welche ich früher mühselig in mehreren Tageis vollendete, sind jetzt mit Hülfe meines Apparates in wenigen Stunden erledigt; Strümpfe, Unterzeuge,Tischtücher,Servietten und Leintücher, die ich früher als unrettbar verloren, forträumte, dienen mir nun, nachdem ich sie in kurzer Zeit hübsch und fein gestopft habe, noch manches Jahr. Wenn manche sparsame Hausfrau diese kleine Ausgabe für den Magie Weaver Stopf-Apparat nicht scheut, so wird ihr auch manchmal gern die Heranwachsende Tochter die sich anhäufenden Stopfarbeiten abnehmen und dieselben ebenso gern verrichten, wie manche mühevolle Kunststickerei, die manchmal wenig Zweck hat und nur Zeit und Nerven beansprucht. Aus dem „Practischen Wegweiser". Würzburg. Wenn die Hühner Eier ohne feste Schale fasten laste«, trotzdem genügend Kalkstoffe, wie Eierschalen, Kalkmörtel, Muscheln, Sand und Erde im Laufraum vorhanden ist, so kann dieses Nebel in verschiedenen Ursachen begründet sein, z. B. innere organische Veränderungen, namentlich aber Fettsucht. Wenn im großen Ganzen das Geflügel nicht übermäßig mit Körnerfutter genährt wird, so kommen doch Fälle vor, daß in Folge geringer Bewegung oder einseitiger stickstoffreicher Fütterung Verfettung der Eierstöcke eintritt und die Legethätigkeit eine minimale wird oder durch unvollkommene Eier eine unerwünschte Aenderung erfährt. Man verschaffe seinen Hühnern freien Auslauf und damit genügende Bewegung, sowie die Möglichkeit, nach Be- dürfniß Grünfutter, Würmer, Jnsecten und dergleichen fressen zu können. Vermischtes. Das Handwerk. Die „Görlitzer Nachr." bringen unter diesem Titel folgendes Gedicht: „Ein Handwerk soll der Bub' nicht treiben, Denn dazu ist er viel zu gut; Er kann so wunderniedlich schreiben. Ist so ein feines junges Blut. Nur ja kein Handwerk — Gott bewahre! Das gilt ja heute nicht für fein: Und wenn ich mir's am Munde spare, Es muß schon „etwas Bessres fein!" Das ist der wunde Punkt der Zeiten. Ein Jeder will auf's hohe Pferd. Ein Jeder will sich nobel kleiden, Doch Niemand seinen Schneider ehrt. Der Hände Arbeit kam zu Schanden; Der Ärbeitsblouse schämt man sich. Das rächt sich noch in deutschen Landen, Das rächt sich einmal bitterlich. Das Handwerk hat noch gold'nen Boden, Hält es nur mit dem Zeitgeist Schritt! Folgt es den Künsten und der Moden Und bringt man Liebe zu ihm mitt Wenn Bildung sich und Fleiß vermählen Und thut der Meister seine Pflicht, Mögt ihr es zum Beruf erwählen — Es ist das Schlechteste noch nicht." Aus der Geograp hie stunde. Lehrer: „Alfred Meier, nenne Du mir 'mal die Nebenflüsse der Donau in Baiern." — A.: Meier: „Lech, Isar, Ammer, Regen." — Lehrer: „Richtig - aber ein paar hast Du noch vergessen. Fahre Du 'mal weiter fort, Rudolph Lehmann,- auf Regen folgt —" — R. Lehmann: „Sonnenschein!" * * * Der feine Ton. „Heute fahren wir zweiter Klasse, sind lauter feine Leut' d'rin. Benehmt's Euch fein, verstanden! Der Erste, der sich ordinär benimmt, kriegt a Watschn, daß ihm der Rüssel anfschwillt wie a Luftballon!" Redaktion: I. V.: Hermann Elle. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schcyda) in Gießen