EB@ zMA rauch der Zeit! Die leichten Stunden Schießen schneller als ein Fluß. Zeit hat Flügel angebunden; Glücke geht auf glattem Fuß. Gott weiß, was wir morgen machen; Heute laßt uns lustig fein IJ Trauern, Frohsinn, Weinen, Lachen Zieh'n bald bei uns aus, bald ein. Wohl dem, welcher ist vergnüget, Wie sich sein Verhängniß füget. Ina. Novelle von S. Halm. (Fortsetzung.) Gebhardt wollte zum Herrn Commerzienrath und das Schwesternpaar begleitete ihn. Ina hatte sein Anerbieten, Theas Wagen zu lenken, freundlich abgeschlagen. Doch ließ er es sich nicht nehmen, wenigstens neben ihr her zu schreiten. Gleichgültige Dinge bildeten das Gesprächsthema, und da sich Ina heute sichtlich weniger angeregt zeigte, so gab sich Thea vielleicht auch in Folge der Aeußerungen der Schwester, für jetzt keinen weiteren Befürchtungen hin. Wenn die Schwester nicht die Gewalt über ihr Empfinden verlor, so schien ihr die Gefahr immerhin nicht allzu drohend, ein tieferes Gefühl im Herzen des Mannes hielt sie für ausgeschlossen, glaubte sie doch in Gebhardt, der ganz in seinen Geschäftssorgen aufging, nur den nüchternen Verstandesmenschen vor sich zu haben. Hätte sie gewahren können, mit welchem verschleierten und doch beredten Blick gerade jetzt des Mannes Augen auf ihrer Schwester ruhten, sie hätte sich weniger sanguinischen Hoffnungen hingegeben. — Halb in ihre Gedanken vertieft war sie dem Gespräch der Beiden kaum gefolgt, als Plötzlich Teßas Name an ihr Ohr schlug und sie aufhorchen ließ. „Ich warne Sie vor dieser Schlange, mein Fräulein!" härte sie Gebhardt sagen. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn ein derartig veranlagtes Weib zwischen zwei Menschen Unheil zu stiften gewillt ist-" worauf Ina aufrichtig bekannte: „Mir ist Franzens Cousine von der ersten Stunde nnsercr Bekanntschaft an unsympathisch gewesen und daß sie meine Gesühle mit doppelter Münze zurückgiebt, dafür habe ich mannigfaltige Beläge " Gebhardt lachte. „Ja, mein Fräulein, Sie haben eben das Aergste begangen, was Sie begehen konnten, Sie haben meiner Schwägerin und auch meiner Frau den Lieblingsplan zerstört." Fast klang etwas wie Schadenfreude aus Gebhardts Worten, und obgleich Thea sich durch die Hineinmischung des Napiens seiner eigenen Gattin nicht sonderlich angenehm berührt fühlte, glaubte sie doch in seiner Schadenfreude einen neuen Beweis für die Richtigkeit ihrer Vermuthung zu sehen, daß in Gebhardts Brust kein wärmeres Gefühl für die Schwester schlummere. Würde er sonst warnen, wo er nur auf die Seite seiner Verwandten zu treten brauchte, um seinem Ziel näher zu rücken. * * * Drückende Schwüle lag über der Stadt- schon seit einer Stunde ballte sich am westlichen Himmel Wolke auf Wolke zur dichten drohenden Wand zusammen- kein Lüftchen regte sich, es war die schwüle Stille vor Ausbruch eines Gewitters, und doch schritt Teßa von Steffens, unbekümmert ob des drohenden Unwetters, den Weg hinaus zur Villa Lentze. Sie hatte es sich einmal in den Kopf gesetzt, und kein Wetter hätte sie davon abgehalten, den weiten, staubig sonnigen Weg zurückzulegen. Teßa hatte, ohne es selbst zu wissen, eine Eigenschaft mit ihrem Schwager gemein, eine an Verbissenheit grenzende Willensfestigkeit, wenn es ein bestimmtes Ziel zu erreichen galt und doch wählte sie nicht den directen Weg- der, den sie einschlug, führte über sonnige Felder, an einem halbverwahrlosten Besitz vorbei, der ihrem Schwager gehörte und der seit dem letzten Miethetermin von den früheren Einwohnern geräumt war. Nach der unverschlossenen Pforte dieses Grundstückes lenkte Teßa, ehe sie ihren Weg weiter verfolgte, die Schritte, offenbar nicht ohne einen bestimmten Beweggrund und Zweck. — Das einem Landhause einfachsten Slyls ähnliche Gebäude lag inmitten eines stark verwilderten Gartens - die Dachpfannen zeigten einen grünen Moosansatz, die Fenster bet« riethen den Mangel der nöthigsten Reinigung. Wie ausgestorben lag das Haus, der Garten. Teßa schenkte dem Allen kaum einen Blick- sie strebte am Haus vorbei in den hintersten, von hohen Ahornbäumen beschatteten Theil des Gartens. Dort lag in einer besonders schattenreichen Ecke ein halb zerfallenes Häuschen, aus dem der Schall gedämpfter stimmen klang. — — 866 - Vorsichtig darauf bedacht, durch kein Geräusch ihre Annäherung zu verrathen, schlich sie heran. Eine Minute später verschwand sie fast in einem Buchsbaumgebüsch, um erst nach einiger Zeit mit allen Anzeichen der Befriedigung in den Mienen wieder daraus hervorzutauchen und ihren Weg fortzusetzen. Fräulein Teßa mußte eine Wahrnehmung ganz speciell für sie recht erfreulicher Art gemacht haben, denn ein Lächeln lag auf ihrem hübschen Gesicht, während sie den staubigen Feldweg dahinschritt und ihre Lippen murmelten deutlich: „Die lockeren Vögel hätte ich also auch in der Hand! Mache ich mit dem Vetter Fiasco, so soll mir der hübsche Harden wenigstens bleiben! Lore wird schon gute Miene zum bösen Spiel machen müssen, wenn sie erfährt, daß ich Mitwisserin ihres Geheimnisses bin!" Teßas Gedanken flogen dann zum Schwager. Wenn der wüßte:......! dachte sie schadenfroh, im Geheimen nur beklagend, daß der Zeitpunkt noch nicht gekommen, wo sie dem verhaßten „Moralisten", wie sie ihn getauft, für alle ihr gewordenen Kränkungen heimzahlen konnte. * * • Zur selben Zeit legte der Mann, dem Teßas Gedanken voll so wenig wohlwollender Gesinnung galten, gesenkten Hauptes den Weg von seiner Fabrik nach seiner Privatwohnung zurück. Es geschah dies zu einer außergewöhnlichen Stunde und der Diener, der dem Hausherrn öffnete, zeigte über diese Abweichung von der täglichen Regel denn auch eine höchst erstaunte Miene. Gebhardt hatte dafür kein Auge. Er fragte nach den Kindern und begab sich dann direct in das Kinderzimmer. Dort, von dem hochaufgeschossenen Jungen und dem jüngeren zarten Töchterchen mit großem Jubel empfangen, erklärte der also Bewillkommnete den erstaunt aushorchenden Kleinen, daß sie sich innerhalb einer halben Stunde zu einer Ausfahrt mit ihm, dem Papa, aukleiden zu lasfen hätten. Georg und Trude sahen einander, dann den Papa voll kindlicher Verwunderung an, Georg aber faßte sich ein Herz und lieh seinen Gedanken Worte. „Ist etwas Besonderes los, Papa?" Ueber das Antlitz des Mannes ging ein sonderbares Etwas. War es Mißmuth, Trauer--Rührung? Die Kinder verstanden das Sonderbare nicht zu deuten, vielleicht kam des kleinen Mädchens Empfinden dem Verstehen noch am Nächsten. Es schlang die mageren Aermchen um den Hals des Vaters und schmeichelte: „Papa lieb? Papa immer lieb, nich Trudel! ja? Nicht traurig sein!" Die kindliche Zärtlichkeit der Kleinen schien dem Manne wohlzuthun. Er küßte das Kind fast heftig und befahl dann Beiden, sich bereit zu halten, worauf Trudel jubelnd davon- stürmte und Georg sich zum Gehen anschickte. Doch der Vater hielt den ohnehin Zögernden zurück. — Er nahm den schlanken Jungen bei der Hand, strich ihm über die Backen und sagte dann: „Höre mich einmal an, Georg! Ich halte Dich für einen verständigen Jungen, zudem bist Du der Aeltere -und Vernünftigere, also merke auf, was ich Dir sage. Ich will Euch Beiden, Dir und der Trude, heute noch einmal einen freien Tag machen, denn morgen verreist Ihr!" Der Knabe sah unbeweglich in die Augen des Balers. Warum? fragten die seinen. Doch er sprach das Wort nicht aus- Gebhardt aber fuhr fort: „Ihr werdet die Großmutter auf Fehmarn auf einige Wochen besuchen- dann kommst Du in Pension, die Trude bleibt bei der Großmama. Nach dem „Warum" hast Du nicht zu fragen, Du hast mir zu gehorchen, mein Sohn, merke Dir das wohl und nun" schloß er aufathmend, „geh und sei mein verständiger Junge, sage der kleinen Schwester auch noch nichts, ich will durch keine weiteren Fragen belästigt werden- ich werde Trude selbst die frohe Botschaft sagen." Nun ging der Knabe hinaus- nur um seine kindlichen Lippen zuckte ein verhaltenes Weinen. Gebhardt sah ihm mit zusammengepreßten Lippen nach. „Armer Junge! Ahnt er vielleicht......? dachte er doch," dann tröstete er sich: „Es muß sein! Ich kann nicht anders! Wenigstens die reinen Seelen der Kinder will ich vor einem frühzeitigen Einblick in diesen Sumpf bewahren. Noch sind sie zu jung, um voll zu begreifen und wozu ihre reine Unschuld vor der Zeit vergiften. Vom Baume der Erkenutniß brechen sie die Frucht früh genug!" Eine Stunde später knirschten die Räder des Gebhardtschen Wagens auf dem Kies der Seiteneinfahrt, auf Lentzeschem Grund und Boden. „Meine verehrte junge Freundin, hier bringe ich Ihnen meine Kinder!" sagte Gebhardt zu Ina, die ihm von der Terrasse, auf der sie allein geweilt, entgegentrat. „Ich wollte sie Ihnen doch noch vorstellen, ehe ich sie auf Reisen schicke." Ina blickte auf die Kinder, die mit der Mutter so gut wie nichts an äußerem Reiz gemein hatten. Seine Kinder! Sie empfand ein Gefühl, so weh, so süß. Dem großen Jungen mit den fragenden Augen gegenüber fühlte sie sich beklommen- aber das Mädchen, das zutraulich zu ihr aufblickte, zog sie mit fast ungestümer Zärtlichkeit in die Arme. Seine Kinder! Sie empfand einen Augenblick lang etwas wie Neid- diese Kinder gehörten ihm, und dieser Mann gehörte jenen beiden kleinen Wesen, ging es ihr unklar durch den Kopf und ich---? Ich stehe außerhalb dieses kleinen Kreises. Währenddessen aber sprach sie: „Sie reden von einer Reise? Die Ferien haben ja auch bereits begonnen"- sie sprach es halb gedankenlos, mit dem weichen Lockengeringel des Mädchens tändelnd. „Es ist keine Ferienreise! Sie gehen, wenn auch nicht für immer, so doch auf lange Zeit, vielleicht auf Jahre. Gebhardt hatte es abgewandt von den Kindern gesprochen- ein tiefer Schmerz klang durch seine Worte. Ina erwachte aus ihrer halben Gedankenlosigkeit. Wie der Druck einer bangen Ahnung legte sich's ihr um's Herz. Verflogen war die egoistische Empfindung, die nur das eigene Leid, die persönliche Freude fühlt, im Augenblick war sie nicht sie selbst, nichts für sich wünschend, galt alles Denken und Wünschen nur dem Freunde. Sie sah den Schmerz in seinen Zügen, aus seinen Augen sprechen und sie vergaß sich selbst und die verlegen dastehenden Kinder. „Was ist geschehen? O bitte, sagen Sie es mir!" bat sie, seine Hand ergreifend. Ein Lächeln huschte über sein Antlitz und verschönte es. „Viel und nichts!" beschwichtigte er, ohne seine Haltung zu verlieren, und mit dem Blick die Kinder streifend, ermahnte er sie und sich selbst zur Vorsicht: „Später, Fräulein Ina!" Sie senkte fast beschämt die angstvoll fragenden Augen- dann nahm sie ein jedes der Kinder bei der Hand. „Kommt, wir wollen zur Tante Thea gehen- die giebt uns den Schlüssel zum alten Puppenschrank und in der Bibliothek suchen wir ein schönes Buch heraus, nicht wahr, Georg?" Bereitwillig ließen sich die Kinder von dem freundlichen Mädchen geleiten, langsam, mit einem nicht leicht definir- baren Gesichtsausdruck, folgte den Voranschrettenden Gebhardt. „Er trägt eine unsichtbare Maske vor dem Gesicht, glaubst Du nicht auch?" Schon zu verschiedenen Malen hatte Ina so zur Schwester gesprochen, diese darauf aber nur mißbilligend den Kopf gewiegt. „Du willst immer sehen, was nicht ist, Ina!" hatte sie gemeint und die Schwester eine kleine Närrin gescholten - heute sah Thea auch die Maske - die Maske, die, wie Ina behauptete, rasend machen konnte in ihrer kühlen Undurchdringlichkeit, mit ihrem tobten Ausdruck. Er hatte es gelernt, sich zu verstellen, sagte sich Ina voll Schmerz. Sie, die die Offenheit liebte, verlangte auch darnach, in der Physiognomie ihres Nächsten lesen zu können. Zwar bedachte sie nicht, daß gerade das, was wir nicht mit - 867 - leiblichen Augen sehen, vielmehr nur ahnen, mehr Werth und Reiz für uns in sich birgt, als das, was sich entblößt unserem Blick darbietet. — Gebhardt fand nicht zu seiner Freude seine junge Schwägerin bei Thea. — „Du hier?" fragte er mit seiner undurchdringlichen Miene. Teßa sah ihm schnippisch in's Gesicht. „Ich denke, ich habe dieselben Rechte wie Du!" sprach sie, worauf der Mann nur die Schulter hob. „Ich glaubte Dich in Lores Gesellschaft," warf er kühl hin. Teßa ließ ein Lachen hören, das Alle unangenehm berührte. „Lore ist anderweitig beschäftigt!" sagte sie höhnisch, doch Gebhardts Miene behielt denselben Ausdruck, vielleicht vertieften sich noch die Furchen auf seiner Stirn. Doch mit einem kalten „So----?" wandte er sich ab und den Schwestern zu. — Ina und Gebhardt durchstreiften miteinander die Wege des Parks. Der Bräutigam war gekommen,- doch Teßa hatte ihn bald zu irgend einem Liebesdienst beordert und ihn völlig mit Beschlag belegt,- Thea pflegte der Ruhe und Papa Lentze hatte Besuch. — Die Kinder tollten im Park. Schweigend schritt das Paar nebeneinander hin- ein Jedes mit seinen Gedanken beschäftigt. (Fortsetzung folgt.) Berliner Sommermoden. Von Erna Herm. ----— (Nachdruck verboten.) KO. So wie die schöne Natur den Poeten immer aufs Neue zu inspiriren vermag, übt sie ihren Reiz auch auf die Modedamen, natürlich wieder auf andere Weise. Da Harmonie doch den Ausgangspunkt für alles Schöne bildet, so drängt es dieselben, ihren äußeren Menschen mit der Sommerpracht in Einklang zu bringen, und die Toilettenfrage spielt im Bunde mit den Jahreszeiten eine große Rolle. Und wie harmonisch sieht es auch aus in den Villengärten von Heiligendamm oder im Grünewald, wo man auf grünem, sammt- artigen Rasen, hochroth oder hellblau gestrichene, zierlich geformte Holzmöbel sieht, von einem mächtigen japanesischen Schirm überschattet, und in den bequemen Fauteuils schaukeln sich schöne Frauen und liebliche Mädchen in Hellen duftigen Gartenkleidern. Spielende Kinder in gestickten Batistschürzchen mit Hochrothen Achselschleifen, mit nackten Beinen und fliegenden Locken vervollständigen dann dies anmuthige Genrebild, welches so vergänglich ist, wie die Jahreszeiten, und trotz der anscheinenden Einfachheit sehr viel Geld kostet. Zum Glück finden sich noch immer zahlreiche Amateurs für solche Scenen, und der geplagte Familienvater sucht für seine Sorgen und Mühen in demselben seine Belohnung, wenn auch er selbst an dem dolce far niente der Seinen oft nur als Sonntagsgast theilnehmen kann. Die Saison 1898 steht, was ihre Sommermodestoffe betrifft, im Zeichen des Hauches und des Duftes. Battist und Mousseline, Foulard und Etamine, werden mehr denn je getragen, selbst für Wollkleider ist neuerdings der leichte dünne Voilestoff en vogue. Was die Mode zur luxuriösen stempelt, ist die besondere Beliebtheit der weißen Farbe, welche nur in fleckenloser Reinheit wirkt, und daher großen Wechsel bedingt. Weiße Tuchkleider, weiße Battist- und Leinenkleider, weiße Pique- und Cachemirkleider, vor Allem aber das weiße Seidenmousselinekleid gilt als dernier cri der neuesten Modeschöpfungen. Der spinneweb feine, sehr theure Mousseline wird in unzählige winzige Volants geschnitten,- der leicht schleppende, unten sehr weite Rock schürzenartig damit garnirt, während die glatten Flächen durch kunstvolle Zeichnungen, welche mit schmalen weißen Bändchen ausgenäht werden, bedeckt sind. So sehr der weiße Lederschuh en vogue ist, so ist er für solche Toiletten verbannt, und der braune Lackschuh, welcher die letzte Novität im Gebiete der Chaussure vorstellt, wird zu demselben getragen. Wo die Jugend nicht mehr ganz waschecht ist, die Frauen geben sich gütigerweise darin den weitesten Spielraum, ist schwarz die bevorzugte Modefarbe, welche geeignet ist, die interessante Blässe der Hautfabe oder schön gefärbtes Goldhaar ins richtige Licht zu setzen. Die uninteressanteste Wittwe kann sich durch eine gelungene Toilette aus schwarzem Tüll mit schimmernden Pailletten besäet, mit dem Nimbus eines gewissen je ne sais quoi umgeben, welchen keine andere Toilette sonst hervorbringen könnte. Zwischen den beiden Grundfarben schwarz und weiß, welche der gute Geschmack als Modefarben auserlesen hat, dominiren sämmtliche scharfen Töne außer grün, welches durch den wahnsinnigen Verbrauch des Vorjahres glücklicherweise ausgegangen zu sein scheint. Zu weißen oder dunklen Wollstoffröckchen trägt man das ueurothe oder veilchenfarbene Taffethemd, welches Costüm durch ein Bolerojäckchen vervollständigt wird. Das Haupt- stück der Sommertoilette bildet jedoch der Gürtel, welcher in unzähligen Variationen existirt. Vom glatten, schmalen Goldgürtel angefangen bis zum ombrirten aus verschieden nebeneinander gelegten Bändern hergestellten Gürtel, giebt es eine derartige Menge, daß es der Modechronistin schwer fällt, einzelne herauszugreifen. Bemerkenswerth sind jedoch dieselben aus schwarzseidenem Gummi, von 15 zu 15 Zentimeter durch geschliffene Stahlschnallen unterbrochen. Band, Tuch- unb, Ledergürtel tragen gemalte Sportvignetten, Tennisschläger, Ruder u. s. w. Den flachen Matrosenhut umgiebt man mit der gleichen Garnitur, und richtet es so ein, daß man das Band durch Umwechslung von Haken wechseln kann. Für große Toiletten gehört der ganz schmale Sammetgürtel in beliebiger Farbe, welcher mit einer Brillantschnalle geschlossen wird. Für Morgenkleider und Negliges hat man reizende neue Seidenbattiste, die sich vorzüglich waschen lassen und billig sind. Streifenmuster in hellblau mit rosa, gelb und weiß, dunkellila mit blau sind in großer Auswahl zu haben. Die Aermel werden nur bis zum Ellenbogen reichend, geschnitten und mit einer Spitzen- oder Stickerei-Garnitur versehen. Große Matrosenkragen schließen sich unterhalb des Jabots, welches gleichfalls aus Stickerei oder Spitzen besteht. Sehr hübsche Gartenkleider werden aus gestreiftem englisch Leder für Tennisspielerinnen hergestellt. Dem einfachen halbgrauen Rocke gesellt sich die lose Blouse mit dem Matrosen- kragen aus hochrothem englisch Leder, welcher in den Ecken ein Sportabzeichen in weiß gestickt, zeigt. Ein rother Lackgürtel und ein Matrosenhut mit weißroth gestreiftem Band vervollständigt diesen Anzug der Sechzehnjährigen, oder derer, die es scheinen wollen. Ganz weiße Leinenkleider, sowie blaue und graue sind für Sportzwecke sehr beliebt, und fast immer mit glatt anliegender Weste aus weißem Pique und dem Bolerojäckchen gemacht. Für ältere Damen wird meistens Foulard in Jackenfatzon verarbeitet und mit echten Spitzen in Guipure oder Stickerei garnirt. Auch weißschwarz gestreifte Taffetkleider mit Spitzenfichu stehen gut zu ergrauendem Haar und lassen die Trägerin oft sehr anziehend erscheinen. Trotz aller Reformbestrebungen sind Jupons die große Mode des Tages, nur für den Sport und auf der Reise aeeeptirt man die Knickerbockers, für alle anderen Zwecke ist man wieder zu den seidenen, battisteneu und spitzenbesetzten dessons zurückgekehrt. Fürchten Sie nicht, meine Damen, daß die Frauenrechte durch diese Umkehr zum ewig Weiblichen leiden werden, wenn sich die Damen ihrer größten Anziehungskraft, des Reizes ihrer äußeren Erscheinung nicht begeben, haben sie viel mehr Chaneen, zu siegen, und die Zahl der Männer, welche für ihre Rechte stimmen, und sich den Gattungsnamen Feministen gefallen lassen müssen, zu vermehren. Wie Sie vielleicht bereits wissen dürften, hat sich in jüngster Zeit in Berlin ein „Damenelub" eonstituirt, wo der Frauenwelt unter angenehmen Bedingungen Gelegenheit gegeben wird, einige Stunden des Tages in zwanglos gemiithlicher Weise mit anderen Damen in Beziehung zu treten, die trotz des gleichen Bildungsganges, und der übereinstimmenden Ansichten durch soeiale Verhältnisse getrennt sind. Gleich dem Beispiel 868 - der Pariser und Londoner „Association femine“ sind auch in dem Berliner Damenclub die Räume so anheimelnd wie möglich eingerichtet, und es wäre kein Wunder, wenn nach einem kleinen ehelichen Scharmützel die Frau des Hauses in ihren Club retirirt, ein Ausweg, welcher bis lang ein Privilegium des männlichen Geschlechtes war. Das reizende Schreibzimmer mit mattgrünen Möbeln, auf denen Heliotrop und gelbe Libertykiffen ruhen, ladet zur verschwiegenen Corre- spondenz förmlich ein, während eine kleine Bibliothek und ein Lesezimmer, in dem Zeitschriften in jeder Sprache aufliegen, beim Scheine des elektrischen Lichtes zur Lectüre einladen. Ein entzückender Gartensalon mit rochen Möbeln im englischen Genre, führt in einen Garten hinab, wo man biegsame Frauengestalteu in hübschen Sommertoiletten lustwandeln siehe. Speisezimmer, Telephonzimmer und Nebenräume, sowie Gast- und Vorstandsztmmec sind im ersten Stock untergebracht, den point d’honneur bildet jedoch das „Rauchzimmer", wo bei türkischem Cigarettendampf wohl über manche Sommertoilette Rach gehalten wird. Gemeinnütziges. Wie itzt man Kirschen? Viele meiden das Kirschen- essen, weil sie Magendrücken nach dem Genuffe dieses so gesunden Obstes bekommen. Man genieße etwas Semmel (oder noch besser Butterbrot) während des Kirschenessens (wodurch eine gute, beim schnellen Kirscheneffen oft verhinderte Einspeichelung erreicht wird) und wird bald finden, daß man ganz vortrefflich Kirschen vertragen kann. * * Die Behandlung der Goldfische. Dem bekannten runden Bassin ist ein länglich viereckiger Glaskasten bei Weitem vorzuziehen. Die Erneuerung des Wassers soll wöchentlich ein Mal, in der heißen Jahreszeit alle Tage geschehen- das frische Wasser muß die Temperatur des Zimmers haben und sich der des alten Wassers nähern- auch streue man ein wenig Salz in dasselbe. Bei den Händlern findet man reizende Wasserpflanzen, welche das Wasser Monate hindurch frisch erhalten, so daß dessen Abwechselung fast un- nöthig ist. Als Futter verwendet man möglich frische Ameiseneier, im Sommer kann man auch Fliegen oder etwas Eigelb, niemals jedoch Brot geben, auch füttere man nicht zu reichlich. Von November bis Februar kann man das Füttern einstellen, und erst im Frühjahr beginne man ganz allmählich von Neuem damit. * * * Ein Mittel, welches das Blühen der Blumen befördert. Man schüttet 4 Loth schwefelsaures Ammoniak, 2 Loth Salpeter und ein Loth Zucker in Vs Liter heißes Wasser und bewahrt dieie Mischung in einer gut verkorkten Flasche auf. Hiervon nimmt man 10 bis 12 Tropfen auf 1 Liter Wasser und begießt damit die Blumen. Besonders wirksam soll diese Beimischung für Zwiebelgewächse sein, die man in Töpfen treibt. Wenn das schwefelsaure Ammoniak nicht zu haben ist, nimmt man salzsauren, gewöhnlichen Salmiak. * * * Walluüffe lange schmackhaft zu erhalten. Walnüsse nehmen gewöhnlich bald einen unangenehmen, öligen Geschmack an, um dies zu verhüten, legt man sie 48 Stunden lang in lauwarme Milch und läßt sie dann an der Luft wieder trocknen. Statt der Milch kann man auch Salzwasser nehmen, doch müssen die Nüffe dann fünf bis sechs Tage darin liegen bleiben. * * * Gegen aufgesprungene Hände. Eines der besten Mittel ist Honigwaffer (ein Eßlöffel voll Honig auf 1 Liter Wasser). Dies macht auch die Haut zart und geschmeidig. Verstärken kann man die Wirkung, wenn man der Flüssigkeit noch einen Eßlöffel voll Glycerin zusetzt. * • ♦ Kittreeepte. Warmer Leim und fein gesiebte Holzasche geben einen billigen und dauerhaften Kitt. — Einen geradezu unübertrefflichen Kitt bereitet man sich auf folgende Weise: Aus Bleiweiß, Silberglätte, Kasselergelb, Umbraun und Mennige bereitet man sich ein Pulver, indem man jedes einzeln mit Wasser fein abreibt und das Ganze nach vollständigem Trocknen in einem Mörser zusammen stößt und mischt. Von diesem Pulver reibt man soviel als man nöthig hat, mit recht dickem Leinölfirniß und mischt dann die Masse mit Bernsteinlack bis ein steifer Teig entsteht. Den auf diese Weise erhaltenen Kitt, wendet man bei kleinen Rissen und Höhlungen mit einem kleinen Haarpinsel an, bei größeren Defecten trägt man nach jedesmaligem Trocknen wiederholt auf, bis die Höhlung ausgefüllt ist. — Durch entsprechende Zusätze von Zinkweiß, Bleiglätte und Mennige kann der gewöhnliche Glaserkitt (Kreide und Leinölfirniß) bedeutend verbessert werden. Er hat in dieser verbesserten Zusammensetzung die Eigenschaft, daß er schneller hart wird und sich für manche Holzarbeiten vorzüglich eignet. — Verschiedene Farben des Kittes erhält man durch Zusatz entsprechender Farbstoffe, z.B.: Für Nußholz: Umbraun, Kasselererde u.dgl.- für Eichenhplz: Ocker- für Ahorn: Kremserweiß u. dgl.- für Mahagoni: gebrannte Terra di Sienna u. s. w. • * ♦ Schleier zu waschen. Weiße Schleier werden in blutwarmem Seifenwaffer gewaschen, leicht ausgerungen, dann in kaltem Brunnenwasser gespült und geblaut, gestärkt und zwischen den Händen halb trocken geklopft, dann aber zum vollständigen Trocknen aufgesteckt. — Schwarze Schleier taucht man in warmes Wasser, in welchem Ochsengalle aufgelöst ist, und spült sie dann kalt nach. Um sie zu steifen, . zieht man sie durch Gummiwasier, klopft sie zwischen den Händen halb trocken und steckt sie dann auf. Praktische Winke für Touristen und Ausflügler. Schmied' wohl einen Reiseplan — Aber halt Dich nicht daran. Wer wandern will, Der schweig' fein still, Geh' steten Schritt, Nehm' nicht viel mit, Tret' an am frühen Morgen Und laß daheim die Sorgen. Wandern heißt: ein köstlich Buch genießen - Man blättert darin mit den Füßen. Der Wanderstab — ein Zauberstab, Führ' ihn bergauf, bergunter - Er zeigt mit jedem neuen Schritt Ein neues Gotteswunder. Was man abläuft an dem Schuh, Wächst dem Kopse doppelt zu. Sintemal doch ein Tourist Kein mühselig Lastthier ist, Soll er sich nicht zu Leibesschaden Beim Wandern wie ein Kameel beladen. Besser liegen bleiben — Als übertreiben und aufreiben. Wetzen hält im Mähen nicht auf, Sitzen hält im Gehen nicht auf. Redaction; Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Greßm.