p «iJlaliu ■Ipgl irtüMl lWMW» MD mf rjftJQ ^’ZW AM^L yz^’yi MM Ä'&IÄ! I' tewseefi Mk k-MMWM Ts WMW H •^CTraKnn.«iar?r™«trtraw3 §sB&rag’ in dis Seele, dies Ecinnerungsbuch, So viel Du kannst an lieben, frohen Bildern, Erinnern ist der rührendste Versuch, Des Lebens bange Flüchtigkeit zu mildern. Frieda Schanz. Der Amtmann von Rapshagen. Criminal-Roman von F. Arnefeld. (Fortsetzung.) Er hielt plötzlich inne, über sein freudig erregtes Gesicht schien sich ein trüber Schleier zu breiten und mit gänzlich verändertem Ton sagte er: „Ich weiß doch nicht! Ich fürchte, es wird sich nicht thun lassen, der Sommer ist gerade für uns Architecten eine sehr arbeitsvolle Zeit." „Nun, überlegen Sie die Woche, es eilt ja noch nicht damit, ich könnte einen jüngeren Beistand brauchen, bin doch nicht recht geschickt, den Reisecavalier von vier Damen zu spielen," redete ihm der Amtsrath gutmüthig zu. Er glaubte, den eigentlichen Grund des dem jungen Mann plötzlich aufgesttcgenen Bedenkens zu errathen, derselbe fürchtete, von seinem geizigen Vater nicht die Mittel zur Bestreitung einer solchen Reise zu bekommen, und nahm sich vor, dem alten Göbener demnächst ins Gewissen zu reden und ihm begreiflich zu machen, daß es für seinen Sohn dringend nothwendig sei, etwas von der Welt zu sehen. „Der Alte hat ihn so stark unter der Fuchtel, daß er nicht wagt, sich Carola durch Worte zu erklären, so viel er ihr auch schon durch Blicke gesagt hat," fuhr er in seinem Gedankengange fort, „ich glaube wahrhaftig, wenn man da nicht zu Hilfe kommt, bleibt er stumm und sie geht aus Trotz und Kummer zu den Franzosen und Russen, — das gebe ich aber nicht zu. Die gemeinschaftliche Reise wäre vielleicht auch dazu gut, das Eis zu brechen." -__ //Wie steht es aber jetzt mit der Fortsetzung des Con- certes? fragte er laut. „Singt noch etwas, der schöne, stille Sonntag scheint mir geeignet dazu." Sie kamen seinem Wunsche ohne Zögern nach; er fegte sich behaglich wieder in seinem Lehnstuhl zurecht und m bunter Reihenfolge erklangen Lieder von Schubert und ' Schumann, Mendelssohn und Brahms, sowie Duette, in ' i welchen Carolas Mezzosopran und Adolfs Bariton schön s unb zu denen Frau Münter die Begleitung „Das Meer erglänzte weit hinaus im stillen Abendscheine!" Hub soeben Carola an — da öffnete sich die Thür und mit jener sphinxartigen Miene, welche der wohlgeschulte Diener anzunehmen liebt, wenn er sich als der Träger । einer überraschenden Nachricht weiß, trat Johann ein und ! meldete: „Es ist ein Bote aus Rapshagen da. Er läßt sich nicht zurückhalten und sagt, er müsse den Herrn Bauführer sogleich selbst sprechen." Mit einem schrillen Laut brach die Begleitung, welche Adolf gespielt hatte, ab und er sprang vom Claviersessel aus. //Ich komme! Ist ein Unglück geschehen?" rief er mit j verstörtem Gesichte und wollte nach der Thür stürzen, aber schon erschien in derselben der Knecht, der von Rapshaqen geschickt war und den ihm übertragenen Auftrag, er müsse seine Botschaft an Herrn Göbener persönlich ausrichten, so wörtlich nahm, daß er dem meldenden Diener bis in das Zimmer der Herrschaft gefolgt war. Den Ausdruck Adolfs beantwortete er gleich einem Echo mit den Worten: .. Unglück, ja wohl, Herr Bauführer, ein großes Unglück. Ich habe Sie schon in Greifswald gesucht, der Herr Amtmann hat gesagt, nimm unser bestes Pferd, Jochen —" / „Was für ein Unglück?" unterbrach ihn Adolf. „Meine Mutter —" 1 //Hch hä," grinste der Knecht, die Kappe, welche er in der Hand hielt, drehend: „Die Frau Amtmännin ist ja gar nicht in Rapshagen und auch der Herr Amtmann —" Adolf Göbener stand das Herz still, die Kehle war ihm wie zugeschnürt, er vermochte keinen Laut hervorzubringen Statt seiner befahl der Amtsrath, der.dicht an den Knecht herangetreten war: „Sagen Sie jetzt endlich, was geschehen und wem das Unglück zugestoßen ist." Der Mann räusperte sich und sagte langsam und mit einem mitleidigen Blick auf Adolf: „Unser Frölen Annechen, was dem jungen Herrn seine Braut sein soll, ist heute Morgen im Puddenteich ertrunken." Adolf stieß einen Schrei aus, so schrill, so herzzerreißend, das den Hörern das Blut in den Adern erstarrte. Der Amtsrath und Frau Münter stimmten ein, Carola stand aber wie in ein Steinbild verwandelt. Alles Blut war ihr aus dem Gesicht gewichen, die Lippen hatten eine bläuliche - 176 Farbe, die Augen schienen größer geworden, ihr leuchtendes Blau sich in ein glanzloses Schwarz verwandelt zu haben, und dabei war es zweifelhaft, ob sie den Schluß der Rede Jochens überhaupt noch vernommen hatte. Die Worte: „Was dem jungen Herrn seine Braut sein soll," waren ihr wie ein heftiger Stoß in das Herz gedrungen und hatten sie förmlich betäubt. Hatte der Amtsrath und Frau Munter vielleicht erwartet, Adolf würde gegen diese Unterstellung Einspruch erheben, so sahen sie sich getäuscht, die Art, wie er sie aufnahm, war weit eher einer Bestätigung gleich. Doch darüber nachzudenken, oder gar dem jungen Manne durch eine Aeußerung eine Mißbilligung seines Betragens zu erkennen zu geben, war jetzt keine Zeit. Ec hatte beide Hände vor das Gesicht geschlagen und murmelte: „Anna, Anna! Arme, kleine, süße Anna !" Statt seiner fragte der Amtsrath den Knecht: „Wie ist denn das zugegangen? Wie kann das Fräulein am hellen Vormittag im Puddenteich ertrunken sein? War denn Niemand in der Nähe, der sie herausziehen gekonnt und wie ist sie überhaupt dahin gekommen?" Der Knecht glotzte den Amtsrath mit großen runden Augen und weit aufgerissenem Munde an. Er war nicht gewohnt, daß so viel Fragen gleichzeitig an ihn gestellt wurden und nicht gesonnen, sie alle zu beantworten „Weeß nich," sagte er, von einem Fuß auf den andern tretend, „wir waren allzusammen in die Kirche und während dessen wird's ja wohl passirt sin. Sie sagen, de olle Papagie soll ja woll dran schuld sin." „Der Papagei? Wie so?" fragte Adolf händeringend. „Weeß nich," wiederholte Jochen. „Wird ja wohl in den Puddenteich geflogen und das Frölen ihm nachgelofen sin. War ja immer ganz närrisch mit bet oll dumme Thier. Aber, nu machen Se man fix, junger Herr. Js schon so lange her, daß ich von Rapshagen fort bin. Sollt auch den Doctor Holten holen, was des Frölens Bruder is, war aber noch über Land, da bin ich erst hierher geritten. Herr Amtmann wird schon warten." „Anspannen!" gebot der Amtsrath kurz. „Lassen-Sie Ihren Miethsgaul hier im Stalle stehen, Adolf, wir nehmen den leichten Jagdwagen und die Ponies, die bringen uns am schnellsten hinüber, denn ich fahre mit Ihnen. Kommen Sie, wir wollen das sogleich besorgen." Er schritt der Thür zu- Adolf folgte ihm mit einem stummen Gruß. Frau Münter sagte ihm einige theilnehmende Worte, Carola maß ihn nur mit einem einzigen, langen Blick. Aber was sprach sich darin Alles aus! Adolf wußte es, daß es ein Urtheil war, streng, ohne Erbarmen, und daß er es so und nicht anders verdient hatte. In unglaublich schneller Zeit war der Wagen zur Abfahrt bereit und ebenso schnell rollte der von dem Amtsrath selbst gelenkte leichte Wagen auf der Chaussee und über die Feldwege dahin. Zwischen den beiden Herren ward kein Wort gewechselt- jeder fürchtete sich, das Schweigen zu brechen. XIV. Auch in Rapshagen herrschte an diesem wonnevollen Mai-Sonntag eine weihevolle, wohlthuende Ruhe. Der große Hof war sauber gefegt, die Leiterwagen standen in den Schuppen, das Arbeitsgeräth war bei Seite geräumt. Man hörte weder die scheltende Stimme des beaufsichtigenden Hausherrn, noch die Rufe der Knechte- kein Axthieb erklang, keine Magd ging mit gefülltem Eimer vom Brunnen nach dem Hause, kein Rad knarrte, nur daß zuweilen das Gackern eines Huhnes oder das Brüllen einer Kuh die fri^liche Stille unterbrach. Sogar der bissige Hofhund lag behaglich vor seiner Hütte und erfreute sich des mild erwärmenden, aber nicht sengenden Sonnenscheins. Auch der Garten, der in der Regel ein ziemlich prosaisches Ansehen hatte, da er nur mit Gemüse und Küchenkräutern bepflanzt werden durfte und von dem Amtmann Blumen als nutzlose Boden und Zeitverschwenduttg ein für alle Mal streng verpönt waren, war durch den Frühling mit märchenhafter Pracht geschmückt. Die zahlreichen Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume waren mit weißen und rosigen Blüthen übergossen- auf der Wiese, die sich auf der einen Seite des Gartens dicht neben einem großen, tiefen Teich hinzog und vorzugsweise als Bleichfleck benutzt ward, drängten sich die Gänseblümchen, die gelben, weißen und rothen Anemonen und anderes reizvolle „Unkraut", das sich durchaus nicht an das Gebot des gestrengen Hausherrn kehrte, sondern ihm mit lachenden Blüthen ein Schnippchen schlug. Unter einem breitästigen Apfelbaum, von dem bei dem leisesten Windhauch der Blüthenschnee auf den Boden wirbelte, stand ein hölzerner Tisch, der in der Woche von den Bleicherinnen benutzt ward. Hierher hatte Anna den Bauer mit ihrem Papagei getragen und für sich selbst einen Stuhl herbeigeholt, denn sie gedachte auch ein Stündchen Sonntags ruhe im Garten zu feiern, da sie nebst der alten tauben Magd Suse, die auf dem Hofe halb und halb das Gnaden- brod genoß, die einzige Person war, welche an diesem Sonntag-Vormittag im Hause zurückbleiben durste. In Fuchsberg war ein Töchterchen geboren worden und Frau Göbener, die sich jetzt recht wohl befand, auf ein paar Wochen dorthin übergesiedelt, um ihre Tochter zu pflegen, da sie die Wirthschaft getrost Annas Leitung überlassen durfte. Auch ihr Gatte schien dies eingesehen zu haben, denn er hatte ihr nicht, wie sonst bei ähnlichen Gelegenheiten, endlose Schwierigkeiten bereitet. Die Taglöhner, welche während der Woche je nach Bedarf auf den Gutshof kamen, waren heute zu Hause geblieben, die ständig dort dienenden zwei Knechte, sowie die beiden Mägde hatten schnell die nöthigen Tagesarbeiten ab- gethan, das.Vieh versorgt und sich dann in ihren Sonntagsstaat geworfen, um dem Gottesdienst in der eine gute Viertelstunde von Rapshagen entfernt liegenden Kirche beizuwohnen. Auch der Amtmann Göbener hatte sich zu einem Ausgang fertig gemacht, obwohl es nicht zu seinen Gepflogenheiten gehörte, die Kirche zu besuchen. Gewohnheitsmäßig schritt er vorher noch einmal durch das ganze Gehöft und kam auch in den Garten. „Alter Schelm! Spitzbube!" schallte es ihm entgegen. Bitterböse wandte er sich nach der Seite, von wo der Ruf kam und fuhr Anna an: „Warum läßt Du das Thier nicht im Zimmer? Was soll es hier draußen?" „Ach, es ist so schön unter den blühenden Bäumen," erwiderte das junge Mädchen, während sie den Papagei, der beim Anblick Göbeners, den er zu hassen schien, wie immer in Zorn gerathen war, mit den Flügeln schlug und ihn mit Schimpfworten überschüttete, zu beruhigen suchte. „Niederträchtige Creatur, ich drehe Dir doch noch den Hals um," knurrte Göbener, ließ seine Augen erst über Annas sauberen Sonntagsanzug gleiten, schaute dann in das Blüthenmeer und schien durch Beides geärgert. Mürrisch fragte er: „Willst wohl selber draußen bleiben und Natur kneipen?" „Ein Stündchen werde ich mir wohl gönnen dürfen. Ich bin früh aufgestanden und habe Alles besorgt- Suse sieht auch einmal nach den Töpfen," antwortete Anna mit ihrer sich stets gleich bleibenden sanften Freundlichkeit, denn so sehr sie auch den Alten fürchtete, wäre es ihr doch nicht möglich gewesen, eine Unwahrheit zu sagen? „Faulenzerei," brummte Göbener und der Papagei erwiderte diese Liebenswürdigkeit wieder durch etliche Ehrentitel. „Weil Sonntag ist, denkt Jeder, er brauche nur zu essen und zu träumen. Hast wohl auch ein hübsches Buch in der Tasche?" Anna ward roth und schaute verstohlen auf das an -- 171 -* ihrem Arm hängende Körbchen, in welchem ein Band Schiller lag. Göbener lachte spöttisch auf, als er das Buch bemerkte: „Freilich, muß Dich ja bilden, damit Du für den feinen Adolf paßt. Na, meinetwegen, bleib' draußen, das sag' ich Dir aber, komm' ich um zwölf Uhr nach Hause und das Mittag- brod steht nicht fix und fertig auf dem Tisch, dann werde ich sehr deutlich mit Dir reden!" Zur Bekräftigung seiner Worte stieß er drohend den Stock auf den Boden und ging auf den Hof zurück, um durch das Thor auf die Landstraße zu gelangen, auf welcher dicht vor ihm bereits die beiden Knechte hinschritten. „Alter Griesgram! Spitzbub!" rief ihm erboßt, das Gefieder sträubend, der Papagei nach und kichernd stießen sich die beiden Mägde in die Seite. Sie hatten den Weg durch den Garten nehmen wollen und sich, als sie den Alten neben Anna erblickten, zurückgehalten, damit das Unwetter sich austobte und sich nicht auch auf sie entlade. Nun kamen sie hervor, grüßten Anna und machten sich beflügelten Schrittes von dannen, denn die Glocken stimmten bereits das zweite Geläut an. —-- Der Herr Prediger in Reppenhagen, wo Rappshagen eingepfarrt war, hatte eine für das Verständniß seiner Zuhörer sehr wohl geeignete Predigt gehalten, und erbaut und gestärkt machten sich die Gemeindeglieder auf den Heimweg, in kürzerer oder längerer Frist von den höheren Empfindungen zu den weltlichen übergehend und sich auf den Sonntagsbraten oder auch nur auf die Sonntagsklöße freuend. Auch die Dienstboten vom Rappshagener Gutshof betraten in solcher Stimmung das Haus ihres Dienstherrn, sahen sich aber in ihren Erwartungen schmählich betrogen. Weinend kam den in die Küche Tretenden die alte taube Suse entgegen, die wohl Handlangerdienste verrichten konnte, aber nicht im Stande war, eine Speise selbst zu bereiten und klagte ihnen, der Braten für den Herrn Amtmann sei nicht gar geworden und sie habe auch für sie das Pökelfleich und die Pflaumen mit Reis nicht kochen können. „Aber wo ist denn Fräulein Annechen?" fragten beide Mädchen wie aus einem Munde. „Weiß nicht, hat sich den ganzen Vormittag nicht sehen lassen," erwiderte die Alte. „Sie war im Garten, als wir fortgingen!" schrie ihr die eine Magd ins Ohr. „Hast Du sie dort nicht gesucht?" Susanne schüttelte, nachdem ihr die Frage zwei Mal wiederholt worden war, den Kopf. „Das ist mir nicht eingefallen. Wer geht denn Sonntags, wo man nicht zu pflanzen und zu jäten braucht, in den Garten? Da bleibt man doch lieber in der Stube. Hab' sie im ganzen Hause gesucht, aber da war sie nicht,- dachte, sie sei doch noch mit in die Kirche gegangen." Die Mägde sahen einander verdutzt an. Eine solche Eigenmächtigkeit konnte doch nur die alte Suse, die nicht nur taub, sondern auch etwas einfältig war, der pflichtgetreuen, gewissenhaften Anna zutrauen. Was konnte geschehen sein, wodurch sie abgehalten worden war, in der Küche nach der Mahlzeit zu sehen? War es denkbar, daß sie vielleicht im Garten bei ihrem Buche etgeschlafen war? Ehe sie noch darüber fertig werden und sich anschicken konnten, nach dem Garten zu gehen, erscholl aus dem Wohnzimmer Schelten und Toben. Den Hut auf dem Kopfe, den Stock in der Hand, mit stark bestaubten Stiefeln, trat der Amtmann in den Hausflur, an dessen Ende die Küche lag. „Was ist denn das für eine niederträchtige, loderige Wirtschaft?" schrie er, vor Zorn ganz roth im Gesicht. „Habe ich Dir nicht gesagt, punkt zwölf soll das Mittagsessen fertig sein? Jetzt ist's halb ein Uhr und noch kein Tisch gedeckt. Was hast Du getrieben, Anna?" Er trat auf die Schwelle der Küche, schaute sich in dem großen, Hellen Raum um und fragte, womöglich noch erboster: „Nicht hier? Wo steckt denn die Dirne'? Da soll doch gleich —" (Fortsetzung folgt.) Aus dem „Praktischen Wegweiser". Würzburg. Staubablagerungen auf den Wedeln der Palmen verhindern die Athmung derMlätter, weshalb die öftere Reinigung durch vorsichtiges Abwischen mit einem feuchten Schwamm oder Abpinseln mit einem weichhaarigen Pinsel ebenso nothwendig ist, wie die tägliche Waschung des menschlichen Körpers. Das Ueberbrausen mit reinem, warmen Wasser sollte unbedingt nachfolgen. Diese öftere Reinigung verhindert auch die Ansiedlung der Schildläuse, des Thrips, der rothen Spinne, der weißen Schmierlaus oder der grünen Blattlaus. Die Unterseite der Wedel ist der eigentliche Aufenthalt dieser Schmarotzer und es ist bei der Reinigung der Blätter deshalb nothwendig, auch hier abzuwischen. Wie oft wähnt der Besitzer einer schönen Palme dieselbe in bester Pflege, bis er eines Tages die unangenehme Wahrnehmung macht, daß durch seine eigene Sorglosigkeit die Pflanze vollständig verlaust ist. Dann kann nur eine peinlich genaue und wiederholte Abwaschung mit Seifenwasser oder Tabakabsud den Fehler wieder gut machen. Besser aber ist, die Ansiedlung der Schädlinge durch eine regelmäßige Reinigung zu verhüten, denn später ist die Vertilgung nicht nur mühsam und schwierig, sondern auch langwierig, weil immer wieder Ungeziefer austritt. Die San Jose Schildlaus hat in Amerika ganze Obstbaudistricte, insbesondere Californiens, vernichtet, denn das Thier hat eine Vermehrungsfähigkeit, die diejenige der bekannten Obst- und Weinschädlinge weit übersteigt. Die Nachkommenschaft eines einzigenThieres wird auf 300Millionen geschätzt. Die Reichsregierung hat vor wenigen Tagen, hoffentlich noch zur rechten Zeit, die freie Einfuhr amerikanischen Obstes verboten und die Untersuchung alles auf dem Seewege eingehenden Obstes angeordnet. Hierbei hat sich herausgestellt, daß der größte Theil der einzuführenden Obstmengen Früchte enthielt, die mit der San Joss Schildlaus im lebenden Zustande behaftet waren. Demgemäß sind große Mengen amerikanischen Obstes von der Einfuhr in Deutschland ausgeschlossen und zurückgesendet oder in England gelandet. Der deutsche Obstbau wird hierdurch einerseits vor einer ungeheuren Gefahr geschützt, andererseits verliert er die schlimme Concurrenz des amerikanischen Obstes, denn Angesichts der erschwerten Einfuhr und dem damit verbundenen größeren Risiko wird der amerikanische Züchter sehr bald den Export nach Deutschland aufgeben. • Dem deutschen Obstbau erwächst dadurch aber die Verpflichtung, diese Lücke durch vermehrte Production auszufüllen, und die an dieser Stelle schon wiederholt ausgesprochene Mahnung: „baut Obst", kann nicht oft genug wiederholt werden. In den Großstädten sind Aepfel und Birnen bereits so selten und so theuer geworden, daß sie nicht mehr als Lebensmittel, sondern nur noch als Luxusartikel angesehen werden können, und vielfach hörte man die Apfelsine als Ersatz für den Weihnachtsapfel Vorschlägen, weil diese, namentlich bei größerem Bezüge, sich billiger als Aepfel stellt. Wie lange wird der Deutsche sich noch den Gewinn entgehen lassen, den jetzt das Ausland bezieht, und zwar in einem von Jahr zu Jahr steigenden Maße? Denn während 1889 die Obsteinfuhr die Ausfuhr nur um 20 Millionen Mark überstieg, beträgt diese Zahl für 1896 bereits 32 Millionen. Solche Differenzen lassen sich nicht etwa aus der Zunahme der Bevölkerung erklären, sondern weisen einfach darauf hin, ein wie großes Bedürfnis, Obst zu essen, vorhanden ist. Für den Absatz der Ernte braucht Niemand in Sorge zu sein, die Zeiten, wo eine reiche Obsternte wegen mangelnden Absatzes als Viehfutter diente, wiederholen sich heute, Angesichts unserer entwickelten Verkehrsverhältnisse nicht wieder. - 172 Das Treiben von Radieschen und Rettigen ist eine gewinnbringende Cultur. Man ist aber besser daran, wenn die jungen Pflanzen erst in Saatkisten angesäet und sobald sie die Keimblätter vollkommen entwickelt haben, in das Mistbeet gepflanzt werden. Meist finden die Radieschen als Zwischenpflanzung unter Salat und Gurken geeigneten Platz, denn sobald letztere an Ausdehnung zunehmen, haben sie ihr vollständiges Wachsthum erreicht und sind verbrauchsfähig. Rettige verlangen des größeren Blattwerkes wegen mehr Raum und find als Zwischenpflanzung bei Kohl, Kohlrabi oder Carfiol angezeigt. Auch an dem unteren Rande der Kästen ist oft genügend Platz. Beim Verpflanzen der Sämlinge beachte man vor Allem, daß die Wurzeln senkrecht in den Boden kommen und die Sämlinge überhaupt bis zu den Keimblättern in der Erde stehen. Geeignete Treibarten sind: Non plus ultra Erfurter Dreienbrunnen, dunkelblutrothes Treib-, laubloses Radies, scharlach- rothes Treib- mst weißem Wurzelende. Von Rettigen sind empfehlenswerth: gelber Mairettig, runder, weißer Treib-, rwsst'cher Delikateß-, chinesischer runder Scharlachrother. An Ausgüssen, Eimern, Spülschüsseln rc. setzt sich oft ein fettiger Schmutz an, den man mit Seife, Soda und Bürste nur schwer entfernt; nimmt man dagegen ein wollenes Läppchen und träufelt einige Tropfen Petroleum darauf, so genügt ein einfaches Abwischen und Nachspülen mit Wasser. Lampen - Cylinder als Blumenvase. Ein Cylinder, wenn auch unten etwas zerbrochen, wird mit zwei sich kreuzenden Seidenbändern umwunden, deren obere Ränder zu einer üppigen Schleife vereinigt werden. Eine manschettenartige Garnitur umschließt den unteren Cylindertheil. Diese besteht aus grünem oder rothem Sammettheil im Quadrat 24 Ceutimeter groß. Den Cylinder hat man auf die Mitte des Stoffkheils zu stellen. Man streift den Sammt straff und hoch und bindet ein Seidenband fest um die Manschettengarnitur zu einer Schleife. Damit der Cylinder recht fest steht, füllt man ihn mit Schrotkörnern. GeineknirÄtziges. Apfelgelee. An den „Practischen Rathgeber" für Obst- uiib Gartenbau in Frankfurt a. O. gelangte nachstehende Anfrage: „Besitzer einer größeren neu eingerichteten Dampf- muskocherei ist gewillt, um die A läge rentabler zu machen, die Fabrikation von Apfelgelee aus getrockneten ameri- kanischen Kernhäusern und Schalen mit aufzunehmen und bittet deshalb um gefällige Mittheilung, auf welche Weise und mit wie- viel Procent Raffinade man ein klares, garantirt haltbares, gut verkäufliches Gelee erzielt?" die dann von Herrn Obergärtner Mertens in Geisenheim, Lehrer am pomologischen Institut daselbst, in folgender Art beantwortet wurde: „Die Herstellung von Apselgclee aus getrockneten amerikanischen Kernhäusern und Schalen unter Zusatz von Kartoffelsyrup bedeutet einmal für den deutschen Obstbau einen großen Schaden und ist auch zum anderen für das Publikum von schwerwiegendem Nachtheil, da dieses ein Fabrikat erhält, das alles Andere ist, nur kein reines Obstproduct. Die wenigsten Käufer kennen die Zusammenstellung und die Herstellungsweise dieses Fabrikats, weshalb es dringend geboten erscheint, das Publikum von dem Ankäufe und Genüsse solchen Erzeugnisses abzuwenden. Wie können auch die mit Schmutz, Obstmaden und fauligen Theilen getrockneten Schalenabfälle, die in Fässern zusammengestampft zu uns nach Deutschland kommen, ein appetitliches Erzeugniß liefern?! Der Ekel regt sich schon, wenn man nur daran denkt! Von Zucker, aus der Zuckerrübe gewonnen, ist meistens keine Spur vorhanden, wohl aber von Kartoffeloder Stärkesyrup eine große Menge, nach Dr. Loh, Nahrungsmittelchemiker in Düsseldorf, bis zu 70 Procent, so daß es sich dann nicht mehr um Apfelgelee, oder richtiger -Kraut, sondern um geäpfeltes Kartoffelsyrup- Gelee handelt. Dieses Zeug segelt nun unter der Flagge „Kraut" oder „Gelee" und untergräbt, weil billiger als dieses, die ehrliche Apfelkrautfabrikation. Dieser Erwerbszweig, der besonders am Rhein, von Coblenz abwärts, seit Langem in hoher Blüthe stand, ist schon jetzt durch die in vielen Fabriken eingerissene Schmiererei so erschüttert, daß die ehrlichen und zuverlässigen Geschäfte sich kaum noch halten können. Selbst schon im Auslande (z. B. in Holland) spricht man davon, daß die ehedem solide rheinische Apfelkrautfabrikation nicht immer reine Obstproducte auf den Markt bringe. Ist es dann noch zu verwundern, wenn über lang oder kurz die Ausfuhr von Kraut oder Gelee aus Deutschland nach anderen Ländern zum größten Nachtheil der heimischen Industrie schließlich abnehmen muß? Dann können wir es wohl behaupten und sagen, daß die aus Amerika billig eingeführten, getrockneten Obftabfälle das hauptsächlich mit verschuldet haben. Die Herstellung billiger Ersatzmittel läßt sich ja nicht verbieten, aber auf die Bezeichnungen „Apfelkraut" oder „Apselgelee" dürften sie keinen Anspruch erheben, müßten vielmehr unter anderem Namen, deutlich gekennzeichnet, feilgeboten werden, um nicht die Käufer zu täuschen. Aus guten Gründen also sehe ich davon ab, die Herstellungsweise dieses als Genuß- und Nahrungsmittel höchst geringwerthiges Zeugs im „Practischen Rathgeber" zu schildern. * * * Rindfleisch nach Matrosenart. Uebrig gebliebenes Rindfleisch läßt sich auf folgende Art leicht zu einem sehr schmackhaften Gerichte zubereiten. Man macht eine braune Buttersauce, gießt in dieselbe ein halbes Glas Rothwein und ebensoviel Auflösung von Liebigs Fleisch-Extract, fügt Salz, Pfeffer, die üblichen Küchenkräuter, ein Dutzend kleine Zwiebeln, sowie ein Stück Zucker bei, läßt Alles eine Viertel Stunde kochen und wärmt dann in dieser Sauce langsam das in Scheiben geschnittene Rindfleisch. Humoristisches. Eine neue Krankheit. A.: „Ihre Frau ist ja heute so auffallend still?" — B.: „Nun ja — sie leidet wieder an der Krakehlkopfentzündung." * * * Malitiös. „. . Haben Sie schon gehört, der Schriftsteller Cassio ist kurz vor der Aufführung seiner Premisre gestorben!" — „Ja, der war immer sehr vorsichtig!" * * * Moderne Annonce. Als Geschiedene zeigen sich hocherfreut an August Piepenbrinck, Ida Schmock, gewesene Piepenbrinck. * * * Anzüglich. Unteroffizier: „Mensch, machen Sie doch nicht ein so trauriges Gcficht wie ein Affe, der erfahren hat, daß Sie von ihm abstammen!" * * * Schusterjungen-Witz. „Frau Meesterin, das is wohl Cyclopensuppe?" — „Wieso?" — „Sie hat nur e' eenziges Ooge!" * * • „Kannst Du mir euren berühmten griechischen Dichter nennen?" — „Achilles." — „So, so — wodurch war denn der berühmt?" — „Durch seine Verse!" RÄraetion I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Metzen l ( s c k c 6 t t S t l t s V r r f c r !